Beiträge von Knulp

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.

    Und von wem wurde dieser Heiligenmummenschanz eingeschleppt?


    Diese rhetorische Frage kann als Einladung gelesen werden, darüber nachzudenken, ob neben der hergebrachten christlichen Kultur nicht auch Raum für andere Kulturen sein könnte.


    Das Denken an den Reformationstag soll uns woran erinnern? An die christlich-lutherischen Wurzeln des Antisemitismus?

    Das Verständnis von Halloween ist ja sehr unterschiedlich. Will man sich gruseln oder handelt es sich um eine ABM-Maßnahme in Kostümen für Zahnärzte? Was Allerheiligen ist, weiß ich schon gar nicht..Meine erste Assoziation jedenfalls auf deine Frage hin war: Mendelssohns Sommernachtstraum. Verfolgt man den Weg des Hinter-das-Bewusste-gehens weiter, wird man in der Romantik fündig. Hüte dich, bleib' wach und munter!

    Um das mal nachzutragen:


    Bis eben das Dovrak-Konzert:
    Deutlich besser als ich diese Einspielung in Erinnerung hatte. Zwar teilweise sehr langsam, aber mit viel Sinn für die musikalische Linie.


    Jetzt:


    Die Barber-Sonate kannte ich noch nicht. Hat mich nicht so gefesselt. Hängen bleibe ich mal wieder bei Crumb. Tolle Sonate.


    Vorhin die Vierte. Begonnem hatte ich mit Chailly. Der zwang die Noten aber derart ins Korsett, dass ich ihnen freie Luft verschaffen musste.

    Sorita habe ich gestern noch gehört, in der Tat sehr gut und deutlich anders als Liu. Mittels Youtube kann man ja leicht einzelne Passagen vergleichen. Auch das habe ich getan. Mir ist nun klar, worum es dir geht, music lover. Soritas Spiel hat sehr viel mehr musikalischen Fluss, Kantabilität, auch gefühlvolle Zartheit (wiederum spreche ich nur vom Finalkonzert), steht cum grano salis stärker in der Rubinstein-Chopin-Tradition. Wenn ich genau das hören will, muss Liu mich enttäuschen. Persönlich empfinde ich Lius Spiel jedoch als interessanter und moderner. Bei ihm assoziiere ich nicht das womöglich doch gestrige Chopin-Gefühl Rubinsteins (und ich liebe Rubinstein!), sondern erlebe ich eine ausziselierte, mehr architektonische Kunstgestaltung. Weniger die Emotionaltiät, sondern eine klare Klanggebung verbunden mit einer höcht feingliedrigen dynamischen Strukturierung stehen hier im Vordergrund. Ich mag das sehr.


    Ich habe dann noch Lius Spiel der ersten Runde angeschaut und ich musss sagen: Hier ist er vielleicht noch stärker. Das Scherzo genügt meines Erachtens, um zum Ergebnis zu kommen, er hat den Sieg verdient. Die von mir (mit meinem bescheidenen Klavierwissen) angesprochenen Stärken kommen hier sehr deutlich zum Tragen, meine ich. Wenn jemand aber ein Dahinter sucht, das, was vielleicht ein Richter über die Noten hinaus in Partituren zu finden vermochte, wird sich womöglich auch hier eine Enttäuschung einstellen. Künstlerisch und technisch-gestalterische ist das jedoch oberstes Regal. Wiederum also die Frage, wonach man sucht, wenn man hört. Zugespitzt im Nocturne, wieder erste Runde. Rubinstein würde sich im Grabe umdrehen, aber hochinteressant und enorm fesselnd!


    Ich habe das von mir Gemeinte zugespitzt, um es zu verdeutlichen. Selbstverständlich findet man auch bei Sorita durchdachte Dynamik und weiß Liu kantabel zu spielen (und würde Rubinstein sich öffentlich verächtlich äußern, um dann insgeheim zu üben)..

    Deine Antwort verstehe ich gut, finde ich trotdem schade. Macht aber nichts. Ich wollte hier ja aber nicht mehr, als Christian für seine Beiträge danken, die mich eben tatsächlich inspiriert haben, ein ganz klein wenig hineinzuhören. Und es ist ja nun einmal eine Binsenweisheit, dass wir Menschen auch als Musikhörer nicht auf dasselbe anspringen.


    Bei mir lieber wieder Cellomusik.


    [Nachtrag; Habe jetzt verschiedene Male den Anfang in unterschiedlichen Aufnahmen gehört, weil Capucon mich mit seiner kurzatmigen Phrasierung gleich zu Beginn irritiert hat. Nicht meine Aufnahme.]

    Ob der Beste gewonnen hat, darüber kann man trefflich streiten. Ich dürfte außer Christian, wenn man mal die Meinungsäußerungen in diesem Thread als Grundlage nimmt, der einzige in diesem Forum sein, der sich eine größere Zahl von Konzerten der Kandidatinnen und Kandidaten während des laufenden Wettbewerbs angesehen hat. Nachdem der Sieger feststeht, kommen jetzt Leute wie Du, sehen sich ein einziges Video des Siegers (erklärtermaßen kein einziges Video der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ja sogar noch nicht einmal ein anderes Video des Siegers, lediglich "das finale Konzert des Siegers") an und behaupten, dass der Beste gewonnen hat. Soll ich das ernst nehmen?

    Lies, wenn du magst, oben nochmals nach. Dann dürftest du dein Falschzitat bemerken.


    Bekenne doch aber bitte Farbe: Wer hätten denn deiner Meinung nach an Lius Stelle den ersten Platz verdient gehabt? Dann höre ich mir das gern an.


    Komm mir aber bitte nicht mit Vorwürfen, Liu habe sich auf Lang Lang-ähnliche Weise gestreckt. Meinetwegen dürfte er sich auch Gould-artig verrenken, wenn das musikalische Ergebnis stimmt. Ist mir doch egal, wie er aussieht.

    Dann oute ich mich auch mal: Lieber Christian, vielen Dank! Deine Beiträge haben mich dazu gebracht, dass ich das finale Konzert des Siegers angehört habe und sehr viel Vergnügen dabei hatte.


    Das obige spekulative Herumkritteln an den Juroren halte ich angesichts der herausragenden Leistung Lius für befremdlich. Verständnis dafür hätte ich, wenn jemand gewonnen hätte, der eine nachvollziehbar schlechtere Leistung als die anderen erbracht hätte. War hier aber offenbar nicht so, sondern der Beste hat gewonnen. Da vertraue ich Christians Worten voll und ganz und ich selbst habe, wie gesagt, ebenfalls einen sehr guten Eindruck gewonnen, ohne allerdings die Konkurrenz gehört zu haben. Wenn aber der Beste gewonnen hat, fehlt dem Skandalisieren m. E. schlicht die Grundlage. Immerhin hatte das insofern sein Gutes, als wir etwas über die Sicherungsmaßnahmen lesen durften.


    Zeit für eine Würdigung des berechtigten Siegers, sage ich mal.

    Das erleichtert dann wieder die Konzentration auf das Neue, das dann folgt.

    Diese Bemerkung leuchtet mir unmittelbar ein und finde ich interessant. Vielleicht am meisten bewundere ich bei Profimusikern die Fähigkeit, unmittelbar unterschiedlichste Emotionen und Gefühlslagen darstellen zu können. Für jemanden, der quasi method acting betreibt (du musst innerlich weinen, um auf der Bühne glaubwürdig weinen zu können), dürften solch schnelle Wechsel kaum möglich sein. Aber auch bei denjenigen, die das vorrangig technisch umzusetzen verstehen, dürfte solch eine Pause helfen. Sehr häufig kommen solche Emotionswechsel aber auch innerhalb eines Stückes vor (das heitere Trio im ernsten Streichquartettsatz). Gibt es bestimmte Mittel, um das hinzubekommen? Z. B. in Farben denken?

    Stelle ich immer wieder fest. Bücher haben ihre Zeit. Mir erschienen "Die Korrekturen" seinerzeit belanglos und ich habe so gut wie nichts in Erinnerung. Noch mal eine Chance geben? Vielleicht nach den anderen vielen, vielen Büchern, die ungelesen herumstehen.


    Bei mir übrigens gerade:



    Habe erst gut 80 Seiten gelesen. Bildungshuberei und typischer sozialwissenschaftlicher Sprachprotz. Trotzdem lesenswert bisher. Könnte man, ging es nur um die Substanz, wohl auf 5 % des Umfangs kürzen. Geht aber ja nie nur um die Substanz. Mal sehen, was noch kommt. Eine gewisse Redundanz ist jetzt schon unübersehbar.

    Kehrseite? Vorderseite?

    Kürzlich war ich im Schauspielhaus. Dabei fiel mir auf, dass eine früher selbstverständliche Regel kaum noch beachtet wird:


    Falls ich vor Beginn auf dem Weg zu meinem Platz an bereits Sitzenden vorbei muss, tue ich das zügig ohne Körperkontakt und wende ich ihnen dabei meine Vorderseite zu.


    Das tut heute kaum noch jemand, fiel mir auf. Kehrseite rules. Meine Frau verwies auf Corona und darauf, dass ihr die Kehrseite bei vielen Gästen lieber sei, sie möchte nicht immer so nah beäugt werden.


    Hat sich da etwas geändert?


    Die Knigges dieser Welt sind weiterhin einig: Die Regel besteht fort. Siehe z. B. den Theater-Knigge, der das oben Thematisierte ebenfalls zur Sprache bringt: https://alexanderplath.com/theater-knigge/

    Ja, danke. Gegen die Symbolik habe ich nichts einzuwenden. Was mich stört, ist das Wie, weshalb ich "zu viel" schrieb. Ganz allgemein, das gilt auch für das Schauspiel, werden Symbole heute meiner Wahrnehmung nach dramaturgisch weitaus öfter als früher in einer Deutlichkeit eingesetzt, dass deren Bedeutung noch dem dümmsten Zuschauer eingetrichtert wird. Semitotik wird zur Plakativik. Ich hab es lieber feinsinnig.