Beiträge von Doc Stänker

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    Die einzige Procul Harum Platte , die ich brauche

    Da ich Procol Harum sehr schätze, kann ich zusätzlich(!!) nicht auf "Broken Barricades" verzichten. Insbesondere auf das Stück. "Power Failure," das Leo Kottke, das auch wunderbar brachte.

    Procol Harum hatte mit B.J. Wilson einen Schlagzeuger, der sich wie Moonie am Schlagzeug aufführte, aber viel mannschaftsdienlicher spielte. Kein Wunder, das er zuerst gefragt wurde, als Jimmy Page Led Zeppelin zusammen stellen wollte.

    Gruß aus Kiel

    Na, ob ich unter den Voraussetzungen mitgegangen wäre.

    Und dann auch noch mit 2 Juden, bei Orloff bin ich mir nicht sicher. Grässlich diese Vorstellung.. :evil:
    Aber wieder Ernst: Er war ein Opportunist und damit dann wie so viele ein Spielball der Politik. Das ist ihm nicht gut bekommen. Und er war nicht der einzige.
    Zeigt es einmal mehr, das die meisten Künstler als Vorbilder untauglich sind, auch wenn manche es so gerne möchten.
    Gruß aus Kiel

    Stand da womöglich noch ein so richtig 'Führertreuer' daneben?

    Sicher nicht, denn im Text steht doch: "Gieseking, der allein und verlassen dastand"


    halten Sie uns den Nazi vom Halse

    bedeutet für mich soviel. "Nerven Sie uns nicht mit Nazipropaganda."


    Gruß aus Kiel


    Im Übrigen: Rubinstein ist nach dem 1. Weltkrieg nie mehr in Deutschland aufgetreten, seine Abneigung resultiert aus dem Verhalten des Kaiserreiches. Fast schon witzig gelang es Dohnanyi und dem Kölner Rundfunk Sinfonie Orchester ihn als Solisten zu gewinnen: In Zürich.
    Er war auch häufiger in Hamburg, bei Steinway, darüber gibt es sogar nen Film. Aber ein offizielles Konzert. Nie.

    Ich zitiere einmal Rubinstein: Mein glückliches Leben" Jeweils die Seiten der TB Ausgabe
    Leider wird es schwer, das jeweilige Datum zu finden, das erfordert etwas mehr Recherche.


    Zitat von 252 ca. 1924

    Walter Gieseking erregte in Paris Aufsehen mir seinem sehr persönlichen Debussy-Spiel und die Kritik pries ihn einhellig als den idealen Interpreten.
    ..
    Ich ging in eines seiner Konzerte und war bezaubert von dem unterirdischen, delikaten Klima, .. das er zu schaffen verstand.

    Walter Gieseking, den ich aus Paris als den besten Interpreten Debussys kannte, kündigte einen Abend an. Ich ging hin und war ganz bezaubert davon, wie delikat und echt impressionistisch er diese oft so unangreifbaren Stücke spielte.

    Gruß aus Kiel

    Meister Hurwitz hält diese Aufnahme für die beste Pathetique.
    Ich habe es überprüft und kann nur sagen. Tolle Aufnahme.
    Fricsay, RSO Berlin 1959, also die 2. Studioaufnahme Fricsays dieses Werks..

    Gruß aus Kiel

    Herve le Tellier: Die Anomalie

    Einmal Berlin und zurück, da waren die 350 Seiten geschafft.
    Ein putziger Roman, der in seiner Feinstruktur wunderbar geschrieben ist, viele Seitenhiebe auf die aktuellen Gesellschaftsprobleme zeigt und mitunter mich sehr sehr nachdenklich werden ließ.
    Die Konstruktion ist einfach:
    Teil 1: Nach einem wilden Flug durch Turbulenzen landet im März 2021 ein Flugzeug aus Paris in JFK New York.
    Es wird das weitere Leben von ca. 10 Protagonisten verfolgt, die alle gegen Ende Juni 2021 vom FBI oder der Polizei einbestellt werden.


    Teil 2: Ende Juni 2021 will genau dasselbe Flugzeug mit exakt denselben Passagieren noch einmal landen, wird aber vom Militär zu einem abgelegenen Flughafen umgeleitet und die Passagiere werden in Quarantäne genommen. Nun beraten Wissenschaftler, Politiker und Sicherheitsleute
    was das wohl gewesen sein könnte, wie es passieren konnte und was man nun unternehmen will. Natürlich, lieber Maticus, werden Grothendiecks Theorien erörtert, sowie Faltungen des Raum-Zeit-Kontinuums und dazugehörige Wurmlöcher.
    Das ist unglaublich witzig geschrieben und voller Pointen, die unablässig aufeinander folgen.
    (Nebenbei kommt raus, dass sowas in China schon einmal passierte, aber da hat man anscheinend kurzerhand die Double verschwinden lassen)


    Teil 3. Die Märzgelandeten treffen auf ihre Double, die Junigelandeten, die ca. 110 Tage jünger sind.
    Und nun entspinnt sich eine weitere Geschichte, in der es darum geht, wie die jeweiligen Doublepaare miteinander auskommen werden.
    Das ist sehr spannend erzählt.
    Was macht der Profikiller mit seinem Double? Er büxt übrigens aus der Quarantäne aus. Der Einzige, dem es gelingt und der daher nix von einem Double wissen kann, weil er vor Bekanntgabe des "Geheimnisses" ausbrach.
    Was macht der Märzmensch, der sich im Mai von seiner Freundin trennte und das bitter bereut, wenn nun sein Junipendant davon noch keine Ahnung hat?
    Was macht der, dem im Mai gesagt wurde, das er sterben wird und Ende Juni tatsächlich tot ist, wenn er nun 110 Tage jünger noch einmal die Chance zu einem für ihn früheren Therapiebeginn hat. Wie fühlt sich seine Frau, die ihren lieben Menschen nun ein zweites Mal vermutlich beim Sterben begleiten wird.
    (Eine heile Lore-Roman Welt sucht man bei Tellier vergeblich)
    Wie reagieren die Fundamentalistischen Christen, nachdem ein Double Paar in der Ed Sullivan Halle in Stephen Colberts Show auftrat.
    Und anderes mehr.


    Lesenswert.
    Gruß aus Kiel

    Die Fassung von 1888 "wenig bekannt"?

    Na, ja vor Haas 193x gab es nix anderes und Furtwängler und Knappertsbusch haben diese Version beibehalten, obwohl.... . Das gilt auch für Steinberg, von dem ich sogar eine Version aus 1967 in der 1888er Version habe.
    Die 1888er Aufnahme hat gegenüber der 1878/1880 iger erhebliche Eingriffe der Bruckner Fans und Schüler Schalk, Loewe, hier wohl hauptsächlich durch Loewe, erfahren, dass der Bruckner Kenner Karl Grebe schrieb.


    Zitat von Karl Grebe

    Diese scheinbaren Schwankungen des Komponisten - sie führten in diesem Fall zum optimalen Resultat - ermunterten die Bearbeiter der ersten Druckfassung dazu, sich ungeheuerliche Eingriffe zu erlauben

    Er meint die optimale 1878 Version und dann das 1888 Resultat als Druckfassung. Kollege Zwielicht nannte die Version auch die

    korrumpierten Loewe-Fassung unseligen Angedenkens

    Ich habe die letzten Tage das Finale der 4. in den Versionen 1874, 1878 Haas, Novak und 1888 (Loewe Schalk, bzw. Korstvedt gehört)
    Die Version von 1874 kann man gut bei youtube finden, sogar mit Partitur und dem rechtzeitigen Seitenwechsel, so dass das Klötzchen Gebirge der Partitur gut sichtbar ist.
    Sie hat wenig mit mit 1878 und 1888 zu tun, Scherzo und Finale sind deutlich anders. Ich halte es eher für ein Kuriosum.


    Die 1878 Versionen von Haas und Novak sind nicht so verschieden, ich arbeite noch daran, die Unterschiede zu finden. Bei Haas scheint ein Beckenschlag am 1. Höhepunkt der 1. Themengruppe zu dominieren, bei Novak gibt es den nicht.
    In der Tennstedt Londoner Aufnahme lässt er es gewaltig scheppern, Celi ist da diskreter.
    Die 1888er Version ist da schon was anderes. da fehlt im Finale ne ganze Passage und die Lücke wurde zugekleistert.
    In der Mauerblümchenbesprechung der Celi Aufnahme, der sich ja der Haas Partitur annimmt, sind es ca. diese 2 Minuten:.

    18:46 1. Themengruppe (es-moll, verkürzt)
    18:46 Das 1. Thema setzt unvermittelt ein.

    In der Klemperer Aufnahme mit dem Philharmonia Orchestra ist die Passage ab 13:06 - 14:06
    Die gibt es nicht bei Furtwängler (1951), so viel man auch suchen mag. Dadurch wirkt der gesamte Schluss bis zum Beginn der Coda schrecklich langweilig.
    Außerdem scheint die Instrumentierung verändert, teilweise vereinfacht zu sein. Da muss aber jemand mit ner Partitur ran


    Ich habe dann ne Liveaufnahme von Vänskä (Korstvedt) konsultiert und siehe da. Dort fehlt auch genau diese Passage im Finale.
    Und sowohl bei Fu als auch bei Vänskä scheppert das Becken am Höhepunkt der 1. Themengruppe.

    ich habe die 1888iger Version mit Vänskä als Live-Mitschnitt zufällig eingefangen

    Wenn ich Vänskä Aufnahme mit der Furtwänglers vergleiche und versuche von der Klangqualität zu abstrahieren , dann lassen Fu und Vänskä für mich die gleiche Version spielen, die korrumpierte Loewe Version.


    Hat der Herr Korstvedt die alte 1888 Version wieder auf den Tisch gebracht und bietet alten Wein in neuen Schläuchen an? Es scheint fast so.


    Fehlt nur noch, das die fürchterlichen Versionen der 5. (Schalk) oder der 9. wieder neu aufgelegt werden. Den Grusel kann man bei Knappertsbusch nachhören.
    Wohl bekomms.
    Gruß aus Kiel


    PS. Anmerkung. Bei abruckner.com steht zur 1888 Version "That version has been prepared in a new critical edition by Benjamin Korstvedt."
    Und da frage ich mich. Was soll das?

    Als ein paar Monate später die elektrische Damenwelt erschien, war Axis schnell vergessen

    Oh, manchmal höre ich die Scheibe noch, aber nie vollständig, nur auszugsweise.
    Die LP erschien ca. 1 Monat nach Disraeli Gears und die Presse machte aus Hendrix und Cream Konkurrenten. Dabei waren die miteinander gut bekannt.
    Egal. Disraeli Gears finde ich gelungener.
    Aber als dann endlich der "Mond die Tiden" bestimmte, war es aus mit dem Kinderkram. Für mich das beste, das Hendrix je ablieferte.
    Danach kam für mich auch nix mehr, das mich vom Hocker riss. Nur noch Gefriemel an der Gitarre. (Meine Meinung)
    Ganz schlecht das letzte Album zu Lebzeiten. "Band of Gypsys"
    Damals stand der Doc auf der Insel Fehmarn im Regen und wartete und wartete und fuhr vorher entnervt ab.
    Gruß aus Kiel

    Wo ich schon gerade bei "Traumfrauen" wie Maggie Cheung bin. Eine Pointe noch. Als sie zum Film IrmaVeb, wo sie sich selbst spielt, anreist, kommt sie gerade von Dreharbeiten zu einem typischen Asien Karate Film. Als sie dann abreist, weil der neue Regisseur ne andere Hauptdarstellerin benötigt wird, reist sie in die USA, um mit Ridley Scott zu drehen.


    Egal. die nächste Traumfrau heißt Outi Mäenpää und sie spielt die weibliche Hauptrolle in dem absolut liebenswerten Film. "Zugvögel - Einmal nach Inari"

    Hannes (Joachim Krol) fährt Bier aus und träumt vom großen Kursbuchwettbewerb in Inari. (Dort werden Aufgaben gestellt wie: Schnellste Verbindung von Paris nach Bukarest)
    Dafür hat er Urlaub genommen, den ihm seiner neuer Chef plötzlich verwehrt. Hannes schlägt ihn nieder und fährt mit dem Zug gen Inari.
    Doch der Chef ist auf einmal tot und man glaubt, Hannes wäre der Täter.
    Der Kommissar Stephan und sein Assistent Harry (Aha) machen sich auf die Verfolgung auf den Weg nach Inari.
    Hannes lernt auf dem Weg Sirpa kennen und ...


    Ach selbst schauen, dann stellen sich best. Reaktionen ein.
    - Zugfahren kann sehr viel Freude bringen
    - Die Reise ist das Wichtigste, nicht das Ankommen (bei der DB oft leider nicht)
    - Genieß die Langsamkeit!
    Krol spielt so beseelt, das es unfassbar ist.


    Ein schöner film und Kaurismäki lies wohl grüßen, wollte aber nicht gestört werden.
    Gruß aus Kiel

    Irma Vep
    Frankreich 1996, 99 Min. (Blu-ray 2018)
    Originalsprachen französisch und englisch
    Regie: Olivier Assayas
    Darsteller: Maggie Cheung, Jean-Pierre Léaud, Nathalie Richard, Antoine Basler, Nathalie Boutefeu, ...

    Irma Veb, Anagramm für Vampire!
    Oh, wie ich diesen Film liebe!
    Das liegt nicht nur an Maggie Cheung, die einfach umwerfend ist, an der verrückten Handlung, ne es ist die komplette Veraschung des franz. Intellekt Kinos an sich.
    Der durchgeknallte Regisseur, der von Irma besessen ist, die Regieassistentin, die meint, Maggie verführen zu können und dann der kühle Filmstar Maggie, der alles völlig verwundert betrachtet, was um sie geschieht.
    Dann unvermeidlich die Klappsmühle für den Regisseur und der Nachfolger ein bornierter Franzose typischen Stils. Köstlich, köstlich.
    Köstlich auch die Sequenz wo Maggie ihr Alter Ego als Irma Veb annimmt und einen Einbruch begeht.
    Ach, was für ein herrlicher Film!!
    Gruß aus Kiel

    Hmm,
    er heißt Pynchon, ohne T.
    Und wenn es einfacher sein sollte, dann NICHT Mason und Dixon.
    Vielleicht "Vineland" wo ein geistiger Vorgänger des Big Lebowski der Hauptdarsteller ist.
    Oder "Natürliche Mängel", vielleicht als Film mit Joachim Phoenix als Doc Sportello als Einstieg oder das letzte Werk. Bleeding Edge.
    Ja, der alte Pynchon ist leicht lesbar.
    Einfach mal probieren.


    More to come.
    Gruß aus Kiel

    Maticus!
    Über Quaternionen und so weiter habe ich in Algebra Vorlesungen ausreichend gelernt, eben auch deren elegante Darstellungsmöglichkeiten.
    Das meiste habe ich vergessen.
    Das komplett aufzufrischen ist nicht mein Interesse mehr.
    Vielmehr die Verarbeitung des Thema in der Kunst, hier einem Roman.
    Lies doch mal den Artikel hinter dem Link. Der geht explizit auf den Roman ein.
    Gruß Hans

    Zwischenstand:
    So, nun habe ich ca. 850 Seiten durch. Tägliches Pensum, streng nach den Vorgaben von Mao tse Tung, der seinen "Jüngern-" 30 Seiten Lektüre am Tag emp(be)fahl.
    Also habe ich noch ca. 750 Seiten, sprich 25 Tage vor mir.
    Doch so viel ist jetzt beim 2. Lesen klar. Das Buch ist viel besser als ich es in Erinnerung hatte.

    Beim ersten Lesen in der Ruhe einer Reha, fand ich es als Abenteuerroman um die Familie Traverse, Vater Webb, ein Anarchist wird ermordet, die Kinder sinnen auf Rache und führen sie durch.
    Dabei geht die Jagd durch Colorado, Mexico, New York, nach -Europa und endet in Serbien am Ende des 1. Weltkriegs. Der Beginn ist zeitgleich mit der Weltausstellung in Chicago.
    Dabei treten illustre Figuren auf: Tesla, Edison, Hamilton, Gibbs, Franz Ferdinand, ein lesender Hund. Ein Luftschiff, das unter der Wüste fahren kann, automatisierte Mayonnaise Fabriken in Belgien, Mathematiker in Göttingen und so weiter. Alles Garnitur für den Hauptstrang?


    Nee, beileibe nicht.
    Es geht um die Zeitenwende, die Pynchon mit dem 1. Weltkrieg abschließt. Eine Wende, die Wissenschaft und Gesellschaft betraf und existentiell für unser heutiges Leben sein dürfte
    Es ist das Durchdringen des ungezügelten Kapitalismus in alle Bereiche der Gesellschaft und das Zurückdrängen des Individuums. Dieses ahnt man bereits beim Flug der "Inconvenience" Richtung Chicago über die unendlichen Weiten der Schlachthöfe und dem von unten kommenden Gestank. Er setzt sich fort beim Kampf um Rechte der Arbeiter in den Minen gegen die Besitzer, die unliebsame Arbeiter einfach umlegen lassen. Es ist der Kampf zwischen Tesla und Edison um die Vorherrschaft bei der Stromversorgung der USA und er zeigt sich am Zerbröseln alter Ordnung im Europa um 1900 bis nur starre gesellschaftliche Gerüste stehen bleiben, in denen kaum Leben, aber dafür gesellschaftliche Erstarrung vorherrschen. Hier nimmt sich Pynchon den Balkan als Exempel vor.
    Und alles wartet dabei auf den Krieg. Pynchon erfindet folglich einen Passagierdampfer, der als er angegriffen wird, sich während der Fahrt in ein Schlachtschiff verwandelt und die Passagiere müssen dann eben Unannehmlichkeiten ertragen, während vorher noch beim Dinner, die Wassergläser so eingeschenkt waren, dass sie Kammerton A beim Anschlagen gaben, die Champagnergläser hingegen eine Quint höher.
    Herrlich dekadent, oder??
    Kein Wunder, dass es überall in Europa Revolutionsversuche gab.


    Parallel dazu veränderte sich die Wissenschaft. Dieses deutet Pynchon immer wieder an und einmal, Quaternionen, sogar sehr zentral. Darauf gehen nur wenige Rezensenten ein,
    Wohl aber dieser Artikel
    https://www.science20.com/adap…rt_ii_the_quaternion_wars
    Man kann Pynchon nicht lesen, ohne manche Dinge nachzuschlagen. er zwingt einen geradezu, dieses zu tun. Und vieles stimmt einfach. TP ist sehr genau. Nur: was ist Fiktion, was ist genaue Geschichte?


    Zur Wissenschaft:
    Michelson und Morley legten dar, dass es einen "Äther" als Trägersubstanz des Lichtes nicht geben könne, Gibbs führte mit der Vektoranalysis eine Lösung für Bewegungen im Raum ein, die die damals noch vorherrschenden Modelle mit Quaternionen entbehrlich machte. Worauf es einen "Quaternionenkrieg" unter Mathematikern gab, der fast 4 Jahre währte. Heute lernt jeder Physikstudent die Maxwell Gleichungen in der Vektorform, man kann sie aber auch mit Quaternionen beschreiben. Mit dem Aufkommen der Elementarteilchen wurden Quaternionen wieder benötigt für die sogenannten Spinoren.
    Boltzmann erfand die statistische Wärmelehre, wurde dafür ausgelacht und beging Selbstmord, Planck "erfand" das Wirkungsquantum, ohne das er das Strahlungsgesetz nicht erklären konnte
    Schließlich versetzte die Darlegung Einsteins unter Verwendung eben dieses Wirkungsquantums zum "Lichtelektrischen Effekt" der Theorie Huygens, das Licht ne Welle sei, einen schweren Schlag. (Dafür bekam Einstein den Nobelpreis)
    Kurz. Die Physik und damit die führende Wissenschaft stand ebenfalls vor revolutionären Änderungen.


    Dies alles wird im Roman sinnvoll verbunden, indem Pynchon in seiner freien Fantasie mal die eine Lehre, mal die andere dekliniert, zum Beispiel auch die Hohlwelttheorie.
    Die "Freunde der Fährnis" in ihrem Luftschiff sind dabei so etwas wie der Chor im griechischen Theater, die die Handlung kommentieren oder in neuen Bahnen lenken.
    Wie gesagt, ich habe gut die Hälfte hinter mir, wir sind jetzt im Göttingen David Hilberts und nun will ich mal sehen, was kommen wird.


    Gruß aus Kiel


    PS. Es wird viel davon geschrieben, dass TP alle möglichen Erzählstile, Westernroman, Spionageroman, Abenteuerroman, Jules Verne, Lovecraft und viele andere parodiert. Das kann ich leider bewerten, weil ich die Genres nicht gut genug kenne.
    Aber der Erzählstil wechselt sehr oft und daran muss man/frau sich gewöhnen.