Beiträge von Philbert

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins hier statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.

    Dank Collodi ist es das auch.

    Für Pascal war es selbstverständlich nicht der Punkt. Er zielte auf die Eitelkeit. Hier das Zitat im Kontext:

    "Qui voudra connaître à plein la vanité de l’homme n’a qu’à considérer les causes et les effets de l’amour. La cause en est un Je ne sais quoi. Et les effets en sont effroyables. Ce Je ne sais quoi, si peu de chose qu’on ne peut le reconnaître, remue toute la terre, les princes, les armées, le monde entier.


    Le nez de Cléopâtre s’il eût été plus court toute la face de la terre aurait changé."

    Das Zitat hat sich aber verselbständigt und ich finde Lautréamonts Parodie ziemlich treffend.

    EIne Anspielung auf Blaise Pascal: « le nez de Cléopâtre, s'il eût été plus court, toute la face de la terre aurait changé »

    Ein so bekanntes Zitat, dass die meisten Franzosen nicht wissen, von wem es stammt.

    Es wurde aber ziemlich geschickt von Isidore Ducasse, comte de Lautréamont parodiert:

    "Si la morale de Cléopâtre eût été moins courte, la face de la terre aurait changé. Son nez n'en serait pas devenu plus long."

    Warum unsere Rosamunde so heftig, ja quasi rufschädigend Anstoss am Spiel Zehetmairs nimmt, versteh ich nicht so recht.

    Darf man etwas anderes als die allerhöchsten Standards von jemandem/jefraudem erwarten, die in ihrer Dusche so schön wie Sena Jurinac singt?

    Hier auch:

    Ja, definitiv ein Zugang, der diametral zu, sagen wir, und ich bitte, die entsetzlichen Pauschalierungen zu entschuldigen, extremisierenden Zugängen wie von den Hagens (nicht gerade bei D 956, aber sonst bisweilen ... z. B. bei D 804) oder den Emersons positioniert ist. Ich finde das unglaublich stimmig. Ja, es ist nicht fetzig, es ist nicht spektakulär, trotzdem mag ich das ...

    Hier würde ich auch (was ist mir mir los? :) ) zustimmen.

    Es ist keine dramatische Darbietung, eher eine epische, wo nicht die augenblicklichen Kontraste, sondern der Erzählfluss hervorgehoben wird. Eine sehr schöne Klangperspektive und auch die Sorgfalt, die Spannung weiterzutreiben. Zum Beispiel in der differenzierten Wiederholung im ersten Satz, in den Übergängen (Durchführung-Reprise im ersten Satz, B Teil - A' Teil im zweiten ...). Dazu gehört auch, dass es keine sonderliche Beschleunigung im Mittelteil des zweiten Satzes gibt.

    Exemplarisch auch der vierte Satz, der nicht übermäßig schnell anfängt (ist halt nur allegretto) aber wo die ruhigeren Couplets nicht wie oft die Gefahr des Langweiligen bringen, sondern die Spannung weitertragen. Hier auch sehr sorgfältige Übergänge und genug Reserve für die finale Steigerung.

    Diese Interpretation würde ich in gleiche Kategorie wie die des Marlboro-Ensembles einreihen.


    Ich mag gewisse spektakuläre Interpretationen sehr (Pavel Haas z.B.), aber diese mit ihrer inneren Spannung gefällt mir auch. Im Unterschied etwa zur empfundenen Belanglosigkeit von Belcea oder Orpheus/Wispelwey.

    Vielen Dank an Philbert für den Tipp!

    Sehr gerne!

    Ich habe mir die Doppel-CD wieder angehört.

    Ursprünglich fand ich D804 zu überzuckert. Dies hat sich relativiert und trifft höchstens auf den zweiten Satz. Sonst ist die Tragik nicht so stark (einige würden sagen: plakativ) ausgedruckt wie bei den Artemisianern, eher verinnerlicht aber nicht weniger ergreifend. Die beiden letzten Sätze auch sehr ausdrucksstark.


    Für D887 stimme ich MB zu

    Der Quartettsatz D703 wird hier wie vorgeschrieben allegro assai gespielt und hier ist auch ein Werbetext wahr geworden ...

    Schade, dass sie D810 nicht aufgenommen haben. Hingegen gibt es


    Bei den Wihans hält sich meine positive Bewertung für D887 und D804. Bei 810 fehlt es leider allzuoft an Präzision und es wird gelegentlich hörbar al fresco musiziert. Live-Aufnahme ...

    Wo wir dabei sind, eine Nachricht, die Eurem leidgeprüften Geldbeutel gut tun wird.

    Diese Einspielung:

    braucht Ihr NICHT zu kaufen.

    Das bekannte Stück, der Quartettsatz D703, habt Ihr wohl schon in zig zufriedenstellendere Interpretationen.

    Das weniger bekannte, aber doch präsente D87, wird hier bedeutungsschwanger dargestellt. Eine leider schwierige Schwangerschaft.

    D18, ein schönes unbekümmertes charmantes Stück, hat hier viel von seinem Charme eingebüßt. Greift lieber zu Kodaly bei Naxos:

    Hier ist es in Begleitung von zwei anderen frühen Quartetten, die ebenfalls reizend gespielt werden.


    Die Schubertiade Schwarzenberg hatte einen Zyklus aller Quartette mit dem Quartett Apollon Musagète angefangen. D18 hatten sie mit einem leichten barocken Touch gespielt, das ganz gut passte (mit Verzierungen der ersten Violine z.B.) und ich war gespannt auf eine in Ansicht gefaßte Einspielung. Wird wohl ein Wunsch bleiben.


    EDIT: Bei Alinde gibt es eine zeitgenössische Zugabe mit dem einfallsreichen Titel Unbegun. Das ist wohl das beste, was man darüber schreiben kann.

    Aus diesem Stück kommt der Text von Schuberts Trinklied D888 Bacchus, feister Fürst des Weins.

    Der Übersetzer war Ferdinand Mayerhofer von Grünbühel und er war so geschickt, dass Shakespeares Come, thou Monarch of the wine auch zur Musik passt. Das Lied hat nur eine Strophe. Schubert hat aber Wiederholungszeichen gesetzt, so dass nichts gegen einen zweisprachigen Vortrag spricht.

    Ja, die rumänischen Colinde sind etwas ganz besonderes. Am markantesten in der Bukowina, wo rumänische und ukrainische Traditionen aufeinanderstoßen.

    Ich denke wohl, dass im Banat es auch serbische bzw. ungarische Einflüsse geben kann, aber mir kommen keine typisch Banater Colinde in den Sinn.

    Ein paar Konzerte mit Bukowiner Colinden konnte ich halb live erleben, da ein Familienmitglied ausgebildeter Sänger ist und ein Vokal-Ensemble dort betreut.

    Ein anderer Bekannter ist Bassist in der Oper Timișoara. Er dürfte dein Angelotti gewesen sein.

    Ich dachte allerdings, dass es da schon ähnliche Versuche gibt. So findet sich bei mir im Regal die folgende Scheibe:


    Damals habe ich mir die Doppel-CD aus einem gewissen Reliquien-Kult heraus gekauft, aus Sammlerstolz und -wahn - man möge es nennen, wie man es will.


    Über die Authentizität wird man lange diskutieren können. Wichtig scheint mir, gewisse Hintergrundsinformationen zu besitzen, um Letztere wenigstens pauschal taxieren zu können.

    Hier ist es leicht anders.

    Die erste CD enthält D729 in der Orchestrierung Felix Weingartners. Es ist eine (leicht gekürzte) Vervollständigung von D729, wo Weingartner die fehlenden Orchesterstimmen ausgefüllt hat.


    Die zweite CD ist ehrlicherweise "Symphonische Fragmente" betitelt. Hier hat Peter Gülke Schuberts Skizzen instrumentiert. Er hat nicht versucht, Schubert zu vervollständigen, nur einen akustischen Eindruck davon geben wollen, was Schubert im Kopf hätte haben können. Für denjenigen, der Schuberts Skizzen nicht so einfach deziffrieren kann (sie sind übrigens bei http://www.schubert-online.at zugänglich), eine interessante Einsicht.


    Das Ding von Dünser und Venzago gibt aber vor, die 7te Symphonie Schuberts zu sein, indem es Skizzen zu drei Werken aus unterschiedlichen Schaffensperioden vermischt, die in einem unterschiedlichen Zustand zu uns gekommen sind, nie als Teil eines einzigen Werkes gedacht waren und teilweise sehr hypothetisch "wiederhergestellt" wurden. Das kann man Betrug nennen. Bezeichnend die Tatsache, dass das A aus D708A und D936A verschwunden ist. So sehen die angegebenen Deutsch-Nummern "echter" aus.


    Vervollständigungen konnten mich noch nie überzeugen. Man kann die Einziartigkeit eines Menschen nicht mehr zurückholen.


    Ich fände eine Einspielung einer der beiden Sinfonien von Schubert-Freund Anselm Hüttenbrenner (auch so ein Schubladenkomponist) lohnenswerter.

    Ich bin damit einverstanden. Es interessiert mich wenig zu hören, was Schubert nicht komponiert hat. Besonders die Klavierwerke kann man in non finito spielen. Wenn Badura-Skoda unterschiedliche Werke vermischt und "vervollständigt", um daraus eine ganze Sonate zu machen, ist es grenzwertig (z.B. mit D612 / D613. Ein Blick aufs Manuskript hätte gereicht, um zu sehen, dass am Ende von D.612 Schubert "Fine" geschrieben hat, so dass es nicht als Teil eines mehrsätzigen Werkes konzipiert war).

    Was Symphonien betrifft, so ist etwa Gülkes Arbeit ehrlich und interessant. Wenn Brian Newbould mit viel Spekulation eine "10te Symphonie" erstellt, ist es schon fragwürdig. Was uns auf der angekündigten CD dargestellt wird, ist schon Schwindel.


    Dann lieber Schubert/Berios Rendering oder die Einspielung von Werken Hüttenbrenners oder Lachners, die auch unsere Kenntnis des Schubertschen Umfelds erweitern können.

    Man kann auf diese CD hinweisen:

    die zwar keine Symphonie enthält, aber ein klug zusammengesetztes und hervorragend dargebotenes Programm anbietet.

    Eine tolle Weihnachtsgeschenkidee für Liednarren ...

    Was soll man über diese CD sagen?:

    Die hier angebotene "Symphony in E major, completed by Richard Dünser" ist ein Patchwork aus mehreren Unvollendeten Schuberts:

    - die tatsächliche E-Dur Symphonie D729 aus dem Jahr 1821, von der die ersten 110 Takten voll instrumentiert sind, der Rest hauptsächlich aus einer Melodie-Linie mit hier und da Instrumentierungshinweisen besteht (davon die Sätze 1 und 4)

    - die Skizzen zu einer Symphonie in D-Dur D708A aus dem Jahr 1820, in Particell (auf zwei Systemen), wovon nur der 3 Satz virtuell komplett ist (eben der Satz, der hier verwendet wird)

    - die Skizzen zu einer Symphonie in D-Dur D936A aus dem Jahr 1828, in Particell (auf zwei Systemen). Der zweite Satz ist irgendwie rekonstruierbar (wird hier verwendet); vom 3 Satz gibt es zwei Fassungen, darunter die erste als "Scherzo" betitelt ist. Hier ist die Rekonstruktion schon viel problematischer. Noch einmal, es sind lediglich hastig niedergeschriebene Skizzen, die teilweise schwer zu lesen und oft puzzlehaft sind. Dieser dritte Satz wird auch verwendet.

    Daraus hat Richard Dünser eine fünfsätzige Symphonie gemacht. Laut Cover hat auch Mario Venzago an der Rekonstruktion bearbeitet.


    Dies hätte man "symphonisches Collage" benennen können. Dies als Symphonie Schuberts zu bezeichnen ist eine irreführende Täuschung.




    Bei der Aufnahme mit dem ABQ erliege ich der Illusion, die Stimmungen seien hundertprozentig getroffen. Im Vergleich dazu wirkt das hier wie eine zwar scharf eingestellte, aber mit Farbfehlern belastete Fotografie.

    Ich habe es mir soeben angehört. Dachte zuerst "expressionistisch". Und dann, wohl von MBs Kommentar beeinflusst, setzte sich bei mir der Eindruck eines romantischen Bildes durch, das vom Blauen Reiter oder dem jungen Picasso verfremdet würde.

    Als "echte" expressionistische Darstellung empfinde ich hingegen die der Pavelhasen.

    Das ABQ überzeugte mich in D810 sehr, mehr als in D804 (wobei es sich bei D804 um einen marginalen Einwand handelt). Bei den Artemisianern ist es umgekehrt.


    Aber so ist es bei Schuberts späten Quartetten: die alleinseligmachende Interpretation aller 4er (wenn man den Quartettsatz hinzunimmt) gibt es - zum Glück - nicht ... Die Panochas, die für mich bei D887 sehr hoch einzustufen sind, finde ich bei D804 wieder zu versüßt.


    Die Pavelhasen habe ich in D804 und D887 live erlebt und ich wünsche mir eine CD-Veröffentlichung. Besonders in D804 hatten sie einen Weg gefunden, Spannung durch Zurückhaltung auszudrücken, der mich sehr beeindruckt hatte.