Das Capriccio Operntelegramm für die Saison 2009/2010

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    • RE: Wagner: DER RING DES NIBELUNGEN - Oper Köln, Juni 2010

      Der wonnige Laller schrieb:

      [...]Markus Stenz dirigiert umsichtiger, sängerfreundlicher (besonders was die Tempi betrifft) als noch vor vier Jahren. Er nimmt sich mehr Zeit, [...]

      Markus Stenz hat in diesen vier Jahren wirklich sehr große Fortschritte gemacht! Das war schon großartig, was er in der letzten Woche geboten hat!

      Erfreulich auch, dass man den Ring 2015 wieder in Köln wird sehen können! :jub:

      :wink:



      Gerd
    • Aus dem aktuellen Programmheft der Kölner Oper:
      Die Inszenierung der vier Teile von Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen" von Robert Carsen wird außer in China in den nächsten Jahren in Barcelona und Venedig zu sehen sein. In Köln ist eine WIederaufnahme für das Jahr 2015 geplant.
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Quasimodo schrieb:

      Aus dem aktuellen Programmheft der Kölner Oper:
      Die Inszenierung der vier Teile von Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen" von Robert Carsen wird außer in China in den nächsten Jahren in Barcelona und Venedig zu sehen sein. In Köln ist eine WIederaufnahme für das Jahr 2015 geplant.
      So wie dieser Ring in den nächsten Jahren `herumgereicht` wird, ist evtl. sogar mit einer Aufzeichnung auf DVD zu rechnen? Auch darf man wohl gespannt sein, ob das Gürzenich-Orchester die "GoLive" Rechte für die konzertanten Opernaufführungen in der Philharmonie in der nächsten Spielzeit bekommt.

      Aber am Wochenende hat in der Kölner Oper der "Don Giovanni" in der Inszenierung unseres Intendanten Premiere. Auf der Internetseite sind die ersten Bildchen. Und ich dachte schon, da hätten sie aus Versehen ein Foto von Udo Lindenberg abgelichtet ;+)

      Aber letztes Wochenende: da gab es kurz vor Toresschluß der Spielzeit 2009/2010 einen kleinen Marathon. Zuerst die "Daphne" in Frankfurt. Meine zweite Begegnung mit dem Werk, nach einer schon vor Jahren besuchten Aufführung im Aalto Theater Essen. Und am Sonntag dann in Wuppertal zwei Einakter: "Die florentinische Tragödie" von Alexander von Zemlinsky und "Gianni Schicchi" von Giacomo Puccini. Beides in der Inszenierung des Intendanten, Johannes Weigand.

      Der Zemlinsky startet in absoluter Dunkelheit. Schwarze Bühne, fast wie ein Verlies, ein paar Stufen führen hoch zu einer Galerie/Terrasse. Und schon kommt ein Mann im Hausmantel, darunter spärlich bekleidet, und gönnt sich `die Zigarette danach`. Kurz darauf eine Frau, sie sortiert sich noch das Kleid und die Frisur. Links schält sich aus dem Schatten Simone. Guido kommt die Stufen herunter, zieht den Hausmantel des Hausherrn aus (den dieser dann anzieht) und seine eigene Kleidung an. Die Bühne wird beherrscht von einem langen schwarzen Tisch mit zwei Stühlen. Auf diesem Tisch werden die Stoffe ausgebreitet, um diesen Tisch wird herumgeschlichen, an diesem Tisch wird gekämpft, die Frau gedemütigt und der Liebhaber schließlich ermordet. Bianca ist in der Mordszene sicherheitshalber die Treppe hinaufgeflüchtet. Und Simone greift bei den Worten "Und jetzt zu Dir" zu einem Dolch und dreht sich um zu seiner Frau. Zu den Schlußworten finden sie sich in inniger Umarmung auf der Treppe. Vermutlich ist der Schluß beeinflußt von einem Brief von Zemlinsky an Alma Mahler, der auch im Programmheft abgedruckt ist.

      Prag, Mai 1917 "[...]Spricht so ein Kulturmensch? Sie verkennen diese Dichtung? Sie nennen es eine perverse Verirrung? Wissen Sie, daß die Besten überhaupt erst durch die Zeitungen auf die Idee kamen, es sei um einer perversen Pointe wegen geschreiben? Wissen Sie, wie das Drama geht? Zwei Menschen, beide mit hohen Eigenschaften - Schönheit und Lebenstüchtigkeit und Begeisterung zum Beruf - leben durch des Schicksals "Macht" aneinander vorbei. Er versäumt ob seiner Leidenschaft zu seiner Lebenstüchtigkeit die Schönheit und das lebenssüchtige Weib neben sich, sie, die auf das Leben neben ihrem Mann wartet, sieht sich um ihre Jugend und Schönheit betrogen, wird lieblos und unglücklich und scheinbar voll Hass. Eine furchtbare Katastrophe ist notwendig, um beide zum Bewusstsein zu bringen. Angesichts des Todes kommen zwei ganz Verirrte zum Bewussstsein. Eine wirklich Tragödie, weil ein Menschenleben geopfert werden musste, um zwei andere zu retten. Und Sie, gerade Sie haben das missverstanden --?!"

      Die Aufführung war spannungsreich, wie ein Thriller. Und selbst ich als jemand, der den Ausgang kennt - war wie Simone
      unsicher, was zu tun ist . Musikalisch besonders hervorheben kann man den Kay Stiefermann als Simone. Glasklare sauber geführte Stimme, absolut textverständlich, immer passend zur Lautstärke des Orchesters, immer zu hören. Von dem Sänger des Guido Bardi = Paul McNamara, kann man das leider nicht sagen. Ein ziemliches Leichtgewicht von Stimme, wirkt eher wie ein Schwächling in der Aufführung, der immer wieder Körperkontakt zu der Frau sucht und als das nicht klappt, sagt, daß ihm langweilig wird beim Geschwätz des Ehemanns und nach Hause will. So klingt dann auch die Stimme, etwas banal und schwächlich. Joslyn Rechter als Bianca hat leider gar nicht soviel zu singen wie in meiner Erinnerung. Alle und vor allem die letzte große Phrase brachte sie höhensicher und ohne jedes Tremolo über die Lippen. Die Frau ist noch gewachsen an ihren leider kleinen Rollen (nach ihrer großartigen Ilia in Köln). Der Dirigent Hilary Griffiths kann vor allem laut. Der schwelgt in Tönen, Stoffen, gespielter Liebesduselei daß es eine Pracht ist, wäre das Opernhaus nicht viel zu eng dafür daß sich die Töne überall stauen. Insgesamt klang das trotzdem sauber musiziert und auch abstufend.