Beiträge von maticus

    Vielleicht erwächst endlich mal vom feministischen Me-Too-Pool sowas wie shit-stormige Kampagne, in der high-heel-tragende, und deshalb davor zu schützende Frauen als ausgebeutete Popaganda-Opfer skrupelloser Modediktatoren rüberkommen: etwa: High Heels als mega-sexistisches Mittel, fiese Mode-Repression, um Voyeurismus mieser, notgeiler Kerls zu befriedigen ...

    Ich sehe nicht, dass Frauen gezwungen werden, High Heels zu tragen. Jedenfalls nicht in dem Gewerbe, in dem Frau Wang arbeitet. Eher scheint es mir ein subjektiv empfundenes, psychologisches Modediktat zu sein. Weil frau meint, in solchen Schuhen attraktiv auszusehen. In letzterem Sinne mag Dein ironisch-augenzwinkernder Beitrag sogar stimmen. Aber ich meine, dass Feminismus nicht bedeutet, dass Frauen (von Frauen) vorgeschrieben wird, wie sie sich zu verhalten oder zu kleiden hätten.

    Nein, kein "Me-Too-Pool". Ich denke an die Gesundheit der Damen. Das gibt später mal schöne, ausgeprägte Hammerzehen: ich weiß, wovon ich rede. Dabei waren die früheren Stilettos bei weitem noch nicht so hoch.

    Die (un)gesundheitlichen Aspekte liegen auf der Hand. Allerdings, im Falle von Frau Wang gehe ich davon aus, dass sie solche Schuhe mehr oder weniger nur für ihre Auftritte verwendet. (Aber ich mag mich irren.)


    maticus

    Ich gebe jetzt auch mal meinen Senf dazu.


    Frau Wang darf sich kleiden, wie es ihr gefällt. Und ich persönlich glaube, weil sie es auch in einer Doku mal beschrieben hat, dass sie einfach Freude an ihrer Kleidung hat, sich darin wohl fühlt. Das kaufe ich ihr einfach ab. Dass da auch ein gewisses exhibitionistisches Element (nicht im Sinne von Nacktheit) dabei ist, darin habe ich auch keinen Zweifel, und das ist ja auch völlig okay. Als "Markenzeichen" ansich hätte sie es sicherlich nicht nötig, da ihre pianistischen Leistungen einfach völlig überzeugend sind. Auf der anderen Seite empfinde ich sie als "authentisch", also ihr Auftreten nicht als "inszeniert" oder aufgesetzt, so wie ich davon überzeugt bin, dass z. B. ihre Mimik beim Spielen "echt" und natürlich ist und ihre Spielfreude zum Ausdruck bringt.


    Mir scheint fast, dass Feminismus/Wokeness/PC/Gender..., oder nennen wir es einfach Zeitgeist, mit sich gebracht haben, dass eine Frau Hosen tragen "muss", sich also nicht "weiblich" (weil, das ist ja "sexistisch") kleiden "darf", genauso wie ihr auch ein Leben als freiwillige "Hausfrau" quasi untersagt ist, auch wenn sie das will. Wie weit wir in dieser Hinsicht schon konditioniert sind, hat Ekke mit seinen Reflexen

    Nein, das tut sie nicht. Man muss keine Feministin sein, um festzustellen, dass das eine Argumentation nach Art der klassischen "Täter-Opfer-Umkehr" ist.

    Naja, das ist doch das klassische Argumentationsmuster beispielsweise bei Vergewaltigungen: Sie ist doch selbst schuld, wenn sie sich so anzieht.

    gut zum Ausdruck gebracht, zumal ja hier von Vergewaltigung überhaupt keine Rede war. (Bei Vergewaltigung oder sexueller Belästigung würde ich Ekke natürlich voll zustimmen.)


    Das mit der Kleidungsvorschrift/Mode in unserer Gesellschaft ist sowieso eine merkwürdige Geschichte. Wenn ich den oben zitierten Artikel in den Salzburger Nachrichten https://www.sn.at/kultur/kunst…was-zieht-mann-an-2293915 lese, fühle ich mich zurückversetzt ins 19. Jahrhundert und reibe mir die Augen. Nur ein paar Statements daraus von der Frau Motsch:


    Zitat

    Nicht zulässig seien Leinen- und Khakianzüge oder gar eine Blazer-Jeans-Kombi. Tracht gehe nur, wenn es sich um eine festliche Variante handelt.

    Über Tattoos müssten sich die männlichen Festspielgäste dagegen keine Sorgen machen: "Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der man Tattoos nicht mehr abdecken muss, wenn sie aus den Hemdkragen schauen", erklärt Motsch, die als Dozentin an der Steinbeis-Hochschule in Berlin tätig ist. Elegante Schuhe, Manschettenknöpfe und Kniestrümpfe statt Socken seien für den vornehmen Mann dagegen Pflicht.


    Motsch bleibt hart, wenn es um schwitzende Festspielgäste geht. "Auch wenn es warm werden sollte, bleibt der oberste Hemdknopf zu." Selbst das Sakko dürfe man nicht ausziehen, es sei denn, der Gastgeber erlaube es.

    In welcher Welt lebt diese Frau? (Okay, die "Welt" der Salzburger Festspiele ist mir auch unbekannt.)


    Auf der anderen Seite ist heute im Beruf wie im Alltag viel mehr "möglich" als früher, bis hin dazu, dass Männer Röcke tragen. (Dies haben sie vor Jahrhunderten übrigens schon, gilt aber heutzutage immer noch als verstörend.)

    (S+) Wenn Männer Röcke tragen (wie Brad Pitt): »Klischees in der Mode sind gefährlicher, als man denkt«
    Holger Hähle mag es untenrum gern luftig. Frauen können alles anziehen, sagt der Biologe, Männer müssen sich erst noch emanzipieren. In manchen Situationen…
    www.spiegel.de

    (Leider nur S+)


    Klar ist aber: wer "ungewöhnlich" gekleidet ist, der lenkt Blicke auf sich. Sei es eine Frau mit grünen Haaren, Glatze, die ein "gewagtes" oder einfach nur sehr elegantes Kleid (siehe Y.W.) oder einen Rock aus PVC oder Latex trägt, oder High-Heels oder Gummistiefel etc. pp. Sei es ein Mann, der sich "unmännlich" kleidet (s. Rock oben), selbst Leggings scheinen kaum "erlaubt" zu sein, u.s.w. ABER: dass die Leute gucken, wenn sie etwas ungewohntes wahrnehmen, liegt in der Natur des Menschen, genauso, wie sich die Gesellschaft auch mit der Zeit daran gewöhnt. Erlaubt habe ich in Anführungsstriche gesetzt, ich meine das im Sinne von "woke" u. ä., denn i.d.R. ist es ja nicht wirklich verboten (es mag Ausnahmesituationen geben, wie in mancher Kirche oder in Salzburg...), sofern nicht jemand völlig nackt herumläuft (sorry, Walter ;) Aber es mag im Extremfall zu Naserümpfen bis hin zu Beschimpfungen führen. Oder anders ausgedrückt: man braucht durchaus Mut oder ein gutes Selbstbewusstsein, oder eine exhibitionistische Ader, wenn man öffentlich solche modischen Tabus bricht, solange sie noch in weiten Teilen als Tabus gelten. Das war natürlich in früheren (rigideren) Gesellschaften nahezu völlig unmöglich (und ist es in manchen Gesellschaften ja immer noch).


    Also nochmal: es ist völlig normal, wenn sich Personen "umdrehen", wenn sie z. B. eine (subjektiv empfundene) schöne Frau in (subjektiv empfundener) passender, gewisse "Reize" unterstreichende Kleidung trägt (und mit Reizen meine ich jetzt keineswegs unbedingt sexuelle oder erotische). Natürlich berechtigt das in keinster Weise zu irgendwelchen Übergriffigkeiten (um Ekke 's Einwand zu unterstreichen). Aber in jedem Fall ist es das gute Recht der diese Kleidung tragenden Person, und vielleicht will sie sogar (zu Recht) gewisse Reize auch nach außen senden. Das ist keinesfalls unmoralisch, und wenn "provokativ", dann nur in dem Sinne, dass sie Blicke auf sich lenkt (lenken will). Umgekehrt muss sich die betrachtende Person weder für das Betrachten noch für ihre Gefühle dabei schämen (sofern kein Übergriff stattfindet, wovon ich hier mal ausgehe).


    Und so finde ich insbesondere auch Walters Einlassungen dazu völlig okay, wenn ich auch verstehen kann, dass die eine oder andere Formulierung bei einigen zu Missverständnissen und Aufregung geführt haben. Aber ich empfinde es auch so, dass man heutzutage immer mehr aufpassen muss, was man noch sagen "darf". Bei manchen Dingen (z. B. sexistische/rassistische Witze etc.) sollte es klar sein, dass das heute nicht mehr geht, und das ist auch gut so. Da sehe ich auch einen guten Punkt bei der Wokeness-Debatte, etwa metoo und so. Aber es sollte nicht zu einer generellen Lust- und Lebensfeindlichkeit ausarten.


    maticus

    Man (und auch Frau) stelle sich vor, Alfred Brendel wäre in der Badehose aufgetreten und einige ältere Damen hätten nichturinal eingenässt ...

    Dann vielleicht schon eher Lang Lang? ... :versteck1:

    Ungeachtet des Outfits besagter Pianistin ist es m. E. noch nicht vorgekommen, dass ein(e) Konzertbesucher*in angesichts des gewählten anziehenden Outfits derart triebisch stimuliert worden wäre, dass er oder sie auf die Bühne gestürmt wäre, der Pianistin die Fragmente ihrer Bekleidung vom Leib gerissen hätte und coram publico das genetisch verankerte Programm zur Arterhaltung ebgespult hätte. Davon hätten wir doch gehört ...

    Vielleicht ging aber ein solcher Trieb bei so manchem in die Hose. Davon hätten wir wohl nicht gehört. :wisch1:


    (Gegen eine Versplitterung habe ich nichts einzuwenden.)


    maticus

    Mein Lieblings Second Hand Plattenladen in New York hatte seine Riesensammlung tatsächlich so sortiert. Aber da machte das auch Sinn, denn Sammler suchen ja häufig nach bestimmten Einspielungen und da ist es oft sinnvoller, alle Aufnahmen von z.B. Henryk Szeryng in einem Fach zu haben.

    Wie Du schreibst, *da* macht es Sinn. Also bei einem Laden, der spezialisiert ist auf (sagen wir) "historische" Aufnahmen und "Sammler". Z. B. könnte es sinnvoll sein, da ein Fach mit allen Aufnahmen von Kirill Kondraschin zu haben. Aber wenn ich dann in einem solchen Fach am suchen bin, interessiert mich wiederum der Komponist bzw. das Werk. Es ist ja vielleicht nicht so wahrscheinlich, dass jemand einfach nur eine Kondraschin-CD haben möchte, egal mit was. Ich meine, ich hätte es auch schon in großen CD-Läden mal gesehen, dass es für ein paar der "angesagtesten" Solisten (Horowitz o. ä.) nochmal ein Extrafach gab. Aber ansonsten ist die Einteilung nach Komponisten (und evtl. zusätzlich nach Genre) sinnvoll und üblich.


    maticus

    Lieber Walter,


    dann möchte ich gerne noch ergänzen die folgende "historische" Aufnahme. Die ganze CD ist natürlich ein einzigartiges Dokument.

    maticus

    Und noch ein "Wahnsinn":



    Mieczysław Weinberg: Rhapsodie über Moldawische Themen Op. 47/2¹ für Violine und Klavier (1949)

    Dawid Oistrach, Mieczysław Weinberg

    (rec. 1954)


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    ¹ Laut CD-Infos. Im Werkverzeichnis bei peermusic classical ist dieses Werk unter Op. 47/3 eingeordnet (Op. 47/2 sind dort die "Polnische Weisen" von 1960).



    maticus


    Mieczysław Weinberg: Klavierquintett f-Moll Op. 18 (1944)

    Mieczysław Weinberg, Borodin Quartett

    (rec. 1963)


    Das fünfsätzige Quintett (ca. 40 Min.) ist dem von Schostakowitsch (das ich außerordentlich mag) sicherlich ebenbürtig. Allein das Finale ist der "Wahnsinn". Und hier nicht nur mit dem fantastischen Borodin Quartett, sondern mit dem Komponisten himself am Piano.



    maticus