Beiträge von Giovanni di Tolon

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    Hallo zusammen,


    Auch wenn es wieder nicht zum Fadenthema passt: das Live-Erlebnis von Sir Simon mit dem BR-SO in der Isarphilharmonie von Sa war außerordentlich intensiv. Einen so bedrohlichen zweiten Satz habe ich eigentlich nur bei Kondrashin gehört, der Dritte dann noch erheblich schärfer und garstiger.


    Eine zwingende Interpretation dieses lebensvollen Werkes ist da gelungen, das BR-SO spielte über weite Strecken an der Stuhlkante und war außerordentlich glücklich im Zusammenspiel mit Rattle. Hier die Aufzeichnung von Freitag, die Musik beginnt erst bei Minute 12:50. Sehr hörenswert in meinen Ohren.


    Gruß Benno

    Am kommenden Freitag ab 20 Uhr übertragt der BR das Antrittskonzert seines zukünftigen Chefdirigenten Simon Rattle aus der Isarphilharmonie München im Video-Livestream auf der Seite des Orchesters und im Radio. Orchester und Dirigent widmen die Aufführung dem Andenken von Bernard Haitink.


    Gustav Mahler, Symphonie Nr. 9 D-dur


    Ich empfehle ausdrücklich den sehr schönen Programmheft-Text, der vermutlich nicht dauerhaft im Netz abzurufen sein wird.


    Gruß Benno

    Ich habe länger überlegt, wo der Hinweis auf dieses Buch am besten unterzubringen ist. Vermutlich hier. In diesem Buch diskutiert der ehemalige Intendant der Münchner Staatsoper, Nikolaus Bachler über genau diese Frage mit den Tätern:



    Mithin das Wunschgeschenk eines jeden Regietheater-Hassers für Weihnachten 2021, um seine Meinungen noch weiter zuzuspitzen.


    Viel Spaß damit ... :D :D


    Gruß Benno

    Hallo zusammen,


    ich folge der Münchner Gewohnheit, sich nur noch kurzfristig für Konzerte festzulegen:


    Freitag, 19. November 2021, 18:00 Uhr
    München, Herkulessaal


    Johann Sebastian Bach
    "Matthäus-Passion", BWV 244


    Sir Simon Rattle, Dirigent


    Camilla Tilling, Sopran
    Magdalena Kožená, Mezzosopran
    Mark Padmore, Tenor
    Andrew Staples, Tenor
    Georg Nigl, Bariton
    Roderick Williams, Bariton


    Augsburger Domsingknaben, Knabenchor
    Chor des Bayerischen Rundfunks


    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks


    Das Konzert wird live im Radio und als Video-Livestream übertragen.



    Samstag, 27. November 2021, 19:00 Uhr
    München, Isarphilharmonie


    Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 9


    Sir Simon Rattle, Dirigent


    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks


    Keine zwei Jahre nach meiner letzten M9 live mit Bychkov und den Münchner Philharmonikern freue ich mich auf diese Aufführung sehr.


    Gruß Benno

    Lieber Wolfgang,


    tatsächlich eine sehr schöne Musik, wenn Sie mit Emphase und Begeisterung gesungen wird. Meistens kommt ja bei all den forte-fortissimo-Angaben in der Partitur nur rohe Kraft zum Einsatz. Und dafür ist diese Musik eigentlich echt zu schade, ich denke an einige sehr gelungene Aufführungen mit dieser wundervollen Musik gerne zurück .... habe erst gestern einem Freund von der ersten Aufführung mit meinem Mitsingen im Chor - in Jerusalem - vorgeschwärmt ....


    Aber auch zwei meiner Münchner Aufführungen waren ziemlich schön ... eine hat es sogar ganz nach youtube geschafft ....


    Gruß Benno

    Nationaltheater München: Nos op. 15 von Dmitri Schostakowitsch in der Inszenierung von Kirill Serebrennikow unter der musikalischen Leitung von Vladimir Jurowski

    Hallo zusammen,


    gestern Abend habe ich mich in charmanter Begleitung ins nicht voll besetzte Nationaltheater begeben, um einer der Folgeaufführungen der ersten Premiere in der neuen Intendanz von Serge Dorny und der musikalischen Leitung von Vladimir Jurowski zu folgen. Für mich war es eine Erstbegegnung mit dem Stück, insofern bitte ich eventuelle Fehler zu korrigieren.


    Für Hinweise auf das Stück verweise ich eher auf den englisch-sprachigen wikipedia-Eintrag. Soweit ich das erkennen kann, war dies das erste Mal, dass sich die Münchner Staatsoper mit dieser Musik auseinandergesetzt hat, 1971 gab es eine Inszenierung am Gärtnerplatztheater, das in der Bayerische-Staatstheater-eigenen Hierarchie ja das passendere Haus für dieses Stück ist: Nos ist eine sehr bittere Burleske, es besitzt keine große Orchesterbesetzung, DS's op. 15 weist viel vermeintlich leichtfüßige Behandlung des Themas (gefühlte) Ausgrenzung auf.


    Als Signal ist es natürlich korrekt, dass das große Haus am Platz sich sagt: wir entscheiden selbst, ob wir Dinge für angemessen halten oder nicht. Der Mitschnitt der Premiere ist hier für einige Wochen nachzuvollziehen, auch gestern Abend waren noch Kameras in der Aufzeichnung aktiv, ich gehe davon aus, dass es also irgendwann eine DVD hierzu geben wird.


    Die Inszenierung ist - wie viele andere des Regisseurs auch - entstanden per Videostream, weil Serebrennikow nach seinem Hausarrest noch keinen neuen Pass erhalten hat. Er kennt sich mithin mit dem Thema Ausgrenzung in Russland sehr gut aus. Seine Inszenierung spielt sehr eindeutig im heutigen Russland: ein Schneeräumkommando mit parallel fahrenden Autos, moderne Polizeiautos, mobile Absperrzäune etc. lassen daran keinen Zweifel. Nichtsdestotrotz unterstützt die Inszenierung den Verlauf des Stücks - bei allen Abweichungen vom Textbuch - aufs Gründlichste.


    Musikalisch war ich von der bösen Brillanz des Tons des Bayerischen Staatsorchesters und der Sänger sehr angetan, die verschiedenen musikalischen Charaktere der Musik wurden für mein Dafürhalten sehr gut getroffen: es dauert ja relativ lange, bis sich ein klassischer Orchesterklang mit Streicherchor und eingefügten Bläserstimmen einstellt (Szene 5 in der Zeitungsredaktion), wenn Kowaljow in der Schilderung seiner Verunsicherung über sein Anderssein auf immer weniger Verständnis seiner Umwelt trifft. Vorher hetzen und galoppieren die Instrumentenstimmen immer wieder relativ unverbunden umeinander: die Musik gibt damit ein tolles Bild für das wuselige und albtraumhafte Szenario ab.


    Der Vergleich mit Schostakowitschs op. 29, also Ledi Makbet Mzenskowo ujesda, zeigt, dass sein - sicher aus seiner Zeit heraus entwickeltes - Menschen- und Gesellschaftsbild bei diesem im Alter von 21 Jahren begonnenen Stück schon voll entwickelt ist: Gewalttätigkeit, Empathielosigkeit, kopfloses Hin-und Herrennen aller Figuren, eine brutale und selbstbezogene Polizei. Diese Aspekte werden durch die Inszenierung noch gesteigert: aus Freude über seine wieder in seinem Gesicht angewachsene Nase prügelt Kowaljow gewohnheitsmäßig auf einen Gefangenen ein, am Schluss gilt sein Flirtversuch einem deutlich minderjährigen Mädchen mit einem knallroten Luftballon. Das heißt, die mangelnde Empathie der Gesellschaft für sein 'Problem' hat aus Kowaljow keinen besseren Menschen gemacht, er ist zu seinem Egoismus zurückgekehrt. Diesem sehr zynischen Schluss setzt die Inszenierung eine kurze Szene zwischen den Bildern des Epilogs entgegen, das mit dem ersten Satz aus dem 8. Streichquartett unterlegt ist: dazu gehört ein klar erkennbarer Selbstmord in einer der projezierten Wohnungen.


    Sängerisch sind vor allem Boris Pinkhasovich als Platon Kowaljow, Sergei Leiferkus als Ivan, Anton Rositzky als Nase sowie Doris Soffel, Alexandra Durseneva und Mirjam Mesak hervorzuheben, ich hatte den Eindruck dass der Chor gestern gesammelt einen Einsatz im Dritten Akt verpasst hat: in meinen Augen mehr ein Anzeichen für die hohen Anforderungen durch die meist sehr gehetzte Musik als ein Hinweis auf mangelnde Probenarbeit. Sowas kann halt mal in einer Livesituation passieren, sollte es natürlich nicht.


    Wer sich für eine so dezidiert anti-bürgerliche (aber natürlich im real existierenden Sozialismus auch wegen Formalismus geziehene) Oper interessiert, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, den Livestream noch anzuschauen. Ein tolles Stück in einer ziemlich maßstabsetzenden Inszenierung ist zu erleben.


    Gruß Benno

    Hallo zusammen,


    ich habe noch ein Live-Erlebnis in München gefunden, auf das ich Lust habe:


    12.11.2021 Gärtnerplatztheater München 19:30 Uhr


    Amor's Fest: Musik von André Campra, Matthew Locke, Claudio Monteverdi und Sebastián Durón
    Ein Barockspektakel in vier Teilen mit Gesang und Tanz
    Zusammengestellt und bearbeitet von Howard Arman


    Dirigat - Howard Arman
    Regie und Choreografie - Karl Alfred Schreiner
    Bühne - Heiko Pfützner
    Kostüme - Thomas Kaiser
    Licht - Peter Hörtner
    Video - Meike Ebert, Christian Gasteiger
    Choreinstudierung - Pietro Numico
    Dramaturgie - Fedora Wesseler


    Bacchus / Schlossherr Levente Páll
    Unvernunft / Cupido Mária Celeng
    Vernunft / Frühlingsnymphe Anna-Katharina Tonauer
    Tod / Tirsi Gyula Rab
    Der Nihilist Ludwig Mittelhammer
    Diener / Amor Juan Carlos Falcón
    Nymphe / Clori Ilia Staple


    Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz
    Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz
    Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz


    Gruß Benno

    Eine ziemlich genau vierzig Jahre alte Aufführung des Verdi Requiem erschien in den letzten Tagen zum ersten Mal auf Tonträger, die Besetzung kann sich ziemlich sehen lassen:



    Jessye Norman,
    Agnes Baltsa,
    Jose Carreras,
    Evgeny Nesterenko,


    Chor des Bayerischen Rundfunks,
    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks,


    Riccardo Muti


    Vor einigen Jahren hat sich Muti an gleichem Ort noch einmal an das Stück gewagt, aber davon hat es bisher kein CD-Release gegeben ...


    Gruß Benno

    Ein sehr schöner Artikel über Musikmachen im klassischen Umfeld, aber außerhalb des Standardbetriebs:


    https://sz-magazin.sueddeutsch…dresdner-sinfoniker-90729


    Ich mag besonders diesen Abschnitt über die 'Bedeutung' des Live-Events und was es mit Musikern und Zuhörern im guten Fall macht:


    'Noch einmal zurück zu der Frage: Was kann Musik?
    Musik verbindet Menschen. Allein das gemeinsame Hören lässt Menschen etwas Gemeinsames fühlen. "Ko-Pathie" nennt das die Forschung: Musik synchronisiert die emotionalen Empathie-Zentren in den Gehirnen. Ein Forschungsteam der Universität Oxford vermutet, dass so ein Synchron-Erlebnis das endogene Opioid-System im Gehirn aktiviert. Das ist für die Ausschüttung des Neurotransmitters Endorphin zuständig. Es fühlt sich gut an, synchronisiert zu sein. Die Forscher wiesen neben dieser kurzfristigen Wirkung auch eine langfristige nach: Menschen verhalten sich nach einem Synchron-Erlebnis friedlicher, kooperativer, freundlicher, hilfsbereiter. Das Gehirn baut eine neue Verbindung auf, zwischen Musik hören und sich gut fühlen und gut handeln. Diese Verbindung, das ist sie: die Kraft der Musik ....'


    Entsteht allerdings vermutlich nicht beim einsamen CD-Auflegen oder Streamen ...


    Gruß Benno

    Hallo zusammen,


    die erste Opernpremiere in der post-Bachler-Zeit ist einem in München selten gespielten Stück gewidmet. Ich werde mir eine Vorstellung der ersten Aufführungsserie antun:


    Di. 02.11.2021 19 Uhr Nationaltheater München


    Musikalische Leitung Vladimir Jurowski
    Regie, Bühne, Kostüme Kirill Serebrennikov
    Co Regie Evgeny Kulagin
    Kostüme Tatyana Dolmatovskaya
    Masken Shalva Nikvashvili
    Licht Michael Bauer
    Chöre Stellario Fagone
    Dramaturgie Katja Leclerc, Katharina Ortmann, Laura Schmidt


    Platon Kusmič Kovaljov - Boris Pinkhasovich
    Ivan Jakovlevič - Sergei Leiferkus
    Praskovja Osipovna - Laura Aikin
    Reviervorsteher der Polizei - Andrey Popov
    Ivan - Sergey Skorokhodov
    Die Nase - Anton Rositskiy
    Lakai der Gräfin - Sean Michael Plumb
    Beamter der Annoncenredaktion - Gennady Bezzubenkov
    1. Hausknecht - Martin Snell
    2. Hausknecht - Piotr Micinski
    3. Hausknecht - Milan Siljanov
    4. Hausknecht - Bálint Szabó
    5. Hausknecht - Andrew Hamilton
    6. Hausknecht - Theodore Platt
    7. Hausknecht - Andrew Gilstrap
    8. Hausknecht - Roman Chabaranok
    1. Polizist - Roman Chabaranok
    2. Polizist - Tansel Akzeybek
    3. Polizist - Piotr Micinski
    4. Polizist - Milan Siljanov
    5. Polizist - Alexander Fedorov
    6. Polizist - Andrew Gilstrap
    7. Polizist - Armando Elizondo
    8. Polizist - Vasily Efimov
    9. Polizist - Granit Musliu
    10. Polizist - Martin Snell
    Vater - Gennady Bezzubenkov
    Mutter - Laura Aikin
    1. Sohn - Tansel Akzeybek
    2. Sohn - Theodore Platt
    Pjotr Fjodorovič - Ulrich Reß
    Ivan Ivanovič - Sean Michael Plumb
    Alte Dame - Doris Soffel
    Händlerin - Eliza Boom
    Arzt - Gennady Bezzubenkov
    Jarischkin, ein Freund des Kovaljov - Tansel Akzeybek
    Podtočina Pelageja Grigorjevna - Alexandra Durseneva
    Ihre Tochter - Mirjam Mesak
    1. Herr - Tansel Akzeybek
    2. Herr - Alexander Fedorov
    3. Herr - Granit Musliu
    4. Herr - Martin Snell
    5. Herr - Roman Chabaranok
    6. Herr - Andrew Gilstrap
    7. Herr - Vasily Efimov
    Ein alter Mann - Anton Rositskiy
    1. Neuankömmling - Anton Rositskiy
    2. Neuankömmling - Gennady Bezzubenkov
    Spekulant - Milan Siljanov
    Verdienter Oberst - Anton Rositskiy
    1. Geck - Alexander Fedorov
    2. Geck - Piotr Micinski
    1. Student - Tansel Akzeybek
    2. Student - Granit Musliu
    3. Student - Theodore Platt
    4. Student - Bálint Szabó
    5. Student - Vasily Efimov
    6. Student - Armando Elizondo
    7. Student - Ulrich Reß
    8. Student - Sean Michael Plumb
    Ehrwürdige Dame - Laura Aikin
    1. Bekannter Kovaljovs - Martin Snell
    Ein anderer Bekannter Kovaljovs - Ulrich Reß
    3. Bekannter Kovaljovs - Piotr Micinski
    Wächter - Bálint Szabó
    Heiduck - Bálint Szabó
    Pförtner des Polizeichefs - Anton Rositskiy
    Droschkenkutscher - Bálint Szabó
    Kutscher - Bálint Szabó
    Sopransolo (Kasaner Kathedrale) - Mirjam Mesak
    Tenorsolo (Kasaner Kathedrale) - Sergey Skorokhodov
    Eunuchen - Matthias Dähling, Changhoun Eo, Brennan Hall, Kiuk Kim, Aleksandar Timotic, Meili Li


    Bayerisches Staatsorchester
    Chor der Bayerischen Staatsoper


    Auch hier gilt: es gibt massenhaft Karten ...


    Gruß Benno

    Ich begebe mich auf für mich unbekanntes Hörterrain, dem Sänger der Titelrolle gilt vor allem mein Interesse, nachdem ich ihn schon als Holländer umwerfend fand:


    Sonntag, 17. Oktober 2021, 19.00 Uhr Nationaltheater München
    G. Verdi, Falstaff Commedia lirica in drei Akten - 1893


    Musikalische Leitung Antonino Fogliani
    Inszenierung Mateja Koležnik
    Bühne Raimund Orfeo Voigt
    Kostüme Ana Savić-Gecan
    Choreographie Magdalena Reiter
    Licht Tamás Bányai
    Chor Stellario Fagone
    Dramaturgie Nikolaus Stenitzer



    Sir John Falstaff Bryn Terfel
    Ford Vito Priante
    Fenton Galeano Salas
    Dr. Cajus Kevin Conners
    Bardolfo Jonas Hacker
    Pistola Daniel Noyola
    Mrs. Alice Ford Cristina Pasaroiu
    Nannetta Deanna Breiwick
    Mrs. Quickly Lindsay Ammann
    Mrs. Meg Page Daria Proszek


    Bayerisches Staatsorchester
    Chor der Bayerischen Staatsoper


    und das erstaunlichste ist: es gibt noch Unmengen an Karten .... man erkennt die Münchner nicht wieder ....


    Gruß Benno

    So, meine Chöre gehen mit vollen Segeln in den Herbst und Winter ... mal sehen was davon übrig bleibt:


    16.10. 15 und 19 Uhr Himmelfahrtskirche München: G.F. Handel, The Messiah HWV 56 (leider gekürzt)
    06.11. 19 Uhr KKL Luzern: C. Orff Carmina burana
    26.11. 19 Uhr Allerheiligenhofkirche München: G. Rossini, Petite Messe Solenelle
    14.12. 20 Uhr Herkulessaal der Residenz München: J.S. Bach: Weihnachtsoratorium BWV 248, 1-3, 6
    22.01.22 19 Uhr Himmelfahrtskirche München: J.S. Bach: BWV 92 & 111
    23.01.22 18 Uhr Martinskirche Grafrath: J.S. Bach: BWV 92 & 111


    danach: mal schauen ...


    Gruß Benno

    Ein Wiedergänger hat sich vor wenigen Tagen in einigen Konzerten erneut Beethoven gewidmet, allerdings mit ungewohnten Kollektiven: BR SO und BR Chor. John Eliot Gardiner dirigiert Lucy Crowe, Sopran, Gerhild Romberger, Mezzosopran, Julian Prégardien, Tenor und Tareq Nazmi, Bass


    Ich finde diese Aufführung, soweit ich sie verfolgt habe (Ende des Credo) außerordentlich gelungen. To whom it may concern.


    Gruß Benno

    Hallo zusammen,


    ich mag nun berichten von meinem Samstag Abend im Göttinger Deutschen Theater:


    G.F. Handel, Rodelinda HWV 19 (1724), Szenische Aufführung:


    Dorian Dreher - Regie
    Hsuan Huang - Bühnenbild und Kostüme
    Markus Piccio - Licht
    Anna Dennis - Rodelinda,
    Christopher Lowrey - Bertarido,
    Thomas Cooley - Grimoaldo,
    Franziska Gottwald - Eduige,
    Julien Van Mellaerts - Garibaldo,
    Owen Willetts - Unulfo
    FestspielOrchester Göttingen


    Laurence Cummings, Cembalo und Leitung


    Am Ort der Wiederentdeckung des Opernkomponisten Georg Friedrich Händel im Jahre 1920 wurde dieses Jahr das gleiche Stück inszeniert wie vor 101 Jahren: die Rodelinda. Vor 101 Jahren war das Ganze eine mindestens Halblaien-hafte Lokalinitiative, heute können sich die Göttinger Festspiele erfreuen, sowohl auf Zuhörer- wie auf Ausführendenseite einen treuen Stamm an Begeisterten ihr eigen zu nennen. Für die Jubiläums-Inszenierung (sie war natürlich eigentlich für das vergangene Jahr geplant) hatte man 2019 einen Wettbewerb ausgeschrieben, den Dorian Dreher gewann. Wie man am stärksten den Kostümen und Frisuren ablesen konnte, war die Geschichte in die Zeit der Göttinger Wiederaufführung gespiegelt.


    Im Vergleich zur Holzhammer-Methode von Frank Castorf bei den Münchner 'Vögeln' von Braunfels darf man feststellen: das Ganze kam ohne Naziuniformen aus, die Bilder waren viel weniger auf billige Effekte angelegt, sondern haben viel mehr zum Nachdenken angeregt, z.B. das rätselhafte Wesen, das in der letzten Tenorarie des zweiten Akts in diese heile Welt einbrach und diese zerstörte. Eine hintere Hälfte eines gewaltigen Tieres, das einen stierkopfgekrönten Schwanz aufwies. Sei es ein Albtraumwesen, sei es ein Sinnbild für eine gewalttätige Gesellschaft, ganz hat es sich mir noch nicht erschlossen. Am Schluss saß der Sänger des Garibaldo, als Mephisto verkleidet, auf einem Bücherstapel und hatte eine brennende Fackel in der Hand. Ein starkes Bild, keine 150 m entfernt vom Platz der Göttinger Bücherverbrennung.


    Anna Dennis in der Titelrolle hat eine recht weiche, sehr wandlungsfähige Stimme, sie setzt die Attacke eigentlich nur in den entsprechenden Szenen ein: als sie von Grimoaldo verlangt, ihren und Bertaridos Sohn Flavio zu töten. Ansonsten erfüllt sie die sanfte, klagende, trauererfüllte Frau, die sich verschiedenster Avancen verteidigen muss, perfekt, ein absoluter Höhepunkt der Aufführung ist das Duett am Ende des zweiten Akts. Inniger, verletzter, initmer kann man das nicht singen, auch das Orchester macht beim immer weiter in den Schmerz Zurückziehen der beiden Sänger berückend klangschön mit.


    Thomas Cooley braucht am Samstag relativ lange, um sich als Grimoaldo völlig frei zu singen, erst die letzte Arie im zweiten und die beiden Arien im dritten Akt zeigen ihn auf der Höhe seines Könnens, Franziska Gottwald als Eduige stellt auch stimmlich die merkwürdige Illoyalität ihrer Rolle hervorragend aus: mal ist sie verliebt in Garibaldo, mal ist mehr ihrem Bruder zugewandt.


    Julien van Mellaerts legt seine Rolle im ersten Akt - auch sängerisch - etwas eindimensional schwarz und laut an, das ist sicher der Disposition der Rolle geschuldet, er ist als manipulatives Zentrum unbedingt eine große Stärke dieser Aufführung. Das Gleiche gilt für Owen Willetts als Unulfo: seine Figur schwankt zwar nicht in der Loyalität, aber muss dennoch mehreren Herren dienen: sängerisch ist das tadellos gestaltet.


    Unbestritten der Star dieser Aufführung ist Christopher Lowrey als Bertarido, der seine Senesino-Rolle perfekt zwischen dem ein ungerechtes Schicksal beklagenden Anfang der Partie, dem umwerfenden Duett am Ende des zweiten Akts und der großen Arie 'Vivi tiranno' aufspannt. Diese heutzutage ziemlich berühmte Arie entstammt wie eine Arie der Rodelinda am Beginn des dritten Akts aus einer zweiten Aufführungsserie der Rodelinda, in der Händel den Wünschen seiner Stars Rechnung getragen hat.


    Rodelinda ist eine sehr dunkle Oper: bis weit in den dritten Akt hinein singen nur unglückliche und tragisch verstrickte Personen, ein großer Teil der Arien steht in Moll. Noch bei keiner meiner bisherigen Aufführungen wurde der bedrohlich-finstere Charakter der Oper auch klanglich so perfekt eingefangen wie bei diesen Aufführungen. In diesen großen See von Dunkelheiten bricht die genannte Arie 'Vivi tiranno' in einer positiven Gewalt ein, dass es einem die Schuhe auszieht. Wieder kann man nur die perfekte Koordination zwischen Sänger, Orchester und Dirigent loben: das Eintreten einer positiv gestimmten Großherzigkeit kann man kaum überzeugender gestalten.


    Und das Beste ist: man kann sich das Ganze auch noch live vor Ort anschauen: morgen um 19 Uhr, Samstag um 18 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr, für die zwei Aufführungen (am Fr und Sa) sind noch wenige Restkarten erhältlich. Und für alle anderen gilt: auch auf arte.tv verfügbar: https://www.arte.tv/de/videos/…-georg-friedrich-haendel/


    Eine sängerisch überzeugendere Aufführung kann ich mir kaum vorstellen.


    Gruß Benno

    Hallo zusammen,


    begonnen hat für mich und einen kleinen Kreis an Mit-Begeisterten alles am Freitag Abend in der Lokhalle Göttingen, einem seit vielen Jahren in Göttingen als Veranstaltungsraum etablierten Raum gewandelter Industriearchitektur. Unter normalen Verhältnissen könnte man wahrscheinlich bis zu 2.500 Menschen als Zuhörer unterbringen, jetzt waren - natürlich wegen einer coronakonformen Sitzordnung - überhaupt nur 400 Plätze im Angebot. Von diesen waren dann nur etwas mehr als die Hälfte besetzt. Was mich sehr erstaunt hat: Ariodante ist eine der meistgespielten und beliebtesten Opern des Hallensers. HWV 33 - die Oper wurde am 8.1.1735 im Theatre Royal, Covent Garden, uraufgeführt - war die Antwort auf die überbordende Übermacht der konkurrierenden Adelsoper, die alle namhaften Solisten und Händels alte Wirkungsstättte ihr eigen nannten. Zu den Umständen der Uraufführung und zum Stück verweise ich erneut auf die deutsche Wikipedia.


    Die konzertante Aufführung am vergangenen Freitag hatte die folgende Besetzung:


    Emily Fons - Ariodante,
    Marie Lys - Ginevra,
    Clint van der Linde - Polinesso,
    Rachel Redmond - Dalinda,
    Jorge Navarro Colorado - Lurcanio,
    Njål Sparbo - il Rè,
    Steffen Kruse - Odoardo
    NDR Vokalensemble
    FestspielOrchester Göttingen

    Laurence Cummings, Cembalo und Leitung


    Wer schon einmal eine Aufführung des Ariodante angehört hat, weiß, dass der erste Akt fast ungebtrübt von Konfliktsituationen ist, eine ähnliche Konstellation hat Händel fünfzehn Jahre später noch einmal bei der Susanna HWV 66 gewählt. Das kann schnell eintönig klingen, wenn ein Dirigent nicht weiß, die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Arien herauszuarbeiten: zärtlich-verliebt, scherzhaft die eröffnende Arie der Ginevra 'Vezzi, lusighe e brio', schroff-verklagte Unschuld in der direkt anschließenden 'Orrida agl'occhi miei' für dieselbe Sängerin, usw. Laurence Cummings hat sich in meinen Ohren zu einem unbestrittenen Meister entwickelt, den Charakter einer Arie herauszuarbeiten und von dort aus, wo die meisten Dirigenten gar nicht hingelangen, noch variable und offene Interpretationsansätze auszuleben: eine Mannigfaltigkeit, Farbenfreude, Musizierlust, Präzision und Lebendigkeit, die ich mir kaum besser vorstellen kann.


    Höhepunkte im ersten Akt waren in meinen Ohren v.a. das Duett des Primuomo und der Primadonna 'Prendi da questa mano', die Ginevra Arie 'Volate, amori' und v.a. Ariodantes 'Con l'ali di costanza', ein hochvirtuoses Stück mit taktelangen Koloraturen, denen das Glück und die Zuversicht nur so aus den Knopflöchern quoll. Emily Fons' Vortrag wurde - das passiert dem Göttinger Publikum sonst recht selten - so begeistert aufgenommen, dass das Nachspiel des Orchesters auf meinem Platz nicht mehr zu hören war.


    Clint van der Linde als Bösewicht Polinesso konnte im ersten Akt genauso punkten wie Jorge Navarro Colorado als Lurcanio, Rachel Redmond als Dalinda und Marie Lys als Ginevra. Das recht junge Alter der beiden letztgenannten Sängerinnen wollte nun überhaupt nicht zu ihrer Erfahrung und der tief empfundenen Rollengestaltung passen.


    Wenn im zweiten Akt dann endlich die Intrige des Polinesso zum Einsatz kommt, gewinnen andere Aufführungen erst ihre eigentliche Bedeutung - so habe ich es vor gut vier Jahren in Salzburg erlebt. Indem diese Aufführung schon im ersten Akt vollends zu beglücken wusste, kann der Kontrast um so stärker hervortreten: eine ergreifendere Darstellung des recht langsam genommenen 'Scherza, infida' kann ich mir kaum vorstellen. Ich hatte das Vergnügen, bisher schon Lorraine Hunt Lieberson und Cecilia Bartoli live in der Titelrolle zu erleben, zwei wahrhaft großartige Sängerinnen, die in der Darstellung tiefer menschlicher Emotionen Großartiges leisten können. Aber Emily Fons hat diese beiden Sängerinnen in den Schatten gestellt, in dem sie mit wunderbarer Legato-Kultur, wenigen Verzierungen und langen Gesangsbögen sich ganz in den Dienst dieser großartigen Musik stellte. Das - sonst sehr begeisterte und klatschfreudige Göttinger Publikum - konnte vor Ergriffenheit nur wie erstarrt sitzen bleiben. Auch Jorge Navarro Colorado hat seine beiden großen Arien im zweiten Akt absolut zwingend dargeboten, 'Tu vivi, e punito' stolz-majestätisch, 'il tuo sangue edil tuo zelo' kämpferisch-ermahnend. Die Abschlussarie der Ginevra 'Il mio crudel martoro' hatte in der Version von Marie Lys eine Innigkeit, Verletztheit und Ratlosigkeit, die mich mehr überzeugt als die Version, die ich sonst geboten bekommen habe: viele Sängerinnen legen hier mit viel Lautstärke mehr eine Selbstbehauptung der Ginevra nahe, von der die Musik kaum spricht. Am Ende des zweiten und dritten Akts wurde auf die recht langen Balletteinlagen verzichtet, was bei einer konzertanten Aufführung in meinen Ohren zu verschmerzen ist.


    Über den dritten Akt gäbe es genauso viele großartige Details zu berichten, insgesamt habe ich eine Sternstunde erlebt, wie so viele andere unter Cummings' Leitung, leider gab es bei den Naturhörnern einige Kiekser, sonst war das auf fast allen Positionen nahezu unveränderte FOG auf großartigem Niveau. Der NDR Chor unter neuem Namen war nur mit 16 Sängern angereist, diese passten aber perfekt in die Klangabmischung der beiden recht kleinen Chöre am Ende des ersten und dritten Akts.


    Die bisher nicht erwähnten Njal Sparbo als Il Ré und Steffen Kruse als Odoardo haben das extrem hohe Niveau der Aufführung mitgetragen, waren aber sicher von der überragenden Qualität von Emily Fons, Marie Lys und Jorge Navarro Coorado einiges entfernt. Es standen genügend Mikrophone herum, so dass ich hoffe, dass es eine CD-Veröffentlichung dieser Aufführung geben wird.


    Gruß Benno

    Händelfestspiele in Göttingen im September 2021 - ein verspätetes Jubiläum und ein Abschied auf extrem hohem Niveau

    Hallo zusammen,


    Göttingen als Geburtsort der Renaissance des Opernkomponisten Händel - ohne jeden bekannten historischen Bezug zum Leben des Komponisten - wollte im vergangenen Jahr für die bescheidenen Verhältnisse der Göttinger Institution groß aufspielen: alle 42 Opern des Hallensers sollten in der einen oder anderen Form zur Aufführung kommen. Der scheidende künstlerische Leiter Laurence Cummings wollte sich mit drei Opern auseinandersetzen: Serse HWV 40, Ariodante HWV 33 und - szenisch - das Stück, mit dem im Juni 1920 am Ort der diesjährigen Aufführung alles begann: Rodelinda HWV 19.


    Noch vor wenigen Wochen war - das Göttinger Ensemble weist viele Musiker aus den USA und dem UK auf - noch nicht klar, was alles stattfinden konnte, seit Anfang Juli hatte man sich entschieden, so zu tun, als könne es losgehen. Wenn man weiß, wie weit im Voraus viele namhafte Künstler ihre Termine planen, war also Vieles mit der heißen Nadel zu nähen, aber das hat man der Qualität der eigenen Aufführungen keinesfalls angehört. Der Serse wurde leider gestrichen, viele Rollen mussten gegenüber den Planungen für Mai 2020 neu besetzt werden, aber: die Ergebnisse der Aufführungen können sich absolut hören lassen. Insbesondere der konzertante Ariodante und die szenische Rodelinda waren an vielen Stellen echte Sternstunden. Ich werde - nicht allzu ausführlich leider - das ein oder andere dazu schreiben in den kommenden Tagen.


    Gruß Benno

    Die Göttinger Aufführungen, über die Mike und ich uns hier ausgelassen haben, sind vor wenigen Tagen als CD's erschienen:



    Ich mag die Aufnahme gerne empfehlen.


    Gruß Benno

    Allem Anschein nach kann ich mich auf diese Genüsse in knapp zwei Wochen freuen, wie gewohnt in angenehmer Runde:


    Fr. 10.09. 18 Uhr Lokhalle Göttingen: G.F. Handel, Ariodante HWV 33 (1734), Konzertante Aufführung:


    Emily Fons - Ariodante,
    Marie Lys - Ginevra,
    Clint van der Linde - Polinesso,
    Rachel Redmond - Dalinda,
    Jorge Navarro Colorado - Lurcanio,
    Njål Sparbo - il Rè,
    Steffen Kruse - Odoardo
    NDR Vokalensemble
    FestspielOrchester Göttingen

    Laurence Cummings, Cembalo und Leitung

    Sa. 11.09. 18 Uhr Deutsches Theater Göttingen: G.F. Handel, Rodelinda HWV 19 (1724), Szenische Aufführung:


    Dorian Dreher - Regie
    Hsuan Huang - Bühnenbild und Kostüme
    Markus Piccio - Licht
    Anna Dennis - Rodelinda,
    Christopher Lowrey - Bertarido,
    Thomas Cooley - Grimoaldo,
    Franziska Gottwald - Eduige,
    Julien Van Mellaerts - Garibaldo,
    Owen Willetts - Unulfo
    FestspielOrchester Göttingen


    Laurence Cummings, Cembalo und Leitung


    So. 12.09. 11 Uhr Universitätsaula Göttingen: Stiftungskonzert I: HÄNDEL, ALMIRA UND DIE HAMBURGER GÄNSEMARKT-OPER


    Felicitas Wrede - Sopran
    Abchordis Ensemble:
    Miriam Jorde Hompanera - Oboe
    Boris Begelman - Violine und Leitung
    Gemma Longoni - Violine
    Corinne Raymond-Jarczyk - Viola
    Nicola Paoli - Violoncello
    Andrea Buccarella - Cembalo


    So. 12.09. 18 Uhr PS Halle Einbeck: G.F. Handel, Ottone HWV 15 (1722), Szenische Aufführung in Koop. mit den INNSBRUCKER FESTWOCHEN DER ALTEN MUSIK


    Anna Magdalena Fitzi - Regie
    Bettina Munzer - Bühnenbild und Kostüme
    Marie Seidler - Ottone,
    Mariamielle Lamagat - Teofane,
    NN - Emireno
    Valentina Stadler - Gismonda,
    Alberto Miguélez Rouco - Adelberto,
    Anna Starushkevych - Matilda

    Accademia La Chimera

    [b]Fabrizio Ventura - Musikalische Leitung[/b]

    Nach Angaben des Veranstalters gibt es für fast alle Veranstaltungen noch Karten, 3G gilt, am Platz muss keine Maske getragen werden.


    Alle vollständigen Opern habe ich bereits gehört, zuletzt vor wenigen Jahren den Salzburger Ariodante mit Cecilia Bartoli, beim Ottone und der Rodelinda ist das letzte Live-Erlebnis immerhin auch schon wieder 20 Jahre her. Ich freue mich sehr auf eine große Packung Handel ...


    Gruß Benno