Beiträge von Miguel54

    Die alte auf CDROM erhältliche MGG kann man getrost vergessen, völlig veraltet, was solche KOmponisten betrifft. Donald Grout's Beitrag im New Grove ist sehr gut. Biographen gibt es nur auf Englisch, das Buch "Alessandro Scarlatti und seine Zeit" enthält Tagungsreferate, alle in Originalsprachen, z.T. sehr speziell. Die als Einführung noch brauchbare und bei amazon als Nachdruck erhältliche Bio von Edward Dent ist 100 Jahre alt.


    Das einzige wirklich gute Buch ist das von Roberto Pagano in allerdings anspruchsvollem Englisch, und wenn man wirklich was davon haben will, sollte man die Grundzüge der Biografie beider Scarlattis kennen:



    Ein seriöses Werkverzeichnis exitiert (noch) nicht, das beste ist das im New Grove. Die schiere Zahl der Kompositionen ist auch erschlagend.

    Viel mehr als im Booklet dieser exzellenten Aufnahme steht, weiss man nicht, im www würde ich das bei so speziellen Kompositionen auch nicht erwarten. Andere Aufnahmen gibt es meines Wissens nicht.


    Hier habe ich alles, was ich an Instrumentalmusik von Alessandro Scarlatti kenne, beschrieben bzw. werde es noch tun: "http://www.alte-musik-forum.de/index.php?page=Thread&threadID=341"

    Wenn die Sängerin/der Sänger sowohl die Romanzen singt als auch die Novelle vorliest, lieber Philbert, nimmt das Ganze tristansche Dimensionen an ! Auf Tonträgern ist das natürlich machbar ( Brigitte Fassbaender ), live habe ich das noch nie erlebt


    Christoph Prégardien hat das in den 1990ern so gemacht, mit Andreas Staier an einem Graf-Flügel. Für die CD wurde leider Senta Berger hinzugezogen, die wie eine Märchentante las. Prégardien hat das sehr viel schöner gemacht und wirkte überhaut nicht angestrengt.

    Ich dachte der Link auf die Seiten des Verlags würde das beantworten ... bei beiden Autoren haben sich die Mühe gemacht, zu jedem Titel eine Erklärung zu suchen. Das fängt bei vergleichsweise einfachen Titeln, die einfach das zugrundeliegende Tanzmodell bezeichnen, an, geht über die Namen von Personen, denen gehuldigt wird, oder die vielleicht charakterisiert werden, zu Titeln, die eine Handlung ergeben könnten, wie die Satire auf die Mxnxstrxndxurs.
    So etwas als "Programm" zu bezeichnen, überdehnt den Begriff doch ziemlich. Mit der Verwendung später eingeführter Begriffe auf Musik aus früheren Zeiten sollte man sowieso vorsichtig sein, weil z.B. ein Begriff wie "Sonate" einem erheblichen Bedeutungswandel unterlag. Auch wenn die Musikwissenschaftler es seit dem späten 19. Jahrhundert so machen, es bringt nicht viel.


    Titel programmatisch interpretierbaren Charakters sind so alt wie die Musik selbst: Was ist mit den entsprechenden Titeln aus Frobergers Clavier-Suiten oder Kuhnaus Biblischen Sonaten? Ob die das von Franzosen hatten?
    Hier helfen nur Fakten, nicht Meinungen.

    Ich habe jetzt die wenigsten von den Stücken parat, aber Tambourin ist mMn definitiv Programmmusik, da es einen Trommler darstellt.


    Tambourin bezeichnet ganz simpel einen Tanz aus der Provence, hat mit "Programm" nichts zu tun. Tambourins gibt es als Tanzsätze von zig Komponisten, auch als Balletteinlagen usw.


    Um sich am Beispiel Couperin klar zu machen, was die Titel sollten, empfehle ich folgende Lektüre:



    Vom Verlag aber wesentlich preiswerter zu bekommen: "http://www.keyword-press.co.uk/mirrordetail.htm"

    Deine Begeisterung ist voll und ganz berechtigt und nachzuvollziehen - diese Box ist eine editorische Großtat von Brilliant Classics.


    Bei Naxos tut sich leider recht wenig in Sachen Alte Musik seit ein paar Jahren, während bei Brilliant Classics jeden Monat interessante Neuerscheinungen kommen, zum großen Teil selbst produziert. Man kommt kaum nach. Ich versuche immer wenigstens einen Teil davon zu rezensieren: "http://www.alte-musik-forum.de/index.php?page=Thread&threadID=764", gerade schreibe ich etwas über eine neue CD mit Cembalosuiten von Dieupart.

    Tach,


    bei Naxos ist nun die Aufnahme sämtlicher Sonaten von Weiss von dem kanadischen Musiker Michel Cardin erschienen und zwar zu einem wirklich sehr guten Preis:




    Zum einen ist das nicht bei Naxos, sondern bei Brilliant Classics erschienen (bei Naxos gibt es eine mit Robert Barto, die aber nicht ganz so gut ist), zum anderen ist das nicht der komplette Weiss, sondern das komplette, allerdings sehr umfangreiche sog. Londoner Manuskript.


    In der Tat ein Schnäppchen und sehr zu empfehlen.

    Vielleicht dachte Bach wirklich auch in die Richtung, dass besonders gelungen Stücke eher so erhalten bleiben würden...


    Die Stücke aus denen die Vorlagen stammen waren Festmusiken für konkrete Ereignisse, die so nicht replizierbar waren, im Fall von Musik für Fürstenhäuser wäre es möglicherweise sogar ein Affront gewesen, sie identisch wiederaufzuführen. Musik für Feste im Kirchenjahr dagegen war problemlos recycelbar.


    Ich finde ja,dass Affekt und Musik in den Vorlagen besser zusammenpassen als im sog. WO ...

    Danke für den Hinweis!
    Über die Box wüsste ich gerne mehr - nur steht seit vielen Monaten auf der Internetseite von Pan Classics "Unsere Seiten sind wegen Wartungsarbeiten im Moment nicht erreichbar."


    Es gibt drei Cembalokonzerte von Gottlieb Muffat - die Noten hat Martin Haselböck schon vor Jahren bei der Universal Edition in Wien herausgegeben, und zwei davon meines Wissens mit seiner Wiener Akademie eingespielt - nur sind sie immer noch nicht auf CD erschienen.


    Die Grazer Pioniere des Cembalokonzerts waren u.a. Johann Michael Steinbacher und Johann Georg Zechner - da gibt es Noten in den DTÖ.

    Kann man igendwo im Internet die Noten einsehen (von A. Scarlatti, Durante, Seixas...)? Bei Petrucci habe ich nichts gefunden.


    Ich fürchte,nein .... von Seixas' Konzert in A-Dur gab es eine Ausgabe bei Salzmann, die aber vergriffen ist; das zweite Konzert hat Kastner ihm erst kürzlich zugeschrieben. Kontaktiere Ketil Haugsand - der Mann ist sehr nett!


    Alessandro Scarlattis Konzerte sind in einer kondenserten Notation erhalten: Cembalopart mit Angaben zu den Streichern. Ottavio Dantone hat seine Realisation herausgegeben, aber die kosten € 35,00 pro Konzert, verständlicherweise, bei der Arbeit, die dahinter steckt. (Bologna : Ut Orpheus Edizioni). Hier z.B. das erste Concerto mit Musterseite:
    "http://www.utorpheus.com/product_info.php?products_id=975" - die anderen sind dann leicht zu finden.


    Im Internet gibt es eben (gottlob) doch nicht alles.

    Danke für diese Uebersicht! Gibt es da auch Datierungen zu den einzelnen Konzerten.


    Das ist allgemein sehr schwierig wegen der oft sehr dünnen Quellenlage (Seixas nur in Kopien; Scarlatti ebenso, müssen aber aus seinen letzten zehn Jahren stammen; Händel aus der Hamburger Zeit). Ich recherchiere da schon länger über die Geschichte des "Cembalokonzerts", aber das wird noch dauern. In Österreich gibt es da auch einen ziemlich füh anzusetztenden Cluster von Komponisten.
    Ausserdem: Warum muss denn unbedingt einer der erste gewesen sein?
    Strenggenommen ist Bachs fünftes Brandenburgisches auch ein Concerto per molti stromenti.

    Trotzdem ist Bach im Bereich der Instrumentalmusik keineswegs nur "konservativ", wie eben die Brandenburgischen Konzerte zeigen. Bachs Violinsonaten mit obligatem Bass sollen ja auch noch in Köthen entstanden sein, d.h. fast 30 Jahre vor Rameaus "Pieces de Clavecin en Concert".


    Wer sagt denn konservativ? Er war ja deutlich an neuster Musik im galanten Stil interessiert ... und hat z.B. seinen ältesten zum Violinunterricht zu Graun geschickt, und nicht zu Pisendel (evt. auf dessen Empfehlung). Aber seine Stärken hat er gekannt, war der unumstrittenene Meister im Kontrapunkt, da wäre er schlecht beraten gewesen, sich auf ein Gebiet zu begeben, das andere bereits erobert hatten, Da Entwicklungen an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Tempi ablaufen, sind solche Querschnittvergleiche gefährlich und nicht überzuberwerten.
    Seine Sonaten mit den Pièces de clavecin en concert zu vergleichen geht nur, wenn man die betreffenden Bachschen Violinsonaten als Cembalosonaten mit obligater Violine sieht.

    Die Neuerungen J.S. Bachs in der Instrumentalmusik sind auch nicht zu unterschätzen: er erfand das Klavierkonzert ...


    Das kann man so nicht (mehr) behaupten. Die Idee, analog den sich emanzipierenden Geigern Konzerte mit Cembalo oder Orgel als Solinstrument zu schreiben, gab es an mehreren Orten Europas gleichzeitig: Händel hat schon in Hamburg einen Satz mit konzertanter Orgel geschrieben, ihn später als Instroduktion eines Oratoriums schon in Rom und später in London benutzt. Vom 1725 verstorbenen Alessandro Scarlatti gibt es sechs zweisätzige Konzerte für Cembalo und Streicher; auch andere Napolitaner haben damit experimentiert, von Durante ist ein Konzert überliefert.
    Von Carlos Seixas gibt es ebenfalls ein sehr früh zu datierendes Konzert, ein zweites wird ihm inzwischen auch zugeschrieben, das erste hält Ketil Haugsand für das vielleicht älteste Cembalokonzert überhaupt.
    In Leipzig haben Bach und seine ältesten Söhne, vor allem Wilhelm Friedemann, quasi gemeinsam an der Idee gefeilt. In Österreich gibt es gleich eine ganze Gruppe von Komponisten, die ohne Kenntnis Bachs, aber der italienischen Konzertform gearbeitet haben.
    Diese Idee lag in der Luft, wurde an mehreren Orten unabhängig voneinander gleichzeitig entwickelt.
    Manche überholten Behauptungen aus alten Lexika scheinen einfach nicht totzukriegen zu sein ... von den anderen Konzerten haben Autoren älterer Publikationen einfach nichts gewusst.

    Dass sich McCoy Tyner immer unwohler in der Band fühlte und diese schließlich verließ, woraufhin Coltranes Ehefrau den freigewordenen Platz einnehmen konnte, hatte andere Gründe. Zu diesen kann ich gern mal - falls gewünscht - detaillierter etwas schreiben, wozu ich allerdings meine diversen John Coltrane-Bücher benötige. Zur Zeit habe ich diese allerdings nicht zur Hand. Also muss ich Euch vertrösten.


    Sind die Bücher mittlerweile wieder aufgetaucht? ?(

    "Phonie", egal welche, ist ein westliches Denkkonzept, insofern hast Du recht. Genau das meinte ich, als ich meinte, diese Musik sei nicht polyphon.


    Ich habe die Bzeichnung "Pygmäen" übrigens nur in der Angabe des Buchtitels verwendet, aus gutem Grund. Über die Eurozentrismen der Anthopologie und Ethnologie, auch der Musikethnologie, brauhen wir uns nicht zu streiten - die Musikethnologen der letzten Jahrzehnte haben einiges geändert.

    Meine Frau und ich werden dort sein, wenn Berlioz von diesem erstklassigen HIP-Orchester dargeboten wird:


    Les Siècles
    François Xavier Roth, Leitung * Anna Caterina Antonacci Sopran


    Héctor Berlioz
    Les nuits d'été op. 7
    Symphonie fantastique op. 14a


    Alte Oper Frankfurt
    Sonntag, 23.11.2014 - Beginn: 19:00


    3. Konzert im Abonnement Sonntagabendkonzerte
    Eine Veranstaltung der Alten Oper Frankfurt


    "https://www.alteoper.de/de/programm/veranstaltung.php?id=512798998"