Beiträge von Areios

    Oh ja, diese Aufführung ist eine absolute Glanzleistung aller Beteiligten. Ich hab die Bohème ungelogen schon in durchaus renommierten Opernhäusern schlechter gesungen, gespielt, interpretiert und inszeniert gehört als von der Düsseldorfer Musikhochschule. Jakob Kleinschrot hat das aufregendste Stimmmaterial, das stimmt, aber auch die beiden Sopranistinnen sind ganz große Klasse. Alle dürfen sie freilich noch ein bisschen reifen, wobei die frischen und noch nicht ganz fertiggeschliffenen Stimmen gerade in einer Oper wie La Bohème sehr authentisch klingen.


    Liebe Grüße,

    Areios

    Was die von Philbert erwähnte Alexia Cousin betrifft, finde ich es sehr schade, dass sie sich gezwungen gefühlt hat, ihre künstlerische Karriere aufzugeben.

    Von der Cousin habe ich mir nun neben der 'Thais-Arie' auch die der Elisabeth aus dem 'Tannhäuser' (2002) und die aus 'Ernani' angehört. Bei der Elisabeth fällt mir zunächst eine 'verschwommene' Diktion auf und auch doch ein Mangel an Persönlichkeit. Letzteres gilt auch für den Ernani, die mir insgesamt zu lyrisch ist. Aber (!!!), wir reden hier über eine Sängerin zu Beginn und in der Mitte ihrer zwanziger Jahre. Welches Talent deutete sich da an! Schade, dass sie sich zurückgezogen hat. Wobei die Gründe dafür ja vielfältig sein können und in der Regel auch sind. Vielleicht hatte sie schlichtweg Probleme mit dem Dauerstress einer internationalen Karriere. Wer könnte ihr das verdenken? Aber das ist pure Spekulation.

    Auf YouTube gibt es jetzt auch noch den Upload einer wunderbaren Desdemona:

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    Liebe Grüße,

    Areios

    Und weil ich nun mal im Moment im Butterfly-Fieber bin, dann noch diese Aufnahme:



    Victoria de los Angeles hatte wirklich eine begnadete Stimme und ich liebe sie im französischen Fach quasi über alles. Und auch hier ist sie eine wirklich junge Butterfly. Aber für mich hatte sie eben keine Stimme für den italienischen Verismo.

    Ich halte die Butterfly - und Puccini generell - ehrlich gesagt nicht für echten Verismo und de los Ángeles stimmlich sehr passend für Puccinis zerbrechliche Kindfrauen (Mimì, Butterfly, Angelica, Lauretta). Sie singt auch eine meiner Meinung nach wirklich fulminante Nedda in Pagliacci mit Björling und Warren. Wo ich deine Einschätzung hingegen voll und ganz nachvollziehen kann, ist ihre Santuzza, die ist wirklich zu wenig aus dem Bauch raus. Aber die benötigt vielleicht auch einen echten Mezzosopran.


    Liebe Grüße,

    Areios

    sondern auch hinsichtlich der Struktur und Kohärenz. Das Problem der nicht mehr aufgenommenen Rahmenhandlung, die extreme Verwicklung der komischen Subplots, die Inkonsequenzen der Hortensio-Figur

    Ich denke, es liegt v.a. daran, dass es ganz früher Shakespeare ist, er viel zu viel gleichzeitig wollte, was er noch nicht bewältigen konnte. Persönlich bedauere ich v.a., dass er die Rahmenhandlung nicht abgerundet hat.

    Die abgerundete Rahmenhandlung im zeitgenössischen anonymen "Taming of A Shrew" (entweder Shakespeares Vorlage, eine Bearbeitung nach Shakespeare, eine frühe Skizze Shakespeares, eine unautorisierte Nachschrift realer Aufführungen oder eine Mischung aus allem) zeigt ja, dass Sly Ärger mit seiner Frau bekommt, wenn er spät und betrunken heimkommt. "Taming of A Shrew" beinhaltet auch Biancas entsetzte Reaktion auf Katherines Schlussmonolog: "It's better to be a shrew than a sheep." Das gibt dem Ganzen dann eine deutliche Ironisierung, die bei Shakespeare fehlt.

    Ich vermute mal, "Whateley" wurde damals auch noch dreisilbig ausgesprochen, und Shaksper hatte damals vielleicht auch noch nicht seine klare Bühnenaussprache...


    Eine Vorfahrin meiner Frau ist laut Kirchenbüchern zweimal gestorben, einmal als Witwe ihres ersten Mannes und dann einige Jahre später im Nachbardorf als Witwe ihres zweiten Mannes (mit dem sie zu ihrem ersten Todeszeitpunkt bereits verheiratet war).

    Das Aufgebot wurde noch für Anne Whateley bestellt, die Eheschließung kurz danach erfolgte mit der acht Jahre älteren Anne Hathaway. Ob beide identisch sind - man weiß es nicht.

    Sowas kommt in alten Kirchenbüchern häufiger vor und liegt vermutlich in allen Fällen an einer Überdosis Messwein. Hier hat's halt mal eine prominente Persönlichkeit getroffen. ;)

    Für mich ist das zumindest auf den ersten Blick eines der problematischsten Stücke Shakespeares, nicht nur wegen der Misogynie, sondern auch hinsichtlich der Struktur und Kohärenz. Das Problem der nicht mehr aufgenommenen Rahmenhandlung, die extreme Verwicklung der komischen Subplots, die Inkonsequenzen der Hortensio-Figur (und der aufploppenden Witwe...), das finde ich alles doch irritierender als in den meisten späteren Stücken. Es kann natürlich, wie immer bei Shakespeare, nicht ganz ausgeschlossen werden, dass in der Überlieferung der Wurm drin ist.


    Was die Schlussrede der Katherine betrifft, hat für mich die Interpretation von William Empson einiges aufgeklärt, auch im Hinblick auf die Rahmenhandlung: Er argumentiert, dass die Rolle der Katherine nicht wie üblich von einem Knaben, sondern von einem erwachsenen Mann in drag gespielt wurde, da ihre physische Stärke im Text stets betont und manchmal auch auf der Bühne sichtbar wird. Wenn das am Ende durchscheint, erhält der Monolog dadurch abgesehen von der zusätzlichen Komik auch eine metatheatralische Ebene über das Spielen einer Frauenrolle, die gleichzeitig auch den Bogen zur metatheatralischen Rahmenhandlung zurückschlägt, deren Wiederaufnahme Shakespeare dafür verweigert.


    Aber ich mag das Stück trotzdem nicht.


    Liebe Grüße,

    Areios

    Worum es mir mit diesem Thread geht: Darf ein Komponist, der einen Kompositionsauftrag erhalten hat, tun, was Britten getan hat? Seinen Auftraggeber derart brüskieren? Rechtfertigt der 1937 begonnene Zweite Japanisch-Chinesische Krieg diese Vorgehensweise, oder erscheint die völlig am Kompositionsauftrag vorbeigehende Komposition im Nachhinein durch den japanischen Überfall auf Pearl Harbor etwa acht Monate nach der Uraufführung in einem anderen Licht? Hätte Britten, dessen pazifistische Haltung ich ausdrücklich teile und dessen Verurteilung des japanischen Überfalls auf China und das Niedermetzeln der dortigen Bevölkerung ich zutiefst nachempfinde, den Kompositionsauftrag nicht zurückgeben müssen, nachdem er erfahren hatte, dass Japan die "ausländische Macht" war, für die er arbeiten sollte?

    Meiner Meinung nach sind da durchaus beide Wege moralisch gangbar, den Auftrag aus Protest zurückzugeben oder den Auftraggeber zu brüskieren - ich vermute fast, die christlichen Requiemsätze als "Huldigungsmusik" waren für die traditionalistische kaiserkultgeprägte japanische Gesellschaft Mitte des 20. Jh. noch weitaus beleidigender, als uns modernen Rezipienten das auf den ersten Blick nachvollziehbar ist. Sich dafür dann auch noch bezahlen lassen zu wollen, setzt der Provokation ja noch die Krone auf, das würde ich nicht als inkonsequent ansehen.


    Liebe Grüße,

    Areios

    Liebe Capricciosi,


    die Musik von Franz Xaver Süßmayr, die in der ersten Hälfte des 19. Jh. zumindest in Wien recht präsent war, ist mittlerweile aus Liturgie und Konzertleben praktisch völlig verschwunden - mit einer gewichtigen, aber auch umstrittenen Ausnahme, nämlich seinen Ergänzungen des Mozart-Requiems (Lacrimosa, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei). Von der "Missa solemnis in D", wohl dem geistlichen Hauptwerk Süßmayrs, das er vermutlich kurz vor seinem Tod komponierte, gibt es bis heute nicht einmal eine kommerzielle Aufnahme, wiewohl man glücklicherweise auf YouTube einen Mitschnitt aus dem Jubiläumsjahr 2003 finden kann:

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    Das Anhören lohnt sich gerade auch im Vergleich zu Mozarts Requiem. Einerseits entkräftet die Missa solemnis den Vorwurf der modernen Musikwissenschaft, dass Süßmayr keine Fugen komponieren konnte, völlig. Wenn Süßmayr also keine Amen-Fuge für das Dies irae komponierte, lag das nicht an einer angeblichen Unfähigkeit. Er muss sich etwas dabei gedacht haben. Andererseits sind Sanctus und Agnus Dei der Missa solemnis fast schon Rekompositionen der jeweiligen Requiem-Teile - ein musikalischer Anspruch auf Urheberschaft? Jedenfalls gilt es hier eine große Wiener Messkomposition dem Vergessen zu entreißen, die es problemlos mit den späten Haydn-Messen aufnehmen kann und in ihrer frühromantischen Tonsprache die Verbindung zu den großen Messentwürfen Schuberts schafft.


    Liebe Grüße,

    Areios

    Österreichische Universitäten sind seit 2002 privatwirtschaftlich organisiert und beschäftigen mit Ausnahme von ein paar Altverträgen keine Beamten. Für die Erbringung von Leistungen (i.e. Bildung) erhalten sie vom Staat ihr Grundbudget, über das die Rektorate dann aber relativ frei verfügen können. Die Rektoren haben also durchaus Gestaltungsspielraum, sich selbst ein gutes Gehalt zu zahlen. Vor ein paar Jahren gabs darüber mal eine Diskussion im Nationalrat: https://sciencev2.orf.at/stories/1761942/index.html

    Die Übertragung dieses "Hoffmann" hab ich auch gesehen! Die Fassung war ziemlich nahe an Kaye-Keck, soweit ich mich erinnere (das Finale des Giulietta-Akts hab ich irgendwie - zu Recht? - aus meinem Gedächtnis gelöscht), Brower und Bernheim ganz ausgezeichnet, Peretyatko und Pisaroni gut. Die Inszenierung war im Großen und Ganzen furchtbar, obwohl ich die Flügel im Antonia-Akt bizarr, aber irgendwie auch nett fand. Ich hab deshalb dann irgendwann nur noch zugehört und daneben was anderes gemacht, was auch manche Erinnerungslücken erklären könnte. Jetzt dürfte der Stream schon abgelaufen sein, ich finde ihn jedenfalls nicht mehr.


    Liebe Grüße,

    Areios

    Oh, jetzt hab ich's dieses Jahr verpasst. Naja, die Live-Erlebnisse hielten sich eh in sehr engen Grenzen. Einzige Ausnahme: Schwanda, der Dudelsackpfeifer in Graz. Die Musik macht eigentlich Spaß, aber Text und Plot sind so jenseitig schlecht, dass einen der Raritätenstatus des Werks nicht wunder nimmt.


    Liebe Grüße,

    Areios

    Streichquartett-Konzeptalbum: Das niederländische Dudok Quartet kombiniert unter dem Nenner Solitude etwas überraschend Mendelssohns op. 80 mit Weinbergs Nr. 3 sowie Schostakowitschs Elegie (aus den zwei Stücken von 1931) und fügt extraschrill Quartettbearbeitungen von Josquins Mille regretz und Gesualdos Moro lasso hinzu:



    Ungeachtet des Titels ist das aber ein ausgezeichnet gespieltes und interpretiertes Album, das ich sehr gerne höre. Auch lässt sich durchaus ein Zusammenhang zwischen den eingespielten Komponisten bzw. Stücken und dem Thema Einsamkeit konstruieren, wenn auch vielleicht keiner, der ein Konzeptalbum tragen könnte.

    Nana Mouskouri hat in ihrer langen Karriere so gut wie jedes Musikstück - egal welches Genres und welcher Sprache - gesungen, das nicht bei drei am Baum war, und fast jedes Jahr mindestens ein Album veröffentlicht. Davon ist zweifellos einiges verunglückt - in den späteren Jahren mehr als in den früheren, wobei auch die plüschigen Arrangements viel Unheil angerichtet haben -, aber auch einiges gelungen. Das Titelzitat dieses Threads ist mehr als eine Platitüde, es wird von Nana Mouskouris Lebenslauf mehr als bestätigt.


    Und ich finde diesen Zugang zur Musik grundsätzlich sehr sympathisch, auch mutig und bewundernswert. Ich muss mir ja deshalb nicht alles anhören.


    Was man sich aber vielleicht doch anhören sollte, ist ihre frühe Jazz-Platte "Nana Mouskouri in New York"/"The Girl from Greece sings" von 1962, produziert von Quincy Jones. Das sind sehr gut und stilsicher interpretierte Jazz-Standards, denen die helle, süßlich timbrierte Stimme der Sängerin ein unverwechselbares Gepräge gibt. Mein Favorit auf der Platte ist das besonders facettenreiche, mit viel Emotion gesungene "Love me or leave me". Abseits der Highlights sind einige Stücke allerdings etwas zu harmlos geraten.



    Und was man sich auch anhören sollte, sind die griechischen Lieder, insbesondere von Manos Hatzidakis, auf denen der frühe Ruhm der jungen Sängerin gründete: "Mes plus belles chansons grecques" (1963) und die spätere Kompilation "I Nana Mouskouri tragouda Hatzidaki". Darunter die Referenzaufnahme eines der schönsten Hatzidakis-Lieder, "Milise mou", das man sich auf YouTube auch live aus dem Odeon des Herodes Atticus anhören kann (1984, eines der zahlreichen Konzerte oppositioneller Exilmusiker nach dem Sturz der Militärjunta in diesem Jahr).


    https://www.youtube.com/watch?v=LOW-lwlpMh0


    Liebe Grüße,
    Areios

    Ich hab heute zufällig die etwas boshaft geratene Kritik einer Aufführung von Tschaikowskis selten gespielter "Tscharodajka" aus dem Jahre 2014 am Theater an der Wien gefunden: https://www.derstandard.at/sto…emandsland-von-vorgestern


    Gelacht habe ich über diesen Absatz:


    Zitat von Stefan Ender

    Asmik Grigorian singt die Partie ganz wundervoll, mit Intensität, mit einem großen, in Extremsituationen leicht grellen Sopran. Aber was soll das für eine Frau sein, die sie darstellt? Die junge Litauerin spielt mal ein verhuschtes Schulmädchen, dann plötzlich eine herrische Domina, wieder ein paar Augenblicke später ein apathisches Wesen, das zu viel Valium eingeworfen hat. Nur Mavie Hörbiger hat die Courage, einen ähnlich kraus zusammengemixten Topfen als Figur zu verkaufen. Man kann es aktuell im Akademietheater in Tschechows Die Möwe miterleben.


    Dieser Seitenhieb kam unerwartet - zwei Aufführungen mit einer Klatsche geschlagen... 8o


    Liebe Grüße,
    Areios


    Konnte man auf der ersten von mir vorgestellten CD gewissermaßen Victorias Anfänge nachvollziehen, so ist diese CD, soweit ich weiß, ihre letzte Aufnahme. Gleichzeitig kehrt die 69jährige Sängerin damit auch auf gewisse Weise zu den Anfängen zurück: Die "Siete canciones populares espanolas" von Manuel de Falla hat sie bereits 1965 in der Klavierversion aufgenommen; hier folgt nun die Orchesterversion. De Fallas neobarocke Bühnenmusik zu Calderóns "Gran Teatro del Mundo" greift auf volkstümliche spanische Vorlagen zurück. Dazu kommt die großartige Gedichtvertonung "Psyché" für Sopran, Flöte, Harfe und Streichtrio. Ihre Stimme hat noch immer dasselbe wunderschöne Timbre und flutet nahezu unversehrt. Manchmal fällt auf, dass sie öfter zwischenatmen muss als früher, aber das ist schon fast das einzige. Was sie aber im letzten Lied der "Siete canciones", dem flamencoartigen Polo, macht, muss man gehört haben! Hier wird die Stimme plötzlich rauh und mit leidenschaftlicher Intensität stößt sie den Fluch auf die Liebe an sich und auf ihren untreuen Liebhaber hervor. Wahnsinn! Mit dem als Ausgangspunkt hätte sie noch eine dritte Karriere als Flamenco- oder Worldmusic-Sängerin machen können!

    Victorias Wandelbarkeit im Spätherbst ihrer Karriere kann man auch in diesem Live-Mitschnitt sehen: https://www.youtube.com/watch?v=mWCFRIMArXQ


    Da singt sie den "Fado (Ai que linda moça)" aus den "Seis canciones portuguesas" von Ernesto Halffter, und zwar wie! Victoria de los Ángeles wusste offensichtlich, wie Fado klingen soll, selbst wenn sie ihn als klassisch ausgebildete Sängerin in einem klassisch inspirierten Arrangement singt. Gewisse leichte Alterungserscheinungen der Stimme fügen sich dabei nahtlos in das Interpretationskonzept bzw. erhöhen den Fado-Charakter sogar noch.


    Liebe Grüße,
    Areios

    Liebe Capricciosi,


    Montserrat Caballé hat viele wunderbare Aufnahmen und Aufführungen hinterlassen, manchmal allerdings auch durchwachsene. Obwohl sie mit Belcanto und "Barcelona" berühmt geworden ist, lag ihre größte Stärke meiner Empfindung nach in Opernpartien, die man vielleicht als "pseudo-dramatisch" bezeichnen sollte: Rollen, die in der Besetzungstradition - z.T. allerdings erst seit Birgit Nilsson - häufig an dramatische und hochdramatische Sopranistinnen vergeben wurden, aber eigentlich sehr viele lyrische Passagen im Piano und Pianissimo aufweisen und wohl eher vom Spinto her gedacht sind. Ich denke da an ihre maßstabsetzende Salome (die sie zuerst 25-jährig in Basel sang und dann fast bis ans Ende ihrer Karriere regelmäßig), Turandot und Mefistofele-Elena, denen sie mit dem Fluten ihrer warmen Stimme und ihren berühmten schwebenden Pianissimi eine selten erreichte psychologische Tiefe verlieh. Sie selbst hat auch bedauert, nicht mehr Strauss und Wagner gesungen zu haben und insbesondere nie für die Elektra angefragt worden zu sein.


    Liebe Grüße,
    Areios