Mein "Roman"

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    • Mein "Roman"

      Hi! Ich habe angefangen, einen Roman zu schreiben. Weit bin ich noch nicht gekommen - fertig ist erst das erste Kapitel (das zweite so halb).
      Kritik ist nicht erwünscht von Leuten, die meinen Roman nicht lustig finden (à la "das ist überhaupt nicht spannend, der Aufbau lässt zu wünschen übrig" etc.). Verbesserungsvorschläge von Leuten, die meinen Humor teilen, sind hingegen sehr gerne gesehen. :) Auch kleinste Details! Ich sehe "euch" quasi als meinen Lektor an, da 20 Augen mehr sehen als zwei. Bspw. stand an der Stelle, wo Ralf beschrieben wird, ursprünglich "Abnormitäten" anstatt "Auffälligkeiten" - dass das Wort dort unpassend ist, wäre mir vermutlich nie aufgefallen. Oder wenn ihr einen Logikfehler findet (eben hat er noch die Bierdose in der Hand, dann steigt er eine Leiter herunter, ohne sie abzustellen) - lasst's mich wissen. Aber bitte keine Vorschläge, wie es weitergehen könnte :) (Ich habe nämlich in der Tat selbst noch nicht den blassesten Schimmer, worauf das Ganze hinausläuft...)
      Einfach subjektive Kommentare sind natürlich auch erwünscht - d. h., auch wenn ihr den "Roman" ganz und gar unlustig findet, dürft ihr mich das natürlich gerne wissen lassen.
      Einen Titel hat der Roman noch nicht (da ich wie gesagt noch überhaupt nicht weiß, von er überhaupt handeln wird... ich habe nur ganz grobe Ideen).

      So, ansonsten hoffe ich, es gefalle :) Auf geht's!


    • Kapitel 1: Das Loch im Kühlschrank

      Eines Tages lief Arnold völlig entnervt aus dem Haus. Man könnte jetzt natürlich dramaturgisch geschickt ausführen, dass er, entnervt, wie er war, ratlos sei und keinerlei Idee habe, in welche Richtung er laufen solle, einfach, um zwecks der Stressbewältigung überhaupt irgendwie zu laufen. Dem war aber nicht so: Eigentlich hatte Arnold ein recht klares Ziel vor Augen. Denn obgleich der Stress, den er hatte, nicht gerade alltäglicher Natur war, so war es doch auch kein Stress epischen Ausmaßes, wie er zur Augmentation der Spannung am Anfang von Büchern gerne erdichtet wird. Nun möchte der geneigte Leser eventuell gerne erfahren, woher der besagte Stress denn rühre. Womöglich interessiert ihn sogar die noch grundsätzlichere Frage, wer denn eigentlich „Arnold“ sei. Folgendes sei ihm erwidert:
      Arnold Fasser war (meine Güte, dieses ständige Präteritum in Geschichten lässt einen andauernd einen Todesfall vermuten) ein 34 Jahre alter Mensch, offensichtlich männlichen Geschlechts (wie ich zumindest hoffe, aufgrund seines Namens und Aussehens berechtigterweise annehmen zu dürfen, denn alles andere würde mich sehr schockieren). Er hatte schwarze Haare, die sich gen Kinn zu einem Bart auswuchsen, den man wohl als cool bezeichnen könnte. Sein weiteres Aussehen bot kaum weitere, beschreibungswürdige Auffälligkeiten – er war weder dick, noch ausgesprochen klein, noch hatte er eine Hakennase oder Segelohren.
      Der Stress, den Arnold empfand, rührte von seinem Wohnort her: dem Haus seiner Eltern. Ständig erfolglos auf der Suche nach Arbeit, wurde er monatlich einmal von seinen Eltern auf diesen seinen Zustand hingewiesen. Ihnen zu erklären, er habe dabei einfach wenig Glück – an seinem Realschulabschluss sollte es doch hoffentlich nicht scheitern – führte durchweg zu dem immer selben Ergebnis: keinem. „Jung, du musst selbstständig werden“, meinte seine Mutter immer zum Schluss des Gespräches, und: „ja, und lernen, auf eigenen Beinen zu stehen“, sein Vater. Zur Folge hatten diese vernichtenden Abschlussplädoyers meist die Flucht des Angeklagten, ääh Arnolds, zu einem Spaziergang nach draußen. Diesmal lief er Richtung Wald.
      In den üblichen Gedanken („Tod, Verdammnis“) versunken und zu Boden starrend, joggte Arnold nun also durch den Wald, der direkt vor dem Haus begann. Schon nach wenigen Minuten sollte sich das Schlüsselereignis dieser Geschichte zutragen: Arnold fand einen Schlüssel. Entschlossen, ihn in einem Fundbüro abzugeben, sofern ihm während seines Spazierganges eines über den Weg laufen sollte, hob er ihn auf und lief weiter. Aber nicht lange. Denn jetzt stand eine Tür vor ihm. Mitten auf dem Weg. Im Wald.
      Über diesen überraschenden Sachverhalt beinahe ratlos, begutachtete Arnold die Tür auch von den drei anderen Seiten. Augenscheinlich gehörte sie zu einem mannshohen, weißen Kasten. Arnold hätte ihn für einen Kühlschrank gehalten, aber die Tür passte nicht dazu. Sie sah mehr aus wie eine konventionelle Tür, komplett mit Türknauf und Schlüsselloch versehen. Ein Schlüsselloch…
      Arnold entnahm seiner Hosentasche den Schlüssel. Er hatte gerade an ihn denken müssen. Aber wo er ihn schon einmal in der Hand hatte, konnte er ja auch gleich probieren, ob er in den Kühlschrank passte. (Arnold war natürlich nicht wirklich so dumm. Ich lasse nur meinen schlechten Humor am Leser aus.)
      Mirakulöserweise war genau das der Fall. Noch viel mirakulöser war Arnolds Feststellung, dass er tatsächlich einem Kühlschrank gegenüberstand. Das Innenlicht leuchtete. Arnold nahm sich eine Dose Bier heraus. Sie war kalt. Arnold, dem heute alles egal war, hätte vermutlich mit den Schultern gezuckt, sich die Dose genommen und wäre weitergelaufen. Der Kühlschrank besaß jedoch eine weitere wundersame Eigenschaft. Anstatt eines Bodens wies er ein schwarzes Loch mit einer Leiter am Rand auf. Arnold, von Natur aus überneugierig, stellte sein Bier ab, hängte die beiden Gitter, auf denen die kaltgestellten Speisen standen, aus und kletterte das schwarze Loch hinunter. Sobald sich sein Kopf etwa drei Zoll unter der Erde befand, schloss sich eine Schiebetür darüber, und eine hämische Stimme aus dem Nichts verkündete vollkehlig: „MUHAHA!“ Arnold, nicht zuletzt aufgrund der Stimme völlig entsetzt, versuchte, die Schiebetür zu öffnen. Nach drei Minuten des Kampfes im Dunkeln gab er auf, dachte sich: „na, was soll’s“, und setzte seinen Abstieg fort. –-


    • Kapitel 2: Arnold auf dem Baum

      Dunkelheit. Ein herrlich düsteres, beinah schauriges Wort. Vieles lässt sich mit Dunkelheit in Verbindung bringen. Grufties, die dem Durchschnittsbürger seinen Weg durch die Straßen allein durch ihre Anwesenheit ein wenig spannender gestalten, werden mithin gerne als „dunkle Gestalten“ bezeichnet. Morde geschehen bevorzugt im Dunkeln. Schwach ausgeleuchtete Gegenden erleichtern Nachtschwärmern das Verirren. „Dunkelheit“ ist auch die Vorstufe zu „schwarz“ – schwarz wie in „schwarze Magie“, „schwarzer Humor“ oder gar „schwarze Seele“. Natürlich gibt es auch Menschen, die die Dunkelheit mögen, etwa in ihrer abgeschwächten Variante „Dämmerlicht“, in welcher sich meist Romantisches abspielt. Nicht so Arnold.
      Auf Arnold hatte die Dunkelheit ihre sonst übliche Wirkung – Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Verlust des Zeitgefühls; er hätte nicht sagen können, wie lange sein Abstieg gedauert hatte, als dieser sein plötzliches Ende fand: Es ging nicht weiter. Na klasse, und nun? Kein Licht am Ende des sprichwörtlichen Tunnels? Niemand, der Arnold in Empfang zu nehmen versuchte?
      Arnold löste die Hände von der Leiter und blickte um sich: Er sah viel Schwarz. Gut, dann eben nicht… Er ging einige Schritte und streckte die Hände aus. Nanu? Kein enger Schacht? Also gut.
      Arnold lief mit ausgestreckten Händen spontan in irgendeine Richtung los. Er lief eine ganze Weile lang, ohne irgendwohin zu gelangen. Irgendwann wurde es ihm zu blöd und er rief: „Hallo?“
      – „Hey, wie geht’s?“ antwortete eine männliche, ansonsten undefinierbare Stimme.
      – „Nun ja…“, erklärte Arnold verwirrt. „Es ginge jedenfalls besser, wenn es hier nicht so dunkel wäre.“
      – „Ach so, das, hab’ ich ganz vergessen“, meinte sein Gegenüber mit einem Anflug von Lachen in der Stimme. Arnold urteilte infolge dieser Reaktion, dass das Licht nun gleich angehen müsse… Zehn Sekunden lang herrschte absolute Stille. So musste es sich wohl anfühlen, wenn man tot war. Man hörte nichts, man sah nichts, man wollte nichts als raus hier.
      – „Und warum machst du es dann nicht an?“, fragte Arnold.
      – „Bist du sicher? Ich dachte, es wäre im Dunkeln ein wenig spannender… nun gut!“, meinte der Gegenüber in einem Tonfall, der einen das „…auf deine eigene Verantwortung!“ gleich mit dazu denken ließ.
      Das Licht, oder besser: die Sonne, ging an. Arnold erblickte die Welt, die er eben verlassen hatte. Geändert hatte sich lediglich die Perspektive: Der Waldboden und der Kühlschrank befanden sich über ihm. Zu seinem Entsetzen stellte Arnold fest, dass er sich auf dem Ast eines Baumes befand. Unter ihm befand sich, von einigen wenig belaubten dünnen Zweigen einmal abgesehen, nur blauer Himmel. Arnold schwindelte, doch der Ast war breit, und er konnte eigentlich nicht herunterfallen.
      Arnold setzte sich. So, die Schwerkraft hatte sich also umgedreht, na vielen Dank. „Etwas spannender gestalten, wie?!“, schrie Arnold den Baum an, denn außer sich selbst konnte er noch immer niemanden entdecken. Keine Antwort.
      Was würdest du, lieber Leser, machen, wenn du dich auf dem Ast eines Baumes befändest und die Schwerkraft wäre umgekehrt? Die Polizei anrufen? So so, einer von der pragmatischen Sorte. Arnold jedenfalls begann am Stamm des Baumes hinauf-, nun ja, also gewissermaßen hinabzuklettern. Der Baum war hinreichend beastet, sodass Arnold sich von Ast zu Ast hinaufhangeln konnte. Als er mit dem Kopf an die Decke, beziehungsweise den Waldboden, stieß, begann er, sich nach dem Sinn dieser Aktion zu fragen. Er wurde ein bisschen panisch und zwang sich, nicht nach unten zu sehen, da ihm bewusst wurde, dass er seinen Fallschirm zuhause vergessen hatte.
      – „Gut festhalten!“, verkündete da auf einmal die männliche, ansonsten undefinierbare Stimme (nennen wir sie vorläufig doch einfach einmal „Horst“) marktschreierisch.
      – „Was soll ich denn sonst maaaaAAHH!“, entgegnete Arnold, dessen Innerstes plötzlich nach außen gekehrt wurde. So fühlte es sich zumindest an, als die Schwerkraft wieder hergestellt wurde. Vorsichtig kroch Arnold vollends vom Baum hinunter und stand auf. Er war schlau genug, Horst nicht zu fragen, ob das denn hätte sein müssen.
      – „Entschuldigung, ich bin neu in dem Geschäft“, meinte Horst versöhnlich. Was für ein Geschäft, fragst du dich jetzt sicher, lieber Leser. Arnold hingegen witterte eine Chance.
      – „Kann ich bei dir einsteigen?“, fragte er.
      – „Da muss ich erst den Boss fragen…“
      Mittlerweile war auch Arnolds Interesse an Grundsätzlichem geweckt. „Wie heißt du denn eigentlich“, erkundigte er sich.
      – „Ach so, klar, tut mir Leid. Ich bin Günther.“ (Also ich kann ja auch nicht Alles wissen!)
      – „Wieso kann ich dich eigentlich nirgends sehen, Günther?“
      Ungefähr, als Arnold beim „h“ von „Günther“ angelangt war, manifestierte sich dieser vor ihm; die Schamesröte stand Günther ins Gesicht geschrieben. „Bisschen viele Fehler für deinen ersten Tag“, meinte eine andere Stimme.
      Ein bisschen beleidigt entgegnete Günther: „Also dich kann ich hier eigentlich auch nirgends sehen.“
      – „Oh.“ Ein Fingerschnipsen erklang, und ein weiterer Mann erschien neben Günther.
      – „Und wer bist du?“, fragte Arnold.
      Die Antwort folgte prompt: „Ich bin Horst.“


    • Melione schrieb:

      (Ich habe nämlich in der Tat selbst noch nicht den blassesten Schimmer, worauf das Ganze hinausläuft...)

      :D Ich oute mich mal auch als "Stellvertretender-Möchtegern-Schriftstellerpraktikant"... ich kenne das von dir zitierte Lage sehr gut, und habe die Erfahrung gemacht, mir gelang noch nie einen Roman ohne festes Konzept zu schreiben (auch mit Konzept ist es mir eigentlich noch gelungen - was wieder folgende Betrachtungen in das dumpfe Licht der Zweifelhaftigkeit rückt), nur kürzere erzahlungen, die nicht den Drang verspüren auf irgenetwas hinauslaufen zu müssen und eigentlich ebenso abrupt Enden können, wie sie anfingen.

      Momentan habe ich schon 5 Romane im Laufe: alle haben genau zwei Kapitel fertig. (Oder zweieinhalb.) :stumm:
      (Früher wusste ich noch einiges zu beenden, aber seitdem ich den Drang verspüre etwas bestimmtes sagen zu müssen, habe ich immer wieder Schreibhemmungen. So zu schreiben aber, wie früher - also ohne Hintergedanken, einfach drauf los - möchte ich aber nicht mehr.)

      Liebe Grüße
      Tamás
      :wink:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato