Wer nicht lesen will, muss hören!

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    • Heinrich Böll: Dr. Murkes gesammeltes Schweigen

      Oder: Mahler 6 einmal anders gehört


      Der Hörer, der mit einem absoluten Gehör gesegnet ist, hört einfach alles. Und deshalb kann er nichts hören. Weil er es nicht erträgt. Jedenfalls bei Musik. Fluch und Segen zugleich. I-wie. Der Musikliebhaber wählt seine Werke nach Genres, Komponisten oder Interpreten. Der Absoluthörer selektiert – in Abhängigkeit von seiner aktuellen Stimmung – nach Tonarten aus dem Fundus der Dur-Moll-Tonalität. Dodekaphon oder atonal geht gar nicht. Manchmal ist es a-Moll. Aber da kommen dann grundsätzlich nur zwei Werke in Betracht. Von unterschiedlichen Komponisten zwar, aber jeweils nur eine ganz bestimmte Aufnahme. Die vierte Sinfonie von Jean Sibelius oder die herrliche sechste Sinfonie von Gustav Mahler. Welche beiden Aufnahmen könnten das wohl sein? Bei Mahler ist es diese eine Liveaufnahme von Mariss Jansons. Bei Sibelius‘ vierter Sinfonie muss ich nachdenken.

      Und während ich also nachdenke und höre, fällt mir Heinrich Böll ein. "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen".



      Dr. Murke ist beim Hörfunk als Redakteur der Abteilung Kulturelles Wort beschäftigt. Es geht um den Vortrag "Über das Wesen der Kunst" von Professor Bur-Malottke. Ein sehr eloquenter, ja wortgewaltiger Zeitgenosse. Vor der erneuten Ausstrahlung seines Vortrages hat er Änderungsbedarf angemeldet, denn die Dinge haben sich bei Bur-Malottke inzwischen geändert. Er möchte das Wort "Gott" durch die verbindlichere Formel "jenes höhere Wesen, das wir verehren" ersetzt haben. Die "Kasualverschiebung" ist dann ein Thema. Bereitwillig geht man ans Werk, um die verschiedenen Varianten insgesamt 35 Mal aufzunehmen und in den Beitrag einzuarbeiten. Auch an den Vokativ wird gedacht. Eine Nachbearbeitung, die alle Beteiligten an ihre Grenzen führt. "Murke hatte sich zu jung gefühlt, zu gebildet, um das Wort Hass zu mögen."

      Der Zufall will es, dass die herausgeschnittenen Hörschnipsel mit dem Wort "Gott" sogleich in einem Hörspiel Verwendung finden. Dort sollen sie an Stellen, wo ursprünglich Schweigen vorgesehen war, eingefügt werden. Denn Schweigen sendet sich i-wie schlecht beim Rundfunk. Dafür will auch niemand Gebühren zahlen.

      Und so kommt es, dass Dr. Murke sich aus den nicht mehr benötigten Bandschnipseln mit diesem beredten Schweigen in all seinen Kasualverschiebungen ein eigenes Band erstellt, das er in seiner Freizeit zur Entspannung nach einem harten Arbeitstag hört. [Es ist beim Rundfunk natürlich verboten, Bänder oder Teile davon mit nach Hause zu nehmen.] Ob Dr. Murke ein Absoluthörer war, erfahren wir nicht. Denken könnt‘ ich mir’s schon…

      Kein zeitloser Text, den Heinrich Böll in der diesem Hörspiel zugrunde liegenden Form einer Erzählung vorgelegt hat. Die Erstveröffentlichung erfolgte 1955 in den Frankfurter Heften. Das Hörspiel des SWR aus dem Jahre 1986 mutet wie der Versuch einer leidlichen Vitalisierung an.

      Welche Einspielung der Vierten von Jean Sibelius war es doch gleich?
      "You speak treason" - "Fluently"
      "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"
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      4000 Seiten Memoiren. Die bekommt man hier natürlich nicht geliefert, sondern 'nur' einen Ausschnitt von gut 20 Stunden.

      Natürlich geht es v.a. erotisch drunter und drüber und Casanova nimmt kein Blatt vor den Mund. Aber es ist eben auch in jeder anderen Hinsicht ein großes Sittengemälde des Rokoko vor der Französischen Revolution. Ein köstliches und großes Hörvergnügen!

      :wink: Wolfram