Beiträge von philmus

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    Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr?

    Ist das nicht ein alter Zopf?

    Unter der Woche/an Werktagen schon. Kein Bauarbeiter legt in der Zeit den Presslufthammer still. Aber als guter Nachbar muss man ja niemanden beim Mittagsschläfchen stören.

    Mittagsschlaf ist heilig... aber hier aufm Dorf auch eher goodwill-Frage.

    Ich hatte tatsächlich mal einen Mietvertrag, in dem stand, dass ich als Profimusiker üben darf, irgendwelche Einschränkungen wurden nicht erwähnt. Und nach mir eingezogene Nachbarn mussten mit ihrem Vertrag unterschreiben, dass sie das akzeptieren. Ein Ehepaar mit Kind ist dann nach zwei Monaten wieder ausgezogen, aber das nächste Ehepaar, ebenfalls mit Kind, hat sich selbst ein Klavier angeschafft und fleißig mitgeübt.

    Ein befreundeter Saxophonist wohnte mal in nem Haus, wo auf jeder Etage Musiker wohnten und fröhlich vor sich lärmten. Eigentlich ne ganz gute Lösung.

    Die meisten freuen sich, dass man ihre Leidenschaft teilt. Und nicht jeder kann nunmal Profi sein.

    Genau!

    :thumbup:

    jep.


    Wobei, wenn ich selber Musik im Kopf oder den Händen spazieren gehen habe - also eigentlich immer - kann ich eigentlich überhaupt keine Beschallung musikalischer Art gebrauchen, da spielt die Qualität überhaupt keine Rolle. Allerdings bin ich mit Übenden oder Spielenden aus Prinzip toleranter als mit Konserven-Bedienern...


    Ich verstehe natürlich auch, dass meine Nachbarin regelmäßig im Frühling über meine Lautstärke mosert, die sich im Winter so einschleicht - meine Wohnkiste hat schon gewisse Eigenschaften einer Bassbox, und ich MUSS ja nicht immer aufdrehen... auch wenns natürlich Spaß macht...


    Es ist schon ein Kreuz mit den Bedürfnissen: einerseits will ich nicht beschallt werden, andererseits beanspruche ich das Recht auf zumindest zeitweilige Lautstärke... Zum Glück ist die Welt groß genug... und meine sonstigen Ansprüche an Wohnkomfort gering...

    in summa wohl eher Leftie als Rightie ... mir scheint aber, dass solche Schienen in der Postmoderne nicht mehr funktionieren

    Ja, das ist die Behauptung der Postmoderne.

    für mich stimmt das so nicht, ich finde viele Ansätze in der Postmoderne interessant und würde niemals der Aussage zustimmen, dass rinks und lechts irgendwie bedeutungslos geworden wären. Für diese Aussage stimmt:

    Man weiß ja (oder kann es eben an dieser Behauptun leicht erkennen), wessen Interessen sie vertritt.

    wer ist ''wir''??? ich habe dergleichen nie gesehen.....

    ''Pretty Woman'', ''I will survive'' oder ''Lady Marmalade'' kenne jeder......

    tröste Dich, 3/4 davon kenn ick ooch nich.

    "Ein Orchestermusiker hat einen höheren Stresslevel als ein Formel-1-Pilot" - oder wie war die Formulierung? Nun, ich habe beides noch nicht gemacht, von ein paar Continuierungen abgesehen .

    ich glaube das sofort. Musste selber feststellen, dass für klassische Konzerte meine Nerven nicht gemacht sind.


    Tja. Eine echte Unbildungslücke, oder?

    :pfeif:

    das Problem in der Romantik ist für mich das Empfinden, dass ständig eine Art Sehnsucht erweckt wird, die aber nie befriedigt werden kann.

    es ist schon ganz passend, dass mitten in die (musikalische) Romantik die Entdeckung des Neptun fällt. (kleiner Wink für Mundanastrologen...).

    Und das schafft nicht nur Wagner, von dessen Musik es ja universell bekannt ist, nein sogar ein harmloser Chopin oder sogar Schubert schaffte es.

    jep. Es hat schon einen Grund, dass die Unvollendete unvollendet bleiben musste: die Abgründe, die da in den ersten Sätzen aufgewühlt wurden, waren mit Schuberts Mitteln nicht wieder einzufangen.


    Es gab ja verschiedene Strategien, mit dieser tendenziellen Bodenlosigkeit klarzukommen: (vor allem) in der Frühromantik die "romantische Ironie", bei Brahms das feingesponnene Netz motivischer Beziehungen, das eine Art intellektueller Ebene bildet und auf diese Weise Abstand schafft zum emotionalen Gewühl, und auf der anderen Seite die Tendenz zur Programmusik bzw. Musikdrama, wo die emotionalen Tiefen gewissermaßen (vom Hörer bzw Komponisten aus gesehen) entpersönlicht werden, in eine Geschichte oder einen Mythos verpackt quasi "entschärft" sind.

    Die Musik des Parsifal ist für mich vertontes Mitleid, wenn ich das mal so reduzieren darf.

    Es gibt eine Art von Romantik, die fast stolz darauf ist sich nach dem Tod zu sehnen, sich in Schmerz zu aalen usw. Es hat etwas Exhibitionistisches, etwas Selbstmitleidiges, etwas Arrogantes sogar, als ob man nicht tief genug empfinden würde, wenn man nicht ständig an die Sinnlosigkiet des Lebens denkt

    Und sehr wichtig: ich empfinde Parsifal nicht so. Hier ist das Leiden ein Schritt auf dem Weg dem Leiden selber zu entkommen, darum geht es ja genau bei Parsifal. Um das Beenden des Leidens durch Mitleid. Das ist aber nicht das Ziel der Romantik. Dort will man im egozentrischen Leiden verharren, weil man damit etwas Profundes fühlt. Mitleid bringt dem Romantiker nichts

    Du unterscheidest hier verschiedene Akzente des romantischen Lebensgefühls, die schon irgendwie zusammengehören für meine Begriffe. Die Betonung auf der "Sinnlosigkeit" allen Strebens klingt schon schwer nach Schopenhauer, der ja einerseits durchaus Mitleiden empfiehlt - neben der sog. "Verneinung des Willens" - , aber eben auch, als (temporäres) Heilmittel gegen das Leiden, die "ästhetische Kontemplation", von der ich mal frech weiterspinne, dass auch die ästhetische Kreativität dazugehört. Womit wir von der Künstler-Mystik eines von Pfitzner so zurechtgeformten Palestrina garnicht mehr so weit weg sind. Inwiefern man jetzt "egozentrisch" leidet oder eher confluent mehr "mit" leidet, ist dann wohl eine Frage von Stil und Charakter.. Wobei mir der Wagnersche Weg, seine persönlichen Leiden quasi menschheitserlösungsstrebend aufzuladen, doch auch mit einer Menge Bedeutungssucht und Hybrisgefahren gepflastert scheint.. Wie weit es da mit dem Mitleid her ist, darf man dann nicht an der Zahl der seine Mythendramen überlebenden Figuren messen, sonst fällt schon auf, wie konkret real seine Geschichten auf Tod und Verwesung und überhaupt die Verweigerung einer lebenszugewandten Perspektive hinauslaufen.


    [Wagnerbashingmodus off]


    Mit alldem ist natürlich die Fülle dessen, was für uns im nachhinein unter Romantik segelt, kein bißchen erschöpft... z.B. die teilweise noch revolutionär gestimmte Frühromatik..

    Ich dachte mir als Teil meiner eher oberflächlichen, spontanen Überlegungen auch, dass es durchaus sein kann, dass eine gewisse Art von Melancholie zu einem gewissen Lebensabschnitt passt, bzw evetuell sogar sein muss. Ich will mir nicht anmassen irgendetwas darüber zu wissen, aber ich stelle mir vor ,dass es eher konstruktiv ist sich im Alter vom Lebenstrieb abzuwenden und nicht an ihm zu hängen, damit man irgendwann entkrampft loslassen kann. Ein unbequemes Thema. Sorry. Somit wird die Melancholie dann progressiv und konstruktiv..

    was ist denn mit der Melancholie der Pubertät?
    Das Leben ist doch nicht nur - vorwärts, sondern auch: innehalten, rückschauen... Mir hat es mit 15 nicht geschadet, mich zu Zeiten der z.B. Pfitznerschen Melancholie hinzugeben.. neben sehr vielem Anderem, auch sozusagen lebensbejahenderem.. Solchen gewissermaßen zum Trubel widerständigen Momenten entwachsen doch mit die schönsten Blüten... Okay, für Dich mögen sie giftig sein, nur verstehe ich nicht ganz, wieso das dann nicht für die Wagnerschen (Parsifal) gilt.

    AI AI AI ...
    da kann der Computer noch so vollgestopft sein mit Informationen, wenn der Mensch, der da auswählt, keinen Schimmer von spätklassischer Formdramaturgie hat, bleibts halt leerer Schall...


    Doch an die ersten beiden Sätze hat man sich nicht herangewagt.

    manchmal ist Bescheidenheit eben doch ne Zier..


    bzw wäre es gewesen, seine nichtvorhandenen originellen Ideen nicht unter dem Namen "Beethoven" zu verkaufen.


    zum Thema "Scherzo mit Klopfmotiv" ist ja nu wirklich alles notwendige gesagt in der Fünften.


    okay, postmoderne Kunstwerke, Abteilung Überflüssiges und Skurrilles (leider nicht ganz so, dass es interessant wäre).


    PS was sind das eigentlich für Leute in den Labels, die so ne Art peinlichen Etikettenschwindels mitmachen?

    Dieses Attribut hätte ich spontan höchstens Bruckner zugewiesen ... ich meine, bei Bach gäbe es nicht die äußere Monumentalität einer Kathedrale. Nur die innere. Da würde ich aber eher an ein DNA-Helix-Molekül denken... das ja sozusagen seinen eigenen Kontrapunkt in sich trägt ... Neu in der Klassik war ja die Gegenüberstellung verschiedener Affekte (das Wort ist eigentlich schon nicht mehr angemessen) in einem Satz, z. B. erstes und zweites Thema in einem Sonatenhauptsatz.



    - Die Stücke der Generalbasszeit mit mehreren Affekten kann man sozusagen nachts auswendig aufsagen ... sie sind eher die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. ("Es ist vollbracht" aus der JohPassion, um ein Beispiel zu geben.)

    wenn ich im Begriff "Kathedrale" irgendwie was wie "Totalität" oder "größere Ganzheit" mithöre, gehörte eigentlich gerade dazu, dass verschiedene Affekte sich zu einem größeren Ganzen vereinen... also Schumann in seiner Ambivalenz doch kathedralischer als Bach?