Beiträge von Magus

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.

    Lieber Keith M.C.,


    nein, Dein Wunsch sei Dir natürlich unbenommen.


    Mir persönlich wäre er nur nicht in den Sinn gekommen, da ich speziell Beethoven nicht für einen Opernkomponisten halte. Immerhin hat er sich ja mit seiner einzigen Oper ziemlich schwergetan, und -um ehrlich zu sein- die haut mich nicht gerade vom Hocker...


    Ich kann es auch nicht wirklich konkret benennen, aber mein Eindruck ist, daß der "Fidelio" etwas Gezwungenes hat. Ich denke, Beethoven ist einfach kein Bühnenmensch -wie bspw. Mozart- gewesen. Insofern würde ich ihm die Tortur einer weiteren Oper ersparen wollen ;+)


    Grüße


    Magus

    Ein Komponist aus der "Lockenhausener Partie", der mich allerdings nachhaltig begeistert hat, ist Petris Vasks, desen Vokalkompositionen ich sehr beeindruckend finde (harmonisch rauh und kontrapunktisch sehr dicht).

    Absolut! Sehr beeindruckend auch seine Solokonzerte für Violine bzw. Violoncello.


    Zu Pärts "fratres": neulich erst sah ich den Film "There will be blood", der u.a. mit Pärts "fratres" ausgesprochen passend -wie ich fand- unterlegt ist (aber da wären wir dann ja wieder bei Nyman gelandet... ;+) ).


    Grüße


    Magus


    P.S.: im übrigen habe ich nicht vor, nach unserem Konzert sterben zu gehen....

    Ach ja, Pärt.


    Wir bereiten gerade im Rahmen unseres nächsten Konzerts Arvo Pärts "Summa" vor.


    Ja, nach dem ersten Spielen (tatsächlich vom Blatt spielbar ;+) ) breitete sich doch etwas Ratlosigkeit unter uns aus (besonders die Ersten Geigen monierten das dauernde Dreiklang-Rauf-und-Runter...).


    Daraufhin haben wir uns etwas näher damit befaßt und konnten Struktur und mögliche Intention ("Tintinnabuli", Struktur des liturgischen "Credo", Zahlensymbolik [hier: 141]) für uns zumindest einigermaßen nachvollziehbar erscheinen lassen.


    Was mich dabei etwas befremdete, war die Tatsache, daß es durchaus zahlreiche Selbstzeugnisse Pärts gibt (z.T. umfangreiche Interviews) -auch zu diesem Werk-, die aber nicht wirklich Klarheit bringen.


    Frappierend fand ich persönlich daher den Satz in Metzlers "Komponisten-Lexikon", der den Artikel zu Pärt abschließt: ""Fragen nach der Struktur der Werke P.s sind unlösbar verbunden mit Stilisierungen und Inszenierungen der Person des Komponisten."


    Die Gefahr, daß das Werk mit dem Tod des Komponisten seine mögliche Relevanz verliert, ist dabei natürlich groß. Und ich denke, das ist es auch, was den Kern der Pärt-Kritik im wesentlichen ausmacht.


    Grüße


    Magus

    Lieber Magus, was du so für Laien alles spielbar findest :pfeif:

    Wie sagte die Klavierlehrerin unseres Sohnes bei solchen Gelegenheiten immer: "Tja: übi, übi, übi..." :P


    Ich denke übrigens schon länger ernsthaft darüber nach, ein schönes Cello zu erwerben und es meiner Ex-Ex, die bislang auf einem chinesischen Fabrikhobel schabt, als Leihgabe zu überlassen, bis ich das Gerät aus Gründen der Altersarmut wieder verkaufen muss. Nur habe ich leider keine Ahnung von Streichinstrumenten, so dass ich dringend auf fachkundige Beratung angewiesen wäre....

    Eine sehr schöne Idee! Warum besprichst Du es nicht einfach mit ihr und nimmst sie bei der Suche nach einem schönen Instrument mit?


    Grüße


    Magus

    Naja, wenn man mich soo nett bittet ;+)


    Wir bereiten gerade mit dem Kammerstreichorchester, in dem ich spiele, ein Benefizkonzert für Mitte Juli vor:


    "Rund um die Familie Bach"

    Zu hören werden sein:


    Johann Ludwig Bach (1677-1731): Suite G-Dur - schönstes Barock mit frz. Ouvertüre, Air, Menuette, Gavotte etc.


    Wilhelm Friedemann bach (1710-1784): eine zweisätzige Sinfonia in d-moll (mit einem verdammt kniffligen Fugensatz...)


    Johann Christian Bach (1735-1782): Sinfonietta in A-Dur (hätte man ja auch mal in C-Dur schreiben können.... :cursing: )


    Johann Christoph Friedrich Bach (1732-1795): Sinfonia d-moll


    Als Zwischenspiele (wir spielen in einer Kirche für die Restaurierung der dortigen Kirchenfenster): Choräle des "Großen" Bach.


    UND -als "spirituelles Schmankerl" (jetzt gehen gleich die Emotionen hoch... ;+) :( Arvo Pärt (*1935): Summa (Streichquartettfassung)


    Daneben spiele ich derzeit unser aller Cellisten "täglich Brot": Bachsuiten sowie aus Joseph Haydn: 4 Duette für zwei Violoncelli (= Bearbeitung seiner Barytonduette Hob. X:11, XII:1, 3+5 und 4) in Vorbereitung auf eine kleine private Soirée. Diese Duette kann ich übrigens allen Mitforistencellisten wärmstens empfehlen (lassen sich z.B. schön zusammen mit dem Lehrer spielen): spielbar für Laien, und die beiden Stimmen sind stets sehr ausgewogen angelegt, so daß es eine erste und zweite Stimme im eigentlichen Sinne nicht gibt. Überdies wunderschöne und gute Musik; Haydn eben... :love: .


    Das soweit von meiner Seite.


    Grüße


    Magus

    Wenn man jetzt noch weiß, daß manche Weltklassepianisten großen Wert darauf legen, daß der Flügel, auf dem sie spielen, genau so klingt, wie sie sich das vorstellen (und das können je nach Musikepoche der gespielten Stücke durchaus unterschiedliche Vorstellungen sein) und der Techniker schon mal eine Nacht daranhängen muß, damit er bei der Aufführung auch genau so klingt, wie er klingen soll - in Abhängigkeit vom Raum, in dem er steht! -

    Zu dem Thema gibt es übrigens diesen schönen Film:



    Grüße


    Magus

    Ja, offenbar geschieht in der Unmittelbarkeit von aktivem Musizieren und aktivem Hören doch etwas wesentliches, was rein physikalisch nicht zu erklären ist.


    Mir kommt da ein Zeitungsartikel in den Sinn, in dem es um den Spracherwerb bei Kleinkindern ging: in Amerika hat man dazu zwei Gruppen von Kleinkindern untersucht, wobei der einen Gruppe chinesische Muttersprachler zugeordnet wurden, die im direkten Kontakt mit den Kindern standen. In der zweiten Gruppe wurden die Kinder mit Videoaufnahmen derselben Muttersprachler mit denselben Übungen konfrontiert -sozusagen E-Learning.


    Es zeigte sich, daß die Kinder der ersten Gruppe nach einer geraumen Zeit durchaus in der Lage waren, Chinesisch zu verstehen und auch selber zu sprechen begannen, wohingegen die Kinder der zweiten Gruppe -trotz interessierten Zusehens- keinerlei Verständnis zeigten und keinerlei Sprechversuche unternahmen.


    Offenbar gibt es daher tatsächlich unterschiedliche Qualitäten des vermeintlich gleichen.


    Grüße


    Magus

    Prinzipiell ein schöner Thread mit einem interessanten Grundgedanken.


    Aber ich meine, ähnlich wie Peter, die reine Statistik hilft nicht wirklich weiter, da sie sämtliche Zwischentöne, Unterschwelligkeiten etc. brutal ausblendet. Das Wort "Liebe" im Text kann ja, je nach dem erfüllte Liebe, unerfüllte Liebe, haßerfüllte Liebe ("Mutter, gib mir ein Messer, denn mein Liebster hat mich verlassen... Mutter, gib mir eine Pistole, denn...Mutter, gib mir eine Kanone, denn...." ein Lied aus dem serbischen Raum), leichtfertige Liebe u.s.w. meinen. Ganz abgesehen von der Melodieführung, die das Thema zum Ausdruck bringt...


    Ich denke hier z.B. an die Musik aus Rumänien oder den angrenzenden Balkangebieten: ja, auch hier spielt z.B. die Liebe eine große Rolle. Aber in welchen Facetten! Rein statistisch sind diese Völker liebestoll; aber weit gefehlt.
    Unerfüllte Liebe sowie deren tragische Spielarten findet man dort oft (dann kippt das Dur ins Moll, verminderte Quinten tun ihr übriges und der Gesang wird schmerzlich gedehnt).


    Hinzu kommen dort Motive, deren Ursprung im Dunkeln liegt: in Rumänien etwa das Motiv des Baumeisters, dessen Frau sich als Schlußstein opfert, damit ihr Mann den Bau fertigstellen kann und nicht mit dem Tode bestraft wird. Oder -ebendort- das "Grüne Blatt" (foaie verde), das man mit Wachsen/Vergehen, Leben/Tod etc. assoziieren kann. Rein statistisch wären die Rumänen somit echte Ökos :D .


    Grüße


    Magus

    PS: Nach drei Jahren Dornröschenschlaf dieses Threads sind viele neue Mitglieder dazu gekommen. Mögt ihr nicht auch mal von euren ehrenhaften Jugendsünden berichten?

    Ok....meine allererste eigene Schalplatte war das hier:



    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/510BeQmbJrL.jpg]




    Das war schon schwer neu und wild....fand ich.


    Allerdings mußte ich immer meine (auch noch jüngere!) Schwester fragen, wenn ich die Platte hören wollte; ich hatte keinen eigenen Plattenspieler.


    Und sie hat nur sehr ungern Hanni & Nanni für Plastic Bertrand unterbrochen....


    Das war dann eher nicht so punk.


    :schaem:


    Magus

    also mit ca. 19 Jahren, habe ich mir dann auf dem Flohmarkt eine Geige gekauft [...] ABER: Klanglich hat mich das nicht befriedigt. Ich empfand es als weitaus schwieriger, den Bogenstrich so hinzubekommen, dass der Klang meiner Idealvorstellung wenigstens nahekam.

    ...könnte es nicht vielleicht auch so gewesen sein, daß da ein gewisser Zusammenhang bestanden hat?


    :hide:


    Magus

    Soweit ich da beurteilen kann, erforschen viele heutige Komponisten den Klang. Da ist die Entscheidung, Elektronik hineinzubeziehen, eigentlich selbstverständlich.


    Aber wie weit das "fortschrittlich" ist, ist für mich unklar.


    Vielleicht insofern, daß Grenzen erweitert werden. Und daß sich auch in der Musik die erweiterten Grenzen ihrer Umwelt widerspiegeln.


    So wie bspw. der Tritonus einst ein "verbotenes" Intervall in den Grenzen der religös-kirchlichen Umwelt jener Zeit gewesen ist, so zählte er wenige Jahrhunderte später selbstverständlich zum Repertoire späterer Musikergenerationen, die sich über solche Verbote hinwegsetzen "durften".


    Grüße


    Magus

    Die zwei Wortteile "fort" und "Schritt" bedeuten ja zunächst einmal nur "sich von etwas entfernen", ohne Wertung.


    Ich fürchte, das ist nicht ganz richtig; in diesem Falle entspricht das "fort" einem "weiter": im Sinne etwa von fortsetzen, fortschreiben, fortwährend - oder eben fortschreitend, also sich weiterbewegend. Daß man sich dabei vom Ursprungsort entfernt, ist richtig.


    Aber ich meine, das Wesentliche am Fortschrittsgedanken, wie ihn besonders das 19. Jahrhundert geformt hat, ist nicht der Blick zurück, sondern die (positive) Erwartung nach vorn.


    Grüße


    Magus

    Als jemand, der selber in einem Laienorchester musiziert und auch öffentlich aufführt, stellen sich mir beim Hören der Mitschnitte jenes "niederenglischen" Ensembles folgende Fragen.


    Klar: sie müssen schwer an ihrer Intonation arbeiten; das ist m.E. ein Versäumnis des Dirigenten. Allein, wenn ich Streicher, Blech und Holz zusammenführen möchte, komme ich schon mal um eine gründliche Einstimmung nicht hinaus; das kann erfahrungsgemäß bis zu einer halben Stunden dauern....allein schon innerhalb der Holzbläser...


    Dann stellt sich auch die Frage, ob das Orchester regelmäßig gemeinsam probt, z.B. einmal wöchentlich, oder ob es sich auf einen Aufführungstermin hin z.B. einige Wochenenden zuvor zusammensetzt. Das kann natürlich schwer in die Hose gehen, wenn die Leute ihre Stimme bis dahin nicht geübt haben.


    Mein Eindruck war dahingehend, daß womöglich letzteres der Fall ist, da jeder Einzelne sehr mit seiner Stimme beschäftigt scheint, und daher das Stadium eines Gesamtklangs, das sich erst ergeben kann, wenn ich neben meiner Stimme auch Antennen für meine Mitspieler ausfahren kann, hier noch nicht erreicht ist. Das ist schade - aber kein Grund zur Häme.


    Immerhin hat man bei YT die Möglichkeit, etwas Motivierendes in der Richtung zu posten: arbeitet an Eurer Intonation, übt und macht Euch so frei, daß Ihr Eure Ohren in den Raum richten und den Blick über das Notenpult riskieren könnt ;+) .


    Vorostergrüße


    Magus

    Goldschmidt macht darauf aufmerksam, dass Beethoven für die französische Seite eben nicht das Revolutionslied gebraucht, die Marseillaise, sondern ein Spottlied der Franzosen auf die Engländer, den Marsch Marlborough. Ohne die Tatsache überzubewerten, kann man doch feststellen, dass damit die französische Seite eben auf nationale Interessen beschränkt wird.

    Das stimmt; die "Marseillaise" hatte im Kaiserreich ohnehin viel von ihrer Strahlkraft verloren. Der Jakobinismus war seit 1794 eher Schreckgespenst als Ideal. Das Publikum bevorzugte -wie auch der Kaiser- heroische Musikstücke, stets zwischen düsterem Pathos und schrillem Triumph changierend. Beethoven trägt ja letzterem durchaus Rechnung, wenn er im "God save the King" gegen Ende von "Wellingtons Sieg" die schrillen Pfeifentriller einsetzt.


    Unter den Soldaten (jetzt 1813, waren dies mehr und mehr die nachrevolutionären Jahrgänge) verblassten die Erinnerungen an die große Revolution zusehends, und die Märsche und Lieder hatten zumeist einen denkbar banalen Hintergrund: das trinkfreudige Liebchen ("Fanchon"), das tägliche Kriegsgeschäft ("On va leur percer le flanc!") oder das Lieblingsessen ("Le chant de l´oignon").....insofern "paßt" der "Marlborough" zur Charakterisierung dessen, was aus dem einstigen Revolutionsheer mittlerweile geworden war.


    Gruß


    Magus