Beiträge von Diabolus in Opera

    Hallo Renate!


    Wie lange ist denn diese DVD? Bestimmt keine 16 Stunden, oder? :D Da fällt mir gerade auch noch ein, dass es ja glaub ich von der Deutschen Grammophon die Serie "Der Holzwurm in der Oper" gibt, wo verschiedene Opern kindgerecht aufbereitet wurden. Da gibt es glaub ich auch den "Holländer" und den "Ring".


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    Ich denke auch, dass sich der "Holländer" recht gut als Stoff für eine kindgerechte Bearbeitung anbietet, eine Art "Fluch der Karibik" als Oper. Die Musik ist süffig und die relative Kürze der Oper kommt dem ganzen auch entgegen. Das "Rheingold" hätte sich unter diesem Gesichtspunkt und der Tatsache, dass es eine Menge Fabelwesen und Action gibt auch angeboten. Aber ob man das machen kann, ohne später den etwas komplexeren und schwierigeren Ring nachzuschieben? Operninteressierte Kinder werden sicher dafür dankbar sein, dass es mal was anderes als "Hänsel und Gretel" und "Zauberflöte" gibt ;) Vielleicht gibt's ja dann bald Action-Figuren vom Holländer und so ...


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    WAGNER für Kinder (?)

    Hallo zusammen,


    wie ich gerade auf der Website der Bayreuther Festspiele lese, wird es dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Festspiele eine speziell für Kinder gedachte Adaption und Aufführung eines Wagner-Werkes, nämlich des "Fliegenden Holländers", geben. Dies läuft unter dem Namen "Richard Wagner für Kinder".
    "http://www.bayreuther-festspiele.de/deutsch/spielplan/wagner_fuer_kinder_405.html"


    Natürlich sind bereits sämtliche Vorführungen ausverkauft. Was haltet ihr davon? Sowohl generell als auch von der Auswahl des Werkes. Hat jemand Karten?


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    @ Klaus: Und da sagen viele immer, dass das Regie-Theater die jungen Leute vergrault! Gar nicht wahr!!! :D


    @ Mela: Ich glaube auch nicht, dass Wilson sich intensiv in das semiotische System der Peking-Oper eingearbeitet hat, er hat da vielleicht nur (oberflächliche) Grundzüge rausgenommen, wenn überhaupt. Vielleicht liege ich ja selbst mit meinem Interpretationsansatz falsch und die Personenführung / Maske / Kostüm bezieht sich auf etwas völlig anderes. Das schließe ich gar nicht aus. Mir kam nur spontan die Peking-Oper in den Sinn.


    @ Mina: Man muss gar kein Ketzer sein, um dahinter einen prinzipiell durchaus legitimen Ansatz zu sehn. Allerdings funktionieren für mich solche Interpretationsansätze eher dann, wenn man auch eine Kontrastfolie zeigt und nicht alles über einen Kamm schert. Hier aber waren sämtliche Figuren "kommunikationsgestört". Es wäre viel spannender gewesen, hier unterschiedlich mit den 4 Hauptfiguren zu arbeiten.


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    @ Mela: Liebe Melanie, Du brauchst die Chinesische Oper nicht zu verteidigen! Wie ich hoffentlich in meinem Posting durchblicken ließ, wollte ich in keiner Weise der Kunstform "Peking-Oper" / "Chinesische Oper" im Allgemeinen ihren Wert absprechen, obwohl sich bei meinem sehr rudimentären Kontakt damit bislang nicht das unbedingte Bedürfnis einstellte, mich in dieses Thema "reinzufressen" ...


    Wie hoffentlich ebenso klar geworden ist, stelle ich Wilson keinen Blanco-Scheck für eine nur vom Publikum missverstandene und an und für sich (verkannte!) geniale Inszenierung aus. Rideamus hat das schon richtig herausgestellt: wer sich im "Freischütz" nicht um die Figuren / Menschen kümmert, der hat eigentlich schon verloren, da kann er darum herum aufbauen, was er will, es funktioniert nicht. Wenn der Regisseur solch eine Aufführung in Baden-Baden macht, dann hat er trotz seiner Inszenierungsidee dafür Sorge zu tragen, dass dem Zuschauer die Geschichte und die Figuren verständlich gemacht werden. Ich kann mich auch nicht hinstellen, einen Schuhblattler in ein legendäres Werk der Peking-Oper stopfen und erwarten, dass die Leute sich daraus einen Reim machen können. Wenn er sich schon eines anderen Zeichensystems bedient, dann sollte er wenigstens soviel Regiearbeit investieren, um dieses auch einigermaßen zugänglich zu machen, dem Zuschauer zumindest eine Chance zum Verstehen geben.


    Nichts gegen Modernisierung, Neu-Interpretation etc. etc., ich bin der letzte, der meint, die große deutsche Volksoper "Freischütz" dürfe man nur im traditionellen Gewande sehen. Aber der Geschichte, den Figuren sollte immer Respekt entgegengebracht werden, sie sollten - wie Rideamus schrieb - "ernst genommen" werden. Und das war bei Wilson - soweit ich das von meiner Warte aus erkennen konnte - nicht der Fall. So etwas ist dann wirklich ein gefundenes Fressen für Gegner des Regietheaters.

    WEBER, Der Freischütz - Pfingstfestspiele 2009, Baden-Baden, 01.06.2009

    Robert Wilson, US-amerikanischer Tausendsassa der Theaterwelt und auch im Bereich Oper kein unbeschriebenes Blatt mehr, hat für die Pfingstfestspiele am Festspielhaus Baden-Baden Carl Maria von Webers "Freischütz" neu inszeniert. Neben der Inszenierung zeichnete Wilson auch für das Bühnenbild und das Licht verantwortlich. Die Aufführung wurde heute Abend live bei ARTE übertragen.


    Was gab es zu sehn? Einen oft grellen, Swarovsky(!)-glitzernden, in den Formen sehr stilisierten Freischütz, dem Wilson bei Maske, Kostüm und Personenführung einen stark an die Chinesische Oper erinnernden Stil übergezogen hat und damit bei mir erst einmal ziemliche Befremdung auslöste und mich auch zum Schluss nicht wirklich zu überzeugen wusste.


    Was die Lichtgestaltung anging, so fand ich einzelne Sachen (Eröffnungsbild, Wolfsschlucht) durchaus gelungen, aber gerade im Laufe des ersten Aktes waren mir die häufigen Lichtwechsel doch zu kunterbund und unmotiviert. Weniger bzw. subtiler wäre hier wohl mehr gewesen.


    Wichtiger waren dann aber doch die Personen, die Kostüme in denen sie steckten und die Art und Weise, wie sie sich in diesen über die Bühne bewegten. Oder nicht bewegten. Denn wer mit der Ästhetik der Chinesischen Oper nicht sonderlich vertraut ist (so wie meine Wenigkeit), dem wird das Geschehen auf der Bühne als ziemlich ödes Rumgestehe (inklusive Chor) mit elaborierten Kostümen, jeder Menge Schminke und artifiziell übertriebener Mimik / Gestik erschienen sein. Wenn ich etwas in der Oper nicht mag, dann ist es das ewige ins-Publikum-singen wenn eigentlich Interaktion mit anderen Personen / Gegenständen angesagt wäre. Und da hat sich Wilson mal so richtig ausgetobt, kaum einmal blicken sich die Figuren an, sie sind mehr mit sich selbst und ihrer Hand- und Fußgestik beschäftigt. Es findet so gut wie keine Interaktion statt, die Figuren bleiben dadurch kalt, distanziert, grotesk in ihrem Gebaren und den exzentrischen Gewändern: Max steckt in einer Art grell-grünem Gestrüpp, das sich wie eine Halskrause um ihn herum aufplustert, Kaspar schleppt eine überdimensionale Kette (die Originalität dieser Idee hält sich auch in Grenzen: "Schon trägt er knirschend Eure Ketten!") mit sich herum, Kuno trägt einem Anzug im Holz-Design (echt schick!) und Agathe präsentiert sich mit einem riesigen Blumenstrauss , ebenfalls im Stile einer Halskrause. Der Schlüssel zu einem möglichen Verständnis von Wilson's Inszenierung findet sich wohl im asiatischen Kulturraum und nicht im teutschen Wald. In der Chinesischen Oper sind diese Art der extravaganten Kostüme, die grelle Schminke, überzogene Mimik sowie sehr differenzierte Hand- und Fußgesten ein fester Bestandteil und gerade Mimik und Gestik sind meines Wissens nach mit einer sehr deutlichen Semantik belegt. Doch wie gesagt, ich kenne mich damit nicht aus und deshalb war die Inszenierung für mich in diesem Bereich in Teilen vielleicht noch interessant, aber ein geschlossenes Konzept war nicht zu verstehen und damit waren auch gleichzeitig sowohl jedwede Empathie als auch eventuelle neue Einblicke in die Figurenkonstellationen / -relationen non-existent. Vielleicht kann jemand, der sich etwas besser damit auskennt, etwas Licht ins dunkel bringen?


    Mir schien es mitunter sogar so, als sei ein chinesischer Einfluss sogar beim Gesangsstil zu bemerken, manchmal klang es irgendwie, als würde da im Falsett gesungen. Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Die Gesangsleistungen waren im Großen und Ganzen in Ordnung. Steve Davislim's Max fand ich nicht sonderlich beeindruckend, besser waren da die anderen drei Hauptdarsteller Dimitry Ivashchenko als Kaspar (wobei ich seine Leistung auch nicht durchgängig gut fand, er hatte aber starke Momente), Julia Kleiter als Ännchen und Juliane Banse als Agathe. Hengelbrocks Dirigat war interessant, er verstand es spannende Tempodifferenzierungen zu machen, ließ stellenweise extrem flott musizieren, hütete sich aber davor, im ICE-Tempo durch die ganze Partitur zu hetzen. Das Orchesterspiel war dabei auch die meiste Zeit gut transparent. Ein bisschen hat mich die Lesart an Kleibers CD-Freischütz erinnert. Das Mahler Chamber Orchestra hatte zu Beginn meiner Empfindung nach ein paar kleine Intonationsprobleme, überzeugte aber insgesamt.


    Hier noch mal die ganzen Beteiligten:


    Thomas Hengelbrock: Musikalische Leitung


    Robert Wilson: Inszenierung, Bühnenbild und Licht
    Ann-Christin Rommen: Co-Regisseurin
    Viktor und Rolf: Kostüme
    Wolfgang Wiens: Dramaturgie
    Tillmann Hecker: Regieassistenz


    Klaus Kuttler: Ottokar
    Reinhard Dorn: Cuno
    Juliane Banse: Agathe
    Julia Kleiter: Ännchen
    Dimitry Ivashchenko: Kaspar
    Steve Davislim: Max
    Paata Burchuladze: Ein Eremit
    Ronald Spiess: Samiel
    Matjaz Robavs: Kilian
    Philharmonia Chor Wien
    Mahler Chamber Orchestra


    Bin gespannt, ob von Euch auch jemand die Inszenierung gesehen habt und was Ihr davon haltet!
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