Beiträge von Doc Stänker

    Ich habe jetzt die Übersicht verloren,

    Macht nix.

    Es ist inzwischen so, ich habe weiter recherchiert. Teilweise sind die Originale bis zu 40% länger als die deutschen Versionen. Das betrifft auch die alten = Ullstein Übersetzungen von Chandler.

    (Long Goodbye ca. 100 Seiten gekürzt)

    Mit anderen Worten.

    Krimileser der Goldmann, Ullstein oder Kaiser Krimis amerikanischer Autoren können die Hefte ruhig wegschmeißen, sie sind oft willkürlich gekürzt, - wahrscheinlich um in ein best. Format zu passen. Schrecklich.

    Autorinnen oder Autoren anhand dieser Vorlagen zu beurteilen ist kaum möglich. Das betrifft vermutlich auch rowohlt, die Diskrepanz zwischen Originalumfang und rororo Umfang sind zu groß.


    Wenn man dann bedenkt, dass die großen Klassiker der Kriminalliteratur davon betroffen sind oder sein könnten, dann kann man nur zum Original greifen oder zu einer Neuübersetzung, die es nur selten gibt.

    Das Problem bei Chandler dabei ist, dass seine (vollständigen) Romane bei Diogenes von 5 Übersetzern angefertigt wurden.

    Hinzu kommt, dass Wollschläger alias Wüllenweber "The Long Goodbye" und alle Kurzgeschichten neu übersetzte. Er kann sicherlich gut Joyce und Poe, aber Chandler, das ging gar nicht.

    Und für Hammett gilt ähnliches. Dessen 6 Romane haben 5 Übersetzer.

    Da kann es keinen einheitlichen Stil im Deutschen geben. Sind ja eben nur Krimis.


    Kurz. Es ist ein Riesenmurks, der da früher passierte. Diogenes räumt nun bei Macdonald auf und hat genau einen Übersetzer engagiert.

    Ellroy hat seit geraumer Zeit Stephen Tree als Übersetzer, für Pynchon ist Nikolas Stingl tätig und daraus ergibt sich eine Kontinuität.

    Mal sehen, ob andere folgen in dem "Schmuddelgenre" Krimi

    Gruß aus Kiel


    PS. Einer der Koch Brüder beauftragte einen ehemaligen FBI Agenten damit festzustellen, wie viele Weinfälschungen er in seinem mind. 10.000 Flaschen umfassenden Keller habe.

    Es war erheblich. Inzwischen bin ich sicher, dass ich ca. 50% meiner deutschen Krimis englischer oder amerikanischen Herkunft ersetzen sollte, weil es sich um willkürlich gekürzte und entstellte Ausgaben handelt. Doch ich werde wohl ohne das FBI auskommen.

    PPS. CMS, davon angeregt, stellt gerade fest, das dasselbe mit Dorothy Sayers passierte.

    gibt es in dieser deutschen Ausgabe keinerlei Hinweis darauf ?

    Nee, nix davon.

    Ich habe aufgrund der Entdeckung noch einmal genauer geschaut.

    Das es bisher erst 7 Neuübersetzungen gibt und ich noch nicht alle habe, fiel das Urteil bisher nur bei Gänsehaut so aus, aber ich habe von

    "The Wycherley Woman" das Original, sowie den "Kaiser Krimi" "die wahre Mrs. Wycherley".

    Und das scheint noch krasser zu sein. Denn,- wir alle wissen, dass Übersetzungen ins Deutsche länger geraten als amerikanische oder englische Originale-, die deutsche Version ist 158 Seiten lang, das Original 252 Seiten.

    Ein Blick auf die erste Textseite lässt sofort die Auslassungen erkennen.

    Die neue deutsche Version, - ich kaufe sie wahrscheinlich nicht, da ich das Original habe-, soll ca. 416 Seiten haben. Oh, weh!


    Nach dem Urlaub werde ich mal schauen, ob in den früheren Werke, die bei rowohlt erschienen sind, auch solche Kürzungen sind.

    Ich habe nahezu jeden Roman im Verdacht.

    Auf jeden Fall werde ich mir wohl die Originale zulegen müssen. Dann ist alles klar.


    Gruß aus Kiel

    ich habe ihn heute Nachmittag gelesen. Geht ja recht schnell bei ca. 228 Seiten. Ein typischer Macdonald, allerdings etwas überkonstruiert.,

    So, jetzt habe ich die Neuübersetzung durch.

    Sie ist mehr als 410 Seiten lang. Also habe ich Zeilen und Spalten gezählt und komme, wenn ich den engeren Satz der alten Übersetzung auf den der neuen per Dreisatz umrechne, auf ca. 290 Seiten, die im neuen Satz die alte Übersetzung haben sollte. Fehlen also ca. 120 Seiten Inhalt!

    Inhaltlich lese ich im wesentlichen dieselbe Geschichte, doch fehlen viele atmosphärische Einsprengsel, Charakterisierungen von Personen, Dialoge sind abgekürzt, es fehlen Details, kurz es ist ein anderes Buch. Nach 4 Kapiteln vergleichen gab ich auf.

    Die alte Version ist eigentlich ein Verbrechen an Ross Macdonald. Unfassbar. (Das ist schon mit den Schalkschen Entstellungen bei Bruckner vergleichbar.)

    Ich habe gleich einmal die anderen Werke, die ich in jeweils alter und neuer Übersetzung habe, verglichen. Auf den ersten Blick sind derartige Striche nicht drin, da wird eigentlich nur die Sprache modernisiert und weil es nur noch einen Übersetzer gibt, wird der Stil vereinheitlicht.

    Mal sehen, wohin mich diese Sommerbeschäftigung noch führen wird.

    Gruß aus Kiel

    sag ich seit zig Jahren

    Gruß aus kiel

    Genauer bis 1976 ; bei Softs war er eigentlich schon weg .

    So mag es sein, ich habe sie nach "Bundles" verlassen.

    Übrigens ein großartiges Album. wie auch "Six". (wie oft haben wir "The soft weed factor" gehört??

    Das hatte nur nix mit deren Anfängen zu tun.

    Gruß aus Kiel

    Dem frühen Zappa (Uncle Meat Phase) verdankt das hier viel, wenns nicht nur eine Zeitgeistnähe sein sollte, es ist aber homogener, bandorientierter, nicht so (genial) zettelkastenmäßig zusammenarrangiert. Dafür fehlen die individuellen Geistesblitze a la Ian Underwood. Super Musik, meinen Daumen hoch!

    Ich muss dem major zustimmen

    Zappa und die frühen Soft Machine haben nix miteinander zu tun. Das muss man sich schon schwer verhören.


    Allerdings finde ich die Entwicklung von SM ab Album Nr. 4 sehr erfreulich, der major ja nicht.

    bald ohne irgendwelche Gründungsmitglieder

    Naja, Mike Ratledge war immer dabei.


    Dafür tröstet mancher sich dann mit "matching mole", so wie ich auch.

    Das war die nächste Band von Robert Wyatt.

    Aber am Besten bleibt der Meister selbst, inzwischen leider "retired

    Man schaue unter den LPs/CDs von Robert Wyatt nach.

    Mein Lieblingswerk ist das späte "Shleep".

    Gruß aus Kiel

    Und das war sicherlich mein Fehler, dass ich den 'Dritten im Bunde' erwartet hatte

    Nachtrag:

    Ich habe ja nur(!) die alte Übersetzung von Gretel Friedmann. Als ich gerade beim "Blick ins Buch" die neue sah, da gingen mir die Augen über!!

    So viel gekürzt früher, so viel Sinn Entstelltes.

    Ich muss mir das Original besorgen.!

    Gruß aus Kiel

    Ich habe gerade meinen ersten Ross MacDonald gelesen:

    "The Chill" von Ross Macdonald las ich 1984 zuletzt.

    Moin,

    ich habe ihn heute Nachmittag gelesen. Geht ja recht schnell bei ca. 228 Seiten. Ein typischer Macdonald, allerdings etwas überkonstruiert.,

    Dabei doch so einfach.

    Ein junger Mann ist verheiratet mit einer viel älteren Frau und gibt sie als seine Mutter aus und sie ihn als ihren Sohn. Da er aber immer wieder auf der Suche nach Frauen ist, ist sie eifersüchtig und tötet die Rivalinnen.

    So einfach könnte es sein, ist es aber nicht weil

    - einer dieser Morde einem anderen in die Schuhe geschoben wurde und dessen damals heranwachsende Tochter von ihrer Tante zu einer Falschaussage überredet wurde.

    - ein weiterer Mord als Selbstmord getarnt wurde.

    - in dem Roman die Spannungsverhältnis Psychiatrie Polizei aufgearbeitet wird.

    Ein wichtige Szene dabei ist, wie der Psychologe ein junges Mädchen der Polizei vorenthält, weil er nicht will, das sie weg gesperrt wird.

    Macdonald lässt die Szene damit enden, dass der Psychologe, mit dem Schlüsselbund seiner Klinik so klappert, als wäre er ein Gefängnisschließer.

    Womit wohl alles klar wäre.


    Leider nicht, denn:

    Hier geht es darum unter anderem, dass eine mächtige Familie so "mir nichts dir nix" Beweise verschwinden lassen und die Polizei manipulieren kann und das Duckmäusertum in der Polizei dafür sorgt, dass jahrzehntelang Fälle unaufgeklärt bleiben, bis die damaligen Vorgesetzten im Ruhestand sind.

    Es geht aber auch um die Anmaßung der Mediziner, hier Psychologen, die aufgrund des Schutzes der ihnen Anvertrauten längst ebenso hätten Hinweise geben können, Verbrechen aufzuklären, statt sich hinter dem Patientenschutz Bedürfnis zu verschanzen,
    Der Roman hat also neben der eigentlichen Handlung noch mind. eine weitere Dimension, die ist gesellschaftspolitisch und in den 60igern des letzten Jahrhunderts in den USA angelegt.

    Wahrscheinlich wg. dieser Kritik, wollte man das Buch verfilmen, andere Geschichten von Macdonald sind in Sachen Äktschn deutlich ergiebiger.

    Gruß aus Kiel


    PS. Es zeigt aber auch, das Macdonalds Romane wie dieser hier nix aber auch garnix außer dem Verlag und dem (Vor)urteil der Rezensenten mit Hammett oder Chandler zu tun hatten. Seine Stories schöpfte er aus ganz anderen Quellen, vor allem seiner eigenen Biografie und der seiner Familie.

    Ein sehr gutes Konzert.

    Gestern beim SHMF: Alexander Scheer und Band in der großen Werfthalle Robbe-Berking Flensburg.


    2018 kam der Gundermann Film von Andreas Dresen heraus mit Alexander Scheer als Gundermann. Dem war er so ähnlich, dass man an eine Auferstehung glauben konnte. Und die Songs sang er alle selbst und zwar, wie viele meinten, besser als Gundermann. (Dazu gehört auch nicht soooo viel) Der Film räumte bekanntlich jede Menge Preise ab und Scheer wurde endlich gebührend gefeiert.


    Kein Wunder also, dass er und Dresen mit ner Band ab und zu auf Tournee gehen und gestern machte diese in Flensburg Station.

    In dieser Besetzung:

    Alexander Scheer, Andreas Dresen, Jürgen Ehle, Jens Quandt, Harry Rosswog und Nicolai Ziel


    Ziemlich voll, mehr als 80%, also ca. 1000 Leute und erstaunlich viele alte, selbst aus meiner Perspektive von Ende 60..

    Denen flogen gleich am Anfang die Ohren weg:

    Es begann mit einem der Lieblingslieder des Doc: "Hier bin ich" von Kid Kopphausen.

    Also noch nix mit Gundermann.

    Dessen Lieder kamen später und natürlich konnten "Linda" und vor allem "Keine Zeit mehr" nicht fehlen.

    Insbesondre bei "Keine Zeit mehr" lieferte Jürgen Ehle ein Gitarrensolo, das einfach nur gut war.

    Überhaupt, war die Gruppe viel rockiger als die Begleitung im Film und das tat den Liedern gut.

    Weitere Fremdkomponisten waren von Tom Waits und dem "Boss."

    Beide nun mit Gundermann Texten, die nix mit den Originalen zu tun hatten, einfach nur die Melodie geklaut. "Downtown Train" und "Racing in the streets".

    Originale dann von Rio Reiser und Ehles früherer Gruppe Pankow.

    Ganz besonders erfreut war ich, dass Gisbert zu Knyphausen diverse Lieder beisteuerte, nach dem frühen Tod von Nils Koppruch der Rest von Kid Kopphausen, selbst ein sehr guter Komponist.


    Das "Volk" tanzte, selbst Omas und Opas kamen in Wallung aber nicht wie im Fernsehgarten, nee, als hätten sie Dope geraucht. Es roch aber nicht verdächtig.


    Als nach tosendem Jubel das Konzert zu ende ging gab es denn auch, wie bei einer gültigen Klammer als letztes Stück

    "Das Leichteste der Welt" ebenfalls von Kid Kopphausen, noch so ein Lieblingslied vom Doc.

    "Denn jeder Tag ist wie ein Geschenk, es ist nur Scheiße verpackt und man fummelt am Geschenkpapier und kriegt es nur mühsam wieder ab"


    Da das Publikum nicht Ruhe gab, folgten noch 2 Zugaben: "Gras" und dann das ultimative Mauerlied "Heroes" von Bowie.


    Die Band war ausgezeichnet, der Sound etwas laut für alte Ohren, aber nicht zu nervig. Scheer ist ein Vollprofi auf der Bühne und er kann wirklich singen!

    Dresen kann es nicht so gut, das merkte ich bei "Das Leichteste.." und Ehle singt so naja.

    Aber das sind kleine Mäkel an einem gelungenen Abend.

    Da hatten CMS und ich uns einen Rasteau zur Nacht verdient.

    Gruß aus Kiel

    Schwarzgeld von Ross Macdonald aus dem Jahr 1966.

    Kennt man die Biografie von Tom Nolan nicht, könnte dieses als ein "normaler RMD" durchgehen.

    Also:

    Tochter aus reichem Hause verlässt Verlobten aus reichem Hause, weil ein noch reicherer und attraktiverer Mann auftaucht und brennt mit ihm durch. Archer soll sie überreden, zum Ex-Verlobten zurück zu kehren und soll dazu Dreck im Vorleben des neuen Mannes an der Seite finden. Dazu dröselt er dessen teilweise mysteriöse Vergangenheit auf, beginnend mit der Schule und diversen anderen Stationen und landet schließlich bei der Las Vegas Mafia und geklautem Schwarzgeld.

    Dabei passieren es einige Morde, auch an dem Mann, mit dem das Mädchen durchgebrannt ist.

    Doch dann sitzt der Obermafioso, dem das alles angedichtet wird, seit Monaten nach einem Schlaganfall im Rollstuhl, er kann es nicht gewesen sein und der Fall nimmt eine andere Wendung.


    Kennt man die Biografie, dann ergeben sich zusätzlich folgende Bilder.

    - Die Tochter der Millars (so sein korrekter Name: Kenneth Millar) brannte mit Anfang 20 aus dem College mit einem "Lover" nach Las Vegas durch und es dauerte eine Weile, bis sie einsah, dass sie sich mit den falschen Leuten eingelassen hatte und zurück kehrte. Der Rausschmiss von der Schule konnte gerade noch verhindert werden.

    - Millar selbst war Anfangs Dozent für Literatur und hatte begeisterte Studierende. Doch war er zunehmend frustriert, nie eine dauerhafte Anstellung gefunden zu haben. So manifestiert sich dieser Frust einigermaßen in der Person eines Dozenten im Roman, der nur noch für seinen Unterricht zu leben scheint und alles andere ignoriert bzw. mit Feindseligkeit begegnet, auch seiner Familie.

    Am Ende ist auch das nur Fassade, wie so vieles im Roman.


    Hinzu kommt, dass Millar seine hochgelobte Doktorarbeit bei Harvard Press verlegen lassen wollte, die es aber ablehnten, denn ein Kriminalschriftstellers passe nicht zu Harvard Press, auch wenn die Doktorarbeit noch so gut wäre.

    Isoliert man diese Biografie Teile, dann ergibt es einen Roman im Roman. Als Autor musste er dann beide Erzählstränge wieder so verknüpfen, dass sie durchgängig Sinn ergeben.

    Das ist ihm recht gut gelungen.

    Die Hochnäsigkeit der Reichen in Kalifornien, die Millars lebten in Santa Barbara, kannte er nur zu gut, die Tratschereien und auch die älteren Leute, die nix mehr zu tun hatten und daher Mittags mit dem Trinken anfingen.


    Gruß aus Kiel


    Nachtrag:

    Hier ein Podcast:

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    Wochende.

    Pause mit Lesen; wenn ich lese höre ich nicht nebenbei.

    Nun aber einer meiner Hausgötter.

    Bob Mould: Workbook.

    Dank seiner Alben mit Hüsker Dü, Sugar und Solo konnte ich mir den ganzen Nirvana Kram ersparen.

    Gruß au Kiel

    Nachtrag. Rote Ernte von Hammett handelt davon, wie eine Stadt von Gangsterbanden befreit wird.

    So etwas hat es bei Macdonald (kleines d, weil es einen John MacDonald gab) nie gegeben.

    Seine Katastrophen passieren Familien, die sich auf der Suche nach dem amerikanischen Traum verheddert haben, in Schuld, Gewalt, Betrug oder im Leugnen oder Vertuschen einer Herkunft.

    Oder aber ihres sicheren Reichtums gewiss nicht mehr wissen, wo ihre moralischem Maßstäbe waren oder noch sind.

    Im Inzest, in Vergewaltigungen, in unerfüllter Liebe, in Erbschaftsstreitigkeiten, in Verletzungen, die gesühnt werden (müssen?) und den psychischen Verletzungen, die damit einhergehen.

    Kurz in all dem, was uns in unserer vollgefressenen Gesellschaft auch passieren könnte. Nur er stellt es wie durch ein Vergrößerungsglas dar, manchmal eben plakativ.

    Seine Protagonisten sind oft Jugendliche, die das "System" Amerika aus der Bahn geworfen hat, die den Verlockungen des amerikanischen Traums nicht gewachsen waren, weil sie ihn für zu wahr und einfach zu haben dachten und daher auf die schiefe Bahn gelangten oder dahin geschubst wurden.

    Dann tauchen manchmal auch echte Gangster auf.


    Archer hat meist keinen Streit mit der Polizei, ist höflich, selten zynisch, sondern erfährt, was er benötigt durch Recherchen und Gespräche, ganz selten durch Gewalt.

    Da ist dann jeder Satz wichtig, Querlesen wie bei vielen Krimis geht nicht, der Verständnis-Faden reißt sofort.

    Daher hat er eigentlich nix zu tun mit Hammett und Chandler, sieht man von seinem Frühwerk einmal ab.


    Aber seit Chandler eifersüchtig ihn verfolgte, weil er merkte, das er selbst leergeschrieben war, und Macdonald immer besser wurde, merkten es viele:. Ross Macdonald hatte sich längst emanzipiert und war zum Chronisten der gescheiterten amerikanischen Träume in Kalifornien geworden. Und er erschuf eine eigene Gattung Kriminalroman.


    Gruß aus Kiel


    PS. Seine Frau schrieb ähnliche Romane, aber brauchte dafür keinen "private Eye". Sie war genauso erfolgreich.

    Im Moment bin ich bei 'Red Harvest' von Hammett, den ich viel eher als 'hardboiled' verstehen würde, gerade auch hinsichtlich der Gesellschaftskritik.

    Ich muss mich entschuldigen. "The Chill" von Ross Macdonald las ich 1984 zuletzt. Es kann aber keines falls mit dem Hard Boiled "Red Harvest", das ja eher grobschlächtig daherkommt, verglichen werden.

    Es geht hier,- kurz in der Biografie nachgelesen- , um psychologische "Feinstrukturen", die er allerdings brutal an die Oberfläche zieht., so sehr (plump?), das sogar an eine Verfilmung gedacht wurde.

    Themen, die er ab 1960 mehr und mehr verfolgte und die Gesellschaftskritik sehr fein verteilte. Hammett war radikaler, Chandler daran völlig desinteressiert.

    Aber wie gesagt, die Lektüre von "the Chill" ist 38 Jahre her und auf meinem Lesestapel liegt aktuell noch was anderes.

    Der Sohn hat mich mit Eckard Nickel eingedeckt.

    Ein korrekte Antwort dauert also.

    Nur soviel,. Der Vergleich mit Hammett kann bedeuten, dass Du das Werk unter falschen Kriterien gelesen hast.


    Gruß aus Kiel

    Ja, mit den Krimis ist das so eine Sache, insbesondere mit den Übersetzungen.

    Früher gab es ja Ullstein und Goldmann. Da muss das Übersetzen so etwas wie Fließbandarbeit gewesen sein. Und man war nicht wählerisch. Das stand der größte Mist (Carter Brown, Mickey Spillane - ein Vorgänger von Fitzek - und andere) neben Chandler, Hammett, Rex Stout und Macdonald.

    Aber ein Blick in diese alten deutschen Ausgaben reicht meistens, um sich das Original oder ne andere Übersetzung zu besorgen.

    Besser war es um rororo Krimis bestellt. Die waren sorgfältiger übersetzt und meist nicht! gekürzt, was bei Ullstein schon einmal vorkommen konnte. (Chandlers "Long Goodbye" ist da so ein Fall, Ullstein knapp 270 Seiten, Original ca. 330 Seiten, Wollschlägers Übersetzung hat 380 Seiten... sage nicht, das läge am Druckbild)


    Mit Diogenes wurde es dann besser und dennoch gab es grobe Schnitzer. "Ein Flasche Popcorn" fand Harry Rowohlt bei Wollschläger als Übersetzung von "a bottle of pop"


    Wenn ich jedoch die neuen Übersetzungen der Werke von Ross Macdonald, auch Diogenes, mit denen aus den 70igern vergleiche, dann geht einem ein Licht auf, nämlich, warum er mit zunehmenden Jahren mehr und mehr als ein Schriftsteller vom Rang eines Updike verstanden wurde, der seinen Lew Archer als Vehikel brauchte, um Licht in das Dunkel der amerikanischen Befindlichkeiten, Familie, Herkunft, Aufstieg, Karriere, Geld, Betrug, Selbstbetrug und anderes zu bringen.

    Ich fühlte mich bei der Lektüre der letzten Werke, so ab "Schwarzgeld" mehr und mehr an die Harry Angström Romane von Updike erinnert.

    Insbesondere fällt auf, dass mit zunehmender Komplexität der Romane die "Äktschen" weniger wird und die Romane immer dialogischer werden. Nichts also für Fast-Food-Krimi Konsumenten.


    Parallel zu seinem "Spätwerk" las ich dazu die Biografie des Mannes, der sich Ross Macdonald nannte, geschrieben von Tom Nolan, der auch Editor neuerer Ausgaben ist.

    Sehr erhellend.

    Gruß aus Kiel

    CMS und ich waren heute auf der Suche nach klimatisierten Räumen.

    Das waren der Regionalexpress nach HH, dort die Ess-Bahn nach Harburg und dort das Archäologische Museum, in dem eine Ausstellung über Heino Jaeger zu sehen ist.

    HEINO JAEGER | Die Ausstellung | HARBURGER KULTUR (netsamurai.de)

    Was hat Jaeger mit dem Museum zu tun?

    Nun, vor seiner Karriere in den 70igern war er Zeichner im Gottorfer Museum,- daher rührt seine lebenslange Freundschaft zu Joschka Pintschovius-, und dann im Helms Museum in Harburg. Dort war er "Scherbenmaler." Einige Arbeitsproben sind zu sehen und zeugen von einem unglaublich genauem sauberen Bleistiftstrich.

    Später begann seine Karriere beim NDR und anderen Sendern. Dass er eigentlich Maler war, wurde schnell damals vergessen.


    Nun widmet ihm das Museum eine Ausstellung und zwar hauptsächlich dem zeichnerischen Werk. Denn bei seinem Atelierbrand wurde bei weitem nicht so viel vernichtet wie angenommen. Vieles hatten Wolli Köhler und andere schon vorher gekauft, quasi in Sicherheit gebracht.

    Dazu kann man viele Handschriften seiner Serie "Fragen Sie Dr. Jaeger" bestaunen, in leicht zu lesender Handschrift; der Doktor in Roter Schrift, anrufende Person in "Blei".


    Sehr ansehenswert vor allem der Katalog der Stader Ausstellung, siehe oben, den man im Museum ebenfalls erwerben kann, wie auch das Buch von Schamoni (ich finde es s.o. nicht so besonders) und einiges von Heinz Strunk, dessen Nähe zu Jaeger man allenfalls erspüren kann, der aber im Jaeger Hype dieser Tage wohl unvermeidlich ist.


    Es fehlt die Pintschovius Biografie über Jager, sie ist wohl leider vergriffen. Sie ist erheblich ergiebiger als das Werk des Herrn Schamoni.

    Und es fehlt ein Beitrag von Frank Schulz. Aber vielleicht wollte er nicht in Gegenwart literarischer Zwerge wie Schamoni und Strunk


    Egal. Geht ins Museum oder kauft Euch den Katalog, am Besten beides! Es lohnt sich.

    Gruß aus Kiel