Gluck: "Orfeo ed Euridice" - Oper Köln, 24.10.2009

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    • Gluck: "Orfeo ed Euridice" - Oper Köln, 24.10.2009

      Mit lautem Zuschlagen der Türen im Zuschauerraum beginnt die Aufführung von Glucks „Azione teatrale - Orfeo ed Euridice“ im Kölner Opernhaus, fast genau 1 ½ Stunden später endet das Werk nur musikalisch mit einem „lieto fine“. Man spielt in Köln die Wiener Fassung von 1762, Konrad Junghänel dirigiert und Johannes Erath zeichnet für die Inszenierung verantwortlich.

      Während Junghänel ein längst etablierter Vertreter der sog. „Alten-Musik-Bewegung“ ist, der nicht nur mit seinem Ensemble „Cantus Cölln“ immer wieder für Aufsehen sorgt, sondern der in den letzten Jahren auch zunehmend Musiktheater-Produktionen als Dirigent betreut hat, ist der Name des Regisseurs Johannes Erath einem breiteren Publikum noch nicht wirklich bekannt geworden. Der noch junge Regisseur startete seine Karriere als Orchestermusiker, bevor er ins Regiefach wechselte. In Frankfurt war in der zurückliegenden Spielzeit seine Inszenierung von „Angels in America“ von Peter Eötvös zu sehen, in Graz folgt in dieser Saison die Alban-Berg-Oper „Lulu“.

      Der Orchestergraben ist in Köln weit nach oben gefahren worden, die Bühne wird von einer Art „Eisernem Vorhang“ abgeschlossen. Die schon erwähnten Türen schlagen zu, die Musik setzt dann unmittelbar ein.

      Der Tradition der Uraufführungszeit entsprechend bilden der musikalisch heitere Beginn mit der Ouvertüre und die ebenfalls freundliche Musik des „lieto fine“ eine Klammer, die die tragische Binnenhandlung umschliesst. Direkt nach der Ouvertüre verändert die Musik ihre Klangfarbe, düstere Trauerklänge bestimmen nun das erste Bild.

      Der „Eiserne Vorhang“ hebt sich. Vorne an der Rampe stehen Menschen, die diesen Vorhang mit den Händen hochschieben. Sie sind individuell gekleidet, keine uniforme Masse, die Kostüme bewegen sich stilistisch in einer Art zeitlosen Moderne. Der Chor, das sind wir und Orfeo ist einer von uns. In der Mitte der Reihe von Menschen steht Orfeo, blass, aschblond und androgyn und singt seine Klage um die verlorene Geliebte Euridice frontal in den Zuschauerraum.

      Das schwarze Bühnenportal ist innen weiss ausgeschlagen, die Bühne ist bist auf zwei Stühle im rechten Vordergrund leer, Wände können lautlos den Raum abtrennen und verkleinern oder als filmischer Effekt über die Bühne gefahren werden.

      Auf einem der Stühle sitzt Euridice, auch sie genauso verzweifelt, wie ihr Liebhaber Orfeo. Sie ist nicht tot, aber sie ist unendlich weit von ihrem Partner entfernt. Es ist wohl ein Streit, der die beiden entzweit hat, vielleicht einer, der soweit geführt wurde, dass eine Umkehr kaum möglich erscheint. Die Gesten von Orfeo und Euridice ähneln sich, z. B. wenn beide voll verzweifelter Wut Teile ihrer Kleidung auf den Boden donnern.

      Diese Szene ist, wie viele andere an diesem Abend, von einer bewundernswerten Intensität, sie ist vom Ausdruck her tieftraurig und sehr berührend.

      Amor beobachtet beide – bodenlanger Mantel, schwarzer Hut, dunkle Sonnenbrille. Wenn Amor dann dem Orfeo entgegentritt, sieht der Liebegott so aus, wie Orfeo. Während der Szene verwandelt er sich und erinnert dann an Euridice.

      Der abstrakte Bühnenraum bleibt auch in den beiden folgenden Akten erhalten. Keine Unterwelt ist da zu sehen, eher schon die Sartresche Hölle, in der unsere Qualen von den jeweils anderen erzeugt werden. Die Menschen streiten miteinander und sie tun das laut, so laut, dass die Musik zeitweise nicht zu hören ist. Die den Orfeo begleitenden Harfen, der die Menschen beruhigen will, dringen als Einspielung aus dem Zuschauerraum herein, so, als kämen sie aus einer anderen Welt. Zuerst stehen die Menschen unversöhnlich da, sie wenden sich die Rücken zu, dann löst sich diese Szene auf und in den elysischen Gefilden (der Rundhorizont erstrahlt in hellem Sonnenlicht) haben sich die Menschen versöhnt.

      Vor dem Horizont mit dem Rücken zum Raum Euridice. Wenn sie die Bühne verlässt, bleibt ihr Schatten zurück. Orfeo geht auf diesen Schatten zu, der sich gleichzeitig von ihm entfernt. Ins riesenhafte vergrössert löst sich der Schatten Euridices im Licht auf.

      Im letzten Akt will Euridice zuerst gar nicht zurück zu Orfeo. Vielleicht ist der nächste Streit schon vorprogrammiert, vielleicht haben sie das alles schon viel zu oft durchgemacht. Als Orfeo seine Gattin dann anschaut, küsst er sie in dieser Inszenierung und das sieht aus, als erwürge er die Geliebte. Tot bleibt Euridice auf dem Bühnenboden liegen.

      Amor verbindet Orfeo die Augen. Vom Schnürboden senken sich Kostüme der Uraufführungszeit herunter, der Chor verkleidet sich. Auch Amor zeigt sich im opulenten 18.-Jahrhundert Gewand. Die Ballettmusik und das „Lieto fine“ bleiben Zitat, die tragische Handlung wird nicht aufgelöst, Euridice liegt auch am Ende noch tot am Boden.

      Die Inszenierung von Johannes Erath erzählt keine wirkliche Handlung, sie bleibt immer auch abstrakt, kommentierend und erzielt ihre beachtliche Wirkung durch Assoziationen, durch Körperhaltungen, durch Lichteffekte und eine nie nachlassende Intensität der Sängerinnen und Sänger auf der Szene.

      Vor allem die Altistin Maria Gortsevskaya, die ununterbrochen auf der Bühne steht, ist darstellerisch enorm. Jede Regung in ihrem Gesicht sitzt, ihre körperliche Präsenz beeindruckt. Dazu verfügt sie über eine dunkel grundierte Stimme, die sie fein abgestuft zur Geltung bringen kann und die sie bruchlos durch die Register führt. Kleine Unsicherheiten fallen wegen des Gesamteindruckes nicht ins Gewicht.

      Ebenfalls ausgezeichnet in der Darstellung die Euridice von Jutta Böhnert, die ihren Sopran gut dosiert einsetzt und auch die Grenzen ihrer Stimme gut zu verblenden weiss.

      Sympathisch der Amor der etwas leichtgewichtigen Sopranistin Anna Palimina mit ihren etwas verschatteten Höhen.

      Engagiert und um Präzision bemüht der Chor der Oper Köln, der Klang könnte homogener sein, kleine Ungenauigkeiten werden sich sicher noch abbauen lassen.

      Konrad Junghänel dirigiert zügig, das Klangbild ist transparent, befeuernd ist sein Dirigat und ausgefeilt im Detail. Die schönen Soli der Holzbläser sollen hier unbedingt erwähnt werden.

      Grosser Beifall für alle Beteiligten im nicht ausverkauften Kölner Opernhaus, im Parkett blieben doch etliche Plätze leer.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • RE: Gluck: "Orfeo ed Euridice" - Oper Köln, 24.10.2009

      Alviano schrieb:

      Der Tradition der Uraufführungszeit entsprechend bilden der musikalisch heitere Beginn mit der Ouvertüre und die ebenfalls freundliche Musik des „lieto fine“ eine Klammer, die die tragische Binnenhandlung umschliesst. Direkt nach der Ouvertüre verändert die Musik ihre Klangfarbe, düstere Trauerklänge bestimmen nun das erste Bild.


      Ich bin (mit Ulm und anderen) durchaus nicht der Meinung, dass zu der Tradition der Uraufführungszeit ein musikalisch heiterer Beginn gehört, insbesondere bin ich nicht der Meinung, dass die Ouvertüre des Orfeo musikalisch heiter ist. Dazu habe ich aufgrund der Analyse von Ulm schon im Orfeo-Thread Ausführlicheres geschrieben, so dass ich mir hier die Wiederholung sparen darf (vgl hier. Wenn also die Ouvertüre in dieser Art bei Dir ankam, macht mich Junghähnls musikalische Leitung nicht eben gespannt auf die Kölner Aufführung.

      Auf einem der Stühle sitzt Euridice, auch sie genauso verzweifelt, wie ihr Liebhaber Orfeo.


      Meines Wissens ist Euridice Orfeos Gattin, Ist das nun die Idee der Inszenierung, aus der geliebten Frau eine Liebhaberin zu machen?

      Sie ist nicht tot, aber sie ist unendlich weit von ihrem Partner entfernt.


      Soweit Rilke ...

      Es ist wohl ein Streit, der die beiden entzweit hat, vielleicht einer, der soweit geführt wurde, dass eine Umkehr kaum möglich erscheint. Die Gesten von Orfeo und Euridice ähneln sich, z. B. wenn beide voll verzweifelter Wut Teile ihrer Kleidung auf den Boden donnern.


      Dem Mythos nach ist Euridice vor einem zudringlichen Liebhaber geflohen und auf der Flucht von einer Schlange gebissen worden. Die obige Deutung erinnert mich an Herrn Oberhoff, bei dem ist so etwas zu lesen (zu dem Duett der beiden im letzten Akt).

      So wie Du das schilderst, werde ich wohl kaum in diese Produktion gehen. Vor allem das "zügige" Dirigat, das nach Deiner Schilderung sich über Gluck hinwegsetzt, verlockt mich nicht gerade.- Die Inszenierung mag ja tun, was sie will, aber musikalisch möchte ich das Werk Glucks schon Ernst genommen wissen.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • RE: RE: Gluck: "Orfeo ed Euridice" - Oper Köln, 24.10.2009

      Peter Brixius schrieb:


      Meines Wissens ist Euridice Orfeos Gattin, Ist das nun die Idee der Inszenierung, aus der geliebten Frau eine Liebhaberin zu machen?


      Das ist naklar ganz sicher eine Idee der Inszenierung gewesen. Aber gut, daß hier deutlich darauf hingewiesen wird ...


      Dem Mythos nach ist Euridice vor einem zudringlichen Liebhaber geflohen und auf der Flucht von einer Schlange gebissen worden.


      Naja, da muß man aber nicht Oberhoff heißen, um hier den Küchenfreud tapsen zu hören. Lacan hätte dazu sicher auch was Interessantes zu sagen gehabt ...


      So wie Du das schilderst, werde ich wohl kaum in diese Produktion gehen.


      Seltsam ! - ich hab heute aufgrund der hier eingestellten Besprechung Karten bestellt. So unterschiedlich ist es im menschlichen Leben ...


      Vor allem das "zügige" Dirigat, das nach Deiner Schilderung sich über Gluck hinwegsetzt, verlockt mich nicht gerade.- Die Inszenierung mag ja tun, was sie will, aber musikalisch möchte ich das Werk Glucks schon Ernst genommen wissen.


      Adorno läßt grüßen, was ? - zumindest was das nachgestellte "sich" anbetrifft ... ;+) Aber mal im Ernst: Das verstehe ich nicht. Was hat die "Zügigkeit" des Dirigats denn damit zu tun, ob das Werk Glucks "musikalisch [...] Ernst genommen wird" oder nicht? " [... D]as Klangbild ist transparent, befeuernd ist sein Dirigat und ausgefeilt im Detail" - das klingt doch ganz gut, oder? Verlangt Glucks Musik eine pauschales und auf Breitwandklang angelegtes Dirigat?

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Matthias Oberg schrieb:

      [
      Schade, dein Bericht wäre sicherlich interessant zu lesen. Insbesondere, da ich gerade dabei bin, Gluck für mich zu entdecken und deine Texte zu Gluck mit großem Gewinn gelesen habe.


      Lieber Matthias,

      vielleich lasse ich mich ja noch überreden, vor allem, wenn sich noch ein anderer Capriccio findet, der dann auch in die Vorstellung geht. Direkt vor meiner Nase ein Orfeo, da gibt man einem Dirigenten gerne eine zweite Chance.

      Die Ouvertüre als Qualitätskriterium lasse ich mir allerdings nicht so leicht ausreden. Jeder, der Glucks Artikel über die Funktion der Ouvertüre kennt, muss doch feststellen, dass er seinen Worten von der Angemessenheit der Ouvertüre eklatant bei dem Orfeo abgewichen wäre, wenn das nun stimmte mit der Tradition, nach der leichtfertige Ouvertüren "tragische" Stoffe einleiteten. Zweimal (in Parma und in Paris) hätte er diesen Fehler verbessern können, an anderen Stellen hat er durchaus deutliche Eingriffe in sein Werk vollzogen. Es gehört wenig dazu, die düsteren Bestandteile der Ouvertüre hörbar zu machen, die Dissonanzen, die Mollakkorde, die chromatischen Läufe. Wer aber darüber hinwegspielt und eine leichtfertige, eine fröhliche Ouvertüre abliefert, hat mE so wenig von Glucks Tonsprache verstanden, dass ich ihm auch anderswo misstraue. Östman hat mE ein schönes Beispiel abgeliefert, wie man es mit historischen Instrumentarium schafft (immer noch empfehlenswert die Einspielung von Östman bei Naxos!). Dass jemand wie Junghänel das nicht realisiert, wirft den dicken Stein, den Junghänel bei mir im Brett hat (was für ein Rè pastore!) leider aus demselben. Aber vielleicht ist es ja nicht so in der Aufführung, die ich erlebe ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • RE: RE: RE: Gluck: "Orfeo ed Euridice" - Oper Köln, 24.10.2009

      Algabal schrieb:


      Seltsam ! - ich hab heute aufgrund der hier eingestellten Besprechung Karten bestellt. So unterschiedlich ist es im menschlichen Leben ...


      Jeder mag da nach seinem Gusto verfahren. Bei mir spielt die musikalische Ausführung schon eine große, wenn nicht die bestimmende Rolle.

      Adorno läßt grüßen, was ? - zumindest was das nachgestellte "sich" anbetrifft ... ;+)


      Da ich früher alles andere als ein Adorno-Jünger war, trifft mich die Sache nicht. Inzwischen - gerade auch weil er so wohlgemuth vergessen wird - habe ich mich Adorno doch mehr genähert, als ich es je gedacht hätte (ich höre übrigens gerade eine Vorlesung von Professor Schneider über die Aufklärung, in der Theodor Wiesengrund eine nicht unerhebliche Rolle spielt und im .letzten Semester habe ich mir Thomas Manns Doktor Faustus sehr intensiv reingezogen - vielleicht kommt das daher)

      Aber mal im Ernst: Das verstehe ich nicht. Was hat die "Zügigkeit" des Dirigats denn damit zu tun, ob das Werk Glucks "musikalisch [...] Ernst genommen wird" oder nicht? " [... D]as Klangbild ist transparent, befeuernd ist sein Dirigat und ausgefeilt im Detail" - das klingt doch ganz gut, oder? Verlangt Glucks Musik eine pauschales und auf Breitwandklang angelegtes Dirigat?


      Man muss ja das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. In der Regel werden allerdings bei zu zügigen Dirigaten gerade bei der Ouvertüre die Dissonanzen einfach zur notwendigen Kontrastierung der Dur-Akkorde und damit die Zwiespältigkeit der Ouvertüre verspielt.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • RE: RE: RE: RE: Gluck: "Orfeo ed Euridice" - Oper Köln, 24.10.2009

      Peter Brixius schrieb:

      Algabal schrieb:


      Seltsam ! - ich hab heute aufgrund der hier eingestellten Besprechung Karten bestellt. So unterschiedlich ist es im menschlichen Leben ...


      Jeder mag da nach seinem Gusto verfahren. Bei mir spielt die musikalische Ausführung schon eine große, wenn nicht die bestimmende Rolle.


      Ja, schon, aber darüber ist oben ja gar nicht sooooo viel gesagt.

      Adorno läßt grüßen, was ? - zumindest was das nachgestellte "sich" anbetrifft ... ;+)


      Da ich früher alles andere als ein Adorno-Jünger war, trifft mich die Sache nicht.


      Da sollte ja auch gar nix "treffen". War eher ein Stolperstein ... ;+)


      Aber mal im Ernst: Das verstehe ich nicht. Was hat die "Zügigkeit" des Dirigats denn damit zu tun, ob das Werk Glucks "musikalisch [...] Ernst genommen wird" oder nicht? " [... D]as Klangbild ist transparent, befeuernd ist sein Dirigat und ausgefeilt im Detail" - das klingt doch ganz gut, oder? Verlangt Glucks Musik eine pauschales und auf Breitwandklang angelegtes Dirigat?


      Man muss ja das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. In der Regel werden allerdings bei zu zügigen Dirigaten gerade bei der Ouvertüre die Dissonanzen einfach zur notwendigen Kontrastierung der Dur-Akkorde und damit die Zwiespältigkeit der Ouvertüre verspielt.


      Ah, das verstehe ich dann schon. Werde also meine Ohren mal aufsperren, wenn ich dort bin.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Gluck: "Orfeo ed Euridice" - Oper Köln, 24.10.2009

      Peter Brixius schrieb:


      Jeder mag da nach seinem Gusto verfahren. Bei mir spielt die musikalische Ausführung schon eine große, wenn nicht die bestimmende Rolle.


      Ja, schon, aber darüber ist oben ja gar nicht sooooo viel gesagt.


      Eben, lieber Algabal ...

      Ah, das verstehe ich dann schon. Werde also meine Ohren mal aufsperren, wenn ich dort bin.


      Für wann hast Du die Karten?

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Markus Schwering in seiner heutigen Kritik im Kölner Stadt-Anzeiger (Diese Liebe liebt vor allem sich selbst, "http://www.ksta.de/html/artikel/1256136940374.shtml") hat die gleichen Unbehaglichkeiten wie ich

      Und die Interpretation wirft grundsätzliche Fragen auf. Muss die Ouvertüre mit Buffa-Brio kommen, wo doch die Oper alles andere als eine Buffa ist? Müssen im 'Reigen seliger Geister' die Phrasen so kurzatmig zerhackt werden?


      Schwerings Kritik wirft auch das Licht auf die beiden Elemente, die Glucks Orfeo ausmachen: Chor und Ballett spielen im Reformkonzept eine zentrale Rolle. Schwering testiert dem Opernchor allenfalls eine "ordentliche Partiturbewältigung" - für Gluck deutlich zu wenig. Und von dem Ballett - das immerhin bei Gluck/Angiolini den Durchbruch des Handlungsballetts in der Oper bedeutete - liest man eher von einem Scheitern als von einem Gelingen. Wenn da die Schuld Gluck zugewiesen wird ("die Ballettfolge [...] wirkt beziehungslos hineingestückelt"), hat man den falschen Adressaten gewählt. Die Gemeinschaftsarbeit von Gluck, Calzabigi und Angiolini muss eben immer wieder überzeugend nachvollzogen werden. Und wenn man mit einem Stück Musik nichts anzufangen weiß, so liegt dies bekanntlicherweise nicht unbedingt am Komponisten.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Der Bericht von Alviano und die Replik von Peter erwecken mein Interesse nach Köln zu fahren. ich werde das Gefühl nicht los, dass sich hier eine durchaus diskussionswürdige Produktion abspielt. Ich werde also - in dieser Reihenfolge - den Spielplan, meinen Terminkalender und (nicht zuletzt) meine Bank befragen, ob eine allfällige Samstagvorstellung einen Ausflug nach Köln ermöglicht.

      @Peter: wann hättest du eventuell Zeit für einen Besuch ?

      ein Gruß aus Wien
      Michael
    • brunello schrieb:

      Der Bericht von Alviano und die Replik von Peter erwecken mein Interesse nach Köln zu fahren. ich werde das Gefühl nicht los, dass sich hier eine durchaus diskussionswürdige Produktion abspielt. Ich werde also - in dieser Reihenfolge - den Spielplan, meinen Terminkalender und (nicht zuletzt) meine Bank befragen, ob eine allfällige Samstagvorstellung einen Ausflug nach Köln ermöglicht.

      @Peter: wann hättest du eventuell Zeit für einen Besuch ?


      Lieber Michael,

      Du bist bei mir jederzeit willkommen. Am einfachsten geht es, wenn meine Jungs nicht da sind, sie kommen vierzehntäglich, das nächste Mal dieses Wochenende.

      Liebe Grüße nach Wien

      Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Danke, Alviano, für den Versuch der Deutung einer Inszenierung, die mich an mancher Stelle, vor allem am Schluß, eher ratlos zurückgelassen hat; Deiner Deutung kann ich durchaus folgen, und dann ergibt so einiges auch Sinn.

      Ich sollte vielleicht noch erwähnen, daß Gluck für mich weitgehend musikalisches Neuland, und er bisher ein Komponist ist, dem ich nicht viel abgewinnen kann. Daran hat diese Produktion sicherlich einiges verbessert; zum Gluck-Fan hat sie mich allerdings noch nicht machen können.

      Einen "heiteren Beginn" habe ich bei der Ouvertüre nicht entdecken können, von einem "Buffa-Brio" habe ich schon gar nichts gehört, allenfalls das "Brio" lasse ich gelten, gebe aber zu, daß ich Peters Sezierung der Ouvertüre seinerzeit nachzuvollziehen versucht habe und evtl. voreingenommen bin.

      Peter Brixius schrieb:

      In der Regel werden allerdings bei zu zügigen Dirigaten gerade bei der Ouvertüre die Dissonanzen einfach zur notwendigen Kontrastierung der Dur-Akkorde und damit die Zwiespältigkeit der Ouvertüre verspielt.

      Weniger ein zu zügiges Dirigat als die Umstände der Inszenierung: Die Idee, das Stück mit einem lauten Knall (Euridikes Tod - oder ihr zorniger Abgang im Streit?) beginnen zu lassen, führte dazu, daß sich der allgemeine Publikumslärm noch recht lange über die Musik legte; dem hält dieser Ouvertürenbeginn mE aber nicht stand. In Köln wird das bei der noch aktuellen "Hoffmann"-Produktion auch so gemacht; wer den Beginn dieser Oper kennt, weiß, daß das da funktionieren kann. In diesem "Orfeo" fand ich das ziemlich störend.

      Bestätigen möchte ich die vielen anrührenden Momente der Produktion, die Alviano erwähnt hat; da gingen für mich Musik und Szene oft kongenial zusammen. Ein Seismograph für solches Gelingen ist für mich immer mein autistich behinderter Sohn, der mich auch am Samstag in die Oper begleitet hat und dessen behinderungsbedingte innere Unruhe und Angespanntheit sich in solchen Momenten legt. Am eindringlichsten fand ich in dieser Aufführung den Beginn des zweiten Aktes, wo Orpheus die Eumeniden (der Chor stellt sie als streitende Liebespaare dar) besänftigt; musikalisch der Punkt, wo ich mich entscheide, an Gluck auf jeden Fall "dranzubleiben". ;+)

      Auch insgesamt kann ich dem Stück in dieser Junghänelschen Interpretation erheblich mehr abgewinnen als in meiner CD-Aufnahme (Frieder Bernius); und das liegt mE an Junghänels zupackender Art, an deutlichen Kontrasten sowohl auf der harmonischen als auch auf der klanglichen Seite (die gut aufgestellten Holzbläser sind schon erwähnt worden).

      Markus Schwering im KStA schrieb:

      Müssen im 'Reigen seliger Geister' die Phrasen so kurzatmig zerhackt werden?
      Vielleicht ist ja die Deutlichkeit gemeint, mit der Junghänel das musikalische Material herausstellt; besser für mich, der ich aber weiterhin große Teile der Gluck'schen Musik beliebig und langatmig finde (ich werde dran arbeiten, Peter!). Also, zerhackte Phrasen habe ich nirgends im geringsten wahrgenommen!

      Das "lieto fine" wird von der Inszenierung nicht nachvollzogen. Orfeo muß, um die zweite Wiederauferstehung seiner Frau zu glauben, getäuscht werden; ihm werden von Amore die Augen verbunden, und ab Euridikes "io moro" singt die Sängerin des Amore ihre Partie weiter. Das ist dann aber schon ein nicht unerheblicher Eingriff in das Stück.

      Der auch szenisch stark beschäftigte Chor hat mir an diesem Abend gut gefallen, mit kleinen Einschränkungen: Alvianos Formulierung "engagiert und um Präzision bemüht" finde ich ganz passend; es ist aber nicht immer beim "Bemühen" geblieben. Auch die Einschätzung der Solistinnen teile ich; Maria Gortsevskaya kommt aber im Kölner Haus mit der Riesenbühne und der schlechten Akustik an ihre äußersten Grenzen (Anna Palimina geht das ähnlich). Für die Sänger ist es auch ungünstig, daß das Orchester im hochgefahrenen Graben spielt, wodurch das in Köln ohnehin ungünstige Verhältnis zwischen Bühne und Graben stärker zum Tragen kommt. Von Jutta Böhnert bin ich nach ihrem gelungenen Einstand als Micaëla erneut, und noch mehr, angetan.

      Ein paar Anmerkungen noch:

      Peter Brixius schrieb:

      Ist das nun die Idee der Inszenierung, aus der geliebten Frau eine Liebhaberin zu machen?
      Ich denke, hier führt Dich Alvianos Wortwahl in die Irre; eine geliebte Frau ist ja doch auch immer eine Liebhaberin. Nein, die Inszenierung tut mE nichts dergleichen.

      Alviano schrieb:

      Die den Orfeo begleitenden Harfen, der die Menschen beruhigen will, dringen als Einspielung aus dem Zuschauerraum herein, so, als kämen sie aus einer anderen Welt.
      Nach meiner Einschätzung kam die Harfe live von oben, einer Stelle über dem Proszenium und vorne unter dem Schnürboden, wo sich auch beim Rheingold in Köln traditionell die 8 Harfen hinquetschen müssen.

      Der Beifall war kräftig und für Kölner Verhältnisse ungewöhnlich lang, aber er war nicht enthusiastisch. Ungewöhnlich für Köln auch, daß es überhaupt keine Buhs für die Regie gab.
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Quasimodo schrieb:


      Ich sollte vielleicht noch erwähnen, daß Gluck für mich weitgehend musikalisches Neuland, und er bisher ein Komponist ist, dem ich nicht viel abgewinnen kann. Daran hat diese Produktion sicherlich einiges verbessert; zum Gluck-Fan hat sie mich allerdings noch nicht machen können.


      Lieber Quasimodo,

      da ist möglicherweise eine der beiden Iphigenien, vor allem die Tauridische, der bessere Einstieg

      Auch insgesamt kann ich dem Stück in dieser Junghänelschen Interpretation erheblich mehr abgewinnen als in meiner CD-Aufnahme (Frieder Bernius); und das liegt mE an Junghänels zupackender Art, an deutlichen Kontrasten sowohl auf der harmonischen als auch auf der klanglichen Seite (die gut aufgestellten Holzbläser sind schon erwähnt worden).


      Ich habe mit der Bernius-Einspielung auch meine Probleme, wenn ich mit dem Freischütz "durch" bin, nehme ich mir gerne einmal meine gesammelten Orfeos vor, das werden dann allerdings sehr viele Beiträge ...

      Das "lieto fine" wird von der Inszenierung nicht nachvollzogen. Orfeo muß, um die zweite Wiederauferstehung seiner Frau zu glauben, getäuscht werden; ihm werden von Amore die Augen verbunden, und ab Euridikes "io moro" singt die Sängerin des Amore ihre Partie weiter. Das ist dann aber schon ein nicht unerheblicher Eingriff in das Stück.


      Ich habe ja schon einmal meine Vermutung ausgesprochen, dass das lieto fine alles andere als der konventionelle Opernschluss. so wie es von Gluck verstanden wird. Ich billige es aber einer heutigen Inszenierung zu, dieses Ende nicht mehr zu "glauben", der Optimismus des bürgerlichen Aufbruchs, der in der Großen Französischen Revolution aufgeht, ist heute einer Depression, dem Gefühl der Machtlosigkeit, gewichen. Ebenso wie man den Schlusschor der Iphigénie als utopisch, aber der gegenwärtigen Realität nicht entsprechend hören kann. Und wer etwa im Ende der "Armide" ein lieto fine sieht, dem vermag ich nicht zu helfen. Gluck steht auf Seiten seiner Zauberin.

      Ungewöhnlich für Köln auch, daß es überhaupt keine Buhs für die Regie gab.


      Was sagt uns das? :pfeif:

      Vielleicht bekomme ich ja noch für Donnerstag eine Karte, dann kann ich mit eigenen Eindrücken dienen.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Eben habe ich die Kritik von Guido Fischer in der Frankfurter Rundschau gelesen. Daraus ein Zitat:

      Das Gürzenich-Orchester hatte derweil mit der Ouvertüre sein Pulver schon verschossen und mühte sich technisch, aber auch resonanzarm an Glucks visionärer Klangsprache ab.


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      Eben habe ich die Kritik von Guido Fischer in der Frankfurter Rundschau gelesen. Daraus ein Zitat:

      Das Gürzenich-Orchester hatte derweil mit der Ouvertüre sein Pulver schon verschossen und mühte sich technisch, aber auch resonanzarm an Glucks visionärer Klangsprache ab.


      Liebe Grüße Peter



      In einer gestern im General Anzeiger Bonn erschienenen Kritik von Christoph Zimmermann hört sich das alles anders an:

      Konrad Junghänel und das hervorragend disponierte Gürzenich-Orchester intonieren mit "Tempesta"-Erregung die C-Dur-Ouvertüre von Christoph Willibald Glucks "Azione teatrale per musica". Sie wird gerne als Überbleibsel barocker Ästhetik gewertet, die der Komponist mit seinen Reformopern mehr und mehr zu überwinden trachtete. Das Finale "Trionfi Amore", präludiert von einem vierteiligen "Ballo", hat - wie auch Orfeos "Che farò senza Euridice" - Einwände gleichfalls erfahren.
      Wie immer man die Diskrepanz zwischen dem Ausdruck dieser Arie und etwa der des Klagechores zu Beginn auflösen mag: Junghänel lässt alleine mit den beiden Auftaktnoten Trauer stimmig anklingen. Und wenn die Arie dann auch noch so erfüllt und berauschend gesungen wird wie von Maria Gortsevskaya bei ihrem Rollendebüt ...

      [...]

      Junghänel realisiert mit den Gürzenich-Musikern frappierende Klangwirkungen [...]


      Und die Inszenierung kommt auch ziemlich gut weg. Ist das nur rheinischer Lokalpatriotismus?

      Da muß man sich wohl selbst ein Bild(nis) machen ...

      Adieu,
      Algabal

      p.s.: der Artikel ist übrigens hier.
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Nichts für ungut :D lieber Algabal, aber in der Ouvertüre "Tempesta-Erregung" zu suchen, das wäre neu ... und alles andere als gut mE. Aber vielleicht verwechselt Rez. den Orfeo mit der Iphigénie en Tauride, da gibt es nämlich einen Tempesta-Teil der Ouvertüre. Auch wenn sich Rez. da mE in der Terminologie vergriffen hat, bliebe doch sein Eindruck richtig, dass die Ouvertüre alles andere als eine Buffo-Ouvertüre ist, da bin ich ja schon mal zufrieden ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Lieber Peter, warum glaubst du, dass Iphigenie ein besserer Einstieg in Gluck sei als Orfeo?
      Für mich war und ist das nämlich gerade umgekehrt.
      Ich finde den Orfeo viel eingängiger, bewegender und musikalisch betörender als die Iphigenien. Und die Faszination, dass eien Oper von nur drei rollen plus einem serh aktiven chor leben kann, spielt dabei auch sicher eine Rolle.
      Was das Tempo angeht, habe ich eine Aufnahme mit Runnicles (und einer phantastischen Dawn Upshaw als Euridice), die mich durch eine sehr flotte Gangart ziemlich geprägt hat. Wahrscheinlich würde mir Junghänel da noch langsam vorkommen..... ;+)
      Jean-Claude Malgoire hat hier vor einigen Jahren den Orfeo ebenfalls aufgeführt- mit Philippe Jarroussky in der Titelrolle und einem Oben-ohne Ballett. Das Ganze war aber so saft- und kraftlos, dass ich kaum eine Erinnerung habe.
      Ich persönlich ziehe mittlerweile die frz. Fassung vor, weil ich sie eleganter finde und Berlioz Bearbeitung mit zusätzlichen grossen Arie , die Pauline Viardot, dem ersten weiblcihen Orphee in die Kehle geschrieben war, toll finde. wie lange läuft der Orphee denn noch in Köln?
      Bin serh gespannt auf weitere Kritiken.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Nee, natürlich »nicht für ungut«, lieber Peter - ich hab den Artikel ja nicht geschrieben. Mir ging's, »Tempesta-Erregung« hin oder her, nur um den hier präsentierten Eindruck von der Leistung des Gürzenich-Orchesters, der doch der Einschätzung aus der FR diametral entgegen zu stehen scheint.

      So unterschiedlich ist es halt im menschlichen Leben ...

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Liebe Feenkönigin,

      FairyQueen schrieb:

      Lieber Peter, warum glaubst du, dass Iphigenie ein besserer Einstieg in Gluck sei als Orfeo?
      Für mich war und ist das nämlich gerade umgekehrt.
      Ich finde den Orfeo viel eingängiger, bewegender und musikalisch betörender als die Iphigenien. Und die Faszination, dass eien Oper von nur drei rollen plus einem serh aktiven chor leben kann, spielt dabei auch sicher eine Rolle.


      Für mich war ja auch der Orfeo (noch in Trier) der Einstieg in die Opernwelt Glucks, ein Einstieg, der ein lebenslanges Interesse zur Folge hatte. Die Musik hat eine Vollkommenheit wie die Mozarts, damit allerdings auch eine gewisse Hermetik. Wenn man unmittelbare Dramatik sucht, liegt dann die Iphigénie en Tauride näher - es gibt eben viele Zugänge zum Werk Glucks (bis hin zu dem buffonesken in den Vaudevilles der Wiener Zeit, die .a. Mozarts Entführung erst möglich machten).

      Was das Tempo angeht, habe ich eine Aufnahme mit Runnicles (und einer phantastischen Dawn Upshaw als Euridice), die mich durch eine sehr flotte Gangart ziemlich geprägt hat. Wahrscheinlich würde mir Junghänel da noch langsam vorkommen..... ;+)


      Ich fürchte, dass Du Dich da irrst. Ich mag die Runnicles-Aufnahme und kann sie auch empfehlen. Es geht ja GottseiDank nicht darum, wer der Schnellste ist (da würde ich mal, ohne ins CD-Regal zu greifen, auf Östman setzen).

      Jean-Claude Malgoire hat hier vor einigen Jahren den Orfeo ebenfalls aufgeführt- mit Philippe Jarroussky in der Titelrolle und einem Oben-ohne Ballett. Das Ganze war aber so saft- und kraftlos, dass ich kaum eine Erinnerung habe.


      Es gibt eine DVD mit einer Einspielung unter Malgloire, die Dir sicher besser gefallen wird. Waldi machte schon einmal auf sie aufmerksam und ich teile seine Zustimmung.

      wie lange läuft der Orphee denn noch in Köln?
      Bin serh gespannt auf weitere Kritiken.


      Dem General-Anzeiger entnehme ich:
      Die nächsten Aufführungen: 29. Oktober, 1., 4., 7., 14. und 19. November;


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)