Ralphs Versuche

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Informationen zum Capriccio-Verein als Betreiber des Forums finden sich hier.
    • ralphb schrieb:

      (Für neue Musik wäre es auch toll, wenn man die Naturtöne 7 und 11 zur Verfügung hätte... vielleicht mit einem vierten Pedal?)
      Hab jetzt immerhin eine ganz gute Software gefunden, mit der ich von meinem Klavier per MIDI abnehmen kann und die Stimmung nach Belieben einstellen.
      Als erster Klangeindruck eine ganz kleine (1/2 Minute) etwas zurecht gelegte Impro. Die Stimmung ist nicht temperiert, sondern beinhaltet 12 Töne, die nur durch Schichtung reiner Intervalle entstehen. Sie ist so angelegt, dass genau vier reine (Natur-)Septakkorde zur Verfügung stehen. Mal schauen, was sich damit komponieren lässt.
      Ein richtiges (nicht fahlsches) Klavier, also ein akustisches Instrument, wäre natürlich toller...


      bernardynet.de/35gradhitze.mp3
    • ralphb schrieb:

      Die Stimmung ist nicht temperiert, sondern beinhaltet 12 Töne, die nur durch Schichtung reiner[...]
      Intervalle??
      [...]entstehen. Sie ist so angelegt, dass genau vier reine (Natur-)Septakkorde zur Verfügung stehen.
      Darf ich fragen, welche Grundtöne die 4 Akkorde haben?

      Die Beispiele klingen ja recht nett...! :pfeif:

      Gruß,

      Normann
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Ups, ja, Intervalle natürlich.

      Die Grundtöne sind B, F, A und D.
      Mir gefällt die Stimmung ziemlich gut, auch wenn's durch die vielen Septimen und die Quintbeziehungen leicht spätestromantisch bis jazzig klingt.
      Die nächste Stimmung besteht aus drei Akkorden mit Naturton 11 (Alphorn-fa), auch recht spannend.
    • Danke, das klingt interessant! Ich werd's mir mal ausleihen.

      Hatte mich übrigens geirrt, Kirnberger erwähnt die Naturseptime – allerdings im Zusammenhang mit der übermäßigen Sexte, die in reiner (und mitteltoniger) Stimmung fast gleich intoniert wird.
    • ralphb schrieb:

      Hatte mich übrigens geirrt, Kirnberger erwähnt die Naturseptime – allerdings im Zusammenhang mit der übermäßigen Sexte, die in reiner (und mitteltoniger) Stimmung fast gleich intoniert wird.
      Reine und mitteltönige Stimmung beziehen sich meines Wissens doch auf Stimmungen von Tasteninstrumenten, die aber nur 12-tönig gestimmt sind, d. h. C-Ais (übermäßige Sexte) und C-B (kleine Septime) klingen doch hier ohnehin immer gleich, dh. wenn das erstere klanglich eine Naturseptime ergibt, so tut es auch das letztere.

      Oder habe ich da etwas falsch verstanden??
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Bei nicht-temperierter Stimmung gibt es eben nur eine Möglichkeit, entweder ist es eine übermäßige Sexte oder eine kleine Septime.

      Auf einem mitteltönig gestimmten Instrument mit nur 12 Tasten gibt es z. B. keine Septime B-As, da As als Gis gestimmt ist. Das Intervall klingt also ganz anders als die Septime C-B, die wirklich eine ist.

      Mit Tasten hat das erstmal nichts zu tun, auch Gamben und Lauten stimmt man meist mitteltönig (oft 1/6-Komma).
    • Vielen Dank, sehr interessant!

      Ist aber bei aller Kunstfertigkeit des Themas und seiner Engführungsmöglichkeiten denn nicht äußerst bemerkenswert, dass Bach in der Exposition der allerersten Fuge ganz gegen die Regel die dritte Stimme auf der V. Stufe einsetzen lässt? Die I. Stufe wäre eigentlich dran ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Es klingt mE musikalisch durchaus ansprechend, und hat einen "abschließenden" Effekt, wenn die letzte Stimmeinsatz der Exposition auf der Tonika und zudem noch in der Basstimme erfolgt. Vielleicht empfand Bach das ja ähnlich und vertauschte daher auf den letzten beiden Stimmeneinsätzen Tonika und Dominante... :pfeif:
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Es klingt mE musikalisch durchaus ansprechend, und hat einen "abschließenden" Effekt, wenn die letzte Stimmeinsatz der Exposition auf der Tonika und zudem noch in der Basstimme erfolgt. Vielleicht empfand Bach das ja ähnlich und vertauschte daher auf den letzten beiden Stimmeneinsätzen Tonika und Dominante...
      Wenn es überzeugender wäre als der Normalfall, warum hat er es nicht öfter gemacht?

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • EinTon schrieb:

      Es klingt mE musikalisch durchaus ansprechend, und hat einen "abschließenden" Effekt, wenn die letzte Stimmeinsatz der Exposition auf der Tonika und zudem noch in der Basstimme erfolgt.
      Am Schluss des Werkes - gerne. Vor allem "letzte Einsätze im Pedal" sind bei Fugen für Orgel sehr wirkungsvoll. (z. B. BWV 540, 542, 545, 552; grandios natürlich in BWV 547).

      Aber am Ende einer Fugenexposition bedarf es mMn keiner "Schlusswirkung"? Häufig gibt's ja noch die "quinta vox".

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Die Folge Dux-Comes-Comes-Dux, d.h.: authentisch-plagal-plagal-authentisch ist aus modaler Perspektive bei der gegebenen Einsatzreihenfolge (Alt-Sopran-Tenor-Bass) eigentlich die reguläre: Sopran und Tenor sind ja Stimmen, die im Oktavabstand auseinander liegen. Wenn der Sopran plagal ist, ist es der Tenor auch. Zugegeben, bei Bach gibt es diese Einsatzreihenfolge nicht überaus häufig (wenngleich sie z. B. Albrechtsberger direkt als zweite Möglichkeit unter den guten und gängigen erwähnt, sie ist also keinesfalls ungewöhnlich), und Bach setzt zuweilen außerdem eine Lücke zwischen Tenor und Bass. Z. B. in der von EinTon erwähnten f-Moll-Fuge (Band I) Dux/authentisch (T) - Comes/plagal (A) - Dux/authentisch (B) - Dux/authentisch (S). Diese Folge Dux-Comes-Dux-Dux gibt's auch in der fis-Moll-Fuge im selben Band. Da fehlt quasi eine Quinta Vox zwischen Tenor und Bass, die dann als 5. Einsatz in T. 19 hinzutritt.

      Ich glaube, in Tonarten (Tonika und Dominanttonart) zu denken, ist zu modern gedacht, die Stimmeinsätze müssen auch nicht in den jeweiligen Tonarten stehen. Das sieht man ja gerade in dieser ersten Fuge sehr gut.
    • ralphb schrieb:

      zabki schrieb:

      ralphb schrieb:

      außerdem auch eine Rubrik mit Musiktheorie mit z. B. einer bereits ziemlich ausführlichen Einführung zum Thema Kadenzen.
      schöne Texte - habe sie mit Gewinn gelesen! danke!
      Falls es jemanden interessiert: es gibt wieder einen neuen, über Bachs erste Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier: bernardynet.de/index.php?id=musiktheorie&thema=bwv8461
      Auch mein Kadenzkapitel habe ich jetzt weiter geschrieben und ergänzt um die Kadenz in der Klassik: bernardynet.de/index.php?id=musiktheorie&thema=kadenz12
      Einige Stücke Haydns habe ich zur Demonstration gewählt und unter bestimmten Gesichtspunkten etwas genauer analysiert. Eure Gedanken zu diesem Thema würden mich natürlich auch interessieren.
    • ralphb schrieb:

      Das untemperierte Clavier – mit Ober- und Untertönen:

      soundcloud.com/ralph-bernardy/…9CGYd36reTcY0eR9-CwMQn8oI

      Preisfrage: Von welchem historischen Vorbild inspiriert ist die Notation?

      untemp1 - Score.pdf
      Wer genau den Anfang gemacht hat mit der Notation, weiß ich nicht, aber im Netz gesehen habe ich die Notation bei Iwan Wyschnegradsky und mir dann auch eine CD zugelegt. Ein weiterer wichtiger Name wäre Alois Haba.

      Übrigens ist Dein Stück recht attraktiv, da es den Effekt sehr durchdacht einsetzt.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.