Beiträge von Knulp

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    Empfehlung Sinfonien 1:

    C. P. E. Bach, Vier Orchester-Sinfonien,

    Haenchen, Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, 1987



    Die erste Überraschung. Das nicht etwa, weil Aho, Arne und Atterberg oder die Doctor Atomic Symphony fehlten (wie gesagt: alphabetisch), sondern weil mir Sinfonien von C. P. E. Bach unter der Überschrift „Beste Sinfonie-Aufnahmen“ nicht eingefallen wären. Als Gründe für die Auswahl werden genannt: stürmende, drängene Wechsel, schroffe Dynamik, delikate Bläserstimmen, originell und hinreißend. Kurz beschrieben werden mithin nur die eingespielten Werke, nicht die Aufnahme. Damals, beim Erscheinen dieser Empfehlungen, gab es vermutlich noch nicht so große Auswahl wie heute.


    Die Aufnahme besitze ich. Sie ist datet und deutlich entfernt von der heutigen Spielweise solcher Musik. Das klingt noch sehr romantisch-schön und damit stilfremd. Spaß macht die Aufnahme dennoch. Ob der Name des Orchesters etwas zu bedeuten hat und gar für eine besondere Verbundenheit steht, weiß ich nicht.


    Die Sinfonie-Auswahl mag ein wenig beliebig sein und nicht recht passen. In allen diesen Berliner Sinfonien, wie es auf dem Cover heißt, sind mindestens zwei Bläser-Solostimmen vertreten, überwiegend Flöten. So gesehen, dafür spricht auch die Dreisätzigkeit der Werke, liegt ein Nähe zu (Flöten)Konzerten nahe. Ist mir letztlich aber schnurzegal. Herrliche Musik ist das allemal und das Anhören lohnt sich. Gespielt werden die Werke aber wie Sinfonien, insbesondere tontechnisch sind die Solostimmen im Hinter-, die Streicher im Vordergrund. MIr würde ein mehr konzertanter Ansatz wahrscheinlich besser gefallen. Wenn schon Sinfonien, dann doch eher die Hamburger, sage ich als Nordlicht daher.


    Empfehlenswerte Aufnahmen mit Orchestermusik und Konzerte von diesem seinerzeit hochangesehenen Bach-Sohn gibt es inzwischen zuhauf, auch ein Qualitätsmerkmal. Für einen (moderneren) ersten Eindruck empfehle ich:


    Scala, das wissen die Älteren unter uns, weiß also das gesamte Forum, war eine Zeitschrift für Klassische Musik, die vor rund zwanzig Jahren für einige Jahre Unterhaltungstexte über klassische Musik produzierte und mich damals durchaus ansprach. Zwischen meinen CD-Führern (gibt es heute auch nicht mehr, aber die Älteren unter uns …) fand ich einen damals offenbar einer Ausgabe beiliegenden „Grosser Sonderteil“. Nicht weniger als die 300 besten Klassik Aufnahmen des Jahrhunderts werden versprochen – gemeint ist das vergangene, „68 Seiten purer Genuss“. Beim Blättern dachte ich: Ganz interessant, müsste man mal mit heutigen Ohren durchhören, habe ich prompt getan, könnte man auch Stück für Stück im Forum tun. Daher:


    Der Reihe nach werde ich immer wieder einmal dieScala-Empfehlungen kurz vorstellen und in der empfohlenen Aufnahme anhören (manchmal nicht komplett, das weiß ich jetzt schon, habe auch nicht auf alles Zugriff). Das Ganze hat nicht den Hauch von Wissenschaftlichkeit und ich würde mich deutlich übernehmen, wollte ich etwas Kluges oder auch nur Informatives zu allem beitragen. Daher ohne Anspruch salopp und unterhaltsam. Scala halt.


    Jeder von euch ist herzlich eingeladen, beizusteuern. Bin gespannt (auch darüber, wie lange ich das durchziehe). Jedenfalls höre ich viel mehr, als ich in Eben gehört poste. So gesehen …


    Die „300 besten Klassik Aufnahmen des Jahrhunderts“ sind in Gruppen sortiert und darin jeweils alphabetisch gereiht:


    1. Top 50 Sinfonien

    2. Top 50 Orchesterwerke

    3. Top 50 Oper

    4. Top 20 Vokalwerke

    5. Top 20 Lied

    6. Top 30 Kammermusik

    7. Top. 50 Klavier

    8. Top 20 Orgel

    9. Top 20 Filmmusik


    Ich schreite entsprechend voran.

    Lieber Mauerblümchen, vielen Dank nochmals für deine großartigen Kantaten-Beiträge, die mich stets aufs Neue kompetent unterrichten!


    Nr. 169 hatte ich nicht besonders in Erinnerung. Um so erfreulicher die heutige Hör-Überraschung. Zu endecken gibt es: ein vollendetes Orgelkonzert im ersten Satz und zwei herausragende Arien, die eine vergnügt, die andere weltentsagend. Lesensweirt, was du dazu schreibst, warum diese drei Sätze derart gut sind. Nebenbei bemerkt: Ich weiß kein anderes Werk, in dem über unschätzbaren Kot gesungen wird. Der Schlusschoral fällt leider ab. Macht aber nichts. Die Trias 1, 3 und 5 macht alles wett.


    Von meinen Aufnahmen (Leusink, Koopman und Suzuki) landet Leusink abgeschlagen auf dem dritten und Koopman auf dem ersten Platz. Stimmlich nehmen die Soprane bei Koopman und Suzuki sich nichts. Die sehr viel flüssigere, zudem auch tontechnisch prominentere Orgel Koopmans macht für mich den Unterschied. Suzukis Aufnahme hat überdies mehr Hall, was ich in dieser Kantate weniger mag und mich besonders im ersten Satz stört.


    Aus der Koopman-Box höre ich seit einigen Tagen immer wieder Kantaten. Diese Aufnahmen waren bei mir nach Suzuki ein wenig in Vergessenheit geraten und ich musste mich erst wieder einhören. Bei Nr. 169 hat es dann so richtig klick gemacht. Der erste Satz gelingt wunderbar und an der Orgel kann ich mich nicht satthören, die groovt richtiggehend.


    Explosiver Beethoven aus der heroischen Periode, könnte eine Kurzbeschreibung der Ouvertüre zum Trauerspiel "Coriolan" von Heinrich Joseph von Collin lauten. Das Besondere: Kein Licht am Ende, sondern Dunkel. Der Held siegt nicht, sondern stirbt, ist gar kein Held, vielmehr ein Grobklotz ohne Stamina, dessen Schwert der Liebe seiner Mutter unterliegt bzw. der die Pflichtenkollission, in der er sich sieht - Kampfgenossen hier, Heimat und Familie dort - nur mittels Selbsttötung zu beenden weiß.


    "https://www.swr.de/swr2/musik-…he/article-swr-14396.html"

    "https://de.wikipedia.org/wiki/Coriolan-Ouvert%C3%BCre"

    "https://www.beethoven.de/de/work/view/5235523048177664"


    Dieses Stück bringt Spaß! Knappe zehn Minuten genügen für einen musikalischen Konflikt der Sonderklasse. Zu Beginn die Exposition des Heros: Streicherunsioni gefolgt von harten Schlägen, offensichtlich ein Mordskerl. Mitnichten! Beethoven verweist auf die zitternden Knie und Unruhe wird offenbar. Bald schon wirken gegenteilige Kräfte auf den Helden ein. Der Konflikt tritt offen zutage, wird ausgetragen und entschieden. Das Starke ebbt plötzlich weg und schwindet dahin.

    Der Text-Hintergrund ist letztlich ohne Belang. Vollständig verstanden werden kann das Werk auch ohne Wissen um Collis Corolian. Es mag zudem zeitgemäßer sein, sich keinen Römischen Soldaten, sondern allgemeine Prinzipien vorzustellen wie etwa hart gegen weich. Falsch wäre indes eine Deutung im Sinne von Yin und Yang. Die Polarität endet gerade nicht mittels ihrer Auflösung in einer Einheit der Zweiheit, sonder das Harte unterliegt. Ein wütender, um sich schlagender Bär, der von vielen kleinen Bändern immer stärker gefesselt wird, bis er sich am Ende nicht mehr zu bewegen vermag und nach letzter Anstrengung sein Leben aushaucht mag ein treffenderes Bild sein.


    David Hurwitz ist dieser Thread zu verdanken. Ich stöberte vorhin durch seinen Youtube-Kanal und stieß zufällig auf seine ultimative Corolian-Ouvertüre: https://www.youtube.com/watch?v=qVdfsSWhYrc


    Erfreulicherweise habe ich die Münch-Aufnahme zur Verfügung. Tatsächlich! Große Klasse! Mit 6:14 min sehr schnell. Die Schläge zu Beginn nicht mit größter Schärfe, das Unruhemotiv danach aber sehr ausdrucksstark mit bezwingender Steigerung. Der Konflikt äußerst aufgeladen und zugespitzt. Anhaltend pulstreibend! Großartig!


    Noch kürzer sind die kurzen Schläge zu Beginn bei Toscanini (1939), bei dem ich nicht umhin kann, mich an ein Verdi-Drama erinnert zu fühlen (Verdi hätte den Tod allerdings einige Minuten dauern lassen). Das Gegenteil bei Bernstein mit den Wienern 1981 – geht gar nicht in meinen Ohren. Kein wütender Bär, sondern eine Trantüte, die am Ende wahrscheinlich einfach einschläft (so lang habe ich nicht zugehört). Bei Furtwängler, den man Toscanini gern mal gegenüber stellen kann, erlebt man ganz anderes. Der harte Schlag ist kein Blitz, sondern ein Paukenhieb, die Unruhe ist nicht sofort da, sondern entwickelt sich erst. Bei Norrington entsteht im Vergleich keine Atmosphäre. Das bei Münch Unheilsschwangere misslingt ihm zur Orchesteretüde. Eine Wohltat ist danach Szell, unter dessen Händen das Cleveland Orchestra 1966 volltönend in den Ring steigt, dass es eine Wonne ist. Aber dennoch, Hurwitz behält Recht. Münch rules, auch im Vergleich zu einigen weiteren Aufnahmen, in die ich jeweils nur kurz hineingehört habe (so dass ich sie fairerweise nicht nenne).

    Nun ja, Kirche im Dorf lassen und so, sag ich mal. Es ist doch eher so, dass music lovers Wahrnehmung von Lius pianistischer Leistung nicht im Einklang steht mit dem Sieg im Wettbewerb und er daraufhin, diese Reihenfolge ist wichtig, Gründe für diese Diskrepanz gesucht hat.


    Wahr ist aber auch, dass Liu offenbar recht stark polarisiert hat. Betrachtet man die Kommentare bei Youtube, ist music lover also bei weitem mit seinem Urteil nicht allein und haben viele gerade im Konzert den Japaner vorn gesehen.


    Meiner bescheidenen Meinung nach liegt der Grund dafür darin, dass manche Hörer bei Chopin das suchen, was ich oben zu beschreiben versucht habe, wohingegen Liu weniger das, vielmehr anderes leistet.


    Ich kenne das übrigens in anderen Zusammenhängen. Jonas Kaufmann zum Beispiel hat eine Gesangtechnik, genauer: einen Stimmsitz, die mich seine Stimme kaum länger als eine Minute ertragen lässt. Und doch ist er Weltstar geworden und hören ihm viele zu. Für mich nicht nachvollziehbar. Haben die alle Tomaten auf den Ohren? Hören die alle nicht diese gaumige Topfigkeit?

    Erfreulich. Keine Nachbarn Wand an Wand und keine, die mein Gekratze stört. Im Gegenteil bittet die eine Nachbarin mich manchmal, das Fenster offen zu lassen, wenn ich übe (da gehts es mehr ums Spielen), weil sie das gern hört.


    Meine Frau verlässt bisweilen den Raum, vor allem wenn ich noch am Anfang der Stücke bin und selten das ganze Stück, sondern sehr oft dieselbe Stelle spiele (insbesondere: Intervall rauf, runter, rauf, runter ...).


    Mein Hund mag das Geräusch (m)eines Cellos. Der kommt immer und legt sich zu mir und verhält sich insgesamt sehr unkritisch.

    Über den Begriff "Regietheater" in seiner Pauschalität zu reden, ist müßig. Darüber besteht im Forum wohl Konsens.


    Aber wie soll man denn sinnvoll über Regietheater oder überhaupt über Operninszenierungen abseits des rein Musikalischen sprechen?


    Ansätze zur Erörterung konkreter Inszenierungen fruchteten hier im Forum selten, leider. Wie auch darüber sinnvoll sprechen? Diese Frage wirfst du auf, lieber Argonat, ohne sie zu beantworten.


    Die Ausstattung ist ein wichtiger Teil, das Bühnenbild auch, die Personenregie, konkrete Semiotik? Konkretes Personenverhalten ohne und mit Bezug auf andere Bühnenobjekte? Das alles sind doch vor allem Mittel, mit denen die Regie ein bestimmtes Verständnis des aufzuführenden bzw. aufgeführten Werks zum Ausdruck bringen will und ganz real in die Opernkunstwelt setzt, Mittel des Konzepts.


    Hermeneutisch gesprochen befinden wir uns in einem Zirkel: Die Mittel verstehe ich nur, wenn ich das künstlerische Konzept verstehe. Das Konzept verstehe ich aber nur von den Mitteln her. Es bedarf eines vielfachen Hin und Her, mit Korrekturen und Ergänzungen. (Außen vor lasse ich dramaturgische Fragen wie Kürzungen, Veränderungen etc. Selbstverständlich ist Werkkenntnis vonnöten, will ich eine Aufführung beurteilen).


    Überdies besteht die bekannte Wechselwirkung mit dem jeweiligen Besucher, der u. U. eine gänzlich andere Werkvorstellung mitbringt und die Mittel und das Konzept womöglich auch wegen des anderen Ausgangspunktes gänzlich anders versteht als ein Sitznachbar.


    Wie also sprechen? Die Antwort liegt auf der Hand:


    Es darf über alles gesprochen werden, was zum Werkverständnis der konkreten Aufführung beigetragen hat, also über alle Elemente der Aufführung einschließlich des jeweiligen Besuchers und seiner Vorstellungen.


    Von besonderer Bedeutung sind die Wahrnehmungs-Schnittmengen. Wenn allen Zuschauern beispielsweise die Schüleranzüge der Lohengrin-Darsteller und das Klassenzimmer-Bühnenbild auffallen, wird das wohl etwas zu bedeuten haben. Es liegt nahe, diese Bedeutung auf mögliche Konzeptionen abzuklopfen, um sodann diese Konzeptions-These an weiteren Mitteln abzuklopfen.


    In einem zweiten Schritt, wenn also die Konzeption erarbeitet bzw. entlarvt worden ist, kann gefragt werden, wie gut die von der Regie eingesetzten Mittel zur Umsetzung dieser Konzeption funktioniert haben. Klar sein muss man sich aber darüber, dass ein Konzept auch in dem Verneinen einer eindeutigen Werkaussage und demgegenüber im Aufzeigen oder sogar Verneinen von Verständnismöglichkeiten bestehen kann.


    usw.



    Übrigens: Danke dir, thomani, für deinen Bericht.

    Lieber music lover, ich vermute, es geht dir bei deiner Kritik am Gewinn Lius bzw. an Lius Chopin-Spiel weniger um pianistische Richtigkeit (die eine falsch Note führt da womöglich auf die falsche Spur), sondern mehr um die generelle Spielhaltung. Liu, das traue ich mich zu sagen, spielt klar, transparent und sorgfältig strukturiert bis hin zu ausgezirkelt. Das mag man als Stärke wahrnehmen, Kehrseite der Medaille ist, dass man hergebrachte (Unt)Tugenden des Chopin-Spiels wie AgogiK, ausgedehnte Rubati und Gefühl bis hin zu Gefühligkeit hier weniger hört. Wer das mag und daran, das zu mögen, ist nichts schlechtes, man denke an Furtwängler oder den Hohepriester des Chopin-Spiels Rubinstein, wird bei Liu u. U. eine gewisse perlende Leichtigkeit, ein organisches Fließen, das hinter den Noten zu finden ist, bei Chopin aber unbedingt mitzuspielen sei, vermissen. Wenn es das ist was dir fehlt, höre ich das auch. Nur nehme ich das nicht als Makel Lius wahr, sondern als einen anderen Spielstil.

    Witzigerweise streben die HIP-Freunde eine Rückkehr zu den weiteren Umständen von Opernaufführungen wie Gesprächen und Essen des Publikums während der Musik nicht an (wie sie ja auch Spieltechniken wie hörbare Lagenwechsel etc. oder geringere Fertigkeiten der Musiker nicht reproduzieren wollen - dann aber schöne Kostüme und Kerzenlicht, schon schräg).

    Das ist ein wichtiger Unterschied, den du aufzeigst, lieber Mauerblümchen. Welchen Weg er beschreiten möchte, entscheidet wieder einmal nur der Künstler. Persönlich meine ich zwar, dass es besser und weniger geeignete Zugaben gibt, aber mit einer Begründung, kann man zwischen fast allen Kunstwerken Bezüge herstellen. Je größer der Aufwand für die Bezugherstellung, desto erklärungsbedürftiger wird es.Deshalb: Wenn z. B. ein Pianist sich nach der Hammerklaviersonate entscheidet, keine Zugabe zu spielen, ist es wichtig, dass er das dem Publikum mitteilt und sei es auch nur durch den Zeigefinger auf den Lippen.


    Zwischenfrage: Gibt es in der Oper eigentlich überhaupt keine Zugaben mehr? Früher, vor hundert Jahren oder so, wurden einzelne Arien bei Wohlgefallen wiederholt. Heute gibt es nicht mal mehr am Ende ein kleines Bon bon, nur den einstudierten Beifallentgegennehm-Apparat. Völlig spaßbefreit die Opernleute?

    Wir sollten Lang Lang dankbar sein. Den Anstoß für den hiesigen Austausch gab die Information des erstaunten music lover, Lang Lang habe Für Elise als Zugabe gespielt. Angestoßen davon tauschen wir uns hier, auf einfachem Niveau zwar, aber immerhin, über mögliche Beziehungen zwischen diesen beiden Werken aus, sehen das Zyklische der Variationen, die Rondo-Form der Bagatelle, denken wir über die tiefgründige Gottessuche der Barockmusik und damit ihre Schwere im Vergleich zur Sehnsucht Beethovens in Für Elise nach. Leicht wie eine Feder und in ihrer Schlichtheit vollendet, will dieses kleine Stück nicht mehr als unterhalten - und vielleicht auch die Angebetete für sich gewinnen. Weit entfernt sind wir also vom Anfang des Austauschs, in dem es quasi hieß: Stellt euch vor, nach Bach spielte Lang Lang etwas von Clayderman. Also doch die perfekte Zugabe?


    Man muss gar nicht in der Ferne schweifen, um eine gute Einspielung zu hören. Urbańskis Aufnahme aus 2016 mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester, die ich nach langer Zeit eben das zweite Mal hörte, reiht sich ohne Weiteres in die lange Reihe der gelungenen ein. Kein Hau drauf-Musizieren, sondern viele zurückgenommene Passagen. Wer auf Cinemascope steht, ist hier völlig falsch. Wer hingegen Freude am Ziselierten hat, am sorgfältigen klangdramaturgischen Gestalten, wird seine Freude haben. Das Englisch Horn-Solo wird aus dem Mississippi-Gebiet allerdings ins fahl-lichtene Polen versetzt.