Beiträge von brunello

    palestrina

    Deiner Aussage, dass "die Österreicher" Südtirol gerne wieder hätten, muss ich als Österreicher (Wiener) mit aller Entschiedenheit entgegen treten. Ein paar Ewiggestrige hängen dieser Idee wahrscheinlich immer noch nach, aber ganz sicher nicht "die Österreicher" (wer auch immer damit gemeint ist). Und wenn der Sager ironisch gemeint sein sollte, dann war er als solches nicht ganz verständlich.

    LG Brunello

    Von einer ihrer Schülerinnen habe ich erfahren, dass die Gesangspädagogin Helena Lazatska im Alter von 89 Jahren verstorben ist. Zu ihren berühmtesten und international tätigen Schülerinnen zählen Elisabeth Kulman, Tanja Ariane Baumgartner oder Daniela Fally.

    Helena Lazarska begann nach ihrem Gesangsstudium und Kursen unter anderem bei Elvira di Hidalgo ihre künstlerische Laufbahn als lyrischer Koloratursopran; sie war Ensemblemitglied in verschiedenen Opernhäusern Osteuropas und wirkte bei Festivals in ganz Europa mit. Anfang der 1970er Jahre begann sie zu unterrichten, zunächst in ihrem Heimatland Polen. 1987 wurde sie an das Mozarteum in Salzburg berufen, ab 1981 unterrichtete sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und betreute einige ihrer SchülereInnen auch in ihrem Ruhestand privat. Neben ihrer Professur gab sie Meisterkurse und war Jurymitglied in diversen Wettbewerben.

    Wikipedia mag ja durchaus ein interessantes Informationsmedium sein (ich schaue dort auch gerne hinein), aber für eine Fach- oder Sachdiskussion halte ich dieses Medium (von weiterführenden Links einmal abgesehen) wenig geeignet.

    Aber das ist jetzt schon SEHR weit abseits vom ursprünglichen Thema "Opernregie"

    Heute in Ö1 um 19:30 (außerhalb von Österreich ist Ö1 außer im Nahbereich vermutlich nur über Internet empfangbar)



    Johann Sebastian Bach: "Goldberg-Variationen" BWV 988 (Bearbeitung für Streichtrio von Dmitri Sitkovetsky) (aufgenommen am 21. September im Schloss Esterházy).

    Julian Rachlin, Violine; Sarah McElravy, Viola; Boris Andrianov, Violoncello.

    Morgen in München im Gärtnerplatztheater - Premiere von "The Rake´s Progress"

    mit

    Dirigent: Rubén Dubrovsky, Regie und Choreografie: Adam Cooper, Bühnenbild: Walter Vogelweider, Kostüme: Alfred Mayerhofer; Trulove: Holger Ohlmann, Ann Trulove: Mária Celeng, Tom Rakewell: Gyula Rab, Nick Shadow: Matija Meić,

    Mutter Goose: Ann-Katrin Naidu, Türkenbaba: Anna Agathonos, Sellem: Juan Carlos Falcón, Wärter des Irrenhauses: Martin Hausberg

    Danke Dir, lieber Sadko, für Deine Dubarry-Besprechung! Wir hatten tatsächlich schon überlegt, deshalb nach Wien zu fahren, da wir Operettenliebhaber sind, was sagst Du, ist es das wert?

    Was die Mikrofone betrifft: in Operetten wird ja die Stimme zurückgenommen, es soll ja gerade nicht mit Opernstimme gesungen werden. Und Harald Schmidt braucht ganz sicher ein Mikro.

    Ich kann eine Reise zur "Dubarry" mit gutem Gewissen nicht empfehlen, obwohl Wien natürlich immer sehenswert ist. Ich war in der Premiere und habe die Volksoper in der Pause fluchtartig verlassen (und da war ich kein Einzelfall). Ich fand die Inszenierung wenig (und das ist sehr vorsichtig formuliert) werkkonform und die Bearbeitung eines Werkes eines der Väter der Wiener Operette durch einen Berliner gleicht einer Vergewaltigung der Musik.

    Sadko hat es gefallen, mir (und einigen Freunden) nicht - Geschmäcker sind eben verschieden

    Die Janoska Brüder muss man im Konzert erleben (oder wenigstens den Mitschnitt eines Konzertes hören). Nur dann springt der Funke so wirklich über.

    Das nächste Mal werde ich die Familie Janoska am 8.Oktober in München im Gärtnerplatztheater erleben können (für alle Münchner*innen und aus der Umgebung - es gibt noch Karten; preisgünstig)

    Etwas abseits des Themas - hast du je daran gedacht, nach Bayreuth zum Festival Bayreuth Baroque zu fahren ? Ich besuche viele Veranstaltungen (Konzerte, Opern) dieses Festivals seit Beginn (heuer zum dritten Mal) und bin jedes Jahr erstaunt, was es hier auch an Ausgrabungen und wenig bekannten Werken zu hören gibt.

    brunello:

    Interessant! Danke für den Hinweis. Nun in der Arte-Mediathek gefunden. Werde ich mir die Tage mal anschauen. :thumbup:

    Wie hat es dir denn gefallen?

    Ich kannte das Werk - natürlich - vorher nicht und werde meinen ersten Eindruck wenn ich wieder in Wien bin mit Hilfe der Mediathek vertiefen. In wenigen Worten: Die Aufführung war auf höchstem musikalischen Niveau und zwar sowohl vor als auch auf der Bühne. Die Inszenierung ist schräg (ausgezeichnet die Arbeit der Maskenbildner), es wimmelt von szenischen Zitaten, manchmal ist es etwas übertrieben, aber nie peinlich. Der zweite Akt hat musikalisch ein paar Längen, die auch diese Inszenierung nicht kompensieren kann.

    Wie gesagt, ich werde mir den Stream in der Mediathek ansehen, aber der Bildregisseur hat natürlich seine eigene Vorstellung, wie er die Aufnahmen der (wenn ich richtig gezählt habe) fünf Kameras schneidet.

    Wie hat es mir gefallen ? Wenn es nächstes Jahr nochmals eine Aufführungsserie gibt (so wie in den beiden letzten Jahren mit "Carlo il calvo") werde ich mir den "Alessandro" sicher noch einmal ansehen und anhören.

    Morgen im Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth (im Rahmen des Festivals Bayreuth Baroque)


    Leonardo Vinci - Alessandro nell´Indie (Welterstaufführung seit 1740; nach dem Vorbild der Uraufführung in reiner Männerbesetzung)


    Martyna Pastuszka Musikalische Leitung und Violine

    {oh!} Orkiestra Residenzorchester des Bayreuth Baroque Opera Festival 2022
    Chor des Bayreuth Baroque Opera Festival

    Max Emanuel Cencic Regie


    Franco Fagioli Poro

    Bruno de Sá Cleofide

    Jake Arditti Erissena

    Maayan Licht Alessandro

    Stefan Sbonnik Gandarte

    Nicholas Tamagna Timagene

    Heute, 8.September, in Ö1 (ist außerhalb von Österreich wahrscheinlich über Internet empfangbar) der Liederabend von Andre Schuen bei der vergangenen Schubertiade in Schwarzenberg als Aufzeichnung

    Schubertiade Schwarzenberg 2022 | DO | 08 09 2022 | 19:30
    Andrè Schuen, Bariton; Daniel Heide, Klavier. Franz Schubert: Über Wildemann D 884; Der liebliche Stern D 861; Auflösung D 807; Der Jüngling und der Tod D 545;…
    oe1.orf.at

    Ich war in diesem Konzert und kann zuhören wärmstens empfehlen.

    Wiener Volksoper - Rossini, La Cenerentola (2.September 2022; Wiederaufnahme)

    Im Rahmen der Wiener Festwochen 1973 gastierte die Mailänder Scala mit Rossinis "La Cenerentola" im Theater an der Wien. Für die damals jüngeren Besucher (zu denen ich zählte) war es die erste Begegnung mit diesem Werk, in der Staatsoper stand diese Oper davor zuletzt 1965 am Spielplan, und für die meisten Besucher war es auch die erste Begegnung mit der legendären Produktion von Jean-Pierre Ponnelle. Vor nunmehr 25 Jahren inszenierte Achim Freyer "La Cenerentola" an der Wiener Volksoper und auch diese Produktion stand schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr am Spielplan; angeblich wegen einer Neuproduktion an der Staatsoper im Jänner 2013. Die Gerüchtebörse sprach auch davon, dass die Ausstattung von Maria-Elena Amos einer Skartierung zum Opfergefallen ist.

    Umso verwunderlicher war daher die Ankündigung der (zu diesem Zeitpunkt noch designierten) neuen Direktorin der Volksoper Lotte de Beer "La Cenerentola" in eben jener Inszenierung von Achim Freyer und mit den damaligen Bühnenbildern und Kostümen wieder auf den Spielplan zu setzen. Ob bei der gestrigen Wiederaufnahme tatsächlich die alte Ausstattung zum Einsatz kam oder ob nachgebaut und nachgenäht worden ist, ich weiß es nicht und es ist auch nur bedingt relevant.

    Tatsache ist, dass nach der durchaus zwiespältigen Eröffnungspremiere von "Die Dubarry" am Vortag bereits die erste Wiederaufnahme und zweite Vorstellung der neuen Direktion zu einem bejubelten Erfolg wurde.

    Einfach ist das Bühnenbild, das mit wenigen Veränderungen die jeweilige Szene auf die Bühne stellt; bunt und typengerecht sind die Personen kostümiert; häufig witzig ist die Personenführung, allein ein von 12 (!) Statisten dargestelltes Pferd fordert Lachstürme. Da hat sich Dorike van Genderen zweifellos detailgetreu an das originale Regiebuch gehalten. Was diese Wiederaufnahme aber besonders interessant machte, ist die Tatsache, dass bis auf die Sängerin der Clorinda alle Solistinnen und Solisten und auch der Dirigent an diesem Abend ihre Hausdebuts hatten.

    Timothy Fallon ist optisch vielleicht nicht der Traumprinz aus dem Bilderbuch, er ist weder groß noch schlank, dafür ist er höhen- und koloratursicher gleichermaßen; im Laufe der Saison wird er auch in anderen Partien zu hören sein. Sein Kammerdienere Dandini liegt bei Modestas Sedlevicius in besten Händen mit Misha Kiria steht als Don Magnifico eine beinahe optimale Besetzung zur Verfügung. Aaron Pendleton zeigt als Alidoro einen schönen Bass. Die beiden bösen Schwestern werden von Lauren Urquhart (Clorinda, die einzige schon bisher an der Volksoper engagierte Sängerin) und Stephanie Maitland (Tisbe) gleichermaßen überzeugend gespielt und gesungen. Wallis Giunta, sie soll eine der Stützen des neuen Ensembles werden, hat die Cenerentola schon in verschiedenen Produktionen gesungen und liefert an diesem Abend ein überzeugendes Hausdebut ab. Mit Carlo Goldstein steht einer der drei neuen Pricipal Guest Conductors am Pult und vor dem Volksopernorchester.

    War also alles eitle Wonne ? Die Antwort ist ein klares Jein. Die kleineren oder da und dort auch etwas größeren Schwächen der Aufführung überzubewerten wäre schlimmste Beckmesserei. Es sei daher nur ganz am Rande erwähnt, dass das Orchester zu Beginn des Abends etwas derb klang, dass Wallis Giunta in der Höhe zu einer gewissen Schärfe neigt, oder dass Aaron Pendleton für diese Rolle die auch erforderliche stimmliche Flexibilität fehlt. Das mag durchaus der einem Hausdebut geschuldeten Nervosität zugerechnet werden und darf daher auch nicht überbewertet werden.

    Das Emerson String Quartett gibt seine Auflösung zum Sommer 2023 bekannt, nach 47 Jahren. Sie hinterlassen eine umfangreiche Diskografie, vor allem für die DGG. Ob sie noch einmal in Deutschland auftreten, ist unklar.


    https://www.emersonquartet.com…t.php?view=news&nid=11502


    Morgen, 28.8., Vormittag werde ich dieses Quartett bei der Schubertiade in Schwarzenberg hören können, erweitert um Dominik Wagner (Kontrabass) und Benjamin Hochman (Klavier).

    Programm:

    Johannes Brahms - Scherzo für Violine und Klavier c-Moll

    Johannes Brahms - Streichquartett c-Moll, op.51/1

    Franz Schubert - Klavierquintett A-Dur, D 667 (Forellenquintett)


    PS: Laut ihrer Homepage sind sie am 15.November in der Kölner Philharmonie und am 17.November in der Laeiszhalle in Hamburg mit unterschiedlichen Programmen zu hören.

    (vor allem dann, wenn es eine Menora mit Schammes - das ist der vorstehende achte Arm

    Ist das dann nicht eine "Chanukkia"? Eine Menora ist doch immer siebenarmig. Oder liege ich da falsch und es ist dasselbe?

    Mit dieser Differenzierung hast du grundsätzlich Recht. Aber im Sprachgebrauch vor allem der Nichtjuden gilt für beides der Begriff Menora. Ich habe daher mit voller Absicht den achten Arm, den Schammes, erwähnt, was ja nur für Chanukka gilt.

    In Yad Vashem steht übrigens ein künstlerisch gestalteter sechsarmiger Leuchter, der an die 6 Millionen Opfer der Shoah erinnert. Dieses Gedenken ist quasi der Gegenpol zur "historischen" Menora, die auf Moses zurück geht. (aber frage mich jetzt nicht um Details zur Geschichte; ich bin nicht religiös)

    Ich hatte heute beim Saubermachen die Menora (Siebenarmiger Leuchter), die ich mal aus Jerusalem als Mitbringsel mitgebracht habe, in der Hand und fragte mich, ob ich die behalten darf oder ob das auch als kulturelle Aneignung gilt. Und was mache ich mit der Buddha-Statue, die im Garten steht, die mein Sohn mal unbedingt haben musste.

    Falls dir der Besitz der Menora zu großes Unwohlsein bereitet, würde ich dich davon erlösen (vor allem dann, wenn es eine Menora mit Schammes - das ist der vorstehende achte Arm: mit der dortigen Kerze werden zu Chanukka die anderen angezündet - ist). Und dafür würde ich auch spenden.

    Bei mir wäre es keine kulturelle Aneignung.

    Sommeroper Selzach - „Der Mann von La Mancha“, 5.August (Premiere)

    Zwischen 1885 und 1972 wurden in Selzach, ein kleiner Ort am Fuße des Jura und ungefähr auf halbem Weg zwischen Solothurn und Biel gelegen, Passionsspiele abgehalten. Dann stand das dem Passionsspielhaus von Oberammergau nachempfundene Gebäude leer und wurde unterschiedlich genutzt, ehe vor mehr als 30 Jahren die Sommeroper Selzach hier Einzug hielt. In diesem Sommer, exakt 50 Jahre nach dem letzten Passionsspiel steht mit „Der Mann von La Mancha“ erstmals ein Musical am Spielplan und mit diesem Werk soll einerseits an die Tradition erinnert und gleichzeitig ein Kreis geschlossen werden, so der Produktionsleiter René Gehri im Gespräch mit dem Schreiber dieser Zeilen. Und so stehen auch Requisiten aus der geplanten und Corona zum Opfer gefallenen Produktion von Verdis „Don Carlo“ vor dem Festspielhaus und zeichnen den Bogen von der Inquisition zur Gegenwart.


    Miguel de Cervantes Saavedra (1547-1616) gilt als Spaniens Nationaldichter, sein Hauptwerk „Don Quijote“ ist die literarische Vorlage für unter anderem Massenets Oper „Don Quichotte“ (stand vor ein paar Jahren als Hausoper am Spielplan der Bregenzer Festspiele) und des Musicals „Der Mann von La Mancha“. Das Musical wiederum hat seine Wurzeln in dem 1959 produzierten Fernsehstück „I, Don Quixote“ von Dale Wasserman. Zur Musik von Mitch Leigh verfasste Wasserman auch das Libretto, die Gesangstexte dazu schrieb Joe Darion. Das 1965 uraufgeführte Musical wurde 1966 mit fünf Tony Awards ausgezeichnet und ist bis heute eines der folgreichsten Werke dieses Genres.


    Mit dem Engagement des Regisseurs Olivier Tambosi, der das Werk vor ein paar Jahren schon an der Wiener Volksoper inszeniert hatte, ist den Verantwortlichen der Sommeroper Selzach ein Coup gelungen, den vergleichbare Sommerfestivals erst einmal nachmachen müssen. Gemeinsam mit dem Choreographen Damien Liger, dem langjährigen Ausstatter Oskar Fluri und dem für die Beleuchtung verantwortlichen Sigi Salke gelingt Tambosi eine fesselnde zeitgemäße wie werktreue Interpretation des Stoffes auf hohem Niveau. Dass bei der Auswahl der Darsteller, zumeist musicalerprobte Singschauspieler, vor allem auch auf Ausdruck und Austrahlung geachtet wurde, verleiht der Produktion noch zusätzliche Spannung.


    Verschiebbare Gittersäulen dominieren die Bühne, die nach Bedarf als Gefängniszellen oder zur Veränderung der Dimension der Spielfläche Verwendung finden. Silbrig schimmernde Kisten, entfernt an Tresore erinnernd, können universell eingesetzt werden. Aus einem Übersiedlungskarton werden jene Kostümteile entnommen, die die Gefangenen zu Mitspielern des Verteidigungsspiels des gefangenen Miguel Cervantes machen. Ein berührendes Plädoyer für die fantastische Welt des Theaters, wie es vom Produktionsteam bezeichnet wird. Die Spielfläche reicht bis an den Rand des ansteigenden Zuschauerraumes (der damit gute Sicht von allen Plätzen bietet), das gut disponierte Orchester unter der Leitung von Iwan Wassilevski, ist erhöht hinter der Bühne platziert.


    Die singenden Schauspieler, oder auch die schauspielenden Sänger, sind durch die Bank bestens disponiert und mit sichtlicher Begeisterung dabei. Mit Berechtigung nennt das Programmheft daher die Namen aller Mitwirkenden bis hin zu den Statisten. Und diesem Ensemble gebührt ohne Wenn und Aber ein Pauschallob (Chorleitung: Valentin Vassilev). Es ist unmöglich, aus der Gruppe der Gefangenen oder des nahezu solistisch agierenden Chores einen Namen gesondert hervor zu heben; das würde alle anderen Personen unverdient eine Stufe zurück setzen.


    Mehr als bloß rollendeckend besetzt sind die Partien jener Gefangenen, die im Spiel, der Verteidigung von Cervantes, mit Rollen bedacht werden. Und auch bei ihnen ist es nahezu unmöglich, eine wertende Reihung zu nennen. Also so, wie sie im Programmheft angeführt sind. Der Gouverneur und gespielte Gastwirt heißt mit bürgerlichem Namen Marco Canadea und überzeugt in jeder Minute; Konstantin Nazlamov mutiert vom einfachen Gefangenen zu einem Padre mit Potential zu den Höheren Weihen; André Willmund gibt einen brutalen Duke und ist im Spiel ein hinterhältiger Dr.Carrasco; ein weiterer Gefangener ist Adrian Burri, der auch Pedro und den Barbier spielt; eine Klasse für sich ist Christoph Wettstein als Haushälterin mit Polsterbusen. Als einzige Gefangene ist die im Spiel die Antonia gebende Sängerin mit einem kleinen Solo bedacht, das Eva Herger gekonnt bringt. Ein Sonderlob verdient Luis Carillo, der mit seiner Gitarre den gesamten Abend mitträgt.


    Im Mittelpunkt des Stückes stehen der erfundene und sich als Ritter fühlende alte Edelmann Don Quixote, sein Freund und Diener Sancho und die im originalen Roman als Traumfigur nie erscheinende Aldonza, genannt Dulcinea. Auf der selzacher Bühne sind in diesen Rollen Christian Manuel Oliveira (Don Quixote/Cervantes), Michael Heller (Sancho) und Christiane Boesiger (Aldonza/Dulcinea) zu sehen, zu hören und vor allem zu erleben. Der aus Wien seit 2010 zu jeder Produktion angereiste Gast ist glücklich, nicht in die Fußstapfen des antiken Paris treten zu müssen, um einen Preis zu überreichen. Unfair wäre der Vergleich mit der legendären Besetzung im Theater an der Wien vor zig Jahren, und dennoch – niemand aus diesem Trio bräuchte den Vergleich zu scheuen. Mit dem Don Quixote hat Christian Manuel Oliveira eine Rolle gefunden, die ihm auf den Leib und für seine Stimme geschrieben sein könnte; da passt einfach alles. Michael Heller erinnert mit ausgestopftem Bauch und umgehängten Schnurrbart beinahe an eine Kopie des Regisseurs, der im Hintergrund die Fäden zieht – und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen. Und Christiane Boesiger, als Opernsängerin auch in Wien nicht unbekannt, gelingt der Wechsel von der ordinären Küchenmagd und Dirne zur Dame Dulcinea in Spiel und Stimme überzeugend.


    Nach kurzweiligen zweieinhalb Stunden (inklusive einer Pause) jubelte das Publikum in lautstarker Begeisterung, nachdem die Besucher schon immer wieder eifrig Szenenapplaus gespendet hatten. Den Bewohnern von Selzach und der näheren (und auch weiteren) Umgebung ist der Besuch dieses „Mann von La Mancha“ unbedingt empfohlen. Und sollte es außerhalb der Schweiz kulturinteressierte Menschen geben, deren nächste Wochen noch nicht verplant sind, könnten auch diese einen (zugegeben etwas weiteren) Kulturausflug andenken.



    Anmerkung für Mods und/oder Admins:

    Dieser Text ist auch im Online Merker mit Klarnamen veröffentlicht. Da ich der Autor bin, steht einer Veröffentlichung hier kein allfälliges Copyright entgegen.

    Ich habe vor ich glaube zwei Jahren in Dresden Offenbachs "Banditen" in der Regie (und Neutextierung) von Herrn Schwarz erlitten. Diese Verunstaltung des Werkes war (im absolut negativ gemeinten Sinn) sensationell. Ich habe selten eine so durchgehend ablehnende Publikumsreaktion selbst bei der Premierenfeier erlebt.

    Wenn das ein Vorgeschmack auf seine Interpretation des Wagnerschen "Ring" war (ich kann nur hoffen, dass nein), dann Gute Nacht Bayreuth.