Beiträge von Lionel

    RE: RE: Sibelius - Schauspielmusiken --- Wo bleibt die Spannung ?

    :?: Was sagst Du zu meinen Eindrücken über die Schauspielmusiken ?

    Hallo Wolfgang,


    Deine Eindrücke akzeptiere ich und kann sie teilweise nachvollziehen aber ich habe eine andere Erwartungshaltung an die Sparte "Schauspielmusik".


    Jean Sibelius hatte bei seinen Schauspielmusiken sicher nicht das Ziel oder die Absicht Musik zu komponieren, die einem "vom Hocker haut", um Deine Formulierung zu verwenden. Bei einer Schauspielmusik spielt die Musik eine untergeordnete Rolle, denn viele Passagen untermalen gesprochene Dialoge bzw. Szenen. In gewisser Weise ist die Schauspielmusik eine Art Vorläufer der Filmmusik, denn beide Genres dürfen sich nicht zu sehr in den Vordergrund drängen, um nicht vom Schauspiel bzw. dem Film abzulenken. Aus diesem Grund sind viele Musikstücke eher zurückgenommen und haben einen intimen Charakter. Aus dem Grund kann man das auch nicht mit der Oper vergleichen. Lediglich in den Ouvertüren oder Zwischenakt-Musiken, also den Stücken, die keinen Dialog untermalen, haben die Stücke einen expressiveren Charakter. Sibelius hat auch ein beachtliches Geschick entwickelt, um besonders die "Seelenlandschaften" der Figuren in den Schauspielmusiken auszudrücken.


    In den Suiten, die Jean Sibelius von vielen, leider nicht allen, Schauspielmusiken zusammenstellte, klingen viele Stücke dann doch etwas stringenter und komprimierter und der Zusammenhang erschließt sich so vielleicht auch besser, als wenn man die gesamte Schauspielmusik hört.


    Meiner Meinung nach aber ist es nicht so, dass Jean Sibelius die Schauspielmusiken lustlos komponierte oder als notwendiges Übel betrachtete, nur um Geld damit zu verdienen. Jean Sibelius hatte ein großes Interesse an dieser Gattung, sonst hätte er nicht so viele Werke komponiert. Sicherlich entsprach das auch einer gewissen Modeerscheinung der damaligen Zeit; zumindest in Finnland schien die Kombination von Schauspiel und Musik sehr beliebt gewesen zu sein.


    Interessant ist, dass sich in einigen Schauspielmusiken Passagen finden, die Sibelius dann später in seinen sinfonischen Dichtungen bzw. Sinfonien wieder aufgriff bzw. weiter ausarbeitete, z. B. gibt es in "Schwanenweiß" eine Flötenpassage, die im langsamen Satz der 5. Sinfonie in leicht veränderter Form wieder auftaucht oder die Rufe der Kraniche aus "Kuolema" erinnern mit ihren Quinten- und Sexten an die Trompetenrufe im ersten Satz der 5. Sinfonie.


    Man muss natürlich nicht alles von einem Komponisten mögen, z. B. stellt Sibelius`Kammermusik bei mir auch noch ein weitgehend unbekanntes Terrain dar. Dennoch bin ich der Meinung, dass zumindest die Schauspielmusiken von Sibelius eine wichtiges Mosaikstein in seiner Orchestermusik darstellen und es sich durchaus lohnt, die bekannten Pfade seiner Sinfonien und sinfonischen Dichtungen mal zu verlassen und sich auf diese Werke einzulassen und wenn es "nur" die Suiten daraus sind. Ausserdem hat Jean Sibelius in der Sparte "Musikdrama" leider nur die kurze Oper "Die Jungfrau im Turm" komponiert, so dass die Schauspielmusiken eine interessante Ergänzung in Bezug auf den "Musikdramatiker" Sibelius bieten.


    Gruß
    Lionel

    Die Eidechse (Ödlan), op. 8


    Diese Schauspielmusik basiert auf dem traumähnlichen Schauspiel von Mikael Lybeck (1864 - 1925) aus dem Jahr 1908. Jean Sibelius begann mit der Komposition im Juni 1909. Zu dieser Zeit erholte sich Sibelius von der Halsoperation vom Mai 1908, wo ihm in Berlin ein Geschwulst, ein Folge seines starken Alkohol- und Nikotinkonsums, entfernt wurde. Daraufhin beschloss Sibelius, ganz auf Alkohol und Nikotin zu verzichten. Diese Abstinenz dauerte immerhin sieben Jahre und Sibelius`Ehefrau Aino bezeichnete diese Jahre als glücklichste Zeit in ihrem Leben.


    In dieser Zeit zog sich Sibelius fast komplett in seinem Haus in Aionla auf und komponierte in sich gekehrte Werke, z. B. Nächtlicher Ritt und Sonnenaufgang und Luonnotar. Zu diesen Werken zählt auch die Schauspielmusik zu Die Eidechse.


    In dem Stück geht es um den empfindsamen Träumer Graf Alban, dessen Ehefrau Elisiv, die das Reine und Schöne verkörpert und um Adlan, die das Böse verkörpert und einen Eidechsenanzug trägt. Elisiv und Adlan kämpfen um Albans Seele, die jede für sich gewinnen will. Dabei kommt Elisiv ums Leben und Alban tötet aus Rache Adlan und damit vernichtet er auch das Böse in sich.


    Sieblius reizte vor allem die traumähnlichen Sequenzen, die ihn zu einer sehr herben, expressiven Musik inspirierte, die damit bereits auf die wenig später entstandene vierte Sinfonie erinnert. Sibelius sagte: "In der Traumepisode lasse ich meinem Einfallsreichtum freien Lauf." Die Partitur umfasst nur 33 Seiten und die Orchesterbesetzung besteht nur aus Streichern. Sibelius wollte, dass diese Musik nur von 9 Musikern gespielt werden soll.


    Die Erstaufführung fand am 6. April 1910 im Schwedischen Theater in Helsinki statt. Das Werk zählt auch heute noch zu den am seltensten gespielten Werken von Jean Sibelius. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass die Musik sehr eng an das Schauspiel gebunden ist und Sibelius auch nie eine Bearbeitung für den Konzertsaal erstellt hat. Die Partitur erschien erst 1994 im Druck.


    Die einzigste mir bekannte Aufnahme dieser Schaupielmusik ist diese:



    Juha Kangas und das Ostrobothnische Kammerorchester bieten eine sehr ausgefeilte Interpretation und die expressiven Momente werden sehr gut umgesetzt.


    Lionel

    König Kristian II (Kung Kristian II), op. 27


    Im Jahr 1898 vollendete der Schritsteller Adolf Paul (1863 - 1943), der mit Jean Sibelius befreundet war, sein Theaterstück König Kristian II. Sibelius hatte versprochen, dazu die Bühnenmusik zu schreiben. Kurz vor der Premiere im Februar 1898 trafen sich die beiden: "Hier hast du eine Ouvertüre, eine Elegie für Streichorchester - kurz, aber gerade was man braucht, um den Leuten vor ihre alltäglichen Sorgen einen Vorhang zu ziehen."


    Das Schauspiel erzählt die Geschichte des Königs Kristian II von Dänemark, Norwegen und Schweden und seiner Geliebten Dyveke, die im 16. Jahrhundert lebten.


    Die ursprüngliche Bühnenmusik hatte vier Teile. Die Elegie für Streicher ist einer der schönsten melodischen Einfälle von Sibelius. Das Thema löst sich in improvisationsartigen Cello-Passagen aus, als wenn man in Gedanken die Vergangenheit aufzuspüren versuchte. Sieblius scheint das Gefühl von Sehnsucht und Wehmut in der überraschenden Schlußformel zu konzentrieren. Die Musette wurde im Schauspiel unter dem Fenster von Dyveke gespielt. Man machte sich damals den Spaß, die Melodie mit dem Text "Ich gehe ins Kämp zurück" zu singen. Das "Kämp" war damals in Helsinki ein Restaurant und Sibelius gehörte zu den trinkfestesten Gästen. Durch den Klang der Klarinetten und der Fagotte erinnert der Tanz vortrefflich an einen Dudelsack-Tanz.


    Das Menuetto entstand bereits 1894 und wurde zu Beginn des dritten Aktes gespielt und zeigt Sibelius von seiner neoklassischen Seite.


    Im Frühling 1898 hielten sich Paul und Sibelius in Deutschland auf. In Leipzig arrangierte Paul ein Treffen mit Oskar von Hase, dem Direktor von Breitkopf & Härtel. Dieser erwarb dann auch das deutsche Verlagsrecht an der ganzen Suite.


    Im Sommer desselben Jahres komponierte Sibelius drei neue Stücke, die vor allem die Suite ergänzen sollten. Das Nocturne könnte die Liebesszene zwischen dem König und Dyveke begleiten. Das Orchester erzeugt hier einen beinahe italienisch-sinnlichen Klang. Bei einer frühen Aufführung in Leipzig wies ein Kritiker auf Mascagni hin. Die Serenade erinnert mit ihren spätromantischen Klangfarben und der Harmonik bereits an die 1. Sinfonie. Die Ballade schildert vom sog. Stockholmer Blutbad, das der König, von den Schweden deshalb "Kristian der Tyrann" genannt, verübt worden war. Sie gipfelt in einem immer wilderen Tanz und endet abrupt mit einer Generalpause. Die folgende fallende Akkordserie schildert schon fast auf drastische Art und Weise, wie die Köpfe der hingerichteten schwedischen Adeligen unter dem Fallbeil fallen.


    Im Dezember 1898 dirigierte Robert Kajanus (1856 - 1933) die Suite zum ersten Mal im Konzert. Die Kritik lobte "die prachtvolle Orchestrierung". Sibelius selbst war auch zufrieden. An Paul schrieb er: "Die Musik klingt ausgezeichnet und die Tempi scheinen korrekt zu sein. Es ist das erste Mal, dass ich etwas auch meiner Meinung nach Fertiges zustande gebracht habe."


    Die Suite erfreute sich dann auch schnell großer Beliebtheit. Im Jahr 1900 führte sie Kajanus mit seinem Orchester auf einer Welt-Tournee auf und Henry Wood (1869 - 1944) dirigierte die Suite im Jahr 1901 bei den Promenadenkonzerten in London.


    Jean Sibelius dirigierte die Suite selbst auch immer wieder gerne in Konzerten. So stand das Werk auch bei seinem letzten Auftritt im Ausland als Dirigent bei einem Konzert in Kopenhagen im Jahr 1926 auf dem Programm.


    Von der Suite zu König Kristian II habe ich zwei verschiedene Aufnahmen jeweils mit den Göteborger Sinfonikern unter der Leitung von Neeme Järvi:



    und



    Neeme Järvi läßt sich in der früheren Aufnahme insgesamt etwas mehr Zeit und betont damit mehr den lyrisch-melancholischen Charakter der Musik. In der neueren Aufnahme betont Järvi dafür mehr die dramatischen Teile. Insgesamt ergänzen sich diese beiden Aufnahmen daher ganz gut.


    Lionel

    Der Tod (Kuolema), op. 44/op. 62a/b


    Im Spätherbst 1903 arbeitete Jean Sibelius zeitgleich an seinem Violinkonzert und an der Musik zu dem Schauspiel "Kuolema", das sein Schwager Arvid Järnefelt (1861 - 1932) geschrieben hatte. Eero Järnefelt, der Sohn des Autors, erinnert sich: "Eines sonnigen Morgens kam Sibelius zu uns und setzte sich ans Klavier. Mein Vater (Arvid Järnefelt) erklärte ihm das Stück und Sibelius begann zu spielen. Jäh rief er aus: 'Mein Gott, was für ein heller Sonnenschein ! Wenn ich einen Frack hätte, würde ich besser spielen können !' Und er spielte weiter. Erstmals ertönte die Melodie der Valse triste. Ich war bei der Geburt zugegen."


    Sibelius schrieb insgesamt sechs Musiknummern, op. 44, die hauptsächlich für Streicher gesetzt sind. In den Sätzen 2 und 3 treten Singstimmen, im fünften Satz eine Baßtrommel und im Finale Kirchenglocken hinzu.


    Zum Inhalt:


    Im ersten Akt schläft eine schwerkranke Frau in ihrem Bett, an dessen Seite sitzt ihr kleiner Sohn Paavli. Im Traum sieht die Mutter Tänzer, die im Stück eine eigene Szene haben. Die Musik entwickelt sich zu einem Walzer und die Tänzer tanzen mit der Mutter aber sie ist erschöpft und die Tänzer verlassen den Raum. Dabei erwacht die Mutter und sie fängt wieder zu Tanzen an und die Tänzer kommen wieder in den Raum. Die Musik bricht ab als der Tod dreimal an die Tür klopft. Im gleichen Augenblick verschwinden die Tänzer. Der Tod erscheint der Mutter in Gestalt ihres verstorbenen Gatten und holt sie zu sich.


    Im zweiten Akt ist Paavli ein junger Mann. Es tobt ein Wintersturm als er singend zum Häuschen einer alten Hexe kommt, die krank in ihrem Bett liegt. Im Haus der Hexe vollbringt Paavli gute Taten: er macht Feuer und backt Brot. Zum Dank erhält er von der Hexe einen Ring, mit dem er seine zukünftige Braut sehen kann. Die Szene wechselt sofort zu einem sommerlichen Wald und man sieht das junge Mädchen Elsa, die für sich ein verträumtes Lied singt.
    Paavli und Elsa schlafen nebeneinander im Wald ein. Als sie erwachen will Paavli seine Reise fortsetzen aber Elsa bittet ihn, bei ihr zu bleiben. In diesem Moment fliegt eine Schar Kraniche vorbei. Ein einzelner Vogel löst sich und bringt Elsa und Paavli ein Baby. Gleichzeitig erkennt Paavli in den Rufen der Kraniche die Stimme seiner verstorbenen Mutter.


    Der dritte Akt spielt einige Jahre später. Paavli hat seine ganzen Ersparnisse dafür aufgewendet, um einen Kindergarten einzurichten. Als das Haus von Paavli und Elsa Feuer fängt, bleibt Paavli allein im brennenden Haus zurück und er denkt über sein Leben und seine Taten nach. In den Flammen erscheint ihm der Geist seiner toten Mutter, die eine Sense in der Hand hält. Sie ist gekommen, um ihn zu holen. Schließlich bricht das brennende Haus in sich zusammen.


    In der Schlußszene bemühen sich die Dorfbewohner freundlich um Elsa und die Kinder. Elsas letzte Worte deuten an, dass Paavli nicht tot, sondern in den Herzen der Menschen weiterlebt.


    Zum Werk:


    Die erfolgreiche Uraufführung fand am 2. Dezember 1903 am Finnischen Nationaltheater in Helsinki statt und Sibelius dirigierte selbst das Orchester.


    Jean Sibelius arbeitete 1904 die erste Nummer zum berühmten Valse triste um und zwar fügte er ein abschließendes Stretto hinzu und er erweiterte die Orchesterbesetzung mit Bläsern und Pauken. Die Stelle im Schauspiel als der Tod dreimal an die Tür klopft wird in der revidierten Fassung mit den abschließenden drei Akkorden in der vier Soloviolinen dargestellt. Im Jahr 1906 fügte Sibelius das dritte und das vierte Stück zusammen und nannte dies "Szene mit Kranichen (Scen med tranorna).


    Im Jahr 1911 revidierte Arvid Järnefelt das Stück eingehend mit der Folge, dass nur der erste Akt nahezu unverändert blieb. Die folgenden Akte aber wurden wesentlich verändert, so dass Sibelius Musik dazu nicht mehr passte. Järnefelt sah zwei Tanzszenen vor für die Sibelius das Rondino, später Canzonetta op. 62a genannt und den Valse romatique, op. 62b komponierte.


    Als Igor Strawinsky im Jahr 1961 Helsinki besuchte sagte er über die Canzonetta: "Ich mag diese Art nordische, italianisierende Melodik - Tschaikowsky verwendete sie auch - die ein Bestandteil, noch dazu ein attraktiver, der Petersburger Kultur war." Als Strawinsky im Jahr 1963 den Sibelius-Preis des finnischen Wihuri-Fonds bekam, instrumentierte er als Hommage die Canzonetta für vier Hörner, zwei Klarinetten, Harfe und Kontrabaß.


    Das bekanntest Stück aus der Kuolema-Musik ist ohne Zweifel der Valse triste, der in vielen Aufnahmen z. B. als "Lückenfüller" von Sinfonien-Aufnahmen eingespielt wurde. Lohnend ist aber, die komplette Musik kennenzulernen. Entweder in der inzwischen vorliegenden Originalfassung von 1903 oder in den revidierten Teilen inklusive der 1911 zusätzlich komponierten Tanzszenen. Allein die Szene mit Kranichen bzw. in der Originalfassung als Elsa`s Lied gehört zum Schönsten, was Jean Sibelius komponierte.


    Folgende CD-Empfehlungen kann ich geben:


    Revidierte Fassung:


    und die Originalfassung:


    Diese Aufnahme ist auch wegen der ersten vollständigen Aufnahme der Karelia-Musik interessant und spannend. Der zeitgenössische finnische Komponist Kalevi Aho (*1949) hatte 1997 diese Rekonstruktion erstellt.


    Lionel

    Vielleicht ist die WAV-Datei unspielbar, weil sie nicht richtig abgeschlossen wurde und Daten zum identifizieren fehlen.


    Im Internet habe ich Hinweise auf folgende Programme gefunden, die glaube ich kostenlos sind und die unter Umständen in der Lage sind, solche defekten WAV-Dateien noch zu retten:


    "http://www.celestialaudio.com/freebie.htm"


    "http://railjonrogut.com/WAV%20Saver.htm"


    Vielleicht hilfts ja; allerdings habe ich keine Erfahrungen mit diesen Programmen.


    Lionel

    Ein anderes Dichterwort, das mir allerdings, mit Verlaub, besser gefällt:

    Errät jemand den Urheber?

    Der Urheber heisst mit Nachnamen so wie man einen männlichen Bewohner des Bundeslandes nennt, in dem ich wohne.


    Ich bleibe bei Jean Sibelius:



    Lionel

    Pelléas und Mélisande (Pellèas ja Mélisande), op. 46


    Pelléas und Mélisande ist vielleicht die bekanntest Schaupielmusik von Jean Sibelius. Jean Sibelius begann bereits im Jahr 1904 mit der Komposition aber er bekam erst ein Jahr später vom Schwedischen Theater in Helsinki den Auftrag zur Komposition einer Schaupielmusik zu Maurice Maeterlincks Schaupiel. In einem Brief schrieb Sibelius: "Natürlich konnte ich es nicht lassen, für das Theater zu komponieren. Eine alte schlimme Angewohnheit von mir !".


    Maeterlincks Schaupiel wurde am 17. März 1905 in Helsinki zusammen mit der Musik von Sibelius erstmals aufgeführt und es war das Theaterereignis des Jahres. Jean Sibelius stand selbst am Dirigentenpult und der Saal war ausverkauft. Die Theaterkritiker konzentrierten sich zwar mehr auf das Schauspiel und weniger auf Sibelius`Musik aber diese wurde schon respektvoll bewertet. Insgesamt gab es 18 Aufführungen, von denen Sibelius 6 dirigierte.


    Die ursprüngliche Bühnenmusik umfasste 10 Musiknummern, von denen 9 in die im gleichen Jahr angefertigte Suite übernommen wurden.


    Die Gesamtwirkung der Musik ist ganz anders als in Debussys verinnerlichter Oper über den gleichen Stoff. Das Vorspiel zum ersten Akt schildert ein eindrucksvolles Bild von Schloß Allemonde, dem Schauplatz der lyrisch-tragischen Geschichte von Golaud, seiner geheimnisvollen jungen Gattin Mélisande und seinem Halbbruder Pelléas. In den weiteren Sätzen werden vor allem die verschiedenen Orte beschrieben, an denen sich die Beziehung zwischen Pelléas und Mélisande vom Verspielten bis zum Erotischen steigert und in Golaud langsam die Eifersucht erweckt, die schließlich zu Mélisandes Tod führt.


    Jean Sibelius hat es sehr gut verstanden, die verschiedenen Stimmungen in den einzelnen Szenen durch differenzierte Farbgebungen und Charakterisierungen darzustellen. Wenn Sibelius die Suite im Konzert dirigierte, gab es immer Überraschungen, weil es in der Musik so gut wie keine aggressiven Ausbrüche. Stattdessen ist die Musik von einer ruhigen, vornehmen Atmosphäre geüprägt.


    Folgende Aufnahmen liegen mir vor, die ich auch empfehlen kann:




    Letztere Aufnahme ist insbesondere wegen der Scènes historiques I & II besonders interessant.


    Lionel

    Hallo,


    ich bin zwar kein Technik-Experte aber vielleicht funktioniert es, wenn Du die WAV-Datei in eine Mp3-Datei umwandelst. Das geht z. B. mit dem "Free Mp3 Wma-Converter", siehe hier: "'http://www.chip.de/downloads/Free-Mp3-Wma-Converter_30213923.html"


    Dieses Programm kennt so ziemlich alle gängigen Formate und es ist kostenlos. Sicherlich bedeutet ein Kovertierungsvorgang einen Qualitätsverlust aber immer noch besser als wenn die gesamte Datei nicht mehr abspielbar ist.


    Lionel

    Meiner Meinung nach hat Mahlers 1. Sinfonie nichts mit Charles Ives und seiner "Collagentechnik" zu tun. Das ist schon eher im ersten Satz von Mahlers 3. Sinfonie der Fall, weil dort die verschiedenen Marschrhythmen teilweise übereinandergeschichtet und gegeneinander gesetzt sind. Das klingt teilweise wie eine Vorwegnahme des 2. Satzes aus Ives "Three Places in New England" (Putnam's Camp, Redding, Connecticut).


    Zurück zur 1. Sinfonie:
    Meistens wird ja die viersätzige Fassung gespielt. Ursprünglich hatte die Sinfonie 5 Sätze, d. h. an zweiter Stelle gab es den mit der Überschrift "Blumine" benannten Satz. Dieser Satz soll aus einer verloren gegangene Schauspielmusik zu Scheffels "Der Trompeter von Säckingen" zurückgehen, die Mahler während seiner Zeit in Kassel 1884 komponierte. Daher hat die Solo-Trompete auch eine führende Stimme in diesem Satz und mit der kammermusikalischen Orchesterbegleitung schafft Mahler hier eine sehr intime, idyllische Stimmung. Entfernt erinnert dieser Satz mit der Solo-Trompete an das Posthorn-Solo in der dritten Sinfonie.


    Nach der dritten Aufführung der 1. Sinfonie im Jahr 1894 entfernte Mahler diesen Satz aufgrund heftiger Kritik. Lange war der "Blumine"-Satz dann verschollen und erst 1966 wurde er wieder entdeckt. Im Jahr 1967 dirgierte Benjamin Britten "Blumine". Allerdings haben viele berühmte Mahler-Dirigenten, z. B. Bernstein, diesen Satz nie dirigiert. Vielleicht weil er nach deren Meinung schlicht und einfach nicht in dieses Werk passt und einen Fremdkörper darstellt. Andere führten diesen Satz zwar auf bzw. haben ihn aufgenommen aber platzierten ihn dann meist nie an der ursprünglichen Stelle. Stattdessen wurde "Blumine" meist vor oder nach der 1. Sinfonie gestellt.


    Ich kenne "Blumine" nur in dieser Aufnahme aus dem Jahr 1969:



    Hier steht "Blumine" auch an der zweiten Stelle. Insgesamt eine sehr klangschöne Aufnahme.


    Lionel

    Als nächstes möchte ich die folgende Schaupielmusik vorstellen:


    "Schwanenweiß" (Svanevit), op. 54


    Im Jahr 1901 schrieb der schwedische Dichter August Strindberg (1849 - 1912) das symbolische Märchenspiel Schwanenweiß, das die Themen Liebe als Verlobungsgeschenk zum Inhalt hat, für die aus Norwegen stammende Schauspielerin Harriet Bosse (1878 - 1961), seine spätere dritte Ehefrau. 1906 gastierte sie am Schwedischen Theater in Helsinki, wo sie die Rolle der Melisande in Maeterlincks "Pelleas und Melisande" spielte und Sibelius seine gleichnamige Schauspielmusik dazu komponierte. Harriet Bosse erinnerte sich später, dass sie bei Melisandes Sterbeszene immer weinen musste als sie Sibelius dazugehörende Musik hörte.


    Harriet Bosse lernte Jean Sibelius dann auch persönlich kennen und weil sie von seiner Musik so beeindruckt war, schlug sie Strindberg vor, dass Sibelius auch zu Schwanenweiß die Schaupielmusik komponieren soll und Strindberg war damit einverstanden. Sibelius bekam dann den Auftrag letztlich vom Schwedischen Theater in Helsinki, wo die Uraufführung am 8. April 1908 stattfand. Die erste Aufführung in finnischer Sprache am Finnischen Nationaltheater fand im Jahr 1930 statt mit Sibelius` Tochter Ruth Snellmann in der Titelrolle.


    Zur Handlung:


    Hauptgestalt in diesem Stück ist die fünfzehnjährige Prinzessin Schwanenweiß, die mit ihrem Vater, einem Herzog, und ihrer bösen hexenartigen Stiefmutter in einem mittelalterlichen Märchenschloß lebt. Im Schloß wohnen einige Phantasietiere der Stiefmutter, z. B. ein Pfau. Die Stiefmutter hat drei Mädchen als Dienerinnen. Die verstorbene Mutter von Schwanenweiß erscheint als guter Geist in Form eines Schwanes.


    Als Schwanenweiß klein war, wurde es versprochen, dass sie den jungen König des benachbarten Fürstentums heiraten soll. Als nun der Gesandte des Königs, ein jugendlicher Prinz, angekommen ist, um Schwanenweiß die Hofetikette beizubringen, verliebt sie sich in diesen Prinzen und beschließt, dass sie ihn haben will.


    Nach bösen Intrigen der Stiefmutter und weiteren Irrungen und Verwirrungen bekennen Schwanenweiß und der junge Prinze ihre Liebe. Der enttäuschte junge König droht das Schloß des Herzogs abzubrennen. Daraufhin flieht der junge Prinz mit einem Boot, um seiner Bestrafung zu entgehen. Schwanenweiß ruft mit ihrem magischen Horn ihren Vater zu Hilfe. Der Herzog schlichtet die Angelegenheit und entscheidet, dass Schwanenweiß und der Prinz vereinigt werden sollen. Auch die Stiefmutter verändert sich zum Guten und sie legt ihre schlangenartige Hexenkleidung ab und wird ein Mensch. Als der Prinz mit seinem Boot zu Schwanenweiß umkehrt, ertrinkt er auf dem Weg zu ihr und sein Leichnam wird zu Schwanenweiß gebracht.


    Mit der Hilfe Gottes bringt Schwanenweiß den Prinzen ins Leben zurück, nachdem sie ihm dreimal ins Ohr geflüstert hat. In der Schlußszene knien alle Beteiligten nieder und loben Gott.


    Strindbergs Schwanenweiß erinnert an Pelleas et Melisande von Maeterlinck und hinter beiden Stücken findet man die Geschichte von Tristan und Isolde, was auch nicht verwundert, denn die Symbolisten wie Strindberg und Maeterlinck bewunderten Richard Wagner. Im Unterschied zu diesen beiden Geschichten vereinigt sich das Liebespaar in dieser Welt und nicht in der nächsten.


    Bei der Uraufführung am 8. April 1908 dirigierte Sibelius selbst das nur aus 13 Musikern bestehende Theater-Orchester. Die Theatermusik umfasst 14 Nummern und die Orchesterbesetzung besteht aus Flöte, Klarinette, 2 Hörnern, Trinagel, Pauken, Orgel und Streicher.


    Im Herbst 1908 stellte Sibelius die Theatermusik in eine siebensätzige Orchestersuite um. Im Prinzip enthält diese Suite das gesamte musikalische Material, weil Sibelius die kürzeren Sätze der Theatermusik zu längeren Sätzen umarbeitete. Des weiteren erweiterte Sibelius die Orchesterbesetzung, z. B. werden vier Hörner und eine Harfe verwendet. Die Theatermusik erschien nie im Druck.


    Erst die Aufnahme von Osmo Vänskä enthält zum ersten Mal die komplette Schauspielmusik:


    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/i…I/51i6AINBUAL._SS500_.jpg
    http://www.amazon.de/Orchester…F8&qid=1307823683&sr=1-28


    Diese Aufnahme ist nicht nur deswegen zu empfehlen, sondern auch, weil sie noch zwei weitere Ersteinspielungen enthält: Die sinfonsiche Dichtung "Die Waldnymphe" (Skogsraet, 1894), op. 15 in der Orchester- und der Melodrama-Fassung.


    Bezüglich der Suite kann ich die bereits genannte Aufnahme von Neeme Järvi empfehlen:



    Lionel

    Ich mache dann mal gleich weiter:


    Da ich gestern die Aufnahme von Jean Sibelius "Jedermann"-Schauspielmusik anhörte und sich auf dieser Aufnahme ebenfalls eine weitere Schaupielmusik befindet, möchte ich diese auch vorstellen:



    Belsazars Gastmahl (Belsazars gästabud), op. 51



    „Belsazars Gastmahl“ basiert auf Hjalmar Procopes (1868 – 1927) gleichnamigen Buch, das 1905 erschienen ist. Procopes Buch basiert auf dem 5. Kapitel des Buchs Daniel im Alten Testament.


    Zur Handlung:
    Mitten auf dem Stadtplatz von Babylon steht ein Götzenbild, vor dem sich jeder verbeugen muss. Elieser, der jüdische Ratgeber des Königs, erklärt, dass die junge Jüdin Leschanah von Gott für eine wichtige Aufgabe auserwählt wurde: die Ermordung des Königs Belsazar.


    Der jüdische Prophet Ben Oni geht an dem Götzenbild vorbei, ohne sich zu verbeugen und wird festgenommen. Die Tänzerin Khadra, Belsazars bevorzugte Sklavin, ist auch anwesend und sie verliebt sich in den Propheten und sie will ihn besitzen, wenn auch nur für eine Nacht und sie ist so von ihm fasziniert, dass sie ihn unbedingt küssen will aber dieser reagiert ablehnend.


    In einem Festzug erscheint der König Belsazar und Leschanah, die einen Dolch in der Hand trägt. Belsazar verliebt sich in Leschanah und bringt sie in seinen Palast, die ihm bereitwillig folgt.


    Sibelius schildert diese Szene mit einem Marsch mit einer sich stetig steigernden Dynamik. Besonders dominant sind dabei die Schlaginstrumente kombiniert mit dem
    schrillen Klang der Piccoloflöte in ihren höchsten Lagen.


    In der sternenklaren Nacht ruht Leschanah, die von anderen Sklavinnen umgeben ist, auf ihrem Bett und ihr erscheinen die funkelnden Sterne, als wenn diese miteinander sprechen würden. Musikalisch setzt dies Sibelius mit einem expressiven Solo der Flöte um, begleitet von einem differenzierten Streichergeflecht.


    Im Palast ist Leschanah die Favoritin von Belsazar geworden. Sie hält das Zepter des Königs in ihrer Hand, das die Macht verleiht, über Leben und Tod zu entscheiden. Die verdrängte Khadra verspottet Leschanahs bescheidene Herkunft. Leschanah verlangt von Belsazar Khadras Kopf. Dieser kann die Entscheidung nicht beeinflussen, da Leschanah das mächtige Zepter hat aber seine Gefühle zu Leschanah erkalten. Die Entscheidung, Khadra zu töten, kann aber nicht mehr rückgängig gemacht werden.


    Belsazar gewährt Khadra einen letzten Wunsch und veranstaltet ein Fest bei dem Khadra ein letztes Mal vor ihm tanzen kann.


    Bei diesem Fest tragen alle schöne Gewänder und es werden erlesene Speisen und Getränke gereicht. Khadra setzt sich neben dem König und die Sklavinnen servieren den Gästen die Speisen. Die Musik erzeugt eine dunkle, lebhafte, aufregende und orientalische Atmosphäre. Auch hier haben die Schlaginstrumente eine wichtige Rolle. Die Musik endet mit Leschanahs Auftritt.


    Khadra tanzt ihren „Tanz des Lebens“ auf Rosen und Tigerfellen. In der Musik alterniert ein Duo von Flöte und Klarinette diese anmutige Musik.


    Belsazar ist von Khadras Tanz begeistert und gewährt ihrem Wunsch, aus Moses` heiligem Becher trinken zu dürfen. Aus Dankbarkeit tanzt Khadra den „Tanz des
    Todes“. Aus einer Kiste holt sie eine Kobra, die sie sich um ihren Hals legt während sie langsam dazu tanzt. Die Schlange beißt sie in ihre Brust und bevor Khadra stirbt, gelingt es ihr noch, aus Moses`Becher zu trinken.


    Ein Windstoß durchquert plötzlich den Saal und eine unsichtbare Hand schreibt die Wort „Mene, Mene, Tekel, Parsin“ an die Wand. Belsazar fordert die Weisen auf, die Worte zu deuten. Die sterbende Khadra bittet um mehr Wein und sie versucht, ihre Schmerzen durch Tanzen zu vertreiben. Das Tempo der Musik wird aber immer langsamer . Schließlich fällt Khadra zu Boden. Der Prophet Daniel erscheint, der den Text an der Wand interpretiert. Dieser bedeutet das Ende von Belsazars Herrschaft und dass Belsazar in der kommenden Nacht sterben wird.


    In dieser Nacht durchlebt Leschanah einen inneren Kampf, weil sie Belsazar nicht mehr töten will. Der jüdische Ratgeber Elieser erscheint und erinnert Leschanah an ihre Pflicht, den König zu töten. Leschanah lehnt aber ab aber Elieser versucht sie damit zu überzeugen, indem er behauptet, dass Khadra noch am Leben sei und sie sich mit dem König treffen will.


    Während dessen wartet Belsazar mit seinem Ratgeber Aspenasi darauf, dass sich die verhängnisvolle Prophezeiung erfüllt. Die Musik dazu ist spannungsvoll, ausgedrückt durch Schzehntel-Figuren in den Streichern und kurzen fanfarenartigen Wiederholungen in der Flöte.


    Leschanah erscheint in Belasazars Zimmer und es wird ihr gesagt, dass er sie nicht mehr liebt. Aus dem angrenzenden Saal tönt Khadras „Tanz des Lebens“ herüber.
    Belsazar will in den Saal gehen, um Khadras töten Körper anzusehen aber Leschanah versucht, dies zu verhindern. Die Musik wechselt vom „Tanz des Lebens“ zum „Tanz des Todes“. Leschanah zieht ein Schwert und tötet Belsazar. Sie verrät den Festgästen, dass die Juden hinter dieser Tat standen aber Elieser behauptet, dass
    Leschanah allein dafür verantwortlich ist und er zieht das Schwert aus Belsazars Brust und tötet damit Leschanah.


    Zur Musik:
    Die Theatermusik besteht aus 11 Musiknummern, von denen einige wiederholt werden. Es ist vielleicht Sibelius einzigstes Werk, in dem er ausdrücklich ein orientalisches Kolorit musikalisch darstellt. Die erste Aufführung des Schaupiels mit der Musik von Jean Sibelius fand am 7. November 1906 im Schwedischen Theater in Helsinki statt.


    Die Premiere wurde mit großem Interesse erwartet. Allerdings wurde das Stück insgesamt eher kühl aufgenommen, wobei Sibelius` Musik schon gelobt wurde. Allmählich konnte sich „Belsazars Gastmahl“ dann doch durchsetzen und es wurde vom November 1906 bis Januar 1907 insgesamt 21 Mal aufgeführt und 1914 erschien es wieder auf dem Programm. Im Jahr 1950 fand die erste Aufführung in finnischer Sprache im Volkstheater „Kansan-Teatteri“ statt.


    Sibelius stellte aus der Theatermusik eine Orchestersuite zusammen, die er selbst in einem Konzert am 25. September 1907 dirigierte. Drei Nummern hat Sibelius dabei weggelassen (die Bankettszene, der Beginn des vierten Aktes und der Dialog zwischen Belsazar und seinem Ratgeber Aspenasi). Ebefalls 1907 fertigte Sibelius eine Klavierfassung der Orchestersuite an.


    Das Orchester besteht aus Flöte/Piccolo, zwei Klarinetten, zwei Hörnern, Schlaginstrumente (große Trommel, Becken, Tamburin und Triangel) und Streicher.


    Procopes Buch „Belsazars Gastmahl“ist thematisch durchaus mit Oscar Wildes „Salome“ (1892) vergleichbar. Wildes Stück wurde 1905 am Finnischen Nationaltheater
    aufgeführt und sorgte für viel Aufsehen. 1905 komponierte dann Richard Strauss seine Oper „Salome“, die im folgenden Jahr 1906 uraufgeführt wurde. Im gleichen Jahr komponierte Sibelius die Schaupielmusik zu „Belsazars Gastmahl“ und obwohl man Strauss`Oper und Sibelius` Schauspielmusik nicht miteinander vergleichen
    kann, so gibt es zumindest in Khadras Tänzen (Tanz des Lebens und Tanz des Todes) schon gewisse stilistische Ähnlichkeiten zu Salomes „Tanz der sieben Schleier“.


    Folgende Aufnahmen aus der verdienstvollen Sibelius-Reihe bei BIS kann ich empfehlen:


    Die Suite:


    und die erste Aufnahme der vollständigen Schaupielmusik:


    Lionel

    Irgendwie bin ich heute beim großen finnischen Meister geblieben:



    Scaramouche ist eine weitere, selten gespielte Schauspielmusik von Jean Sibelius. Im Jahr 1912 erhielt Sibelius von dem dänischen Verleger Wilhelm Hansen den Auftrag, zu Poul Knudsens tragischer Pantomime Scaramouche eine Musik zu komponieren. Anfang 1913 bekam Sibelius ein neues Libretto und zu seinem Erstaunen waren da plötzlich Dialoge enthalten, obwohl es eigentlich eine Pantomime sein soll und er war nicht sonderlich erfreut darüber aber insgesamt reizte ihn der Auftrag doch so sehr, die Musik für eine ganze Pantomime und nicht nur ein paar Tänze zu schreiben, dass er weiter an der Komposition zu arbeitete.


    Sibelius vollendete die Komposition im Dezember 1913 allerdings fand die erste Aufführung der Pantomime mit der Musik von Sibelius erst am 12. Mai 1922 im Königlichen Theater in Kopenhagen statt. Die Kritik lobte die Musik und sie sei eine gelungene Mischung aus "süss und herb". Sibelius notierte kurz und knapp in sein Tagebuch: "Scaramouche war ein großer Erfolg in Kopenhagen." Im Jahr 1923 folgte die erste Aufführung am Finnischen Nationaltheater in Helsinki.


    Kurz zur Handlung:
    Scaramouche ist ein kleiner buckliger Zwerg, der Viola spielt. Diese Viola verströmt eine magische Wirkung. Er erscheint auf dem Hof von Leilon und seiner schönen Frau Blondelaine, die einen Ball geben. Dazu schreibt Sibelius eine festliche, fast schon dekadente Tanzmusik. Als Scaramouche auf dem Fest erscheint und seine magische Viola spielt stellt dies Sibelius mit einer dämonischen, stark chromatisch geprägten Musik dar. Mit seiner Musik versetzt Scaramouche Blondelaine in Trance und er verlässt mir ihr das Fest. Als sie später reumütig zu dem Fest zurückkehrt erscheint Scaramouche abermals. Blondelaine tötet Scaramouche daraufhin und versteckt seine Leiche hinter einem Vorhang. Sie begibt sich wieder zu Fest und tanzt mit ihrem Mann. Plötzlich sieht sie Blut hinter dem Vorhang hervortreten und dazu erklingen wie als böses Omen erneut die diabolischen Violaklänge von Scaramouche. Blondelaine bricht bei dieser Szene tot zusammen und Leilon, ihr Mann, verliert daraufhin seinen Verstand vor den entsetzten Augen der Festgesellschaft.


    Scaramouche ist für ein Kammerorchester geschrieben und zur Orchesterbesetzung gehört auch ein Klavier. Der finnische Dirigent Jussi Jalas (1908 - 1985), der zudem auch Sibelius Schwiegersohn war, stellte eine knapp 20-minütige Orchestersuite zusammen, die von Sibelius akzeptiert wurde. Sibelius selbst arrangierte im Jahr 1914 den "Danse elegiaque" und die "Scene d'amour" für 2 Klaviere und 1925 die "Scene d'amour" für Violine und Klavier.


    Im Jahr 1990 entstand die erste Aufnahme der kompletten Musik mit den Göteborger Sinfonikern unter der Leitung von Neeme Järvi, s. o.


    Lionel

    Irgendwie bin ich heute beim großen finnischen Meister geblieben:



    Scaramouche ist eine weitere, selten gespielte Schauspielmusik von Jean Sibelius. Im Jahr 1912 erhielt Sibelius von dem dänischen Verleger Wilhelm Hansen den Auftrag, zu Poul Knudsens tragischer Pantomime Scaramouche eine Musik zu komponieren. Anfang 1913 bekam Sibelius ein neues Libretto und zu seinem Erstaunen waren da plötzlich Dialoge enthalten, obwohl es eigentlich eine Pantomime sein soll und er war nicht sonderlich erfreut darüber aber insgesamt reizte ihn der Auftrag doch so sehr, die Musik für eine ganze Pantomime und nicht nur ein paar Tänze zu schreiben, dass er weiter an der Komposition zu arbeitete.


    Sibelius vollendete die Komposition im Dezember 1913 allerdings fand die erste Aufführung der Pantomime mit der Musik von Sibelius erst am 12. Mai 1922 im Königlichen Theater in Kopenhagen statt. Die Kritik lobte die Musik und sie sei eine gelungene Mischung aus "süss und herb". Sibelius notierte kurz und knapp in sein Tagebuch: "Scaramouche war ein großer Erfolg in Kopenhagen." Im Jahr 1923 folgte die erste Aufführung am Finnischen Nationaltheater in Helsinki.


    Kurz zur Handlung:
    Scaramouche ist ein kleiner buckliger Zwerg, der Viola spielt. Diese Viola verströmt eine magische Wirkung. Er erscheint auf dem Hof von Leilon und seiner schönen Frau Blondelaine, die einen Ball geben. Dazu schreibt Sibelius eine festliche, fast schon dekadente Tanzmusik. Als Scaramouche auf dem Fest erscheint und seine magische Viola spielt stellt dies Sibelius mit einer dämonischen, stark chromatisch geprägten Musik dar. Mit seiner Musik versetzt Scaramouche Blondelaine in Trance und er verlässt mir ihr das Fest. Als sie später reumütig zu dem Fest zurückkehrt erscheint Scaramouche abermals. Blondelaine tötet Scaramouche daraufhin und versteckt seine Leiche hinter einem Vorhang. Sie begibt sich wieder zu Fest und tanzt mit ihrem Mann. Plötzlich sieht sie Blut hinter dem Vorhang hervortreten und dazu erklingen wie als böses Omen erneut die diabolischen Violaklänge von Scaramouche. Blondelaine bricht bei dieser Szene tot zusammen und Leilon, ihr Mann, verliert daraufhin seinen Verstand vor den entsetzten Augen der Festgesellschaft.


    Scaramouche ist für ein Kammerorchester geschrieben und zur Orchesterbesetzung gehört auch ein Klavier. Der finnische Dirigent Jussi Jalas (1908 - 1985), der zudem auch Sibelius Schwiegersohn war, stellte eine knapp 20-minütige Orchestersuite zusammen, die von Sibelius akzeptiert wurde. Sibelius selbst arrangierte im Jahr 1914 den "Danse elegiaque" und die "Scene d'amour" für 2 Klaviere und 1925 die "Scene d'amour" für Violine und Klavier.


    Im Jahr 1990 entstand die erste Aufnahme der kompletten Musik mit den Göteborger Sinfonikern unter der Leitung von Neeme Järvi, s. o.


    Lionel