Beiträge von ChKöhn

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    Bei Artemis hat mich das virtuose Zurschaustellen von gewissen Texturen, bzw. deren Überbetonung sehr gestört.

    Kann ich nachvollziehen. Ich erinnere mich an ein Artemis-Konzert (noch in der Ursprungsbesetzung), bei dem u.a. Beethovens f-moll-Quartett auf dem Programm stand. Giselher Klebe, der in der Reihe direkt vor mir saß, sorgte für einiges Erstaunen, als er in den tosenden Beifall hinein hörbar schimpfte "so eine artifizielle Scheiße!" :). Das war natürlich wüst übertrieben, aber im Kern hatte er auch ein bisschen recht.

    "Realtität" ist in einem Mietverhältnis zunächst mal der Mietvertrag.

    Ich hatte tatsächlich mal einen Mietvertrag, in dem stand, dass ich als Profimusiker üben darf, irgendwelche Einschränkungen wurden nicht erwähnt. Und nach mir eingezogene Nachbarn mussten mit ihrem Vertrag unterschreiben, dass sie das akzeptieren. Ein Ehepaar mit Kind ist dann nach zwei Monaten wieder ausgezogen, aber das nächste Ehepaar, ebenfalls mit Kind, hat sich selbst ein Klavier angeschafft und fleißig mitgeübt.

    Wie gesagt, seine gestalterischen Ideen befinden sich in jedem Werk dynamisch eingeschränkt zwischen fm und ppp

    Wie gesagt ist das einfach nicht wahr, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Deine ganze Kritik krankt an drei Dingen: Erstens bewertest Du nicht anhand dessen, was Du hörst, sondern daran, was Du gerne gehört hättest. Daraus ergibt sich zweitens, dass Du das, was Lius Spiel ausmacht, zum großen Teil nicht wahrnimmst, weil Du eben damit beschäftigt bist, auf etwas anderes zu warten. Und drittens hörst Du vieles einfach falsch: Seine Dynamik geht selbstverständlich über mf hinaus, der Klangfarbenreichtum ist gerade eines der herausragenden Merkmale seines Spiels, die Vielfalt der Artikulation ist fast schon übertrieben, und die Genauigkeit im Umgang mit dem Notentext vorbildlich. Dass Du das alles nicht bzw. falsch hörst, gehört für mich ehrlich gesagt in dieselbe Kategorie wie Deine Behauptung neulich, es gäbe keinen "klanglichen Bruch" zwischen den Goldberg-Variationen und "Für Elise". Absurdes Theater. Deine Begründungen sind zum Teil in sich widersprüchlich (zu viel Agogik im Trio aber zu wenig Kontrast zum A-Teil), zum Teil nichtssagend ("ein misslungenes Rubato", "unpassende Verzögerungen") und zum Teil wie gesagt einfach falsch. Außerdem: Woraus ergibt sich denn, dass der Trauermarsch "gravitätisch" zu sein habe? Der Duden definiert das als "mit steifer Würde, würdevoll, ernst und gemessen" und nennt als Beispiel "der Hahn spaziert gravitätisch im Hühnerhof umher". Das hat mit meinem Bild von diesem Satz wenig bis gar nichts zu tun, aber das mag bei Dir anders sein. Und was bitte soll denn ein "Anschlag ohne genügend Kern" sein? So etwas gibt es auf dem Klavier schlechterdings nicht, weil jeder Ton immer dem Impuls folgt, der beim Auftreffen des Hammerkopfes auf die Saite entsteht. Es gibt Anschläge, die in der Dynamik nicht passen, es gibt innerhalb von Akkorden oder in verschiedenen Stimmen gleichzeitig angeschlagenen Tönen unpräzise Balancierung, aber es gibt keinen Anschlag "mit Kern" oder "ohne Kern". Die Anschlagspräzision innerhalb von Akkorden und zwischen den Stimmen ist eine der größten Stärken von Bruce Liu.

    Es stimmt, dass Lius Chopin-Spiel von Leichtigkeit und Eleganz geprägt ist, aber erstens entspricht das ziemlich exakt praktisch allen Beschreibungen von Chopins Spiel selbst, der gerade nicht "Dramatik" mit "Lautstärke" erzielt hat, und zweitens ist sein (Lius) Spiel innerhalb dieser Stil- bzw. Klangentscheidung alles andere als eintönig. Wenn man ihm etwas vorwerfen will, dann könnte es sogar im Gegenteil ein Zuviel an Differenzierung, ein Übermaß an Gestaltung sein, was man vielleicht als ein Zuwenig an Natürlichkeit empfinden könnte, wenn all die Details nicht mit so spontaner Inspiration und weit entfernt von einstudierter Kalkulation erscheinen würden. Das meinte ich weiter oben mit "jugendlich". Die Leichtigkeit seines Spiels, sozusagen das Spielerische im Spiel ist es gerade, was ihn von anderen unterscheidet. Wer meint, ihm würde es deshalb an Ernst oder an der Tiefe des Ausdrucks fehlen, höre sich nur mal das Nocturne op. 27 Nr. 1 an, und wer sich langweilt, kann eigentlich die praktisch in jedem Takt und jeder Phrase gezeigten gestalterischen Ideen nicht wahrgenommen haben. Ich behaupte nicht, dass man Chopin nicht auch dramatisch zugespitzter spielen kann, auch wenn die Beschreibungen seines eigenen Spiels Lius Ansatz "historisch" rechtfertigen. Es gibt keinen großen Komponisten, den man nur auf eine Weise interpretieren kann. Aber mich persönlich langweilt z.B. das heutzutage weit verbreitete dynamische oder tempomäßige Imponiergehabe weit mehr als Lius extrem differenziertes Spiel innerhalb eines durch Eleganz und Geschmack gesetzten Rahmens. Und es kann keinen Zweifel geben, dass er seine persönliche Vorstellung mit extremer Lebendigkeit und immensem Können realisiert. Es stimmt auch einfach nicht, dass sein Spiel keine "Konflikte, Brüche und Drama" enthalten würde. Die großen Wettbewerbe bergen immer die Gefahr, dass Teilnehmer sich für eine sichere Mitte entscheiden, weil sie Angst haben mit entschieden subjektiven Interpretationsentscheidungen die Jury zu polarisieren und dann leer auszugehen. Ich habe beim Hören mehr und mehr Lius Mut bewundert, zu seinen im Wortsinn ganz eigenen Interpretationen zu stehen, statt sich an vermeintlichen Erwartungen zu orientieren. Ich freue mich sehr, dass dieser Mut von der Jury belohnt wurde.

    Zum Trio des zweiten Satzes ist anzumerken, dass Liu natürlich nicht, wie Du behauptest, ein "Problem mit der Koordination der beiden Hände hat" sondern mit dem gelegentlichen leicht versetzten Anschlag "links vor rechts" ein klangliches Mittel anwendet, welches vollkommen normal ist und im 19. Jahrhundert weit verbreitet war. Ich kann nicht erkennen, was daran falsch oder unpassend sein soll, zumal er es wie gesagt nur an ausgewählten Akkorden (meist am Phrasenanfang) anwendet und nicht wie z.B. Michelangeli im langsamen Satz des Ravel-Konzertes bei praktisch jedem Zusammenklang. Der von Dir vermisste Kontrast zwischen A-Teil und Trio entsteht übrigens gerade durch das Rubato in letzterem, was Du aber ebenfalls kritisierst. Deine Kritik ist in sich widersprüchlich. Einen Satz wie "sein Tempo war zu schnell" finde ich ehrlich gesagt geradezu komisch anmaßend: Ich habe jedenfalls keine spirituelle Verbindung zu Chopin und kann ihn deshalb nicht nach dem "richtigen" Tempo fragen. Ich weiß aber, dass auch ein Trauermarsch noch zum - langsamen - Marschieren geeignet sein sollte... Dass der Mittelteil in diesem Satz agogisch freier ist, ergibt sich ganz einfach als natürliche Konsequenz aus dem Notentext. Schau ihn Dir noch einmal an!

    Ich habe gerade noch einmal "Andante spianato et grande polonaise brillante" op. 22 aus dem Debut-Album von Bruce Liu gehört. Es handelt sich um einen Mitschnitt aus der zweiten Hauptrunde des Wettbewerbs. Liu spielt die übliche Fassung ohne Orchester (die wenigen kurzen Tutti im Klavierauszug). Sein Spiel ist überaus farbig und abwechslungsreich, voller Spielfreude und Brillanz, konzentriert, risikobereit und extrem lebendig. Im Vergleich zu der großartigen, in ihrer Art unübertrefflichen Einspielung von Krystian Zimerman (in der Orchesterfassung mit Giulini) ist seine Darbietung freier, individueller, vielleicht auch "jugendlicher". Wenn man allerdings den Notentext kennt bzw. mitliest, beeindruckt gleichzeitig seine sorgfältige Genauigkeit z.B. bei feinsten dynamischen Details. Da hat jemand wirklich jedes Detail des Textes gelesen, gedeutet und sich zu eigen gemacht. Das extrem hohe pianistische Niveau zeigt sich nicht nur in der Brillanz aller Passagen, Verzierungen usw. sondern auch in der Mühelosigkeit, mit der Liu auch mal Nebenstimmen hervorhebt, in der glasklaren, präzisen Klangfarbengestaltung und in der permanenten lebendigen Präsenz der Linken, die nicht einfach "mitläuft", sondern von unten mit rhythmischer Energie die Passagen oben befeuert. Man kann das Ganze vielleicht zu individuell, zu frei finden, man kann eine schlichtere (gleichwohl kunstvolle) Version wie die von Zimerman bevorzugen, aber man kann nicht das extreme pianistische und künstlerische Niveau dieser Darbietung leugnen, ohne seine Inkompetenz unter Beweis zu stellen.

    Angesichts der Fülle seines Schaffens - allein 67 Sinfonien - würde ich dennoch die Behauptung wagen, dass bspw. eine Gesamtaufnahme seiner Sinfonien nicht gar so zwingend nötig erscheint.

    Stimmt. Nach spätestens einem Satz ist man sowieso eingeschlafen.

    Man mag schreiben, was man will, ich werde nicht mehr antworten.

    Dann fasse ich mal zusammen: Dein erster Vorwurf war, dass Dang Thai Son "natürlich" hinter den Kulissen alles getan habe, damit sein Schüler gewinnt, und dass unter diesen Umständen "natürlich" kein anderer eine Chance gehabt habe. Das hast Du dann korrigiert, nachdem man Dir klar gemacht hatte, dass Du damit möglicherweise Verleumdung oder üble Nachrede betreibst. Daraufhin hast Du Dich auf angeblich "vor dem Spiegel einstudierte" Körpersprache verlegt, natürlich auch ohne jeden Beleg. Dummerweise sind mindestens zwei Deiner Hausgötter ("Yuja", mit der Du ja erfreulicherweise per Du bist, und der Messias aus Griechenland) in Bezug auf bescheidene Körpersprache die denkbar schlechtesten Vorbilder, wodurch dieses "Argument" doch erheblich an Überzeugungskraft einbüßte. Rund einen Monat (!) nach Deinem Einstieg zum Thema kam dann endlich Dein erster Beitrag zur Musik, aber leider mit wenig Konkretem: Nach ein paar Nullsätzen ("Das ist Klavierspiel" usw.) hast Du angebliche pianistische Schwächen behauptet, die außer Dir niemand hört, von musikalischer Gestaltung hast Du kein Wort geschrieben (ist sie Dir egal, oder hast Du sie nicht wahrgenommen?), und auf konkrete Nachfragen reagierst Du mit Sätzen wie "Hör Dir doch mal andere an!". Zusammen genommen ist das weit weniger, als ich von Dir erwartet hätte.
    Ich habe eine Vermutung, warum Du Dich in dieser Weise gegen Bruce Liu in Position gebracht hast, und auch wenn ich sie, weil sie falsch sein kann, für mich behalte, verrate ich Dir doch, dass sie überhaupt nichts mit ihm, seiner Körpersprache, seinem Können oder seinem künstlerischen Rang zu tun hat. Sie liegt nach dem Thread-Verlauf für mich einfach auf der Hand. Das alles wäre mir egal, wenn Du nicht ohne jede belastbare Grundlage und mit bemerkenswerter Gehässigkeit einen jungen Künstler niedermachen würdest, der gerade den größten Klavierwettbewerb der Welt gewonnen und dabei eine herausragende Leistung gezeigt hat, die unabhängig von allen Geschmacksfragen größten Respekt verdient. Auch wenn Du hier nichts mehr schreiben willst, bitte ich Dich ehrlich, darüber noch einmal nachzudenken.

    Ein Beispiel habe ich gerade in meinem Posting #80 genannt

    Du meinst: einen falschen Ton? Der macht "Welten in der pianistischen Souveränität" aus? Realsatire.

    Hast Du mir nicht außerdem gerade erst geschrieben, dass Dir Deine Zeit für einen Meinungsaustausch mit mir zu schade ist?

    Ich hatte die Hoffnung, dass neben der Kritik am Coverbild doch noch etwas anderes kommt.


    Angesichts dieser Äußerung von Dir bitte ich um Verständnis dafür, dass auch ich an einem Meinungsaustausch mit Dir über Bruce Liu nicht weiter interessiert bin.

    Kann ich verstehen. Ich gebe Dir trotzdem mal einen Tipp, was Du auf meine Frage nach konkreten Belegen hättest schreiben können (wenn es Dir aufgefallen wäre): Man könnte fragen, ob Bruce Liu am Beginn der Coda dynamisch etwas zu weit zurückgeht, und man könnte für möglich halten, dass das auch damit zu tun hat, dass er Kräfte sparen wollte. Ich hätte dann wahrscheinlich darauf hingewiesen, dass es bei aller Dramatik von Beginn dieser Coda an dennoch noch eine Steigerung gibt, die nicht darstellbar ist, wenn man von A bis Z durchhämmert, weshalb Lius Entscheidung keine technischen sondern künstlerische Gründe hat. Ich hätte am Bespiel der synkopierten Oktaven gezeigt, wie präzise er die Elemente dieser Steigerung gestaltet. So etwas in dieser Richtung meinte ich mit einem "interessanten Meinungsaustausch". Nicht eine Diskussion über Cover-Bilder.

    Liegen da nicht Welten in der pianistischen Souveränität dazwischen?

    Nein. Einfach nein. Aber vielleicht überhöre ich das ja auch alles. Deshalb direkt gefragt: Wo zeigt Bruce Liu in dieser Ballade pianistische Schwächen? Bitte eine konkrete Antwort, nicht so etwas wie "Das ist Klavierspiel!" oder "ist nicht auf der Höhe", "Hat nicht die Klasse von...." usw., also keine Nullsätze sondern konkrete Belege. Ich bin gespannt.

    Die Pose von Bruce Liu reißt mich jetzt nicht vom Stuhl

    Mich auch nicht. Aber solche oder ähnliche Fotos kann man während eines Konzertes von praktisch jedem Solisten machen. Es ist ein Zug der Zeit, dass heutzutage so etwas für das Cover ausgewählt wird, aber im Mittelpunkt der Beschäftigung mit einer CD sollte doch wohl die Musik stehen. Bruce Liu ist ein außerordentlicher Pianist und sehr ernsthafter Künstler, er spielt technisch perfekt und mit enormer Fantasie und Gestaltungskraft. Von seiner Debüt-CD finde ich einiges großartig, bei anderem bin ich skeptisch, nichts langweilt mich. Man könnte darüber einen interessanten Meinungsaustausch führen, aber nicht mit jemandem, der nur aufs Cover schaut und außer Gehässigkeiten nichts beiträgt. Dazu ist mir meine Zeit wirklich zu schade.

    Die Pose des Pianisten auf dem Frontcover ist an Natürlichkeit nicht zu überbieten. Ich bereue zutiefst, dass ich jemals für möglich gehalten habe, dass er seine Posen vor dem Spiegel einstudiert hat.

    Ich weiß, Du bevorzugst sparsame, bescheidene Körpersprache:


    https://www.muenchenmusik.de/s…nberg_0.jpg?itok=n0nS4uKx
    https://cdn.unitycms.io/image/…nFVOP15KOq89vGYWClZGm.jpg


    Wenn Du mal wieder etwas zur Musik zu sagen hast, gib Bitte Bescheid. Bis dahin kann ich Dich leider in diesem Thread nicht mehr ernst nehmen.

    Noch mal zur Erinnerung und zur Erklärung:

    deine Hauptkritik ist ja der Bruch im Klang, den es mMn nicht gibt.

    Es gibt also angeblich keinen "Bruch im Klang" zwischen den Goldberg-Variationen und "Für Elise". Ich bitte das nicht persönlich zu verstehen, aber auf dem Niveau lohnt sich für mich keine weitere Diskussion. Ich will das einfach nicht.

    Die CD mit Mitschnitten aus Bruce Lius Wettbewerbsbeiträgen von der Qualifikationsrunde bis zum Halbfinale ist jetzt bei der Deutschen Grammophon (auch bei Spotify zu hören) erschienen:



    Leider fehlt das e-Moll-Klavierkonzert aus dem Finale, aber dafür enthält die CD eine fulminante Darstellung der frühen Variationen über Mozarts "Là ci darem la mano", einen brillanten As-Dur-Walzer op. 42 und manches mehr.

    Wie kommst du denn darauf? Christian hat das in Nr 28 zuerst erwähnt.

    Du solltest doch wenigstens die Beiträge lesen, auf die Du verweist: Es steht dort kein Wort davon, dass man nach den Goldberg-Variationen keine Zugabe spielen sollte, im Gegenteil habe ich sogar einen konkreten Vorschlag gemacht. Wenn man wie Du der Meinung ist, dass "Für Elise" keinen klanglichen Bruch darstellt, kann man auch das spielen. Man macht sich dann halt lächerlich.


    Das impliziert - und du hast es danach noch etwa 2 mal in anderen Beiträgen so gesagt und wiederholt - dass das Brechen der Geschlossenheit ein Problem sei und das es nur einen Weg gebe, das Problem zu lösen.

    Auch das ist falsch: Ich habe nicht geschrieben "aus der Vergangenheit" sondern "aus der Geschlossenheit in die Zukunft". Das bedeutet: Man muss zeigen, dass es nach der Geschlossenheit doch sinnvoll weiter gehen kann. Das ist nicht leicht (ein "Problem") aber möglich. Mit "Für Elise" funktioniert es jedenfalls nicht, egal welche albernen Sophistereien man sich als Krücke zurechtlegt.