Beiträge von Matthias Oberg

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    Davon abgesehen bin ich auch immer pleite, jeden Monat.


    ......


    Wir machen am besten einen internen Capriccio- Looser thread auf und unterhalten uns dort weiter.


    Hey, ich bin dabei. Obwohl, eigentlich fühl ich mich nicht als Loser. Altersarmut ist zwar vorprogrammiert und die Kohle ist immer äußerst knapp, aber dafür lehre und schreibe ich nur noch völlig kompromißlos, nehme nur noch Aufträge an, hinter denen ich stehe - und das fühlt sich geil an. So gesehen, bin ich enorm privilegiert.


    Damit bin ich auch Prekarier und Geringverdiener, aber gehe trotzdem mehrfach jede Woche zu Live-Musik, wenn auch überwiegend zu Jazz-Konzerten, die hier in Berlin meist sehr günstig sind und die Szene ist gerade so gut und spannend, absolut top-weltklasse, wie noch nie. Auch in viele klassische Konzerte komme ich billig. Ich habe z.B. dieses Jahr für jeweils 15 Euri Zimmermanns Soldaten, Birthwistles Punch and Judy, drei Sciarrino-Opern, eine Rameau-Oper, eine Haydn-Oper und Bizets Carmen live erlebt, außerdem diverse Kammermusik, meist Neue Musik und einige Sinfonie-Konzerte.


    Insofern ist mir die Vorstellung, in kleineren Städten oder gar auf dem Land zu leben, der völlige Horror. Ich habe mich auch schon für länger in Chicago, London, Kopenhagen, Milano, Brüssel und Paris aufgehalten. Klar, auch spannend, aber um dort länger leben und mir Konzerte leisten zu können, müßte ich dort so viel arbeiten, dass ich für Konzerte wahrscheinlich kaum noch Zeit und Kraft hätte. Innerdeutsch ist auch in München, Hamburg oder Köln viel weniger los, besonders beim Jazz, Mieten, Lebenshaltung und Konzerteintritte sind dafür auch viel, viel teuerer. Das ist hier in Berlin halt alles, relativ gesehen, immer noch unschlagbar günstig. Also, ich weiß, weswegen ich hier lebe.


    So, jetzt höre ich auf, weil ich in ein Jazz-Konzert einer erstklassigen Schweizer Band will. Kostet mich als Vereinsmitglied im Trägerverein des Veranstalters 3 Euri. Den jährlichen Vereinsbeitrag arbeite ich ab als Berater bei der Programmgestaltung, Schreiber von Info-Texten etc.


    :wink: Matthias

    Als ich neulich Fieberträume hatte, hat mich keine Musik so sehr getröstet wie Schoenbergs atonale und zwölftonige. Irgendwie wirkte sowieso alles, was ich wahrgenommen hatte, wie ein schiefer Ton. Und in der Musik hab ich mich dann verstanden gefühlt. ;)


    Die ganze Welt ist voller schiefer Töne und heftiger Dissonanzen. Da fühl ich mich bei Schönberg & Co. einfach sehr zu Hause.


    Dagegen, Tschaikowski (aber nicht den Boris Tschaikowski, - der ist was für den Verliebt-Thread) und Rachmaninoff ertrage ich keine zwei Takte. Davon kriege ich Überzucker und heftiges Magengrimmen. Lieber 2 Wochen Zahnschmerzen, als 2 Takte von diesen Knilchen!


    Minimal Music nervt generell kollossal.


    Walzerseligkeit der diversen Sträuße. Die Vorstellung, ein Neujahrskonzert absitzen zu müssen, verursacht Alpträume und Panikattacken.


    Richard Strauss, bis auf die Metamorphosen :shake:


    Pärt bis auf ein paar frühe Werke :o:


    Brahms -Ungarische Tänze und Dvoraks Slovenische Tänze sind auch ganz schlimm - gehen gar nicht, obwohl ich ansonsten das meiste von beiden sehr mag.


    Ansonsten, ich borge mir mal Don Fatales hübsche Formulierung, mache ich den Bartleby bei Mozart, J.C. Bach, Bellini, Donizetti, Puccini und generell Verismo, Meyerbeer, frühen Wagner, Bruckner, Morton Feldman....


    :wink: Matthias

    Sollte sich einer nicht daran halten, droht ein 2-3 monatiger verschärfter Deutschkurs in einer schwäbischen oder oberbayerischen "Original-Familie", ersatzweise 4 Monate Weddinger-Kiez.


    Ey, Alta, willstu meinen Kiez wie Prenzlauer Berg machen? Voller Typen wie Oetinger? Voller Schwaben, bei denen zu Hause niemand Deutsch gesprochen hat. Nee, Alta, yalla, isch mach disch Krankenhaus, ischschwör!


    :wink: Der Weddinger Kiez-Bewohner

    Irgendwie erinnerte ich mich heute nach langer Zeit des Saxofonisten Benny Wallace, der in meiner Jugend in aller Munde war und von dem ich einige Platten hatte, der heute aber fast vergessen scheint. Seine letzte CD erschien vor über 10 Jahren, dabei ist er nicht einmal 70.


    Bennie Wallace letzte offizielle CD, sein Tribute to Coleman Hwakins, erschien 2006 bei Enja, aufgenommen live beim Berliner Jazzfest 2004 - ich war sehr begeistert zugegen.



    Das ist sicherlich nicht nur seine ambitionierteste, sonder auch eine, seiner besten CDs gewesen. Sie war aber auch ziemlich erfolgreich. Bennie Wallace tourte vorwiegend mit dem Programm noch bis 2007 oder 2008 über fast die ganzen europäischen und japanischen Festivals.


    Von 2011 habe ich dann noch eine Bennie-Wallace-Compilation von 'Musica Jazz' mit älteren Aufnahmen aus Italien.


    2007 rief er jedoch eine sympathische Stiftung in's Leben, BackCountry Jazz, und ist seidem deren künstlerischer Direktor und 'Seele vom Janzen' und offenbar sehr darauf konzentriert. Im Rahmen dieser Stiftung unterrichtet und konzertiert er auch weiterhin.


    "http://www.backcountryjazz.org/about-ourhistory.htm"


    BackCountry Jazz versucht vor allem den Jazz zurück in die sozial abgestürzten und marginalisierten Neighborhoods zu bringen, fördert vor allem Jazzprojekte an Schulen und verbindet Förderung von Konzertprogrammen, Förderung von MusikerInnen und angehenden MusikerInnen und Förderung, Entwicklung und Durchführungen von Jazz-Education-Programmen mit sozialem Engagement.


    Einstmals hat Musik besonders an den afro-amerikanischen Schulen eine große Rolle gespielt. Das war ein wesentlicher Aspekt bei Booker T. Washington. Lil Hardin Armstrong erhielt von fähigen Lehrern, denen ihr Talent auffiel, schon auf der High School eine regelrechte Kompositionsgrundausbildung, Charles Mingus spielte Cello im Schulorchester, wie viele andere Jazzer begannen in der Schul-Big-Band? Heute gibt es das alles nicht mehr an staatlichen Schulen, wenn es nicht irgendwer privat organisiert und finanziert. Es wird aber nicht gerade Schlange gestanden, um staatlichen Schulen in den Ghettos irgendwas zu finanzieren. Staatliche Förderung, die es auch einmal in den USA gar nicht so knapp gab, ist seit Jahren stark zurückgefahren worden. Der Uncle-Tom-Präsident hat sie einfach nun komplett abgeschafft und die Marginalisierung der afroamerikanischen ArbeiterInnenklasse und des Sub-Proletariats wurde gerade im ganzen Erziehungssektor während seiner Zeit immer extremer. Wenn Uncle Obama mal wieder ein Booker T. Washington-Zitat in den Mund nimmt, möge er sich daran verschlucken und ersticken!


    Da sind solche Stiftungen, wie die von Bennie Wallace, die mit verhältnismäßig geringen Mitteln, dafür jedoch dem enormen Engagement einiger Weniger wenigstens Einigen die Chance geben, an Kunst zu partiziperen und vielleicht darüber auch eigene Perspektiven zu entwickeln, natürlich winzige Tropfen auf den heißen Stein.


    :wink: Matthias

    "http://i.ebayimg.com/00/s/ODM0WDk0Mg==/z/0MIAAOxyMKNSKQQU/$T2eC16V,!yUFIbiQwPR2BSKQQThMcw~~60_57.JPG"


    Ist doch ein cleverer Schachzug eines äußerst verdienstvollen unabhängigen schweizer Labels für Creative Jazz, Free Jazz, Freie Improvisation und Neue-Musik-Avantgarde, für die ökonomisch riskante Veröffentlichung einer CD mit Einspielungen von früher Avantgarde-Musik einen Sponsor zu besorgen, weill es von einigen Werktiteln her passt. Übrigens sind alle Hat Hut Records -Veröffentlichungen, betriebswirtschaftlich gesehen, nah beim Wahnsinn. Da wird niemand bei reich, alles andere, als das. Ich kenne Werner Uehlinger und seine Leute. Das sind echte Liebhaber und Überzeugungstäter. Trotzdem gibt es Hat Hut Records schon seit 1975. Ohne dass sie geschickt darin wären, Sponsoren zu finden, vor allem schweizer Banken, wäre ihre kompromißlose Programmausrichtung auf Avantgarde nicht möglich.


    Zitat

    Einen besseren Link konnte ich leider nicht finden, da die Plattenfirma die CD gestrichen zu haben scheint


    Hat Hut Records -Produktionen sind immer streng limitiert. Zwar gibt es gelegentlich Neuauflagen, dann aber in der Regel irgendwie etwas verändert und auch wieder limitiert. Auch das eine verständliche Firmenstrategie bei einem Angebot, das sich vor allem an einen sehr überschaubaren Kreis von Interessenten richtet, die überwiegend wohl Kenner, Vielkäufer und Sammler sind, um überhaupt ein solch wagemutiges Programm machen zu können.


    Das ist übrigens ausgezeichnete Musik, erstklassig eingespielt.


    Klaviertriangel mit Regenbogen und Oboe aus dem 3D-Drucker


    3D-Drucker gab es, glaube ich, noch gar nicht, als das Cover entstand. Falls es doch schon Prototypen gab, dürften die superundhandlich, superteuer und kaum verbreitet gewesen sein. Unvorstellbar heute, aber damals wurde in Grafikbüros noch geschnitten und geklebt!


    Bei so was merke ich, was für ein alter Sack ich inzwischen schon bin. Denn ich hab in der Journalismusschulung meiner damaligen politischen Organisation auch noch bei der Station in der Layoutabteilung die Hände voller Klebstoff gehabt und für die kleinsten Effekte umständlich mit real anfassbarem Zeug rumgefriemelt. Antediluviale Zeiten, ich weiß :D


    Auch das übrigens eine ganz wunderbare LP/CD.


    :wink: Matthias

    Immerhin ist ja inzwischen auch von Gottfried Heinrich Stölzel (1690-1749) immer mehr ausgegraben und sogar einiges eingespielt worden. Und es lohnt! Sehr! Alles andere, als eine bloße Fußnote zu Bach.


    Gerade zur (Vor-)Weihnachtszeit vielleicht eine gute Gelegenheit, ihn z.B. über seine umfangreiche 'Weihnachtsmusik' kennenzulernen, Seine erstklassig bei cpo eingespielten Weihnachtskantaten gehören bei mir inzwischen fest zu dieser Jahreszeit und sie gibt es gerade sehr günstig. Vielleicht auch ein schönes Geschenk für manche, für die ihr noch was sucht.


    :wink: Matthias

    "Together Again" finde ich aber auch besonders schön-


    Teddy Edwards gehört da genau so dazu wie der von Dir erwähnte Pianist Phineas Newborn und Drummer Ed Thickpen. Letzteren wird man natürlich immer mit Oscar Peterson in Verbindung bringen, aber sein wunderbar filigranes Spiel dabei gerne unterbewerten.


    Ja, alle drei waren herausragende Musiker. Ed Thigpen war sicherlich am vielseitigsten. Ein Allrounder und einer der ganz großen Drummer! Thigpen konnte an einem Tag mit Oscar Peterson aufnehmen, am nächsten Avantgarde mit John Lindberg und Free Jazz mit Albert Mangelsdorff, am nächsten stand er auf der Bühne im Montmartre Jazzhus mit Kenny Drew und Hardbop und am nächsten mit John Tchicai und jungen dänischen Free Jazzern und immer ganz passend, enorm treibend und unterstützend, doch auch im eigenen Pesonalstil oder vielmehr, in eigenen Personalstilen, bescheiden aus dem Hintergrund, aber doch immer Akzente setzend und unglaublich spielend. Ich habe ihn in meiner Zeit in Kopenhagen oft mit den unterschiedlichsten Gruppen live erlebt. Er war so richtiger Däne geworden, hatte eine dänische Frau und Familie, war stolz auf seine extra schnelle Einbürgerung und Auszeichnungen in seinem neuen Heimatland, indem er, anders als in den USA, sich als Künstler anerkannt sah, liebte es privat 'stille og rogelig' und war als Lehrer unglaublich beliebt und verehrt. Alle jüngeren guten, innovativen dänischen Drummer wie z.B. so extrem unterschiedliche wie Kresten Osgood, Marilyn Mazur oder Per Ole Jörgensen reden noch heute nur in den höchsten Tönen von ihm.


    :wink: Matthias

    Von Lester Young waren ja fast alle Bebop-Saxophonisten stark beeinflußt, bzw. davon ausgehend, ihren eigenen Sound zwischen Lester Young, Coleman Hawkins und der neuen Herausforderung Charlie Parkers zu finden.


    Jedenfalls sind Wardell Gray wie Howard McGhee sicherlich eher underrated und unbedingt der Aufmerksamkeit wert.


    :wink: Matthias

    Heute tagsüber: Johnny La Marama, das sind der seit vielen Jahren in Berlin lebende finnische Gitarrist Kalle Kalima, Chris Dahlgren, Kontrabass/E-Bass, aus Texas, USA, aus einem kleinen Ort voller durchgeknallter schwedischstämmiger Christenfundis stammend, wie er mir erzählte, ebenfalls schon lange in Berlin lebend, der u.a. mit Antnony Braxton gespielt hat, und Eric Schaefer (drums), der bekannter sein dürfte durch em/Frank Wollny Trio, aber für mich der Schlagzeuger von Johnny La Marama ist, der auch bei Frank Wollny spielt. Denn im Frank Wollny Trio ist die Gleichgewichtigkeit, die es anfangs bei em gab, raus und das ist sehr schade, denn die besten Kompositionen waren m.E. immer von Eric Schaefer. Aber überhaupt macht Johnny La Marama die originellere, abgefahrenere Musik mit ihrer Mischung aus Free Jazz und Indie Rock, Virtuosität, und Humor, Songs und schräger Improvisation.



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:


    Mit Dante-Anspielungen und absurder textlich/musikalischen Erzählung der 'Gesualdo-Story'. Die Bezugnahme auf die Musik Gesualdos und seine Zeit hat Chris Dahlgren aber in einem anderen Projekt verbraten, bei dem er sich auch als versierter 'Jazz-Gambist' erwiesen hatte.



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:



    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:



    :juhu: :juhu: :juhu:


    Diese erste war noch etwas im Such- und Findungsprozess.


    Live sind sie aber noch viel besser und ich freue mich auf das Konzert, gleich. Da werden sie nun auch noch komplexe Kompositionen vom mehrfach nach Donaueschingen eingeladenen Michael Wertmüller spielen, aber sicherlich auch Songs der letzten CD.


    :wink: Matthias

    Fr 19.12. 20.00h Jazzwerkstatt, Institut Francais, Kurfürstendamm 2011 Berlin-Charlottenburg


    Julie Sassoon - Piano Solo


    Uliana Horbachevska (voice), Petras Vysniauskas (ss) Mark Tokar (b) Klaus Kugel (dr)
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    Fr 19.12. 21.00h BADENSCHER HOF, Badensche Straße 29 / Ecke Berliner Straße, 10715 Berlin Wilmersdorf


    ÖZAY & BAND
    Özay Fecht (vocals) Rolf Zielke (piano) Olaf Casimir (kontrabass) Thomas Alkier (drums)


    Endlich tritt Özay mal wieder als Sängerin in Berlin auf. Sie ist nämlich eine fantastische Jazzsängerin mit beeindruckender Stimme. Bekannt durch über 30 Filme, ausgezeichnet mit dem Bundesfilmpreis, liebt sie doch besonders den Jazz und die Auftritte in intimer Club-Atmosphäre.
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    Fr 19.12. 22.00h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte


    Uli Jenneßen Quartett "OUR DELIGHT"
    Felix Wahnschaffe (sax), Uri Gincel (p), Andreas Lang (b), Uli Jenneßen (dr, comp.)
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    Sa 20.12. 19.00h Jazzwerkstatt, Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Potsdam, Kuhstall, Am Neuen Markt 9, Potsdam


    Lesung mit Christoph Diekmann und Bert Noglik


    Ein Résumé
    Uschi Brüning - Voc., Ernst-Ludwig Petrowsky - Sax, Clarinet, Michael Griener - Drums
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    Sa 20.12. 20.30h Sowieso, Weisestrasse 24, 12049 Berlin Neukölln

    Henrik Walsdorff - Sax.Antonio Borghini - Double Bass. Christian Lillinger - Drums.

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    Sa 20.12. 22.00h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte


    Damir Bacikin Band
    Damir Bacikin (tp), Hannes Daerr (bcl, ts), Ferdinand Hendrich (tb), Julius Heise (vib), Noriaki Hosoya (b), Tom Dayan (dr)
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    Mo 22.12. 21h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte


    FABRIC TRIO plus Achim Kaufmann & Hilary Jeffery
    Hilary Jeffery - trombone
    Frank Paul Schubert - soprano saxophone
    Achim Kaufmann - piano
    Mike Majkowski - bass
    Yorgos Dimitriadis - drums

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    Fr 26.12. 21.00h Jazzkeller 69/Jazzwerkstatt/Aufsturz-Klub, Oranienburger Straße 67 10117 Berlin


    Das Kondensat
    Gebhard Ullmann – soprano, tenor sax, sampler, looper
    Oli Potratz – bass, analog effects
    Eric Schäfer – drums, electronics

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    Sa 27.12. 21h BADENSCHER HOF, Badensche Straße 29 / Ecke Berliner Straße, 10715 Berlin Wilmersdorf


    JEAN-PAUL BOURELLY „THE BLUES WAKADOLO“
    Jean-Paul Bourelly (guitar,voc.) Daryl Taylor (bass) Marlon Browden (drums) Regis Molina (bariton sax)
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    So 28.12. 21h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte


    Leo Records 35th Anniversary Jazz Festival


    BassX3: Gebhard Ullmann/Chris Dahlgren/Oli Potratz) (D/USA)
    Almut Kühne Solo (D)
    Russian Free Folk Quartet: Alexey Kruglov/Tim Dorofeev/Anastasia Masloboeva/Evgeny Masloboev
    plus Vladimir Kudryavtsev (RUS)

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    Mo 29.12. 21h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte


    Leo Records 35th Anniversary Jazz Festival


    4 Reeds: Vlady Bistrov/Alexey Kruglov/Frank Gratkowski/Gebhard Ullmann (D/RUS)
    VocColours: Gala Hummel/Brigitte Küpper/Norbert Zajac/Iouri Grankin plus TJ Shreder (D/RUS)
    Frank Gratkowski/Achim Kaufmann/Tony Buck (D/AUS)


    Leo Records, vor 35 Jahren gegründet vom Exilrussen Leo Feigin, ist seitdem eins der wichtigsten internationalen Free Jazz Label. Leo Feigin hat nicht nur den Free Jazz in Westeuropa und den USA dokumentiert, sondern immer wieder auch Jazz aus Osteuropa, besonders aus den baltischen Ländern und Russland, dokumentiert und bei uns vorgestellt, auch schon zu Zeiten, als das noch äußerst schwierig war. Das kleine Festival bringt Musiker aus Berlin, die bei Leo Records veröffentlicht haben, mit führenden, bei uns sehr selten zu hörenden Free Jazzern aus Russland zusammen.
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    Di 20.12. 21h BADENSCHER HOF, Badensche Straße 29 / Ecke Berliner Straße, 10715 Berlin Wilmersdorf


    ALEX VON SCHLIPPENBACH (solo piano)
    Alex plays Monk, Dolphy, Schlippenbach & more

    Sorry an die Berliner LeserInnen: Ich bin nicht dazu gekommen, dabei war auch in der ersten Woche schon viel los. Ihr habt hoffentlich trotzdem nicht das Schlippenbach Trio mit Evan Parker und PaulLovens verpasst. Ich hatte leider in Dänemark mein Blockseminar zu halten. :cry: Aber es kommt noch mehr Hochinteressantes, so dass selbst bei meiner kleinen Auswahl aus den Berliner Programmen wieder viel die Qual der Wahl besteht.
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    Fr. 5.12. 21.00h Jazzkeller 69/Jazzwerkstatt/Aufsturz-Klub, Oranienburger Straße 67 10117 Berlin


    Johnny La Marama
    Kalle Kalima – guitar, vocals
    Chris Dahlgren – bass, vocals
    Eric Schaefer – drums, vocals

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    Sa 6.12. 20.00h LaBettoLab, Okerstrasse 43, Neukölln


    Charlotte Birkenhauer - vibraphone
    Kasper Tom - drums
    Adam Goodwin - double bass
    Nana Pi - tenor saxophone

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    Sa 6.12. 20.30h Sowieso, Weisestrasse 24, 12049 Berlin Neukölln


    Axel Dörner - Trumpet.
    Havard Wiik - Piano.
    Jan Roder - Double Bass.
    Chrisian Lillinger - Drums.

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    Sa 6.12. 21h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte

    martin klingeberg - trumpet
    henrik walsdorff - saxophone
    christian von der goltz - piano
    jan roder - bass
    heinrich köbberling - drums

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    Sa 6.12. 20.30h Ma Thilda, Wildenbruchstraße 68, 12045 Berlin


    I AM THREE
    Silke Eberhard - as
    Nikolaus Neuser - tp
    Christian Marien - dr

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    So 7. 12. 21h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte


    Thärichens Hendrixperience Orchestra
    Lea Frey (voc), Claudio Puntin (cl, bcl), Tilmann Dehnhard (bcl, fl, ts), Viktor Wolf (bcl, bari), Franz Bauer (vib), Stefan Braun (cello), Oliver Potratz (b), Tobias Backhaus (dr), Nicolai Thärichen (p, arrg)
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    So 7. 12. 21h Schlot, Edisonhöfe, Schlegelstrasse 26, 10115 Berlin


    COMPOSERS’ ORCHESTRA BERLIN
    Streicher: Daniel Friedrichs, Katja Braun, Franziska Kraft, Martin Klenk
    Bläser: Ruth Schepers (sx/fl), Tian Korthals (sx), Edith Steyer (sx/cl)), Aaron Schmidt-Wiegand (tp),Julian Gretschel (tb), Janni Struzyck (tba)
    Rhythmus: Fee Stracke (pn), Leo Auri (pn), Horst Nonnenmacher (bs), Tom Dayan (dr), Alex Tzschentke (gt)
    MD: Hazel Leach
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    Mo 8.12. 20.30h Ma Thilda, Wildenbruchstraße 68, 12045 Berlin


    Frank Paul Schubert - tenor saxophone
    Mike Majkowski - double bass
    Yorgos Dimitriadis - drums

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    Mo 8.12. 21h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte


    Henrik Walsdorff (as), Adam Pultz Melbye (b), Kasper Tom Christiansen (dr)
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    Di 9.12. 20.30h Ma Thilda, Wildenbruchstraße 68, 12045 Berlin


    Rudi Mahall - b-cl
    Philipp Gropper -sax
    Andreas Lang - bass
    Kasper Tom - dr, comp.

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    Mi 10.12. 20.00h Jazzkeller 69/Jazzwerkstatt/Aufsturz-Klub, Oranienburger Straße 67 10117 Berlin


    Matthias Tschopp Quartett (CH) plays Miró
    Matthias Tschopp - barition sax
    Yves Theiler - piano
    Luca Sisera – bass
    Stan Neufeld – drums
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    Mi 10.12. 20.00h Kult-Raum, Z200 (Landarbeiterhaus), Zehlendorfer Damm 200, 14532 Kleinmachnow


    CONNY BAUER - DER GELBE KLANG (D)
    Conny Bauer (tb)
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    Do 11.12. 19.30h Musikinstrumenten-Museum, Tiergartenstraße 1, 10785 Berlin, am Kulturforum Eintritt frei


    Absolutely Sweet Marie - Bob Dylan-Projekt
    Steffen Faul: Trompete
    Matthias Müller: Posaune
    Alexander Beierbach: Saxophone
    Max Andrzejewski: Schlagzeug


    Hanam – Quintett
    Alison Blunt: Violine
    Anna Kaluza: Altsaxophon
    Manuel Miethe: Sopransaxophon
    Niko Meinhold: Piano
    Horst Nonnenmacher: Kontrabass


    Fun Horns
    Nikolaus Neuser: Trompete
    Volker Schlott: Altsaxophon, Flöte
    Falk Breitkreuz: Tenorsaxophon, Bassklarinette
    Jörg Huke: Posaune
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    Do 11.12. 21h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte


    Spielvereinigung Sued feat. John Hollenbeck
    John Hollenbeck - Composition, Conductor
    Simon Bodensiek - Sopran-, Altsaxophon, Flute
    Johannes Moritz - Clarinet, Tenor-, Altsaxophon
    Matti Oehl - Sopran-, Tenorsaxophon
    Sebastian Wehle - Sopran-, Tenorsaxophon
    Florian Leuschner - Bariton-, Basssaxophon, Bassclarinet
    Konrad Schreiter, Sebastian Haas, Vincent Hahn, Roland Heinze - Trumpet, Flügelhorn
    Stephan Krause, Antonia Hausmann, Ludwig Kociok - Posaune
    Matthias Büttner - Bassposaune
    Julius Heise - Vibraphon, Marimbaphon
    Florian Kästner - Piano
    Philipp Rohmer - Kontrabass, E-Bass
    Philipp Scholz – Drums
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    Do 11.12. 20.30h Sowieso, Weisestrasse 24, 12049 Berlin Neukölln


    Matthias Schubert (Tenor Sax)
    Edith Steyer (Alto Sax, Clarinet)
    Antonio Borghini (Double Bass)
    John Niekrasz (Drums)

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    Fr 12.12. 21.00h A-Trane Bleibtreustraße 1 / Ecke Pestalozzistraße, Berlin


    IIRO RANTALA STRING TRIO
    iiro rantala (p) adam baldych (violin) asja valcic (cello)
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    Fr 12.12. 20.30h Noyman Miller, Hauptstraße 89 (Ecke Sponholz) 12159 Berlin


    Hanam Quintet
    Alison Blunt - vl
    Manuel Miethe - ss
    Anna Kaluza - as
    Niko Meinhold - p
    Horst Nonnenmacher - db
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    Sa 13.12. 15.00h GLASHAUS (auf dem Friedrichswerderschen Friedhof II), Bergmannstr. 42-44 (Zugang über Café Strauss) - 10961 Berlin (Kreuzberg)


    Liz Allbee (trumpet)
    Klaus Kürvers (bass)
    Michael Vorfeld (percussion)

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    Sa 13.12. 20.00h exploratorium, Mehringdamm 55 (1. Hof, 3. OG) 10961 Berlin


    Sophie Agnel – Klavier
    Bertrand Gauguet – Saxophone
    Andrea Neumann – Innenklavier, Elektronik


    Die französische und die Berliner 'Experimentalst'-Pianistin zusammen und dazu ein sehr guter Sax-Player. Das verspricht besonders interessante freie Improvmusik.
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    Sa 13.12. 20.00h Ausland, Lychener Straße 60, 10437 Berlin


    Magda Mayas - clavinet
    Michael Zerang - drums
    Michael Thieke - clarinet


    Dieses Chicago/Berlin-Trio dürfte jedoch auch hochinteressanten Free Jazz vom Feinsten bieten. Das das beides parallel ist, ist wirklich sehr schade.
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    So 14.12. 16.00h Jazzkeller 69/Novilla, Hasselwerderstr. 22, 12439 Berlin-Niederschöneweide


    Georg Gräwe – piano


    Der frühere Leiter des Grubenklangorchesters versteht es, wie kein anderer, in seinem Klavierspiel Schönberg und Coltrane zu verschmelzen. Gräwe ist selten in Berlin - Hingehen!
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    So 14.12. 21.00h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte


    Berlin Art Quartet
    Matthias Schubert (ts), Johannes Bauer (tb), Matthias Müller(tb), Matthias Bauer (b),Reinhard Brüggemann (dr)


    Dieses erstklassig besetzte Projekt knüpft an das New York Art Quartet um John Tchicai und Roswell Rudd an, das in den frühen 60ern zu den Pionieren des Free Jazz gehörte. Besonere Empfehlung!
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    Mo 15.12. 21.00h b-flat, Rosenthaler Strasse 13, Berlin-Mitte


    Eberhard-Kowatsch-Gühlcke-Lübke play ERIC DOLPHY
    Silke Eberhard (as, bcl) & Kristian Kowatsch (p) Lars Gühlcke (b), Kay Lübke (dr)
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    Mi 17.12. 20.00h Jazzkeller 69/Jazzwerkstatt/Aufsturz-Klub, Oranienburger Straße 67 10117 Berlin


    I AM THREE -Charles Mingus
    Silke Eberhard - as
    Nikolaus Neuser - tp
    Christian Marien - dr


    Ein Mingus-Projekt bewußt ohne Bass, da darf man gespannt sein, was sich Silke Eberhard hierfür ausgedacht hat.

    "Phonie", egal welche, ist ein westliches Denkkonzept, insofern hast Du recht. Genau das meinte ich, als ich meinte, diese Musik sei nicht polyphon.


    Hm, das überzeugt mich jetzt nicht. Besonderte ökonomische Strukturen sind auch modernespezifisch, trotzdem finde ich es sinnvoll und möglich, auch in nicht-modernen/nicht-westlichen Gesellschaften analytisch Produktionsweisen oder unterschiedliche Allokationsprozesse und Austauschformen zu unterscheiden, auch wenn die Ökonomie dort nicht ausdifferenziert als relativ autonomes 'Subsytem' existiert, was natürlich extrem wichtig auch zu berücksichtigen und mitzudenken ist.


    Über die Eurozentrismen der Anthopologie und Ethnologie, auch der Musikethnologie, brauhen wir uns nicht zu streiten - die Musikethnologen der letzten Jahrzehnte haben einiges geändert.


    Ja, und das ist gut so, aber deswegen sind doch analytische Kategorien nicht nur aus dem Alltagsverstand der jeweiligen Gesellschaft entwickelbar. Wissenschaft ist doch eher die approximative Auseinandersetzung und der Bruch mit jeder kulturzentristischen Sichtweise.


    :wink: Matthias

    Was soll ich sagen? Ich habe diese Ansammlung nichtssagender neoromantischer Platitüden nach einigen Minuten ausgeschaltet. Solltet Ihr den Komponisten und/oder das Stück nicht kennen, so habt Ihr m. E. nicht sonderlich viel verpaßt, außer vielleicht der Fragestellung, warum so ein Gegurke mit großem Aufwand aufgeführt wird.


    Naja, weil Klassik enorm populär ist und das auch dort eher etabliert leichter zu hörende Werke. Da wird jetzt vom Mainstream die sinisierte Nationalmusik in der Nachfolge der romantisch/spätromantischen Nationalmusiken des 19. und frühen 20. Jahrhunderts nachgeholt. Was da dann vergleichsweise schon etwas aufgerauter klingt, klingt dann oft näher an Filmmusik, auch der japanischen orchestralen Filmmusik. Aber daneben beginnt sich auch anderes zu entwickeln.


    :wink: Matthias

    Dass Tan Dun so dermaßen berühmt geworden ist, hat ja wohl damit zu tun, dass bei ihm das Crossover sich nicht in Verwendung traditioneller Spieltechniken und Fernostphilosophie innerhalb eines modernen Komponierens westlicher Art erschöpft, sondern dass er seine Kultur so gut kennt, dass er quasi traditionelle chinesische Musik nachfälscht und im Resultat tatsächlich eher auf der halben Strecke zwischen den Polen ankommt, während andere interkulturelle Komponisten sehr starke Schlagseite in Richtung "europäische Moderne" haben,


    Gilt das nicht ganz besonders für Tan Duns Neo-Romantik mit ein paar chinesischen Klangfarben, ein paar zusätzlichen chinesischen Instrumenten und pentatonischen chinesischen Skalen? Okay, unter Vermeidung der Moderne. Aber vielleicht kenne ich nur die falschen Werke. Und vieles andere, was ich von anderen chinesischen Komponisten gehört habe, ist noch viel schlimmer - aus meiner Avantgarde-freundlichen Sicht.


    Da finde ich Ge Gan-ru viel eher zwischen den Polen. Ahnlich, wie es etwa besonders in der Kammermusik auch Isang Yun war, bei dem ja auch die chinesisch geprägte klassische koreanische Hofmusik oft eine große Rolle spielte.


    :wink: Matthias

    Stimmt, das habe ich letztes Jahr mit ebendiesem Quartett live gehört - sehr wirkungsvoll fusionierte Musik.
    :D
    (Von Zorn habe ich das Album(?) Naked City, das doch einigermaßen hart ist mit etwas Noise.


    Das ist mit basalen Konzepten eine dirigierte Mischung aus Free Jazz, Noise und Hardcore. In dieser Richtung ist das Meisterwerk das programmatische "Kristallnacht".


    Die Aufführung von Pandora's Box bei Wien Modern:



    Unter den jüngsten Einspielungen von durchkomponierter Musik von John Zorn u.a.:



    Das grandiose Streichquartett The Alchemist ist hier sehr toll vom Jack-Quartet eingespielt.



    Besonders die Orchester Variationen sind fantastisch.



    Sehr schöne Vokalkompositionen a capella.



    Drei etwas ältere, aber besonders schöne Werke, darunter ein Violinkonzert.


    :wink: Matthias

    Kaija Saariaho und Magnus Lindberg


    Zu dem damaligen Erneuerer-Kreis im konservativen Finnland gehörten noch Esa-Pekka Salonen und Jukka Tiensuu. Tiensuu, der älteste aus der damaligen Gruppe, ist jedoch 1948 geboren, habe ich gerade nachgegoogelt. Er ist auch Cembalist und komponiert sehr viel für alte Instrumente.


    Was China angeht, finde ich viel interessanter als Tan Dun, Ge Gan-ru (* 1954), den man oft als "Vater der chinesischen Avantgarde" bezeichnet findet - naja, das ist relativ, aber er setzt schon ganz interessante Musik, die oft an etwas ähnlichen Klang- und spieltechnischen Erweiterungen in der Konfrontation von Ost und West zu arbeiten scheint, wie das Isang Yun oft gemacht hat. Preisgünstig gibt es bei Naxos spannende Streichquartette. Ansonsten Einspielungen z.B. bei BIS.


    Ansonsten gefällt mir Amfortas Liste sehr gut. Besonders von Chaya Czernowin bin ich begeistert. - Und toll, das du hier wieder schreibst!!! :wink: Freut mich sehr!


    Für einen der stärksten dieser Alterskohorte halte ich aber inzwischen John Zorn (*1954), hört etwa das neue Streichquartett +Sopran Pandora's Box, frisch vom Arditti Quartet eingespielt, auch im expressionistischen 'Sound' (nicht in der Kompositionsmethode) stark an Schönbergs 2. anknüpfend.


    Noch ein Avantgarde-Jazzer (und Blueser und....), der inzwischen auch als Komponist von m.E. herausragend guter Neuer Musik, Orchester- wie Kammermusik, etabliert ist, Elliott Sharp (* 1951). Ebenso übergreiffend von Art Rock, freier Improvisation, Free Jazz, Noise Music bis zu z.B. sehr guten durchkomponierten Streichquartetten, Saxophonquartetten, E-Gitarren-Quartetten reicht die Musik von Fred Frith( jedoch * 1949)


    Weitere interessante Jazzer, die inzwischen auch oder sogar überwiegend als Komponisten in der Neuen Musik etabliert sind, Anthony Davis (* 1951) etwa mit seinen Opern wie Malcolm X und Amistad, George Lewis (* 1952), Posaunist, Philosoph, bildender Künstler und als Komponist am IRCAM ebenso wie im Chicagoer AACM aktiv, also gewissermaßen das Bindeglied zwischen der Chicagoer "Great Black Music" und Boulez, James Newton ('1953), der der herausragendste Jazz-Flötist war, heute aber sein eigenes Neues Musik Ensemble leitet und überwiegend durchkomponierte Musik schreibt, Uri Caine (*1956), der neben seinen sonstigen Jazz- und Crossover-Produktionen auch z.B ein sehr gutes Konzert für Solo-Gambe und Orchester oder orchestrale Auseinandersetzungen mit dem Niedergang von Motor City/Detroit geschrieben hat.


    Älter und gewissermaßen den Genannten als role model vorrangehend, wäre zu nennen Roscoe Mitchell (*1940 in Chicago), als Free Jazzer Mitgründer des AACM, aber daneben immer auch eher im Neuen Musik-Bereich komponierend, heute auch Professor für Komposition und mit von Orchestern und Ensembles viel aufgeführten Werken und mit einer ganzen Reihe CDs seiner durchkomponierten Musik. Ähnlich, Anthony Braxton (*1945). Hannibal Lokumbe (*1948), der als Jazz-Trompeter unter dem Namen Hannibal Marvin Peterson bekannt war, ist inwischen nur noch als Komponist tätig. Seine durchkomponierten Hauptwerke der jüngeren Zeit, wie ein Oratorium für Rosa Parks, sind von Daniel Barenboim mit dem Chicago SO eingespielt und in den USA viel aufgeführt.


    Diese Tendenz, Improv wie komponierte Kunstmusik zu machen, ist aber nicht nur auf die USA beschränkt, war etwa vor allem auch in der DDR stark, etwa bei Georg Katzer, Friedrich Schenker, Hermann Keller, Manfred Schulze, Paul-Heinz Dittrich, Hannes Zerbe, Helmut Zapf, die aber, bis auf Zapf, schon zur vorrangehenden Alterskohorte gehören. Trifft aber etwa auch auf Michael Wertmüller, Dror Feiler, Wolfgang Mitterer, Olga Neuwirth, Scott Fields zu, die aber wieder, bis auf Wolfgang Mitterer und Dror Feiler (*1951) der nachfolgenden Alterskohorte angehören.


    Erst mal so weit. :wink: Matthias

    Do 27.11. 19.30h Musikinstrumenten-Museum, Tiergartenstraße 1, 10785 Berlin, am Kulturforum Eintritt frei


    Hannes Zerbe Jazz Orchester Berlin
    Jürgen Kupke: Klarinette; Silke Eberhard: Altsaxophon, Klarinette; Nico Lohmann: Altsaxophon, Flöte; Dirk Engelhardt: Tenorsaxophon; Gebhard Ullmann: Bassklarinette, Flöte; Alexander Beierbach: Baritonsaxophon; Damir Bacikin: Trompete; Nikolaus Neuser: Trompete, Flügelhorn; Christian Magnusson: Trompete; Stefan Most: Horn; Philipp Krüger: Tuba; Horst Nonnenmacher: Bass; Christian Marien: Schlagzeug; Hannes Zerbe: Piano, Leitung


    Eins der spannensten Jazzorchester der Gegenwart. Hannes Zerbes Musik ist wie eine Synthese aus Gil Evans und Hanns Eisler.
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    Do 27.11. 20.30h Sowieso, Weisestrasse 24, 12049 Berlin Neukölln


    Henrik Walsdorff - Sax.(Outer Space)
    Antonio Borghini - Double Bass.(Italy)
    Dag Magnus Narvesen - Drums.(Norway)

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    Fr. 28.11. 21.00h Jazzkeller 69/Jazzwerkstatt/Aufsturz-Klub, Oranienburger Straße 67 10117 Berlin


    Berliner Improvisations Orchester
    Strings:
    Wolfgang Georgsdorf - violine; Marina Moore - viola; Hui-Chun Lin - Cello; Tristan Honsinger - cello; Stephan Bleier, Horst Nonnenmacher, Ulf Mengersen, Klaus Kürvers - double bass; Hannes Buder – guitar
    Brass:
    Nikolaus Neuser - trumpet; Abigail Sanders - french horn; Rafael Hohlfeld – euphonium
    Reeds:
    Ricardo Tejero - tenor sax, clarinet; Henrik Walsdorff - tenor sax; Anna Kaluza - alto sax; Manuel Miethe - alto sax; Noel Taylor - clarinet, bass clarinet
    Rhythm:
    Tommaso Vespo - piano, Lucia Martínez; Yorgos Dimitriadis – Schlagzeug
    Other:
    Ute Wassermann - voice, Thomas Zunk - theremin; Eugene Martynec – electronics


    Spontan dirigierte freie Improvisation.
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    Fr. 28.11. 20.30h Sowieso, Weisestrasse 24, 12049 Berlin Neukölln

    Henrik Munkeby Nørstebø - Trombone
    Adrian Myhr - Double Bass
    Harvard Wiik - Piano
    Christian Lillinger - Drums

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    Sa 29.11. 20.30h Sowieso, Weisestrasse 24, 12049 Berlin Neukölln


    Henrik Munkeby Nørstebø - Trombone
    Adrian Myhr - Double Bass
    Audrey Chen - Cello, Voice

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    Sa 29.11. 20.30h LaBettoLab, Okerstrasse 43, Neukölln


    THE SCRAMBLING EX (CAN/DE)
    Peter Van Huffel - saxophones
    Andreas Willers - el. guitar
    Oliver Steidle - drums
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    Ich habe gerade vom diesjährigen Literatur Nobelpreisträger Patrick Modiano "Dora Bruder" gelesen.


    Ich kannte bisher noch nichts von diesem Autor und war einfach neugierig. Keine Ahnung welche Kriterien man für den Nobelpreis erfüllen muss, eine innovative Sprache ist es in diesem Fall eher nicht. Aber eine akribische topologische bzw topographische Annäherung an verschwundene Menschen, deren Spuren verloren scheinen und die tatsächlich von der Landkarte ausgelöscht wurden. Wären da nciht solche leidenschaftlichen Sucher wie Patrick Modiano.
    Er begibt sich in Paris auf die Suche nach Dora Bruder, einem jungen Mädchen jüdischen Ursprungs, das im besetzten Paris nach der Flucht aus einer (relativ sicheren) Klosterschule, in die die Eltern Dora ohne Meldung ihrer jüdischen Wurzeln untergebracht hatten, nach mehreren Monaten, von denen es keine Spur gibt, von der Jugendschutzpolizei(noch ganz ohne rassenpolitisches Motiv) aufgegriffen und zu ihrer Familie zurückgebracht wird. Von dort wird sie schliesslich wie auch ihre Eltern in ein Sammellager und dann anch Auschwitz verschleppt und ermordet. Ein jugendlich "normales " Verhalten wird Dora in diesen finsteren Zeiten zum Verhängnis. Modiano befragt Zeitzeugen, durchforstet alte Zeitungen, Polizeiberichte und vor allen Dingen die Strassen und Gassen von Paris. Dabei stellt er fest, dass Strassen und Gebäude genauso verschwinden wie die Zeitzeugen und die Opfer selbst. Er kommentiert nicht, er erzählt. Seine eigene Kindheit in Paris scheint dabei auch hin und wieder auf. Man kann das Buch mit einem Stadtplan von Paris oder wie einen Erinnerungsstadtplan lesen
    Diese unspektakuläre und geduldige Erinnerungsarbeit gegen die Zeit ist sehr bewegend und hat meines Erachtens den Preis verdient. Und der Hanser-Verlag, der Modiano in Deutschland verlegt, hat wieder einmal mehr den richtigen Instinkt gehabt.
    Ich werde sicher noch mehr von Modiano lesen und falls Algabal oder Matthias Oberg diesen Autor noch nciht kennen- besondere Gedanken und Empfehlung an euch Beide, aber auch alle Anderen. :fee:


    Liebe Fairy,


    Patrick Modiano schätze ich schon lange sehr. Aber du beschreibst Dora Bruder sehr zutreffend und schön. Sensible Erinnerungsarbeit und Spurensuche in unprätentiöser Sprache ist immer Modianos Sache. Dabei sind die Erzählperspektiven aber doch durchaus oft nicht unraffiniert.


    :wink: Matthias