Beiträge von Peter Michaelow

    La Cenerentola

    Auf die Cenerentola hatte ich mich ja am meisten gefreut, weil mit Pisaroni, Corbelli und Spagnoli nur "Lieblingsstimmen" aufgeboten waren und dazu noch DiDonato, die ihre letzte Cenerentola sang. Auch Florez macht als Prinz Ramiro eine gute Figur. Lusis Dirigat - seine erste Cenerentola - fand ich persönlich nicht so ergiebig, aber eine sehr gute Begleitung.


    Wer hat es noch gesehen?

    Werther

    Ich muss gestehen: Ich habe mich gestern (un)glücklichverliebt - sozusagen auf den zweiten Blick. Werther war mir nicht völlig unbekannt, aber gestern gab es bei den Kino-Übertragungen meinen ersten szenischen Werther. Vormittags hatte ich mir mal die Aufnahme mit Alagna, Gheorgiu und Hampson bei Amazon runter geladen. Schon da war ich fasziniert von Massenets Musik. Dann bei der Live-Übertragung übertraf sich das das Orchester der Met sozusagen selber und unter der Leitung Alain Altinoglu lies es die wundervolle lyrische, leidenschaftlliche mit einer berührenden Intensität entstehen. Sängerisch wurde hohes Met-Niveau geboten: Jonas Kaufmann sagte zwar im Interview, dass er sich mit dem Werther nicht 100% identifizieren kann, aber das merkte man ihm keine Sekunde an. Für mich war das einer seiner besten Auftritte. Großartig auch Sophie Koch als kongeniale Bühnenpartnerin, bei ihrem Met und Live in HD- Debüt war natürlich noch eine gewisse Nervösität vorhanden. Starke Leistungen kamen auch Lisette Oropesa als Sophie und David Bizic als Albert. Eine Bilderbuch-Inszenierung im postiven Sinn gab es dazu von Richard Eyre. Klassisch, lebendig, in der Sterbeszene vielleicht etwas opernhaft übertrieben. Dazu ein grandioses Bühnenbild, das zusammen mit den Videos von Wandall Harrington eine optische Bereicheurng zur Musik war. In Münster gab es ein paar kleine Aussetzer im Ton, und vom Publikum viel Applaus. Für mich bisher die beste Met-Übertragung der Saison.


    Wer war noch da?

    Rusalka

    Gestern Abend dann kam endlich eine erste "Live"-Rusalka, da ich die Oper bislang nur auf CD und DVD erleben konnte. Über die Inszenierung von Otto Schenk brauchte man nicht weiter nachdenken, bissl schade, manchmal etwas unfreiwillig komisch und ein Kostümschinken. Allerdings muss ich mich Renée Fleming anschließen und fragen, warum (und wie) sitzt die Nixe im Baum? Ob Rusalka so starke Arme hat, dass sie sich ohne Füße darauf ziehen kann - da mangelt es mir einfach an Fanatasie. Gesungen hat Renée Fleming nach ihrer eigenwilligen USA-Hymne sehr stark und hatte dazu noch einen grandiosen Prinzen an der seite. Piotr Beczala hat mich zu 100% überzeugt. Einmal mehr untermauerte Yannick Nézet-Séguin meine Ansicht, dass er ein grandioser Dirigent ist. Herrlich wie das Orchester unter seiner Leitung aufblühte und Dvoraks Musik zum Schwingen brachte.


    Wer hats noch gesehen?

    Carmen - Dortmund, 01.02.

    Ich muss sagen, ich bin vom musikalischen Niveau in Dortmund mittlerweile echt begeistert. "Schuld" daran hat für mich vor allem der neue GMD Gabriel Feltz, der nachz einem tollen Don Carlos nun auch eine wundervoll differenzierte Carmen dirigierte. Halsbrecherische Tempi wechselten sich mit schönen zarten Momenten ab, das Orchster spielte bis auf wenige Ausnahmen hervorragend. Sängerisch blieb die Premiere ohne Ausfälle, auch wenn Ileana Mateescu vielleicht (noch) das gewisse Etwas in der Titelrolle fehlte. Christoph Strehl hatte ich - weil ich ihn aus Züricher Zeiten auf DVDs kenne - in dieser Form den Don jose nicht zugetraut und wurde positiv überrascht. Morgan Moody war als Escamillo ein echter Platzhirsch und Christane Kohl eine sehr gute Micaela, die ich im Duett des ersten Aktes etwas besser fand, als in ihrer Arie im dritten Akt. Auch die Comprimari waren hervorragend besetzt: Hier waren es unter anderem Fritz Steinbacher als Remendado und der grandiose Kinderchor, die mich beeindruckten. Die Inszenierung von Katharina Thoma in der andalusischen Wüste ist sicher kein großer Wurf, tut aber auch keinem Weh und hat auch einige starke Bilder. Kann man sich also bedenkenlos ansehen.

    Ich habe heute moregn ein bisschen in die Aufzeichnung reingeschaut, die Inszenierung hat mich nicht besonders umgehauen, allerdings ist die Detailarbeit von Tcherniakov. seine Personenführung, nicht zu übersehen. Diana Damrau hat mir technisch sehr gut gefallen als Violetta, und besonders gut fand ich den Lucic mit großem Einfühlungsvermögen, der nicht nur den dreisten Kalkulator sondern auch den liebenden Vater stimmlich demonstrieren konnte.

    Premiere: Die Zauberflöte - Münster

    Ein paar Sätze muss ich ja noch nachreichen zur Münsterschen "Zauberflöte", die gemessen am Applaus eine der stärksten Produktionen der letzten Jahre war. Und einer bekam - stellvertretend für ein Kollektiv - die volle "Breitseite" des Publikums ab. Als GMD Fabricio Ventura beim Schlussapplaus vor das Orchester trat, erhob sich das Publikum fast gleichzeitig. Ich schätze ja Venturas Arbeit in Münster ja eh immer sehr, aber dieser schlanke, filigrane Mozart, den das ganz stark spielende Sinfonieorchester da aus dem Graben zauberte - es erinnerte an Interpretationen von Gardiner und Norrington - war einfach nur großartig. Die Sänger können da nicht ganz so mithalten, machen aber einen recht ordentlichen Eindruck - vor allem weil sie auch darstellerisch stark gefordert waren. Kobie van Rensburg erzählte auf seine ganz eigene Art das Märchen von der Zauberflöte, indem er es mit klug eingesetzer Videotechnik in ein "Star Wars" - "Stargate" - "StarTrek" - Mischmasch-Universum versetzte. Und weil das so gut funktionierte, weil sich diese Oper in diesem Umfeld fast von selbst erzähle (man muss also kein Fan sein, auch wenn man dann manche "Insider" nicht mitbekommt) , weil van Rensburg so viele unterhaltsame Einfälle auf die Bühne brachte (Spock, die Ewoks, Darth Vader, Darth Maul usw), und weil dem ganzen auch nicht eine ernste Unterebene fehlte, bekam van Rensburg ebenfalls begeisterten Applaus ab. Schon zur Pause hagelte es Bravos - das hat man in Münster schon lange nicht mehr erlebt. Bravo!

    Tosca

    Die Nase scheint sich ja wohl keiner angesehen zu haben, wenn ich das Schweigen nach meinem letzten Post richtig interpretiere.
    Wie sieht es denn mit der "Tosca" aus? Ich hatte mir die Premiere im Radio angehört und war über die Stimmen da nicht gerade glücklich gewesen. Gestern Abend klang das sehr viel kontrollierter und sauberer, wenngleich auch nicht immer erstklassig. Frizzas Dirigat hat mich nur selten mitgerissen. Und auch die Inszenierung von Bondy war nicht besonders aufregend. Und doch hat der Abend eine gewisse Wirkung gehabt.

    Dringende Frage zu Tosca

    Liebe Forianer,
    nachdem ich all meine Bücher und Programmhefte erfolglos durchstöbert habe, wende ich mich an euch:
    Ich meine ein Zitat von Puccini zum Thema "Tosca" zu kennen: Sinngemäß bedeutet es soviel wie: In La Boheme haben wir die Zuschauer gelehrt, was Liebe bedeutet, nun lassen wir sie leiden.


    Kennt jemand dieses Zitat in seinem richtigen Wortlaut und kann es mir hier schreiben?


    Vielen Dank im Voraus!

    Moby-Dick

    Ich tue mich mit zeitgenössichen Opern ja immer etwas schwer, aber diese DVD, zufällig bestellt, weil ich die Geschichte von Ahab und dem weißen Wal einfach mag, hat mich in jeder Hinsicht - von der Musik bis zur Inszenierung begeistert! Und keine Angst - es ist sehr angenehme Musik.


    Die Nase

    Ich gebe direkt zu Beginn zu, dass ich wohl mit Schostkowitsch Opern nie ganz warm werde. Dennoch war die Übertragung der Nase für mich eine echte Bereicherung in meinem Opernleben. Daran hatte bestimmt auch die tolle Produktion von Kentridge seinen Anteil, die diese skurille Story brilliant auf die Bühne der Met brachte. Das war ein echtes Kunststück, ein spannender Bühnenzauber und eine hervorragende Personenführung. Wie zu erwarten, bleib das Publikum dieser Übertragung fern. Münster kam gerade eben auf knapp 250 Besucher (bei einer Bekannten von mir waren es vier...) Die ersten Besucher gingen schon wieder nach zwanzig Minuten, es folgten weitere. Einige schnarchten auch selig vor sich hin. War noch jemand da?

    Hier meine Kurzeindrücke zum Macbeth: Der offene Bühnenraum wird tatsächlich einges geschluckt haben, aber vor allem haben die Sänger von Macduff und Lady Macbeth darunter zu Leiden gehabt. Ob Gun-Brit Barminsich einen Gefallen mit Rollen wie Lady Macbeth tut, ist sicher eine andere Frage. Allerdings muss man ihr sehr hoch anrechnen, wie sie versucht hat die Rolle aus einem wirklich gut gesungenen Piano heraus zu gestalten. Auch die fabelhaften Essener Philharmoniker lieferten ein wirklich spannendes Piano ab, sehr stimmungsvoll, doch leider versäumte der neue GMD Netopil es, auch die dramatische Seite in Schwingungen zu setzen. Psychologisch stark und dramatisch schwach war die Inszenierung von David Herrmann.

    Sa, 19.10.2013

    Heute kommen zwei Aufführungen im Radio, die hoch interessant klingen:


    19:00 Uhr France Musique:
    Les Noces de Figaro de Mozart - Un concert donné à
    la Salle Pleyel, Paris
    RENE JACOBS dirige le FREIBURGER BAROCKORCHESTER


    LES NOCES DE FIGARO, version concert
    OPERA EN QUATRE ACTES K. 492 (1786)


    MUSIQUE DE WOLFGANG AMADEUS MOZART (1756-1791)
    Freiburg Baroque Orchestra


    The Youth Choir of Paris
    René Jacobs: Management
    Pietro Spagnoli:
    Count Almaviva
    Rosemary Joshua: Countess Almaviva
    Sophie Karthauser
    Susanna
    Konstantin Wolff: Figaro
    Anett Fritsch: Cherubino
    Isabelle
    Poulenard: Marcellina
    Marcos Fink: Bartolo, Antonio
    Thomas Walker: Basilio,
    Don Curzio
    Lore Binon: Barbarina


    (Werde ich am 01. Dezember in Köln sehen :juhu: :juhu: )


    Und:


    19:30 Uhr Radio Österreich


    Wolfgang
    Amadeus Mozart: "Cosi fan tutte"
    Mit Malin Hartelius (Fiordiligi),


    Marie-Claude Chappuis (Dorabella),
    Martina Janková (Despina),


    Martin Mitterrutzner (Ferrando),
    Luca Pisaroni (Guglielmo)


    Gerald Finley
    (Don Alfonso)
    Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor,
    Wiener Philharmoniker;


    Dirigent: Christoph Eschenbach
    (aufgenommen im Haus für Mozart
    im August im Rahmen der "Salzburger Festspiele 2013") (3 hrs., 18 min.)

    Eugene Onegin

    So, gestern Abend ging es wieder los. Eugene Onegin hat mich szenisch kaum angesprochen, das war für mich mehr Ausstattungstheater als wirklich eine emotionale Oper. Dass die Aufführung so oberflächlich blieb, kann aber auch daran gelegen haben, dass Deborah Warner vor den Proben gesundheitsbedingt ausstieg, und die Proben von Fiona Shaw geleitet wurden. Bei den Sängern überraschte mich eine wirklich toll gesungene Tatjana von Anna Netrebko und Piotr Beczala als Lenski. Mariusz Kwiecien (Onegin) steigerte sich von Akt zu Akt.


    Wer war noch da?