Beiträge von maticus

    Ist sehr sehr lange her, dass ich Maßtheorie gehört habe. Wenn ich mich nicht täusche, braucht man für das Lebesgue-Maß sowas wie Vollständigkeit. Also bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als das Lebesgue-Maß auf den reellen Zahlen zu betrachten und die natürlichen Zahlen als Teilmenge davon, und die endliche Menge von Eccliticos Schallplatten (80 oder so) wiederum als Teilmenge davon (sogar die Menge *aller* Platten auf der Erde ist eine Teilmenge). Jedenfalls ist schon die Menge aller natürlichen Zahlen, da abzählbar und einzelen Punkte das Maß null haben, eine Nullmenge. Insbesondere jede endliche Teilmenge davon. Wenn Ecclitioco dann sage: "für fast alle meiner Platten gilt Eigenschaft xy", d. h. gilt bis auf eine Nullmenge, dann ist die Aussage trivial.


    Lange Rede kurzer Sinn: dies ist ein typischer Mathematiker-Scherz! Bitte nicht zu ernst nehmen.


    Varianten davon: Z. B. in der Algebra heisst fast alle "alle bis auf endlich viele", in der Algebraischen Geometrie Zariski-fast-überall "für alle Punkte in einer (dichten) (Zariski-) offenen Teilmenge", etc. ...


    maticus

    Das Problem dürfte sein, dass das mathematische "fast alle" nur bei "abzählbar unendlichen" Mengen Sinn ergibt.


    Die Menge meiner LP-Digitalaufnahmen ist aber endlich [...]

    Ebend. Das ist ja gerade der Witz.

    Hmmm ... ich müsste das jetzt recherchieren, aber bei Treppenfunktionen sagt man ja auch, dass sie "fast überall" stetig sind. Und hier ist die Grundgesamtheit (R->R) überabzählbar.

    Von Lebesgue-Nullmengen wollte ich jetzt nicht sprechen... 8)


    maticus

    Z.B. als sie zu Zeiten der Brexit-Diskussion ihre Thronrede mit blauem Hut und gelben Blüten verlas.

    Ich habe auch dunkel sowas in Erinnerung. Allerdings, wofür stehen die Farben genau? Heute würde ich ja Ukraine sagen.

    Meine Lieblingsgeschichte von ihr ist, wie sie Kronprinz Abdullah von Saudi-Arabien klarmachte, was sie davon hält, daß Frauen in seinem Land nicht Auto fahren dürfen. Der war zu Besuch in Balmoral, und es wurde eine Landroverfahrt über die Ländereien vorgeschlagen. Abdullah stieg hinten ein, als plötzlich die Queen am Steuer Platz nahm und losfuhr. Wie es bei ihr üblich war wie eine gesengte Sau, und das auf den kurvigen Straßen des schottischen Highlands, bis es dem guten Abdullah schlecht wurde...

    Sofern die Story überhaupt stimmt, aber ihr Anliegen wäre vielleicht nachhaltiger ausgefallen, wäre sie etwas sanfter gefahren.


    maticus

    Hier die letzten Zahlen zur Ablehnung und Unterstützung der Monarchie:

    Mich würden die Zahlen aufgeschlüsselt nach Klassen interessieren. Denn UK ist ja ohne Zweifel eine extreme 2-Klassen-Gesellschaft, wobei man das natürlich noch weiter unterteilen könnte. Insbesondere die politische Klasse scheint mir dort noch weiter von der "normalen" Bevölkerung entfernt als z. B. in continental europe...


    Wenn man mich vor, sagen wir, 20 Jahren gefragt hätte, wie ich zu der (britischen) Monarchie stehe, hätte ich dieselbe immer als Anachronismus und längst nicht mehr zeitgemäß kritisiert. Aber inzwischen... 1997 hatten wir unseren Londonurlaub schon geplant/gebucht, als am Wochenende vor unserem Reiseantritt Lady Di starb. Wir fuhren trotzdem dorthin, und machten z. B. am Tag der Zeremonie in der Westminister Abbey einen schönen Ausflug an die Südküste. Aber es war unvermeidlich mitzubekommen und sehr beeindruckend die extrem große Anteilnahme der Bevölkerung. Westminster, Kensington Palace etc. mit Blumenmeeren überhäuft, massenweise trauernde Menschen... sicher, Diana war nicht gleichzusetzen mit dem Königshaus, vielleicht gab es auch gerade die Anteilnahme wegen der familiären Komplikationen... ich war beeindruckt, und mir wurde klar, wie wichtig dieser ganze Kontext für "die" Briten ist. Selbst im Kollegenkreis (unabhängig von den Geschehnissen in 1997) wurde mir das eine oder andere mal im Gespräch mit britischen Kollegen (für mich eher überraschend) klar, wie sehr sie die Monarchie zu schätzen wissen.


    Wie auch immer. Ich denke gerade in der letzten Zeit, in der nicht nur UK vor extrem großen Problemen steht, dass gerade den ärmeren Teilen der britischen Gesellschaft die gerade verstorbene Queen mit ihrer (selbst-) disziplinierten Art und Konstanz einen gewissen Halt gegeben hat. (Die reicheren Teile haben einen solchen Halt viel weniger nötig.)


    Was ich aber gerne von Insidern erfahren würde, wäre, wie weit sich die Queen konkret auch für diese benachteiligten Schichten tatsächlich eingesetzt hat. Rosamunde?


    (Abgesehen davon kann diese ganze Thematik natürlich gerne in einen eigenen Thread verschoben werden.)



    maticus

    Auch die "Woken" finden Dinge unfair, die dann halt Deiner Meinung nach nicht unfair sind. Kannst Du denn wirklich so gar nicht von Deiner Person abstrahieren? Und, wie Diskursprodukt richtig anmerkt, einmal die eigene Position darzustellen ist natürlich voll und ganz ok, aber hier ging es darum den anderen Standpunkt wiederholt als "unfair" abzuqualifizieren bzw. zu "canceln".

    Wieso, auch Du wiederholst Dich doch ständig. Du willst mir doch jetzt vorschreiben, was ich schreiben soll und was nicht.


    Was Deine mathematischen Betrachtungen hierzu nun genau sollen, erschließt sich mir nicht.


    maticus

    Der Punkt ist, dass Du das halten kannst, wie Du willst. Das heißt, Du kannst Dich jeglicher Spekulationen enthalten. Kein Problem. Was aber immer mehr um sich greift, ist es, anderen vorzuschreiben zu wollen, was sie gefälligst zu tun oder zu sagen haben. Ist man zufällig mal am receiving end, dann nennt man das "wokeness" oder "political correctness" auf Seiten der anderen und jammert, bearbeitet man die anderen hingegen mit dem Tugendhammer, dann nennt man es "Anstand". Das ödet an.

    Hier geht es weder um wokeness noch um eine Vorschrift, was andere sagen dürfen oder nicht. Ich sage nur, dass ich es unfair finde, hier über vermeintliche Krankheiten oder vermeintliches Fehlverhalten einer in der Öffentlichkeit stehenden Person zu spekulieren, zumal sie sich hier nicht dazu äußern kann (und auch nicht muss).


    maticus

    Nach dem heute abend erlebten Messiaen-Konzert der Wiener Philharmoniker fand ich unter meinen Facebook-Nachrichten immerhin ein Posting von Yuja Wang vor, in dem sie sich dafür entschuldigte, "due to health reasons" die beiden Konzerte in Hamburg und Luzern abgesagt zu haben. Dass sie krank sei, behauptet sie nicht, denn die englischsprachigen Wörter für krank - "sick" oder "ill" - verwendet sie nicht. In Übereinstimmung mit der Wortwahl des Hamburger Veranstalters führt sie "gesundheitliche Gründe" an - was alles mögliche bedeuten kann, z.B. auch eine professionelle Zahnreinigung, die terminlich mit diesen Konzerten kollidierte.

    "Health reasons" ist das richtige Wort, auch für Erkrankung o. ä. Im Englischen würde niemand öffentlich "sick" oder "ill" schreiben. "Health reasons" ist der typische zeitgemäße Euphemismus (so wie "bathrooms" für "toilet" etc.), der einerseits dem/der Erkrankten Privatsphäre lässt, andererseits dem Empfänger der Nachricht nicht irgendwelche Beileidsbekundungen abnötigt und den Appetit vergehen lässt.


    Nur mal so als Beispiel: eine Frau kann auch mal arge Probleme mit ihrer Regel haben. Da wäre "Erkrankung" nicht einmal das passende Wort. Ich finde, es steht uns nicht zu, hier Frau Wangs Entscheidung (aus gesundheitlichen Gründen) anzuzweifeln oder zu spekulieren, was es denn nun "wirklich" sein könnte.


    maticus