Ralphs Versuche

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • andréjo schrieb:

      Übrigens ist Dein Stück recht attraktiv, da es den Effekt sehr durchdacht einsetzt.
      Danke, freut mich, dass das so rüberkommt!
      Die mikrotonale Notation ist von Marc Sabat und Wolfgang von Schweinitz entworfen. Haba und Wyschnegradsky hatten ja einen ganz anderen Ansatz, der auf der weiteren äquidistanten Unterteilung der gleichstufigen Skala beruht.
      Aber ich meinte noch etwas anderes: die rhythmische Notation ohne Takt und mit Bögen, die angeben, wie lange der Ton gehalten werden soll, hat ein viel älteres Vorbild.
    • ralphb schrieb:

      Aber ich meinte noch etwas anderes: die rhythmische Notation ohne Takt und mit Bögen, die angeben, wie lange der Ton gehalten werden soll, hat ein viel älteres Vorbild.
      achso, das dürfte das "Prélude non mesuré" (L. Couperin u.a.) sein.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • zabki schrieb:

      ralphb schrieb:

      Aber ich meinte noch etwas anderes: die rhythmische Notation ohne Takt und mit Bögen, die angeben, wie lange der Ton gehalten werden soll, hat ein viel älteres Vorbild.
      achso, das dürfte das "Prélude non mesuré" (L. Couperin u.a.) sein.
      Genau. Nur nicht Couperin, der verwendet ja nur "ganze Noten".

      Scherzo schrieb:

      Generiert aus dem Notationsprogramm?
      Klingt es so? :whistling:
      Nein, es ist schon selbst eingespielt, aber mit Midi-Ausgang am Klavier und durch die Klaviersimulation gejagt, die verschiedene (selbst definierbare) Stimmungen erlaubt. Ein echter, akustischer Instrumentalklang würde das Ganze natürlich nochmal aufwerten...
    • ralphb schrieb:

      Nein, es ist schon selbst eingespielt, aber mit Midi-Ausgang am Klavier und durch die Klaviersimulation gejagt, die verschiedene (selbst definierbare) Stimmungen erlaubt. Ein echter, akustischer Instrumentalklang würde das Ganze natürlich nochmal aufwerten...
      Also ist es "lediglich" eine exotische Stimmung für 12 Töne? Da hatte ich aus der Partitur aber mehr rausgelesen. Da sieht es doch so aus, als ob es mehr als 12 verschiedene Töne in der Oktave gibt. (Ist natürlich ein bisschen schwer zu erkennen, weil ich die Notation nicht wirklich verstehe.). Vielleicht kannst du das mal ein bisschen näher erklären.
    • Du hast richtig gelesen, es sind doppelt so viele (24). Man kann mit dem linken Pedal zwischen Ober- und Untertönen umschalten. Das Stimmungssystem muss man sich so vorstellen:

      F#–C#
      | –– |
      D – A – E
      | –– |
      B – F – C – G – D
      –––––– | –– | –– |
      ––––––Ab–Eb–Bb
      ––––––––––|–––|
      –––––––––CbGb

      Horizontal sind reine Quinten, vertikal reine Terzen. Das C ist also die Spiegelachse. Das Fis bspw. hat immer zwei Pfeile nach unten, da es zwei syntonische Kommata tiefer ist, als es als Quinte in der "Normalreihe" (Mitte) wäre. Das Ces hat hingegen zwei Pfeile nach oben.

      Dazu muss man sich noch eine dritte (Tiefen-)Dimension mit Septimen vorstellen, von B, F, D, A sowie entsprechend Unterseptimen von G, D, Es, B aus. Sie haben eine 7 respektive eine umgekehrte 7 (für die Unterton-Septime) vor der Note.
    • ralphb schrieb:

      Die mikrotonale Notation ist von Marc Sabat und Wolfgang von Schweinitz entworfen. Haba und Wyschnegradsky hatten ja einen ganz anderen Ansatz, der auf der weiteren äquidistanten Unterteilung der gleichstufigen Skala beruht.
      So genau kenne ich mich nicht aus - von daher danke für die Anregung zur weiteren Befassung!

      ralphb schrieb:

      Ein echter, akustischer Instrumentalklang würde das Ganze natürlich nochmal aufwerten...
      Der dürfte nur mit kühnem Aufwand zu bewerkstelligen sein. Eigenwillige Instrumente, auf denen man etwa Wyschnegradsky spielen konnte, wurden ja vor rund hundert Jahren mal vorübergehend als Prototypen gebaut.

      Aber Dein konkretes Ergebnis klingt schon mal nicht schlecht, auch rein technisch.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ja, die Technik ist erstaunlich weit fortgeschritten. Aber es bleibt immer ein Rest "Kälte" für mein Empfinden. Meine Zukunftsidee ist Musik für Cembalo (mit 24 oder mehr Tasten pro Oktave, gibt es bereits viele Nachbauten). Auch Theorbe, Laute, Gambe – aufgrund der individuell verteilbaren Bünde – und natürlich die menschliche Stimme sind sehr geeignet für mikrotonale Musik.

      Noch ein Beispiel, um in die Notation und Stimmung reinzukommen: Am Anfang erklingt eine "Septimen-Terz" (10/7) As-C. Für sich alleine klingt sie sperrig, wie eine zu große, also verstimmte Terz. Wenn als nächster Ton das B hinzukommt, verändert sich (zumindest in meiner Wahrnehmung) ihre Qualität: da beide Töne zum B konsonieren, verschmelzen As und C zu einem ein kommensurablen Intervall. D und Fis treten als (reine) Terzschichtung zum B hinzu. Beim nächsten Anschlag verfärbt sich der Akkord: Sein Konsonanzgehalt bleibt in etwa gleich, aber Konsonanzen und Dissonanzen verschieben sich innerhalb des Klangs. Das As wird konsonant zum C, dafür dissonanter zum B. Das Ges bildet eine verminderte Quarte zum D, ist aber konsonanter zum B, usw.

      Solche Effekte sind ihrem Wesen nach uralt; vertraut jedem, der sich mit Musik vor 1700, also vor den wohntemperierten Stimmungen beschäftigt. Ein bisschen was dazu hatte ich hier bei Capriccio mal geschrieben.
    • ralphb schrieb:

      F#–C#
      | –– |
      D – A – E
      | –– |
      B – F – C – G – D
      –––––– | –– | –– |
      ––––––Ab–Eb–Bb
      ––––––––––|–––|
      –––––––––CbGb
      Hallo Ralph,
      die Terz C-E müsste doch auch rein sein, ebenso die Quinte Cb-Gb, oder?
      Für reine Stimmungen habe ich gerade ein offenes Ohr :)
      Du hast nur die reinen großen Terzen gekennzeichnet, aber es entstehen automatisch ja auch reine kleine Terzen und Dur/Moll-Akkorde (D-Dur, A-Dur, B-Dur, bis hinunter zu Ces-Dur), ohne dass ich in den Noten nachgesehen hätte, ob dergleichen tatsächlich verwendet ist.
      Hast du einen besonderen Grund für den gewählten Aufbau der reinen Intervalle, oder ist das einfach nur mal ein Experiment?

      Zur Realisierbarkeit selbst gewählter Stimmungen mache ich mir häufig Gedanken. Ein Herzenswunsch wäre ein irgendwie programmierbares Tasteninstrument, mit dem man z.B. alte Musik (Gesualdo!) rein spielen könnte, zum Beispiel für die Arbeit mit einem Chor. Technisch halte ich das durchaus für machbar, und dein Beispiel gibt meiner Hoffnung Auftrieb, dass ich das noch erleben werde. Sehr interessant!
      Gruß,
      Khampan
    • Khampan schrieb:

      Ein Herzenswunsch wäre ein irgendwie programmierbares Tasteninstrument, mit dem man z.B. alte Musik (Gesualdo!) rein spielen könnte
      der Musikwissenschaftler Martin Vogel (+2007) hat sein Leben der Förderung der reinen Stimmung
      (teils auch mit Naturseptimen) gewidmet, er hat auch diverse Instrumente einschl. Tasteninstr. gebaut.
      Aber heute haben sich durch Digitalisierung die Möglichkeiten sicher geändert.

      Art. in Wikip. leider unbefriedigend:

      de.wikipedia.org/wiki/Martin_Vogel_(Musikwissenschaftler)

      außerdem in Wikip:

      Mit entsprechender Computer-Software können Tonhöhenveränderungen bei geeigneten Keyboards so programmiert werden, dass mit 12 Tasten pro Oktave ein reines Intonieren ermöglicht wird.Dieses Ziel verfolgte der [i]Tonalizer, der 1987 auf der Musica-Messe in Hamburg vorgestellt wurde und auch Mutabor, ein Computerprogramm, das an der Technischen Universität Dresden entwickelt wurde.[/i]

      de.wikipedia.org/wiki/Reine_Stimmung_bei_Tasteninstrumenten
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Khampan schrieb:

      die Terz C-E müsste doch auch rein sein, ebenso die Quinte Cb-Gb, oder?
      Genau, hab bloß die Striche vergessen.

      Khampan schrieb:

      Du hast nur die reinen großen Terzen gekennzeichnet, aber es entstehen automatisch ja auch reine kleine Terzen und Dur/Moll-Akkorde (D-Dur, A-Dur, B-Dur, bis hinunter zu Ces-Dur), ohne dass ich in den Noten nachgesehen hätte, ob dergleichen tatsächlich verwendet ist.
      So ist es! Ich verwende auch Terzschichtungen dieser Art, aber als Bestandteil komplexerer Akkorde.

      Khampan schrieb:

      Hast du einen besonderen Grund für den gewählten Aufbau der reinen Intervalle, oder ist das einfach nur mal ein Experiment?
      Für mich ist der Aufbau wie ein "Thema", er steht am Anfang jeder Komposition von Neuem zur Disposition. (Ich kann mich natürlich aber auch dazu entschließen, mehrere "Variationen über ein Thema" zu schreiben.)
      Der hier gewählte Aufbau folgt einerseits dem Prinzip, möglichst viele unmittelbar aufeinander bezogene Töne (sprich: reine Intervalle mit einfachem Verhältnis) zu erhalten; andererseits reizte mit die Spiegelung am Ton c, sodass für jeden Oberton-Klang ein Unterton-Pendant existiert. Die Klanglichkeit ist durch die zweifache Terzschichtung zudem dominiert von "reinen" verminderten Quarten (fis-b, cis-f, g-ces, d-ges) bzw. übermäßigen Quinten.

      Die von euch erwähnten Instrumente verfolgen ja das Ziel, Dur-/Moll-Tonalität rein wiederzugeben. Eine post-tonale Musik hingegen setzt sich den Tonvorrat immer selbst: es können 6 Töne sein oder 556. Die Zahl zwölf ist jedenfalls völlig willkürlich.