Beiträge von Waldi

    Es ist zumindest noch nicht so lange her, daß "Martha" an der Frankfurter Oper gegeben wurde (Nov-Dez. 2023). Im Februar 2024 wurde "Martha" in Wien in der "Oper in der Krypta" aufgeführt und das Werk ist im Salzburger Landestheater für März-Juni 2025 angesetzt.

    Über andere Länder wie Italien oder den angloamerikanischen Bereich etc. bin ich natürlich nicht informiert.

    Lortzing: van Bett:


    1. Gottlob Frick (1966, Robert Heger) - einsame Spitze, herrliche farbige Schwärze und nicht eindimensional

    2. Kurt Böhme (1966/67, Hans Gierster) - köstliche Karikatur, aber mehr oberflächlich charakterisiert

    3. Sanders Schier (1951, Carl-Alexander Häfner) - hier schwankte ich zwischen ihm und K.Chr.Kohn. der hat die noch bessere Stimme, aber in der Gestaltung ist ihm Schier eine Kleinigkeit voraus

    Weder Sotin (noch zu jung und unroutiniert) noch Ridderbusch (zu oberflächlich) kommen da ganz mit. Moll habe ich leider nicht ausreichend im Ohr, das "O sancta justitia" überzeugt mich nicht völlig..

    Im Thread über die Lieblingsinterpretationen wurde kurz andiskutiert, wieso diese Oper - deren Kompositeur man oft nachsagt, keine besonders wegweisende oder originelle Musik geschrieben zu haben - trotzdem zeitweise einen so weltweiten Erfolg hatte, insbesondere in Amerika. Da eine Fortsetzung an jener Stelle eher ein störender Einschub wäre, möchte ich die Diskussion hierher verlagern.

    Armin Diedrich hat darauf hingewiesen, daß "Martha" die geglückte Transferierung ins Italienische geschafft hat, was den rauschenden Erfolg an der New Yorker Met erklären würde. Ich denke, man muß das aber noch weiter fassen. Daß "Martha" bloß eine deutsche Spieloper darstellt, wird heute allgemein rechtens abgelehnt, aber irgendwie hängt diese einengende Charakterisierung dem Werk doch noch an, was vielleicht manche Opernfans Abstand halten läßt. Dabei finde ich, daß "Martha" einen geradezu klassisch-einheitlichen Mix diverser nationaler Strömungen verkörpert und daß gerade diese Internationalität einen wesentlichen Reiz ausmacht. Neben dem Volksliedhaften (deutsch, britisch) ist das Werk geprägt von französischem Esprit und italienischem Donizettiklang. Also nix für Chauvis und Liebhaber harter Rhythmen, aber Balsam für die, welche harmonisch-melodiöse Sanftheit schätzen, in der sich aber letztlich doch Spannung verbirgt. Der Vergleich mag ein bißchen an den Haaren herbeigezogen sein, aber in mancher Beziehung ist das wie Adalbert Stifter in Musik übersetzt. Gar nicht so biederes Biedermeier. Und gleichzeitig durchsetzt mit Ohrwurmschlagern - doch muß das unbedingt etwas Schlechtes sein?

    Friedrich von Flotows "Martha" war, wenn die Berichte stimmen, einmal die weltweit beliebteste Oper überhaupt. Und seit Caruso hatte jeder Tenor, der internationale Geltung anstrebte, "Ach so fromm" im Repertoire. Die Partie des Lyonel auf diese Parade-Arie zu beschränken, ist aber schade, denn sie hat viel mehr zu bieten. Zwar war "Martha" nach einer Phase der Popularität vor zwei bis drei Generationen dann längere Zeit eher im Abseits, aber langsam scheint das Interesse wieder zu erwachen. Die Oper verträgt "Modernisierungen" (bitte die Anführungszeichen beachten!) allerdings nicht so gut bzw. ist das nichts für Dilettanten (und ich fürchte, viele Regisseure sind im Grund solche) und sie bedarf im besonderen Maß nicht nur erstklassiger Stimmen sondern auch solcher Sänger, die neben schönen Tönen auch genügend Gestaltungskraft besitzen. Leider habe ich nie eine Live-Aufführung erlebt, aber es gibt eine Reihe ganz hervorragender Einspielungen und die Auswahl ist bei den Lyonels gar nicht leicht. Eine Reihung bei den Erstgenannten wäre eigentlich müßig, denn sie sind alle gleichwertig.

    1. Donald Grobe (1960, Walter Martin) - Der viel zu früh verstorbene Amerikaner verstand sich auf Moderne wie auf Romantik gleicherweise

    2. Ferruccio Tagliavini (1955, Francesco Molinari Pradelli) - Italienisch funktioniert es blendend und es war eine von Tagliavinis besten Interpretationen

    3. Fritz Wunderlich (1960, Berislav Klobucar) - Leider nur ein Querschnitt, aber der hat unsere gegenwärtige Auffassung wohl am meisten geprägt

    Gerechterweise muß man anfügen, daß in dieselbe 5 Stern-Kategorie auch noch drei weitere Tenöre gehören: Peter Anders (1944), Nicolai Gedda (1968) und Rüdiger Wohlers (1978, TV-Fassung). Mit vier Sternen begnügen müssen sich, weil vom Stimmtypus her nicht optimal, Waldemar Kmentt (1953) und Richard Tucker (1961; Englisch verträgt sich mit dieser Musik auch weniger gut), einen halben Stern weniger billige ich Siegfried Jerusalem zu und ähnlich würde ich auch AJ Glueckert einstufen. Aber beide sind trotzdem noch immer gut anzuhören.

    Frosch:

    1. Josef Meinrad (1984, Covent Garden, Pl.Domingo), der variantenreichste

    2. Otto Schenk (Wr.Staatsoper, immer wieder), der wienerischste Grantler

    3. Helmuth Lohner (ebenso), wie von Armin Diedrich richtig bemerkt: nestroyisch. Und dazu eine Prise Skakespeare.


    Wenn nichts dazwischen kommt, melde ich mich für Samstag an.

    Also gibt es keinen Walküren-Wotan von Kronenberg, richtig? Dann muss ich ihn aus meiner Datei wieder rausnehmen.

    Richtig. Zumindest nach den mir zugänglichen Quellen. Bei Operadis wurde er allerdings einmal mit Ferdinand Frantz verwechselt, also kann man die - geringe - Möglichkeit nicht ganz ausschließen, daß noch irgendwo etwas im Verborgenen ruht.

    Don Pasquale:

    1. Sesto Bruscantini (1952, M.Rossi)

    2. Salvatore Baccaloni (G.Papi, 1940)

    Die sonst Gehörten haben das Podest teilweise nur ganz knapp verfehlt. An Fernando Corena kann ich mich nicht mehr erinnern, aber der wäre vermutlich auf dem Treppchen.

    Lohengrin:

    1. Rudolf Schock (1953, W.Schüchter), die ideale Mitte zwischen Held und Mensch, stimmlich noch voll da

    2. Lauritz Melchior, der Heldentenor schlechthin

    3. Jess Thomas (1965, W.Sawallisch), nicht so gut wie Schock, aber trotzdem herausragend

    Nicht schlecht in dieser Rolle, wenngleich etwas eindimensional, war auch der ziemlich vergessene George Vincent, der lange im Münchner Ensemble sang. Live wäre natürlich Piotr Beczala der klassische Kandidat, aber leider habe ich ihn nur via TV erlebt.


    Nachtragen kann ich jetzt ein bißchen die Butterfly:

    1. Renata Tebaldi

    2. Clara Petrella (1953, A.Questa)

    3. Maria Callas (1955, Karajan)

    Sehr gut natürlich Scotto, Freni, de los Angeles... Live nicht erlebt, aber sicher momentan unter den Allerbesten Kristine Opolais.

    Cavaradossis gibt es so viele gute (live war allerdings keiner so richtig hinreißend) , da schwanke ich sehr.

    1. Placido Domingo (1976, Bruno Bartoletti - in der späteren Aufnahme mit Malfitano finde ich ihn unbefriedigend)

    2. Roberto Alagna (2001, A.Pappano)

    3. Richard Tucker (1956, D.Mitropoulos)

    Nicht schwächer auch u.a. Di Stefano (wenn auch nicht immer), Zurab Anzhaparidze (in der russischen Fassung), José Cura (in jungen Jahren unter P.G.Morandi), Nino Scattolini (1951), Corelli (nicht immer), Jonas Kaufmann (in der halbszenischen Aufführung in Graz, 2022?).

    Die Schenk-Inszenierung ist inzwischen schon leicht verwässert, aber noch immer eine der besten, die die Wiener Staatsoper zu bieten hat (also muß man schon ein bisserl um sie zittern). Volkov hat eine schöne Stimme und spielt auch recht artig, ist allerdings vom Typ her kein idealer Nemorino. Ihm fehlt dafür ein wenig der Schmelz, die Italianità. In nördlicheren Partien kann ich ihn mir aber sehr gut vorstellen.

    Maria Nazarova ist dafür eine ganz reizende Adina.