Beiträge von music lover

    Myriam Alter: Alter Ego / Kenny Werner: Unprotected Music

    Erst heute habe ich begriffen, dass zwei Jazz-CDs, die ich seit mehr als 12 Jahren unabhängig voneinander überaus schätze, eine gemeinsame Geschichte haben. Nämlich
     
    Kenny Werner buchte ein Studio in den Avatar Studios in Manhattan für den 8. und 9. Dezember 1997. Er wollte mit seiner Band an diesen beiden Tagen Werke der (großartigen) Komponistin Myriam Alter einspielen. Die Band war allerdings schon am ersten Tag fertig mit den Aufnahmen. Also begab sich Kenny Werner mit der "Rumpf-Truppe" (ohne die Bläser) in Gestalt von Marc Johnson (b) und Joey Baron (dr) am fest gebuchten zweiten Tag erneut ins Studio. Und das Trio improvisierte frei drauflos - ohne jegliche Absprache. Was dabei heraus kam, wurde auf der oben abgebildeten zweiten CD auf einem anderen Label veröffentlicht. So großartig das Myriam Alter-Projekt ist (ich kann diese CD wirklich jedem anempfehlen, der auch nur ein kleines bisschen mit der Knitting Factory-Szene sympathisiert), so faszinierend ist auch diese frei improvisierte Kenny Werner Trio-CD. Allein schon das spontan im Improvisationsfluss angestimmte "Greensleeves" - wunderschön. Einfach toll :juhu: .

    Mein erster und bislang einziger Kontakt mit Thielemann war bei den Bayreuther Festspielen 2009. Ich stand - genauer: saß - in der Warteschlange vor dem Kartenbüro: Mr. T kam vorbei und wünschte uns viel Erfolg bei der Jagd nach zurückgegebenen Karten.

    Ist ja Wahnsinn. Etwas Vergleichbares habe ich bisher nur als Anfang-20-jähriger in Hamburg erlebt, als ich bekleidet mit meinem Parka für ein Konzert in der Musikhalle anstand. Dieses Konzert war für mich eigentlich viel zu teuer, ich hoffte auf irgendwelche billigen Restkarten. Dann kam ein graumelierter Herr vorbei, der mich fragte, ob ich eine Karte benötige. Ich bejahte. Daraufhin drückte er mir eine Karte freundlich lächelnd in die Hand und verschwand, ohne dass ich auch nur ein Wort sagen konnte. Es war eine Karte der obersten Preiskategorie, ganz vorn. Ich nahm Platz und erwartete den Konzertbeginn. Der Dirigent des Konzerts stellte sich dann als exakt der Herr heraus, der mir die Karte geschenkt hatte, ohne dass ich ihn (zu meiner Schande) erkannt hatte: Gerd Albrecht.

    Thielemann hatte übrigens ein Trikot des FC Chelsea beim Dirigieren an (kein Witz!)

    Nachdem ich das gelesen habe, wird mir Thielemann nun endgültig sympathisch. Warum habe ich mich bisher nur kaum mit ihm befasst? Er muss ein toller Typ sein.

    Das Bliss-Konzert kenne ich noch gar nicht - interessiert mich auf jeden Fall.

    Das Bliss-Konzert ist, sofern vom Uraufführungspianisten Solomon gespielt, kompletter Wahnsinn. Die Solomon/Boult-Studioeinspielung ist auf der von mir oben verlinkten EMI-CD oder auch hier

    greifbar (für den Einstieg zu empfehlen). Wer dann Blut geleckt hat, kann sich dann auch noch (in grauenvoller Tonqualität, aber pianistisch ein wahrer Reißer) den Mitschnitt der Uraufführung besorgen

    ein herber Kontrast: Scriabins Klavierkonzert fis-moll op. 20 mit Solomon


    Ich liebe diese Solomon-Aufnahme des Scriabin-Konzerts über alles! Deine Erwähnung wird mich veranlassen, sie in der bei mir vorhandenen EMI-Version (zusammen mit dem Bliss-Konzert)

    nachher noch aufzulegen. Erst aber muss ich den Tatort von meiner Festplatte zu Ende ansehen.

    weil er mal Henze dirigiert hat, besucht er regelmäßig den CSD in Köln und weil er Gubaidulina dirigiert, liest er EMMA ...

    Du vergisst, dass er Schönberg dirigiert hat. Folglich wird er bestimmt bald nach Kalifornien auswandern. Und weil er Beethoven dirigiert, könnte er außerdem im Verdacht stehen, demnächst zu ertauben. Bis dahin bekomme ich alles in mein vorgefertigtes Weltbild gepresst. Dass er aber als Gastdirigent des Israel Philharmonic Orchestra gewirkt hat, bekomme ich dann doch nicht so ganz in ein Schema hinein. Was soll denn das dem politisch korrekten Menschen sagen? Dass er ein Stückchen Land nahe Jerusalem besitzt und vielleicht demnächst doch dorthin statt nach Kalifornien auswandert? Oder könnte am Ende Christian Köhn vielleicht doch Recht haben, dass all dies musikalische Gründe haben könnte? Dass das Israel Philharmonic Orchestra ihn trotz seines (abzulehnenden, zu verurteilenden und definitiv verachtenswerten) Seitenscheitels aus musikalischen Gründen eingeladen hat? Nein, sorry. Das kann ich mir nun wirklich beim allerbesten Willen nicht vorstellen :mlol: :mlol: :mlol:

    Die Mischung vieler Komponenten? Soll ich jetzt etwa auch noch auf den weiteren von Dir verzapften Blödsinn eingehen wie "merkwürdige, enge Repertoirewahl, die sich auffallend auf Komponisten begrenzte, die sich mit den Nazis eingelassen hatten oder die die Nazis gerne spielten" und dann z.B. mit Dir diskutieren, ob Schönberg und Henze - zwei von Thielemann bevorzugte Komponisten - "typisches Nazi-Repertoire" sind?

    die Interviews, in denen er gezielt von irgendwelchen Aufnahmen von 1942 schwärmte. Mit anderen Worten: Thielemann schuf sich das Image eines Rechten.

    Also, jetzt hört es aber nun wirklich auf *kotzsmiley-wo-bist-Du-hier-bei-Cappriccio?*.

    Thielemann reiht sich in die lange Schlange der Bewunderer von Furtwänglers 1942er Aufnahme von Beethovens Neunter ein. Welche zahlreiche Musikkenner für die beste Schallplattenaufnahme aller Zeiten halten (diese Meinung habe übrigens auch ich). Eine Aufnahme, von welcher z.B. Sir Simon Rattle sagte, dass man diese Interpretation nur häppchenweise zu sich nehmen könne, so intensiv sei sie. Sir Simon Rattle weiter (aus dem Gedächtnis zitiert): "Diese Jahrhundertaufnahme zu hören ist so, als hätte man ein Francis Bacon-Gemälde im Schlafzimmer hängen".

    Wenn Thielemann Furtwängler für das Maß aller Dinge hält, dann spricht das für seinen Musiksachverstand. Wenn Du hier demgegenüber irgendetwas verzapfst wie "gezielt von irgendwelchen Aufnahmen von 1942 schwärmen", ohne präzise zu sagen, dass er von Furtwänglers 1942er Beethoven-9-Aufnahme (nicht von "irgendwelchen" Aufnahmen) schwärmt, und dann noch deswegen die Verbindung zum "Image eines Rechten" ziehst, dann kann man Dir nun wirklich nicht mehr helfen.

    Weiter geht's in der Bernstein Symphony Edition

    mit der CD 17
    Karl Goldmark
    Sinfonie "Ländliche Hochzeit" op. 26
    Paul Hindemith
    Sinfonie Es-Dur

    New York Philharmonic Orchestra
    Leonard Bernstein

    Von Karl Goldmark (1830 - 1915) kannte ich bisher nur das Violinkonzert Nr. 1. Seine Sinfonie op. 26, die ich heute erstmals höre, gefällt mir ziemlich gut.

    Leonard Bernstein: Sinfonie Nr. 3 "Kaddish"

    vermutlich einer von mehren Gründen, warum mir die "Kaddish"-Sinfonie (auch andere Bernstein-Werke) fremd geblieben ist... trotz des Bemühens mit 2 Radiomitschnitten..

    Das sehe ich genauso wie Du. Ich mache gerade zum wiederholten Mal den Versuch, mich der Sinfonie "Kaddish" aus dem Jahr 1963 (revidiert 1977) zu nähern. Ich habe sie in zwei Versionen: einmal mit dem Israel Philharmonic Orchestra sowie Montserrat Caballé (Sopran) und Michael Wager (Sprecher) plus Chören

    und einmal in der Symphony Edition mit dem New York Philharmonic Orchestra sowie Jennie Tourel (Mezzosopran) und der geradezu sagenhaft schlechten Sprecherin Felicia Montealegre (deren permanent zitternde Stimme mit gelegentlichem Schluchzen wohl Bedeutungsschwere rüberbringen sollte) plus Chören

    Felicia Montealegre war übrigens Lennies Ehefrau.

    Nach wie vor ist da nichts an dieser Sinfonie, was mich auch nur annähernd ansprechen könnte. Dieses Gelabere des Sprechers, begleitet von irgendwelchen Orchester-, Gesangs- und Chor-Einsprengseln - not my cup of tea, sorry :shake: Wenn man sich aber eine dieser beiden vom Komponisten geleiteten Aufnahmen anschaffen möchte, empfehle ich dringend die DG-Aufnahme. Der dortige Sprecher Michael Wager hat wenigstens eine angenehme und schöne Stimme. Sich demgegenüber Felicia Montealegre anzutun, sollte man vermeiden. Und auch Jennie Tourel macht ihre Sache nicht besonders gut (Montserrat Caballé dagegen schon).

    Leonard Bernstein: Sinfonie Nr. 3 "Kaddish"

    Ich mache zum wiederholten Mal den Versuch, mich Lennies Dritter Sinfonie "Kaddish" zu nähern. Ich habe sie in zwei Versionen: einmal mit dem Israel Philharmonic Orchestra sowie Montserrat Caballé (Sopran) und Michael Wager (Sprecher) plus Chören

    und einmal in der Symphony Edition mit dem New York Philharmonic Orchestra sowie Jennie Tourel (Mezzosopran) und der geradezu sagenhaft schlechten Sprecherin Felicia Montealegre (deren permanent zitternde Stimme mit gelegentlichem Schluchzen wohl Bedeutungsschwere rüberbringen sollte) plus Chören

    Felicia Montealegre war übrigens Lennies Ehefrau.

    Nach wie vor ist da nichts an dieser 1963 komponierten (und 1977 revidierten - die ursprüngliche Fassung gefiel Lennie laut DG-Booklet irgendwann nicht mehr, weil dort zuviel geredet wurde) Sinfonie, was mich auch nur annähernd ansprechen könnte. Dieses Gelabere des Sprechers, begleitet von irgendwelchen Orchester-, Gesangs- und Chor-Einsprengseln - not my cup of tea, so sehr ich Lennie auch in anderen Werken mag :shake: :shake: :shake:

    Danke Dir für Deine prompte Rückmeldung! Und wenn inzwischen 6,99 € der Preis ist, zuckt jetzt auch mein Bestellfinger :D

    Ein schönes Wochenende wünsche ich Dir ("Herzliche Grüße" darf man ja hier offenbar inzwischen nicht mehr schreiben...) :prost:

    Evanescence

    Bis eben:


    Bei Evanescence mache ich mit und lege mir mal wieder nach längerer Zeit

    auf. Die neue CD habe ich mir noch nicht zugelegt. Wie findest Du sie?

    Auf Evanescence bin ich übrigens seinerzeit deswegen gestoßen, weil ihr Bandname identisch ist mit dem (sich auf Gil Evans beziehenden) Titel eines meiner Lieblingsalben aus dem Jazz-Bereich

    So wurde ich neugierig. Das Songwriting bei Evanescence fand ich bereits beim ersten Hineinhören in die Songs sehr gut - und Amys Bühnenpräsenz ist enorm. Ich habe die Band zweimal live gesehen: einmal im Hamburger "Dock's", als sie noch gar nicht mal so sehr bekannt war, und dann in einem Großkonzert in Köln, für das ich extra deswegen dorthin gefahren bin. Beide Auftritte waren echt begeisternd.

    Meine Favorites sind "Mein Herz brennt", "Links 2,3,4", "Ich will" und "Spieluhr".

    Absolut! Wobei ich den Titelsong "Mutter" (mit dem Filmorchester Babelsberg) gänsehautmäßig fast doch am besten finde. Dieser vom Sanften bis zum Schrei gesteigerte Ausbruch "Mutter - Mutter? - Mutter???? - MUTTER!!!!!!!!!!!!" ist ein Wahnsinn. Von der überaus traurigen Thematik dieses Songs natürlich mal ganz abgesehen.

    Freut mich sehr, dass Du dieses Rammstein-Album gut findest :thumbup:

    Echt? Ich dachte, das wäre erst danach gewesen.


    Die Veröffentlichung des Songs erfolgte danach, klar. Aber dieses Kannibalen-Motiv wollte Till Lindemann vorher schon in einem Song verarbeiten. Möglicherweise angeregt durch Vorkommnisse in anderen Ländern als Deutschland, das erinnere ich jetzt nicht (ich müsste dafür mal in alten Metal Hammer-Ausgaben blättern).

    Harte Musik erwartet mich morgen abend live in Hamburg: Heaven Shall Burn in der Markthalle - mit Unearth als Vorgruppe :jub: Deshalb habe ich im Moment auch wenig Neigung, abends Klassik zu hören. Bis zu HSB wird hier wohl eher weiter Rammstein, Trivium, Killswitch Engage oder As I lay dying laufen.

    Ich verstehe jeden, lieber Tyras, der mit Rammstein nichts anfangen kann. Die Texte sind schockierend - aber wirklich absolut genial gedichtet. Die Musik ist brachial - und damit genau das Richtige für mich. Andere werden völlig verständlicherweise sagen, dass ihnen dies zu heftig ist. Das was Du mit Wum = Till Lindemann sagtest, kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Wum war doch eher heiser (und hatte im Übrigen Loriots Stimme). Das höre ich bei Till Lindemann nun überhaupt nicht heraus.

    Manchmal holt die Wirklichkeit Rammstein übrigens sogar ein - wie in ihrem Song "Mein Teil", in dem es um Kannibalismus und um das Verspeisen des männlichen Geschlechtsteils nach dem Töten auf Verlangen geht ("Heute treff' ich mich mit einem Herrn, der hat mich zum Fressen gern. Weiche Teile und auch harte, stehen auf der Speisekarte - Du bist, was Du isst, und Ihr wisst, was es ist: Es ist mein Teil!"). Das Songwriting an diesem Motiv war bereits begonnen, da passierte eine solche Geschichte im realen Leben. Unfassbar, aber wahr. Hätte Rammstein den Song ohne dieses Ereignis veröffentlicht, hätte es sofort wieder geheißen: wie krank können Hirne sein, sich so etwas auszudenken.

    Ich möchte jetzt keinesfalls eine OT-Diskussion über Rammstein beginnen, deshalb nur soviel: Die Band hat ein hässliches, ein extremes und hartes, gleichzeitig aber auch sehr spielerisches Herangehen an Text und Musik. Man kann sie bewundern (wie ich) oder ablehnen (wie Du). Aber wenn man über Politik redet (was nicht Rammstein angefangen haben, sondern das waren die Medien), ist Rammstein eine links gesinnte Band. So, und nun genug von diesem (OT)Thema (wäre nett, wenn das so seitens der Moderation stehengelassen werden könnte).

    By the way (und um wieder auf Thielemann zu kommen): was hat eigentlich ein Seitenscheitel mit deutschnationaler Gesinnung zu tun? Irgendwie komme ich da nicht so ganz mit ?(

    Natürlich sind Seitenscheitel und politische Gesinnung von der musikalischen Leistung zu trennen. Mit der Vermischung hat aber seine Vermarktung und auch er selbst angefangen. Sein Image hat schon einen Hauch von Rammstein.


    Da Du die Band Rammstein erwähnst und offenbar andeuten möchtest, sie hätten irgendetwas mit der rechten Szene zu tun, kann ich das nicht so stehen lassen. Diesen Quatsch hat mal irgendjemand vor vielen Jahren aufgebracht (ich meine zu erinnern, es war DER SPIEGEL) - und die Band hat souverän reagiert. Sie ließ diese Verleumdung unkommentiert, brachte aber auf ihrem nächsten Album "Mutter" den Song "Links 2 3 4" heraus, der mit einem militärischen Stechschritt-Geräusch beginnt. Der Refrain des Songs lautet:

    "Sie wollen mein Herz am rechten Fleck
    Doch seh' ich dann nach unten weg
    Dann schlägt es links!
    Links!!!
    Links!!!
    Links Zwo Drei Vier
    Links Zwo Drei Vier
    Links Zwo Links Zwo Links Zwo Drei Vier
    Links!!!

    (...)

    Sie wollen mein Herz am rechten Fleck
    Doch seh' ich dann nach unten weg
    Dann schlägt es in der linken Brust
    Der Neider hat es schlecht gewusst

    Links!
    Links!
    Links Zwo Drei Vier
    Links!!!"

    Genialer kann man kaum reagieren.