Beiträge von lysiart

    Liebe Capricciosi,


    morgen, am 19.06.11, ermöglicht arte ab 19:15 h ein Wiedersehen mit Carlos Kleiber in einer Aufführung von 1996 im Münchener Herkulessaal der Residenz.


    Wir erleben ihn am Pult des Bayerischen Staatsorchesters in der vierten Symphonie e-Moll op. 98 von Johannes Brahms.


    Wenn das kein Erlebnis wird...


    :wink: lysiart

    Herzlichen Dank, liebe Maggie, für deine prompte und sehr informative Antwort, die meine weitere Beschäftigung mit Keenlyside regelrecht herausfordert, so dass ich mir "Le Nozze" unter Jacobs, den ich überaus schätze, und Schumanns "Dichterliebe", kombiniert mit Brahms-Liedern, anschaffen werde.


    Liebe Grüße


    lysiart

    Simon Keenlyside

    Liebe Capricciosi,


    aufhorchen ließ mich der Bariton Simon Keenlyside als Macbeths Perfidi...Pietá, rispetto,a more....Mal per me... anlässlich Ioan Holenders Abschiedsgala in der Wiener Staatsoper vor etwa einem Jahr.


    Zwischenzeitlich hatte ich ihn aus den Augen und Ohren verloren, bis ich ihn vorhin zufällig im Autoradio mit Heut nacht hab' ich geträumt von dir aus Kálmáns "Das Veilchen vom Montmartre" wieder hörte und er mich erneut aufhorchen ließ: Phrasierung, Legatobildung, unangestrengte, ohne Druck gebildete strahlende Höhe: All das stimmt! So kann man auch heute noch (oder wieder?) Operette mit Genuss hören, was keineswegs selbstverständlich ist.


    Zugegeben: Lediglich zwei Momentaufnahmen eines überzeugenden Sängers, der allerdings die Gesamtbreite seines Könnens zeigt.


    Meine Frage in die Runde: Kennt jemand von euch Gesamtaufnahmen mit Keenlyside - etwa "Don Giovanni" oder auch den einen oder anderen Liederzyklus mit ihm und möchte ein paar Takte dazu abgeben?


    Auf eure Antworten freut sich


    lysiart :wink:

    Ingeborg Hallstein zum 75. Geburtstag

    Liebe Capricciosi,


    zufällig hörte ich heute im Autoradio eine Sendung auf WDR3, die Ingeborg Hallstein zu ihrem 75. Geburtstag am 23. Mai gewidmet war und bin erstaunt, dass sie hier im Forum bislang unerwähnt geblieben ist.


    Dies mag daran liegen, dass ihr Bühnen-Repertoire sich weitgehend auf Mozart, Rossini und Strauss beschränkt und sie ihre Bühnenkarriere relativ früh beendet hat.


    Jürgen Kesting erwähnt sie in seinem Standardwerk (Erstauflage 1986) lediglich geringschätzig in einem Halbsatz und bei Jens Malte Fischer sucht man sie völlig vergebens.


    Sie gehört zu meinen Favoritinnen im Koloraturfach - vor allem als Königin der Nacht, Sophie im Rosenkavalier , Marzelline in Fidelio oder auch in Rossinis "Türke in Italien", wo sie sowohl darstellerisch als auch gesanglich eine hinreißende Fiorilla ist (TV-Produktion von 1971).


    Auch als Liedinterpretin schätze ich sie sehr.


    Wem von euch sagt die Hallstein heute noch etwas - abgesehen von ihrer immer noch aktiven Präsenz als Jurorin in Gesangswettbewerben?


    Auf Antworten freut sich euer


    lysiart :wink:

    Für mich bedeutet Lesen in erster Linie Entspannung und Unterhaltung.


    Bin soeben von einem längeren Camping-Urlaub zurück, dessen Abende - selbstverständlich ohne TV - vom Lesen geprägt waren (Jonathan Franzen: Freiheit - habe seit Jahren nichts Fesselnderes mehr regelrecht verschlungen). Unvorstellbar für mich, einen solchen 730-Seiten-Roman per ebook o.ä. aufzunehmen und auch gedanklich zu verarbeiten.


    Oder auch den Reiseführer - als Buch versteht sich - gut zu handhaben und bequem im Rucksack mitzuführen, vor Reisebeginn jedoch online aktualisiert und die wenigen Seiten ausgedruckt kann ich in Printform nicht missen.


    :wink: lysiart

    Liebe Rita Streich-Fangemeinde,


    auch ich schätze die Sopranistin in ihren Mozart-, Strauss- und Strauß-Partien, möchte jedoch auch auf ihre Gilda hinweisen, und zwar in folgender GA (1950):






    Beeindruckend: ihre mädchenhaft-fragile Darstellung der Rolle. Josef Metternich (Titelpartie) und Rudolf Schock als Herzog (beide 35jährig zum Zeitpunkt der Aufnahme) lassen zusammen mit Streich an dramatischer Lebendigkeit keinen Wunsch offen. Was Ferenc Fricsay an Italianitá aus einem deutschen Rundfunkorchester herausholt, dürfte kaum zu überbieten sein. Fazit: Meine liebste deutschsprachige Rigoletto-Einspielung, die ich besitze!


    Außerdem war Rita Streich bei ihren Liederabenden ebenso erfolgreich wie auf der Opernbühne. Ich erinnere nur an Schuberts „Forelle“, in der ihr der Stimmungsumschwung überzeugend gelingt oder an den „Hirt auf dem Felsen“ mit Heinrich Geuser (Klarinette) und Erik Werba (Klavier).
    Bei der Programmgestaltung ihrer Liederabende ging sie umsichtig vor, indem sie nur auswählte, was ihrer hoch gelegenen, hellen Koloraturstimme entgegen kam. Schwermütiges oder Balladenhaftes sparte sie mit Bedacht aus.


    Rita Streich, geboren am 18.12.1920 in Barnaul (Sibirien), ließ ihre Stimme in Berlin von Willi Domgraf Fassbaender, Maria Ivogün und vor allem deren Schülerin Erna Berger ausbilden. Hört man sich die Arie der Zerbinetta aus Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ mit den drei genannten Sopranistinnen vergleichend an – was ich heute gemacht habe -, stellt man eine Mischung von Virtuosität und Anmut, Leichtigkeit und menschlicher Wärme fest. Interessant wäre zu erfahren, ob Streich diese Erbschaft weiterzugeben vermochte, denn immerhin war sie ab 1974 Professorin an der Folkwang-Musikhochschule in Essen, und 1976 erhielt sie eine Professur in Wien.
    Vielleicht weiß jemand von euch, welche SchülerInnen von ihr ausgebildet wurden, deren Stimmen auf Tonträgern dokumentiert sind.


    Dieser Tage habe ich mir nach langer Zeit wieder einmal ihr „Musikalisches Selbstportrait“ , eine Sendung des NDR aus dem Jahre 1957, angehört, in dem sie völlig uneitel und mit dem ihr eigenen distinguierten Charme u.a. über Aufbau und Verlauf ihrer Karriere berichtet. Hier ein Zitatauszug, der für sich selbst spricht und daher von mir unkommentiert bleibt:


    „…Die unvergesslichen Berliner Nachkriegsjahre mit Kälte, Hunger und Elend! Eine Hundeleben, aber ich, ich fühlte mich besonders wohl, weil auch die berühmten Kollegen meiner Lehrerin wie Peter Anders, Willi Domgraf-Fassbaender und Margarete Klose, mich blutjunge, kaum zwanzigjährige Anfängerin kameradschaftlich in ihren Kreis aufnahmen und es an Ratschlägen nicht fehlen ließen. Ich hungerte zwar, aber ich war schon deshalb in einer bevorzugten Position, weil ich als besonderen Reichtum ein Fahrrad besaß. Auf ihm fuhren wir von Dahlem zu den Proben der ‚Staatsoper’ im Admiralspalast in der Friedrichstraße. Anderthalb Stunden dauerte die Strecke, und ich trat fest in die Pedale, denn Frau Berger saß ja auf dem Gepäckträger, und ich war sehr ehrgeizig: Sie sollte nicht absteigen müssen, auch wenn es bergauf ging…“


    :wink: lysiart

    Völlig d'accord, liebe Eva-Maria!


    Wenn man sich etwa Lieder der sog. "leichten Muse", wie z.B. Das Lied vom Leben des Schrenk aus Künnekes "Die große Sünderin" oder auch Laras "Granada" anhört, weiß man, wie schwer dies zu bewältigen ist. Und Fritz Wunderlich konnte es - dazu mit einer Nonchalance ohnegleichen. Zumindest nach Joseph Schmidt und Richard Tauber unerreicht. Einfach phänomenal!


    :wink: lysiart

    Nicht zu vergessen ist Margaret Price, die ich besonders schätze mit dieser Motette in einer Einspielung mit Konzertarien von Mozart mit dem English Chamber Orchestra unter James Lockhart. Fantastische Brillanz der Stimme. Einfach superb! (RCA LRL 1-5077)


    :wink: lysiart

    Hoffmann als Opernkomponist


    Angeregt durch diesen Thread habe ich mich nach langer Zeit wieder einmal näher mit Hoffmanns Opern beschäftigt: eine – wie ich meine – interessante Sache.
    Noch vor dem als romantischem Prototyp verstandenen „Freischütz“ von Weber schrieb Hoffmann 1816 seine romantische Zauberoper UNDINE, die ebenfalls Reales mit Unheimlichem, eine klare Gefühlswelt mit Abgründigem verbindet. Nach der Novelle von Friedrich de la Motte-Fouqué, an dessen Libretto auch Hoffmann seinen Anteil hat, entstand dieses Märchen von der Wasserfrau, die durch Liebe eine menschliche Seele bekommt, aber schließlich ihren untreuen Geliebten mit sich in ihr Element hinab zieht.
    Die Aufnahme dieser Oper aus dem Jahr 1966 stammt aus dem Archiv des BR und ermöglicht eine Begegnung mit den deutschen Gesangsstars jener Zeit: Rita Streich (Undine), Raimund Grumbach (Huldbrand), Kieth Engen (Heilmann), Karl Christian Kohn (Kühleborn) und Melitta Muszely (Berthalda).


    Lohnend auch der Vergleich mit Hoffmanns indischem Melodram DIRNA, das fünf Jahre vor UNDINE komponiert wurde: In der Fülle an auf kleinstem Raum untergebrachten melodisch-harmonischen Wendungen und Klangfarben der DIRNA findet man manches wieder, was in der UNDINE weiter verwendet wurde, so etwa Dirnas mehrfach wiederholtes C-Dur-Schluchzer-Motiv aus dem 1. Akt, das chorisch in UNDINE wiederzufinden ist. Oder auch der Klang der Holzbläser beim Auftreten von Dirnas Kindern, die am UNDINE-Beginn bei deren Kindheits-Schilderung wieder auftauchen.


    Während der o.g. Rundfunkmitschnitt m.W. nicht im Handel ist, gibt es DIRNA bei einem unserer Werbepartner:






    :wink: lysiart

    Völlig d'accord, liebe calisto!


    Atemberaubend, was da über die Rampe und aus dem Graben herüber kommt.


    Phänomenal, mit welcher Italianitá Maestro Patané ein deutsches Orchester zu befeuern vermag.


    Sämtliche Partien sind prominent besetzt - bis in die "kleineren" Rollen wie Leone mit Bengt Rundgren.


    Dies alles macht die technische Unzulänglichkeit der Aufnahme mehr als wett!


    (Label: Estro Armonico 036, 2 LP)


    :wink: lysiart

    Völlig d'accord, liebe calisto!


    Einfach atemberaubend, was da über die Rampe und aus dem Graben herüber kommt.


    Phänomenal, zu welcher Italianitá Maestro Patané ein deutsches Orchester zu befeuern imstande ist.


    Alle Partien sind prominent besetzt bis in die "kleineren" Rollen - so z.B. der Leone mit Bengt Rundgren.


    Dies macht die technische Unzulänglichkeit der Aufnahme mehr als wett.


    (Label: Estro Armonico 036, 2 LP)


    :wink: lysiart

    Hier mein Kurzbericht über die gestrige Mitgliederversammlung des Freundeskreises der Busch-Brüder e.V. in Siegen, der Folge-Organisation der Brüder-Busch-Gesellschaft, die sich ab 1964 39 Jahre lang dem Vermächtnis der Siegerländer Künstlerfamilie verbunden fühlte und deren langjährige Präsidentin keine Geringere als Sena Jurinac war:


    Im Zentrum standen geplante Aktivitäten anlässlich des Jubiläumsjahres (120. Geburtstag Fritz Busch, 60. Todestag Adolf Busch). So wird es Kammerkonzerte im Apollo-Theater Siegen und am 17.09.2011 eine Neuauflage der bereits vor 10 Jahren erfolgreich aufgeführten Tragikomödie von Magnus Reitschuster "Busch-Brüder oder die Heimkehr" geben, ebenfalls im Apollo. Folgendes in Kürze zum Stück: Adolf Busch kommt am Abend des 6. Nov. 1949 - dem Tag seines Gastspiels in Siegen - an, aber niemans empfängt ihn. Der Raum ist ungeheizt - schlecht für einen Geiger, dessen Stradivari mindestens 18 Grad Raumtemperatur braucht. Außerdem will der MGV "Hauberg" gleichzeitig wie Busch proben. Busch möchte nicht nur Bach spielen, sondern zwischendurch auch Auszüge aus den Erinnerungen seines Bruders Fritz vorlesen lassen. Es kommt zu dem Konflikt mit dem Chor. Busch entschließt sich, sein Konzert abzusagen, weil er nicht vor Altnazis spielen kann. In einer Rückblende wird die Szene in der Semperoper, als SA-Horden am 7. März 1933 den großen Dirigenten während einer Rigoletto-Aufführung niederschrieen, angeschnitten. Ein Dialog zwischen Emmy Göring, deren Mann Fritz Busch unbedingt in Deutschlans halten wollte, und Adolf Busch macht die Haltung der beiden Musiker unmissverständlich klar. Am Ende spielt Adolf Busch dann doch im Apollo - vor allem für zwei Chormitglieder, Henner und Frieder, Bergmann und Stahlarbeiter.


    Des weiteren wurde beschlossen, die Fritz-Busch-Musikschule (Siegen) auch weiterhin nicht nur ideell, sondern auch finanziell zu unterstützen. Diese städt. Einrichtung hat derzeit 1.300 (!) Schüler, die in allen Musiksparten von über 60 Lehrern so erfolgreich unterrichtet werden, dass sie mit großer Regelmäßigkeit Preise in Landes- und Bundeswettbewerben holen. Außerdem verfügt die Musikschule über ein Kammer-Enselmble und ein Jugend-Sinfonieorchester.


    Im Rahmen der Busch-Jubiläen ist für Frühjahr 2012 eine mehrtägige Reise nach Meiningen mit u.a. Besuch von Konzert- u. Opernaufführungen in Vorbereitung.


    Aus der Provinz volle Leben grüßt


    :wink: :wink: :wink: lysiart

    Obwohl Buschs legendäre Glyndebourne-Aufnahmen von euch, ihr Lieben, hinreichend gewürdigt wurden, sollte sein Nachkriegs- IDOMENEO (Premiere am 20.06.51) nicht unerwähnt bleiben, wie ein Mitschnitt vom 14. Juli 1951 bezeugt. Zum ersten Mal bei einer Glyndebourne-Produktion bestand die künstlerische Leitung nicht nur aus Busch und dem Regisseur Carl Ebert, sondern ein Dritter trat hinzu in der Person Hans Gáls, dem Bearbeiter des IDOIMENEO – weit mehr als ein Arrangeur. Aufgabe Gáls war es, zunächst einmal erheblich zu kürzen und das Werk – wie Busch es nannte – zu „entkastrieren“, die Partie des Idamantes also einem Tenor oder Sopran zu übertragen.
    Wenn man sich mit der kleinen Fassung der berühmten „Fuor del mar“-Arie begnügte, war dies vor allem dadurch begründet, dass sich damals kein Tenor auftreiben ließ, der die ursprüngliche, große Version mit der Bravour und Ausdruckskraft singen konnte wie Hermann Jadlowker in der legendären Aufnahme von 1911.


    Der eher robuste Richard Lewis (Idomeneo) und Léopold Simoneaus lyrisch-geschmeidiges Timbre als Idamantes machen die zwischen zwei Tenören nicht leicht darstellbare Vater-Sohn-Beziehung sinnfällig. An Birgit Nilssons Elettra vermisse ich das Furienhafte, das Bewegliche. Alfred Poell überrascht in seiner überlegenen Darstellung des Arbace; bedauerlich, dass man ihm die Arien genommen und seine Partie auf das Rezitativ zusammengestrichen hatte. Neben Poell eine weitere Stimme aus dem „Wiener Ensemble“ist Sena Jurinac : Welch eine Ilia! Hier wird deutlich, dass Mozart dieser Frauengestalt einige seiner schönsten melodischen Eingebungen geschenkt hat.


    „In der Jurinac erlebte man eine Naturbegabung, wie sie Gott nur ganz selten einmal verschenkt. Verschwenderisch hatte er eine frische junge Schönheit und einen Bühneninstinkt von naiver Untrüglichkeit hinzugefügt. Er gab Glyndebourne seinen strahlendsten Stern, er gewährte dem kritischsten, zumeist enttäuschten, nie befriedigten Dirigenten am Ausgang seines Lebens unendliche Freude.“
    (Grete Busch in ‚Fritz Busch – der Dirigent’ über Sena Jurinac)


    Viele Jahre später erinnerte sich Sena Jurinac anlässlich einer in Hilchenbach durchgeführten Mitgliederversammlung der „Brüder-Busch-Gesellschaft“, deren langjährige Präsidentin sie war, an das Musizieren Buschs: „…diszipliniert und frei, das Tempo bei ihm nie ein Problem, es war selbstverständlich, ergab sich wie von allein, konnte gar nicht anders sein. Und so war auch Buschs Zeichengebung von höchster Klarheit und Natürlichkeit. Er drängte sich nie vor das Werk. Bei ihm sprach die Musik für sich selbst…“


    Busch, der selten zu großen Worten, schon einmal gar nicht über sich selbst, griff, bemerkte nach der Premiere am 20. Juni 1951: „IDOMENEO ist eine großartige, sehr ergreifende Musik, die Ebert und ich jetzt wieder zum Leben erweckt haben…..Regie, Dekorationen, Kostüme, Solisten, Orchester und Chor sind über alle Maßen ‚perfect’. Man kann heute an keinem Platz der Welt etwas Derartiges erleben…“


    Hier ist sie, die Aufnahme, in der sich Mozart von einer vollkommen neuen Seite gezeigt hat:










    :wink: lysiart

    Musikfestwoche Hilchenbach – 50 Jahre Gebrüder-Busch-Kreis e.V.


    31.03.11, 20:00, Gebrüder-Busch-Theater Hilchenbach
    Sinfoniekonzert mit der Philharmonie Südwestfalen
    Dirigentin: Mirga Grazinyte
    Sergej Malov Viola/Violine (Brüder-Busch-Preis 2008)
    Wolfgang Bauer Trompete (Brüder-Busch-Preis 1993)
    Frederick Belli Posaune (Brüder-Busch-Preis 2007)
    Marianna Shirinyan Klavier (Brüder-Busch-Preis 2006)
    Moderation Gernot Wojnarowicz


    Programm:


    Christoph Ehrenfellner Hommage a St. Petersburg, Solokonzert f. Bratsche u.
    Violine (UA Salzburg, 11.03.11)
    Ferdinand David Cocertino f. Posaune u. Orchester Es-Dur, op.4
    Johann Nepomuk Hummel Trompetenkonzert E-Dur
    Bela Bartok Konzert für Klavier u. Orchester Nr. 3
    Igor Strawinsky Circus polka – sinfonische Fassung f. Orchester


    ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    03.04.11, 17:00, Ev. Kirche Hilchenbach
    Konzert mit der Kantorei Siegen, Leitung: KMD Ute Debus
    Camerata instrumentale Siegen
    Ina Siedlaczek (Sopran), Silke Weisheit (Alt), Thomas Iwe (Tenor), Peter Maruhn (Bass)


    Programm:


    J. S. Bach: Lutherische Messe g.Moll, BWV 235
    W. A. Mozart: Requiem d-Moll, KV 626


    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------


    04.04.11, 20:00, Konventsaal Stift Keppel
    Vortrag von Prof. Dr. Siegfried Mauser (München)
    Thema: Die Busch-Brüder und die Interpretation. Moderne deutsche Schule?
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------


    05.04.11, 20:00, Gebrüder-Busch-Theater Hilchenbach
    Kammerkonzert mit dem Leipziger Streichquartett (Brüder-Busch-Preis 1991)
    Sergej Malov (Violine, Viola), Marianna Shirinyan (Klavier), Ruriko Yamamiya (Harfe)


    Programm:


    Franz Schubert Streichquartett Nr. 13 a.Moll, D 804
    Tigran Mansurian Drei Stücke in tiefen Tönen
    Camille Saint-Saens Fantasie für Violine und Harfe, op. 124
    Sergej Prokofjew Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 f-Moll, op. 80
    Frederic Chopin Andante spianato et Grande Polonaise brillante Es-Dur
    Claude Debussy Streichquartett g-Moll, op. 10


    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------


    07.04.11, 20:00, Gebrüder-Busch-Theater Hilchenbach
    Sinfoniekonzert mit der Philharmonie Südwestfalen
    Violine: Edoardo Zosi
    Dirigent: Russell N. Harris


    Programm:


    Frederick Delius A Village Romeo an Juliet
    F. Mendelssohn-Bartholdy Violinkonzert e-Moll, op. 64
    Ralph Vaughan-Williams The Lark Ascending
    Franz Schubert Sinfomie Nr. 5 B-Dur, D. 485


    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------


    10.04.11, 11:00, Gebrüder-Busch-Theater Hilchenbach
    Abschlusskonzert mit der Philharmonie Südwestfalen mit Preisverleihung des Brüder-Busch-
    Preises an den Preisträger 2010, Gen Yokosaka, Violoncello
    Dirigent: Gerrit Prießnitz
    Gen Yokosaka: Violoncello
    Gottfried Schneider: Violine (1. Preisträger des Brüder-Busch-Preises 1972)


    Programm:


    Adolf Busch Serenade für Streichorchester
    Peter I. Tschaikowsky Variationen über ein Rokokothema für Violoncello u. Orch. A-Dur
    Johannes Brahms Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op. 77


    :wink: lysiart

    FRITZ BUSCH - Wanderer zwischen Welten

    Hallo miteinander,


    als Capriccio-Neuling arbeite ich mich Schritt für Schritt durch die einzelnen Themenbereiche und bin etwas erstaunt, dass Fritz Busch noch kein eigener Thread gewidmet ist, gilt er doch unter Kennern als einer der ganz großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts.
    Dass Buschs diskografische Hinterlassenschaft nicht allgemein bekannt ist, mag an den zahlreichen Wirkungsstätten liegen, die eine systematische Einordnung seines Klangerbes nicht gerade leicht macht.
    Bevor ich in einem weiteren Posting auf zentrale musikalische Tondokumente näher eingehe, hier zunächst:


    Wichtige Daten im Leben Fritz Buschs (1890-1951)


    13.03.1890: Fritz Busch in Siegen (Westfalen) geboren


    1902: Familie Busch zieht nach Siegburg, später nach Köln


    1906-1909: Studium in Köln: Dirigieren bei Fritz Steinbach, Klavier bei Karl Boettcher u. Lazzaro Uzielli, Theorie u. Komposition bei Otto Klauwell


    1909/10: Kapellmeister am Deutschen Theater in Riga


    1910-1912: Kurkapellmeister in Bad Pyrmont u. Leiter des Musikvereins in Gotha


    22.06.1912: Berufung zum Städt. Musikdirektor in Aachen


    1914-1918: Soldat im Ersten Weltkrieg


    22.05.1918: Berufung zum Königl.- Württ. Hofkapellmeister in Stuttgart


    10.12.1920: Gastkonzert mit der Sächs. Staatskapelle Dresden


    1922-1933: Sächsischer GMD u. Direktor der Semperoper in Dresden


    22.07.1924: Fritz Busch eröffnet die Bayreuther Festspiele nach zehnjähriger Pause mit den „Meistersingern“


    1924-1930: Fritz Busch leitet die Uraufführungen der folgenden Opern in Dresden: „Intermezzo“ (Strauss), „Jürg Jenatsch“ (Kaminski), „Dr. Faust“ (Busoni), „Der Protagonist“ (Weill), „Cardillac“ (Hindemith),“Die ägyptische Helena“ (Strauss) und „Vom Fischer un syner Fru“ (Schoeck)


    04.07.1926: Deutsche Erstaufführung der Oper „Turandot“ (Puccini)


    1927/28: 24 Konzerte mit dem New Yorker Sinfonieorchester


    25.11.1927: Der elfjährige Yehudi Menuhin spielt unter Buschs Leitung Beethovens Violinkonzert


    Juli/Aug. 1932: „Entführung aus dem Serail“ bei den Salzburger Festspielen. Bekanntschaft mit Carl Ebert


    Sept. 1932: Busch u. Ebert bringen Verdis „Ein Maskenball“ mit sensationellem Erfolg an der Städt. Oper Berlin heraus


    07.03.1933: Die Dresdner SA randaliert vor einer „Rigoletto“-Aufführung in der Semperoper gegen Fritz Busch. Der verlässt Dresden u. Deutschland


    16.03.1933: Die Direktion des Teatro Colon in Buenos Aires lädt Fritz Busch ein


    07.08.1933: Busch dirigiert das erste Konzert in Buenos Aires


    28.05.1934: Fritz Busch eröffnet die Festspiele in Glyndebourne mit „Figaros Hochzeit“


    1934-1940: Tätigkeit in Buenos Aires, Glyndebourne, Kopenhagen u. Stockholm


    14.12.1934: Ehrendoktor der Universität Edinburgh


    Juni 1940: Flucht mit Frau und Sohn von Stockholm über Moskau, Wladiwostock und Japan nach Amerika


    1941-1945: Tätigkeit in Buenos Aires, Montevideo, Lima u. New York


    1945-1949: Künstlerischer Leiter der Metropolitan Opera New York. Konzerte in Montevideo, Kopenhagen, Stockholm, Buenos Aires und anderen Städten


    Juli 1950: Wieder künstlerischer Leiter der Festspiele in Glyndebourne


    Aug. 1950: Konzerte mit dem Dänischen Rundfunk-Sinfonie-Orchester in Edinburgh


    Sept./Okt. 1950: Gast an der Wiener Staatsoper, die Busch fest an sich binden will. Konzerte in Wien


    Febr. 1951: Rückkehr nach Deutschland. Konzerte mit dem Gürzenich-Orchester Köln und dem Rundfunkorchester Hamburg. Konzertante „Maskenball“-Aufführung zur Einweihung des neuen Sendesaals im Kölner Funkhaus


    März/April 1951: „Aida“ und „Cosi fan tutte“ in Stockholm


    Juni/Juli 1951: Letzte Saison in Glyndebourne. Großer Erfolg mit Mozarts „Idomeneo“


    Herbst 1951: „Die Macht des Schicksals“ und „Don Giovanni“ bei den Festspielen in Edinburgh


    08.09.1951: Busch dirigiert seine letzte Oper „Don Giovanni“ in Edinburgh


    14.09.1951: Fritz Busch stirbt in London
    (Quellen: Fritz Busch: Aus dem Lebens eines Musikers –Autobiografie-, Frankfurt, 2001;
    Helmut Reinold: Mozarts Haus –Eine Geschichte aus Glyndebourne-, Köln, 2001)
    *****
    Der Gebrüder-Busch-Kreis e.V. feiert dieser Tage sein 50jähr. Jubiläum u.a. mit einer Musikfestwoche Ende dieses Monats. Ihren Namen trägt die Kulturgemeinde des nördlichen Siegerlandes zur Erinnerung an die fünf Söhne der berühmten Siegerländer Künstlerfamilie Busch, und zwar Fritz Busch – Dirigent – (1890 Siegen – 1951 London), Adolf Busch – Geiger und Komponist (1891 Siegen – 1951 Guilford, Vermont, USA), Willi Busch – Schauspieler (1893 Siegen – 1951 Köln), Hermann Busch – Cellist (1897 Siegen – 1976 Bryn Mawr, USA) und Heinrich Busch – Pianist u. Komponist (1900 Siegen – 1929 Duisburg).
    *****


    Bevor ich mich zu meinen Lieblingsaufnahmen Fritz Buschs äußere, meine Frage an euch: Wem sind Einspielungen unter Buschs Leitung bekannt und wie beurteilt ihr sie?


    In Erwartung eines lebhaften Austauschs grüßt herzlich aus der Provinz voller Leben
    lysiart

    FLAUTANDO KÖLN (Blockflötenquartett mit Susanne Hochscheid, Ursula Thelen- auch Gesang - , Katharina Hess, Kerstin de Witt)


    Reihe: Meisterliche Kammermusik am 15.03.2011, 19:00, Gebrüder-Busch-Theater Hilchenbach


    Werke der Renaissance, des Barock, der Klassik und Moderne von Giovanni Maria Trabaci, Pedro Escobar, Juan Ponce, John Playford, Diego Ortiz, Antonio Vivaldi, Stefan Thomas, Claude Debussy und Jan Rokyta


    Aus der Provinz voller Leben grüßt euch, ihr Lieben,


    lysiart