Beiträge von Giovanni di Tolon

    Naja, nach soviel JSB kommt erst mal noch ein großer Schluck JSB dazu, aber dann mal was Neues (für mich):

    8.6. 19 Uhr Himmelfahrtskirche München-Sendling BWV 4 & 150

    9.6. 10 Uhr Evangelische Martinskirche Grafrath BWV 4 & 150

    9.6. 17 Uhr Birnau BWV 4, 150 & 227

    13.7. 19 Uhr Himmelfahrtskirche München-Sendling GF Handel Jephtha HWV 70 (1751)

    13.10. 19 Uhr Himmelfahrtskirche München-Sendling Carl Loewe Hiob (1848)

    Neben dem Jazz-Konzert im Rahmen der Göttinger Händelfestspiele am Freitag vor Pfingsten noch in München:

    1874 wurde der afroamerikanische Bürgerrechts-Kämpfer und Lehrer Octavius Catto ermordet. Ihm zu Ehren schrieb der Pianist Uri Caine ein Konzert, das 2014 mit dem Philadelphia Orchestra, einem großen Gospelchor und der Sängerin Barbara Walker in seiner Heimatstadt uraufgeführt wurde. In einer personell tüchtig abgespeckten Version seines Werks konfrontiert uns Caine nun mit dem schicksalhaften Leben Cattos, mit seinem Wirken und Nachwirken. Uri Caines um Barbara Walker verstärktes Trio verneigt sich vor dem großen Amerikaner.

    Sa. 25.5.2024 20:30 Uhr Unterfahrt

    Uri Caine-Trio & Barbara Walker

    Barbara Walker voc

    Uri Caine p

    Mike Boone eb

    Jim Black dr

    Wer sich selber einen Eindruck vom Gala-Konzert anlässlich des 75. Jubiläums des BR-SO am vergangenen Freitag machen will, kann das hier:

    Sir Simon Rattle: Gurre-Lieder - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
    Besuchen Sie das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks online!
    www.brso.de

    Im Saal klang das wahnsinnig toll, leider musste der geplante Sänger des Waldemar, Stuart Skelton, einen Tag vor der Aufführung absagen. Nicht jeder der Live-Zuhörer war mit Simon O'Neill glücklich ...

    Wohl noch nicht gemeldet:

    23.06.24 18 Uhr Gärtnerplatztheater München

    GF Händel, Il trionfo del Tempo e del Disinganno HWV 46a (1707)

    Text von Kardinal Benedetto Pamphilj

    Musikalische Leitung Rubén Dubrovsky

    Bellezza (Die Schönheit) Miriam Kutrowatz
    Piacere (Das Vergnügen) Sophie Rennert
    Disinganno (Die Erkenntnis) Terry Wey
    Tempo (Die Zeit) Gyula Rab

    Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

    Ich habe noch zweimal bei den diesjährigen Münchner Opernfestspielen zugeschlagen:

    Do. 4.7. 2024 19 Uhr Nationaltheater München

    LE GRAND MACABRE

    Komponist György Ligeti. Libretto von György Ligeti und Michael Meschke nach dem Schauspiel La balade du Grand Macabre von Michel de Ghelderode. Oper in zwei Akten (1978)

    Musikalische Leitung - Kent Nagano
    Inszenierung - Krzysztof Warlikowski
    Bühne und Kostüme - Małgorzata Szczęśniak
    Licht - Felice Ross
    Video - Kamil Polak
    Choreographie - Claude Bardouil
    Chor - Christoph Heil
    Dramaturgie - Christian Longchamp, Olaf Roth


    Chef der Geheimen Politischen Polizei (Gepopo) - Sarah Aristidou
    Venus - Sarah Aristidou
    Amanda - Seonwoo Lee
    Amando - Avery Amereau
    Go-Go - John Holiday
    Astradamors - Brindley Sherratt
    Mescalina - Lindsay Ammann
    Piet-vom-Fass - Benjamin Bruns
    Nekrotzar - Michael Nagy
    Ruffiak - Andrew Hamilton
    Schobiak - Thomas Mole
    Schabernack - Nikita Volkov
    Weißer Minister - Kevin Conners
    Schwarzer Minister - Bálint Szabó


    Bayerisches Staatsorchester
    Bayerischer Staatsopernchor

    So. 14.7.2024 19 Uhr Prinzregententheater

    PELLÉAS ET MÉLISANDE

    Komponist Claude Debussy. Text von Maurice Maeterlink. Drame lyrique in fünf Akten (1902)


    Musikalische Leitung - Hannu Lintu
    Inszenierung - Jetske Mijnssen
    Bühne und Kostüme - Ben Baur
    Licht - Bernd Purkrabek
    Choreographie - Dustin Klein
    Chor - Franz Obermair
    Dramaturgie - Ariane Bliss


    Arkel - Franz-Josef Selig
    Geneviève - Sophie Koch
    Pelléas - Ben Bliss
    Golaud - Christian Gerhaher
    Mélisande - Sabine Devieilhe
    Yniold - Solist(en) des Tölzer Knabenchors
    Ein Arzt - Martin Snell
    Ein Hirt - Paweł Horodyski


    Bayerisches Staatsorchester
    Bayerischer Staatsopernchor

    Hallo zusammen,

    gestern Abend habe ich mir also die Münchner 'Passagierin' in der zweiten Aufführung der diesjährigen Aufführungsserie angeschaut. Wie schon geschrieben, kenne ich - absichtlich - keine andere Aufführung, sondern lasse mich auf das Gehörte ein. Als sehr regelmäßiger Hörer seiner Streichquartette kenne ich die Weinberg'sche Tonsprache recht gut und konnte mich sehr gut auf das Dargebotene konzentrieren.

    Abgesehen von einem offensichtlich kleineren Versingen (es ist live!!) z.B. von Charles Workman als Walter im ersten Abschnitt (den ich erkannt habe, weil die Übertitelung einen anderen Text zeigte, als er gesungen hat) fand ich das alles sehr gelungen. Das schnelle Kippen aus einer sorglosen Atmosphäre im ersten Akt, das Einbrechen von Erinnerungen aus der Lagerzeit war szenisch wie musikalisch sehr gut gelungen, ich habe mich sehr schnell an dieses Spiel mit den Zeitebenen gewöhnt. Ich fand die Menge und die gestalterische Qualität der dargebotenen Opferstimmen (Krystina, Vlasta, Hannah, Bronka und Yvette) im Rahmen der Gesamtlänge des Stücks gut disponiert, ich hatte nicht den Eindruck, dass ich davon ca. 25 Minuten mehr gebraucht hätte - ich habe halt keinen Vergleich mit der 'Normalfassung'. Die Einfügung der dritten Zeitebene (mehr oder minder 'heute') im ersten Akt, die mit dem Einsatz der Schauspielerin Sibylle Maria Dordel als alte Lisa als Zutat der Inszenierung hinzukam, fand ich plausibel.

    Nach der Pause zeigte die Bühne den großen Speisesaal des Kreuzfahrtschiffes, in dem alle Gräuelszenen aus dem Konzentrationslager abliefen - damit sollten diese vermutlich vom konkreten Umfeld abstrahiert werden -, auch hier war ich wieder sehr angetan vom sängerischen und schauspielerischen Können aller Beteiligten. Die in den einschlägigen Hervorhebungen insbesondere von Elena Tsallagova in der Rolle der Marta finde ich absolut berechtigt, sie hat - wie schon bei der Janacek'schen Füchsin an gleicher Stelle - großartig agiert und gesungen. Die beiden Tenöre - Workman als Walter und Jaques Imbrailo als Tadeusz - waren ebenfalls absolut überzeugend. Sophie Koch als Lisa hatte sicher die schwerste Rolle, hat mich aber nicht so überzeugt. Das Bayerische Staatsorchester unter Vladimir Jurowski hat großartig gespielt, hier bleiben für mich wenig Wünsche offen. Allerdings gibt es natürlich auch orchestral gewichtigere Opern als Weinbergs erste Oper.

    Es waren sehr viele Schüler in der Aufführung, ich nehme an, die Staatsoper hat so versucht, viele zu Normalpreisen nicht verkäufliche Tickets an den Mann zu bringen. Mein Eindruck, dass es ziemlich viel Jubel gab und alle Teilnehmer positiv überrascht waren, wie gut die Zuschauer auf dieses thematisch belastende Stück reagieren, wurde von meiner netten Begleit-Runde bestätigt. Alles keine Afficionados für Oper des 20. Jahrhunderts, die sich aber von mir überzeugen lassen, mitzukommen. Alle waren sehr erreicht und überzeugt von dem Dargebotenen. Das finde ich schon sehr viel bei einem derartigen Stück.

    Gruß Benno

    Gerade die Szenen im Frauenlager fand ich seinerzeit in Dresden am eindrucksvollsten.

    Sind sie auch; und sie waren sicherlich auch der Grund für Weinberg (dessen gesamte Familie im KZ umgekommen ist), diese Oper zu komponieren. Mich befremdet die Nonchalance, mit der ein deutscher Regisseur und ein russischer Dirigent da im Werk eines jüdischen Polen und mittelbaren Holocaustopfers herumstreichen und dafür von der deutschen Presse (nach den Kritiken, die ich bisher gelesen habe) auch noch bejubelt werden, weil "die Sangesfreude der KZ-Häftlinge" sowieso nur "peinlich berühren" würde (Münchner Abendzeitung). Holocaust muss offenbar so auf die Bühne gebracht werden, wie es den Deutschen passt, und nicht so, wie es die Opfer erzählen wollen.

    Liebe Grüße,
    Areios

    Hallo Areios,

    Ich weiß nicht, ob ich die von Dir gesetzten Akzente teilen würde, die Tobias Kratzer und Vladimir Jurowskis Hintergrund-Überlegungen angehen. Das Eliminieren allen sozialistischen Kitsches, der in den 1960'er Jahren für Moskau in das Stück hineingeschrieben worden ist, scheint mir eine nachvollziehbare Motivation zu sein. Nachdem ich das Stück in einer anderen Form noch nicht gehört habe, lasse ich mich auf die Aufführung einfach ein.

    Wie ich ja auch bei Umarrangements von Barockopern schon manches Massaker erdulden musste.

    Man kann sich als Komponist halt nicht vor seinen Anhängern retten. Das ging auch Anton Bruckner so. Und welche Version (Bregenz oder München) jetzt auf längere Frist überzeugender für das Stück arbeitet, wird die Zukunft weisen.

    Über die Hintergründe der Münchner Strichfassung spricht Vladimir Jurowski hier recht ausführlich. Sein Hauptgrund für diese Bearbeitung ist das melodramatische 'holzschnittartige Libretto eines lang verstorbenen sowjetischen Schriftstellers'. Ich werde es mir übermorgen anschauen.

    Lieber AlexanderK, vielen Dank für Deine Ergänzungen. Ich muss ja zugeben, dass mich die letzte Zugabe, 7. Symphonie Beethoven, Zweiter Satz, zuerst sehr überrascht hat, aber ich die Ausführung dann ganz wunderbar fand. Sicher betont diese Fassung das spätromantische Larger-than-life-Verständnis von Beethoven, aber letztlich kommt es ja drauf an, wie es gespielt worden ist. Und das wirklich toll.


    Gestern Abend war ich beim BRSO, eigentlich sollte Robin Ticciati ein Programm Ellington - Strawinski - Rachmaninow spielen, der musste kurzfristig absagen, statt seiner dirigierte Joshua Weilerstein Strawinski Violinkonzert (mit Vilde Frang) und Schostakowitsch 5. im Herkulessaal.

    Der Strawinski gelang ganz intensiv, das Verspielte und Freche der Partitur gelang großartig, Vilde Frang hatte mit ihrem warmem Ton nie Schwierigkeiten sich durchzusetzen. Das war eine sehr gelungene Aufführung, sie bedankte sich mit einer Zugabe Violine Solo aus der italienischen Barock(?)zeit, ich habe den Namen leider nicht verstanden. Wieder war eine verspielt-musikantische Präzision mit großer Klarheit und Tonschönheit kombiniert. Erneut gab es großen Beifall aus Orchester und Publikum.

    Der Schostakowitsch nach der Pause war dann ungemein spannend disponiert und ausgeführt, ich war erstaunt, wie toll Weilerstein das Stück mit dem Orchester präsentiert hat. Ganz tolle Staffelung in ganz verschwindend leises Orchesterspiel, die gewohnt großartigen Bläser haben ihr Schärflein dazu beigetragen. Aber in der Steigerung zum fortissimo und drüber hinaus fand ich noch erheblich Luft nach oben. Es gibt halt Stellen, wo nach einem fortissimo noch eine Steigerung drin sein muss. Das konnte das Orchester nicht darstellen, weil fortissimo immer 'con tutta forza' gespielt wurde. Dennoch würde ich sagen, dass das eine der besseren Aufführungen von Schostakowitsch 5. war, die ich live erlebt habe. Aber natürlich wird jeder Kenner von großartigen russischen Aufführungen (oder unter russischen Dirigenten im Westen) darauf hinweisen dürfen, dass das an vielen Stellen viel zu gesund, viel zu ungebrochen rüberkam. Weilerstein ist 37 Jahre alt, d.h., er kann und wird an dieser Musik wachsen können, dirigiertechnisch fand ich das außerordentlich überzeugend und klar dargestellt.

    Heute Abend wird das heutige Konzert in BR Klassik wiederholt, das kann man sich schon sehr gut anhören.

    Auch noch gebucht, ich freue mich sehr drauf:

    Fr. 19.04.2024 20:00 Uhr Isarphilharmonie München

    Arnold Schönberg
    »Gurre-Lieder«
    Oratorium in drei Teilen für Soli, Sprecher, Chor und Orchester

    Sir Simon Rattle Dirigent
    Stuart Skelton Tenor (Waldemar)
    Dorothea Röschmann Sopran (Tove)
    Jamie Barton Mezzosopran (Waldtaube)
    Josef Wagner Bassbariton (Bauer)
    Peter Hoare Tenor (Klaus-Narr)
    Thomas Quasthoff Sprecher
    Chor des Bayerischen Rundfunks
    MDR-Rundfunkchor
    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

    Hallo zusammen,

    gestern Abend haben Martha Argerich und Lilya Zilberstein mit ihrem aktuellen Klavierduo-Programm in München Station gemacht. Alexander war auch da, ich hoffe, er kann mein geringes pianistisches Verständnis etwas positiv korrigieren.

    Das Programm ging von Mozart (KV 608 in der Busoni-Bearbeitung und KV 123a von 1772 für Klavier zu vier Händen) über Schumann, Milhaud, den aktuellen Jubilar Smetana bis zu den Symphonischen Tänzen von Rachmaninow in der Fassung für zwei Klaviere. Lang nicht mehr habe ich ein so abwechslungsreiches Programm mit v.a. Nebenwerken gehört, das ein Publikum so mitgerissen hat. Und das lag nicht nur daran, dass sehr viele Martha-Groupies im Saal waren, natürlich war das so.

    Der jugendliche Mozart hatte einen Schwung und einen Enthusiasmus, dabei aber auch recht fein gespielt, das war nicht so daher gedonnert, wie man das vielleicht hätte befürchten können. Dagegen war die Busoni-Fassung von KV 608 dann schon deutlich ins Monumentalere gestoßen, aber auch hier war eine wunderbare Klarheit und Differenziertheit zu erkennen.

    Die reine Klavierfassung von Schumanns op. 46 habe ich wohl noch nie gehört, hier fand ich, dass (mir) die eigentlich hinzu gehörenden Instrumente (Hörner und Violoncelli) für die Farbigkeit fehlten. Scaramouche von Milhaud ist natürlich absolut mitreißend, die Rahmensätze hatten Witz, Biss und Schmissigkeit, dass es eine wahre Freude war.

    Nach der Pause kamen die Brüder Daniel und Anton Gerzenberg zu zwei Smetana-Stücken zu zwei Klavieren zu acht Händen (Sonatensatz e-moll und Rondo C-dur) hinzu, lustigerweise wurde immer in anderer Paarung gespielt, die leicht erwartbare Paarung: ein Klavier die Herren, das andere die Damen kam nur bei einer der zahlreichen Zugaben zum Einsatz.

    Der Höhepunkt im Konzert waren für mich sicher die Symphonischen Tänzen von Rachmaninow in der Fassung für zwei Klaviere. Hier stimmte von der Farbigkeit des Anschlags, den tollen Tempi, den ungemein intim gespielten ruhigen Phasen für meine Ohren alles. Und, Alexander und ich stimmten hierin überein in unserem kurzen Austausch nach einem (mit Pause und zahlreichen) fast drei Stunden langen Konzert: eigentlich ist op. 45 von Rachmaninow in der Fassung für zwei Klaviere das gelungenere Werk als die Orchesterfassung. Wenn es so toll gespielt wird wenigstens.

    Alexander, bitte übernimm ...

    Gruß Benno

    Lieber Bustopher,

    vielen Dank für Deine fundierten Beiträge hier (und natürlich anderswo). Ist ein Genuss, das zu lesen.

    Meine Frau und ich waren eine ganze Zeit mit einem Paar befreundet, die sich in ihrer ununterbrochene Rezeption von nicht-klassischer Musik eingerichtet haben. Dort dudelte die ganze Zeit eine Wohlfühlatmosphären-Musik vor sich hin. Ich will die beiden nicht als irgendwie typisch darstellen, aber es war schon so, dass ich ihre 'damit will ich mich gar nicht beschäftigen'-Einstellung für mich schon sehr symptomatisch ist. Zum einen hatte ihr selbstzufriedenes Desinteresse an allem, was mit Klassik zu tun hat, einen gewissen Stolz in sich 'ich bin nicht an Kultur interessiert und das ist gut so'. Und zum andern war da auch ganz viel 'Geiz ist geil' drin: ich gebe doch nicht Geld für Musik aus, wo es soviel Musik umsonst im Netz gibt. Das war nicht mal so, dass sie Angst vor Komplexität hatten.

    Sie haben mich regelmäßig ausgelacht, warum ich Geld für Konzerte und CDs ausgebe: das sei in ihren Augen total unmodern: jeder vernünftige Mensch streame doch, am besten aus irgendwelchen halblegalen Quellen. Ich habe dann darauf hingewiesen, dass ich aber will, dass die Menschen, die diese Musik erzeugen, angemessen dafür bezahlt werden, somit sei für mich der Besuch von Konzerten und der Erwerb von Tonträgern ein adäquates Mittel. Und diese Sicht haben sie einfach nicht geteilt. Musik/Bildung darf nix kosten. Das war für sie in Stein gemeißelt. Wertschätzung für die Erzeuger ihrer Musik beschränkt sich aufs (halblegale) Streamen: die sind ja selber schuld, warum sie den Beruf ergriffen haben.

    Sie wären nicht mal in Konzerte gegangen, die ohne Eintritt (und Spende am Ausgang) funktionieren: es gibt doch schon so viel Aufnahmen, wer sich jetzt abrackert, ist halt selbst Schuld, dass er nicht was Gescheites gelernt hat, mit dem er richtig Geld verdienen kann. Diese Leute haben ihnen leid getan ...

    In diesem Monat hat bei einem der von mir gesungenen Konzerte ohne Eintritt ein anderes Paar die gleiche Haltung manifestiert. Am Spendenkörbchen hat 'er' gefragt, ob er sich auch was rausnehmen kann, wenn er einen 50€-Schein ins Körbchen legt. Am Schluss hat er pro Nase 5 € ins Körbchen gelegt, weil seine Frau ihm gesagt hat, dass alles drunter doch sehr egoistisch sei. Wir im Chor haben alle den Kopf geschüttelt, als die Mitchoristin, die das Körbchen hingehalten hat, davon berichtete. In dem Konzert haben knapp zwanzig Profis und zwanzig Laien sehr engagiert und kompetent Musik gemacht. Wahrscheinlich ärgert er sich heute, dass er überhaupt zehn Euro gegeben hat ....

    Diese Leute wird man nicht durch Werbung in der Primetime erreichen, fürchte ich ...

    Gruß Benno

    Naja, mein Eindruck ist halt, dass echte Qualität immer dauerhaft Nachfrage generiert, Joana Mallwitz habe ich bei meiner einzigen Live-Begegnung beim BRSO als wunderbare Musikantin erlebt.

    Natürlich haben Städte wie Berlin oder München da einen leichteren Stand, auch für sehr gute Musiker sehr attraktiv zu sein: Frau Mallwitz sollte eigentlich im März 2020 ihr Debüt beim Bayrischen Staatsorchester geben, manche Nachhol-Termine benötigen dann etwas länger.

    Auch bei den MPhil ist sie schon gewesen, auch dort habe ich nur Bestes gehört von Leuten, die sich das angehört haben.

    Insofern klingt das mit dem Mallwitz-Abo nach einem richtig guten Plan ...

    So, ist ein bisschen was dazugekommen.

    Di. 23.04.2024 19 Uhr Nationaltheater München

    5. Akademiekonzert: JOANA MALLWITZ

    Bayerisches Staatsorchester

    Wolfgang Amadeus Mozart, Symphonie Nr. 36 C-Dur KV 425 Linzer

    Pjotr I. Tschaikowski, Symphonie Nr. 6 h-Moll op.74 Pathétique

    einen dermaßenen Run auf Karten wie hier habe ich lange nicht mehr gesehen bei der Bayrischen Staatsoper.

    Fr. 17.05.2024 19 Uhr Pauluskirche Göttingen

    ENSEMBLE MASQUES & SARAH ROMBERGER, Mezzosopran

    Julien Martin Blockflöte
    Jasu Moisio Oboe
    Tuomo Suni Violine
    Miguel Bonal Bassgambe
    Olivier Fortin Cembalo

    NEUN DEUTSCHE ARIEN

    Fr. 17.05.2024 21 Uhr Altes Rathaus Göttingen

    Efrat Alony Gesang, Arrangements
    Nikolai Meinhold Klavier
    Anne-Mette Iversen Bass
    Heinrich Köbberling Schlagzeug

    Efrat Alony hat letztes Jahr ein Jazz-Album auf Händel'sche Arien herausgegeben, in der sie eine unglaublich starke Auswahl an eher ausgefallenen Arien adaptiert. Sie stellt dieses Album in Göttingen live vor.

    Sa. 18.05.2024 19 Uhr Stadthalle Göttingen

    Israel in Egypt HWV 54 (ich nehme an, die dreiaktige Version wird zu erleben sein)

    Ruby Hughes Sopran
    Lucy De Butts Sopran
    Maarten Engeltjes Countertenor
    Fabio Trümpy Tenor
    Joshua Bloom Bass
    Andreas Pruys Bass

    NDR Vokalensemble

    FestspielOrchester Göttingen

    Klaas Stok Musikalische Leitung

    So. 19.05.2024 11 Uhr Uni-Aula Göttingen

    Pierre Hantaï Cembalo

    Werke von JS Bach, GF Handel und D Scarlatti

    So. 19.05.2024 17 Uhr Deutsches Theater Göttingen

    Sarrasine. Opern-Pasticcio in zwei Akten von George Petrou und Laurence Dale. Musik von Georg Friedrich Händel. Nach der Novelle Sarrasine von Honoré de Balzac. Dialoge arrangiert von Laurence Dale. Musik arrangiert von George Petrou.

    Myrsini Margariti Sopran | Mme de Rochefide
    Samuel Mariño Sopran | Zambinella
    Juan Sancho Tenor | Sarrasine
    Sreten Manojlović Bass-Bariton | Balzac

    Kammerchor der Universität Göttingen
    Antonius Adamske Einstudierung

    FestspielOrchester Göttingen

    George Petrou Musikalische Leitung

    Laurence Dale Regie

    Giorgina Germanou Bühnenbild und Kostüme

    John Bishop Licht

    Beim Opern-Pasticcio runzele ich etwas die Stirn, bin aber natürlich sehr gespannt, den zweiten Sopranisten aus Südamerika, Samuel Mariño, auch noch zu erleben. Bruno de Sà vor zwei Jahren war ein ziemliches Erlebnis.

    Gruß Benno

    Liebe Rosamunde,

    ich bin bei vielem, was Du schreibst, sehr ähnlicher Meinung.

    Meine Herangehensweise ist tatsächlich, dass ich im Bekanntenkreis als der musikalisch am besten informierte gelte - ob das so ist, kann ich nicht einschätzen. Ich erzähle gerne viel von klassischer Musik bei denen, die offen dafür sind, sich mal an Neues heranzuwagen. Erstaunlicherweise lassen sich von den ca. 15 Menschen (zwischen Ende 20 und Mitte 80), die ich regelmäßig antippe: willst Du mal mitkommen, viele ansprechen und sind hinterher begeistert. Gerade wenn das Niveau richtig toll war. Das nehmen die nämlich sehr wohl wahr. Und ich nehme die sowohl zu Renaissance- wie auch zu neuester Musik mit, erzähle ihnen, was ich weiß, was ich nicht weiß, was mir woran gefällt, auch was mir nicht gefällt. Und die meisten wollen das immer mal wieder tun ... Ich versuche mich da als Türöffner, als Chancenaufzeiger. Nicht als 'der hat aber in Takt 257 einen falschen Ton gespielt'-Schlaumeier. Den lasse ich im Forum zur Form auflaufen. :)

    Gruß Benno