Keith Jarrett - Umstrittene Diva am Klavier

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Berenice schrieb:

      op. 87 No. 14 in Fis-Dur
      Entschuldigung, Nr. 14 ist in Es-Moll. Oder meinst du Nr. 13?

      Die einige Präludien & Fugen von op. 87 habe ich durch eine Nikolayeva-Aufnahme kennengelernt, die ich im Radio mitgeschnitten hatte. Bitter, dass dann mitten in der Fuge von Nr. 24 die Kassette zu Ende war.
      Ich legte mir dann Anfang der 90er die Jarrett-Aufnahme zu und war enttäuscht. Der Hall-Weichzeichner kommt da schon stark zum Einsatz, was vielleicht auch damals das allgemeine Konzept des Labels ECM war. Interpretatorisch hat es mich auch nicht vom Hocker gehaun. Vor einigen Jahren habe ich die Aufnahme verkauft.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Tyras schrieb:

      Nr. 14 ist in Es-Moll. Oder meinst du Nr. 13?
      Nun, Berenice wird das sicher noch klarstellen. Solange betreibe ich mal "Reengineering":

      Berenice schrieb:

      Phänomenal, wie Keith Jarrett da im Prelude eine Atmosphäre des Verlassen-Seins und des Grauens entstehen lässt als stände ein einsamer Überlebender einer wie auch immer gearteten Katastrophe auf einer Anhöhe,
      mit dem Blick über ein völlig zerstörtes Land, in dem jegliches Leben erloschen ist
      Diese Beschreibung kann ich zu 100% für Nr. 14 nachvollziehen. Bei Nr. 13 evtl. nur Einsamkeit, wenn man will. Beide sind für mich sehr "herbstlich".
      und wie er dann in der Fuge ganz behutsam aus Tod und Zerstörung neues Leben entstehen lässt
      Etwas "behutsamer" finde ich da allerdings den Beginn der Fuge Nr. 13. Aber hier wäre beides möglich. Die Fuge Nr. 14 ist eindeutig "fröhlicher", entfernt erinnert sie mich ans Finale von Beethovens "Sturmsonate" (das aber weniger "fröhlich" ist).

      Aber solche "konkreten" Vorstellungen sind ja bei jedem anders.

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • Tyras schrieb:

      Der Hall-Weichzeichner kommt da schon stark zum Einsatz, was vielleicht auch damals das allgemeine Konzept des Labels ECM war.
      Das habe ich schon mehrmals gelesen. Ich empfinde es nicht so, bzw. mir gefällt der Klang. Ich höre diese Aufnahme sehr oft per mp3 und Kopfhörer, und auch (so wie heute) von CD über Lautsprecher. Ich finde den Klang immer sehr gut. Aber das ist halt alles subjektiv.

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • Tyras schrieb:

      Entschuldigung, Nr. 14 ist in Es-Moll. Oder meinst du Nr. 13?

      maticus schrieb:

      Nun, Berenice wird das sicher noch klarstellen

      Oh sorry, war in Eile und hatte mich total "verdödelt". :schaem1:
      Danke für die Nachfragen, ihr Lieben!

      Ich meinte die Nr. 14 in es-moll!

      Hab's in meinem Post Nr. 39 ausgebessert.

      PS @ "maticus": Wie schön, wenn Du meine "Interpretation" des es-moll Preludes nachempfinden kannst!
      Liebe Grüße,
      Berenice

      Colors are like music using a short cut to our senses to awake our emotions.
    • Danke! Dort steht aktuell "nicht verfügbar"; habe die CD bei jpc bestellt. Ein paar Tage vor dem berühmten Köln Konzert gab es ja auch ein Konzert in Hamburg, dessen Aufzeichnung vor einigen Jahren ich glaube im Deutschlandfunk (oder NDR) gesendet wurde. Da konnte man hören, dass auch bei diesen gewaltigen improvisierten "Klaviersymphonien" gewisse "Bausteine" durchaus vom einen zum nächsten Konzert übernommen werden. Was für mich die Leistung in keinster Weise schmälert.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • AlexanderK schrieb:

      Ein paar Tage vor dem berühmten Köln Konzert gab es ja auch ein Konzert in Hamburg, dessen Aufzeichnung vor einigen Jahren ich glaube im Deutschlandfunk (oder NDR) gesendet wurde.
      Das Konzert habe ich damals gehört. Keith Jarrett hat nach der Pause, als jemand der Zuhörer vernehmlich die Tür schloss, das Konzert abgebrochen und war auch nicht dazu zu bewegen wieder weiter zu spielen. Michael Naura, der damals den Jazz im NDR verantwortete (was waren das für glückliche Zeiten!) hatte dazu einen ziemlich verständnislosen Kommentar gegeben.
      Bei aller Faszination die Jarretts Soloauftritte haben, stellt sich doch meistens recht bald der Eindruck einer gewissen Gleichförmigkeit ein. Wenn man sich mal die Mühe machen würde all diese Konzerte zu analysieren, würde man sicher eine ganze Reihe von Übereinstimmungen finden. Das ist aber nicht unbedingt ein Mangel, denn das musikalische Material ist ja durchaus begrenzt. Und ich glaube kaum, dass sich jemand sämtliche Aufnahmen der "Sun Bear Concerts" aus Japan am Stück anhören würde. Einzeln, mit gehörigem Abstand, kann es ein spannendes Erlebnis sein.

      Vor ein paar Tagen erhielt ich diesen Mitschnitt aus Hamburg (NDR Jazz Workshop 14.6.1972, mit Charlie Haden am Bass und Paul Motian am Schlagzeug). Dort bläst Jarrett auch die Flöte und das Saxophon, was nicht immer ein ungetrübter Genuss ist.



      Ob diese Aufnahme jetzt noch nötig gewesen wäre, oder sie ein bedeutsames Dokument darstellt lasse ich mal dahingestellt sein. Es macht aber in jedem Fall Freude zuzuhören, denn zu der Zeit war Keith Jarrett je bereits eine feste Größe im Jazzgeschäft.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Vielen Dank für den CD Hinweis Hamburg 1972 und den Kommentar dazu! Ich sammle zunächst mal locker die Soloaufnahmen (Jazz, E-Musik bisher nur Schostakowitsch) weiter, vielleicht später dann auch die europäischen und amerikanischen Trioaufnahmen und die mit Orchester.

      Habe vor einigen Monaten (erstmals im Leben) die Sun Bear Concerts komplett durchgehört, aber nicht unmittelbar hintereinander, sondern immer mit ein paar Tagen Pause von einem Konzert zum nächsten. Neulich wurde hier geschrieben jemand der die Aufnahmen schon lange kennt empfindet nach dem Wiederhören nur mehr gepflegte Langeweile. Wahrscheinlich macht man es hier genauso wie es bei fast allen Künstlern gemacht wird. Man misst sie an ihrem Allerbesten (und selbst das kann subjektiv immer etwas anderes sein). Ich spiele selbst Klavier und stelle mir vor, alle paar Tage vor vollen Konzertsälen improvisieren zu wollen, "weil man es kann und weil es die Welt bereichert" (mal so formuliert). Und wenn man es einige Zeit getan hat und plötzlich spürt, es geht nicht mehr so wie man ursprünglich wollte, aber es sind halt Termine und Erwartungshaltungen zu erfüllen, wird der Druck übermächtig. Dies alles bedenkend, möchte ich zumindest einmal alle Solo Livedokumente Keith Jarretts von Anfang der 70er bis Mitte der 90er die regulär bald nach den Konzerten erschienen vehement weiter "verteidigen". Da denke ich sogar, es wäre für solche Leute vielleicht manchmal einfacher, ins Korsett (Gefängnis?) klassischer Konzerte überzuwechseln - sich an den Vorgaben "anhalten" zu können. Die Vorstellung Keith Jarrett zu sein und vor einem Improvisationskonzert in der Carnegie Hall oder dem Musikverein Wien zu stehen und raus zu müssen und "man hat keine Idee" ist für mich der Horror. Geht aber wahrscheinlich auch den E-Musik Interpreten so - raus zu müssen, "wenn man nicht so drauf ist", aber alle erwarten die Sternstunde. Erst recht, wenn die Preise tlw. exorbitant teuer sind. Insofern bewundere ich Vladimir Horowitz ganz besonders, der es schaffte, in den Jahren vor seinem Tod noch unvergessliche Konzerte zu geben und die Erwartungshaltungen tlw. noch zu übertreffen. Auch Horowitz hatte ja extreme Krisen, etwa vor 1965.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • AlexanderK schrieb:

      Insofern bewundere ich Vladimir Horowitz ganz besonders, der es schaffte, in den Jahren vor seinem Tod noch unvergessliche Konzerte zu geben und die Erwartungshaltungen tlw. noch zu übertreffen.
      Die beiden letzten Konzerte in Hamburg und Berlin hätte er lieber lassen sollen. Zumindest bei dem in Berlin, wovon es einen Mitschnitt gibt, war er nur noch ein trauriger Schatten seiner selbst. Rubinstein war schlauer und hat rechtzeitig aufgehört, bevor es peinlich wurde.


      AlexanderK schrieb:

      Dies alles bedenkend, möchte ich zumindest einmal alle Solo Livedokumente Keith Jarretts von Anfang der 70er bis Mitte der 90er die regulär bald nach den Konzerten erschienen vehement weiter "verteidigen".
      Ohne Frage sind diese Konzerte etwas Besonderes. Nicht alle sind auf der Höhe, aber es wird eigentlich nie langweilig. Die Konzertmitschnitte aus der Scala, aus Paris und aus München und Bregenz halte ich sogar für nahezu sensationell. Aber das sind natürlich eher Sachen für ein lebendiges Konzert, da kann die CD nur einen Kompromiss bieten.

      Mein Lieblingsalbum ist aber dieses:



      Diesen Drive wie im Titelstück hört man nicht so oft. Das ist vom Anfang bis Ende Höchstspannung, und man kommt von der Stuhlkante nicht mehr runter. Ich fand ohnehin seine Aufnahmen mit dem sog. "Europäischen Quartett" immer besser. Auch die beiden Erstlinge "Belonging" und "My Song" gehören für mich zum Besten meiner Jazzsammlung.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Erneut ganz herzlicher Dank!
      Beim chronologischen Durchhören der Solokonzerte hatte ich speziell bei München den Eindruck, hier muss Keith Jarrett besonders "kämpfen", auch mit ungleich mehr Brüchen als bis dahin, um dorthin zu kommen, wo "es" sein könnte. Insofern ein besonders spannendes Dokument eines "erarbeiteten Konzerts". Wurde lange nicht auf CD veröffentlicht, es gab lange nur "Concerts" (den Titel behielt man trotzdem bei) auf CD nur mit dem Bregenz Konzert.

      Horowitz: Wien 1987 war schon sin singuläres Ereignis für die Musikstadt.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Doc Stänker schrieb:

      Gibt es davon ne Aufnahme??
      Der 100. NDR Jazzworkshop fand am 18. April 1974 in Hannover statt. Keith Jarrett traf auf Jan Garbarek (sax), Palle Danielsson (b) und Jon Christensen (dr).

      Den ersten Set (Dauer 44:08 min.) findest du hier
      youtube.com/watch?v=P06iM-UGi3s
      und den zweiten Set (Dauer 43:50 min.) hier
      youtube.com/watch?v=jwwoYtIdjc8
      "Ohne Bach wäre alles nichts."
      (Víkingur Ólafsson)
    • Auch von mir herzlichen Dank!

      Mann waren das Zeiten. Ich hab mir mal die Besetzungen der ersten 150 Workshops angesehen, da war wirklich alles dabei was damals Rang und Namen hatte. Besonders viele Künstler die für ECM aufgenommen hatten. Und zu der Zeit habe ich unbesehen (unbehört) alles gekauft was rauskam, bis in die späten 80er. Keith Jarrett und Jan Garbarek natürlich auch später.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)