Beiträge von Waldi

    Don Pizarro bitteschön, so viel Zeit muss sein ^^.

    Naja, auch Florestan hat Anspruch auf diese ehrenvolle Anrede, wird aber nur in der Schlußszene von Rocco einmal in dieser Weise bezeichnet. Sonst wird er nur mit dem bloßen Namen genannt. Es ist doch hoffentlich kein schlimmes Vergehen, auch den Schurken nicht höflichkeitsmäßig zu betiteln. :pfeif:

    Von den "Fidelio"-Hauptrollen waren Leonore, Florestan und Rocco schon dran, also mache ich heute mit dem Bösewicht Pizarro das Quartett vollständig. Er gilt mit Recht als ziemlich heikle Partie, denn nur mit schöner Stimme zu singen, paßt nicht recht, und seine große Arie hat es in sich. Es gibt nicht sehr viele Sänger in meinem Gedächtnis, die den Anforderungen gerecht werden, aber einige waren/sind doch außerordentlich:

    1. Walter Berry (z.B. 1963, Artur Rother) - Kaum zu glauben, daß mein schalkhafter Lieblings-Papageno sich in einen derart gefährlichen Tyrannen verwandeln kann!

    2. Josef Metternich (1951, Ferenc Fricsay) - Auch er überzeugt mich mit faszinierender Bedrohlichkeit

    3. Manfred Hübner (Huebner) (1950, Gerhard Pflüger) - Schade, daß diese in jeder Hinsicht bemerkenswerte Einspielung so wenig Resonanz gefunden hat

    Live:

    4. Theo Adam - Es ist 45 Jahre her, aber ich sehe ihn noch immer vor mir, wie er herrisch sein "Ha, welch ein Augenblick" in das Auditorium schleudert; seither bin ich von dieser Arie, die ich davor gar nicht mochte, begeistert (wenn man Haß und Stimmimposanz so großartig verbindet wie dieses Bühnentier). Eigentlich seltsam und schade, daß ich von dieser Aufführung sonst nur Gwyneth Jones in meiner Vorstellung behalten habe, während ich bei Leonard Bernstein, Jess Thomas (Florestan) und Lucia Popp (Marcelline) keine konkrete Erinnerung mehr finden kann, obwohl das sicher die beste "Fidelio"-Aufführung war, die ich je erlebte.

    "Carmen": Escamillo:

    Eigentlich sticht aus meiner Spitzengruppe keiner so besonders heraus, weil viele auf ihre eigene Art gut sind, die Auswahl is eher dem Augenblick geschuldet:

    1. Justino Diaz (1967, Herbert von Karajan) - nicht viel im Kopf, aber fesch und ölig genug, um Carmen zu faszinieren

    2. Piero Cappuccilli (1970, Lorin Maazel) - ein gestandenes Mannsbild mit vokalen Fangarmen

    3. Franco Guarrera (1957, Dimitri Mitropoulos) - kraftvoller Verführer

    Ebenbürtig aber unter anderen z.B. Robert Merrill oder Michel Roux.

    Tosca:

    1. Maria Callas (953, Victor de Sabata) - eh klar

    2. Leontyne Price (1962, Herbert von Karajan) - auch legendär

    3. Kristine Opolais (2021, Marcus Merkel) - ebenso

    Selbstverständlich hätte ich noch diverse vorzügliche Toscas in Reserve wie Tebaldi, Gheorgiu, Capnist oder Kabaivanska usw. usw.

    Bellini: Norma:


    1. Maria Callas (in meiner Sammlung sind die Einspielungen unter Votto, 1953, und 1954 unter Serafin)

    Ungerechterweise verspüre ich gar kein Verlangen, andere Stimmen mit solch göttlichen Interpretationen zu vergleichen, nehme aber aus:

    2. Cecilia Bartoli (2013, Giovanni Antonini)

    Aber der Duca, liebe Ira, ist eben kein Don Giovanni. Für den gilt wie für Faust: "So tauml' ich von Begierde zu Genuß und im Genuß verschmacht ich nach Begierde". Der Duca ist der Genußmensch par excellence, Skrupel à la Faust hat er kaum, Gefühle umso mehr (die gehen Don Giovanni ab), aber wenig Gewissen.

    Über den Charakter des Duca ist schon viel diskutiert worden, dafür ist hier eigentlich nicht der richtige Ort. Daher nur kurz: Natürlich kann man den Herzog als "eiskalten Brocken" verstehen, dem jedes Mittel recht ist, aber subjektiv spüre ich das nicht so in der Musik, die ihm Verdi gegeben hat. Er ist weniger berechnend als leichtlebig und launenhaft, Trotzdem ist in ihm doch immer etwas von einem echten Edelmann, wenn auch ziemlich verschüttet.

    "Rigoletto": Duca di Mantova:

    Sich hier auf drei Namen beschränken zu müssen, grenzt an Höllenqual!

    1. Giuseppe di Stefano (1952, Umberto Mugnai) - bei diesem Herzog müßte sich jedes Mädchen sofort die Kleider vom Leib reißen. Unter Cellini, 1948, war Pippo nicht ganz so verführerisch

    2. Ion Buzea (1965, Jean Bobescu) - umwerfend in Stimme und Charakterisierung

    3. Francesco Demuro ((2008, Massimo Zanetti) - der klassische jugendliche Playboy, der nicht weiß, was er anrichtet

    Sternstunden lieferten ebenso etwa Gianni Raimondi, Nicolai Gedda, Alfredo Kraus (nicht in allen Aufnahmen), Roberto Alagna und natürlich Luciano Pavarotti; Placido Domingo sang 1979/80 zwar wunderschön, aber mit zu wenig Leidenschaft, zu distanziert/blasiert auch Jussi Björling (trotz einem blendenden "La donna é mobile"). Zumindest erwähnen muß ich auch noch Rudolf Schock und Libero de Luca usw. usw.

    "La belle Hélène": Paris:

    Bei allen Paris-ern, die mir präsent sind, gibt es gewisse Einschränkungen. Unter Berücksichtigung solcher Einwände trotzdem:

    1. René Kollo (1974, Fr.Allers) - nicht gerade französische Eleganz und Ironie, aber schöne Töne

    2. André Dran (1952, R.Leibowitz) - eine Spur zu wenig jugendlich

    3. József Réti (1965, T.Bródy) - war über seinen Zenit schon hinaus, aber immer noch ein Kaliber

    Aler, Beuron und van der Walt sind mir zu samtpfotig bzw. zu wenig Persönlichkeit.

    Naja, für mich Urgreis ist Musik besser vom behaglichen Sofa aus zu genießen, das gute Büffet verführt mich höchstens zu Diatfehlern und was das Séparée betrifft, wofür hat das doch gleich gedient? Verflixt, mein nachlassendes Gedächtnis... :rolleyes: