Beiträge von Doc Stänker

    Tja, der arme Bruckner wurde Zeit seines Lebens von seinen "Schülern" malträtiert, doch die Sinfonien umzuschreiben und er verlor damit viel Lebenszeit.

    Aber es hatte auch sein Gutes.

    Die fürchterlichen Erstfassungen der 4. und 8. wichen glänzenden späteren Fassungen.


    Aber was manche Menschen reitet, angefangene Werke zu Ende komponieren zu wollen, ist mir rätselhaft.

    Naja, vielleicht kriegt man so ne Professur und/oder muss seine Profilneurose nicht vom Shrink behandeln lassen.

    Und was manche Orchester nebst Dirigent treibt alle 3 Millionen Bruckner Sinfonien inkl. Textabweichungen auf CD einzuspielen, ist mir auch schleierhaft.

    Haben die nix Besseres zu tun?

    Als Studienobjekte mag es noch angehen.


    Doch wer würde einen Picasso fertig malen? Wer ein Goethe Theaterstück zu Ende schreiben?

    Dieser Unsinn scheint nur in der Musik verbreitet.

    (Das heißt, ein Mr. Parker hat sich an Chandler versucht)


    So höre ich die vollkommene 3-sätzige 9. und erfreue mich daran. (Am liebsten mit CMG in Chicago)

    Das Te Deum als Substitution des 4. Satzes kann mir auch gestohlen belieben.


    Gruß aus Kiel

    Stell Dir vor, Du wachst auf, liegst in einem Bett im 5. Stock des UKSH im Aufwachraum, blickst auf die Kieler Förde mit ihren Lichtern und an Dir hängen diverse Instrumente, Infusionen und piepende Geräte.

    Aber Du bist wach um 1 Uhr Nachts und klar und im Kopfhörer hörst Du die unendlich tröstende Sinfonie Nr. 6 von Pettersson (so ab Minute 30), blickst erschöpft und erleichtert aufs Wasser und freust Dich, dass Du das hinter Dir hast.

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    Ich bin wieder da.

    Gruß aus Kiel

    als Zigaretten üblicherweise in 12er Packungen verkauft wurden

    Nee, ich kaufte 20 Stück in einer weißen breiten (2*10 Stück liegend) Pappschachtel, der Seemann auf dem Cover.


    Und man schob nach oben, um die Zigaretten zu entnehmen, so wie bei der ebenso legendären "Senior Service."

    Gibt es auch nicht mehr. Alle meine Lieblingssorten sind weg, selbst Juno und Overstolz und Simon Arzt auch, oder Finas, Eckstein, eben alles, was ohne Filter war und Genuss brachte.

    Inspiriert aus dem 'Eben gelesen' Thread "A Salty Dog", daraus "Pilgrims Progress" und dann die ganze LP noch einmal.

    Ein grandioses Album.

    Gruß aus Kiel


    PS. Das Cover erinnert mich an die früher, als ich noch Raucher war, so geliebten "Players Navy Cut" Zigaretten. Gibt es auch nicht mehr und daher ein Grund weniger wieder mit dem Rauchen anzufangen.

    Weiße Frau von Collins

    wenn ich mich nicht irre, übersetzt von Arno Schmidt, der in schweren Zeiten damit sein Geld verdiente.

    Gruß aus Kiel


    PS. CMS besteht darauf, das sie die beiden Bände in unsere Bibliothek eingebracht hat.

    Lohnt sich aber!

    Ja der Witzel,

    ich wundere mich, dass ich 2015 nix über die Lektüre dieses guten Buches hier geschrieben habe.

    Nun habe ich es, dank der Erinnerung auf den Herbst-Winter-Erneut-Zu-Lesen Stapel gelegt.

    Ein Buch, das auch von "Rubber Soul" handelt, aber mit der ersten Strophe von "Pilgrims Progress" aus der LP "A Salty Dog" endet.


    Der Stapel wächst, er umfasst neben Witzel auf Platz 6

    "Lektionen" von MacEwan, wobei das Buch neu ist.

    "Wem die Stunde schlägt" von Hemingway

    "Dubliner"

    "Stephen Hero"

    "Ulysses"

    "Witzel" und

    "Herscht 07769", das wohl beste Buch, das ich in den letzten 2-3 Jahren las und es noch einmal machen muss, weil so viel noch nachzulesen ist.

    Gruß aus Kiel

    Vielleicht kann ich Zur Aufklärung beitragen.

    Meine Ausgabe ist ein Taschenbuch von 1982 erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag und hat ein knallrotes Cover. Da ich die Ausgabe nicht im Netz gefunden hab, hab ich halt dieses als Titel Bild gepostet.

    Als Zugabe noch eine Besprechung, die immerhin Hans Magnus Enzensberger für den Spiegel abgeliefert hat.

    Rosenkranz für die Middle Class
    Der amerikanische Schriftsteller Joseph Heller, 52, wurde durch seinen satirischen Kriegsroman »Catch-22« (deutsche Ausgabe: »Der IKS-Haken"), der von Mike…
    www.spiegel.de

    So gesehen kann man den Roman als Vorläufer von American Psycho von Brad Easton Ellis sehen


    Gruß aus Kiel

    Arbeitsplatzbeschreibung spricht ja nicht unbedingt für diesen.

    Ja, das lange Warten würde mich heutzutage nerven.

    Ich bin zu alt, aber bei Putin und Konsorten als Ziel hätte so ein Job schon Karrierechancen. Grins2

    Gruß aus Kiel

    Letztlich ist er doch eine eiskalte Maschine, schon fast ein Roboter, der so lange funktioniert, seinem Auftrag nachgeht

    Nein, das ist er nicht. Er "funktioniert" immer! Genauer, er ist ein Mensch, der einen Job hat, der zufälligerweise nicht massenkompatibel ist.


    Die Szene, wo er Redford eine Fahrt in die Stadt anbietet, ist eine Schlüsselszene, wenn auch fast am Schluss des Films.

    Max wird höflich, geradezu liebenswürdig, weil eben außer "Dienst" und gibt Hinweise, was RR blühen wird. Und er gibt Tipps wg. Europa.

    So funktionieren (wir) Profis. Dienst ist Dienst und Privat ist Privat.

    So isses nun mal und das hat Pollack grandios umgesetzt.

    Gruß aus Kiel

    Noch so ein Buch, das mir quasi beim Aufräumen in die Hand fiel

    "Mir ist nicht geheuer, wenn ich geschlossene Türen sehe"

    So beginnt ein Roman, den ich mir 1982 zulegte, und ich einem Kollegen lieh.

    Der gab ihn mir am nächsten Tag wieder, er hatte ihn sich selbst gekauft und wir lachten viel, sehr viel. Denn bei uns ging es genauso zu, wenn auch nicht in meinem Privatleben, aber im Beruf.

    Wovon schreibe ich?

    Joseph Heller.

    Was geschah mit Slocum.

    Der Roman des amerikanischem Mittelständlers aus Ich-Perspektive, bösartiger als Catch 22 , vernichtend in seinen Urteilen und zugleich total entlarvend:

    "Meine Frau ist unglücklich....Tagsüber trinkt sie gerne und wenn wir abends eingeladen sind, flirtet sie oder versucht es doch, obwohl sie sich darauf nicht versteht."

    So geht es 460 Seiten lang Ein Leben wird desillusioniert dargestellt, stärker als es Updike je konnte und dennoch mind. alle paar Seiten lege ich das Buch aus der Hand um erst einmal mich auszulachen.

    So genau trifft Heller die Menschen.

    Gruß aus Kiel

    Der Schurke hat es immer besser.

    Er ist nicht der Schurke!

    Er hat als einziger ein Ethos "bezüglich ihnen habe ich keinen Auftrag"


    (Redford ist ja nur der NAIVE!! der tumbe Tor, der unschuldige Amerikaner, der in etwas hineingerät. Siehe Hitchcock. "Der unsichtbare Dritte"

    Doch wo Hitchcocks Story trivial bleibt, wird es hier intelligent: Denn es ist klar: Weil er für eine best. Firma arbeitet, ist er bereits "hineingeraten"!!)


    Weiter zu Max: Er schwärmt von Europa.

    Nein, nein, er geht seinem Beruf mit der größtmöglichen Präzision nach, so wie es sich für Profis gehört.

    Ruhig, gelassen und präzise, eben (eher nord)europäisches Erbe. Schweden eben. (Oder Kiel Grins2 )

    Seine Freizeitbeschäftigung weist ihn als einen Menschen mit Talent und Feingeist aus!

    Die Szene, wo er Redford mit in die Stadt nimmt, wunderbar.

    Doch dann quakt Redford in diesem dämlichen Heimatpathos,. "Ich bin Amerikaner und ich will nirgends woanders leben"


    Max von Sydow strahlt in diesem Film eine alttestamentarische Würde aus, die den Amis,- wie lächerlich ist Cliff Robertson, wie lächerlich sind die Geheimdienste, sie erinnern an "Burn after Reading"-, komplett abgeht.

    Und genau das macht den Film so großartig!

    Gruß aus Kiel


    PS. Neben Faye Dunaway hätte ich auch mal gern auf dem Sofa gelegen.

    Zwischendurch drei Bücher.

    Vor Jahren wunderte ich mich, dass CMS jede KN verfolgte und wenn Exemplare fehlten, einen Riesenaufstand machte und im Haus bei Nachbarn nach nem Exemplar suchte, ggf. vom Verlag eines anforderte.

    Woran lag es? Als Fortsetzungsroman gab es von Dörte Hansen, "Altes Land" und sie war begeistert und ich fragte mich wieso?

    Dann vor zwei Wochen wurde ein Film nach ihrem Roman "Mittagsstunde" mit Charly Hübner und anderen guten Mimen herausgebracht, bis schließlich uns jemand versicherte "Ihr müsst Dörte Hansen lesen."

    Ich war heute in der Stadt unterwegs und habe beim Buchhändler meines Vertrauens den neusten McEwan gekauft und als Beifang nun

    "Altes Land"

    Beginn. ca. 14:00 Ende: 18:30 für knapp 300 Seiten kein schlechter Wert,.

    Sch.., das Buch ist gut! Und ich dachte, es sei eine Schmonzette, wie man es von den vielen kennt, die Landleben abfeiern oder so was ähnliches.

    Nee, die Story ist knallhart und teilweise arg traurig, aber realitätsnah.


    Ich will nicht den Inhalt des Romans beschreiben, außer: Mutter und Tochter, aus Ostpreußen vertrieben, kommen ins alte Land. Mutter höheren Standes einst, will sich nicht mit dem Leben bei Bauern abfinden und es kommt zu Katastrophen. Tochter muss da bleiben, als Mutter sich einen reichen Hamburger aus Blankenese greift, alles verlässt, um wieder standesgemäß zu leben.


    (Ich weiß noch genau, wie meine Großeltern, Eltern meiner Mutter, die beiden anderen lebten nicht mehr, ob der nach WK II in unsere Stadt einquartierten Flüchtlinge aus Ostpreußen und Pommern sagten. "Mit denen spielt man nicht" und ich bekam fast Schläge als meine Mutter herausfand, dass ich ausgerechnet in der 2. Klasse Grundschule neben Werner sitzen wollte und saß, Flüchtlingskind und! fast noch schlimmer: KATHOLIK!

    Mein Vater, dem das egal war, war toleranter, konnte sie einbremsen.


    Und eine weitere Ähnlichkeit mit meiner Kindheit. Ein Freund, Flüchtlingskind, erfuhr erst mit ca. 14 Jahren, das die beiden Damen, die ihn aufzogen, nicht Mutter und Tante, sondern Großmutter und Großtante waren. Die Mutter hatte sich auf der Suche nach einem besseren Leben nach München begeben und so ich weiß, gefunden. Ich habe ihn immer dafür bewundert, wie souverän er später damit umgegangen ist. )


    Sie hat aus dieser Ehe eine weitere Tochter und die wiederum ein Kind, das bei der Tochter= Tante, die auf dem alten Land geblieben ist, nach einer Lebenskrise mit Sohn einzieht.

    Ach es ist zu kompliziert, die vielen Handlungsstränge aufzudröseln.

    Jedenfalls sorgt die hamburgische junge Bourgeoisie mit ihren Müttern und Kindern und deren Ehrgeiz immer wieder für Lacher im Ernsten.

    Da wird der Fischerspark zum Kollwitzplatz Pendant.

    Eine Entdeckung!


    Eine weitere Entdeckung, die ich nicht genügend loben kann, war vor Jahren der Schriftsteller, Regisseur und Intendant Konrad Hansen.

    Er behandelt das Thema Kriegsende 1945 in seinem Roman "Der wilde Sommer"

    Ein Roman vom Erwachsenwerden in der Probstei bei Kriegsende unter beginnender britischer Besatzung mit immer noch flüchtigen Nazis und solchen, die es nicht wahr haben wollen.

    Wer Konrad Hansen kennt, wir haben ihn ein paar Mal im plattdeutschen Theater gesehen, wo seine Stücke erfolgreich aufgeführt wurden, er war auch mal Ohnsorg Intendant, der weiß, die Romane sind deftig in jeder Hinsicht.


    Und als Drittes, ein Muss! in dieser Reihe.

    Moritz Rinke, "der Mann, der durch das Jahrhundert fiel".

    Dieser Roman entlarvt die Lüge von einer unpolitischen Kultur, hier am Beispiel von Worpswede.

    Aber da dieses Forum ja auch unpolitisch sein will, hat Moritz Rinke sicherlich unrecht. Dennoch ist der Roman ein Gewinn.


    Gruß aus Kiel


    PS. Juli Zehs "Unter Leuten" passt eigentlich auch dazu.