MOZART: Così fan tutte – Kommentierte Diskographie

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    • MOZART: Così fan tutte – Kommentierte Diskographie

      Meine Lieben,

      Das mozartische "Bäumchen, Bäumchen, wechsle dich" liegt in zahlreichen, vielfach hervorragenden Aufnahmen vor, die alle italienisch gesungen sind. Da wir an anderer Stelle aber auch das Problem der deutschen Versionen berührt haben, sei darauf hingewiesen, daß es auch von der "Cosi" (nicht nur) eine ausgezeichnete Einspielung in deutscher Sprache gibt, die mir in folgender Version vorliegt:



      Diese Mono-Rundfunkaufnahme des NDR von 1953 hat Relief 2003 neu herausgebracht und das in sehr guter Tonqualität. Walhall und Cantus Classics folgten etwas später.

      Daß Hans Schmidt-Isserstedt ein führender Mozartdirigent war, ist vermutlich weniger bekannt, als er es verdient. Hier zeigt er sehr schön, daß er jener Nachkriegsrichtung huldigte, die Mozart von Rokokoassoziationen befreien wollte. Nur schade, daß der - an sich sehr überzeugenden - "Versachlichung" auch Despinettas Arie "Nur ein Mädchen von fünfzehn Jahren" geopfert wurde. Vielleicht wollte man aber auch Edith Orovez in diesem Ensemble nicht zuviel Gewicht verleihen. Die gebürtige Ungarin singt sauber, aber ein wenig zu konturenlos oder besser: neutral. Ihre Kammerjungfer bleibt in jeder Hinsicht eine Nebenfigur, fügt sich aber trotzdem gut in die Gesamtheit. Denn der Zusammenklang und die Abstimmung der Stimmen aufeinander galten bei dieser Aufnahme offenbar als vorrangig. Horst Günther als Guglielmo verfügt über einen sympathischen, aber nicht besonders herausragenden Bariton, kommt jedoch in den Ensembles vorzüglich zu Geltung. Susanne Danco singt eine etwas dunklere Fiordiligi als meine Wiener Ohren gewöhnt sind, ist gut, vermittelt teilweise sogar außerordentliche Momente. Auch Ira Malaniuk, die Dorabella, braucht ein bißchen Anlaufzeit, um zu großer Form aufzulaufen. Kaum singen die Damen aber im Duett, tut sich der Opernhimmel auf. In solistischer Hinsicht beeindrucken eher Rudolf Schock als Ferrando und Benno Kusche als Don Alfonso. Beide zeigen sich noch im Zenit ihres stimmlichen Vermögens.

      Was die Sprache betrifft: Natürlich ist die deutsche Version der italienischen unterlegen, doch artikulieren die Sänger vorbildlich, und namentlich für diejenigen Hörer, die mit dem Inhalt der Oper nicht so vertraut sind, bleibt es ein unleugbarer und sicher nicht zu unterschätzender Vorteil, daß die Handlung weniger distanziert erlebt wird. Das geht sogar mir so, obwohl ich mir einbilde, mit dem Werk vertraut zu sein.
      Die Aufnahme kommt insgesamt, sehen wir vom Sprachfaktor ab, nicht ganz die oberste Spitze heran, ist von dieser aber auch nicht weit entfernt. "Cosi"Freunden kann ich sie nur wärmstens ans Herz bzw. Ohr legen.

      Liebe Grüße
      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Lieber Waldi!

      Für mich ist eine der schönsten Aufnahmen diese hier

      Nummer 1:



      wobei ich bemerken muss, dass das Cover bei der LP Gesamtaufnahme schöner und einfallsreicher war.

      Dicht gefolgt von

      Nummer 2:



      Fritz Busch, der in Glyndebourne die Festspiele organisierte, hatte immer erstklassige Mozartsänger engagiert.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter. :wink: :wink:
    • Endlich mal ein "Cosi fan tutte"-Thread hier bei Carpriccio. Da will ich mich doch auch gleich mit zwei Empfehlungen anschließen. Da ich ja zu den Leuten gehöre, die Oper nicht nur hören, sondern auch sehen wollen, sind es natürlich zwei DVDs:

      Zum einen diese schwedische Aufführung aus dem Stockholmer Drottningsholm-Theater in der Regie von Willy Decker und unter der musikalischen Leitung von Arnold Östman aus dem Jahr 1984:





      Diese Produktion gehört zu dem Zyklus von Mozart-Aufführungen aus Drottningsholm, die Chefdirigent Östman in den 80er Jahren realisierte und die mittlerweile alle (z.T. sogar recht preisgünstig) auf DVD vorliegen. Diese COSI scheint mir eine der gelungensten. Was zunächst auffällt, ist die ungeheure Geschwindigkeit. Östman braucht nur 139 Minuten für die Oper (ok, ein paar kleinere Kürzungen gibt es wohl). Trotz dieses Geschwindigkeitsrekords wirkt das Ergebnis zumindest für meine Laienohren nie gehetzt, und auch das bravouröse schwedische Ensemble (nur der Alfonso wurde mit Enzio Florimo "italienisch" besetzt) kommt mit Östmans Tempo bestens zurecht. Wer sonst bei der COSI insgeheim vielleicht doch mal die eine oder andere Länge verspürt hat, sollte sich unbedingt Östmanns Frischzellenkur zu Gemüte führen: Die 139 Minuten vergehen wie im Fluge. Dazu trägt auch die Regie von Decker bei, der die Handlung im 18. Jahrhundert belässt, interpretationsmäßig nicht sehr tief schürft, aber so viel Spielwitz aus seinen Darstellern herauskitzelt, dass es das reine Vergügen ist.

      Besonders charmant ist Deckers Bebilderung der Ouvertüre: Da erlebt man nämlich die sechs Sänger, wie sie mit Bus oder Fahrrad in Alltagsklamotten zum Opernhaus fahren, sich in ihre historischen Kostüme werfen, miteinander scherzen, auf die Bühne sprinten und schon geht es los mit dem Beginn des ersten Aktes. Glänzend gemacht, und von eben diesem Schwung ist die ganze Aufführung erfüllt.


      Ebenfalls hervorragend die Produktion unter Gardiner von 1992:





      Über Gardiners Qualitäten als Dirigent muss man kein Wort mehr verlieren, überraschend ist, dass er sich hier auch als begabter Regisseur erweist. In jeder Szene zeigt sich, wie gründlich Gardiner sich mit dieser Oper beschäftigt hat. Auch er belässt die Oper im historischen Gewand, nimmt sich wesentlich mehr Zeit (193 Min.), ist aber ebenso wie Decker weit entfernt von ödem Rampensingen, sondern zeichnet ausserordentlich sensible Charakterporträts, vor allem von Fiordigili und Dorabella. Auch hier eine schauspielerisch wie sängerisch erstklassige Besetzung, aus der Rodney Gilfrey (Alfonso) als Star keineswegs herausragt. Das atmosphärisch wunderschöne Bühnenbild ist ein weiteres Plus. (Leider ist die DVD-Aufzeichnung bzw. Bearbeitung technisch nicht einwandfrei ausgefallen, so dass die Bildqualität etwas zu wünschen übrig lässt. Hier wäre eine verbesserte Neuauflage ein echter Gewinn.)
    • Lieber Peter,
      bevor ich meine Aufnahmen aus dem Schrank nehme, um die Lieblingsbesetzungen zu notieren, beantrage ich für deine Meldung eine Verdoppelung aller nur möglichen Punkte. Neben dem Don Giovanni vom selben Ort zählt für mich diese Cosi (trotz kleiner - überhörbarer - Schwächen) zu einer der ewiggültigen Referenzaufnahmen.

      Herzliche Grüße
      Michael

      PS in diesem Zusammenhang an alle: es gibt von den Salzburger Festspielen eine (halblegale) Aufnahme mit Luigi Alva als Ferrando. Hat sie jemand und kann sie mir überspielen ? Das Danke dafür kommt schon jetzt.
    • Gesehen haben sollte man meiner Ansicht nach die folgende DVD:



      Ein Mitschnitt des Festivals Aix-en-Provence, in der Inszenierung von Patrice Chereau. (Die Produktion war auch in Paris und am Theater an der Wien zu sehen). Es singen Elina Garanca, Erin Wall, Barbara Bonney, Stèphane Degout, Shawn Matthey, Ruggero Raimondi, dazu der Arnold Schoenberg Chor und das Gustav Mahler Chamber Orchestra unter Leitung von Daniel Harding.

      Die Inszenierung ist eine Lehrstunde in durchdachter und exakt durchgeführter Schauspielerführung - was Chereau hier erdacht und mit den Sängern erarbeitet hat, ist sensationell. Der Ansatz Chereaus ist für diejenigen, die "Così" vor allem als leichte buffa verstehen, sicher gewöhnungsbedürftig. Wer aber immer schon den Ernst und das tief Traurige hinter der Buffo-Fassade gesehen hat, wird sich hier gleich zu Hause fühlen. So vielschichtig und ernst, komisch und traurig wird diese Oper selten geboten. Am Ende der Geschichte stehen sechs verlorene Gestalten auf der Bühne, einsam und desillusioniert, verzweifelt und bis ins Mark getroffen. Mozart und Da Ponte beim Wort genommen.

      Auch musikalisch wird einiges geboten. Harding versteht sich auf seinen Mozart, die Sänger sind durchweg gut bis sehr gut, allen voran Elina Garanca als Dorabella. Raimondis Stimme merkt man sein Alter an, aber das macht er durch seine Bühnenpräsenz und sein Spiel mehr als wett.
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Gönnenwein und Jacobs

      Liebe Freunde, ich will es mal wie alle machen.

      Die Einspielungen, die ich sehr mag, sind folgende:



      1. Jacobs! Jacobs? Jacobs!!! Was ist dazu noch zu sagen? Ich kenne diese Einspielung seit dem Tag, an dem sie (hier im Westen) erschienen ist. Denkt Euch die schmucksten Lobeshymnen mit gewissenloser Aneinanderreihung von beliebten und begehrten Epitheta und Epiklesen wie "Durchhörbarkeit bis zur Analytikphobie", "Musikalisches Theater der Sonderklasse", "Ausfallfreie Sängerbesetzung, die allerhöchsten Ansprüchen genügt" u. dergl.

      Jacobs "Don Giovanni" klingt NOCH aggressiver, sein "Figaro" ist trotz einer zweifelhaften Susanna im Gesamtbild einheitlicher, aber hier, in der "Cosi", ist eine ... ja, gewisse "Aufbruchsstimmung" zu hören, die alle Beteiligten in einem nicht mehr dagewesenen Maße beflügelt zu haben scheint. Auch wenn Jacobs bisweilen mir unverständliche Temporückungen vorlegt, langweilig wird mir auch beim tausendsten Hören nicht. Und Euch ebenfalls wohl kaum.


      2. Gönnenweins Ludwigsburger "Cosi", deren Cover ich nirgends als beim großen Internetauktionshaus finde (auf welches ich wiederum nicht verlinken mag), ist in deutscher Sprache aufgezeichnet. Und zwar im Studio, nicht, wie man annehmen könnte, auf der Bühne mitgeschnitten. Joachim Kaiser plädiert im Booklet sehr hübsch für die Da Ponte-Opern auch (zumindest auch) in deutscher Sprache.

      Die Männerstimmen sind durchweg überzeugend besetzt. Andreas Schmidt und der verstorbene Deon van der Walt (um Gottes Willen, der wurde ja auch erschossen, aber diesmal nicht von mir!!) lassen echte Glücksgefühle zu. Hans Georg Ahrens und meine Landsmännin Julie Kaufmann sind ein "Dienerpaar" von durchaus beachtlichen Gnaden. Nur die beiden betrogenen und betrügenden Damen machen auf mich keinen ganz genauso guten Eindruck. Daher möchten alle, die ihre Namen gleichwohl wissen mögen, dies selbst gern in Erfahrung bringen. Ich bin da gentle, Man!

      Gönnenwein dirigiert inspiriert (und zwar von den richtigen Gottheiten!), belebt und flüssig, wenn freilich auch ohne jenen guten Argumente, die die historisch Informierten auf ihrer Seite haben.

      Diese beiden Aufnahmen ergänzen sich mir äußerst angenehm. Ich hoffe, meine dürftigen Ausführungen konnten von gewisser Hilfestellung sein...

      Mit lieben Schüssen in die Runde,

      Der Mann, der Liberty Valance erschoß

      "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

    • Meine Lieben,

      Unter den älteren Einspielungen finde ich mehrere, die ich zu meinen besonderen Lieblingen zähle, aber auch unter den jüngeren gibt es solche, denen ich aus Überzeugung Favoritenstatus zuerkenne. Neben der noch immer zu wenig bekannten Aufnahme von Bertrand de Billy (für mich einer der bedeutendsten Operndirigenten der Jetztzeit) ist es vor allem diese Aufführung, die 1992 konzertant in Budapest stattfand. Sie liegt jetzt in einer preisgünstigen Edition von Brilliant Classics vor und vereinigt ein hochkarätiges internationales Ensemble:




      Nach kurzem Anlauf erreicht diese Version wiederholt Spitzenniveau. Dabei sind die beteiligten Künstler bei uns nicht durchwegs geläufig. Soile Isokoski, die Fiordiligi, ist uns Wienern natürlich bestens bekannt. Inzwischen hat sie ihre beste Zeit schon hinter sich, hier aber spielt sie noch alle ihre Qualitäten aus, wie überhaupt die Damen besonders brillieren. Isokoski ist Finnin, und aus diesem Land kommt auch die Dorabella: Monica Groop. Sie harmoniert bestens, und die gebürtige Kanadierin Nancy Argenta als als köstlich freche Despina hält das hohe Niveau. Der Holländer Huub Claessens ist eine Luxusbesetzung für den Don Alfonso und seinem Kollegen Kwangchul Youn, der diese Rolle unter Bertrand de Billy singt, klar überlegen. Der Norweger Per Vollestad ist ein guter Guglielmo, gut, wenngleich den anderen Mitwirkenden nachzureihen, ist auch Markus Schäfer als Ferrando. An einen Mozart-Tenor wie Blochwitz kommt er zwar nicht ganz heran, aber er singt mit Geschmack und Gefühl und verfügt über das nötige Timbre. In den Ensembles fallen die beiden Offiziere denn auch kaum ab.
      Sigiswald Kuijken und La Petite Bande brauchen nur eine kurze Anlaufzeit und musizieren dann wirklich schön, ohne nach individuellen Effekten zu streben. Eine sehr ansprechende kapellmeisterliche Interpretation, wobei auch auf Vollständigkeit Wert gelegt wurde, und insgesamt eine sympathische Ensembleleistung.

      Mi dem Erwerb dieser Box macht man bestimmt nichts falsch.

      Liebe Grüße

      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • RE: Gönnenwein und Jacobs

      Der Mann der L.V. erschoß schrieb:

      Liebe Freunde, ich will es mal wie alle machen.

      Die Einspielungen, die ich sehr mag, sind folgende:



      1. Jacobs! Jacobs? Jacobs!!! Was ist dazu noch zu sagen? Ich kenne diese Einspielung seit dem Tag, an dem sie (hier im Westen) erschienen ist. Denkt Euch die schmucksten Lobeshymnen mit gewissenloser Aneinanderreihung von beliebten und begehrten Epitheta und Epiklesen wie "Durchhörbarkeit bis zur Analytikphobie", "Musikalisches Theater der Sonderklasse", "Ausfallfreie Sängerbesetzung, die allerhöchsten Ansprüchen genügt" u. dergl.

      Jacobs "Don Giovanni" klingt NOCH aggressiver, sein "Figaro" ist trotz einer zweifelhaften Susanna im Gesamtbild einheitlicher, aber hier, in der "Cosi", ist eine ... ja, gewisse "Aufbruchsstimmung" zu hören, die alle Beteiligten in einem nicht mehr dagewesenen Maße beflügelt zu haben scheint. Auch wenn Jacobs bisweilen mir unverständliche Temporückungen vorlegt, langweilig wird mir auch beim tausendsten Hören nicht. Und Euch ebenfalls wohl kaum.


      Edler Graf,

      mich drängt da eine Rückfrage: Ich habe nämlich vom Weihnachtsmann den besagten "Don Giovanni" mit Jacobs erhalten und, was soll ich sagen - ich bin restlos begeistert!!! Was mich nun interessieren würde: Hörst Du, außer der angesprochenen Agressivität, einen deutlichen Unterschied zwischen Concerto Köln und dem FBO als Ensemble? Und behandelt Jacobs die Secco-Rezitative bei der "Cosi" genauso wie im "Don Giovanni", d. h. mit viel Improvisation v. a. von Seiten des Continuo-Fortepiano?

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler



    • Diese Aufführung der Salzburger Festspiele von 1983 zählte zu den erfolgsreichsten Salzburger Produktionen und wurde vom ORF aufgezeichnet. Die Inszenierung von Michael Hampe hielt sich noch etliche Jahre auf der Bühne. Dieser Regisseur hat die Oper ja mehrfach und auf verschiedenen Bühnen gestaltet (für meinen Geschmack stets sehr gut), doch erreicht er hier einen besonderen Höhepunkt. Da steckt unendlich viel drin, von der Selbstpersiflage bis zum tragsichen Moment und allen möglichen Deutungsfacetten. Hampe verdeutlicht, daß das Geschehen in einer Zeit des Übergangs bzw. Bruchs passiert - zwischen dem ästhetisch hochentwickelten, kunstvoll tändelnden Spiel des Rokoko und der bürgerlich gestimmten Welt der Aufklärung, zwischen der Affektierheit der ancien monde und der "modernen" Gefühlsehrlichkeit und Empfindsamkeit, ein Gegensatz, der damals im 18.Jahrhundert oft sehr pointiert empfunden wurde (Daniel Chodowiecki hat zum Beispiel entsprechende Graphiken geschaffen, die das treffend illustrieren). Die Gefühle Guglielmos und Ferrandos, die sich trotz der Untreue ihrer flatterhaften Mädchen nicht unterdrücken lassen, sind offenbar doch tiefer (es bleibt offen, ob erst das vermeintliche Spiel den Ernst dieser Gefühle bewußt macht) und sozusagen "modern". Allerdings fallen die beiden Helden, indem sie das alte Mittel der Maskerade arwenden, in das frivole Spiel der Konvention zurück. Fiordiligi und Dorabella hingegen verhalten sich primär noch "traditionell". Sie reagieren recht theatralisch auf die Einberufung ihrer Verlobten und lasssen sich rasch auf das Gesellschaftsspiel ein, aus dem plötzlich so etwas wie Ernst wird. Für ihre Bereitschaft umzuschwenken, könnten sie freilich ein triftiges Argument anführen: Die Mädchen leben ohne Vormund und sind ihre eigenen Gebieter, das heißt sie sind nach dem Begriff der Zeit nicht mehr ganz so jung. Da ihre Offiziere zwar zur Verlobung bereit waren, aber trotz fehlender Kriegsverpflichtung sichtlich keinen Hochzeitstermin festgesetzt oder näher ins Auge gefaßt haben, stellen die neuen Verehrer eine gewaltige Versuchung dar, denn sie sind zur sofortigen Heirat bereit. Man sollte Dorabella nicht zu sehr verurteilen, wenn sie darauf hinweist, daß man in kürzester Zeit verheiratet sein könnte. Damit würden die Damen keine Sorge mehr haben müssen, womöglich in den Ruf leicht abhgestandener Jungfern zu kommen. Bei den alten Verehrern müßten sie noch weiter dünsten.
      Den Don Alfonso zeichnet Hampe auch sehr differenziert. Da kommt für einen Moment durch, daß der vermeintliche Zyniker eigentlich tief verwundet und offenbar durch Frauen einst schwer enttäuscht wurde. trotzdem hält er es mit der Toleranz gegenüber der Unvollkommenheit des Menschlichen. Das entsprach den freimaurerisch-aufklärerischen Idealen Mozarts und da Pontes, wobei freilich Text und Musik zumTeil unterschiedlich gewichten. Ein bisserl Machoverhalten muß man dem Zeitgeist gestatten. Außerdem werden die Männer ja sowieso auch vom hohen Roß geholt, besonders Guglielmo, der die eigene Wirkung auf Frauen so sträflich überschätzt.

      Die ausgesprochen gelungenen Bühnenbilder und Kostüme Mauro Paganos ergänzen den Eindruck perfekt. Der Konvention sind die intensiveren Farben zugeordnet, den modernen Aspekten das kühl-klassizisierende Blaugrau.

      Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker lassen für mich keine Wünsche offen. Muti befand sich in den frühen 1980ern in einer wirklichen Hochphase (ich denke da etwa auch an ein Salzburger Konzert mit Haydns "letzten Worten"), und das Ensemble, das ihm zur Verfügung stand, ist in Spiel und Gesang einfach großartig. Dabei verzichtet man auf die wienerische Gemütlichkeit und wählt eine eher dramatischere Note, die ab und zu sogar hochdramatische Anklänge spüren läßt.
      Sesto Bruscantini gibt einen gelassenen Philosophen, dessen Ruhe ab und zu freilich ein paar Sprünge bekommt und dessen scheinbar gewissenloses Spiel letztlich in die warme Empfehlung zur Toleranz mündet. Alle diese Facetten setzt er vollkommen überzeugend um. Kathleen Battle gibt eine herrliche Despina der allerobersten Spitzenklasse - ganz dem verzwickt-artifiziellen Denken einer Boucher-Fragonard-welt verhaftet und zum Schluß verwudnert, daß die Wirklichkeit anders ausschaut, als man sie konstruiert glaubte. James Morris als Guglielmo sieht nicht nur umwerfend aus, sondern singt auch wunderbar (und der oftmalige Wotan fühlt sich bei Mozart sichtlich wohl). Francisco Araiza ist ihm ein kongenialer Partner. Margaret Marshall (Fiordiligi) und Ann Murray (Dorabella), die eine aus Schottland, die andere Irin, bringen auch optisch eine quasi britische Note herein, die perfekt in die Zeit paßt. Beide vermitteln vorzüglich das Vielschichtige ihrer Rollen.

      Bild- und Tonqualität der 2006 durch TDK herausgebrachten Edition sind tadellos. Die Anschaffung kann ich hundertprozentig empfehlen (allerdings rate ich, die Augen nach Sonderangeboten offenzuhalten - ich habe für mein Exemplar weniger als die Hälfte des Normalpreises gezahlt).

      Liebe Grüße

      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Noch hat ja gar niemand die Karajan'sche EMI-Produktion aus dem Jahre 1955 erwähnt; Joachim Kaiser - und wann hätte das amüsante Kulturmaskottchen einmal geirrt? - will diese Platte für die Insel, die einsame (doch auch mit sich ist Kaiser nie einsam, gewiß nicht), und ich folge ihm nach. Das ist der straffe Karajan'sche Mozart der 50er, der der meine ist, dagegen ist Böhm eigentlich immer bräsig, Marriner keine Weiterentwicklung, daß der Killer der valenten Freiheit auf den krisseligen Belgier abfährt - gut, sei's drum, hier aber nuschelt der Salzburger nicht, hier wird atemlos prononciert, bis der Mund offensteht. Es gibt Abstriche, die Despina würde man z.B. nicht ob ihres luxurierenden Organs in Diensten behalten, Nan Merriman als Dorabella ist absolut in Ordnung, aber vielleicht nicht die allerallererste Garnitur, aber dann hat es sich auch. Simoneau ist allen voran ein Wunder.
      Aber des hob i ja scho so oft gschriam...

      Bei einem Handelshaus im weltweiten Netz, das manchmal den Focus auf Georgsmarienhütte legen läßt, gab es gerade die Karajan-EMI-Opera-und-sonstawas-Box mit über 70 CDs für unter 70 Steine, da ist die Cosí auch dabei.

      Seid gegrüßt, denn so machen's alle
      Euer GI
      "Scheiter', Haufen!"
    • Heuer neu bei Walhall herausgekommen:



      Eine Live-Aufnahme vom Festival in Aix-en-Provence 1957. Die Tonqualität ist nicht übel, nur in der Szene, in der Fiordiligi endlich schwach wird, ließ sich leider ein (Alters?-)Tonbandschaden nicht mehr ganz kaschieren.

      Hans Rosbaud dirigiert Chor und Orchester de la Societé des Concerts du Conservatoire de Paris und er kennt seinen Mozart, den er allerdings nicht allzu spannungsvoll interpretiert. Vielleicht hatte er aber auch zuviel zu tun, um die Sänger, das Orchester und die Oper selbst zusammenzuschweißen. Denn zum Schluß gewinnt die Darbietung ausnahmslos an Profil und erreicht wirklich vorzügliches Niveau.

      Das Ensemble weist einige klingende Namen auf, die für Qualität bürgen. Gesungen wird technisch tadellos, aber die "dramatische" Bewältigung der Rollen erweist sich doch als recht ungleichmäßig. Don Alfonso (Marcello Cortis) und Despina (Mariella Adani) wirken lange Zeit zu oberflächlich, so als ob sie wenig Beziehung zu dem hätten, was sie singen und tun.
      Auch für Dorabella (Teresa Berganza) und Guglielmo (Rolando Panerai) scheint dieser Mozart (opder war's am Ende das Milieu?) noch ein bisserl ungewohnt zu sein. Am ehesten findet sich noch Teresa Stich-Randall in ihre Rolle als Fiordiligi, bei der sie allmählich zu beachtlicher Leistung aufläuft. Auch Luigi Alva als Ferrando gefällt im Lauf der Handlung immer besser.

      Aber wie gesagt: Zum Schluß ist das Niveau so traumhaft, wie ich es beim Kauf erhofft hatte. Es mag also sein, daß sich alle erst aneinander gewöhnen mußten. "Cosi"-Liebhaber sollen sich also vom Kauf nicht abschrecken lassen. Wenn's auch nur zum Teil Spitzenniveau ist, gut ist das Gebotene allemal, auch dort, wo ich kritisiere.

      Liebe Grüße
      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Ich habe vier
      Così-Produktionen bei mir zu Hause:
      (hier in der Reihenfolge, in
      der ich diese gekauft/erhalten habe)

      1. Die Levine-Così mit te Kanawa, Murray, Laughlin, Blochwitz, Hampson und
      Furlanetto.

      Nun ja, ich mag diese Aufnahme nicht mehr besonders. Te Kanawa, Blochwitz und Hampson (singt
      sogar die Rivolgete-Arie) sind ihr Geld wert, Furlanetto und Laughlin
      sind immerhin wirklich überdurchschnittlich, Murray klingt für mich zu laut (und das kann ich nicht begründen,
      ich weiss. Man kann ihr nämlich keine technischen Vorwürfe machen). Levine finde ich einfach langweilig,
      sorry…

      2. Die Harnoncourt DVD aus
      Zürich mit Bartoli, Nikiteanu, Baltsa, Sacca, Widmer und Chausson.

      Zuerst: Die Idee alle drei
      Frauen allesamt mit Mezzi zu besetzen finde ich interessant, geht hier aber
      nicht ganz auf (aber dies ist nur ein kleiner Wehmutstropfen). IMHO sind in der
      Così nämlich alle drei Frauen eigentlich Soprani… Dies soll aber wie bei
      Cherubino und weiteren Mozartrollen kein Dogma sein, es muss schlussendlich in
      das Konzept passen.

      Die Bartoli ist nun einmal die Bartoli. Ich weiss, dass da technisch
      nicht alles stimmt (schon nur die aspirierten Koloraturen), aber ich kaufe ihr
      die Fiordiligi total ab! Die Dorabella von Nikiteanu
      ist manchmal ein bisschen „Over the top“, aber auch sie gefällt mir (und
      scheint nicht so grosse Mühe mit der für Mezzi nervig liegenden „Amore è un…“-Tessitur
      zu haben). Dass die Despina „Dreck am Stecken“ (sagt man das ausserhalb der CH überhaupt?) hat
      wissen wir alle, dass das in so jungen Jahren unwahrscheinlich ist auch. Aber
      darum eine beinahe abgesungene (und mir tut das selbst weh, so etwas über DIE
      Baltsa zu schreiben) Mezzosopranistin mit der Rolle beauftragen, ist einfach
      nicht fair. Es gibt aber viele Passagen wo Frau
      Baltsa
      ziemlich jung und frisch klingt, dann kommen aber wieder die
      üblichen Baltsa-Mätzchen: Registerbrüche, gebellte Höhen… Andererseits verkörpert
      sie die Rolle wirklich gut (man merkt, ich bin mir bei Frau Baltsa wirklich
      nicht sicher, was ich denken soll).

      Die Männer stechen da nicht
      wirklich heraus: Oliver Widmer hat
      nun einmal ein sprödes Timbre, ist aber ein guter Schauspieler und Interpret
      (ich kaufe ihm den Guglielmo völlig ab). Carlos
      Chausson
      singt einen überzeugenden Don Alfonso und Sacca ist ein wirklich guter Ferrando.

      Harnoncourt bittet typischen
      Harnoncourt: schräge Tempi, aber sie
      passen immer perfekt ins Konzept!

      3. Die Jacobs-Così mit Gens,
      Fink, Oddone, Güra, Boone, Spagnoli.

      Orchestral meine
      Lieblings-Così (man kann nicht mit allem einverstanden sein was Jacobs macht,
      aber es hat Hand und Fuss). Gens ist
      eine super Fiordiligi, gleiches gilt für Fink
      als Dorabella (trotzdem: auch hier geht im Studio nicht alles unfallfrei zu,
      aber es überzeugt mich!). Frau Oddone
      haut mich immer wieder um: wann bekommt man in den beiden Akt-Finalen schon mal
      eine unterschiedlich verstellte Stimme? Die Männer sind auch hier sehr gut
      besetzt: Boone ist ein machohafter
      Guglielmo (vielleicht zu eindimensional), Güra
      ein toller Ferrando und Spagnoli
      MEIN Bilderbuch Alfonso (heisst, endlich kein alter Bass, sondern der Partitur
      getreu ein lyrischer Bariton).

      4. Die neue Così aus Zürich.
      Welser-Möst: Hartelius, Bonitatibus, Jankova, Camarena, Drole und Widmer.

      Welser-Möst ist
      (und wieder IMO) die beste Wahl, wenn man ein modernes Orchester und trotzdem
      HIP möchte. Hartelius hat sich
      langsam durch das Mozartrepertoire gesungen: Ilia, Pamina, Konstanze, Contessa,
      Elvira und nun Fiordiligi. Sie gehört sicher zur ersten Reihe der heutigen
      Mozartsängerinnen. Hier überraschen ein paar wenige säuerliche Höhen und die
      Tiefen machen ihr Mühe, sie kann sie aber dank guter Technik sehr gut
      bewältigen. Bonitatibus ist für
      mich, wie bereits schon anderenorts erwähnt, eine der besten Dorabellas die ich
      kenne (sie hält sich auch an die dynamischen Angaben: welche Dorabella geht in der Smanie-Arie beim zweiten „esempio
      misero“ schon ins Piano zurück?). Jankova
      ist meine Lieblinsdespina. Objektiv stimmt zwar nicht alles, für mich aber
      schon. Das gleiche zählt auch für Camarena,
      oder fast: da stimmt wirklich fast alles („Ah lo veggio“ wird hier nicht
      gestrichen, live in 442 Hz und er singt die b‘ alle mühelos). Bei Drole bin ich parteiisch (mein erster
      Live-Papageno, sowie Hartelius meine erste Live-Pamina war): einerseits hat er
      die immense Gabe, zur darzustellenden Figur zu werden, andererseits ist er noch
      jung und da ist die Technik noch nicht ganz ausgewachsen und es stimmt halt
      nicht alles. Widmer ist in Zürich mittlerweile zum Alfonso mutiert und gefällt mir
      - trotz weiterhin spröder Stimme – besonders gut: Auch hier zeigt sich sehr
      deutlich, dass Alfonso mit einem lyrischen Bariton sehr gut geht.

      Man merkt, die Così ist eine
      meiner Lieblingopern…

      BTW: Was soll in der Così
      eigentlich der Mist, dass die Sänger von Guglielmo und Alfonso in den Ensembles
      immer die Noten abtauschen? Bei meinen genannten Aufnahmen machen das zum Glück
      nur Hampson und Furlanetto. Aber Mozart wird sich wohl etwas dabei überlegt
      haben, als er dem Guglielmo die tieferen Ensemble-Noten schrieb als dem
      Alfonso.
    • Ich habe meine Bekanntschaft mit Così mit der einzigen Aufnahme gemacht, die ich später verschenkt habe:

      Große Namen, aber das wär's. Es ist schwerfällig, träge, dazu mit vielen Strichen ... zum Vergessen.
      Dann kam die allererste HIP-Aufnahme einer Mozart-Oper überhaupt:

      leicht, vollständig (sogar die alternative Guglielmo Arie war dabei), mit Drive ... das perfekte Gegengift zu Böhm ... damals wurden diese CDs zu Dauermieter meines Players.
      HIP-Versionen von Mozart Opern waren damals (1984) noch berüchtigt. Ich machte dann einen Versuch im "klassischen" Stil:

      Siehe da, nicht nur war die Oper auch vollständig, sondern es gab Appogiaturen, Verzierungen ... noch dazu, abgesehen von ersten Duett der Damen, wo es ein bißchen zuviel Vibrato gibt, wunderbar gesungen. Lorengars Per pietà ist ein Stück für die Ewigkeit.

      Zweiter Reinfall mit Colin Davis (nicht verlinkbar). Ich muß gestehn, daß ich zu Geddas und Bakers Timbre allergisch bin, aber hier hat man mit einer Truppe abwesender Sänger zu tun, denen keiner - und Colin Davis am wenigsten - gesagt hat, daß sie eine Opera buffa von Mozart singen. Baker denkt sie wäre in The Dream of Gerontius, Caballé in Norma, Gedda in Jewgenij Onegin, Ganzarolli... in Gianni Schicchi vielleicht, aber dann auf einer italienischen Provinzbühne ...

      Meine zweite HIP-Fassung war Jacobs' und da werde ich nichts kommentieren. Ich könnte nur die enthusiastischen Bewertungen der anderen Teilnehmer wiederholen.

      Leporello92 schrieb:

      Was soll in der Così eigentlich der Mist, dass die Sänger von Guglielmo und Alfonso in den Ensembles immer die Noten abtauschen? Bei meinen genannten Aufnahmen machen das zum Glück nur Hampson und Furlanetto. Aber Mozart wird sich wohl etwas dabei überlegt haben, als er dem Guglielmo die tieferen Ensemble-Noten schrieb als dem Alfonso.
      Die "Tradition" will, daß Alfonso ein alter Baß ist und Guglielmo ein Bariton. Da hat der Sänger seine Probleme mit den tiefen Noten in den Ensembles (wie Leporello in DG oder Figaro) und man tauscht einfach die Linien ....
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Einem Teil von mir ist das auch bewusst. Aber der grössere Teil in mir schreit: "Dann nehmt einfach den Bariton für den Alfonso und den Bassbariton für Guglielmo!". Mozart musste sich ja auch seinen Sängern anpassen: Der Uraufführungs-Guglielmo sang auch Figaro in der UA, der UA-Alfonso sang auch den UA-Bartolo. Und siehe da: Im Terzett im dritten Akt singt Bartolo die hohen Töne, Figaro die tiefen Töne. Dort gibt es diesen Abtausch nie (auch nicht bei der Böhm-DVD, wo Prey dann halt tiefer als Montarsolo singt). Mich nervt ein Eingriff in Mozarts Komposition (und das ist es nun einmal, ich gehe auch nicht zur Klarinette und sage ihr, sie soll doch bitte mit der Oboe abtauschen) jedenfalls bedeutend mehr, als eine moderne Inszenierung...
    • Lieber Leporello,







      ich steh mit Dir auf einer Linie ...

      Aber die "Tradition" (bewußt von mir in Gänsefüßchen) ...





      In Mozarts Opern wurde schon immer reingepfuscht. In Figaro hat man die Linien von Rosina und Susanna vertauscht, in DG wird es auch Fummel geben, abgesehen davon, daß man eine Mischfassung aus Wien und Prag macht. Dazu hat bei der UA derselbe Sänger Masetto und den Komtur gesungen, was man sich jetzt kaum vorstellen könnte.

      Leporello92 schrieb:

      (und das ist es nun einmal, ich gehe auch nicht zur Klarinette und sage ihr, sie soll doch bitte mit der Oboe abtauschen)
      ... zu Mozarts Zeiten war man halt pragmatisch und es gab keine Autorenrechte, sowas ist sicher mal passiert.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Die Mischfassung im DG sollte man sowieso abschaffen (und wenn man schon die Wienfassug macht, dann aber bitte MIT Schlusssextett. Man weiss ja heute, dass dieses erst nach Mozarts Tod gestrichen wurde). Um bei der Così zu bleiben, wurde da nicht oft ein völlig neuer Text mit Zaubermärchen und so unterlegt?

      EDIT: Übrigens soll auch hier kein Dogma entstehen. Soll man doch einen Guglielmo mit einem Bariton besetzen, solange er ALLE Noten singen kann...
    • Local Hero schrieb:

      Ebenfalls hervorragend die Produktion unter Gardiner von 1992:



      Über Gardiners Qualitäten als Dirigent muss man kein Wort mehr verlieren, überraschend ist, dass er sich hier auch als begabter Regisseur erweist. In jeder Szene zeigt sich, wie gründlich Gardiner sich mit dieser Oper beschäftigt hat. Auch er belässt die Oper im historischen Gewand, nimmt sich wesentlich mehr Zeit (193 Min.), ist aber ebenso wie Decker weit entfernt von ödem Rampensingen, sondern zeichnet ausserordentlich sensible Charakterporträts, vor allem von Fiordigili und Dorabella. Auch hier eine schauspielerisch wie sängerisch erstklassige Besetzung, aus der Rodney Gilfrey (Alfonso) als Star keineswegs herausragt. Das atmosphärisch wunderschöne Bühnenbild ist ein weiteres Plus. (Leider ist die DVD-Aufzeichnung bzw. Bearbeitung technisch nicht einwandfrei ausgefallen, so dass die Bildqualität etwas zu wünschen übrig lässt. Hier wäre eine verbesserte Neuauflage ein echter Gewinn.)
      Gerade habe ich diese Aufnahme gesehen und gehört. Der Beurteilung schließe ich mich gern an. Für mich das Beispiel einer eher dem Traditionellen verpflichteten Regie, die ich mich durchwegs überzeugt. Eine grandiose Leistung auch in musikalischer Hinsicht: Orchesterklang und Ensemblegesang wunderbar ausbalanciert: Da stimmt für mich alles!

      Kleine Korrektur: Den Don Alfonso gibt nicht Rodney Gilfrey. Hier die komplette Besetzung der Aufführung im Théâtre de Châtelet, Paris: Amanda Roocroft, Fiordiligi; Rosa Mannion, Dorabella; Rodney Gilfry, Guglielmo; Rainer Trost, Ferrando; Eirian James, Despina; Claudio Nicolai, Don Alfonso; The Monteverdi Choir; The English Baroque Soloists; Ltg.: Sir John Eliot Gardiner.

      Mit fast denselben Künstler/innen gibt es auch eine CD-Aufnahme, bei der nicht Claudio Nicolai, sondern Carlos Feller den Don Alfonso singt (ich habe mehrere Kritiken gefunden, die Nicolai den Vorzug einräumen). Das ist also offensichtlich eine andere Einspielung (aus derselben Produktion, ebenfalls live?):



      Diese Aufnahme (sie dürfte auch in der großen Mozart-Opern-Box mit Gardiner enthalten sein) kenne ich nicht. Meinungen hierzu würden mich interessieren.

      Gestern habe ich mir die hier gepriesene Aufnahme mit René Jacobs bestellt und bin gespannt darauf, was mich da erwartet...

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann


    • EDEL 22010 (Studioaufnahme 1969)

      Bei jpc wird diese Aufnahme derzeit billigst angeboten. Ich kann nur dazu raten, diese Gelegenheit zu nützen, um diese eher wenig bekannte Einspielung kennenzulernen..

      Geboten wird natürlich kein neckisch-spielerischer (Wiener Klischee-)Klamauk, sondern der Scherz verschmilzt mit gebührendem Ernst. "Preußische" Interpretation von bester Qualität. Otmar Suitner gestaltet einen präzisen, aber nie trockenen Mozart, der mich fasziniert. Die Solisten verbinden exzellentes Können mit Intelligenz. Celestina Casapietra (damals mit Herbert Kegel verheiratet) singt die Fiordiligi mit gelegentlich einem ganz winzigen Bißchen Schärfe in den Höhen, aber sonst tadellos und berührend, die allzu früh verstorbene Annelies Burmeister brilliert als Dorabella. Für Ferrando und Guglielmo gibt bzw. gab es andere Sänger mit noch schönerem Timbre als Peter Schreier und Günter Leib, aber an musikalischem Empfinden und Rollenverständnis stehen die beiden niemandem nach. Silvia Geszty ist als Despina natürlich eine Über-Besetzung und nicht die typische Soubrette, aber die Stimme! Diese Stimme! Und als falscher Notar ist sie hinreißend! Theo Adam betört mich als Don Alfonso mit seinem wunderbaren Organ. Er wirkt gestalterisch eher zurückhaltend, aber das paßt eigentlich zu einem echten Philosophen.
      4,5-5 Sterne.
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.