Beiträge von Falstaff

    Ich lese zur Zeit das hier:


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    Es ist die Romanvorlage von Korngolds Oper "Die tote Stadt". Ich kannte Jaques Rodenbach nicht, bevor ich den Literaturverweis im CD-Booklet gelesen habe. Das ist doch hoffentlich keine Bildungslücke, oder? Ich habe erst wenige Kapitel gelesen, bin aber recht angetan. Ich beschäftige mich zur Zeit auch mit Korngolds Oper, Anlass ist die baldige Aufführung am Staatstheater Nürnberg. Es ist hochinteressant, Romanvorlage und Opernumsetzung gleichzeitig kennen zu lernen.


    Gibt es hier das Interesse, sich mit Literaturvorlagen von Opern und deren musikdramatische Umsetzung zu beschäftigen? Zum Beispiel mit Dumas' Kameliendame.


    Gruß,
    Faltaff

    Was meinen die anderen zu diesem Thema?


    Ein wichtiges, notwendiges, interessantes und facettenreiches Thema. Ich beteilige mich gerne im Rahmen meiner Moeglichkeiten.


    Nur kann ich mir gut vorstellen, dass dieses Thema - wie es auch gerne bei Themen wie "HIP", "Operninszenierungen" oder "Karajan" passiert - bald in einem lustigen "Wir-hauen-uns-die-Koepfe-ein" endet. Aber das sin doch gute Aussichten ... :P

    Ich lasse mich doch von einem Mann mit Ahnung nicht provozieren, wo der Ahnung hat, habe ich Wissen :)

    Manchmal wird Wissen - oder das, was wir dafuer halten - viel zu wichtig genommen ...




    Nein, der Mann hat offensichtlich doch keine Ahnung von Oper und macht das Dümmste: einen großen Komponisten gegen den anderen auszuspielen und damit nur Vorurteile zu wecken. Wer einen anderen Komponisten herabsetzt, um "seinem" zu nützen, tut das Gegenteil: er schadet mehr, als das er nutzt Ahnung

    Ich habe die Ahnung, dass besagter Herr sehr viel Ahnung von Oper hat. Aber das ist ja nur eine Ahnung, kein Wissen...

    Wenn wir schon bei den Opern sind:


    In Bamberg wird im Juli mehrmals L'isola disabitata gegeben.
    Die Konzerthalle wird umgebaut und die Bamberger Symphoniker weichen ins E.T.A.-Hoffmann-Theater aus. Bisher habe ich es noch nicht erlebt, dass die Bamberger eine Oper szenisch aufgeführt haben.


    Gruss,
    Falstaff

    Mit seiner so genannten " Abschieds - Symphonie " fis - moll ( HOB 1 : 45 ) hat er seinen Fürsten dazu gebracht, den Musikern seiner Hofkapelle - ohne jegliche gewerkschaftliche Unterstützung ! - gnädigst den lange ersehnten Urlaub zu gewähren : Gegen Ende des Werks verkrümeln sich alle Musiker, bis nur noch zwei Geiger für den müden Kehraus übrig bleiben - Höhepunkt des diesjährigen Neujahrskonzerts in Wien.

    Schon mehrmals stieß ich darauf, dass diese Anekdote in Frage gestellt wurde.


    Einmal in einer Radiosendung zum 200. Todestag Haydns, ich glaube im Deutschlanfunk. Ein interwievter Musikwissenschaftler brachte vor allem dagegen vor, dass sich dies ein Fürst zur damaligen Zeit nicht hätte bieten lassen.
    (Um einen kleinen Umweg über den Thread-Titel zu machen: Diese kurzen populärkulturellen Jubeläumssendungen - zumindest die, die ich gesehen bzw. gehört habe - begnügen sich damit, viele Vorurteile Haydns aufzuzählen, und danach anzumerken, dass diese doch gar nicht stimmen.)


    Außerdem in dem Buch "Haydns Sinfonien" von Michael Walter, erschienen in der Beck'schen Reihe. Dort wird angemerkt, dass die Stellen, an denen die Musiker aufstehen und gehen sollen nur in Kopien, nicht im Autograph
    stehen. Außerdem soll der Beiname "Abschiedssymphonie" erst in den 1780er Jahren bei einem Konzert in Paris entstanden sein, in dem die Sinfonie der letzte Programmpunkt war.


    Hans-Josef Irmen schreibt in seiner oben bereits genannten (und von Zwielicht verrissenen) Haydn-Biographie:
    Das Programm des Finales wurde in verschiedenen Anekdoten im nachhinein festgeschrieben, beinahe ein Jahrzehnt nach Entstehung des Werkes.


    In beiden genannten Büchern werden musikalische Begründungen für die Form des Finales vorgebracht, vor allem werden
    in diesem Zusammenhang die 45ste und die 46ste Sinfonie als "Paar" bezeichnet. (Hierbei wird auf ein 402-seitiges (!!!) Buch von Jan Webster über die Abschieds-Sinfonie hingewiesen. Kennt das jemand?)


    Der nichts ohne weiteres hinnehmende Harnoncourt hat die Anekdote jedoch in einem Buch/Artikel/Interview (ich weiß nicht mehr wo...) nacherzählt. Er scheint sie also für plausibel zu halten.


    Wer weiß, wer weiß ... aber eine schöne Geschichte ist es trotzdem :P .


    Gruss,
    Falstaff

    Einen wunderschönen guten Morgen von einer Frühaufsteherin, die für ihre Verhältnisse hier heute reichlich spät dran ist ,normalerweise schon seit fast einer Stunde bestens gelaunt durch die Gegend hüpfen würde (mein Mann noch länger!!!!), gleich eine Runde Qi Gong macht und davor einen Gesundheitssaft trinken wird ....... da fällste vom Glauben ab, gel? :faint:

    Einen wunderschoenen Morgen von einem Spaetaufsteher, der heute noch nichts gemacht hat ausser Cola zu trinken und eine Vanhal-Sinfonie zu hoeren. Da faellst DU vom Glauben ab, was?



    Eigentlich sollte er aber nur die Entsprechung zu "Lange Zeit bin ich früh zu Bett gegangen" sein. Dieser Beginn wäre doch noch perverser gewesen - oder?

    In der Tat.


    ABER:


    Bei "Lange Zeit bin ich spaet aufgestanden" gibt es ZWEI Gegensaetze: frueh---spaet, schlafen gegangen (so steht es in meiner Ausgabe) --- aufgestanden.
    Bei "Lange Zeit bin ich frueh aufgestanden" gibt es nur EINEN Gegensatz!


    Gruss,
    Falstaff


    PS: Ich schreibe dies auf einer englischen Tastatur. Deshalb gibt es keine Umlaute...

    Lange hielt ich Walter Berry für einen Briten bzw. Amerikaner und sprach seinen Namen englisch aus ... :shake: :shake: Dann sah ich ein Fernsehinterview (in der Sendung "da capo" von August Everding) ... und dann: :hide:

    Schostakowitsch hat dem Genossen Stalin mit der Neunten wunderbar eine lange Nase gedreht. Dies hatte Folgen:


    Wenn ich mich richtig an meine Schostakowitsch-Beschäftigung vor einigen Jahren erinnere, versuchte er daraufhin,
    den Genossen Stalin zu beschwichtigen, indem er propagandistische Filmmusik schrieb. Immerhin standen neue
    "Säuberungsaktionen" ins Haus.


    Außerdem schrieb Schostakowitsch bis zu Stalins Tod (1953) keine Sinfonie mehr. Wenn ich mich richtig erinnere, sprach Schostakowitsch davon, dass er sich blockiert fühlte. Wie sich diese Blockade löste wird wohl noch im Thread zur 10. Sinfonie besprochen werden.


    Gruss,
    Falstaff


    PS: Ich weiß, dass über Schostakowitsch viel widersprüchliches zu lesen ist, außerdem habe ich in diesem Beitrag Erinnerungen zusammengetragen, ohne nochmals in den Quellen nachzulesen. Haltet euch also mit Korrekturen und Richtigstellungen nicht zurück!

    Übrigens gehörte auch Serge Prokofieff zum Chor der Beckmesser, der das Fehlen von Triumph und Jubel bemäkelte

    Das habe ich auch schon gehört. Nur: Da tiefster Stalinismus herrschte, kann man nicht ohne weiteres davon ausgehen, dass Prokofieff seine eigene Meinung kundtat. Vielleicht wollte er im damaligen Sinne "politisch korrekt" sein und sagte, was von ihm verlangt wurde. Ich weiß es nicht. Weiß irgendjemand dahingehend mehr?

    Harnoncourt meinte in einem diesjährigen Interview, dass er vergeblich versucht hatte, an der Wiener Staatsoper eine Haydn-Oper unterzubringen. Man soll ihm erwiedert haben, dass er doch gleich Cosi fan tutte machen soll....

    Eigentlich gehört dies in einen Thread "Mein traumatischstes Konzerterlebnis". Aber seit ca. einem Jahr verbinde ich die Neunte
    vor allem mit folgender Geschichte:


    Damals hörte ich die Neunte zum erste und bisher einzige Mal live im Konzert. In vier Konzerten wurden innerhalb von zwei Wochen alle neun Beethoven-Sinfonien gegeben. Es spielten die Bamberger Symphoniker unter Jonathan Nott.
    Zuvor hatte ich mich wieder einmal ausführlich mit diesen Werken beschäftigt. In der Neunten gab es für mich zwischen drittem und viertem Satz keinen Bruch mehr. Es sollte der großartige Zyklus- und Saisonabschluss sein. Vor allem der dritte Satz war überwältigend gespielt.


    Aber dann!


    Mir gegenüber auf der anderen Seite des Orchesters saß eine ältere Dame, die meinte, immer wenn der Chor singt, fotografieren zu müssen.
    Mit Blitzlicht!
    Bald war ich geblendet und bekam von der Musik nicht mehr viel mit.
    :cursing: (<--- dies ist der erste "Smiley", den ich in diesem Forum setze)


    Gruss,
    Falstaff

    "Stalingrader Sinfonie"

    Die politische Obrigkeit gab der 8. Sinfonie den Namen "Stalingrader Sinfonie", in Anlehnung an die "Leningrader Sinfonie".
    Es wurde von Schostakowitsch eine heroische Sieges-Sinfonie erwartet. Da die Achte jedoch das genaue Gegenteil davon
    ist, wurde sie kurzum als Requiem für die Opfer von Stalingrad interpretiert. Dies konnte das Werk jedoch auch nicht vor einem
    Aufführungsverbot retten.


    In dieser Weise die Erwartungen der Obrigkeit zu enttäuschen, war im Stalinismus äußerst mutig. Ähnliches
    wagte Schostakowitsch einige Jahre später mit seiner 9. Sinfonie (dazu evtl. mehr in einem Thread zu dieser Sinfonie).


    Der Name "Stalingrader Sinfonie" scheint sich nie wirklich durchgesetzt zu haben. Er findet sich aber noch in älteren (ca. 60er Jahre) Konzertführern.