Beiträge von philmus

    Kann mir nicht vorstellen, dass diejenigen, die das Wort hier verwenden, das so meinen.

    also gibt es womöglich noch eine andere Art/einen anderen Kontext, auf die bzw in dem das Wort verwendet wird. ich schätze, irgendwas mit eher ästhetischer als politisch-moralischer Stoßrichtung...

    nachdem ich jetzt auch die anderen 3 Sätze gehört habe, bin ich doch weniger kritisch geworden. das "Menuett" und das Finale haben mir richtig gut gefallen, vor allem auch die ständig variierende Harmonisierung des Hauptthemas im Finale fand ich recht entzückend.

    Interessant ist, dass die Reprise in G/g beginnt.

    so vom harmonischen Gefühl her überzeugt mich das nicht. Ansonsten finde ich Deine Beschreibung des Kopfsatzes hilfreich, wenn es darum geht, Abweichungen als Qualitäten zu hören - und vielleicht auch als Experimente, von denen man ja auch sagen darf, dass sie im Ergebnis was unausgegoren klingen...

    Es handelt sich wie KV 465 um ein C-Dur Quartett mit Moll Einleitung, was höchst ungewöhnlich ist, und auch bei Mozart beginnt die dissonante Einleitung mit kanonischen absteigenden Seufzerfiguren. Da Schubert mit Mozarts Quartetten außerdem gut vertraut war, kann man sich denken, dass es sich nicht um eine Zufälligkeit handelt.

    hm. wie schon erwähnt, beschränkt sich Schubert auf den "kanonischen" Abwärtsgang vom Grundton aus, während Mozarts frei einsetzende Stimmen schon etwas härteren Stoff bieten.

    Ursprünglich habe ich dort auch von einer "Barockisierung" gesprochen

    den Eindruck hatte ich auch, vor Allem im "Seitensatz" (im Kopfsatz) in der "Exposition" - wenn man überhaupt Sonatensatzansprüche stellen will an das Gebilde. Den Seitensatz in G in der Reprise fand ich schon verwirrend, und dass es dann eigentlich keine echte Modulation gibt nach C zum Schluss hin, hat mich etwas unbefriedigt gelassen...

    mein Lieblings-Youtube-Kanal vom HR-Symphonieorchester hat mal wieder einen rausgehauen: ein Konzert mit Schumann und Kodaly...

    das Violinkonzert von Schumann also... Ein mir noch unbekannter Constantin Carydis hat es mit für mich normalerweise viel zu gemächlichem Tempo geschafft, meine zuletzt gewachsenen Zweifel an diesem Spätwerk auszuräumen: das ist wirklich sehr berührend in den Zwischentönen, wow, und auch sehr schön gegeigt von Sayaka Shoji:

    Schumann: Violinkonzert ∙ hr-Sinfonieorchester ∙ Sayaka Shoji ∙ Constantinos Carydis
    Robert Schumann: Violinkonzert d-Moll ∙I. In kräftigem, nicht zu schnellem Tempo 00:00 ∙II. Langsam 15:13 ∙III. Lebhaft, doch nicht schnell 20:53 ∙hr-Sinf...
    www.youtube.com

    Eigentlich ist mit dieser Szene das Nachfolgende ja alles schon klar. Der Wechsel dann zum Morgengrauen, zum einzigen wirklichen Liebesduett und zum Aufbruch - ist er nicht eigentlich richtig gemein? Wiegt Wagner damit nicht alle noch einmal in eine vermeintlich hoffnungsfrohe Sicherheit, in eine Schein - Idylle, die aber letztlich nur scheitern kann? Der Faden ist schließlich bereits abgerissen und wir wissen es. Aber wir lassen uns schließlich gerne mal betrügen.

    vielleicht so, wie wir einen Alptraum, der als Vorahnung daherkam, mit dem Morgenlicht verscheuchen?

    aber die grosse Idee gewinnt.

    DAS ist allerdings "nebulös". wattn für ne "große Idee"?

    Klar ist aufwärts steigen theoretisch anstrengend, aber praktisch eben nicht. Die Muskeln wollen es

    Das ist wirklich ne interessante Dynamik: dahin zu kommen, dieses "Wollen" der Muskeln auch zu fühlen, hat schon was euphorisches.

    Da steht so viel gesellschaftliches Zeugs dazwischen, also der grundsätzliche Strafcharakter körperlicher Arbeit in der sog. "Leistungs"gesellschaft z.B.

    ein Teil von mir fragt sich dann meist, wieviel davon durch vorherigen Drogenkonsum hervorgerufen oder eben vom Flow in die Euphorie gepuscht wurde

    ich würde das nicht überbewerten, auch wenn natürlich der geniale Jazzer auf Koks oder Speed und die Psychedelic-Rocker auf Gras oder LSD nicht immer nur Klischees sind: die Hilfsmittel, aus der reinen Leistungsschau in eine Art wirklich musikalischen Flow zu kommen, sind vielfältig.

    Aus eigener Erfahrung würde ich sagen, dass es durchaus immer möglich ist, das im "nüchternen" Zustand zu schaffen, es bedarf dazu halt anders als auf Drogen (die einen einfach irgendwohin katapultieren, was ja auch manchmal schiefgeht...) einer bewussten Entscheidung, in den Flow zu gehen. Wenn man das einmal mitgekriegt hat, braucht man keine Drogen mehr. und, da wir hier beim Thema "Alter" sind: die Musiker, die mit ihrem Job alt werden, sind doch auch meistens die, die das mit den Drogen seit möglicherweise Jahrzehnten nicht mehr brauchen.

    Manchmal habe ich eine Art Flow Zutand erlebt, in dem alles wunderbar geklappt hat und ich mich wohl gefühlt habe, aber das war eher bei Solo-Spiel, nicht im Orchester, obwohl es da auch mal vorkommen konnte,

    Deswegen kam von mir auch eher die Richtung Solo-Improvisation, also etwas, wo so etwas wie "Flow" auch Platz hat, sich im klanglich-melodisch-harmischen Ergebnis niederzuschlagen... Obwohl ich es auch in der Band erlebt habe, wo Vieles festgelegt ist.

    richtig. Über die Sologeige kann ich nur sagen, dass mich das etwas gleichförmige (wenn auch noch dezente) Dauervibrato nicht so ganz befriedigt...

    Klassische/musische Bildung hat aktuell nicht so die Superlobby (Stichwort: Stellenwert der Musikunterrichts an Schulen).

    das könnte noch ein richtiges Problem werden: zur Standardbildung der gefühlten Wissenselite gehört es zunehmend nicht mehr, mal was auf dem Klavier gespielt zu haben, mal in einem klassischen Konzert gewesen zu sein, überhaupt einen groben Schimmer von Musikgeschichte mitbekommen zu haben. Von daher fehlt dann die Wertschätzung für den Krempel, den wir hier zelebrieren, zumal man ja auch fürn Stoneskonzert annähernd elitäre 250 € ausgeben kann...

    Aber wie Rosamunde hier einen besonders daneben liegenden Vergleich überzeugend mit einem nicht zu widerlegenden Sachargument förmlich "in der Luft zerreißt", das ist schon bemerkenswert.

    Auch damit hast Du ein nicht stichhaltiges Beispiel förmlich "in der Luft zerrissen". Sehr gut, wenn ich das so sagen darf,

    sind wir hier beim Hahnenkampf oder was? bitte nochmal den Zweck des Forums und die - regeln studieren..