Beiträge von Magus

    Die Schlacht bei Vittoria betraf ja keines der möglichen "Vaterländer" Beethovens direkt

    Die Wahl des Schlachtenortes hatte wohl damit zu tun, dass Beethoven Vermarktungsideen in Hinsicht Großbritannien hatte

    Ist das so? Nach der Vernichtung einer halben Million Soldaten im Rußlandfeldzug der zweiten Jahreshälfte 1812 hatte es Napoleon vermocht, innerhalb kürzester Zeit im Frühjahr 1813 ein neues Heer aus dem Boden zu stampfen und damit die vordringenden Russen sowie die abgefallenen Preußen erfolgreich zu binden und die deutschen Rheinbundstaaten in Schach zu halten.


    In Spanien schlugen die Franzosen sich seit 1808 mit wechselseitigem Erfolg und unter vielerlei Grausamkeiten mit einer Guerrilla und den Engländern herum, denen bis dato -Frühjahr 1813- kein durchschlagender Erfolg vergönnt gewesen war.


    Die Schlacht von Vitoria bildete daher mit der Vertreibung der Franzosen aus Spanien einen Wendepunkt in der verzwickten Situation Europas im Sommer 1813. Zum einen ging es jetzt im Süden Frankreichs um die pure Landesverteidigung gegen die vordringenden Engländer. Zum anderen war die Wende in Spanien wohl auslösend dafür, daß sich auch Österreich endlich der antinapoleonischen Allianz anschloß, die der Grande Armee im Herbst 1813 bei Leipzig den Todesstoß versetzte und schließlich bis ins Innere Frankreichs vordringen konnte, so daß "der Löwe" im Frühjahr 1814 abdanken mußte.


    Daß nun "die Wölfe" in Form der "Heiligen Allianz" einen restaurativen Kurs fuhren, wurde von nicht wenigen aufgeklärten Zeitgenossen -wie auch Beethoven einer war- deutlich beklagt...


    Dies nur zur Einordnung und Ergänzung.


    Gruß


    Magus

    Da hatte mich dann die Antwort von Magus etwas stutzig gemacht, denn er sagt : "...einst selber im Schulchor gesungen", weshalb ich den Verdacht nicht los wurde, dass er diesen Feuerreiter vielleicht mit jenem von Hugo Distler verwechslt. Der ist nämlich für Chor komponiert

    lieber harry,


    oh man...das stimmt...Du hast Recht: Hugo Distler.


    Ist aber bei mir auch schon 30 Jahre her :schaem:


    Trotzdem: ein tolles Stück! Tut mir leid, wenn ich damit ein Faß in Richtung Chor aufgemacht und damit für Verwirrung gesorgt habe.


    Grüße


    Magus

    Aber wer fettet jetzt bitte meinen außerdeutschen Speiseplan auf?


    Savinien Cyrano de Bergerac (1619 - 1655); ja, genau der ;+) :


    "Die Reise zum Mond"


    "Die Reise zur Sonne"


    Beide auf deutsch in einem Band zu haben:


    Savinien Cyrano de Bergerac: Die Reise zum Mond und zur Sonne, Eichborn Berlin 2004.


    Grüße


    Magus

    Du solltest das Zitat einfach mal lesen, dann würde dir auffallen, dass mitnichten Frau L. einer Zecke gleichgestellt wird.


    Die Nazikeule stand auch schon bereit ...


    Das Zitat habe ich gelesen: Frau L. (wie man sie entpersonalisiert auch nennen könnte) ist krank, die Krankheit wurde durch Zecken (Ungeziefer) ausgelöst, und auch Frau L.s Bücher sind mutmaßlich von Zecken befallen...


    Du findest das lustig - ich nicht.


    So what?


    Magus

    Ehrlich gesagt finde ich die von der "WELT am Sonntag" hergestellten Zusammenhänge:


    bizarre Äußerung (oder Abweichende Meinung?) = Zecke (oder Ungeziefer?) = krank


    nicht witzig, sondern einfach nur widerlich.


    Ganz egal, wie man zu den Auslassungen Frau Lewitscharoffs auch stehen mag.


    Magus



    by the way: in Neonazikreisen wird der Gegner gern als "Zecke" bezeichnet...

    Liebe eloisasti,


    vielen Dank für Deine Ergänzung; das hatte ich so gar nicht auf dem Schirm.


    Bei Google findet man dazu sogar einen Briefauszug von Mozart an seinen Vater (20. Juli 1782):


    "bis Sonntag acht tag muß meine opera [wahrscheinlich "Die Entführung aus dem Serail"] auf die harmonie gesetzt seyn – sonst kommt mir einer bevor – und hat anstatt meiner den Profit davon; [...] sie glauben nicht, wie schwer es ist so was auf die harmonie zu setzen – daß es den blaßinstrumenten eigen ist, und doch dabey nichts von der Wirkung verloren geht."


    So einfach scheint das Bearbeiten denn wohl generell doch nicht zu sein ;+) .


    :wink:


    Magus

    Nun ist chorische Besetzung eines Streichquartetts (und stellenweise? Verdopplung der Celli durch Bässe) ja so ungefähr die "harmloseste" Bearbeitung, die man sich vorstellen kann. (Und im Falle der "großen Fuge" op.133 schon zu Brahms' Zeiten üblich gewesen).
    Ich finde diese Aufnahme durchaus faszinierend und kann mir vorstellen, wie beeindruckend das Konzert gewesen sein muss. Dennoch ist für mich als Hörer (und ein Quartettspieler wie Michael könnte das sicher noch besser erläutern) auch klar, dass Manches "vergröbert" wird bzw. an individuellem Ausdruck der solistischen Besetzung verloren geht.

    Das geht mir so bei der Orchesterfassung von Mozarts "Musikalischem Spaß": da geht einiges an spaßiger Differenz verloren.


    Umgekehrt indessen kann eine solche Bearbeitung hörtechnisch äußerst gewinnbringende Effekte haben; ich hörte letzten Sommer eine Aufführung mit Szenen aus der Zauberflöte, wo das Orchester durch ein Holzbläserensemble ersetzt worden war. Das fand ich sehr gelungen; einerseits, weil der Klang dieser Instrumente eine hohe Bandbreite an Dynamik erlaubt und zum anderen dabei nie die Transparenz verlorengeht.


    Eine Bearbeitung jenes Programms z.B. für Blech kann ich mir hingegen nur sehr schwer vorstellen - insbesondere wenn die menschliche Stimme dazukommt.


    Magus

    Körperertüchtigung, vormilitärische Ausbildung - der Impuls, den Turnvater Jahn gegeben hatte, pflanzte sich auch in die Arbeiterbewegung fort. Mit Sportvereinen waren wir ja schon bei den Radfahrern in Kontakt gekommen, immerhin eine ganz moderne Sektion.1893 wurde der "Arbeiter-Turnerbund" als Dachorganisation gegründet. Vor dem 1. Weltkrieg umfasste er mehr als 60.000 Mitglieder. Auch hier gehörte der Gesang dazu, und der Verband gab eigene Liederbücher für seine Mitglieder heraus.

    Lieber Peter,


    schön, daß Du auch die Turnerbewegung in diesem Thread würdigst, der die spätere Arbeiterbewegung viele Impulse verdankt.


    Von Anfang an binnendemokratisch organisiert, stand bei den Turnern das schichtenübergreifende und egalitäre Moment im Vordergrund; das "Du" als Anrede war obligatorisch. Trotz zeitweiligem behördlichem Verbot in Bund und Einzelstaaten geht man davon aus, daß es zu Beginn des Jahres 1848 rund 90.000 in Vereinen organisierte Turner gegeben hat. Kurz zuvor, Ende 1847, war die "Allgemeine Deutsche Turnerschaft" als Dachverband gegründet worden, was die Behörden vielerorts in helle Aufregung versetzte.


    Turner wirkten auch als Freiwillige Feuerwehren, was ihnen Gelegenheit bot, unter jenem Deckmantel paramilitärische Übungen durchzuführen. Berühmt sind dann während der Revolution von 1848 auch die zahlreichen Turnerwehren geworden, die bewaffnet an der Seite der radikalen Republikaner in die Badischen Aufstände und die Verfassungskampagne 1849 zogen.


    War die Turnbewegung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Sammelbecken der national (i.e. gegen das bestehende partikularistische und repressive System des Deutschen Bundes gerichtet) und demokratisch gesinnten Jugend (v.a. Studenten und Handwerksburschen), so wuchs die Turnbewegung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts in die bürgerlichen Schichten hinein.
    Deren Ausrichtung war jedoch mehr und mehr durch das nationale Moment bestimmt und ließ die demokratischen Wurzeln der Bewegung in den Hintergrund treten.
    Diese finden sich dann wiederum bei den Arbeiter-Turnvereinen, wie dies in der Zielsetzung des von Peter genannten "Arbeiter-Turnerbundes" deutlich wird:


    „Die freiheitlich gesinnten Turner werden eifrig mitarbeiten, ein altes
    verfaultes System mit Stumpf und Stiel auszurotten, alte Ruinen
    niederzureißen, damit neues Leben aus ihnen erblühe. Unter diesen
    neuerrichteten Gebäuden erst werden wir ausrufen können: Wir haben
    Friede, Freiheit, Recht. Keiner ist des andern Knecht.“


    Magus

    Ist Monostatos nur Sklave oder ist er Diener?

    Lieber Waldi,


    zumindest ist seine Rolle mehrdeutig. Er kann als Aufseher durchaus Sklave sein und dennoch privilegiert; die abgezählten Schläge deuten für mich eher auf die Bestrafung eines Sklaven hin, einem Diener hätte man vielleicht eher eine Maulschelle verpaßt (?).


    Daß er sich selber als "Dein Sklave" bezeichnet, wäre ja nicht zwingend: "Dein Diener" wäre ebensogut möglich gewesen, ohne den Textrhythmus zu zerstören.


    :wink:


    Magus

    Bestimmt, aber es ist noch etwas anderes, ob man verschiedenwertige Menschen"rassen" unterscheidet, oder ob man Menschen ihr Menschsein völlig abspricht; letzteres hatte zur Debatte gestanden.

    Wobei ihnen im Falle der Sklaverei -und Monostatos und seine Helfer sind ja Sklaven- rechtlich gesehen das Menschsein schon abgesprochen wurde: sie galten als beweglicher Besitz bzw. bewegliches Eigentum.
    Freilich war dies mit einer gewissen Fürsorgepflicht der Eigentümer verbunden, und so findet sich ja auch in der "Zauberflöte" die recht groteske Szene, da Sarastro die körperliche Züchtigung des Monostatos befiehlt unter Verweis darauf "es ist ja meine Pflicht..."


    :wink:


    Magus

    Liebe(r) zabki,


    als ich meinen Einwurf verfaßte, dachte ich an den Anatom Samuel Thomas Soemmerring und seine 1784 erschienene Schrift "Über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer".


    Auf Deine Frage hin habe ich mir das Werklein nochmals zu Gemüte geführt und muß zugeben: Soemmerring spricht den Schwarzen darin nicht das Menschsein ab, verortet sie jedoch aufgrund seiner Untersuchungen deutlich nahe am Tierreich.


    Offenbar habe ich das mit einer anderen Schrift Soemmerrings verwechselt bzw. zusammengewürfelt: "Über das Organ der Seele", erschienen 1796.


    Verzeih


    Magus


    P.S. am aufklärerischen Impetus des Papagenozitats ändert das ja nichts ;+)

    gerne besonders "schlimme" Textstellen

    Oder auch besonders schöne Textstellen; mein persönlicher Favorit ist:



    Papageno:
    "Bin ich nicht ein Narr, dass ich mich schrecken liess? - Es giebt ja
    schwarze Vögel in der Welt, warum denn nicht auch schwarze Menschen."


    Das ist Aufklärung pur. Zu einer Zeit, da man noch wissenschaftlich zu ergründen suchte, ob Schwarze überhaupt eine Seele besäßen oder mit anderen Worten: überhaupt Menschen seien.....


    :wink:


    Magus

    Lieber merkatz,


    ich fürchte, hier kommen wir nicht wirklich weiter. Denn wenn Du unter logischen Handlungsabläufen und logischer Konsistenz einer Geschichte verstehst, daß es für alles -um an dieser Stelle "???" einmal zu zitieren- "eine logisch-wissenschaftliche Erklärung gibt", dann kannst Du eigentlich sämtliche Opern in die Tonne treten. Denn da wimmelt es ja nur so von jeder Logik hohnsprechenden Wesen und übernatürlichen Fähigkeiten.


    Nimm doch nur Deine Lieblingsoper HuG: Hexen gibt es nicht. Daß eine alte Frau auf dem Besen durch die Luft fliegt, widerspricht jeder Logik.


    Konsequenterweise müßte daher genau das passieren, was Du ja an anderer Stelle vehement bekämpfst: man müßte die Handlung in ein logisches Korsett zwingen, indem bspw. aus der "Hexe" eine pädophile Figur wird (wie etwa seinerzeit in Erfurt)....


    Und Deine Frage "was wäre wenn" macht wiederum ein ganz anderes Faß auf...


    ;+)


    Magus

    Anders gefragt: kann eine Oper, oder bestimmte Teile davon, nicht gerade deswegen schön sein, weil sie logisch ist? Kann die Schönheit nicht auch von der Logik kommen?

    Wann handeln Menschen durchgehend logisch? Zumal wenn so unlogische Dinge wie Liebe, Treue, Verrat, Haß, Neid, Rachsucht, Eitelkeit, Schadenfreude, Schicksal u.s.w. ins Spiel kommen? Ich persönlich halte gerade jene vermeintlich "unlogischen" Handlungsweisen, Wendungen und/oder Brüche gerade für das besonders Reizvolle an der Oper - vielleicht eben gerade deswegen, weil nur die Musik in der Lage ist, das vermeintlich Unlogische plausibel zu machen.


    :wink:


    Magus

    Lieber Peter,


    einverstanden ;+) , aber dann würde ich vielleicht eher sagen "verschwurbelt" :D


    Ich lese aus diesem Passus heraus, daß der Dachverband als unterstützende Institution die sich ihm anschließenden Vereine keineswegs in ihrer Autonomie einschränken möchte; dies war in den Zeiten deutscher Vereinsleidenschaft zwischen 1848 und 1914 ein nicht selten anzutreffender Vorbehalt seitens der Einzelvereine gegenüber den Dachverbänden. Und ich lese heraus, daß der Verband dahin wirken will, die Vereinsmitglieder zu eigenverantwortlicher Kulturarbeit anzuregen, also lediglich "Hilfe zur Selbsthilfe" anzubieten.


    Interessant ist dabei, daß sich hier statt der Ausbildung eines konturierten Klassenbewußtseins in den Arbeitergesangsvereinen eher die Tendenz zur Verbürgerlichung der deutschen Arbeiterschaft zeigt; eine Tendenz, die auch schon Michael Stürmer für die Arbeiterschaft des Deutschen Reichs am Vorabend des Ersten Weltkriegs konstatierte.


    :wink:


    Magus

    Da hier schon "Gladiator" fiel, auch so ein Film, dem ich nie etwas abgewinnen konnte und ich habe auch nie nachvollziehen können, warum Russel Crowe dafür einen Oscar gewann (???)
    Wie jemand hier Juliette Binoche nicht gerne bei ihrem Tun zusieht, geht es mir so ähnlich mit Crowe.

    Ja, "Gladiator" und Crowe sind auch für mich (wieder) so ein Fall...mit dem Zuschauen.


    Wobei mir hier auch Parallelen zu Craigs "Bond" auffallen: es scheint einen Trend zu geben, der das vordergründig Brutale der Protagonisten besonders hervorhebt; egal ob Antikenepos ("Gladiator", "300" oder die Neuverfilmung von "Kampf der Titanen"...) oder eben James Bond: die Darsteller wirken auf mich wie Typen aus irgendeiner Box- und Muckibude im Wedding. Ebenso kurznasige wie kurzhaarige, brutale Kraftpakete, eher Navy Seals als Hopliten oder Halbgötter der Antike....(ganz zu schweigen von der völlig bescheuerten Unart, irgendwelche Schwerter -womöglich noch kreuzweise- auf dem Rücken zu tragen wie Ninjas.... :shake: ).


    Wer z.B. einen Kirk Douglas (Spartacus) einem Russel Crowe (Gladiator) gegenüberstellt, weiß, was ich meine.


    :wink:


    Magus