Beiträge von Edwin

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    [1]Wer entscheidet eigentlich darüber, was das "Spezifikum des Stücks" ist?
    [2]Und wie sucht der Regisseur nach eben jenem, ohne daß seine eigene Auffassung des Stücks dabei eine Rolle spielen würde?

    1) Das sollte durch eine Simplifikation gelingen.
    2) Solange es "seine Auffassung des Stücks" ist, ist sowieso alles in Ordnung. Ich mag nur keine Inszenierungen, in denen das Stück des Regisseurs zur Musik eines x-beliebigen Komponisten gezeigt wird.
    :wink:

    Wenn sich das Werk in der Regie nicht zu spiegeln braucht, ist der Willkür freilich Tür und Tor geöffnet. Und kein Regisseur braucht sich je wieder überlegen, was der Autor sagen will - es reicht, irgendetwas, das die eigene Befindlichkeit reflektiert, auf die Bühne zu stellen, am besten etwas, das möglichst Abscheu und Ekel verursacht, und schon hat man die perfekte moderne Inszenierung, egal welchen Stücks.
    :wink:

    Lieber Peter,

    Das, lieber Edwin, ist aber blühender Unsinn.

    gemach, gemach. Ich rede doch nicht von "La traviata" in Plüsch und Plunder, sondern von einer komplizierten Liebesgeschichte zwischen einem Mann und einer todkranken Frau, in die sich sein Vater als störendes Element hineindrängt. Das kann man schon heutig inszenieren. Ob es freilich angebracht ist, das Ballsaal-Bild in einem Schlachthaus voller Tierkadaver spielen zu lassen (ich denke da an einen Regisseur, der das mit einer gewissen tschechischen Märchenoper macht, und beinahe wäre in dieser wackeren Inszenierung ein echtes Reh gehäutet worden), will ich dahingestellt lassen.
    :wink:

    So wie der Pianist beauftragt wird, seine Idee von der Sonate darzustellen.

    Das ist allerdings nicht vergleichbar. Auch wenn der Pianist (oder der Interpret ganz allgemein) eine extreme Auffassung hat, bleibt das Werk immer noch erkennbar. Nun stell Dir einmal vor, Kusejs "Rusalka"-Inszenierung oder Konwitschnys "Totenhaus" liefen ohne Musik - kein Mensch würde diese Regiearbeiten als "Rusalka" oder als "Totenhaus" erkennen. Mühelos würde man hingegen auch ganz ohne Musik in Hytners Inszenierung des "Schlauen Füchsleins" auf dieses tippen - und so wäre es auch bei Chéreaus "Totenhaus" oder seiner "Lulu".
    :wink:

    Regisseure würden sich nicht wesentlich von Nazis unterscheiden.

    Das ist Kreislers Überspitzung. Aber der Kern seiner Aussage ist, daß die Anpassung eines Stücks an eine vorgegebene Ästhetik unzulässig ist. Der Regisseur hat die Aufgabe, das Spezifkum des Stücks zu suchen, nicht das Stück seiner eigenen Auffassung zu unterwerfen.


    Das beantwortet für mich auch die oben gestellte Frage, wie man ein Bühnenwerk "werkkonform" aufführt, nämlich durch die Beachtung seiner Spezifika, die, was mich betrifft, durchaus zeitgemäß umgesetzt werden können.


    Außerdem muß ich Dir sagen, daß ich eine Unterbrechung eines durchkomponierten Stücks zugunsten einer inszenierten Diskussion durchaus für eine Verkrüppelung halte, und auch die Denunzierung des Leids von Gefangenen als Partylaune erscheint mir als eine gezielte Verächtlichmachung eines Werks, das mit höchstem humanistischem Anspruch komponiert ist.
    :wink:

    Lieber Christian,
    ich stimme hier keineswegs zu, denn der Vergleich zwischen der NS-Zensur und der absichtlichen Verkrüppelung eines Stücks durch einen Regisseur ist ein grundlegender Unterschied, von dem Du wissen mußt, daß ich ihn kenne. Ich habe diese Stelle vor allem deshalb zitiert um zu zeigen, wie weit nun in Sachen NS-Zustimmung und NS-Vergleich wirklich unverdächtige Intellektuelle gehen, wenn sie das Regietheater aus tiefster Seele ablehnen. Daß der gesamte Essay vor allem zuspitzt und provoziert, leugne ich dabei gar nicht.
    Aber wir sind wieder an dem von mir schon zuvor benannten Punkt: Kaum argumentiert jemand gegen das Regietheater, setzen sich dessen Befürworter mit dem Drumherum auseinander, also, wie es zu dem Zitat kam, wer zitierte, ob der Zitierende zustimmt etc., nicht aber mit dem Inhalt dessen, was in dem immerhin längeren Passus gesagt wird.
    :wink:

    Aber ich habe mir VORHER schon meine Gedanken zur Handlung gemacht, und ich würde sie mir auch machen, würde auf der Bühne ein schöner Wald stehen, eine altmodische Waldschenke usw.

    Das ist der Punkt, in dem wir unterschiedliche Auffassungen haben. Mir ist nur wichtig, ob der "Freischütz" den Wald braucht wie der "Peter Grimes" die Meeresküste. Klare Antwort: Ja. Wie der Bühnenbildner dem Regisseur den Wald nun aber hinstellt, ob naturalistisch oder in Form von Wunderbaum-Scherenschnitten oder als abgestorbenen Wald oder wie auch immer, ist mir letzten Endes egal, da kommt es dann für mich nur noch darauf an, wie das auf mich im Gesamtergebnis wirkt.


    Ich kenne sogar einen Fall einer Inszenierung, in der der Regisseur weitgehend verweigert, was die Librettistin will - und dennoch wird für mich daraus eine Sternstunde, und zwar "Hänsel und Gretel" in der Regie von Laurent Pelly, der das Stück als unglaubliche witzige Satire auf die Konsumwelt erzählt (das Knusperhaus etwa wird zum Supermarkt), und das so geschickt macht, daß ich an keiner einzigen Stelle das Gefühl hatte, es ginge gegen die Kernaussage des Werks, und auch die Details fügen sich alle sehr schön. Aber, wie gesagt: Das betrachte ich als Sonderfall.
    :wink:

    Mich macht also bereits eine zeitliche Versetzung ziemlich unglücklich.

    Was mich betrifft: Kommt darauf an. Wenn es einen klaren historischen Bezug im Libretto gibt bzw. Aussagen darin, die eine bestimmte Zeit oder einen absteckbaren Zeitraum in der Vergangenheit festlegen, stimme ich Dir zu. Aber Überzeitliches kann meiner Meinung nach auch überzeitlich inszeniert werden, solange, und das ist eigentlich die einzige Grundbedingung, die ich stelle, das Stück in seiner Aussage unangetastet bleibt.
    :wink:

    nichts gegen den frühen John Dew, aber die Idee von dem Triumphmarsch zur Parade der Kriegsversehrten hat auch schon Hans Neuenfels gehabt, natürlich zum originalen Orchesterklang Michael Gielens. Unterstützt vom Bühnenbild Erich Wonders und den Kostümen Nina Ritters, steckte Neuenfels seine Soldaten in die Uniformen Garibaldis und des Rosrgimento, mischte sie aber mit nordafrikanischen Sklaven, wie auch Aida eine ist, die entsprechend für Amneris putzen musste.

    Sieh an, ich kenne diese Inszenierung leider nicht, muß aber zugeben, daß Neuenfels Deiner Schilderung zufolge hier eine hervorragende Idee gehabt hat.
    :wink:

    Lohnt sich diese Aufnahme? Wie geht Henze an die Sache heran?

    Die Aufnahme lohnt sich unbedingt. Henze geht so an die Sache heran, daß er alle Noten, die von Monteverdi überliefert sind, beläßt, also durchgehend Singstimme und Baß sowie die mehrstimmigen Ritornelle. Er füllt allerdings die Harmonien mit eigenem Material auf, das sich überraschend gut dem Renaissance-Klang anschmiegt, wie auch das Orchester eine seltsame Transformation des "alten Klanges" darstellt. Henze sprach in diesem Zusammenhang einmal von einem "Traum über die Oper der Renaissance".
    :wink:

    Lieber Rideamus,
    danke für dieses Statement. In den meisten Punkten sehe ich das ähnlich, wenngleich mein Fazit dann ein anderes sein mag, aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und daher nicht so relevant.
    Du erwähnst die "Aida" und den aus heutiger Sicht problematischen Triumphmarsch. Bleiben wir einmal dabei. Die für mich beste Lösung, die ich je sah, ist die von Franco Zeffirelli.


    Nein, reingefallen, das war es wohl, was die meisten von mir erwartet haben. ;+)


    Die beste, die ich kenne, stammt von John Dew: Er ließ eine Parade der Kriegsversehrten aufmarschieren. Für mich ist dies ein Paradebeispiel für eine gute Regietheateridee, denn das Bild ist vielschichtig. Nicht nur werden die Folgen eines Krieges deutlich, sondern auch die bisweilen verlogene Heldenverehrung wird dargestellt - schnell erinnert man sich an die Paraden, die sich mit Kriegsversehrten schmücken. Ob es eine glückliche Idee war, die Musik von der Schallplatte zu nehmen und das Orchester schweigen zu lassen, weiß ich nicht, immerhin haben Paraden ja auch ihre Orchester, aber im Zusammenhang mit dieser Szene war auch das letzten Endes überzeugend.


    Nur: Gegen solche Formen des Regietheaters, in denen Aspekte des Werks ausgedeutet werden, habe ich nichts. Ich bin aber jedem dankbar, der mir erklären kann, was "Rusalka" mit Natascha Kampusch und das "Totenhaus" mit einer Neureichen-Party zu hat. Wenn die Regie gleichsam neben dem Stück herläuft, ist sie meiner Meinung nach schlicht eine Themenverfehlung. In der Schule bekam man dafür bei uns übrigens ein "Nicht genügend".
    :wink:

    "Und dann machen sie es wie seinerseits die Nazis: Alles, was ihnen am Text nicht paßt, wird gestrichen. Die Nazis nannten diese Texte dann "undeutsch" oder "verjudet", und die heutigen Regisseure nennen sie "Opas Theater". Das ist der ganze Unterschied. Aber Zensur bleibt Zensur, auch wenn man sie "Modernisierung" oder "Regie" nennt."


    Zitat

    Es wird immer schlimmer. Zuerst unterstellst Du Anhängern des "Regietheaters" (was immer das sein mag; die Anmerkung kann ich Dir/Euch nicht ersparen) totalitäre Neigungen, dann Sektiererei, und jetzt erklärst Du Regisseure zu Nazis, weil sie Texte kürzen (was selbstverständliche, jahrhundertealte Theaterpraxis ist). Zur Sache hast Du nur unbelegbare Behauptungen: "Der Regisseur beschädigt die Substanz des Stückes". Es liegt auf der Hand, dass damit nur die Substanz gemeint sein kann, wie Du sie zu sehen meinst. Diesen Allmachtsanspruch, allein zu entscheiden, worin die Substanz eines Stückes liegt, könnte ich jetzt mit einem Nazi-Vergleich würzen, aber das Niveau überlasse ich Dir.


    Christian


    Lieber Christian,
    lieber Caesar,
    das mir unterstellte Zitat stammt, wie eigentlich aus dem Text hervorgehen sollte und unter der angegebenen Adresse nachzulesen ist, vom jüdischen Kabarettisten, Stückautor und Komponisten Georg Kreisler, dessen Überspitzungen ich zwar sehr mag, aber nicht in allen Fällen teile.
    :wink:

    Mich würde mal interessieren, wer das geschrieben haben soll. Ich war es jedenfalls nicht, auch wenn Du das noch zweihundert mal andeuten solltest.

    Der Autor Reinhard Federmann schrieb als Vorbemerkung in seinen Roman "Herr Felix Austria": "Dieser Roman ist ein Schlüsselroman. Alle Personen sind nach lebenden Vorbildern geformt. Wer sich erkennt, ist gemeint."
    Ich habe Dich allerdings nicht gemeint...
    :wink:

    Entweder bietet man die Oper als das erschreckend Neue, als das sie konzipiert wurde, dann muss man sich aber vom geschriebenen Buchstaben entfernen,

    Lieber Peter,
    da auch der "Werther" einmal erschreckend neu war, müßte man demzufolge diesen für unsere Zeit umschreiben, als Autor stünde dann aber immer noch Goethe drauf. Das wäre für mich aber ein Etikettenschwindel.
    :wink:

    In Hannover ist es z.Zt. zu erleben, wie eine Traviata-Inszenierung (B. von Peter), die dem sog RT zuzurechnen wäre, Kultstatus erreicht.

    Das ist freilich kein Widerspruch zu (m)einer überwiegenden Ablehnung des Regietheaters, zu der ich einige jetzt offenbar noch "in Quarantäne befindliche" Äußerungen machte.


    Daß einzelne Regietheater-Aufführungen Kultstatus erreichen, weiß man seit Chéreaus "Ring": Im ersten Jahr ein Skandal, im letzten ein Vorhang nach dem anderen, Karten wurden auf dem Schwarzmarkt zu astronomischen Preisen (bis zum Dreifachen kann ich bezeugen) gehandelt.


    Um in Bayreuth zu verweilen: Ponnelles "Tristan" - da weiß keiner so recht, ob das nun Regietheater war oder nicht, jedenfalls erreichte er ebenso Kultstatus wie Herzogs "Lohengrin" (eher kein Regietheater). Peter Halls altbackener "Ring" hingegen wurde nicht einmal von konservativen Wagnerianern goutiert, die hier vorgesetzt bekamen, wie lächerlich ein interpretationsloser in germanischer Frühzeit angesiedelter "Ring" aussehen kann. Die Nixlein im Swimmingpool, notdürftig nach oben gespiegelt - da rief wohl jeder nach Chéreaus grandiosem Staudamm, der paradoxerweise mehr Atmosphäre, Wasser, Nässe, Kälte suggerierte als das echte Planschbecken, das sich Hall von Solti einreden ließ.


    Ich gebe auch gerne zu, daß einzelne andere Regietheater-Arbeiten spannend sind, ich mag da vor allem (aber nicht alles), was Christine Mielitz macht, ich fand etwa die Personenkonstellation ihrer "Meistersinger" brillant, und ihr "Parsifal" gehört für mich zu den großen Opernabenden überhaupt. Auch ihr "Otello" ist, obwohl wieder einmal der Boxring als Metapher herhalten muß, durchaus gelungen, ihre von Schweiß und Sperma dampfende "Lady Macbeth" empfand ich sogar als Sensation, etwa dem "Parsifal" vergleichbar (ob diese sehr genau am Libretto inszenierte Aufführung allerdings Regietheater war, steht auf einem anderen Blatt).


    Doch diese Abende sind für mich die absoluten Ausnahmen, und, ich gebe es offen zu, ich kann diese Stückzertrümmerungen, die sich die Regisseure herausnehmen, nicht mehr sehen. Mir ist völlig klar, daß kluge Rezipienten, die sich für das Regietheater begeistern, jede noch so verkorkste Idee des Regisseurs begründen können, mitunter besser als der Regisseur selbst, denn wenn man nur genügend Assoziationen zuhilfe nimmt, kann man alles erklären, notfalls auch, weshalb "Parsifal" während eines intergalaktischen Raumflugs spielt, Kundry eine Roboterin ist und Klingsor der Computer-Wartungstechniker ("beam me up, Klingo") und Parsifal der aus dem Kälteschlaf erweckte Superwissenschaftler, der seine Erfindung nicht mehr wahrhaben will. Man wird mir auch wortreich und intellektuell spitzfindig auseinandersetzen können, weshalb "Turandot" nicht in China spielt sondern im Insektenreich, was immerhin insoferne neue Aspekte eröffnet, als ich "Salome" schon lange unter Fischen inszenieren wollte, und meiner Regisseur-Karriere jetzt sicher nichts mehr im Wege steht. Aber all diese Erklärungen kommen über einen Punkt nicht weg: "Parsifal" hat mit einem Raumflug nix zu tun, "Turandot" nix mit Käfern, "Salome" nix mit Fischen - und, auf die Gefahr hin, daß der Beitrag abermals gelöscht wird: "Rusalka" hat nix mit Natascha Kampusch und Josef Fritzl zu tun und das "Totenhaus" nix mit einem lustigen Mummenschanz bei Neureichs. In diesen Fällen beschädigt der Regisseur die Substanz des Stücks, weshalb solche Umdeutungen für mich unterm Strich Mumpitz sind.


    In der alten Version des Threads war eine (derzeit hier nicht lesbare) - negative - Meinung des Schriftstellers Daniel Kehlmann diskutiert und von Regietheater-Befürwortern abgelehnt worden, weil Kehlmann zuwenig kompetent sei. Nun gut, wie wäre es mit einem Stück-Autor und Komponisten zweier Opern, dessen Intellekt über jeden Zweifel erhaben ist? - Natürlich ist auch das nur eine Meinung, aber wenn man sie teilt, ist das nicht die übelste Gesellschaft, in der man sich damit befindet. Ich greife nur einen Passus heraus: Die heutigen Regisseure verlegen zunächst einmal das Stück in ein anderes Bühnenbild und in eine andere
    Zeit. Und dann machen sie es wie seinerseits die Nazis: Alles, was ihnen am Text nicht paßt, wird gestrichen. Die Nazis nannten diese Texte dann "undeutsch" oder "verjudet", und die heutigen Regisseure nennen sie "Opas Theater". Das ist der ganze Unterschied. Aber Zensur bleibt Zensur, auch wenn man sie "Modernisierung" oder "Regie" nennt.


    Der komplette Text ist hier zu lesen: [url]http://www.georgkreisler.de/gk_02c_d05.html
    :wink:

    Weiß nicht jemand, wo man die bekommen könnte?

    Beides ist mit etwas Mühe und finanziellem Aufwand erhältlich:
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    Das gibt's bei amazon.com - eine sehr tüchtige Aufnahme, die zeigt, wie ungewöhnlich und wie frisch dieses Werk auch heute noch anmutet.


    Das Hamburger Archiv für Gesangskunst wiederum hat "Die Flut" als Füller auf eine "Tosca"-Aufnahme gepresst, und zwar auf diese:
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    Außerdem gibt es auf youtube eine, leider in Schnipsel zerlegte, recht gute Aufführung der "Flut".


    Operapassion hat, zusätzlich zur "Flut", "200.000 Taler" in Form einer akustisch akzeptablen, leider von etlichen Dropouts gestörten DVD und eine durchaus akzeptable CD des "Preußischen Märchens" im Repertoire.
    :wink:

    Leider (?) gibt es davon nur eine Aufnahme :

    Na ja, Orff weichgespült halt. Sicher nicht schlecht, aber eben domestiziert. Angeblich kommt eine DVD der John-Dew-Inszenierung heraus - rein akustisch ist die um Klassen besser. Es gibt auch musikalische Unterschiede, da Karajan die Erstfassung eingespielt hat, während Constantin Trinks die Zweitfassung macht. Die Unterschiede sind nicht so wahnsinnig groß, Orff markiert in der Zweitfassung ein paar Akzente mehr und verändert die Instrumentierung an wenigen Stellen zugunsten größerer Schärfe; der Kanon am Schluß ist ebenfalls ein wenig geändert.
    :wink:

    Gilt der Kubelik-Tipp auch für "Prometheus"?

    Mit einer minimalen Einschränkung: Der "Prometheus" verwendet ja ein Arsenal ungewöhnlicher Schlagzeuge aus aller Herren Länder. Kubelik konnte nicht alle davon auftreiben, allerdings - jetzt kommt das große Aber: Ich merke im Vergleich zur Leitner-Aufnahme nichts davon. Rein klanglich scheinen mir beide Aufnahmen übereinzustimmen. Vielleicht hatte ja auch Leitner nicht alles auftreiben können, nur wird's im Begleitheft nicht angemerkt...
    Musikalisch ist Kubelik meiner Meinung nach überlegen: Bei Leitner merke ich vor allem, wie ungewöhnlich dieses Werk ist. Bei Kubelik überwältigt es mich. Kubeliks Interpretation wirkt auf mich "natürlich" insoferne, als sie anmutet, als wäre antikes Drama dieser Form im Allgemeinbesitz und es geht nur noch um die außerordentliche Qualität der Aufführung. Leitner buchstabiert mehr, ist vielleicht an einigen Stellen etwas genauer, aber auch spannungsärmer. Insgesamt rate ich sehr zu Kubelik.
    :wink: