Beiträge von Dieu le Roi

    L'Ham de Foc - Folk aus dem Mittelmeerraum

    L'Ham de Foc (sinngemäß: brennender Angelhaken) stammen aus dem spanischen Valencia. Sie spielen moderne Folkmusik, die ihre Wurzeln in den Ländern rund um das Mittelmeer hat, aber gelegentlich die geographischen Grenzen durch die Verwendung exotischer Instrumente auch weit überschreitet. Alle drei bisher erschienenen CDs enthalten mitreißende Musik voller Energie, mit zT deutlichen Anklängen an die spanische und arabische Musik des Mittelalters.


    Der Klang der Gruppe wird geprägt von der charismatischen Sängerin Mara Aranda und dem Multiinstrumentalisten Efren López. Weiter gehören zur Stammbesetzung noch Diego López, Eduard Navarro, Carlos Sanchis, Pep Ahuir, Paco Bernal und Joansa Maravilla. Bei verschiedenen Projekten und Liveauftritten treten weitere Musiker hinzu.


    Die Besetzungsangaben geben einen Überblick über die schier unglaubliche Vielfalt an teils obskuren Instrumenten, die von der Gruppe gespielt werden. Eines ihrer Merkmal ist die intensive Vorbereitungsarbeit, die vor jedem Album steht. Statt jedes Jahr ein neues Album „herauszuhauen“, reist die Gruppe in die verschiedenen Länder rund um das Mittelmeer, hält sich dort mehrere Monate auf, lernt neue Instrumente zu spielen und erarbeitet sich die Musik, die auf dem nächsten Album eingespielt werden soll. So lebte die Gruppe zB. vor ihrem dritten Album sechs Monate in Saloniki, um sich dort mit der Musik des ottomanischen Reiches zu beschäftigen. Etliche Musiker, die man dabei kennengelernt hat, wirken am Album mit.


    Ich warte sehnsüchtig auf das nächste Album. Einen ersten Eindruck verschaffen neben den Klangschnippseln unserer Werbepartner die Videos auf Youtube. Einfach L'Ham de Foc eingeben und genießen.


    Die Gruppe hat gemeinsam mit der deutschen, auf mittelalterliche Musik spezialisierten Gruppe Estampie das Al Andaluz Project gegründet und ein entsprechendes Album vorgelegt. Einige Musiker sind noch in weiteren Folkmusik-Projekten engagiert, die ich bei Gelegenheit noch vorstellen werde.



    1. CD 1999: U





    BESETZUNG:
    EFREN LÓPEZ: Ud, Buzuki, Sitar, Psalter, Drehleier, Mandoline, Gitarre und Saz (Bağlama).
    CARLOS SANCHIZ: Akkordeon, Klarinette.
    EDUARD NAVARRO: Schalmei, Dudelsack, Tarota, Gralla, Flöte, Violíne.
    XAVI NAVARRO: Violine.
    DIEGO LÓPEZ: Darbuka, Bendir, Cajón, Udu, Rassel, Redoblante, Tabalet.
    JOANSA MARAVILLA: Talk drum, Effekte, Bendir, Tamburin, Tabla.
    PEP AHUIR: Buzuki, Saz, Gitarre.
    MARA ARANDA: Gesang, Tampura.




    2. CD 2002: Cançó de Dona i Home




    BESETZUNG:
    EFRÉN LÓPEZ (Ud, Drehleier, Dulcimer, Buzuki, Saz, Laute, Schiffshorn, Gümbüs, Cavaquinho, Mandoline, Renaissancelaute, Kanun, Psalterio mit Bogen, Baglamas, portugiesische und klassische Gitarre, Tambur, Tampura, Archilaute, Percussions)
    MARA ARANDA (Tampura, Percussions, klassische Gitarre, Gesang)
    DIEGO LÓPEZ (Darbuka, Riq, Didgeridoo, Bendir, Rassel, kleine Trommel, Dauli, Tabla, Gesang)
    EDUARD NAVARRO (Schalmei, Gralla, galizische und bulgarischer Dudelsack, Cromorno, Tarota, Mandoline, Mizmar)
    PACO BERNAL (Bendir, Cántaro, Surdo, Cajón, Duff, Darbuka)


    und die Gastmusiker Agustí Vidal (Klarinette), Miquel Gil (Gesang), Carles Agraner (Rebec, Cello, Viella), David Antich (Piccoloflöte), Joansa Maravilla (Panderetas)




    3. CD 2005: Cor de Porc




    BESETZUNG:
    EFRÉN LÓPEZ: Ud, Cura Saz, Meydan Saz, Divan, Baglama, kretische Laute, Lauta, Schiffshorn, Hurdy-Gurdy, Gittern, persische Santoor, Langeleik, afghanische Robab, Tanpura, Kanoun, mittelalterliche Laute, Çümbüs Tanbur, Çümbüs Oud, Horn, galizisches Pandero.
    MARA ARANDA: Gesang.
    DIEGO LÓPEZ: Davoul, Bendir, Doira, Tombak, Daire, Udu, Riq, Tabla, Duff, Fingerbecken.
    EDUARD NAVARRO: galizischer und bulgarischer Dudelsack, Graile, spanische Schalmei, Moraharpa.
    CONSTANTINO LÓPEZ: Zither.
    HRISTOS BARBAS: Ney, Kaval.
    OSVALDO JORGE: Tabla, Ghatam, Kanjira.
    JUAN MANUEL RUBIO: mittelalterliche Harfe
    VANESA MUELA: Spoons, Tapadera, Tamburin, Gesang.
    MASUD NADERI: Tombak.
    MARIA LAFITTE: Gesang.
    JOSEP MARIA RIBELLES: keltische Harfe
    PANTELIS PAVLIDIS: Leier aus Pontos (Schwarzes Meer).
    RALF EICKMEIER: Kemençe, Rebec.
    NIKOS TZANNIS: Kemençe.
    RAFA GISBERT "CATO": Dudelsack.
    DAVID ANTICH: Arrangements für die mittelalterliche Laute

    Die Zahl der Einspielungen nimmt ab den 90er Jahren deutlich zu. 1996 ist die Oxford Camerata unter Jeremy Summerly im Studio, um die Messe für Naxos einzuspielen.


    Die Camerata besteht im Kern aus zwölf Sängern, hat aber für verschiedene Projekte mit einer Besetzungsstärke zwischen vier und zwanzig Sängern gearbeitet. An der Aufnahme der Messe waren sechs beteiligt. Gesanglich gibt es an der Aufnahme nichts auzusetzen. Im Tempo unterscheidet sie sich teilweise von den anderen. So ist zB. das Kyrie 8.29 Minuten lang, während Deller 6.16 und das Hilliard Ensemble sogar nur 5.46 benötigen. Es fällt deshalb aber nicht auseinander und ist auch nicht weniger spannungsreich. Die Camerata singt sehr homogen, nach meinem Eindruck eine Spur inniger als Hilliard.



    Die übrigen vier Aufnahmen haben sich dadurch ab, daß sie sich nicht mit der Wiedergabe der Messe de Nostre Dame selbst begnügen, sondern einen vollständigen mittelalterlichen Gottesdienst bzw. eine komplette lateinische Messe rekonstruieren.


    Das Clemencic Consort zB. eröffnet die CD mit Musik von Spielleuten und Bettlern, die vor dem Eingang der Kirche aufspielen, danach folgt der Einzug in die Kirche und dann erst das Kyrie (Track 9) und das Gloria (Track 10) der Messe. Das Credo ist erst Track 13, das Sanctus Track 18, das Agnus Dei Track 20. Das Ite missa est beschließt als Track 24 die CD. Eingestreut sind Hymen, Glockenspiele, Instrumentalstücke, zB aus dem Codex Faenza, und andere Stücke. Darstellen soll das Ganze ein mittelalterliches Marienfest. Das kann jedoch im Ergebnis nicht überzeugen, da die verschiedenen Werke aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Ländern Europas zusammengewürfelt worden sind. Ich glaube nicht, daß um 1370 noch Stücke aus dem frühen 13.Jahrhundert gespielt wurden. Ein Orgelstück um 1400 kann zu Lebzeiten Machauts auch nicht aufgeführt worden sein.


    Das sängerische Niveau des Consort läßt sich kaum bemängeln, wenn auch für meinen Geschmack die letzte Perfektion fehlt. Der Klang ist aber bemühter, weniger fließend als zB bei Hilliard.
    Nähere Angaben zur Besetzung und zur Trackliste hier:


    http://www.medieval.org/emfaq/cds/atn85289.htm



    Das Ensemble Organum unter Marcel Peres beschränkt sich 1996 auf eine vollständige lateinische Messe und läßt das überflüssige Drumherum der Clemencic-Aufnahme weg. Die Aufnahme entstand 1996 in der Kathedrale von Reims, um größtmögliche Authentizität zu erzielen.


    Stabangaben und Trackliste hier:


    http://www.medieval.org/emfaq/cds/hmu1590.htm


    Der Ensembleklang - es wird auf Spitzenniveau gesungen - ist aber kantiger, herber. Eigentümlich sind die vielen ungewöhnlichen Verzierungen beim Gesang, die mich persönlich stören. Insgesamt besteht ein deutlicher Unterschied zB. zu Einspielungen der Hilliards und des Ensemble Binchois, weshalb ich die Aufnahme nicht als Einstieg empfehlen kann.



    Das Ensemble Gilles Binchois legte bereits 1990 seine Aufnahme von Machauts Messe vor, wie beim Ensemble Organum als vollständige lateinische Messe. Ensembleleiter Dominique Vellard wählte allerdings nicht die Kathedrale für seine Aufnahme. Nicht nur wegen des Nachhalls, sondern vor allem mit der Begründung, die Kapelle, wo Machaut die Messe habe aufführen lassen, sei 1700 umgebaut worden, und nicht mehr im Originalzustand. Aufgenommen wurde stattdessen in der Stiftskirche von Saint-Martin de Champeaux, wo nach Vellard ein reiner und perfekter Nachhall vorhanden war. Countertenor bei der Aufnahme ist übrigens Andreas Scholl. Vellard und sein Ensemble sind für gründliches Quellenstudium bekannt, was der Musik zugutekommt.


    In Bezug auf die sängerische Perfektion steht das Ensemble den Hilliards in nichts nach. Weitere Kennzeichen sind Präzision, Wortdeutlichkeit und perfektes Zusammenspiel der Stimmen. Die kühle Glätte fehlt dem Ensemble zwar, dafür aber besitzt der Gesang mehr Spiritualität, was einer Messe zweifellos sehr gut bekommt. Er klingt auch nicht herb wie das Ensemble Organum. Ich bewege mich zwar im Bereich des persönlichen Geschmacks, aber das Ensemble hat für mich die beste Aufnahme überhaupt eingespielt.



    Die letzte Aufnahme ist auch die aktuellste Gesamteinspielung, aufgenommen im Oktober 2007 in der Zisterzienserabtei von Fontevraud. Diabolus in Musica musizieren unter Antoine Guerber für das französische Label Alpha.


    Das Ensemble rekonstruiert eine vollständige Weihmesse für die Jungfrau Maria, so wie sie Machaut für den samstäglichen Gottesdienst vor dem Rouelle Alter in der Kathedrale vorgesehen haben muß. Das informative Booklet gibt hierzu wertvolle Erläuterungen.


    Zwischen die einzelnen Teile der lateinischen Messe sind hier Motetten eingesetzt. Details der Aufnahme finden sich hier http://www.medieval.org/emfaq/cds/alp132.htm


    Es singen zwei Tenöre, zwei Baritone, drei Baßbaritone und ein Baß (kein Countertenor). Wie bei fast allen modernen Ensembles, die sich mit mittelalterlicher Musik befassen, ist auch bei Diabolus in Musica ein sehr hoher Standard erreicht. Auch hier lassen Wortdeutlichkeit, Zusammenspiel der Stimmen und ein am ehesten dem Ensemble Gilles Binchois vergleichbarer Klang keine Wünsche offen.




    Dem Musikliebhaber, der vom romantischen oder klassischen Repertoire her kommt, wird der Zugang zur Messe nicht leicht fallen. Ein mehrfaches intensives Hören, ein Einlassen auf diesen fremdartigen Klang aus der fernen Vergangenheit wird notwendig sein, bevor sich ihre Schönheit erschließt.


    Für den Einsteiger in diese Musik bleibt es bei der Empfehlung Hilliard; empfohlen auch dem, der nur die sechs Teile von Machauts Messe haben möchte. Für alle anderen ist das Ensemble Gilles Binchois erste Wahl. Eine preiswerte, aber qualitativ hochwertige Alternative ist die Oxford Camerata.



    Diabolus in Musica





    Ensemble Organum




    Oxford Camerata





    Clemencic Consort





    Deller Consort





    Hilliard Ensemble




    Ensemble Gilles Binchois


    Die zweite Aufnahme der Messe de Nostre Dame stammt aus der Stiftskirche Fröndenberg und wurde 1961 aufgenommen. Sie erschien als Mono-LP und wurde in den folgenden Jahrzehnten mit wechselndem Cover immer wieder neu als LP und CD aufgelegt (bei der DHM).


    Sie verdeutlicht, welche Entwicklung die Wiedergabe mittelalterlicher Musik inzwischen genommen hatte. Der britische Countertenor Alfred Deller und sein 1948 formiertes Deller Consort gehören zu den ersten Künstlern, die sich nach dem 2.Weltkrieg im UK der historisch informierten Aufführungspraxis verschreiben (und haben Musikgeschichte geschrieben). Sie musizieren wesentlich schlanker und durchsichtiger als die Dessoff Choirs und verzichten auf instrumentale Begleitung. Die Messe ist nicht wiederzuerkennen! Das Tempo ist insgesamt schneller, ohne jedoch auch nur ansatzweise hastig zu wirken. Gewöhnungbedürftig ist - jedenfalls für mich - Dellers Stimme. Da es Frauen grundsätzlich nicht gestattet war, in der Kirche zu singen, werden in der Reimser Kathedrale Knaben die Sopranstimme gesungen haben. Von einer Besetzung mit Countertenor in einer Messe des MA habe ich bisher nichts gelesen. Oder weiß da jemand mehr?


    Für meinen Geschmack „fließt“ die Musik gelegentlich zu wenig. Es klingt dann abgehackt durch die Betonung der einzelnen Worte des Messtextes, die Übergänge fehlen. Das kann aber mein persönlicher Eindruck sein. Vielleicht auch, weil ich die Aufnahme parallel zum Hillard Ensemble gehört habe.




    Deren Ende März 1987 für Hyperion entstandene Einspielung ist die dritte CD in der Sammlung.


    Kyrie, Gloria, Credo und Ite Missa est sind deutlich schneller als beim Deller Consort, der Rest etwas langsamer. Trotzdem klingt die Aufnahme nicht gehetzt. Obwohl mit David James und Ashley Stafford gleich zwei Countertenöre mitwirken, fügen sich ihre Stimmen perfekt in den Ensembleklang ein. Der typische kühle, fast schon zu glatte und perfekte Klang des Ensembles ist auch hier zu finden. Dies ist die Aufnahme aus den acht, die ich insgesamt vorstellen werde, die ich demjenigen empfehle, der die Messe überhaupt erst einmal kennenlernen möchte. Instrumentale Begleitung fehlt, sehr zum Vorteil der Aufnahme.

    Of all tyrannies, a tyranny exercised for the good of its victims may be the most oppressive. It may be better to live under robber barons than under omnipotent moral busybodies. The robber baron's cruelty may sometimes sleep, his cupidity may at some point be satiated; but those who torment us for our own good will torment us without end, for they do so with the approval of their own conscience.


    C. S. Lewis

    Of all tyrannies, a tyranny exercised for the good of its victims may be the most oppressive. It may be better to live under robber barons than under omnipotent moral busybodies. The robber baron's cruelty may sometimes sleep, his cupidity may at some point be satiated; but those who torment us for our own good will torment us without end, for they do so with the approval of their own conscience.


    C. S. Lewis