Beiträge von Freund Adagietto

    Hallo Freunde


    Je mehr ich von Bachs Kantaten höre, desto mehr bedaure ich, dass so viele verloren gegangen sind! Verzeichnet haben wir etwa knapp über 200 Kantaten, Bach hat aber einige mehr geschrieben, kürzlich habe ich gelesen, über 500! Wenn man bedenkt, wie wenig Zeit er dafür hatte, und auf welchem Niveau sich die Kantaten bewegen, kann man nur leer schlucken.

    Hallo Freunde


    Vielleicht könnte man auch fragen, was wollte der Komponist mit einer Tonart erreichen, was war seine Intention?
    Moll dann "nur" darauf zu reduzieren, ob es "spannender" oder "trauriger" rüberkommt als Dur, greift vermutlich zu kurz. Gerade bei Mozart finde ich in den Dur-Sätzen eine unheimliche fast endlose Traurigkeit, die so ganz anders rüberkommt als in manchem Moll-Satz. Ich denke da beispielsweise an die Gran Partita in B-Dur...eine solche Traurigkeit im ersten Satz, das geht durch Mark und Bein.


    Mauritius

    Hallo Knulp


    Vielen Dank für Deine ausführlichen und nachvollziehbaren Beschreibungen! Ich muss mich zwar noch etwas einlesen, vom Prinzip her habe ich jedoch begriffen, um was es geht.


    Könnte man kurz sagen, ein Digital-Wandler steigert in der Regel den Musikgenuss?

    Digital-Umwandler

    Hallo Freunde


    Kürzlich bin ich im Zusammenhang mit Abspielgeräten über das Wort "Digitalumwandler" gestolpert. Ich habe versucht, mich über wikipedia schlau zu machen, aber meine technischen Kenntnisse sind zu beschränkt: ich verstehe nur Bahnhof!


    Könnte mir jemand erklären, was das genau ist und wo die klanglichen Verbesserungen liegen? Dafür wäre ich sehr dankbar.


    Mauritius

    Lieber Adagietto, könntest du bitte nochmal genauer definieren, was für dich der Flow ist? Hier geht nâmlich Einiges ziemlich durcheinander. Das was Du oben in den physiologischen Reaktionen beschreibst, scheint mir viel eher die sogenannte Herzkoherenz zu sein. Ist die für dich gleichbedeutend mit dem "Flow"? Herzkoherenz
    und Tiefenentspannung oder gar Trance(all das wurde hier inzwischen genannt) sind drei verschiedene Dinge und ich frage mich ob der Flow nicht noch ein Viertes verschiedenes Ding ist


    Hallo Fairyqueen


    Ich bin momentan etwas verwirrt von all den verschiedenen Ausdrücken. Bei mir konnte ich beobachten, dass sich mein Rhytmus von Herz und Atem während des Musikhörens und Musikerlebens tatsächlich verändert. Ob das mit dem "Flow" zusammenhängt, weiss ich nicht. Ich kann auch nicht genau sagen, ob wir unter Flow alles dasselbe verstehen.
    Mir geht es vielmehr um die Möglichkeit, Musik in seiner Ganzheit erfahren und erleben zu können. Und ich habe bemerkt, dass es eben oft sehr ähnliche Dinge sind, die dafür den optimalen Nährboden bilden. Diese Vorgehensweise versuche ich zu erarbeiten.


    Wie ist das bei Dir? Wie erfährst Du Musik?

    Hallo Freunde


    So wie ich das verstanden habe, besteht ein Spannungsfeld zwischen aktivem Zutun und passivem Geschehenlassen. Ich glaube, beides hat seine Berechtigung-aber nicht zur gleichen Zeit.


    Ich schlage daher vor, diese beiden Vorgehensweisen weitestgehend abzuspalten. Wir sind ja heutzutage damit gesegnet, über unzählige Aufnahmen zu verfügen und Musik praktisch überall hören zu können. Wir können auch die gleichen Stellen immer und immer wieder hören. Das ist ein immenser Vorteil, den es zu nutzen gilt!


    In den ersten Teil verstaue ich all diejenigen Tätigkeiten, die etwa aktives Hinhören erfordern. Also beispielsweise wie sich mir die Struktur dieses Stückes offenbart, wie sich ein Motiv weiterentwickelt. Das ist Arbeit, vergleichbar wie wenn ich einen Berg besteige. Den zweiten Teil sehe ich als passives Hinhören an. Dort geniesse ich dann meine Früchte der Vorarbeit, die aber nötig war, um auf diesen Gipfel zu gelangen und von der Aussicht überwältigt zu werden.


    Darum möchte ich hier folgende Schritte vorschlagen (die mögen für jeden anders sein, bei mir funktioniert es etwa so):


    1. Teil Aktives Hinhören


    1. Schritt: Ich bestimmte also Abschnitte innerhalb der Struktur, auf die ich mich erstmal konzentriere.


    Da es so wichtig ist, dabei offen zu sein, stellt auch das für mich einen Schritt dar.


    2. Schritt: Ich versuche ruhig und neugierig zu sein. Ich versuche, Stimmungen zu erkennen. Was löst ein bestimmter Abschnitt des Stücks in mir aus? Welche Emotionen nehme ich wahr? Ich kann mich beispielsweise fragen: Wo befinde ich mich? Wird mir kalt, ist es dunkel, hell was für Bilder tauchen auf? usw… Welche Resonanz stellt sich bei mir ein?


    3. Schritt: Ich versuche, Tendenzen und Wendepunkte und unterschiedlich Klangfarben bewusst wahrzunehmen. Hat sich etwas zum Anfang verändert? Was bedeutet ein Abschnitt, welche Veränderung löst er aus?


    4. Vielleicht stellen sich mir auch Fragen. Wie geht es weiter? Was möchte mir die Musik „zeigen“?


    5. Um die Musik wirklich im ganzen Körper spüren zu können, muss ich mich dazu bewegen (das mag für andere anders sein…) Ich dirigiere also mit, nicht, um die Musik zu verändern, aber um meine Wahrnehmung der Musik gegenüber zu verändern und zu intensivieren. Ich atme Musik. Ich reagiere spontan mit irgendwelchen Bewegungen auf die Musik.



    2. Teil Passives Hinhören


    Hier sollten mir die einzelnen Komponenten aus dem ersten Teil soweit in „Fleisch und Blut“ übergegangen sein, dass alles wie von alleine abläuft. Ich muss mich hier nicht mehr gewollt konzentrieren, sondern kann mich in der Musik verlieren. Und dann kann sich spätestens hier der „Flow“ oder das intensive meditative Hören einstellen, so wie ich es kenne. Das kann man nicht erzwingen, sondern nur zulassen. Eigentlich ist es ja egal, ob wir das jetzt Flow nennen oder wie auch immer. Es geht darum, wie MICH die Musik berühren kann. Wie sie mich VERÄNDERT, wie ein Werk etwas ganz PERSÖNLICHES wird, das so nur für mich allein gilt.


    Das klingt jetzt hier sehr theoretisch. Wenn jemand Interesse hat, starte ich einen neuen Thread, wo ich das auch praktisch ausleuchten kann. Ich beschäftige mich derzeit intensiv und genau in dieser Weise mit Bruckners 4. Sinfonie. Ich könnte beschreiben, wie ich die Abschnitte einteile und versuche, zu erleben… Vielleicht können wir gemeinsam einen ganz neuen Zugang erschaffen…


    Mauritius

    Hallo Agravain

    Überhaupt bezieht sich Csikszentmihalyi mit dem Begriff eher auf ein aktives Tun. Musikhören gehört bei ihm - und da stimme ich aus meiner Perspektive auch zu - zu dem Feld des Medienkonsums, den er eher als passive Gestaltung der Freizeit deutet


    Für mich kann Musikhören auch eine aktive Tätigkeit sein. Der Witz ist, die Musik eben unmittelbar aktiv und direkt zu erfahren. Sei es durch mitdirigieren oder durch sehr bewusstes hin-Hören, mit-Gehen oder mit-Erleben. Etwas Probleme bereitet mir dann die Qualifkation der Musikhörens als rein passive "Tätigkeit". Musik kann man sicher völlig passiv und ganz nebenher wahrnehmen, aber dann bleibt sie im Belanglosen hängen (Fahrstuhlmusik). Er wenn sie in mir etwas auslöst und meine Emotionen bewegt wird sie lebendig. Für mich ist ein aktives Musikhören -analog dem Schaubschen "Aktivhörer"- ein wichtiger Schritt in Richtung intensives Wahrnehmen.


    Wenn ich Dich nach einem wunderbaren Musikerlebnis frage, das bei Dir Spuren hinterlassen hat, wirst Du wahrschienlich ein Erlebnis schildern, das bei Dir Emotionen auslöste, oder?


    Mauritus

    Hallo bustopher

    Stellt sich flow nicht immer dann ein, wenn man in der Sache aufgeht? Seine Aufmerksamkeit also gerade nicht auf die eigene Konzentration, Anstrengung oder momentane Leistung lenkt?


    Gute Frage. Ist das überhaupt möglich, sich auf das Konzentrieren zu konzentrieren? In der Regel braucht es doch irgendetwas, ein "Objekt", auf dem ich meine Konzentration lenken kann.


    Zum Üben im Flow gibt es übrigens diese schöne Dokumentation, vielleicht hast Du mal interesse, reinzuschauen: http://www.musikschulen.de/med…/mk03/referat_ag08_16.pdf


    Mauritius

    "Flow" beim Musikhören

    Liebe Freunde


    In letzter Zeit habe ich mich intensiv mit dem „erweiterten Hören“ beschäftigt. Dazu habe ich viel Literatur gelesen und selber natürlich auch ausprobiert. Heute möchte ich Euch meine Resultate mitteilen, dass vielleicht der eine oder andere mit profitieren kann.


    Ich spreche davon, die Musik in der Art zu erleben, in der sie auf mich persönlich am stärksten wirken kann. Mihaly Csikszentmihalyi gilt als herausragendster Wissenschaftler auf dem Gebiet des FLOW-Erlebnis. Ich stütze mich folgend auf seine Forschungen ab.


    Was ist Flow? Flow ist das völlig „aufgehen“ in einer Tätigkeit und löst unmittelbare Folgen im Körper aus. Beispielsweise sind Herzschlag, Atmung und Blutdruck völlig synchronisiert.


    Der Flow lässt mich völlig hingerissen dahstehen und alles um mich herum vergessen. Das schöne dabei ist: Es geht wie von alleine! Doch etwas Vorbereitung muss auch hier sein…


    Wie erreiche ich ihn?


    Csikszentmihalyi nennt drei wichtige Punkte:


    1. Die Aktivität hat deutliche Ziele. Das Ziel besteht in der unmittelbaren Rückmeldung in mir.
    2. Konzentration.
    3. Anforderung und Fähigkeit stehen im optimalen Verhältnis.


    Diese drei Faktoren müssen immer gegeben sein, damit sich ein Flow einstellen kann.



    1. Das Ziel


    Der erste schritt bildet das aktive Musikhören. Also ein konzentriertes Hinhören und kein oberflächiges Anhören. Es setzt voraus, dass man sich auf das Stück einlässt.. Wir begeben uns mit dem Stück zusammen auf eine Reise, einen Weg. Der Schluss des Stücks ist allerdings nicht unser Ziel beim Hören, sondern das, was dazwischen passiert. Das, was es in uns auslöst, unsere Resonanz, die Gefühle, die Farben und Bilder, die aufsteigen und und und…


    2. Konzentration


    Konzentration ist dann möglich, wenn einem die Tätigkeit gefällt und die Anforderungen gerade so hoch ist, dass sie meine volle Konzentration erfordert. Ich muss fähig sein, meinen Fokus einige Zeit lang auf etwas richten zu können, ohne abzuschweifen. Das ist recht gut trainierbar! Oft ist da auch keine bewusste Anstrengung dahinter, wenn mich das Stück interessiert, bin ich sowieso schon „voll dabei“! :P


    3. Anforderung und Fähigkeit stehen im optimalen Verhältnis.


    Der Flow bildet sich nur dann, wenn ich mich weder unterfordert („ich langweile mich…“) noch überfordert („im bin gestresst, ich ängstige mich…“) fühle.


    Dazu eine schöne Grafik aus dem Artikel zu Flow bei Wikipedia:



    [Blockierte Grafik: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e6/Flow.png]


    Um das zu testen, bin ich wie folgt vorgegangen:


    Ich habe mich gefragt, wo ich überfordert bin beim Hören. Das ist recht schnell möglich, hat aber immer etwas mit MIR zu tun. Sobald ich zu viel erwarte und ich dies oder jenes nicht heraushöre, stresse ich mich und dann bin ich auf der oberen Kurve. Das ist aber ein Flowkiller. Also zurück: Schritt für Schritt. Ersteinmal nichts erwarten vom Stück, einfach mal anhören.


    Aber halt! Meine Gedanken schweifen bereits schon ab, jetzt bin ich auf der unteren Kurve, und auch da ist kein Flow zu finden…also mehr, ich möchte ein bestimmtes Motiv heraushören und


    konzentriere mich erstmal voll darauf. Ein schönes Gefühl


    Die Schwierigkeit besteht darin, sich subjektiv immer so viel zu geben, dass man sich „in der Mitte“ der zwei Pole findet. Und das ist wahrlich sehr sehr individuell. Das aber macht die Musik auch so grossartig, jeder hört sie auf seine Weise anders…


    Liebe Freunde, habt ihr auch schon den Flow erlebt während des Hörens? Was meinst ihr, treffen diese obigen Punkte auch auf Euch zu? Seid ihr schnell „in der Musik“ oder braucht ihr –wie ich- einige Anlaufzeit bis der Groschen fällt?



    Ich bin gespannt über Eure Erfahrungen…


    Mauritius

    Welche Anlage?

    Hallo Freunde


    In diesem Teil des Forums liest man immer wieder von "eben gehörtem". Mich interessiert, welche Anlagen ihr für das Anhören benützt? Habt ihr topmoderne HiFi-Anlagen mit 20 goldverstärkten Boxen? Oder tut's auch eine ganz "normale"? Oder geht ihr sogar so weit, verschiedene Stücke auf verschiedenen Anlagen zu hören?


    Mauritius

    Hallo Mauerblümchen
    Hallo Freunde


    Mir ist gestern während einer Zugfahrt aufgefallen, dass Celi aus einem bestimmten Grund ein eher gemächliches Tempo anschlägt. Während ich noch darüber nachgrübelte, wurde mir plötzlich klar, dass es mit dem Atem zu tun hat. Celi "zwingt" uns freundlich, die Musik unmittelbar durch unser atmen zu erleben.


    Der Anfang, dieses Summen unendlicher Insekten auf einer frühen Morgenwiese, lässt mich "etwas" erwarten, dass unmittelbar bevorsteht. Es muss etwas kommen... Dann dieser erste Hornruf der aus diesem "Summen" herauswächst, sich ganz dynamisch daraus löst. Ich atme den ersten Ton ein, den zweiten aus, den dritten ein und dann diese kleine Pause wieder aus. Wie organisch alles zusammengeht!


    Die Musik holt mich dort ab, wo ich jetzt gerade bin. Und sie geht ganz direkt auf meinen Atem, lädt mich ein, die Klänge in mir entstehen zu lassen. Während ich Musik atme, werde ich ein Teil davon...


    So erlebe ich diese kurze Passage ganz zu Beginn...


    Mauritius