Pettersson, Allan – Auf der Suche nach dem Gesang, "den die Seele einst gesungen hat"

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    • Wieland schrieb:

      teleton schrieb:

      Die Sinfonie Nr.10, die er wohl bei einem 9monatigen Krankenhausaufenthalt geschrieben hat. Da ist nichts versönliches - das hört sich einfach auch krank an. Ich finde das Werk so langatmig und letztendlich auch ungeniessbar, wie ich es selten bis nie bei einem Neuzugang erlebt habe. Da wird dem Hörer ein dermassen unattraktives schwer zugängliches Gewusel geboten. Unter Hörspass verstehe ich was Anderes !
      Mit der 10. und 11. tue ich mich auch schwer. Ich hatte mal von der 10. eine Aufnahme mit Dorati, die habe ich schnell wieder verkauft. Durch die GA habe ich sie jetzt wieder. Aber über ein einmaliges Hören bin ich da nicht hinausgekommen. Und vielleicht höre ich die auch nie wieder. Und wenn draußen die Sonne scheint und der Sommer lacht, mag ich auch keinen Pettersson hören.
      Und ich verstehe Euch trotzdem nicht, zumindest was die zehnte Sinfonie anbelangt (die elfte habe ich zu wenig im Ohr; sie ist etwas schwieriger, meine ich). Erstens ist sie ziemlich die kürzeste von allen, zweitens ist sie auch eine der am deutlichsten erkennbar strukturierten. Sie besteht aus griffigen, wenn auch zweifellos nicht dem Ohr schmeichelnden Motivkomplexen, welchen ein Moment der aggressiven Traurigkeit innewohnt - auf die damals aktuellen privaten Hintergründe hat teleton dankenswerterweise hingewiesen doch so wichtig scheint mir das nicht und wollte es auch Pettersson nicht gesehen wissen. Drittens - und das ist das Entscheidende: Die Musik wird zunehmend maßvoller, harmonisch und im Duktus konventioneller, um schließlich in jener für den Komponisten typischen schmerzlich romantisierend barocken Haltung zu enden. Das ist doch überhaupt nicht schwer zu hören, ganz abgesehen davon, dass das Katharsis-Erlebnis sich viel schneller und zwangloser einstellt als in den umfangreicheren Werken. Sorry, aber ich finde gerade dieses Werk faszinierend ... und eher zu schnell vorbei.

      Bitte im Interessefall wirklich nochmals hören! Ich kann ja wahrlich begreifen, dass man sich zum Beispiel mit der Dreizehnten schwer tut und dafür Muße und Einstellung benötigt. Aber die Zehnte ist doch genauso ein Klacks - und begeisternd - wie die Siebte oder die Sechste! Echt jetzt! :P :)

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Aber die Zehnte ist doch genauso ein Klacks - und begeisternd - wie die Siebte oder die Sechste! Echt jetzt!
      Lieber Wolfgang
      ich finde, echt NICHT. Die 6. oder 7. kann man auch bei erheblich größerer Länge gut hören, die 10. ist wirklich grenzwertig. Die 13. habe ich erst einmal gehört, aber die fiel mir sicher leichter als die 10. Aber versprochen, ich probier' es noch mal. Aber erst wenn der Sommer vorbei ist. :D
    • Wieland schrieb:

      Die 13. habe ich erst einmal gehört, aber die fiel mir sicher leichter als die 10.
      Das verblüfft mich jetzt, Meister Wieland!

      Im Zusammenhang mit modernen Streichquartetten etwa habe ich ja schon viel von Dir gelernt.
      Daher: Gerne bei Gelegenheit mehr in Kooperation, solange wir uns keinen Rheumatismus dabei einfangen! :versteck1:
      Ansonsten nur noch die Frage: Kannst Du meiner knappen Beschreibung der Zehnten quasi wertneutral in etwa zustimmen?

      Wieland schrieb:

      Die 6. oder 7. kann man auch bei erheblich größerer Länge gut hören [...]
      Einverstanden!
      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Gurnemanz schrieb:

      Übrigens ist die 10. Symphonie meines Wissens das einzige Werk Petterssons, das bei Capriccio einen eigenen Faden hat:

      Pettersson, Allan: Sinfonie Nr. 10 – Musik in Todesnähe

      :wink:
      Vielen Dank, werter Gurnemanz! Diesen Faden hatte ich nicht im Blickfeld. Dort klärt sich vielleicht auch für die Mitstreiter dahier so manches und die Vorfreude auf ein (Wieder-)Hören steigt. Und für mich gilt das genauso. ;) :)

      :wink: Wolfgang
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    • RE: Eindrücke zur Sinfonie Nr.10

      Josquin Dufay schrieb:

      Ich kenne nur dieses eine Werk von Pettersson, und das Wort "Hörspaß" würde mir nicht in den Sinn kommen.
      Erst mal meinen Dank an Lutz, Wolfgang und Gurni für Eure aussagekräftigen Antworten.
      Mit dem Smiley von Wolfgang konnte ich dabei am wenigsten Anfangen, weil meine Eindrücke damit so darstellt werden, als wenn ich genau so denken und fühlen müsste wie Du, Wolfgang. Du hast das aber in nachfolgenden Beiträgen relativiert.

      Hallo Joasquin,
      Du weisst nicht,was ich unter Hörspass verstehe. Das muss keine positive Muisk sein (wie Du veilleicht denkst), die kann durchaus im düsteren "Pettersson-Niveau" sein. Aber was mir fehlt ist eine steigernde Entwicklung, die mich aufwühlt. Stattdessen geht das düstere Geplänkel weiter ohne jeglichen Gänsehautfaktor; ohne mich berühren zu können - Langeweile kommt auf und die Sehnsucht, dass das endlich zu Ende ist.

      Da gibts in anderen Pettersson-Sinfonien (wie Nr.6, 7 u.a), die ungleich mehr, was ich dem "Hörspass" zuordnen würde.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Hallo zusammen,

      Allan Pettersson (1911-1980)
      Symphonien Nr.10 & 11
      Radio-Philharmonie Hannover des NDR, Alun Francis
      CPO, DDD, 93/94

      Ich habe mir jüngst - vor allem aufgrund der Verlinkung zum Spezialthread zur 10. - diese Scheibe einmal angehört. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn man dieser Musik wenig oder nichts abgewinnen kann. Mir hat sie jedoch sehr, sehr gut gefallen. Dahinter steckt eine Eigenständigkeit, eine Kraft, wie sie im Bereich des nicht so etablierten Repertoires nur sehr selten zu finden ist. Gerade die 10. hat eine Wucht, beinhaltet einen düsteren Zorn, der überwältigt und für mein Empfinden wirklicht nichts gemein hat mit irgendwelchem larmoyanten Selbstmitleid. Was Pettersson hier raushaut, bewegt (mich) durch seine unvermittelte Ungefiltertheit. Mir scheint, er hat wenig Gedanken daran verschwendet, wie diese Musik auf den Hörer wirken mag. Vielmehr war es ihm wichtig, "seine" Botschaft zu übermitteln. Wahrscheinlich polarisiert seine Musik einfach sehr stark. Man liebt oder man hasst ihn, mit wenig Spielraum für ein "Dazwischen". Mich hat Pettersson mit dieser Scheibe erneut sehr beeindruckt, zumal die Werke sehr gut gespielt und exzellent aufgenommen wurden. Vermutlich bedarf es nicht zwingend weiterer Deutungen. Mir fehlt es angesichts des auf der CD Gebotenen an Fantasie, wie man das besser rüberbringen sollte.

      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
      "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
      - H. W. M.
    • Dein Beitrag hat mich sehr gefreut, Frank. Irgendwann heute Abend muss die Scheibe dann wieder mal ran - notfalls kann ich sie auf meine Stress-Ebene herunterstutzen, vielleicht reicht es aber für etwas mehr Einfühlung und Einverständnis ... Katharsis nennt man das wohl ... :P

      PS: Übrigens: Schau mal im anderen Forum, wo Du Abteilungsleiter bist, zweckswegen der Streichquartette von Rubbra ...

      ... oder natürlich auch hier:

      Jeden Tag ein Streichquartett

      :D Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Hallo Wolfgang,

      ja, danke für den Rubbra-Hinweis! :) Habe ich "drüben" natürlich bereits gelesen.

      "Abteilungsleiter" - seit bald 2,5 Jahren nicht mehr... ;)

      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
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    • Lindberg mit Pettersson 5 & 7

      Es wurde zwar schon unter den Neuerscheinungen kurz erwähnt, aber ich möchte es hier noch einmal hervorheben. Offensichtlich hat sich BIS entschlossen, seinen begonnenen Pettersson-Zyklus nicht nur durch Christian Lindberg zu komplettieren, sondern einen kompletten Lindberg-Zyklus einzuspielen. Denn sowohl Symphonie Nr. 5 (Atzmon) als auch Nr 7. (Segerstam) lagen bereits in Einspielungen mit anderen Dirigenten beim gleichen Label vor. Das ist höchst erfreulich, denn vor zwei, drei Wochen habe ich die 6. mit Lindberg gehört und war sehr angetan.

    • Hallo Lutz,

      ich fiinde das sehr erfreulich, denn sowohl die frühen Ansätze zu einer Gesamtaufnahme auf BIS, als auch die CPO-GA sind ja durchaus schon älter. Ich werde die Lindberg-Deutungen jedenfalls weiter beobachten und sammeln.

      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
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    • Hier nach jahrelanger Pause mal wieder


      Pettersson, Sinfonie 10.

      Vor Jahren --- und bevor Pettersson auch hier im Forum eine Zeitlang "Mode" wurde, es gab seinerzeit viele begeisterte Postings, aber in "Eben gehört" verschwand er so schnell wie er aufgeploppt war, so jedenfalls meine Erinnerung --- vor Jahren also entdecke ich ihn. Fand ihn erstmal total (Amfortas Speach :D ) FETZIG und hatte das Gefühl den heiligen Gral "Moderner Musik" gefunden zu haben. Dann kühlte das verblüffend schnell wieder ab. Ich schätzte ihn aber die CDs verstaubten.

      Warum? Hatt ich mich getäuscht? Oder irgendwas nicht begriffen? Ist das was der komponiert hat die absolute Tiefe mit relativ konventionellen Mitteln, oder im Gegentum bessere Filmmusik die ja prima Gefühlstiefen hochbrodeln läßt aber auf Dauer austauschbar ist? Ist es eigentlich egal welche seiner 17 Sinfonien grad erklingt, Hauptsache Petterson? Hat das Struktur? Hat es keine? Eine nur rudimentäre? Ist es ne Mode? Ist es genial? So viele Fragen... Ich möchte dem mal nachgehen.

      Ersteindruck: Unentschieden ?(
      "Wir sind nichts Wichtiges. Wir sind im Grunde nichts weiter als Wirbel im Fluß des Lebens. -- So betrachten wir unser Leben allerdings nicht gern." (Charlotte Joko Beck)
    • Wobei, "Mode", ich sehs erst nach dem Abschicken meines Postings, "Mode" trampelte auf seinem immensen Leiden aus dem er die Inspiration für seine Musik zog, auf einer Weise herum die ich nimmer beabsichtigt hab, und darum nochmal für diese Formulierung eine dicke Entschuldigung!

      Aber hat das Substanz aus sich selbst heraus,? Da dies alles OT ist mag die Moderation gern meine Anmerkungen in den entsprechenden Pettersonthread verschieben, vielleicht stößt das ja was Neues an und wir können alle nach dem erregenden Erstkontakt nochmal kühler über diesen erstaunlichen Menschen und Komponisten nachdenken :) er hats verdient...

      Auf Anregung des Verfassers von "Eben gehört - Neue Musik" hierher verschoben. Braccio
      "Wir sind nichts Wichtiges. Wir sind im Grunde nichts weiter als Wirbel im Fluß des Lebens. -- So betrachten wir unser Leben allerdings nicht gern." (Charlotte Joko Beck)
    • Lass diese Musik immer mal wieder auf Dich wirken, garcia. :)

      Ich denke schon, dass Pettersson für mich und manch andere hier und anderswo keineswegs nur eine Mode darstellt oder darstellte.

      Du findest in diesem Thread manche Anregung, die mir zeitlos erscheint. Dass es nicht unaufhörlich so weitergeht hier, liegt doch auf der Hand. Erstens braucht Pettersson ZEIT und damit beinahe existentiell zwangsläufig auch (längere) PAUSEN; zum anderen geht es mir als breit aufgestelltem Musikliebhaber so, dass ich vieles immer wieder liegenlassen muss, obgleich ich das gar nicht möchte. Den Grund muss ich Dir nicht erklären! :)

      Allerdings darfst Du versichert sein, dass ich Deine Fragen und Impulse so berechtigt wie intelligent finde und sie gewiss nicht mit den paar Sätzen, welche ich soeben geschrieben habe, vom Tisch wischen möchte.

      Daher noch ein paar kurze, mehr oder minder subjektive Anmerkungen - auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole bezüglich des bisherigen Thread-Verlaufs.

      - Petterssons Musik birgt, wenn man ihn noch nicht gekannt hat und eingermaßen offen ist für Neuere Musik, ein bemerkenswertes Initiations-Potenzial.

      - Man erkennt Petterssons Personalstil.

      - Die Musik erwächst nicht nur aus dem ganz persönlichen Leiden ihres Schöpfers. Denn dazu erscheint sie zu folgerichtig gearbeitet, zeigt kaum Sprünge und Brüche, Unmotiviertes und Beliebiges. Auch hat Pettersson selbst sich schriftlich oder mündlich dazu sehr viel differenzierter geäußert.

      - Petterssons Musik verlangt Zeit in gleicher Weise, wie ein Bruckner oder ein Mahler oder ein Schostakowitsch sie verlangt. Dies lohnt sich aber in keiner Weise minder als bei den Genannten.

      - Ich finde nicht, dass Petterssons musikalische Mittel konventionell sind. Sie stehen natürlich in einer Tradition - deren Vertreter aber gar nicht so eindeutig benannt werden können meines Erachtens - und werden mit einem großen romantischen Sinfonieorchester hervorgebracht; wie aber oben schon angedeutet, ist der Personalstil unverwechselbar und es geht dem Komponisten ohnehin nie um Publikumswirksamkeit. "Fillmmusik" kommt mir daher so schnell nicht in den Sinn; "Pathos" in der besten Bedeutung des Begriffs schon.
      :cincinbier: Wolfgang
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