Unbekannte Sänger, die mich beeindruckt haben

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    • Unbekannte Sänger, die mich beeindruckt haben

      Jeder von Euch kennt das: Man besucht eine Opernvorstellung, hört einen Sänger und der Funke springt über.

      Diesen Thread möchte ich den Sängern widmen, die nicht unbedingt auf CDs vertreten sind, uns aber trotzdem erfreuen und uns vielleicht unvergessliche Abende beschert haben.

      Ich möchte drei Sänger nennen, denen das gelungen ist.


      Tassis Christoyannis, ein griechischer Bariton, der mir an der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg immer sehr viel Freude gemacht hat, z.B. als Enrico Asthon in der Oper Lucia di Lammermoor, als Giorgio Germont (La Traviata) ua. Kürzlich sang er beim Glyndebourne Festival den Ford.


      Markus Butter, ein Bariton aus Österreich, den ich als Silvio (Bajazzo) in Duisburg erlebt habe. Inzwischen ist er Mitglied der Semperoper Dresden.


      Diogenes Randes, ein Gewinner des Operalia-Wettbewerbes, brasilanischer Bass, den ich als Raimondo in Lucia di Lammermoor kennenlernen durfte. In Bayreuth hat er bereits in den Meistersingern die Rolle des Nachtwächters gesungen.


      Vielleicht kennt jemand von Euch einen dieser Sänger oder hat mit anderen Sängern(Sängerinnen) ähnliche Erlebnisse gehabt.


      Liebe Grüße :wink: :wink:

      Ramona
    • Liebe Cappricciosi,

      ich möchte an dieser Stelle unbedingt noch einmal auf einen Sänger aufmerksam machen, den ich und Nocturuns bei der 5. Kölner Musiknacht live erleben durften und der uns wahrlich unvergessliche Momente beschert hat. Also hier ist er:

      David Cordier - Countertenor
      [Blockierte Grafik: http://www.koelner-musiknacht.de/ensembles/13.jpg]

      Es ist natürlich hierbei als Erstes die Frage zu stellen, inwiefern Mr. Cordier denn nun als "unbekannt" bezeichnet werden kann. Immerhin hat der Mann eine Discographie vorzuweisen, wo er auf mehreren (vor allem Barock-) CDs mitwirkt, darüber hinaus hat er schon in vielen renommierten europäischen Häusern wie etwa Semper-Oper in Dresden

      (und Staatsopern in Stuttgart, München und Hamburg, der Semperoper Dresden, der Komischen Oper Berlin, dem Aalto-Theater Essen, am Badischen Staatstheater Karlsruhe, der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf sowie am Musiktheater Amsterdam und an der Königlichen Oper Kopenhagen)


      Verträge gehabt und ist auch auf verschiedenen Festspielen, wie etwa Glyndebourne, Salzburg, Dresden, Berlin und Edinburgh aufgetreten. 3 von seinen Live-Aufnahmen aus Dresden (in einer mehr oder minder passablen Qualität) finden sich auch auf YouTube, wovon diese für meinen Geschmack am besten ist:

      "http://www.youtube.com/watch?v=MqRBbzqlF74&feature=related"

      Und doch ist seine Kunst - womöglich aufgrund des recht seltenen Stimmfaches, was natürlich auch eine bestimmte musikalische Ausrichtung vorgibt - für den Otto-Normaloperngänger wohl eher weniger ein Begriff, sollen die Barock- und Alte Musik-Spezialisten unter uns mir an dieser Stelle widersprechen. :kiss:

      David Cordier haben wir live bei der 5. Kölner Musiknacht erlebt und waren hin und weg von ihm. Seine Stimme, die teilweise wie außerirdisch anmutete - unglaublich klar, kraftvoll, mit einem wunderschönen eigenen Timbre, geschmeidig und strahlend - war dabei nicht der einzige Grund für unsere Begeisterung. :juhu: :juhu: :juhu:

      Dowland bekam durch ihn eine sehr inteligente Interpretation, wo Altes einen modernen (oder sogar postmodernen) Touch bekam und wo technische Perfektion mit der wahren künstlerischen Kreativität gepaart war. Vielleicht hat das damit zu tun, dass DC auch Mathematik in Cambridge studiert hat, was heißt - kein reiner "Musik-Freak", sondern eben eine überaus intelligente und vielseitige Persönlichkeit ist. Ein Wunder, dass der Mann ausgerechnet Köln zu seiner Wahl-Heimat auserwählt hat!! :klatsch:

      Sein freundliches Auftreten, sein Lächeln, das immer intensiver werdende innere Strahlen, was auf das ganze Publikum überschwappte und es zum Schluss seiner Darbietung zu Standing Ovations hinriss - das alles machte DC in unseren Augen zum einsamen Highlight des Abends und erweckte bei mir den Wunsch, mehr zu diesem Ausnahme-Talent zu erfahren und ihn natürlich häufiger auf der Bühne zu erleben, und wenn möglich auch auf der Konserve zu ergattern :fee:

      - und natürlich Eure Meinung zu seiner Kunst oder womöglich Eure persönlichen Eindrücke von seinen Auftritten - von Euch zu erfharen.

      Herzallerliebst,

      Eure

      Theodora
    • Mir erging es so, als ich als Ersatz für den indisponierten Calleja plötzlich den Namen "Shalva Mukeria" auf dem Besetzungszettel der "Puritani" fand - noch nie gehört :wacko: . Etwas skeptisch bezog ich meine Loge, war dann aber von Beginn an begeistert von diesem "No-Name", denn es gibt nicht viele Sänger, die diese sehr exponiert liegende Tenorpartie so problemlos bewältigen und dazu auch noch über eine schöne Stimme verfügen. Anscheinend war auch Frau Gruberova von ihrem Arturo beeindruckt, denn im Jänner-Februarblock 2010 der "Puritani" hat sie ihn sich wieder als Partner gewünscht. (Ja, die Grubsi besitzt da ein Mitspracherecht! :D )
      Ich bin schon sehr gespannt, ob sich mein positiver Eindruck wiederholt, denn immerhin sind seit meiner ersten und bisher einzigen Begegnung mit Mukeria vier Jahre vergangen - das ist sehr viel für eine Stimme. Sie kann sich sowohl positiv wie auch negativ verändert haben.
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Liebe Theodora, ob das von David Cordier besetzte Stimmfach heute noch recht selten ist, mag ich gar nicht glauben. Die Zeiten haben sich doh sehr verändert und Countertenöre gehören doch zum musikalischen Alltag.

      In Berlin habe ich David Cordier in einem Konzert gehört, dasmich ebenfalls sehr berührt hat. Von diesem Konzert besitze ich auch eine Schallplatte: Liebe und Klage in der Musik von Heinrich Schütz mit der musicalischen Compagney. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1985.

      Außerdem habe ich eine CD mit David Cordier: Johann Rosenmüller, Sacri Concerti mit dem Cantus Cölln, Konrad Junghänel. Auf dieser CD singt außer D.C. auch Maria Cristina Kiehr, die ich auch außerordentlich schätze. Sie gehört aber sicherlich nicht zu den "unbekannten" Größen.

      Schöne Grüße von calisto
    • Theodora schrieb:

      3 von seinen Live-Aufnahmen aus Dresden (in einer mehr oder minder passablen Qualität) finden sich auch auf YouTube, wovon diese für meinen Geschmack am besten ist:

      "http://www.youtube.com/watch?v=MqRBbzqlF74&feature=related"

      Eine recht aktuelle Aufnahme zeigt David Cordier als Ottone in Händels Agrippina, die im Staatstheater Saarbrücken 2008 aufgeführt wurde und jetzt als DVD herauskommt:

      "http://www.youtube.com/watch?v=CVKgcaPUTqI"

      Cordier singt Ottones lyrische Arie hinreißend rein und ausdrucksvoll! Das Stimmfach ist hier übrigens Alt, "die" Ottone der Uraufführung in Venedig 1709 war Francesca Maria Vanini-Boschi.

      Theodora schrieb:

      Vielleicht hat das damit zu tun, dass DC auch Mathematik in Cambridge studiert hat, was heißt - kein reiner "Musik-Freak", sondern eben eine überaus intelligente und vielseitige Persönlichkeit ist. Ein Wunder, dass der Mann ausgerechnet Köln zu seiner Wahl-Heimat auserwählt hat!!

      Kein Wunder, würde ich doch eher sagen, ich kenne noch andere intelligente und vielseitige Zeitgenossen, die sich von ganz weither nach Köln verirrt haben. :D

      Jürgen Nocturnus
      --

      "Wo die Beziehung zu unseren heutigen Ohren, Nerven, Erfahrungen und Lebensbedingungen verlorengeht, wird Interpretation zur Flucht in die Vergangenheit."
      Alfred Brendel

      "Music is a fish defrosted with a Hair-Dryer." Maisie
    • Liebe Cappricciosi,

      @Nocturne
      vielen Dank für den YT-Tipp! Wundervoll! Hmm hmm welche Zeitgenossen meinst du da wohl?? :whistling:

      @Calisto
      die CD-Tipps! Persönliche Erlebnisse, die meinen ähneln! Ach! :faint: Was Stimmfach angeht, so habe ich doch vom "Otto-Normaloperngänger" gesprochen, nicht von einem Alte-Musik-Spezi! :D

      Allerliebst,

      Eure

      Theodora
    • Ich habe heute eine sehr beeindruckende dramatische Sopranistin gehört: Barbara Ducret.
      Sie hat bereits Mireille, Traviata und diverse andere Rollen gesungen und war 2003 für die "Victoire de la musique" nominiert. Inzwischen ist ihre Stimme so gereift und "getieft", dass sie in der nächsten Saison für die Wozzeck Marie sowie die Kundry engagiert ist.
      Sie hat uns heute in einem für ihre riesige Stimme viel zu klienen Saal und im 8 Monat mit dem dritten Kind schwanger eine beeindrukcnede Probe ihre gesanglcihen und komödiantischen Talentes gegeben- ein buntes Programm mit Canzonetten von Bellini und Donizetti, der Regata Venexiana von Rossini, Arien aus Gounods Sapho und den Huguenots von Meyerbeer sowie Offenbach at his best - La grande Duchesse de Geroldstein.
      Ihre Stimme schient mir im Repertoire einer Regine Crespin am Besten aufgehoben zu sein. Acu hin der Mezzolage von Gounods "O ma lyre immortelle" war ihre Stimme noch voll durchschlagskräftig und die Tessitur ist ausserordentlich lang. Hervorzuhebn ist auch die hervirragende Diktion- ein Produkt bester frz. Gesangsausbildung.
      Diese sehr sympathische junge Sängerin lebt in Lille und ich freue mich, sie noch öfter hören und sehen und von ihr lernen zu kônnen.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • :wink:

      Ja, so ist es mir vor vielen Jahren auch mal ergangen, in meiner alten Heimat, aus der der Sänger auch stammt. Damals eher unbekannt, inzwischen aber wohl nicht mehr, insbesondere bei den Freunden alter Musik: Klaus Mertens. Mein Tipp, neben Bachkantaten mit Ton Koopman, die Matthäuspassion in der Aufnahme von Gustav Leonhardt. Hier besonders "Am Abend, da es kühle war." Übrigens singt in dieser Aufnahme David Cordier auch mit.

      Gruß,

      Beryllo
    • Liebe Cappricciosi,

      @beryllo

      na, wer sagt es denn!! Schau her, wir haben sogar eine Verbindung zwischen mehreren interessanten Sängern festgestellt! Wer die Platte kennt bzw. diskutieren will, möge bitte an dieser Stelle einen entsprechenden Link platzieren! :thumbsup:

      @calisto

      kein Problem lieber Calisto, ich will mich eh demnächst mit dem interessanten Thema "Stimmfach Countertenor" auseinadersetzen, um kein Banause mehr zu sein!

      Allerliebst,

      Eure

      Theodora
    • Liebe Theodora,

      Theodora schrieb:

      kein Problem lieber Calisto, ich will mich eh demnächst mit dem interessanten Thema "Stimmfach Countertenor" auseinadersetzen, um kein Banause mehr zu sein!

      Mir wurde geflötet, dass du schon Dowland-Songs von Andreas Scholl probegehört hast und doch tatsächlich der Meinung bist, dass der Scholl, den du bislang nicht kanntest, dem Cordier das Wasser nicht reichen könne ...

      Magst du dieses Gerücht bestätigen? :pfeif: :D

      Grüße,
      Nocturnus
      --

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    • Hallo Theodora,

      Gerne,



      Lobpreis meinerseits, eine wunderbare Aufnahme und Darstellung dieser Passion, sehr innerlich und zurückgenommen, aber dabei auch kraftvoll. Die Sänger sind alle herrlich, besonders natürlich Prégardien als Evangelist. Leonhardt hält sich strikt an bestimmte Erkenntnisse und lässt die Sopranpartien von Tölzer Knaben singen, was mir hier sehr gut gefällt (wie auch Bernsteins Idee für Mahlers Vierte). Und für Theodora gleich ein besonderer Alt, der die berühmte "Erbarme dich" Arie zu einem wahren Erlebnis werden lässt (im Zusammenspiel mit Sigiswald Kiujkens Geige): Rene Jacobs!

      Gruß, Beryllo