Puccini: Turandot - Kinoübertragung aus der MET, 7.11.2009

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    • Puccini: Turandot - Kinoübertragung aus der MET, 7.11.2009

      Lieber Opernfreunde,
      ich habe mir gestern die Turandot(Dirigat Andris Nelsons/Regie Franco Zeffirelli) aus der MET Opera angesehen und môchte euch hier davon berichten.
      Da ich bekanntlich Puccini nciht sonderlich schâtze und mit dieser Oper inhaltlich sehr wenig anfangen kann, hatte ich keine grossen Erwartungen und konnte von daher auch nicht enttäuscht werden.
      Der serh junge Lette Andris Nelsons dirigierte das Met Orchester und outete sich in der Pause als leidenschaftlciher Puccini, Strauss und Wagner-Fan.
      Da kann man dann wohl mit der Turandot und angesichts der hochprofessionellen Musiker wohl wenig falsch machen. Mir fiel lediglich auf, dass im Duett Calaf/Turandot eine solche orchestrale Wucht aufgefahren wurde, dass selbst so grosse Stimmen wie die von Giordani(bekannt als "the iron tenor") Probleme hatten, nciht ins Schreien zu geraten.

      Die Inszenierung war genauso so wie man es von Zeffirelli kennt udn erwartet: ein riesiger Aufwand an librettogerechtem Dekor, eine grosse Detailtreue und üppigste Ausstattung an allen Ecken und Enden. Man wusste nciht, wo man hinschauen sollte. Im zweiten und dritten Akt wäre weniger wirklich VIEL mehr gewesen, im ersten Akt dagegen fand ich das Ganze serh eindringlich.
      Zeffirelli ist es hier gelungen, eine bedrohliche, düstere und für das Volk ungeheuer bedrückende Atmosphäre wiederzugeben und mcih -überraschend für mich selbst- in die Handlung und Geschichte hineinzuziehen.
      Es wurde eine serh dunkle und armselig wirkende Stadt gezeigt, das Volk war in eintönige maoistisch anmutende Kôstüme gehüllt und ganz besonders beeindruckend fand ich die überall auf langen Stäben aufgespiessten Köpfe der bereits exekutierten Bewerber. Lebensecht in diversen Zuständen der Verwesung..... Die Grausamkeit der noch nciht aufgetretenen Herrscherin und ihr Fluch waren allezeit gegenwärtig. Als eigentlche Herrscher erschienen die Henkersknechte.

      Was Zeffirelli leider nciht gelang, aber das ist auch bei diesem Libretto quasi ein Unding, war , die Entwicklung der "Liebe" von Calaf zu Turandot und umgekehrt nachempfindbar zu machen und zu motivieren. Hier kamen die Oper als solches, die Regie aber auch die beiden Protagonisten an ihre Grenzen.

      Zu den Sängern:

      Leider stehen die Namen des Trios Ping, Pong, Pang nicht in meinem Programm. Das war hervorragend gesungen, aufeinander abgestimmt und gespielt- Bravi! :juhu:

      Samuel Ramey sang den Timur. Er überzeugte zwar als Bühnenfigur, aber sein extremer Wobble, bei dem manche Töne wirklich die Freqeunzspektren grosser Intervalle abdecken, zeigte wieder einmal, dass man ihn an solchen Häuser eigentlcih nciht mehr einsetzen dürfte. Es ist ein Jammer, einen so tollen Sänger in einem solchen stimmlichen Zustand zu erleben- mir kommt das wie eine Art von "Gnadenbrot" vor.

      Der Calaf war Marcello Giordani. Ich kenne ihn bereits als Berlioz Faust und auch hier wurde er den Anforderungen der Rolle insgesamt gerecht. Er hatte einige starke Intonationsprobleme, aber da ich sein kraftvolles und strahlendes Timbre mag, war das für mich nciht so katastrophal wie für manche Zuschauer, mit denen ich nachher gesprochen habe. Mit der Arie aller Arien "Nessun dorma" konnte er einen frenetischen Zwischenapplaus einfahren.

      Selbiger wurde der Turandot von Maria Guleghina verwehrt, sogar bei ihrer Monster-Arie "In questa reggia" gab es keinen Applaus.
      In meinen Augen nciht zu Unrecht. Wenngleich ich voll tiefer Bewunderung für jede Sopranistin bin, die sich an diese Partie traut, muss man ehrlicherweise sagen, dass ihr die Wenigsten gewachsen sind.
      Guleghinas Höhe klang so, als habe man einer Katze auf den Schwanz getreten und war genauso hässlich wie der Charakter der ganzen Figur.
      Für mich eine eindeutige Fehlbesetzung, insbesondere auch als Bühnenfigur.
      Ich habe sie noch nie erlebt, aber hier waren ihre Schauspielkünste manieriert und serh dürftig. was dann dazu führte, dass Giordani serh viel überzeugender und bewegender die sterbende Liu in den Armen hielt, als seine endlich eroberte Turandot anschmachten konnte. Das Liebespaar kam jedenfalls serh unglaubwürdig rüber, was natürlich auch mit dem Libretto zu tun hat.

      Das sich der Besuch für mich letztlich wirklich lohnte, lag an einer überragenden und mir bis dato unbekannten Liu, deren Namen man sich unbedingt merken sollte: Marina Poplavskaya. :juhu: :juhu: :juhu:
      Rein stimmlich schon ein Paradebeispiel für Legato, Pianokultur und Atemfûhrung, besitzt sie zudem ein sehr schönes lyrisches Timbre und hat die Rolle mit ganzer Hingabe interpretiert. Ihr "Signore ascolta" war ein Wunderwerk und bekam die verdienten Bravos und grossen Zwscihenapplaus. Auch am Ende wurde sie weit mehr gefeiert als die Turandot- was einmal mehr zeigt, dass die Vox populi nicht das Schlechteste ist!

      Die Oper an sich ist mir nciht sympathischer geworden, wobei ich die dramaturgische Meisterschaft Puccinis und sein solides musikalisches Können und Spielen auf der Emotionsklaviatur voll anerkenne.

      Aber die Charakterisierung der beiden Frauen und insbesondere der für mich total absurde Schluss des Ganzen bleiben als grosse Hindernisse im Raum.

      Die nächste übertragung wird "Les Contes de Hoffmann" am 19.12. sein. Joseph Calleja und Anna Netrebko werden sicher für hinreichenden Diskussinsstoff sorgen. Sevi bekommt jedenfalls so oder so ihren Exclusivbericht zu ihrem Lieblingstenor von mir! :P :kiss:

      Allen Opernfreuden, ob aktiv oder nur mitlesend, ganz liebe Grûsse von eurer Fairy Queen :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Hallo,
      ich habe die Übertragung auch gesehen.
      Das größte Manko war (neben der für meinen Geschmack viel zu pompösen Inszenierung) wahrlich die Turandot, da stimme ich dir voll und ganz zu. Ich war manchmal nahe daran, mir die Ohren zuzuhalten, so schrill und quietschig klang sie. Und bei so großen Leinwänden, die in Großaufnahme jede Regung, aber auch jede Falte und jedes Pfund zuviel gnadenlos zeigen, ist es dann ein gefühltes Drama, wenn so eine eher unsympathisch angelegte Rolle auch noch von einer gestalterisch ausdrucksschwachen Sängerin gespielt wird.
      Demgegenüber war die Liu eine reine Freude, die Poplavskaya hat den Part dieser zarten und doch starken Sklavin sehr beeindruckend gesungen und gespielt. Ich kannte sie vorher nicht und war schon bei den ersten Tönen ihres Auftritts verzaubert.

      Ja das Ende.....
      Mich hat es auch ganz und gar nicht überzeugt. Wie man ja weiß, hat Puccini alles nach dem Tod der Liu nicht mehr selbst geschrieben und vielleicht erscheint es uns daher nicht passend; vielleicht hätte er ja alles nochmal ganz über den Haufen geworfen und es ganz anders gemacht. Aber selbst wenn man bei dieser Version bleibt - wo Turandot dann Calaf schließlich erkennt (in Form des Namens, den er ihr verrät und sich ihr damit zu erkennen gibt) und zu lieben beginnt - haben beide Hauptdarsteller in meinen Augen versagt und diese Aussage nicht vermitteln können. Auch Calaf hat nicht geschafft zu zeigen, dass er erst im Angesicht der sich opfernden Liu mehr von sich preisgibt und genau damit das Herz der versteinerten Turandot erweichen kann. Das war psychologisch nicht vermittelt und sicher hat auch die so auf Äußerlichkeiten setzende Inszenierung dazu beigetragen, dass die inneren Vorgänge dann nicht mehr nachvollziehbar waren.

      Nichts desto trotz, auch ich werde mir vermutlich im Dezember "Les Contes de Hoffmann" ansehen; auch wenn ich bisher ganz und gar kein großer Netrebko-Fan bin - aber fürs Kino ist sie vermutlich wie geschaffen ;)
      Heike
      „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)
    • Meine Lieben!

      Ich kenne diese Zefirelli Inszenierung, war aber nicht im Film.

      Das Problem der "Turandot" ist die Turandot. Maria Ghulegina singt derzeit am meisten diese Partie - und es wird sich ein Ausspruch der Callas beweisen, die ja die Turandot nur 9 [neun] Mal auf der Bühne gesungen hat:

      Die Turandot mordet die Prinzen, oder Kandiaten um sie, aber die Partie mordet auch die Soprane.

      Ich denke, dass es kaum eine Puccini Partie gibt die schwieriger zu singen ist, als diese Prinzessin aus Eis.

      Doch habe ich die Aufnahme aus Valencia bei mir auf VHS, und zu Birgit Nilsson oder Inge Borkh kommt ja nicht so rasch eine ran.

      Liebe Grüße sendet Euch mit Handküssen Euer Peter. :wink: :wink:
    • Liebe Fairy,

      bin jetzt auch nicht der große Puccini- und Turandot-Fan und schon überhaupt nicht der von solchen Monsterinszenierungen (habe die Kinokarte mehr aus Zufall bekommen), rechnete sogar anfänglich aus, dass ich dafür 2x Kaufmann/Lohengrin oder 3x Kameliendame + S-Bahn hätte haben können, aber dann beschloss ich einfach, mich auf dieses Spektakel ein zu lassen.

      Ich konnte sogar tatsächlich bald Gefühle entwickeln oder Verständnis für das geknechtete Volk haben, auch für den "göttlichen" Vater, der langsam vom Morden und den Verrücktheiten seiner Tochter die Nase so voll hatte. (Als der schöne Prinz zum Schafott geführt wurde, war eine Weile Satelittenstörung, in Lille auch?) Diese spontane große Liebe des Calaf empfand ich aber enorm an den Haaren herbei gezogen (halt ein Märchen), gerade wenn man von so einer wunderschönen Frau (Sklavin hin oder her) bedingungslos angehimmelt wird.

      Marina Poplavskaya, von der ich vorher auch noch nie etwas hörte, spielte und sang wirklich so, dass man eigentlich den ganzen Brimborium rings herum vergaß. Mir kam es auch so vor, dass sie es war, die das Herz der Turandot aus ihrem Eispanzer befreite. Maria Guleghina zeigte da im Hintergrund erste menschliche Züge (weinte fast) und deshalb konnte ich nachher auch die, sich ganz vorsichtig entwickelnde Liebe und den Kampf ihrer Gefühle, die sie ja partout nicht zulassen wollte, sehr gut nachvollziehen. Ich war richtig erstaunt, dass in dieser Materialschlacht tatsächlich noch Schauspielkunst hervor gebracht werden konnte, um die Rolle zu gestalten. Aus meinem Empfinden ist das eigentlich allen recht gut gelungen. Einer junge Frau neben mir liefen tatsächlich die Tränen runter und auch bei anderen sah ich feuchte Augen. Bei dem Kampf um die Jugend ziehen offensichtlich nicht nur ganz abgefahrene und den heutigen Kino- oder sonstigen Actionshits angepassten Operninszenierungen, sondern auch solche Vorstellungen.

      Maria Guleghina war schon oft in München (u.a. Nabucco) und vielleicht auch deshalb fand ich ihren Gesang nicht so schrecklich, da ja wirklich eine extrem schwierige Rolle und nur sehr wenige können die überhaupt längere Zeit singen. Mich hat jetzt Marcello Giordani nicht so sehr berührt und sein Nessun dorma sogar enttäuscht, denn ziemlich gefühllos (vielleicht saß ihm der Schock noch im Nacken, dass er beinahe die Treppe runter gepurzelt wäre.... kein Wunder bei der mickrigen Mondbeleuchtung) Da wurde im Kino auch kaum applaudiert, bei Liu heftig.

      Fand es ebenfalls sehr schade, dass Ping, Pong und Pang nicht namentlich auf dem Programmzettel aufgeführt wurden, denn einer (war das Ping der Bariton?) sang nicht nur sehr gut, sondern sieht im wirklichen Leben und in anderen Rollen bestimmt sehr gut aus 8+). Konnte man in dem Kostüm nicht ganz so gut ausmachen, auch wenn der Mantel heftig tiefe Einblicke zuließ :whistling:

      Irgendwie gefiel mir diese MET-Übertragung sogar besser, als die von Lucia di Lammermoor. Lag vielleicht auch daran, dass ich gestern in der 11. Reihe Mitte saß und beim ersten Mal ganz vorne. Erinnere mich noch mit Schrecken an den riesigen Reifrock von AN und ganz oben saß, auf einem auch ziemlich runden Gesicht, ein winziges Hütchen. Die Perspektive war da richtig grotesk.

      Wünsche noch einen schönen Abend
      Ingrid
    • FairyQueen schrieb:

      Samuel Ramey sang den Timur. Er überzeugte zwar als Bühnenfigur, aber sein extremer Wobble, bei dem manche Töne wirklich die Freqeunzspektren grosser Intervalle abdecken, zeigte wieder einmal, dass man ihn an solchen Häuser eigentlcih nciht mehr einsetzen dürfte. Es ist ein Jammer, einen so tollen Sänger in einem solchen stimmlichen Zustand zu erleben- mir kommt das wie eine Art von "Gnadenbrot" vor



      Ich war nicht in dieser Turandot und eigentlich gehört das jetzt auch nicht zum Thema. Kürzlich erlebte ich im TV Samuel Ramey in einer Bassrolle in der Oper La Rondine und war auch total über seinen stimmlichen Zustand entsetzt. Ich schätze ihn auch außerordentlich und kann nicht verstehen, dass er nicht in Würde aufhören kann. :shake: :shake: :shake:



      Liebe Grüße :wink: Ramona