Beiträge von Ulrica

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    Was ist, wenn in einer Partitur vor einem "f" ein (Vorzeichen) "b" steht? (Die Tonart ist generell vorzeichenlos, es handelt sich nicht um eine Aufhebung. Aber ist wahrscheinlich auch egal.) Ist es dann ein "e"? Und wenn ja, warum schreibt man das nicht direkt hin?

    Wie schon ausgeführt, es ist in - ggf. winzigen Nuancen - ein anderer Ton, gebildet aus dem Kontext der gewählten Grund - Tonart (vielleicht würden Musiktheortiker*innen das anders ausdrücken, ich spreche hier aus sägerischer Erfahrung. Einige Notierungen haben sicher auch mit "Partituren - Orthografie" zu tun, aber:

    Geiger können zwischen einem fes und einem e differenzieren. Sänger auch.

    Ein Versuch aus der sängerischen Sicht:


    Pauschal gesagt, klingt das fes anders als das e. Das fes ist eine Abweichung aus der Tonart, das e wäre vollends in diese eingeliedert. Also klingt das gesungene e in seinem Charakter gleichförmiger als das fes. Ich meine, als Sänger*in kann man hieraus kaum bewusst oder, besser gesagt, isoliert mit dem fes umgehen, sondern die Klangfarbe ergibt sich aus dem Kontext. Es sind ja andere, meist "fixiertere" Töne, von denen die Singstimme "abspringt" (hier macht wohl eher ein Sprung von oben auf das fes Sinn, um es herausarbeiten zu können bei der eingestrichenen Oktave). Die Frequenzen nimmt die Stimme mit und macht damit klar, ob sie eine Abweichung (eben ein vermindertes f) oder ein klares e singt. Die Töne "schwingen" unterschiedlich.


    Zugegeben, das Beispiel ist für Gesangspartituren alles andere als üblich, da kommt eher bb bzw. x als deutliche Abweichung vor. Zur Einstudierung und am begleitenden Klavier wird natürlich die e - Taste bedient (Temperierung), die sich bei der Begleitung an der Stelle wohl zurückhalten sollte, um den abweichenden Effekt wirken zu lassen.


    :wink: :wink:

    Naturgemäß ist 2020 alles weggebrochen, und das war viel. Kirchliche Sachen bis incl.Februar habe ich noch gemacht, dann war Schicht.


    Eine neue Partnerschaft mit einer Pianistin und Duettpartnerin für Liederkonzerte kam nicht mehr zum Tragen, unsere Premiere am 13.03.2020 wirde 2 Tage davor abgesagt, weil beim Veranstalter schon ein Ausbruch stattfand.


    Danach, und das war besonders schade, wurden aufwändige Vorbereitungen und ein besonderes Herzensprojekt zunichte: Das Operettenkonzert "Beliebte Melodien - verfemte Künstler" mit Stücken und kurzen Texten von und zu verfolgten Komponisten in der Nazizeit am 28.03.2020 mit Bel Voce in Kooperation mit der Initiative Fürstenfeldbruck ist bunt - nicht braun im Rahmen der Wochen gegen den Rassismus. Zum Glück konnten wir die die Reißleine rechtzeitig ziehen, sodass größere Kosten noch vermieden werden konnten.


    :!: :!: :!: :!: VORANKÜNDIGUNG: Nachhol - Termin am 09. oder 10.10. 2021, wenn Corona mitmacht bzw. sich entsprechend verzogen hat!!!! :!: :!: :!: :!:


    Danach waren noch so ca. 15 Auftritte weg. Klar, das traf und trifft alle, die aktiv musikalisch, vor allem singend unterwegs sind und ich bin froh und dankbar, dass ich im Hauptberuf geblieben und nicht von den existenziellen Folgen betroffen bin. Proben und sich Fit - Halten läuft weiter, ein wichtiger Aspekt, der für die vollberuflichen Kolleg*innen extrem wichtig ist.


    Umso schlimmer, wenn da kein Geld fließt.


    Was den passiven Genuss betrifft, war der Ausfall der Bayreuther Festspiele bedauerlich, da wieder eine Aussicht auf eine Generalprobenkarte bestand.


    Das würde ich heuer gerne nachholen und die Tatsache, dass die Festspiele heuer wieder stattfinden sollen, lässt hoffen.


    Positiv ist, dass es für die wichtigen Projekte Nachholoptionen gibt und die Kontakte und Vorhaben geblieben sind. Planungsunsicherheit bleibt jedoch und auch immer die Sorge, dass alle gesund bleiben.


    :wink: :wink:

    ....und außerden sind es umgehend gleich die "armen Opfer", wenn man wagt, zu widersprechen. In FB habe ich mich auf einer Wagnerseite zu diesem Thema mit einem gefetzt, der immer mehr das Grundprofil des AfD - Anhängers aufwies. Er hat zwar den Vergleich mit Hans Scholl auch abgelehnt, jedoch ist er gegen den Rausschmiss des Herrn Miekisch. Es ist immer das Gleiche: Wenn man anderer Meinung ist, ist man undemokratisch, grenzt diejenigen aus, die auch mal noch was sagen wollen, was angeblich der Mainstream unterdrückt und verweist auf tatsächliche und vermeintliche Sünden aus dem link(er)en Spektrum, über die sich angeblich niemand aufregt.


    Sorry, ich will nun nicht zu sehr auf das Politische zusteuern, daher zurück zu Miekischs Tätigkeit. Vor einigen Jahren, leider weiß ich nicht mehr, wann genau, habe ich die TV - Features aus der Villa Wahnfried gesehen. Die waren mE. gut gemachtund haben tatsächlich Interesse am Sujet geweckt bei Leuten, die damit bisher nicht viel anfangen konnten. Das er zuviel gequatscht habe, ist mir nicht aufgefallen. Die Sprechtexte fand ich recht relaxed, ja, jedoch weder unangemessen noch inkompetent. Mir ist ein lockerer Ansatz, sich Wagner zu nähern, lieber als jegliche reaktionäre Bewunderungssteifheit. Ergo: eine mE. insgesamt gelungene "Musikexegese"


    Kurz gesagt: Schlimm, dass schon wieder einer abgedriftet ist, der ursprünlich eine gute Arbeit geleistet hat und dies, wie die recherchierten Texte zeigen, schon viel früher als angenommen.


    :wink: :wink:

    Das ist selbstverständlich, egal, ob es diese seltsame Person ist, die sich kürzlich mit Sophie Scholl verglichen hat oder eben hier Stefan Mikisch. Es ist überall unerträglich, aber gerade eben an einem Ort wie Bayreuth besonders und von daher muss in diesem Fall ganz besonders scharf und schnell reagiert werden.


    Wolfram

    Das bringt es mE. genau auf den Punkt.


    Versuche, mit diesen Leuten in einen demokratischen Disput zu treten (was eine Menge Energie für Selbstbeherrschung kostet), scheitern zielsicher. Leider sieht es inzwischen so aus, dass Leute, mit denen ich bislang gut ausgekommen bin, oder Leute, deren Performances mir bisher zugesagt haben, plötzlich so daherkommen. Mit dieser Erfahrung bin ich sicher nicht die einizige. Es immer so, dass man sofort eine geballte Ladung Selbstmitleid, Herabsetzung und/oder Ignoranz jeglicher Realität abkriegt. Wer seinen Ruf wahren will, kann sich nur von Personen, die auf die Schwurbelschiene geraten sind, trennen.


    :wink: :wink:

    Ich denke, es wird nicht gelingen, die Hammerklaviersonate in einen Gegensatz zur Unterhaltung zu bringen. Jedenfalls nicht, ohne den Begriff genau zu definieren.

    okay, klar, deswegen hatte ich ja "dient" in zugegebenermaßen unvollständigen Anführungszeichen. Aber, was tut sie dann?


    Dies treibt mich nun nach wie vor um. Was mich betrifft, kann ich jetzt alles von links nach rechts, oben nach unten und wieder zurück drehen und komme immer wieder zum Ergebnis, dass, wer das Theater, den Konzertsaal, den Salon etc aufsucht, dies letztlich zum Zwecke der Freitzeitgestaltung tut und somit irgendeine Form von Unterhaltung sucht und bestenfalls findet.


    Der nächste Schritt wäre allenfalls eine Debatte darüber, ob die Unterhaltung als "gehoben" betrachtet wird oder nicht, aber die Unterhaltungsperspekive der Konsument*innen bleibt.


    Für die Ausübenden ist die Darbietung keine Unterhaltung, sondern Arbeit. Jedoch denke ich, dass hier jede/r weiß, dass mit einer Darbietung vor Publikum zu dessen Unterhaltung beiträgt. Ob diese gehoben, adäquat etc. ist, liegt letztlich im Auge des Betrachters.


    Und wozu dient Kultur? Ich würde sagen, sie ist schon seit Beginn der Menschheit ein Grundbedürfnis.



    :wink: :wink:

    Tja, obwohl ich beruflich abgesichert bin, war und ist die Welt eine andere geworden.


    Was das Musikalische betrifft, war es ein Absturz von 180 auf 0 innerhalb einer knappen Woche. Glücklicherweise kein größerer Einkommensverlust, da ich nie davon leben musste, jedoch erschließt sich der Abgrund für die nicht angestellten Hauptberuflichen. Das geht sehr weit in die Bereiche hinein, die vorher damit ordentlich leben konnten.


    Ein mir sehr am Herzen gelegenes Projekt einer Operettengala mit Stückern von Komponisten, die von den Nazis verfolgt waren, wäre für Ende März schon gestanden und war dann weg. Ein Versuch nächstes Jahr soll gestartet werden, aber man weiß natürlich nicht, ob die Pandemie es dann zulässt. Das ist eine rein auf Live gebaute Sache und brächte im Rahmen von Veranstaltungen in den Wochen gegen den Rassismus durchaus neue Publikumsschichten. Im Moment fehlt mir allerdings der Mumm. Ich hoffe, das wird besser.


    Noch kurz davor hat sich eine dritte Säule für meine Gesangstätigkeit mit Liederkonzerten aufgetan, worauf ich mich besonders gefreut hatte. Drei Tage vor dem ersten Konzert Absage. Alles richtig und der Situation geschuldet, aber halt schade. Halt Knall auf Fall nix mehr, muss durchaus verdaut werden.


    Wie gesagt, das Gefühl, dass einen die Gesamtsituation lähmt, ist mir auch nicht fremd. Ich habe zwar Aufnahmen für digitale Kirchenandachten gemacht, korrepetiere unter strengen Hygienebedingungen in regelmäßigen Abständen und nahm an einem abgespeckten Workshop teil, jedoch passierte wegen Corona - Kontakt wiedermal eine Weile nix...


    Naja, gibt in der Tat Schlimmeres. Noch haben die meisten von uns andere Alternativen, um nicht ganz in der Lähmung zu versinken. Elektra aus Salzburg habe ich im Fernsehen gesehen und die Aufführung des Verdi - Reqiems anlässlich des Gedenkens an die Corona - Opfer in Milano und Bergamo. Das ist nicht viel anders als es bei mir vorher ging, weil ich wegen eigener Aktivitäten wenig Zeit für Konzertbesuche hatte. Ein Highlight habe ich mir allerdings im Juli gegönnt. Im Hof des Heimatmuseums sind zwei Chöre aufgetreten (Riesenabstand etc.), in denen alte Freund*innen von mir mitwirken. Der Klang war faszinierend, verbunden mit der hoch anspruchvollen mordernen Chormusik.


    Insgesamt meine ich aber doch, dass wir auch auf Dauer live weitermachen können. Ich halte die Kontakte, das ist mE. wichtig für Neustarts


    Die ganze Situation geht mir schon schwer auf meine Stimmung.
    Und ich hoffe, dass sich das bald wieder ändert.

    Das kann ich in deinem Fall gut nachfühlen, denn du hast eh sehr viel zu verkraften und viel Verlust für dich wichtiger Lebensaspakte erlebt. Ich wünsche dir wirklich alles erdenklich Gute und bessere Gesundheit vor allem, lieber Michael :wink:

    Ich fühle mich wie eine Milchkuh, die nur zum Melken gehalten wird. Will sagen: Ich soll anscheinend nur Geld verdienen, um es dann für Konsumgüter ausgeben zu müssen.
    Ich geniesse aber Erfahrungen mehr als materielle Güter. Und nun ist das auf dem Weg unmöglich zu werden.

    Das ist der Sinn des Kapitalismus und steht nun sehr klar mit allen verschärften Folgen für uns alle in Raum. Um den Erwerb von Konsumgütern kommen wir alle nicht herum und es ist an sich erstmal weder gut noch böse. Vieles ist schlichtweg notwendig, mit oder ohne Corona. Imanent ist allerdings, dass das Ganze bizarre Züge angenommen hat. Ich strebe allerdings nur dann danach, wenn es etwas in meinen Augen Gescheites zu kaufen gibt, etwa Bücher, CDs und sowas. Das, was du über den Genuss von Erfahrungen schreibst, deckt sich mit meiner Einstellung dazu, jedoch sehe ich nicht, dass dies unmöglich wurde. Vielleicht ergibt sich aus diesen Umständen ein Anschub für Dinge, die länst angegangen werden müssen, etwa, was die Wertigkeit der Situation für die Kinder (Schulen, Kitas ertüchtigen), der Kultur und derer, die die Grundlagen und die Versorgung von Menschen in jeder Form aufrechterhalten, zu heben. Noch habe ich Hoffnung....


    :wink: :wink:

    Die dunkle Seite des Träumens aus


    Richard Strauss: Elektra


    Klythämnestra (zu Elektra):
    "Ich habe keine guten Nächte. Hast du ein Mittel gegen Träume?


    Gemeint sind grauenhafte Albträume, geboren aus Schuld und der Angst, selbst ermordet zu werden (was auch eintritt).
    Zuletzt gehört aus der Inzenierung der Salzburger Festspeile 2020 (im Fernsehen). Hervorragend interpretiert von einer gesunden Altstimme: Tanja Ariane Baumgartner.


    :wink: :wink:

    Die jeweiligen Orchesterkulturen sind da ja nur Spiegel der landesüblichen gesellschaftlichen Verhältnisse. Bekanntermaßen verhalten sich Angestellte in Frankreich nicht übermäßig devot und sperren ihre Vorgesetzte schon mal in Kämmerchen ein, während hire and fire die typisch englische Lebensweise darstellt (deswegen leben Banker in England und Gott in Frankreich ;) ). Unmotivierte Orchestermitglieder in Deutschland mag es natürlich geben, aber die hohe Qualität der Orchester deutet daraufhin, dass es sich um ein Randphänomen handelt und die Einstellung mehrheitlich konstruktiv ist. Ansonsten käme ja nur Quark raus.

    Ich sehe das auch so. Die Musiker*innen (wie Profi - Chorsänger*innen auch) sind Angestellte mit verschiedenen internen Hierarchien, aber eben mit wechselnden kurzfristigen Chefs, die man in einer Firma etwa mit Projektleitungen vergleichen kann. Das Projekt muss funktionieren und die Verantwortung wird hier sehr stark den "Projektleitungen" zugeschrieben, die sich damit natürlich mächtig profilieren können. So entsteht ja auch ggf. der Weltruhm des/der Dirigent*in.


    Das birgt alles letztlich den gleichen Zündstoff wie Firmen- und Behördenkonflikte, nur stehen letztere nicht unbedingt in der Zeitung.


    :wink: :wink:

    Also, wenn ich das richtig verstehe, kritisierte Honolka mehr oder weniger gelungene Übersetzungen aus dem 19. Jahrhundert dahingehend, dass selbige nicht nazi - kompatibel sind? Jedenfalls liest sich das Zitat so für mich. "Tochter Zion" zu jüdisch? Rassische Instinktlosigkeit?


    Das ist für mich tatsächlich was für die Beißzange (und bestärkt mich in meiner Vorliebe für die Oroginalsprache) und ich weiß nicht, ob ich mir diesen Herrn antun würde, obwohl zeitgemäße Übersetzungen an sich nicht unbedingt immer verkehrt wären...


    :wink: :wink:

    Diesen Thread muss ich mir abonnieren...


    Da ich es mit der Amazon - Sucherei nicht so habe,hier noch eine kleine Aufzählung:


    Youtube - Serie "Orgel rockt"
    Bachs Toccata und Fuge als Orchesterfassung


    die üblichen Verdächtigen:
    Walkürenritt (incl. in Heavy Metal; habe ich auch live in der Münchner Michaelskirche auf der Orgel gehört - da wirft das Kirchendach Blasen)
    Chatchaturians Säbeltanz
    Grieg´s In der Halle des Eiskönigs



    Ich wünsche im besten Sinne einen gepflegten Satz heißer Ohren...


    :wink: :wink:

    Zurück zum Thema:

    Man muß den Klang eines Knabenchors nicht mögen, aber er ist anders als bei einem gemischten Chor. Das ist letztlich eine künstlerische Entscheidung und kein überholtes Brauchtum.

    Gemischte Chöre im üblichen Sinne sind eine Veranstaltung Erwachsener. Das klingt selbstverständlich anders....(?)

    Ich weiß nicht, wie es ist, wenn ausgebildete Alkte, vielleicht sogar tiefe Alte das machen. Im Laienchorbereich finde ich es schwierig.

    Mit Ausbildung kannst du an die Sache mit bewusstem Technikeinsatz herangehen und einen Klang gezielt produzieren und vor allem immer korrigieren, wenn was auf die Stimme geht. Im Laienchor ist den Sängerinnen oft gar nicht bewusst, dass der Klangunterschied so frappant ist. Meistens drücken sie in der Tiefe, was sehr ungesund ist. Das ist auf Dauer ruinös und ich halte gar nichts davon, die Frauen zwangszuverdonnern.

    Schwierig für den Chorklang: Die Oberstimme wird halt ab c1 aufwärts (klingend) nicht strahlend wie bei Tenören, sondern bleibt eher gedeckt. Der Bereich zwischen c1 und a1, wo die Tenöre glänzen, ist beim Alt eben nur untere bis gute Mittellage. Mit Glanz wird es da schwierig. Es fehlt das aufhellende Element, welches dem engen Tonsatz und der Ansammlung mittlerer bis tiefer Stimmen zumindest klanglich auf die Beine hilft. Das ist - sorry - ein mattes Gebrumm und hat nichts mit Männerchorklang zu tun.


    Schwierig, wenn nicht sogar schädlich aber auch für die Sängerinnen. Denn die Musik spielt sich für die ersten Tenöre im Männerchor ja durchaus nicht immer ab c1 und oberhalb ab. In der tiefen Lage sind die Damen in Gefahr, gegen die stimmgewaltigen 1. Bässe, die meist im besten Komfortbereich singen, mit Überdruck zu singen. Das Ergebnis sind brustige, zu offene und gepresste Töne. Keine Freude für den Zuhörer, und für die Sängerinnen wohl auch nicht das Erlebnis einer sich im Wesentlichen natürlich und ungezwungen entfaltenden, aufblühenden eigenen Stimme. Wo man den Sängerinnen und Sängern sonst sagt, in der tiefen Lage so schlank und aufgehellt wie möglich zu singen, passiert in diesem Fall das Gegenteil: Die Damen geben Gas und mit kopfiger Aufhellung ist nichts


    Ich halte das für fahrlässig den Sängerinnen gegenüber, deren Stimmen man verhunzt. Bei Dir mag das aufgrund deiner Ausbildung anders sein, im Laienchorbereich ist es m. E. sehr grenzwertig und eigentlich schon darüber hinaus.

    Das ist alles richtig, aber bei mir ist es anders. Ich mache das schon einige Jahre lang ohne Schaden. Im Gegenteil, der Focus auf der Tiefe trägt dazu bei, mich bei meiner stimmlichen Haupttätigkeit, den Sologesang, zu unterstützen. Wichtig ist, dass ich nicht nur das mache. Genauso muss ich nach viel Wagner und Verdi immer wieder mal Bach und Händel zur Hand zu nehmen. Hilfreich für den Männerchorgesang ist auch, dass ich eine starke Tiefe habe, also bemerkbar bin. Den optimalen Tenor - Sound in dessen Höhe könnte ich allerdings nur mit Hochführen der "Bruststimme" erreichen, was ich nicht will. Ich mache eine Art sanften Falsettstrahl, der sich irgendwie zwischen die anderen 1. Tenöre legt und sich mischt. Ich finde es sehr interessant, so zu experimentieren, aber das ist, zugegeben, eine ziemlich konzentrierte Sache und ich brauche eine Weile,neue Stücke so in die Stimme zu kriegen. Für Laiensängerinnen ist das sicher nix.
    Ich war schon bei der Gründung des Chores dabei, aber andere Frauen aus gemischten Kirchenchören sind nicht gefolgt.Für ein Mädchen im Knabenchor wäre das Soziale wahrscheinlich schwieriger als mein recht entspannt - humorvolles Verhältnis zu den Sängern. Sind halt Erwachsene.


    Im Zuge der Gleichberechtigung kannst du allenfalls fordern, dass Mädchen- und gemischte Chöre genauso gefördert werden wie Knabenchöre. Dieser Forderung würde ich mich übrigens anschließen. Sie ist zwingend.

    Volle Zustimmung

    . Wenn aber tatsächlich kein Unterschied zwischen Knaben- und Mädchenstimmen besteht, wird die Sache für mich höchst fragwürdig.

    Wie gesagt, ich höre keinen der sich rein aus der Stimmenkonstellation von Mädchen und Jungen erklärt.

    Dass der Staat Steuern für welchen Verein auch immer einsammelt ist total anachronistisch

    Stimmt

    Ja, klar. Atheisten können mit Wonne christlich-geistliche Musik mitsingen, keine Frage.

    Meine ziemlich dauerhafte Sopranpartnerin z. B. versteht sich als neuheidnisch, aber ich sehe selten jemanden so oft in Kirchen rumgeistern :D .Sie singt die christlichen Texte wie die Katholischste von allen. Ich finde das immer wieder faszinierend.

    Die normale "Lösung" wäre, hervorragende gemischte Kinderchöre zu gründen und zu sehen, ob die vielleicht mittelfristig die reinen Knabenchöre verdrängen würden, weil sie wegen der vielen begabten Mädchen eh besser wären. Oder sie würden eben parallel existieren. Wo ist das Problem? Warum soll es nicht beides geben, sondern Jahrhunderte Tradition über den Haufen geworfen werden?

    Mittels einer Doku - Sendung über den Alltag der Thomaner (oder Kreuzchor, so ganau weiß ich es nicht mehr) hat sich mir einiges aus dem Alltag dieser Ausbildung erschlossen. Dass z. B. mit allen eine Einzelstimmbildung wie für Solisten intensiv durchgeführt wírd, bedarf einer aufwändigen Infrastruktur in einer Schule. Das ist jedoch sehr essentiell, auch um viele über den Stimmbruch zu bringen und bei der Stange zu halten. Sowas z. B. weiß ich von einem Mädchen- oder gemischten Kinderchor nicht. Das wäre ohne Internatsschulung u.ä. in einem normalen Chor nicht leistbar.


    Wenn man hier vergleichen will, muss das Training auch gleich sein.


    Da wundert es mich nicht, dass die auch mit den Männerstimmen hervorragende Sänger gebleiben sind Am intensivsten habe ich Stimmbildung in meinem damaligen Frauenchor erlebt mit zwei Stimmbildnerinnen

    Und: in meiner Knabensopran-Zeit (bis Mitte der 1980'er Jahre) hatten wir drei junge Mädchen, die sich ideal in das Klangbild eingepasst haben, weil die damaligen Chorleiter dafür gesorgt haben, dass der Chorklang dem klassischen Knabenchor-Ideal entsprach. Als die Mädchen allerdings junge Frauen wurden, mussten sie damals recht bald den Chor verlassen, weil sie einfach anders geklungen haben. Das ging damals auch ganz unproblematisch, weil das von allen Beteiligten eingesehen worden ist.

    Na also, spricht eher für keinen unveränderlichen Unterschied in einem bestimmten Alter. Dass das nach den Mutationen (auch Mädchen haben eine, nur merkt man die nicht so)völlig anders läuft, ist bekanntlich naturgegeben. Die jungen Männer werden für gemischte Chorsätze geholt. Die Frauen singen eben dann anders.

    Wenn das so ist, Ulrica behauptete ja etwas anderes, dann bin ich natürlich in diesem Fall für die künstlerische Freiheit. Aber ich bin einfach nicht kompetent, das zu beurteilen.

    Hier ging es um Obertonreichtum. Der stellt sich in der Regel durch Gesangsausbildung ein, also für einsprechend disponierte Stimmen beiderlei Geschlechts grundsätzlich erreichbar.

    Mit dieser Logik müßten auf zehn (zwanzig? dreissig?) professionelle Sängerinnen ein einsamer professioneller Sänger kommen

    Es sind bei den Solisten auch wesentlich mehr Frauen....

    ich kann die Untersuchungen zum Obertonreichtum der Knabenchöre leider auf die Schnelle im Netz nicht finden, ich meine, das sei eine Forschung der späten 1980'er Jahre gewesen, die vermutlich nie im Netz gelandet ist. In diesem Interview (immerhin von Roderich Kreile, einem Knabenchor-Leiter) kommt das aber noch einmal vor:

    Roderich Kreile - unter dem ich im Phlih. Chor München gesungen habe, bevor er nach Leipzig wechselte), hat hier sehr kluge Dinge gesagt, aber ich schließe daraus nicht, dass nur Jungen besonders obertonreich singen können.


    Fazit: Überzeugende Gründe für den Hype speziell um Knabengesang fehlen nach wie vor. Mir bekannte Fachliteratur sagt dazu auch nichts Spezielles.


    :wink: :wink:

    Ach, Leutz,


    die ganzen skurrilen Vergleiche, die ihr da zieht, sind weder neu noch originell (abgesehen davon, dass es inzwischen etablierte Geburtshelfer gibt),


    Es kommt auch in meinen Augen ein fader Beigeschmack auf, wenn bei dieser Geschichte der Eindruck, dass hier eine ehrgeizige Mutter ihrer möglicherweise nicht ganz so begabten Tochter per Genderkarte einen Karriereschub verpassen will, nicht völlig von der Hand zu weisen ist, aber ich frage mich schon, was für stichhaltige Grunde in der heutigen Zeit noch vorliegen sollen, um Mädchen eine solche gesangliche Förderung bei entsprechendem Potential immer noch vorzuenthalten (zumal es keine vergleichbaren Ausbildungskonzepte für Mädchenchöre für Kinder im fraglichen Alter gibt).


    Stimmliche jedenfalls nicht. Ich habe nie verstanden oder auch nur hören können, was für ein Unterschied zwischen Buben- und Mädchenstimmen im Alter vor dem Stimmbruch sein soll (im Gegegnsatz zu deutlichen Unterschieden des Klanges von Kinder- und Frauenchören, auch wenn es sich in beiden Fällen um Sopran und Alt handelt). Vor allem frage ich mich, warum gerade die Mädchen als weit sangesaffinere Gruppe als so völlig uninteressant für eine altersgerechte Spitzenausbildung betrachtet werden. Ich bin sicher nicht die einzige, die aus dem Schulunterricht berichten kann, dass es, falls mal gemeinsam gesungen werden sollte, hauptsächlich die Mädchen mitgemacht, die Buben aber kaum die Bappn (den Mund ) aufgekriegt haben. Also, wenn da schon meistens die Lust dazu fehlt........ (ist in dieser Form ja auch nur ein anatomisch bedingt zeitlich bergrenztes Unterfangen, Vermutlich ist das für die Jungs eine ziemlich traurige Erfahrung, wenn es eines Tages mal Knall auf Fall nicht mehr geht)


    In diesem Bereich gelten wohl immer noch Kriterein voriger Jahrhunderte und das erscheint mir mehr als überflüssig. Diskriminierung beudeutet nicht, dass Leute wegen fehlender Qualifikation irgendwo nicht genommen werden, sondern wenn dies aus sachfremden Erwägungen unabhängig von der Qualifikation passiert. Diese Chöre sollten ihren Anchronismus ablegen und sich für alle entsprechenden begabten Kinder öffnen, was neben der Abschaffung diskriminierender Kriterien auch erhebliche Vorteile für die Verankerung der klassischen Musik bei jungen Leuten, das Image dieser Schulkonzepte und keine Nachwuchssorgen mit sich brächte.


    Ich selbst bin übrigens eine 1. Tenörin in einem Männerchor.


    :wink: :wink:

    Bei "großen Stimmen" dachte ich vor allem an die dramatischen Stimmen. Da bleibt nach wie vor das Problem, dass die entsprechenden Talente son lange durchhalten, bis diese Stimme zur Geltung kommen kann, sprich: man alt genaug ist und vorher nicht schon verschlissen wurde.Die Diskussion darüber habe ich aber bereits mindestens schon in den 90ger mitbekommen.Besser wurde das insgesamt sicher nicht.


    Nachdem ich jedoch heuer wieder in Bayreuth sein konnte (Tristan und Isolde), bin ich hoffnungsvoller gestimmt ob der geballten Stimmkraft bei dieser Aufführung. Mit etwa Steven Gould, Petra Lang, Christa Mayer,Zeppenfeld und im Tannhäuser Lise Petersen sind da klasse Leute unterwegs.....
    :wink: :wink:

    Lustig :megalol: , die lieben Kinderlein können sowas schon bringen....


    Ja, das soziale Miteinander...


    Aber das hier...

    Während der 2. Aufführung einer Luisa Miller an der Scala patrouillierten Carabinieri in den oberen Rängen. Die sollten allerdings keine Zwischenrufer entfernen, sondern nur bei Handgreiflichkeiten der Zuschauer untereinander eingreifen. Alles andere wäre auch Unterdrückung von Meinungsfreiheit gewesen.

    ist schon spooky. Obwohl alle in Verona gesagt haben, dass es dort im Vergleich zur Scala wild zugeht, weil gelegentlich Stadionsatmosphäre davor und in den Pausen entsteht, scheint das eher anders herum zu sein. Muss der Mega - Aufreger gewesen sein. Was war denn los? Grottiger Gesang? Salvinis "Sicherheitspolitik"?

    während einer Vorstellung Ulrich Tukur aus der Mitte des Parketts zu: 'Lauter!'. Und er hatte recht, man konnte Tukur wirklich nicht verstehen. Der regte sich aber fürchterlich darüber auf, kommentierte den Zwischenruf ausgiebig und störte dabei selber den Ablauf.

    Ich denke, dabei hat man ihn dann verstanden....


    Für leise Schmuggler hege ich durchaus Sympathien. Die stören ja wohl eher nicht beim Trinken.


    :wink: :wink:

    Bravos freuen den/die Künstler/in.


    Bravos freuen mich nach einem Auftritt und eine andere Reaktion derer, die mit mir auftreten, habe ich noch nie erlebt. Buhs habe ich Gott sei Dank noch nie erlebt, unser Publikum war bisher wohl zu höflich dazu, oft auch informiert darüber, dass die meisten von uns die Auftritte nicht (haupt-) beruflich absolvieren. Da genießen wir ggf. Welpenschutz. Möge das so bleiben, wir sind wahrscheinlich doch in der Regel dünnhäutiger als Vollprofis.


    Die ggf. unterschiedliche Intensität des Applauses ist jedoch deutlich für die Darbietenden spürbar. Das darf man nicht unterschätzen und ich glaube, dass Leute, die etwa bei der Wiener Staatoper engagiert sind, es sehr wohl spüren, wie unterschiedlich die Publikumsreaktion ist, auch ohne Grölen. Ich bin überzeugt, dass dies dann analysiert wird, wie meine Mitstreiter/innen und ich es auch tun.


    Wissend, was ein singender Auftritt einer Person abverlangt, werde ich nie ein Buh von mir geben, sehr wohl aber ein Bravo, wenn mir danach ist. Unsereins ist meist so gestrickt, dass die positive Verstärkung zum Leistungshoch antreibt. Wenn es sch... gelaufen ist, weiß man das ziemlich zeitsynchron selbst, da braucht man nicht noch eine drauf.


    Ich meine, fachkundigerweise Tagesform von grundlegenden technischen Mängeln oder gar falsche Fachbesetzung unterscheiden zu können (letztere sieht man den Agierenden fast vorher schon an) und letzteres kann mich dann auch ärgern, wenn ich mal im Publikum sitze. Nur ist halt Fakt, dass die Person sich nun mal dort hineinbegeben hat und mit Sicherheit irgendwie merkt, dass was nicht stimmt. Das Gefühl kann weder eine -einmalige- hohe Gage noch der (unberechtigte) Hype dauerhaft unterdrücken.


    Das hält mich auch nicht davon ab, außerhalb der Aufführungssituation im angemessenen Rahmen darüber zu sprechen, jedoch: In der Aufführung und im Bühnenraum muss fairerweise jedem/r die Chance durch ein angemessenes Verhalten gegeben werden.


    Allerdings darf das Bravo auch nicht als Maß aller Dinge genommen werden. Es kann durchaus dadurch entstanden sein, dass z.B. sängerische oder musikalische Mängel (etwa durch zu wenig Vorbereitung -was mir zuletzt auch zu schaffen machte aufgrund einer zähen Infektion) durch starke Präsenz überspielt wurde oder ein beliebtes Stück dargeboten wird. Mit diesem einmaligen Effekt ist "das Ding keinesfalls für immer gebongt".


    :wink: :wink:

    Das Beherrschen des Instruments - wozu ich die Stimme rechne - ist für mich die Fähigkeit, die Töne, Phrasen etc. so zu produzieren, dass herauskommt, was der/die Künstler/in will. Um für Stimmen zu sprechen, zu denen ich am ehesten was sagen kann: Egal, ob Opernton, "schmutzige" Töne, angeschliffene oder direkt angepeilte: Was ich als Ausdrucksmittel haben will, muss kommen. Das ist ein wensentlicher Teil "Handwerk". Gesangliche Anfänger/innen können das noch nicht zuverlässig abrufen, sondern sind oft von anderen Faktoren wie Tagesform abhängig. Es kann mal genial gut werden und beim nächsten Mal völlig danebengehen. Es fehlt noch die Kontinuität.


    Wie bei jeder Tätigkeit ist es trotzdem nie ausgeschlossen, dass was schiefgeht, eben mal etwas nicht vollends beherrscht wird. Dann kommt noch eine zweite Fähigkeit dazu: ein "Krisenmanagement", das die Leistung trotzdem noch rund macht.


    Ich bin davon überzeugt, dass hier das meiste zu erarbeiten ist und dass es das freischwebende Wunderkind nicht gibt. Diese Erscheinungen sind dann kurz wie Strohfeuer, m.E. der vorzeitige Tod einer künstlerischen Karriere, wenn nicht erkannt wird, dass Arbeit an der Weiterentwicklung nötig ist.


    Dieses "Handwerk" ist mE. Grundvoraussetzung, um in die "erste Reihe" zu kommen und gar, dort zu bleiben. Ergo: Wer sich dort (dauerhaft) befindet, kann es. Es wäre nur der Rückschluss falsch, dass alle, die dort nicht sind, es nicht oder weniger können. Die Faktoren, die ausser dem Können noch mit hineinspielen, wurden schon genannt. Wer meint, Schlankundschön ersetzt Stimme, kommt nicht weit. Auch mit elektronischer Verstärkung nicht......


    Bemerkbar ist das Handwerk der SängerInnen mE. durchaus und damit die Leistung an sich, auch wenn mir etwas nicht gefällt.


    :wink: :wink:

    Bezüglich der Inszenierung habe ich mich auch gefragt und habe mich gerade schlappgelacht darüber, dass es eine echt gut nachempfundene Scheininszenierung vor Ort war. Das war uns schon sehr rätselhaft, dachte aber, dass mir hier vielleicht mal was entgangen ist. Wie g... ist das denn? :megalol:
    Bei allen Unstimmigkeiten (z. B. dass es schon 10 vor vier losging, stimmt einfach nicht, musste aber dem Krimidrehbuch weichen) einfach spannend aufgebaut. Leider zuwenig Franken, in Bayreuth vor Ort ist der Dialekt präsenter.


    :wink: :wink: