Roussel, Albert – Symphonische Teppichmuster und anderes mehr...

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    • Roussel, Albert – Symphonische Teppichmuster und anderes mehr...

      Seit Jahren befindet sich in meiner Sammlung eine Doppel-CD mit den vier Symphonien von Albert Roussel (Marek Janowski, Orchestre Philharmonique de Radio France); hin und wieder wandert eine der Aufnahmen in meinen Player: Ich fand die Musik ganz nett, der große Funke ist dabei nie übergesprungen. Nun sind mir in den letzten Monaten zwei Werke Roussels im Konzertsaal begegnet, die meine Neugierde geweckt haben: einmal Deux poèmes de Ronsard, op. 26, in der aparten Besetzung für Sopran und Flöte, dann - erst kürzlich in Wiesloch (bei Heidelberg) - die 3. Symphonie (vielleicht dasjenige Werk Rossels, dem man heute am häufigsten begegnet): in einer Aufführung französischer Orchesterwerke (Fauré, Saint-Saëns, Debussy) durch das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart mit Stépahane Denève (der kurzfristig für den erkrankten Michel Plasson eingesprungen war).

      Dieses Konzert erwies sich als eine kleine Offenbarung: Dirigent und Orchester präsentierten sich und das Werk mit einer Musizierlust, hochgespannter Energie und auch technisch auf einem Niveau, das mich begeisterte. Ich bemerkte, daß der (mir bis dahin unbekannte) Dirigent dabei ist, die Symphonien und weitere Orchesterwerke bei Naxos einzuspielen, die mit der Dritten konnte ich an Ort und Stelle erwerben und auf dem Heimweg hörte ich dieselbe Symphonie noch einmal mit demselben Dirigenten: wieder sehr beeindruckend!

      Inzwischen ist meine Roussel-Sammlung dabei, sich zu vermehren...

      Hier ein paar biographische Angaben:

      Am 5. April 1869 wurde Albert Roussel in Tourcoing im französischen Flandern geboren. Mit acht Jahren verwaist, wuchs er bei Verwandten auf (sein Großvater, der Bürgermeister von Tourcoing, spielte Bratsche), er wurde musikalisch gefördert, doch schlug er zunächst eine andere Laufbahn ein, die eines Marineoffiziers, er diente auf einem Segelschiff im Atlantik und im Fernen Osten.

      1894 allerdings nahm er seinen Abschied, weil nun klar war, daß er Komponist werden wollte: Er studierte in Paris, wurde an der neugegründeten Schola Cantorum Schüler von Vincent d’Indy, dessen Sinn für symphonische Architektur ihm nahekamm, dessen Wagnerismus ihn aber kalt ließ. Als er 1906 die Schule verließ, begann er, beeinflußt von Claude Debussy, mit impressionistischen Klängen zu experimentieren: ein Ergebnis war Poème de la forêt, eine Zusammenstellung von vier Sätzen, die er später als seine Symphonie Nr. 1 herausgab. 1908 heiratete er und unternahm 1909-10 eine ausgedehnte Hochzeitsreise nach Indien und Indochina. Musikalische Früchte waren Evocations für Orchester und Chor und die Oper Padmâvatî, die auf einer indischen Legende beruht (beide Werke sind mir noch unbekannt).

      Im I. Weltkrieg war er, trotz einer einsetzenden chronischen Erkrankung, als Leutnant für den Autoeinsatz an der Front eingesetzt. Nach seiner Entlassung begann er mit der Komposition der 2. Symphonie (1919/20), wobei er sich vom Impressionismus löste und, nach eigenen Worten, beschloß, seiner Harmonik „ein weiteres Feld zu öffnen und [sich] damit dem Ideal einer sich selbst genügenden rein musikalischen Architektur zu nähern“. Die Uraufführung der Symphonie 1922 war ein Mißerfolg, vielleicht, weil sie dem Publikum, das klangfarbliche, exotische Rafinessen erwartete, zu hart und zu extrem in ihrer (unfranzösischen?) Architektonik erschien.

      Bei seinen Musikerkollegen dagegen kam er besser an: Serge Koussewitzki, damals Leiter des Boston Symphony Orchestra, beauftragte Roussel mit der Komposition einer weiteren Symphonie, die 1930 als Nr. 3 in Boston uraufgeführt wurde. Roussel war erfolgreich damit, jetzt einen klareren Stil zu verwenden, „nüchterner, konzentrierter, schematischer“, einen Stil, den man vielleicht „neoklassizistisch“ nennen könnte. Seinen Erfolg setzte er 1934 mit seiner Symphonie Nr. 4 fort. In der französischen Öffentlichkeit wurde er in seinen letzten Jahren als einer der führenden Komponisten des Landes gefeiert. Gesundheitlich angeschlagen, starb er am 23. August 1937 während eines Urlaubs am Atlantik, in Royan.

      Was fasziniert mich an Roussel, dessen Werk ich ja bislang nur in bescheidenem Ausmaß kenne? Zum einen ist es das scheinbar Absichtslose seiner Musik, die, etwa in der 2. und 3. Symphonie nur Musik sein will und nichts anderes: das bedeutet einerseits eine Verleugnung des Ego, des Selbstausdruck: dem Komponisten scheint es nie darum zu gehen, eigene Befindlichkeiten in Musik zu übertragen. Andererseits geht es ihm auch nicht darum (nach seinem Abschied vom Impressionismus), Äußeres zu beschreiben, etwa in Naturschilderungen. Im Vordergrund steht beim reifen Roussel ein architektonisches Denken, eine eigenwillige, nicht selten sperrige, spröde Gegeneinandersetzung von Motiven, die oft zu energiegeladenen, eruptiven, von rhythmischer Verve vorangetriebenen Musik führt – spannend ist das!

      Frederick Goldbeck, der schon vor Jahren ein höchst lesenswertes Buch über französische, spanische und italienische Komponisten des 20. Jahrhunderts geschrieben hat (eine Empfehlung von Wulf), charakterisiert die Musik wie folgt:
      Roussels Strukturen haben in der Tat etwas Fliehendes und Irrlichterndes an sich. Niemals psychologisch-persönlich oder gar gefühlsbetont, bilden sie in ihrem melodischen Aspekt gleichsam unfigürliche Teppichmuster fürs Ohr. Und in ihrer Polyphonie, die es sich geradezu abenteuerlich erlaubt, allen Gesetzen der tonalen Schwerkraft den Rücken zu kehren, haben sie etwas von dem Tausend-und-eine-Nacht-Zauber fliegender Teppiche an sich.
      Das trifft es, glaube ich, recht gut.

      Albert Roussel war musikalisch in allen Gattungen zuhause (bei Wikipedia läßt sich schnell ein Überblick gewinnen). Wer sich beispielsweise für seine Kammermusik (teilweise in originellen Besetzungen!) interessiert, sollte nicht an der günstigen Gesamtedition des Labels Brilliant vorübergehen:


      Besonders empfehlen möchte ich die beiden bislang erschienen Naxos-CDs mit Orchesterwerken (u. a. der 2. und 3. Symphonie):


      Farbig und packend musiziert ist das, voller Kraft, mit viel Sinn für Details, ein idealer Einstieg! Zu erwähnen wäre noch, daß Stéphane Denève, der Chefdirigent des Royal Scottish National Orchestra, wie Albert Roussel in Tourcoing geboren wurde (1971) – vielleicht erklärt das die Verbundenheit mit dem Komponisten und damit das hohe Engagement der Musiker, die in diesen (übrigens auch aufnahmetechnisch hervorragenden) Einspielungen zeigen, daß ihnen diese Musik offensichtlich eine Herzensangelegenheit ist.

      Damit frage ich in die Runde:
      • Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Musik Albert Roussels gemacht?
      • Welche Aufnahmen sind zu empfehlen?
      • Was fasziniert Euch, was weniger?

      (Quellen: Frederick Goldbeck, Die großen Komponisten unseres Jahrhunderts. Frankreich, Italien, Spanien. München 1978; Lucy E. Cross, Erläuterungen im Booklet der Janowski-Edition, RCA; Programmheft Palatin Wiesloch, 9.10.2009)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Lieber Gurnemanz,

      vielen Dank für Dein vorzügliches Porträt des großen und hierzulande eher stiefmütterlich behandelten Albert Roussel. :juhu: :juhu:

      Lass mich zunächst Dein Zitat durch Goldbecks Einordnung ergänzen. Dieser stellt Roussel und Schmitt als zwei Komponisten gegenüber, die den Einfluss von Debussy überwinden wollen. Nicht schwer zu erraten, welchem Komponisten er die wirksamen Mittel attestiert. Und Roussel gelingt es in seinen zunächst noch von Debussy beeinflussten Werken - z.B. das bezaubernde Le festin de l'Araignée (Das Festmahl der Spinne) - entwickelt sich ein ganz eigener Stil, häufig merkwürdig unpersönlich, fliehend. Kaum meint man das Geschehen gegriffen zu haben, entzieht es sich (für mich sehr ausgeprägt in der 2. Symphonie ).

      Paul Landormy soll Roussel einmal als "un Debussy ayant le sens du contrepoint" definiert haben. Goldbeck ergänzt: "Ein rebellischer Anhänger Debussys, der im Kontrapunkt Prinzip und Rechtfertigung seiner Rebellion fand.

      Schrieb Roussel immerhin vier Symphonien, bedeutet dies keineswegs eine Rückkehr zur Rhetorik der Romantik. Ganz im Gegenteil. Roussel findet seinen eigenen von Debussy abgeleiteten Stil, der eben dieses Irrlichtige mit sich trägt und die althergebrachten Formen zu neuem Leben erweckt.

      Was Einspielungen anbelangt, sei zunächst auf eine in meinen Ohren unübertroffene Darbietung (zumindest der Symphonien) hingewiesen:




      Marek Janowski mag ja ein guter Dirigent sein, aber mich wundert es weniger, dass die Symphonien lediglich ein "ganz nett" hervorrufen.
      Ganz und gar abraten muss ich von der N.Järvi-Aufnahme bei Chandos. Für mich die unidiomatischste Aufnahme, die ich bisher gehört habe, spätromantischem Tschaikowsky verpflichtet :shake:

      Cluytens, Pretre und Dervaux sind genau die richtigen. Die 3. Symphonie kraftvoll und dennoch sehr francais. Auch das Ballett Bacchus et Ariane gelingt hervorragend.
      Es gibt eine weitere Einspielung mit Dutoit bei Erato, an Frische, Kraft, ja auch Dramatik reicht diese Aufnahme an Prêtre IMO aber nicht heran.

      Roussel schrieb auch eine vielbeachtete Oper: Padmavati. Mir persönlich fehlt der Zugang, daszu mögen sich andere äußern, aber ich denke, ich liege nicht falsch, wenn ich die folgende Aufnahme empfehle:




      Mit von der Partie: Nicolai Gedda und Jose van Dam.


      Ein faszinierender Komponist, den ich mir etwas öfters auf den (Berliner) Spielplänen wünschte.


      :wink:
      Wulf
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Seit Jahren befindet sich in meiner Sammlung eine Doppel-CD mit den vier Symphonien von Albert Roussel (Marek Janowski, Orchestre Philharmonique de Radio France); hin und wieder wandert eine der Aufnahmen in meinen Player: Ich fand die Musik ganz nett, der große Funke ist dabei nie übergesprungen.




      Hallo Gurnemanz,

      auch ich besitze die M.Janowsky -GA der Roussel - Sinfonien. Mir geht es genau wie Dir. Ich hatte mir immer mal vorgenommen auch nochmal die anderen Sinfonien (nicht nur die Sinfonie Ntr.3) etwas intensiver zu hören. Aber ... genau wie bei Dir - der Funke fehlt. Zuerst war ich im Zweifel ob es wirklich an der Aufnahme liegt , die ich eigendlich bei den Sinfonien Nr.1,2,4 gar nicht als so übel empfunden habe.

      Als ich dann die hervorragende Ansermet-Aufnahme (Decca) der Sinfonien Nr.3 und 4, Das Fest der Spinne bekommen habe war der Sachverhalt schon klarer. Leider ist die Aufnahme von 1957 bei den Sinfonien klanglich nicht ganz so berauschend und das Ballett in der Aufnahme von 1954 in Mono nicht nach meinen Klangvorstellungen.



      Decca, 1954/57, ADD



      *** Die Roussel -Sinfonie Nr.3 habe ich auch in der Bernstein-Aufnahme mit dem Orchester National de france, die ich wegen der Frank - Sinfonie d-moll gekauft habe. Mit welcher Emotion und Spielfreude dort die Roussel - Sinfonie Nr.3 interpretiert geht dann doch weit über Janowsky hinaus und macht einen mit Bernstein wunschlos glücklich. So bin ich quasi zunächst bei der Sinfonie Nr.3 hängen geblieben.


      DG, 1984, DDD


      *** Zwei weitere fabelhafte Werke sind Bacchus et Ariane und "Das Fest der Spinne". EMI mit Pretre setzt gegenüber Ansermet dann nochmal einen drauf und ist auch klanglich vom Feinsten ! Diese beiden Ballette sind offenbar in der von Wulf empfohlenen EMI-Doppel-CD enthalten. Ich habe diese als EMI-Einzel-CD - wirklich fabelhaft.


      EMI, 1993, DDD
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Danke für Eure Antworten!

      Wulf schrieb:

      Und Roussel gelingt es in seinen zunächst noch von Debussy beeinflussten Werken - z.B. das bezaubernde Le festin de l'Araignée (Das Festmahl der Spinne) - entwickelt sich ein ganz eigener Stil, häufig merkwürdig unpersönlich, fliehend. Kaum meint man das Geschehen gegriffen zu haben, entzieht es sich (für mich sehr ausgeprägt in der 2. Symphonie ).
      Ja, das ist auch mein Eindruck. Und gerade das macht Roussels musikalische Sprache für mich interessant. Le festin de l'Araignée war übrigens vor langer Zeit meine erste Begegnung mit Roussel, irgendwo west noch auf LP die alte Ansermet-Aufnahme. In meiner Erinnerung leicht und mit viel Schwung, damals zog es mich allerdings mehr zu Schwererem.(=Deutschem).
      Schrieb Roussel immerhin vier Symphonien, bedeutet dies keineswegs eine Rückkehr zur Rhetorik der Romantik. Ganz im Gegenteil. Roussel findet seinen eigenen von Debussy abgeleiteten Stil, der eben dieses Irrlichtige mit sich trägt und die althergebrachten Formen zu neuem Leben erweckt.
      Beim zitierten Goldbeck findet sich die schöne Anmerkung, Roussel wollte nicht wie Debussy Klänge aneinander, sondern Motive übereinander setzen. Das bringt es wohl gut auf den Punkt.

      teleton schrieb:

      Zwei weitere fabelhafte Werke sind Bacchus et Ariane und "Das Fest der Spinne".
      Ersteres ist auf der von mir genannten Naxos-CD enthalten (mit der 3. Symphonie), Letzteres wird Denève sicher noch einspielen. Naxos jedenfalls hat für November die nächste Roussel-Scheibe angekündigt (u. a. mit der 1. Symphonie, Näheres unter "http://www.naxos.com/catalogue/item.asp?item_code=8.570323").

      Wenn man den Janowski einmal wegläßt, so scheint es doch einige gute Aufnahmen der Orchesterwerke zu geben. Erfreulich.
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Orchesterwerke mir Charles Münch

      Hallo Gurnemanz,

      danke für diesen Thread zu A. ROUSSEL, den er hat auch mich angeregt, mich etwas mit diesem Komponisten zu beschäftigen.
      Eine Aufnahme der Sinfonien mit Prêtre, Cluytrens und Dervaux erscheint mir durchaus sehr verlockend. Ich habe mir allerdings gerade nochmal eine Aufnahme der Sinfonien 3 & 4 mit dem "Orch. de l'Ass. des Concerts Lamoureux" unter Charles Münch (rec.1964) angehört und bin absolut begeistert von dem musikalischen Ergebniss. Warum Münch für viele zu den größten Dirigenten des 20. Jahrhundert gehört lässt sich für mich auch an dieser CD mühelos nachvollziehen! Wem das ältere Klangbild nicht abschreckt, dem kann ich diese Aufnahme (ohne einen Vergleich zu kenenn) wärmstens empfehlen. ROUSSEL selber soll die Aufführungen seiner Werke unter Münch übrigends sehr gelobt haben.



      Von den Sinfonien 3 & 4 existiert auch noch ein Konzertmitschnit des "Orchestre National de France" unter C. Münch.


      Von Münch gibt es auch eine Aufnahme der 2. Sinfonie und der Suite "Bacchus et Ariane", die ich aber (noch?) nicht kenne. Sie dürfte ebenso interessant sein, wie die Aufnahme der 2. Sinfonie mit Igor Markevitch. (aktuell wohl nicht greifbar?)
      Erst vor einigen Jahren hat sich C. Eschenbach mit dem "Orchestre de Paris" viele Orchesterwerke ROUSSELs aufgenommen:



      Von diesen kenne ich die Aufnahme der 2. Sinfonie, habe sie aber lang nicht gehört, und kann deshalb hier leider nicht mehr dazu sagen.

      Eigentlich erscheint ja mittlerweile ein eigener Thread zu den Sinfonien (oder zumindest den Orchesterwerken) sinnvoll, mich würden aber auch weitere Informationen zu Klavier- und Kammermusik, Oper und Lied interessieren.

      Gruß pt_concours
      W o h n z i m m e r w e t t b e w e r b:
      Petit concours à la maison... (S. Richter, 1976)
    • Wulf schrieb:


      Lass mich zunächst Dein Zitat durch Goldbecks Einordnung ergänzen. Dieser stellt Roussel und Schmitt als zwei Komponisten gegenüber, die den Einfluss von Debussy überwinden wollen. Nicht schwer zu erraten, welchem Komponisten er die wirksamen Mittel attestiert.


      Hallo,
      für diesen Vergleich dürfte sich wohlauch folgende CD aus der Reihe "Composers in Person" eignen (?), die ich gerade entdeckt habe:



      A. ROUSSEL: Le Festin de L'Araignée op.17, 5 Mélodies
      F. SCHMITT: Klavierquintett op.51, La Tragédiede Salomó op.50

      Gruß pt_concours
      W o h n z i m m e r w e t t b e w e r b:
      Petit concours à la maison... (S. Richter, 1976)
    • pt_concours schrieb:

      Von den Sinfonien 3 & 4 existiert auch noch ein Konzertmitschnit des "Orchestre National de France" unter C. Münch.


      In anderer Verpackung habe ich die und finde sie ganz großartig. Für eine historische Aufnahme finde ich die Tonqualität in Ordnung. Die Interpretation ist sehr packend und mit gut ausbalanciertem Orchester. Aber von Charles Munch kenne ich nichts anderes.

      :wink: Matthias
    • Lieber Burkhard,

      pt_concours schrieb:

      ... mich würden aber auch weitere Informationen zu Klavier- und Kammermusik, Oper und Lied interessieren.

      Dem möchte ich doch gleich nachkommen mit der Vorstellung zweier großformatiger Meisterwerke Roussels aus seiner impressionistischen Phase:

      Dem Triptychon 'Évocations' von 1910/11 sowie dem Opern-Ballett 'Padmâvatî' aus den Jahren 1914-18.

      Anstoßgebend war in beiden Fällen eine ausgedehnte Reise, die der erst kurz zuvor verheiratete Roussel mit seiner jungen Frau im Jahre 1909 zunächst nach Indien, dann nach Ceylon (Sri Lanka), Saigon (Vietnam) und Angkor (Kambodscha) unternahm.

      Bereits auf der Heimreise nach Frankreich begann der Komponist, die Erinnerungen an die Stätten, die ihn am meisten beeindruckt hatten (Ellora, Jaipur, Benares), musikalisch in Form der dreiteiligen 'Évocations' festzuhalten. Gattungsmäßig zwischen einer Orchestersuite (1. & 2. Satz) und einer Kantate mit Solisten und Chor (3. Satz) changierend, vermag der klanglich auf Ravels 'Daphnis et Chloé'-Ballett verweisende "Mischling" mit einer reichhaltigen Palette an sinnlichen schillernden Klängen des großen Orchesters sowie des sehr differenziert eingesetzten Chores (unter anderem mit Chorvokalisen) zu betören.
      Stilistisch steht die Tonsprache und Ästhetik der 'Évocations' - ähnlich wie in der I. Symphonie "Le Poème de la Forêt" (1904-06) - größtenteils noch im Banne Debussys und d' Indys.
      Besonders eindrucksvoll, der von Roussel gespannte Bogen von den dunklen mystischen Klängen des die Höhlentempel von Ellora schildernden 1. Satzes, über das kecke Funkeln im 2., der das bunte Treiben in den Straßen von Jaipur hörbar macht, bis hin zum im Finale des 3. Satzes vom Chor angestimmten Hymnus, welcher die in strahlendem Licht aufgehende Sonne an den Ufern des Ganges begrüßt.

      Die meines Wissens einzige Einspielung des Werkes läßt in puncto differenziertem Orchesterspiel wie erlesener Sangeskultur des erstklassigen Solisten-Ensembles und des Chores keinerlei Wünsche offen. Ergänzt wird das ambitionierte Opus durch das ebenfalls äußerst stimmungshafte frühe Orchesteridyll 'Résurrection'.

      Albert Roussel (1869-1937):
      Résurrection - Symphonisches Präludium nach Tolstoi für Orchester, opus 4 1903 (13:00)
      Évocations - Triptychon für Alt, Tenor, Bariton, gemischten Chor und Orchester, opus 15 1910/11 (45:00)
      Text: Michel Dimitri Calvocoressi
      1. Les Dieux dans l' ombre des cavernes
      2. La Ville rose
      3. Aux bords du fleuve sacré
      Nathalie Stutzmann, Alt; Nicolaï Gedda, Tenor; José van Dam, Bariton;
      Orfeón Donostiarra, Orchestre du Capitole de Toulouse, Michel Plasson
      EMI, 1986, 1 CD




      Wie oben bereits erwähnt, fand die von Roussel unternommene Asienreise auch in seinem einzigartigen Opernballett in 2 Akten namens 'Padmâvatî' (1914-18) ihren Niederschlag und ist damit in einem Atemzug mit etlichen Opern- und Ballettwerken von Komponisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu nennen, die sich verstärkt orientalischen Sujets widmeten:

      - Gustav Holst: Savitri - Eine Episode aus dem Mahabharata / Kammeroper in 1 Akt, opus 25; H 96 1908
      - Ottorino Respighi: Semirâma (Semiramis) - Tragisches Gedicht in 3 Akten, P 94 1908-10
      - Paul Dukas: La Péri - Tanzdichtung / Ballett in 1 Bild für Orchester 1911/12
      - Egon Wellesz: Persisches Ballett - Tanzspiel, opus 30 1920
      - Karol Szymanowski: Król Roger (König Roger) - Oper in 3 Akten, opus 46 1918-25


      Wie in 'Évocations' ist auch in der farbenprächtigen 'Padmâvatî' die Vermischung zweier Gattungen - hier der Oper und des Balletts augenscheinlich, d. h. neben den Gesangsteilen finden sich ausgedehnte Orchestervor- und -zwischenspiele - oftmals von Chorvokalisen begleitet -, die choreographischen Darbietungen ausreichenden Raum bieten.
      Die hoch attraktive Partitur ist gekennzeichnet durch Verwendung indischer Tonskalen, melismenreiche Melodik, eine farbenprächtige Orchestrierung sowie die insbeondere in der letzten Szene ins äußerste gesteigerte ekstatische Rhythmik!

      Meinerseits ebenfalls uneingeschränkte Empfehlung dieser einzigen Gesamtaufnahme unter Leitung Michel Plassons:

      Albert Roussel (1869-1937):
      Padmâvatî -
      Opern-Ballett in 2 Akten, opus 18 1914-18 (1:45:00)
      Libretto: Louis Laloy
      Marilyn Horne, Nicolai Gedda, José van Dam, Jane Berbié, Charles Burles, Marc Vento, Laurence Dale u. a.
      Orfeón Donostiarra, Orchestre du Capitole de Toulouse, Michel Plasson
      EMI, 1982/83, 2 CD




      :wink:
      Johannes
    • Lieber Guerceur,
      prinzipiell keine Einwände, nur würde ich den auf sizilien spielenden und um den Dionysos-Kult kreisenden "König Roger" nicht als "orientalisches Sujet" bezeichnen.

      "Padmâvti" ist insoferne interessant, als Roussel das Werk 1914-1918 komponierte, die Uraufführung aber erst 1923 stattfand - und das Werk wirkt auch vom Stand 1923 noch sehr modern. Das resultiert daraus, dass Roussel öfter Modi anwendete als Dur-Moll-Skalen, und dass seine Klänge ziemlich herb sind. "Padmâvti" ist das Werk Roussels, das den Übergang vom impressionistisch orientierten Anfangsstil zum neoklasszistisch ausgerichteten Stil der zweiten Schaffensperiode vollzieht. Die Basis dieser zweiten Schaffensperiode ist der Rhythmus, wobei der Akkord jedoch nicht der rhythmischen Funktion untergeordnet wird (wie beim "Sacre" und seinen Klonen), sondern es schmiegen sich die horizontalen Linien dem Rhythmus an. Dadurch ist der Satz immer stimmenorientiert und nicht akkordorientiert. Diese polyphone Grundhaltung mit oft grellen Stimmzusammenstößen verleiht Roussels Werken eine sehr frische Aura - in den beiden letzten Symphonien so frisch, daß bis heute einige US-Symphoniker von ihr zehren.

      :wink:
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • RE: Royal Scottish National Orchestra, Stephane Deneve

      Ich habe mir jetzt auch die im ersten Beitrag von Gurnemanz gezeigte NAXOS-CD der Sinfonie Nr.2 mit der Sinfonischen Dichtung Frühlingsfeste (NAXOS , 2006/7, DDD) zugelegt.

      Ich kann nur sagen, dass diese CD wirklich in allen Punkten fabelhaft ist und qualitativ einer Hochpreis-CD gerecht würde. Das Royal Scottish National Orchestra unter Stephane Deneve in Bstform. Und weil der Dirigent wie Albert Roussel in Tourcoing geboren wurde, ist dei Verbundenheit tatsächlich voll spürbar.

      Die NAXOS-CD mit der Sinfonie Nr.3 war gestern in Bonn nicht greifbar, ich habe die aber bestellt. Diese Neuaufnahmen kosten derzeit bei der Gilde-Buchhandlung in BN (neben Bouvier eine der wenigen Klassikadressen) nur 5,-Euro !
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Stéphane Denève

      teleton schrieb:

      Ich habe mir jetzt auch die im ersten Beitrag von Gurnemanz gezeigte NAXOS-CD der Sinfonie Nr.2 mit der Sinfonischen Dichtung Frühlingsfeste (NAXOS , 2006/7, DDD) zugelegt.

      Ich kann nur sagen, dass diese CD wirklich in allen Punkten fabelhaft ist und qualitativ einer Hochpreis-CD gerecht würde. Das Royal Scottish National Orchestra unter Stephane Deneve in Bstform.
      Freut mich, lieber teleton, daß Denèves Rossel bei Dir so gut ankommt. Hoffentlich geht's Dir mit der 3. Symphonie ebenso wie mit der 2.

      Gerade bemerke ich, daß aus der Naxos-Reihe eine weitere CD auf dem Markt und günstig zu bekommen ist:

      - Symphonie Nr. 1 "Le poème de la forêt"
      - Résurrection
      - Le marchand de sable qui passe
      Royal Scottish National Orchestra, Stéphane Denève
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • RE: Roussel 3 und Bacchus et Ariane mit Stéphane Denève

      Hallo Gurnemanz,

      die bestellte NAXOS-CD der Roussel Sinfonie Nr.3 und Bacchus et Ariane mit Stéphane Denève (NAXOS, 2006, DDD), ist gehört. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, das Stéphane Denève mit meiner Bernstein-Aufnahme (DG) bei der Sinfonie Nr.3 mithalten kann. Aber er kann und bietet eine genauso emotioale Deutung wie Bernstein, die beide einfach nur Hörspaß produzieren. Auf jedenfall eine wunderbare Ergänzung zu Bernstein und klanglich ist die Naxos-Aufnahme , wegen des aktuellen Aufnahmedatums, sogar natürlicher eingefangen.
      Auch das wunderbare Ballett Bacchus et Arianeist mit Stéphane Denève auf der Naxos-CD vorbildlich interpretiert. Da ist allerdigs Pretre (EMI) die Nase geringfügig vorne, weil Pretre das Werk etwas spannender mit mehr Durchschlagskraft interpretiert. Das NAXOS-Textheft und die genauere CD-Track-Einteiliung ist aber wiederum besser als bei EMI - der Klang ist bei Beiden ausgewogene Spitzenklasse.


      Naxos, 2006, DDD

      Die von Dir gezeigte Naxos-CD mit der Sinfonie Nr.1 werde ich mir auch irgendwann besorgen. Aber das hat Zeit, weil die Sinfonie Nr.1 nicht gerade das Werk ist, das mich vom Hocker haut - interessant ist die CD warscheinlich auch wegen der weiteren unbekannten Orchesterwerke auf der CD.


      Noch etwas zu den Aufnahmen der Sinfonie Nr.3 und Das Fest der Spinne mit Ansermet (die Abb der CD ist in einem älteren Beitrag vorhanden):
      Meine Ansermet-Aufnahme (Decca, 1956, ADD) ist leider sehr alt und damit klanglich historisch, aber schon eine der ersten Stereo-Aufnahmen. Die Interpretation ist auch fabelhaft und sehr forsch und feurig = Ansermet´s Zeiten: 05:08 - 8:47 - 3.00 - 5:52. Vielleicht die Beste von mir vorliegende und gehörte Interpretation. Aber der Klang läßt dann doch lieber zu Bernstein und ganz aktuell Denève greifen.
      Ich schätze das Werk sehr hoch und höre es mit größter Zufriedenheit
      .
      Auf der Decca-CD mit Ansermet ist auch die GA des Ballettes Das Fest der Spinne enthalten, die diese CD zur TOP-Empfehlung macht. Ebenfalls eine fabelhafte Interpretation und obwohl die Aufnahme von 1954 ist, sogar besser eingefangen als die Sinfonien Nr.3 und 4 auf der CD. l
      In meinem Beitrag vom 19.Oktober hier, hatte ich mich in diesem Punkt falsch erinnert. Jetzt nachdem ich die Aufnahme aktuell gehört habe, war ich um so mehr überrascht. Leider bietet Pretre (EMI) in seiner Aufnahme das Ballett nur in gekürzter Form, sodaß man auf Ansermet gar nicht verzichten kann.


      :D In diesem Zusammenhang fällt mir das Zitat von Bernd im Richard Strauss Oboenkonzert - Thread ein:
      Auch das zweite Hornkonzert liebe ich sehr (dafür würde ich z.b. das Gesamtwerk von Roussel ohne Zögern auf die Schutthalde befördern). Jaja, de gustibus......
      :prost: Das sehe ich genau umgekehrt in Bezug auf die R.Strauss-Bläserkonzerte !
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Danke, Wolfgang, für Deinen aufschlußreichen Hörbericht! Für mich schon deshalb interessant, weil ich bei den Symphonien neben Denève lediglich Janowski kenne (s. o.). Die Naxos-Aufnahme der Ersten nebst den anderen beiden Orchesterwerken (s. o.) habe ich inzwischen durchgehört: Sie gehören alle zur impressionistischen Frühphase Roussels und verbergen ihre Debussy-Nähe nicht: Erfahrbar sind bereits die hohe Meisterschaft in der Orchestration - doch lassen mich diese Werke (auf ebenso hohem interpretatorischem wie aufnahmetechnischen Niveau wie die anderen beiden Naxos-Editionen) merkwürdig kalt, jedenfalls im Vergleich zu dem Spannenden, das folgte.

      Das allerdings nur mein erster Eindruck, den ich ggf. noch relativieren werde.
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Lieber Guercoeur,

      mit reichlicher Verspätung nochmal ein großes Dankeschön für Deinen (wie gewohnt) umfassenden Beitrag. :juhu:
      Besonders die Évocations würde ich gerne kennen lernen. Neben der von Dir emfpohlenen Aufnahme (die auch ohne eigenes Hören alleine durch die Namen großes verspricht) habe ich noch folgende weitere Aufnahme endeckt, die mir ebenfalls lohnend erscheint:



      Leider ist auch diese CD, ebenfalls wie die von Dir empfohlenen Aufnahme, nur noch gebraucht erhältlich.

      Gruß pt_concours
      W o h n z i m m e r w e t t b e w e r b:
      Petit concours à la maison... (S. Richter, 1976)
    • Padmavati mit J.Martinon, G. Souzay, u.a.

      Guercoeur schrieb:



      Wie oben bereits erwähnt, fand die von Roussel unternommene Asienreise auch in seinem einzigartigen Opernballett in 2 Akten namens 'Padmâvatî' (1914-18) ihren Niederschlag und ...

      Meinerseits ebenfalls uneingeschränkte Empfehlung dieser einzigen Gesamtaufnahme unter Leitung Michel Plassons:

      Albert Roussel (1869-1937):
      Padmâvatî -
      Opern-Ballett in 2 Akten, opus 18 1914-18 (1:45:00)
      Libretto: Louis Laloy
      Marilyn Horne, Nicolai Gedda, José van Dam, Jane Berbié, Charles Burles, Marc Vento, Laurence Dale u. a.
      Orfeón Donostiarra, Orchestre du Capitole de Toulouse, Michel Plasson
      EMI, 1982/83, 2 CD





      Hallo,

      gerade habe ich per Zufall folgende (Gesamt?)-Aufnahme entdeckt:



      Kennt jemand hier diese Doppel-CD? Schon der Name von G. Souzay weckt mein Interesse!

      Gruß pt_concours
      W o h n z i m m e r w e t t b e w e r b:
      Petit concours à la maison... (S. Richter, 1976)
    • Zur Martinon-Aufnahme (Padmâvatî) kann ich leider nichts sagen.

      Gerade bemerke ich hocherfreut, daß Naxos die Symphonie-Edition mit Stéphane Denève und dem Royal Scottish National Orchestra jetzt vervollständigt:



      Neben der 4. Symphonie gibt es:
      • Rapsodie flamande op. 56
      • Petite suite op. 39
      • Konzert für kleines Orchester op. 34
      • Sinfonietta op. 52
      Merkwürdig, daß auf keiner der vier Naxos-CDs Le Festin de L'Araignée (Das Fest der Spinne) enthalten ist, immerhin eines der gängigeren Werke Roussels. :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
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      Max Reger
    • Roussel - Sinfonische Werke mit Cluytens und Pretre

      Hallo Roussel-Freunde,

      eine Riesenüberraschung war der Ergänzungskauf der o.g. Roussel-Werke, die ich wegen des mir noch unbekannten Klavierkonzertes, Sinfonietta und den enthaltenen zwei Sinf.Dichtungen und der mir noch in einer klanglich guten Aufnahme fehlende Sinfonie Nr.4 kaufte. Wulf hatte schon hier zuvor die änhnliche EMI-Kopplung empfohlen. Dies ist die Neuausgabe 2010:



      Roussel: Sinfonien Nr.3 und 4, Klavierkonzert, Sinfonietta, Bacchus et Ariane -Ballett, Das Fest der Spinne-Sinfonische Fragmente, Pour un fete de printems op.22 und Resurection op.4.

      EMI, 1963-1984, ADD/DDD



      :thumbdown: Die äußerts desotate und hoch langweilige GA der Sinfonien Nr.1 -4 unter Marek Janowski (RCA) hatte ich mittlerweile verschenkt. :thumbsup: Die Deneuve-Aufnahmen (NAXOS) der Sinfonien 2 + 3, Ansermet bei den Sinfonien nr. 3 + 4 und Bernstein (DG) bei der Sinfonie Nr.3 hatten mir gezeigt, wo es bei Roussel lang gehen muß.



      CD1
      enthält die Sinfonien Nr. 3 und 4 mit dem Dirigenten Andre Cluytens. Die Überraschung war perfekt zu hören mit welch hohem Verständnis Cluytens an die Werke herangeht. Er gestaltet die Sinfonien kraftvoll und läßt dem Zuhörer gar keine Zeit in Langeweile zu verfallen. Das moderne Expressionistische in diesen Partituren wird detailreich herausgearbeitet. Es werden Strukturen hörbar, die bisher keine Aufnahme geboten hat.
      Erstmals wird mir nun klar was der Dirigent Carl Schuricht mit seinem Ausspruch zu den Sinfoninien von Roussel gemeint haben kann: "Ich kenne nicht gleichwertiges seit Beethoven."

      Hier bei Cluytens (meine erste Erfahrung mit diesem Dirigenten) wird für mich erstmals hörbar gemacht, zu welchen begeisterungsstürmischen Zitaten Schuricht gekommen war.

      Die EMI-Klangqualität der Aufnahmen von 1965 ist EMI-typisch für diese Aufnahmezeit in den Höhen etwas scharf und blechern. Das stört mich aber angesichts der fesselnden Super-interpretation durch Cluytens diesesmal gar nicht.

      Das Klavierkonzert in G op.36 ist schon durch die Länge vorgegeben (4:40-7:34-4:46) ein nett anzuhörendes kurzweiliges Konzert mit flinkfüssigen Einsätzen. Hat mir sehr gut gefallen. Auch die Aufnahme von 1969 mit Danielle Laval, Klavier/ Orchestre de paris/J.P.Jacuillat schien mit einwandfrei in der Ausführung und Klangqualität.



      CD2
      enthält die als Einzel-d erhältliche EMI-Hochpreis-CD der Referenzaufnahmen mit Pretre des Ballettes Bacchus et Ariane und Das Fest der Spinne-Sinfonische Fragmente (Aufnahmen von 1984, DDD). Diese CD besitze ich bereits (kann nun abgesetzt werden). Diese beiden TOP-Aufnahmen werden noch durch die Sinfonischen Werke Pour un fete de printems op.22 und Resurection op.4 (hier mit dem Orchester de paris/J.P.Jacquillat und Orchestre Capital de Toluse/M.Plasson) ergänzt, sodass auch CD2 mit 77:52 vollgepackt ist.
      :prost: Für 11Euro kann ich für diese EMI-Doppel-CD meine höchste Empfehlung aussprechen, für die man auch gerne mehr bezahlen dürfte.

      Ich denke da werde ich mir angesichts der Cluytens-Spitzenleistung auch jetzt die letzte Deneuve-Aufnahme (Sinf.Nr.4), die Gurnemanz im Vorbeitrag angekündigt hat, sparen können.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • RE: Roussel - Sinfonische Werke mit Cluytens und Pretre

      teleton schrieb:

      :thumbdown: Die äußerts desotate und hoch langweilige GA der Sinfonien Nr.1 -4 unter Marek Janowski (RCA) hatte ich mittlerweile verschenkt.
      Ich ebenfalls. :)
      Diese CD besitze ich bereits (kann nun abgesetzt werden).
      Interessant.
      Ich denke da werde ich mir angesichts der Cluytens-Spitzenleistung auch jetzt die letzte Deneuve-Aufnahme (Sinf.Nr.4), die Gurnemanz im Vorbeitrag angekündigt hat, sparen können.
      Die ist heute bei mir eingetroffen. Stéphane Denève (vermutlich nicht verwandt mit Catherine Deneuve :D ) soll übrigens demnächst, wie ich dieser Tage gelesen habe, Nachfolger von Sir Roger Norrington als Chefdirigent des Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR werden, das nur am Rande.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
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      Max Reger
    • Nochmals Stéphane Denève: Eben sehe ich, daß Naxos in Kürze die bislang eingespielten Roussel-Einspielungen (s. o.) im günstigen Viererpack herausbringt:



      Höchst empfehlenswert!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
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      Max Reger
    • Schade, denn das ist das Zeichen, daß das Roussel-Projekt abgeschlossen ist. Ich habe inständigst auf die "Evocations" gehofft, ein frühes Werk, das ein seltsamer Zwitter von impressionistischer Klanglichkeit und relativ kantiger Theamatik ist, also über das "Festin de l'Araignée" hinausgeht, aber noch nicht bei "Padmâvatî" ankommt.
      Muß man das überhaupt haben?
      Ja, natürlich, von Roussel muß man schließlich alles haben... :D
      :wink:
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)