Beiträge von philmus

    Was ich sehr gut fand, war früher (paar Jahre her leider..) das Modell bei SpOn, dass man einzelne Artikel "kaufen" konnte. Hab ich öfter mal gemacht. Ansonsten kaufe ich lieber ab und zu gedrucktes. Für´n Abo über Titanic hinaus fehlt mir grad das Gefühl von Sicherheit.

    Ich weiß nicht, ob ich jetzt total falsch liege, aber mMn kriegt weder Yuja Wang noch irgendein anderer Künstler/Dirigent/Orchester eine „Gewinnzulage“, wenn die beste Preiskategorie besonders gut verkauft ist, sondern das sind vorher festgelegte Gagen, die nicht vom Verkauf abhängen.

    Naja, wenn sich ein/e KünstlerIn nicht so bombastisch verkauft, können á la longue auch nicht mehr so hohe Gagen aufgerufen werden. Dass das bei einzelnen Konzerten nicht hinterher verändert wird, ändert ja am grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Popularität und Gage nix. Kenne mich im Klassikbetrieb nicht so aus, aber in anderen Genres kommt es schon öfter mal vor, dass die Gage von der Menge zahlender Besucher abhängt.

    "ensemble 1800berlin" in der Alten Brennerei Nettelbeck, 3.9.2022


    Das war mal ein Erlebnis: Beethoven in Arrangements von J.N.Hummel, der als Mozart-Schüler und Beethoven-bekannter quasi autorisiert war, diese Versionen für Klavier und (ad libitum) Flöte, Violine und Cello herzustellen. In der Ankündigung war nur von der 5.Symphonie die Rede, das weitere Programm war eine - für mich sehr positive - Überraschung: die 2.Symphonie, mit der das Konzert auch begann. Und nach einer relativ kurzen Eingewöhnungsphase, die sich vor allem darauf bezog, dass es schon ausgesprochene Pianisten-Arrangements sind, die der Herr Hummel da fabriziert hat, war das eine sehr mitreissende Darbietung. Das steht und fällt natürlich mit dem Pianisten, und der ließ auf seinem Graf-Flügel von 1830 auch keine Wünsche offen: gefühlvoll, mitreißend, mit ungemeiner Spielfreude agierten alle 4 Instrumentalisten, die Streicher auf Darmsaiten und mit kaum Vibrato, auch die Flötistin auf einem Instrument der Zeit.

    Besonders die 2. kam in der Besetzung wunderbar rüber, vom ersten bis zum letzten Satz. In der 5. im Finale haben mir dann doch teilweise die Posaunen gefehlt, da merkt man der Komposition doch an, wie sehr sie vom speziell Beethovenschen Orchestersatz getragen wird. Insgesamt eine großartige Veranstaltung im Rahmen der Klanglandschaft Prignitz, einer ziemlich frischen Konzertreihe hier im ländlichen Nirgendwo zwischen Berlin und Hamburg, für deren Organisation den Musikern Mira Lange und Martin Seemann sowie dem Kulturkombinat Perleberg ich von Herzen dankbar sein kann.

    da fehlt mir mindestens "Les Préludes" und "Mazeppa", um nur 2 zu nennen, die mir als Orchesterliebhaber wichtig sind. Mal vom wunderbaren 2.Klavierkonzert abgesehen. Zu Liszt und kontroversen Sichten auf ihn als Komponist haben wir auch diesen thread.

    früher hörte ich mal sagen:

    "Der Gentleman schweigt und genießt".


    oder, heutiger ausgedrückt:

    Ein als freizügig empfundenes Kleid ist KEINE Einladung, die körperliche Beschaffenheit der Trägerin öffentlich zu kommentieren, wer es als solche missversteht, muss damit leben, dass das als "ekelig" oder zumindest grenzwertig empfunden wird.


    zum Thema "kulturelle Aneignung durch Asiaten": das wäre so, wenn wir von den Chinesen ausgebeutet und unterdrückt wären (das ganze Konzept "kulturelle Aneignung" ist ohne Machtgefälle garnicht zu begreifen)... kann also tatsächlich so weit kommen Grins1, dass wir als abgehängte Europäer mal über kulturelle Aneignung klagen.

    Du sprichst in Rätseln, die ich nicht verstehe. (Kein Vorwurf!)

    ich verstehe Amfortas so, dass er es gerne ein bißchen fetziger hat, also auch mal Diskussionen mit weniger grundlegender Harmonie mag: für einen Liebhaber so modernen. dissonanzenreichen Zeugs schon ganz folgerichtig, oder?

    die Vorwürfe beziehen sich darauf, dass Currentzis hier die Musik nicht für sich sprechen lässt

    das kann ich nachvollziehen, so ähnlich kann ich das teilweise auch sehen. Aber ich war nicht dabei, also kann es auch gut sein, dass der Effekt ganz großartig war.

    Für mich ein Marketing-Gag.

    naja, das liegt dann aber an einem schon bestehenden Urteil über den Dirigenten, dass man eine als unpassend oder überflüssig empfundene Aktion gleich dem "Marketing"-Bedürfnis zuschreibt. Es könnte sich ja auch um Geschmacksdifferenzen handeln.

    Klassik hören ist keine Bildungsveranstaltung und kein Versuch, einen Upper-Class-Habitus zu leben

    Dass es das aber zumindest AUCH ist, lässt sich ja wohl schwer leugnen.

    Sonst halte ich das für Show.

    Den Show-Aspekt würde ich ungern vernachlässigen: jede kulturelle Veranstaltung, die mit der Darbietung sinnlich erfahrbarer Kunstwerke zu tun hat, ist auch "Show".

    Ich glaube übrigens, dass jemand, der gerne Technomusik hört, sich auch unter Umständen auch für Schostakowitsch und Strawinski begeistern könnte. Klassische Musik ist eben viel mehr als Mozart.

    offensichtlich dient "jemand, der gerne Techno hört", für Dich als Gegenbeispiel zum normalen Klassikhörer. Für mich hat guter Techno mehr mit Mozart gemein als Du vielleicht denkst..


    ich würde sogar behaupten, dass er in der Tradition der klassischen Instrumentalmusik die Fahne der rein musikalischen Ergötzung hochhält, die tatsächlich auch bei Groove-orientierter Musik darauf verzichtet, dass jemand im Vordergrund mehr oder weniger artifiziell "I love you" singt oder einem sonstwie verbale Botschaften mitgeben will.

    was anscheinend so "unmittelbar anspricht" ist letzlich ja bereits höchstlich vermittelt + käme als erste Schicht der weiteren Schichten von Mucke rüber ..

    wobei es für die (wenn auch eingebildet) "unmittelbare" Rezeption von Musik schon eine Rolle spielt, ob sie diese "unmittelbar ansprechende" "Schicht" anbietet oder eher verweigert.

    Ich glaube nicht, dass man für das Verständnis einer Oper wie "Rigoletto" sonderlich viel Bildung (was auch immer Bildung hier bedeutet) braucht.

    was auch immer Du "Verständnis" nennst: um das zu hören, worauf es dem Kenner ankommt, also Qualitäten von Stimmen, Dirigaten, Aufführungen, ist Erfahrung mit dem Genre unerlässlich. Und bei einem Streichquartett sieht die Sache noch mal anders aus.

    Das würde im Umkehrschluss heißen, dass ein typischer Hörer der "U-Musik" weniger gebildet ist als ein typischer Hörer der klassischen Musik.

    und das hielte ich nicht per se für falsch - wenn man "gebildet" mit "musikalisch gebildet" präzisiert. Und dann auch noch bemerkt, dass es durchaus verschiedene musikalische Bildungen geben kann, also z.B. fundierte Kenner der Popgeschichte, die man nicht wirklich als "ungebildet" bezeichnen kann, selbst für den Fall, dass sie vom Tuten und Blasen früherer Zeiten keinen Schimmer haben. Die meisten Genres der "U-Musik" erschließen sich allerdings dem direkten Hören mehr als klassische Sonaten, auch wenn es in jedem Spezialgebiet so ist, dass die Feinheiten, auf die es bei Qualitätsurteilen ankommt, nur bemerkt, wer tiefer einsteigt.


    Wenn ich mit "Bildung" nicht "Vertrautheit mit dem jeweiligen Spezialgebiet" meine, sondern den institutionalisierten Bildungsgrad, würde ich tatsächlich vermuten, dass zumindest Offenheit für klassische Musik bei Bildungsstufen ab Abitur häufiger anzutreffen ist.

    Der Künstler habe, wie es in der NZZ heisst, "eine finanzielle Entschädigung" angenommen. Also das ist ja wohl das mindeste, dass für einen Auftritt, der erst abgemacht und dann abgesagt wird, entschädigt wird. Oder ist das "Unwohlsein" von Teammitgliedern höhere Gewalt?


    Bin mal gespannt, ob und wann das erste Punkkonzert wg. "Irokesenschnitt" abgesagt wird.


    Aber vielleicht muss man, um dieses spezielle "ungute Gefühl" zu empfinden, auch eher bekifft als besoffen sein.

    Nicht wohl gefühlt". War das nicht auch der Wortlaut bei dem Vorfall in Bern? Also ehrlich, man kann doch nicht auf jede Befindlichkeit einzelner Rücksicht nehmen

    Ich würde wetten, dass es sich dabei nicht um Angehörige der "kulturell Enteigneten" Gruppe gehandelt hat. Grins1

    Bei allem Verständnis für Aufrufe zu mehr Achtsamkeit in solchen Fragen: Warum engagiert man einen Künstler, wenn man ihn dann doch nicht haben will? Hat der aus seiner Frisur ein Geheimnis gemacht vorher? Ich habe nicht den Eindruck, dass solche Aktionen dem Verständnis für Fragen von "kultureller Aneignung" dienlich sind.

    Nerviges (und ärgerliches) am ÖRR finde ich auch so Manches: Millionen für Fußball, Millionen für die Schlagermafia... überhaupt die Idee, man müsse mit öffentlich-rechtlichen Geldern Dinge sponsoren, die auf dem Markt eh fett werden. Trotzdem: in einer Gesellschaft, die nur privaten Rundfunk kennt, möchte ich nicht so gern leben. Und ich tröste mich mit so feinen Sachen wie den Konzertaufzeichnungen z.B. vom HR.


    Eine steuerfinanzierte Lösung wie beim BBC fände ich sozial fairer, aber im Großen und Ganzen kann ich dem ÖRR-Abschaffungsgeschrei nicht viel abgewinnen.