Beiträge von Doc Stänker

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.

    Zwischenstand:
    So, nun habe ich ca. 850 Seiten durch. Tägliches Pensum, streng nach den Vorgaben von Mao tse Tung, der seinen "Jüngern-" 30 Seiten Lektüre am Tag emp(be)fahl.
    Also habe ich noch ca. 750 Seiten, sprich 25 Tage vor mir.
    Doch so viel ist jetzt beim 2. Lesen klar. Das Buch ist viel besser als ich es in Erinnerung hatte.

    Beim ersten Lesen in der Ruhe einer Reha, fand ich es als Abenteuerroman um die Familie Traverse, Vater Webb, ein Anarchist wird ermordet, die Kinder sinnen auf Rache und führen sie durch.
    Dabei geht die Jagd durch Colorado, Mexico, New York, nach -Europa und endet in Serbien am Ende des 1. Weltkriegs. Der Beginn ist zeitgleich mit der Weltausstellung in Chicago.
    Dabei treten illustre Figuren auf: Tesla, Edison, Hamilton, Gibbs, Franz Ferdinand, ein lesender Hund. Ein Luftschiff, das unter der Wüste fahren kann, automatisierte Mayonnaise Fabriken in Belgien, Mathematiker in Göttingen und so weiter. Alles Garnitur für den Hauptstrang?


    Nee, beileibe nicht.
    Es geht um die Zeitenwende, die Pynchon mit dem 1. Weltkrieg abschließt. Eine Wende, die Wissenschaft und Gesellschaft betraf und existentiell für unser heutiges Leben sein dürfte
    Es ist das Durchdringen des ungezügelten Kapitalismus in alle Bereiche der Gesellschaft und das Zurückdrängen des Individuums. Dieses ahnt man bereits beim Flug der "Inconvenience" Richtung Chicago über die unendlichen Weiten der Schlachthöfe und dem von unten kommenden Gestank. Er setzt sich fort beim Kampf um Rechte der Arbeiter in den Minen gegen die Besitzer, die unliebsame Arbeiter einfach umlegen lassen. Es ist der Kampf zwischen Tesla und Edison um die Vorherrschaft bei der Stromversorgung der USA und er zeigt sich am Zerbröseln alter Ordnung im Europa um 1900 bis nur starre gesellschaftliche Gerüste stehen bleiben, in denen kaum Leben, aber dafür gesellschaftliche Erstarrung vorherrschen. Hier nimmt sich Pynchon den Balkan als Exempel vor.
    Und alles wartet dabei auf den Krieg. Pynchon erfindet folglich einen Passagierdampfer, der als er angegriffen wird, sich während der Fahrt in ein Schlachtschiff verwandelt und die Passagiere müssen dann eben Unannehmlichkeiten ertragen, während vorher noch beim Dinner, die Wassergläser so eingeschenkt waren, dass sie Kammerton A beim Anschlagen gaben, die Champagnergläser hingegen eine Quint höher.
    Herrlich dekadent, oder??
    Kein Wunder, dass es überall in Europa Revolutionsversuche gab.


    Parallel dazu veränderte sich die Wissenschaft. Dieses deutet Pynchon immer wieder an und einmal, Quaternionen, sogar sehr zentral. Darauf gehen nur wenige Rezensenten ein,
    Wohl aber dieser Artikel
    https://www.science20.com/adap…rt_ii_the_quaternion_wars
    Man kann Pynchon nicht lesen, ohne manche Dinge nachzuschlagen. er zwingt einen geradezu, dieses zu tun. Und vieles stimmt einfach. TP ist sehr genau. Nur: was ist Fiktion, was ist genaue Geschichte?


    Zur Wissenschaft:
    Michelson und Morley legten dar, dass es einen "Äther" als Trägersubstanz des Lichtes nicht geben könne, Gibbs führte mit der Vektoranalysis eine Lösung für Bewegungen im Raum ein, die die damals noch vorherrschenden Modelle mit Quaternionen entbehrlich machte. Worauf es einen "Quaternionenkrieg" unter Mathematikern gab, der fast 4 Jahre währte. Heute lernt jeder Physikstudent die Maxwell Gleichungen in der Vektorform, man kann sie aber auch mit Quaternionen beschreiben. Mit dem Aufkommen der Elementarteilchen wurden Quaternionen wieder benötigt für die sogenannten Spinoren.
    Boltzmann erfand die statistische Wärmelehre, wurde dafür ausgelacht und beging Selbstmord, Planck "erfand" das Wirkungsquantum, ohne das er das Strahlungsgesetz nicht erklären konnte
    Schließlich versetzte die Darlegung Einsteins unter Verwendung eben dieses Wirkungsquantums zum "Lichtelektrischen Effekt" der Theorie Huygens, das Licht ne Welle sei, einen schweren Schlag. (Dafür bekam Einstein den Nobelpreis)
    Kurz. Die Physik und damit die führende Wissenschaft stand ebenfalls vor revolutionären Änderungen.


    Dies alles wird im Roman sinnvoll verbunden, indem Pynchon in seiner freien Fantasie mal die eine Lehre, mal die andere dekliniert, zum Beispiel auch die Hohlwelttheorie.
    Die "Freunde der Fährnis" in ihrem Luftschiff sind dabei so etwas wie der Chor im griechischen Theater, die die Handlung kommentieren oder in neuen Bahnen lenken.
    Wie gesagt, ich habe gut die Hälfte hinter mir, wir sind jetzt im Göttingen David Hilberts und nun will ich mal sehen, was kommen wird.


    Gruß aus Kiel


    PS. Es wird viel davon geschrieben, dass TP alle möglichen Erzählstile, Westernroman, Spionageroman, Abenteuerroman, Jules Verne, Lovecraft und viele andere parodiert. Das kann ich leider bewerten, weil ich die Genres nicht gut genug kenne.
    Aber der Erzählstil wechselt sehr oft und daran muss man/frau sich gewöhnen.

    Von "Haitink at old Age" (so ab 75), gibt es jede Menge Aufnahmen, auch im Internet. Dazu viele Werke in mehreren Aufführungen. (Mahler 6 und 7)
    Es wirkt beinahe so, als hätte der Meister so etwas, das Informatiker "Stepwise Refinement" nennen, betrieben.
    Auf jeden Fall gibt es im Alterswerk manch Herausragendes zu entdecken und man/frau muss nix kaufen, nur suchen und finden.
    Gruß aus Kiel

    Tja traurig, aber irgendwie zu erwarten bei 92 Lebensjahren.
    Und er war schon recht gebrechlich.
    Am 9.5.2019 waren K und ich in Berlin bei einem seiner Abschiedskonzerte in der Philharmonie. Das Orchester spielte nur für ihn. Sehr anrührend und Bruckner 7 erstrahlte in einem Glanz, den nur er konnte.

    Pixies - Bone Machine

    Das wäre mir für Mittwochmorgen zu früh.
    Ich habe schon einmal die LP rausgelegt für später.
    The Pixies Live in Hamburg 1989, genauer Große Freiheit am 24.6.1989. Der Doc und CMS waren dabei.
    Sehr gut, sehr sehr gut.
    Leider kein Cover auffindbar.
    Meines ist in blau gehalten. Der Titel ist "Levitation Time. Loud Americans abroad"


    Gruß aus Kiel

    Mir erschienen "Die Korrekturen" seinerzeit belanglos und ich habe so gut wie nichts in Erinnerung. Noch mal eine Chance geben?

    Warum? Die inneramerikanische Befindlichkeit kann man/frau mit einem 2$ pro Monat ABO der digitalen Version der New York Times verfolgen.
    Doch wie es auf dem platten Land zugehen mag, dazu lese man/frau Updike.
    Keiner hat das so schonungslos beschrieben wie er. Da kommt keiner ran. Unser Sohn, 1 Jahr im Innern von Illinois gewesen, bestätigt. "Es ist eher noch schlimmer"
    Ich empfehle immer wieder die Rabitt Bücher. "Hasenherz", "Unter dem Astronautenmond," "Bessere Verhältnisse" und Rabitt in Ruhe"
    Vorzüglich.
    Wer das Leben durchgeknallter jüdischer Professoren haben will, lese Philip Roth.
    Gruß aus Kiel


    So und jetzt arbeite ich weiter gegen den Tag. an.

    Das kannst Du laut sagen. Ich weiß inzwischen wirklich nicht mehr wohin mit den neu ins Haus geflatterten Silberlingen :heul1:

    wir befestigen sie lose an einer Stange am Dach, um den Specht zu vergrämen, der sich in der Fassadenisolierung ein Winterquartier bauen will.
    Allerdings haben wir nicht getestet, welcher Komponist am besten vergrämt. :D
    Ich hätte zwar ne Vermutung, aber keinen Beweis.
    Gruß aus Kiel

    Sorgen macht mir eher die lange Liste der sehr guten bis ausgezeichneten Aufnahmen dieser herrlichen Sinfonie

    Ich fürchte, Du musst noch einige mehr in Betracht ziehen.
    Ich nenne nur Ancerl, Dorati, Berglund, Dohnanyi, Szell, Wand, Steinberg, Levine, Giulini, Mravinsky und Cantelli.
    Einen schönen Abend noch.
    Gruß aus Kiel

    Und da war ich gerade wieder mitten drin im Tag... Dazu in ein paar Wochen.
    Der Sohn brachte mir ne "Ladung" Clemens Meyer.
    Und ich habe nun nach der "Nacht im Bioskop" über den Massenmord in "Novi Sad" im Januar 1942, eine sehr eindringliche Erzählung, die vieles von dem bis heute andauernden Konflikt Kroaten vs. Serben beschreibt,

    "Die Stillen Trabanten" gelesen, Geschichten über kleine Leute, deren Lebensboden mit der "Wende" glitschig wurde; das Elend in den Trabantenstädten, die verlassen von Menschen verfallen. Und von dem Kohleviertel der Großstadt, wo Tristesse herrscht.

    Und doch blüht bei ihm immer so etwas wie eine "kleine Blume", gibt es Orte der Zuflucht, gibt es Menschen mit Gefühl; dieses wird beschrieben frei von jeglichem Kitsch.
    Hüsch nannte so etwas einmal "Die Solidarität der Kreaturen".
    Davon ist hier ne Menge zu spüren.
    Ich fühlte mich oft an Jörg Fauser erinnert. Meyer bringt dann in der letzten Geschichte eine Parabel auf Verrat, Hinterlist, gebrochene Versprechen, Mistrauen und Angst aufs Papier, die ich nur noch ganz großartig finden kann und die dieses wunderbare Buch zu einem großen Abschluss bringt..
    Ja, der Meyer.
    "Stäube" sind schon im Zulauf.
    Gruß aus Kiel

    Nachtrag: Dass er "den Lipatti" mit seiner Zugabe geben musste, fand ich etwas geschmacklos. Da bin ich aber wohl vorbelastet.
    Dennoch war es wundervoll gespielt.
    Gruß aus Kiel

    Edwin Fischer/Philharmonia Orchestra London vorgespielt zu haben.

    Sorry, Fischer mochte ja noch angehen, aber das rumpelhafte Orchester.! Das war doch mehr als peinlich.
    Trifonov fand ich große Klasse, das Orchester zu pauschal, Gergiev ist einfach zu "schlampig" in der Orchesterbehandlung.
    Gruß zum Abend aus Kiel

    Ich durfte/musste gestern 3-mal Beethoven Klavierkonzert Nr. 3 in Auszügen hören, 2-mal fand ich es komplett daneben, einmal so lala.
    Mal lag es am Orchester, mal an beiden. (Dann war es Personalunion!!)
    Egal.
    Heute habe ich ne Aufführung gefunden, - mal nicht immer die üblichen Verdächtigen suchen-, die mir gefällt. Selten, denn im dritten Satz muss es fröhlich und witzig sein. Und das merkt man ihr an.
    Annie Fischer, Antal Dorati. Orchester ?
    https://www.youtube.com/watch?v=_9MI9CrSyrQ
    Ja, es gibt auch ne Aufnahme mit Klemp und Frau Fischer und dem Concertgebouw, aber diese hier gefällt mir momentan besser.
    Gruß aus Kiel

    Wenn nicht alles von Mick Taylor ein Alptraum für Herrn Holz sein dürfte.

    Einer meiner liebsten Ex-Arbeitskollegen heißt Holz,... also Vorsicht.
    Doch wenn es um den Besagten geht.
    Er spielte Bass auf dieser LP (für die berühmte Insel!):

    Er war auch bei dabei.
    Und klaro. Die ersten Solo LPs von Rod Stewart hatten ihn als Sideman.
    Das ist in der Tat besser als nahezu alles, was er mit der "Schrammelband" ab 1975 an der Gitarre zustande brachte.
    Gruß aus Kiel

    – Vikingur Ólafsson (rec. 5.-9.4.2021)

    Diesen vielgerühmten Herrn Olafsson kann man/frau in der ARD Mediathek
    WDR KLASSIK: Paavo Järvi dirigiert Mozart und Schumann (1/2) | ARD Mediathek
    mit Paavo Järvi (der "krallt" sich immer die besten Solisten und Solistinnen, :D ) und dem Concertgebouw Orchester mit Mozart KK24 sehen und hören.
    Die Zugabe ist Bach Orgelsonate ;Nr.4.


    Nur mal so eben nebenbei.
    Gruß aus Kiel

    warum Heifetz die Aufnahme nicht freigab . An Moiseiwitsch lag es jedenfalls nicht .

    Oh, doch!
    Ich kenne die Kreutzer Sonate mit Moiseiwitch nicht, aber dafür das Klavierkonzert Nr. 3 mit Sargent.
    So ein selbstverliebtes Spielen, wie der gute Benno da abliefert, übrigens ähnlich im KK5 mit Szell, konnte Heifetz niemals dulden.
    Da prallten Jahrhunderte der Werkauffassung aufeinander.
    Damit will ich nicht sagen, dass ich Bennos Spielen nicht mag, es ist nur völlig aus der Zeit gefallen, wenn man es mit dem 20igsten Jahrhundert hat. Durchaus reizvoll.
    Das mit Heifetz konnte niemals gut gehen. Wer auf die Idee kam, die zu paaren....? Seltsam.
    Heifetz hatte ja schon Probleme mit dem wesentlich stärker weltzugewandtem Rubinstein. (siehe die berühmte Anekdote über Gott, Piano und Cello)
    Gruß aus Kiel