Beiträge von Axinja

    Mein erster Dostojewskij war vor Jahrzehnten der Idiot, und das war kein schlechter Beginn aus meiner heutigen Sicht. Er ist auch mein Lieblingsroman dieses Autoren geblieben


    Mir geht es ebenso. Der Idiot war meine erste Bekanntschaft mit Dostojewski, und bis heute ist dieser Roman mein Lieblingswerk aus seiner Feder. Schuld und Sühne fand ich auch sehr überzeugend, aber mit der Figur des "Idioten" konnte ich mich bislang am ehesten identifiziereren, weil mir ihre Motive und Intentionen seltsam vertraut sind ;+) .


    Gut geschrieben, fesselnd und stilististisch hervorragend sind natürlich viele Werke Dostojewskis. Doch ich brauche immer eine Art Verbundenzeit im Hinblick auf den Protagonisten. Hier sind es die Gutgläubigkeit und Menschenliebe des Fürsten.


    Nächstes Leseprojekt: Die Übersetzungen von Swetlana Geier, Verbrechen und Strafe sowie Der Idiot, lesen.

    Heute auf WDR 3 gehört:


    Pyrrichios. Presto (3) / aus: Konzert-Rhapsodie für kretische Lyra und Orchester


    Komponist: Yannis Markopoulos



    Ensemble: Flandrisches Opern-Sinfonie-Orchester
    Dirigent: Edwig Abrath
    Solist: Zacharias Spyridakis {Lyra}


    Der Satz hat mir so gut gefallen, dass ich mir das Werk in Gänze anhören möchte.

    Musikinstrumenten-Museum in Brüssel

    Ich kann das Musée des Instruments de Musique (MIM) in Brüssel empfehlen. Es befindet sich in einem schönen Art-Nouveau-Haus mit entsprechendem Dachterassen-Café, das einen tollen Blick auf die Stadt gewährt. Das Museum beherbergt über 7000 Musikinstrumente, von denen etwa 1200 ausgestellt sind.
    Thematische Schwerpunkte (laut Homepage):
    "• Abendländische "Ernste Musik“ vom alten Ägypten bis hin zu Experimenten und historischen Reproduktionen des 19. Jahrhunderts
    • Saiten- und Tasteninstrumente in all ihren Ausprägungsformen
    • Traditionen weltweit
    • "Musicus mechanicus" mit mechanischen, elektrischen und elektronischen Kollektionen."

    Im Urlaub habe ich einige Werke der russischen Autorin Ljudmila Ulitzkaja gelesen.


    Besonders beeindruckt hat mich:


    Der Roman spielt in der Sowjetunion und schildert die Entwicklung der Freunde Ilja, Sanja und Micha, die sich während der Schulzeit kennenlernen. Aus unterschiedlichen Intentionen werden sie im Lauf ihres Lebens zu Dissidenten. Die Geschichte ist in Episoden angelegt, die die Erlebnisse der Freunde und die ihrer jeweiligen Liebhaberinnen (respektive Ehefrauen), ihrer Verwandten und politischen Weggefährten kunstvoll miteinander verbinden. Ein wunderbares Buch darüber, wie das Leben in der Sowjetunion zwischen Stalins Tod und Gorbatschows Abdankung "funktionierte".


    Da einer der Protagonisten, Sanja, Musiker ist, gibt es auch einige interessante Passagen für Musikliebhaber (z.B. wird über ein Werk von Stockhausen berichtet, das Sanja regelrecht überwältigt) .

    Ein wirkliches Leseerlebnis war für mich das Buch Verwandte Stimmen (englischer Originaltitel: An Equal Music) von Vikram Seth. Es geht um die Lebens- und Liebesgeschichte eines Geigers, der Teil eines Streichquartetts ist. Nach Jahren trifft er unverhofft seine ehemalige, nunmehr anderweitig liierte, große Liebe - ebenfalls Musikerin - und gerät in einen Strudel von Ereignissen und "Erinnerungsarbeit", wobei die Musik für beides das Fundament bildet.
    Besonders interessant für Musikinteressierte sind die langen Passagen über die Proben des Quartetts und die Beschreibung der einzelen Werke, die für die Musiker von Bedeutung sind.



    Folgende Werke werden in Verwandte Stimmen genannt / geprobt / beschrieben:


    Johann Sebastian Bach
    Partita Nr. 3 in E-dur für Solovioline, BWV 1006
    Die Kunst der Fuge, BWV 1080; Bearbeitung für Streichquartett


    Ludwig van Beethoven
    Streichquintett in C-moll (Bearbeitung des Klaviertrios, Op. 1/3), Op. 104;


    Joseph Haydn
    Streichquartett Op. 20 Nr. 6, A-dur, Hob. III: 36


    Wolfgang Amadeus Mozart
    Violinsonate in E-moll, K 304 (300c)


    Franz Schubert
    Klavierquintett in A-dur ("Forellenquintett"), D. 667 (Op. posth. 114)
    Streichquartett ("Quartettsatz") in C-dur, D. 703
    Streichquintett in C-dur, D. 956 (Op. posth. 163)


    Antonio Vivaldi
    Sonate für Violine und Basso Continuo in C-dur ("Manchester Sonate" Nr. 1), RV 3


    Ralph Vaughan Williams
    "The Lark Ascending" für Violine und kleines Orchester


    Das Hagen Quartett hat übrigens eine CD mit den genannten Kompositionen eingespielt. Titel: Vikram Seth - Verwandte Stimmen



    Ich liebe diesen Film auch. Er stellt eine unterhaltsame Mischung aus Road Movie, Komödie, Thriller und Horror dar.


    Leider kann ich aufgrund meines schreckhaften und ängstlichen Wesens keine wirklichen Horrorfilme (für die ich eine grosse Affinität hege) in Gänze sehen.
    Nach den ersten fünfzehn Minuten ist meistens Schluss, da ich schreckliche Angst bekomme.


    Neben "Tanz der Vampire" ist "From Dusk Till Dawn" eines der wenigen Werke des gemäßigten und skurrilen Horrors, das ich ertragen kann.

    Der Hofnarr (1956). Ich lache nicht über jeden Witz, es bleiben aber noch genug übrig.


    Hannah und ihre Schwestern (1986). Zumindest für mich: Allens Meisterstück.


    Maurice (1987). Ivorys Meisterstück.


    :thumbup:


    Dann noch:


    Ein Goldfisch an der Leine - Mir ist schleierhaft, warum diese Komödie von Howard Hawks nicht Kultstatus wie Manche mögens heiss oder Leoparden küsst man nicht hat.


    Schindlers Liste - Bewegt mich immer wieder aufs Neue, zumal ich kurz nach Ablauf der Dreharbeiten in Krakau und Auschwitz war. Die Filmmusik ist auch ganz hervorragend.


    Eat Drink Man Woman - Ein schöner, ruhiger und visuell beeindruckender Film über die Liebe und die Kochkunst Taiwans.


    Der dritte Mann - Immer wieder spannend und beklemmend, Carol Reeds Film, der im Wien der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg spielt. Hervorzuheben ist natürlich die bekannte Kanalisations-Szene.


    Apocalypse Now


    Eyes Wide Shut


    Die zwölf Geschworenen von Sidney Lumet - Sieg der Gerechtigkeit!


    Im Namen des Vaters - Die Verfilmung des "Guilford Four"-Falls war für mich ein Aha-Erlebnis, ist doch zu sehen, wie ungerecht und korrupt Justiz in Zeiten der Krise auch in demokratischen Staaten sein kann.


    Manhattan


    Orphée von Jean Cocteau - Die Orpheus-Sage verlegt ins Paris der 1940er Jahre. Ein Film der schönen Bilder und - für damalige Zeiten - der tricktechnischen Raffinessen


    Der Pate I bis III


    Die zwei Leben der Veronika - Kieslowskis Meisterwerk, auch wegen der hervorragenden Filmmusik von Z. Preisner.

    Nachdem ich vor Weihnachten - nach langer Auszeit - endlich wieder mit dem Klavierspielen angefangen habe, wage ich es nun auch, mich hier im Forum wieder "einzubringen" ;+) .


    Da nicht nach Lyrik, Erzählungen, Dramen etc. gefragt wurde, hier meine zehn Lieblingsomane, die im Original in russischer Sprache erschienen sind. Aber eine absolute Reihenfolge kann ich nicht festlegen.


    Dostojewski: Der Idiot
    Dostojewski: Schuld und Sühne
    Schitkow: Wiktor Wawitsch
    Tolstoi: Krieg und Frieden
    Tolstoi: Auferstehung
    Scholochow: Der stille Don
    Pasternak: Doktor Schiwago
    Kurkow: Picknick auf dem Eis
    Solschenizyn: Der Archipel Gulag
    Lukianenko: Wächter der Nacht

    Das Lied "Nebel, meine Nebel" habe ich gleich abgespeichert - wunderbar!


    Ich höre besonders gerne das folgende russische Lied:
    "http://www.youtube.com/watch?v=8KZqgqeX02Q"
    ("Ya vstretil vas" - erstes Lied, hier gesungen von Dmitri Hvorostovsky)


    Und hier in der Piano-Version:
    "http://www.youtube.com/watch?v=FrVD-5HvYP0"

    [YouTube-Links deaktiviert. Copyright! Bitte zukünftig beachten. :wink: Gurnemanz]

    Da ich hauptsächlich an Klaviermusik interessiert bin, fällt mir gerade Fazil Say, Jahrgang 1970, ein, den ich bereits mehrere Male in hier in Düsseldorf live erleben durfte. Besonders gefallen mir seine Kompositionen Black Earth und Sevenlere Dair.


    Gruß
    Axinja

    Als Jugendliche / junge Erwachsene hatte ich einen starken Hang zu Literatur im Sinne von "Unordnung und frühes Leid" ;+) :
    Es waren vornehmlich Erzählungen von Thomas Mann, Franz Kafka und Stefan Zweig, die ich immer wieder las.

    In Stunden allertiefster (post)pubertärer Verzweiflung mussten es aber Romane und Dramen sein, die noch intensiver von Sinnsuche, Außenseitertum, Aufopferung und frühen Lebenskrisen handelten. Spontan fallen mir dazu Hesses "Demian", Musils "Verwirrungen des Zöglings Törleß" oder Anouilhs "Antigone" ein.

    Freitag, 23. März, Philharmonie München


    Jewgeny Kissin



    Programm:
    Beethoven Klaviersonate cis-moll op. 27/II, "Mondschein-Sonate"
    Barber Sonate für Klavier, op. 26
    Chopin Nocturne As-dur op.32/II
    Chopin Klaviersonate Nr. 3 h-moll, op. 58


    Ich freue mich sehr auf das Konzert, zumal es mit meinem ersten Besuch in München verbunden ist.


    Jewgeny Kissin bewundere ich, seitdem ich ihn das erste Mal in der Kölner Philharmonie mit den Bildern einer Ausstellung von Mussorgsky (und etlichen Zugaben auf Wunsch der Konzertbesucher) erlebt habe. Er ist einer der wenigen Pianisten, für dessen Auftritte ich "quer durch die Republik" reise.

    Dafür darf man hier dann einen so fantastischen Autoren wie Jahnn runterputzen, weil er es einem nicht leicht genug gemacht hat.


    Hallo Peter Brixius
    ich hoffe ja, Deine Anmerkung bezieht sich nicht auf meine Beiträge zu Jahnn ?( . Ich habe ja ausdrücklich geschrieben, dass ich mich mehrfach an Fluss ohne Ufer versucht habe. Leider vergeblich! Und ich gehöre bestimmt nicht zu den Lesern, die hauptsächlich gut unterhalten und dabei möglichst wenig intellektuell gefordert werden wollen.

    Shame


    Am Freitag habe ich diesen viel gelobten Film von Steve Mc Queen gesehen. Michael Fassbender spielt einen sexsüchtigen, einsamen Yuppie, dessen neurotisches Dasein durch das Auftauchen seiner Schwester mehr und mehr aus den Fugen gerät. Und Fassbender spielt wirklich grandios! Doch empfehlen kann ich den Film nur Jenen, für die Hardcore-Sex im Film kein Problem darstellt.

    Schön: Einige Szenen, z.B. die "Entlastungsläufe" des Protagonisten nach - später als beschämend empfundenen - sexuellen Handlungen, sind mit Bachschen Klavierkompositionen unterlegt, z.B. der Aria aus den Goldberg-Variationen, gespielt von Glenn Gould.

    Ich habe Perrudja gelesen und arbeite mich seit einiger Zeit durch Fluß ohne Ufer. Was die "Größe" ausmacht, kann ich nicht beantworten, nur so viel: Mich beeindruckt Jahnn vor allem durch seine kunstvolle Sprache und eine Breite der Darstellung, mit der er die tiefen Verstörungen des 20. Jahrhunderts zu erfassen scheint. Gut: Leicht zu lesen ist es nicht unbedingt...


    :wink:

    Ich stimme Dir zu; die Sprache ist kunstvoll. Auch Verstörung ist zu spüren. Doch Fluss ohne Ufer ist derart lebensfern und öde. Auf mich wirkt es so, als habe ein High-Function-Autist mit schier unendlichen sprachlichen Ressourcen ein Buch über Schuld und Sühne, Moral, Leidenschaft und Paraphilien geschrieben - weitestgehend psychische /emotionale Zustände eben, die er beschreiben, aber selbst nicht fühlen bzw. nachfühlen und damit auch nicht vermittlen kann.
    Aber vielleicht sollte ich es mal mit Perrudja versuchen...



    @ Florian Voss,
    "Edellangweiler", ja das passt!


    LG

    Meine Favoriten unter den Krimi-Autoren sind Alexandra Marinina und Paulina Daschkowa. Das liegt wohl vornehmlich an meiner "russophilen" Haltung, aber auch an der Glaubwürdigkeit der geschilderten Figuren und der Art der Fälle - meist eine Mischung aus Mord, Mafia, Liebe und postsowjetischer Tristesse.


    Besonders gut gefällt mir dabei die Polizistin Anastasija Kamenskaja, Ermittlerin in den Marinina-Krimis. In der Kamenskaja-Reihe hat mir bisher der Fall Mit tödlichen Folgen am besten gefallen, dabei geht es um die Aufklärung eines Mordes im Showbuisiness.


    Lenas Flucht ist mein Lieblingskrimi von Paulina Daschkowa. Eine schwangere Journalistin gerät in eine obskure Klinik. Dort wird ihr mitgeteilt, ihr noch ungeborenesKind sei bereits tot. Sie glaubt zunächst lediglich an eine Fehldiagnose, da sie das Kind noch spürt, muss aber nach der Flucht aus der Klinik feststellen, dass kriminelle Machenschaften das Motiv dieser falschen Information sind...


    LG

    H. H. Jahnn

    Ich muss, nachdem ich mich in den letzten Tagen durch die Literaturstränge hier im Forum gelesen habe, an dieser Stelle mein Erstaunen äußern:


    Es geht um die häufige Nennung der Bücher von H. H. Jahnn im Hinblick auf Eure liebsten deutschsprachigen Romane. Vor Jahren habe ich mit großem Bemühen versucht, die Romantrilogie Fluss ohne Ufer zu lesen. Grund dafür war, dass meine damalige Internet-Liebe Jahnn-Kenner-und-Versteher war (er hat 1991 sogar einen von der ZEIT ausgelobten Preis für die Interpretation des Romans bekommen), und ich diese Jahnn-Erfahrung mit meiner virtuellen Liebe teilen wollte.


    Ich bin hoffnungslos gescheitert! Nach mehreren Leseversuchen konnte ich nur feststellen, dass diese Prosa mich vollkommen anödet und verständnislos hinterlässt. Was macht die Größe des Werks aus? Botho Strauss hat sich seinerzeit ja auch sehr für Fluss ohne Ufer engagiert, und ich frage mich nach wie vor, warum.


    LG
    Axinja

    Danke für den Hinweis, dass die Liste 15 Filmmusiken umfassen darf, lieber Rideamus.
    Anbei das Ranking 11-15, die Reihenfolge ist dabei eigentlich beliebig:


    Der Pate - Nino Rota
    Zwei Banditen - Burt Bacharach
    Cyrano von Bergerac - Jean Claude Petit
    Wenn die Kraniche ziehen - Mieczysław Weinberg
    Die zwei Leben der Veronika - Zbigniew Preisner