Über Oboen

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    • arundo donax schrieb:

      [...] die Frequenz der schwingenden Luftsäule erhöht sich mit steigendem Blasdruck [...]
      Nach meinem Verständnis (Physik ist allerdings auch nicht mein Fachgebiet) dürfte so etwas nur im Rahmen der Obertöne gehen, also z. B. beim "Überblasen", womit ich bei Oboe und Flöte die Oktave (1. Oberton) bzw. bei der Klarinette die Duodezime (2. Oberton) erwische. Vielleicht findet sich ein Wissender, der es dazu noch verständlich erklären kann...? :pfeif:

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • arundo donax schrieb:

      So begegnen mir beispielsweise immer wieder Leute (vorzugsweise Streicher ), die nicht verstehen können, dass Bläser Intonationsprobleme haben: "Wenn man die richtigen Klappen drückt, ist der richtige Ton doch da?!"

      Gurnemanz schrieb:

      Physikalisch gesehen, hat der nachfragende Streicher doch gar nicht so unrecht: Der Resonanzraum ist eindeutig fixiert, wenn ich ihn durch Betätigung der Klappe entsprechend behandle, sprich: Löcher öffne bzw. schließe. In Wirklichkeit kann ich allerdings durch Lippenkraft einiges intonatorisch beeinflussen. Gibt es dafür leicht faßbare Erklärungen oder ist das komplexer?

      Nee: der ist keineswegs eindeutig fixiert.
      Und ja: Es ist komplexer.

      Zunächst könnte man den Streicherkollegen fragen, warum er denn sein Instrument immer wieder mal stimmen muß und es nicht genügt, die Saiten einmal auf Stimmung zu bringen und dann zu fixieren. 'Wegen der Temperaturschwankungen', wird er dann sagen, wenn er Darmsaiten verwendet, sicher auch noch 'Luftfeuchtigkeit'. 'Eben' kann man ihm dann antworten: Die Frequenz der schwingenden Luftsäule im Blasinstument hängt nämlich nicht nur von der Länge des Rohres ab, sondern auch von der Dichte der Luft. Die wiederum ist eine Funktion von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Damit es nicht zu einfach wird, ist beides in der Praxis nicht nur als solches zeitlich nicht konstant, sondern noch nicht einmal über die Rohrlänge einheitlich, es gibt für beides einen (beim Spielen zeitlich auch noch veränderlichen) Gradienten entlang des Rohres.

      Genaugenommen kennen wir noch nicht einmal die korrekte Rohrlänge: Blasinstrumente sind beidseitig (mehr oder weniger, was auch einen Einfluß hat) offene Rohre. Die Formeln im Physikbuch unterstellen bei diesem System aber, daß die Bohrung im Verhältnis zur Länge vernachlässigbar ist. Das ist sie bei real existierenden Musikinstrumenten aber nicht. Damit ist aber der "Abrisspunkt" nicht mehr exakt festgelegt: Woher soll ein Luftmolekül am Rohrende, aber in der Mitte der Luftsäule "wissen", wo das Rohrende ist? Das kann es nur über Wechselwirkungen mit benachbarten Molekülen. Jetzt ist Luft aber kein starres Medium....
      Mit anderen Worten: die schwingungsmäßig tatsächliche Rohrlänge ist nicht nur größer als die physikalische Länge des Rohres, sie ist auch nicht exakt definiert und kann sich je nach den momentanen Druckverhältnissen innerhalb gewisser Grenzen verlagern. Bislang haben wir uns aber nur ein Rohr ohne Löcher angesehen. Mit jedem Loch, das wir hineinbohren, und das wir offenhalten, verkomplizieren sich die Bedingungen. Auch das sind Öffnungen, an denen wieder das Gleiche gilt, wie am Rohrende. Es hat schon seinen Grund, warum man eine schwingende Saite mathematisch realtiv einfach fassen kann, es bis heute aber nicht möglich ist, die Verhältnisse innerhalb eines Holzblasinstrumentes geschlossen mathematisch zu beschreiben.

      Und um es noch komplizierter zu machen: die Kondenswassertröpfchen im Rohrinneren haben auch nuch einen Einfluß auf das Strömungsverhalten. Und weil das ganze ein nichtlineares System ist, natürlich auch der Blasdruck bzw. die Strömungsgeschindigkeit der Luft. Bei Blockflöten ist es überhaupt kein Problem, den Ton um +/- ca. 30 Cent nur über den Blasdruck zu verändern, ohne daß er bereits verhungert oder forciert klingt... Und daß bei Rohrblasinstrumenten natürlich auch noch der momentane Zustand des Blattes eine Rolle spielt, ist, glaub ich, bekannt...

      Man kann die Streicher mit diesen Erklärungen gerne mal darauf hinweisen, daß sie froh und dankbar sein können, ein so einfach zu beherrschendes System wie das ihre spielen zu dürfen. Schräge Töne können Bläser genauso spielen, wie Streicher. Sie können sie nur nicht immer so leicht korrigieren... :cry:

      Nachtrag: Auch Alkohol beeinflußt die Intonation. Je mehr Alkohol in der Ausatemluft, um so tiefer der entsprechende Ton. Naja: zumindest pysikalisch :k:
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude
    • Ich bin zwar Physiker, aber Akustik ist leider nicht mein Gebiet. Wie interessant und komplex die Physik von Blasinstrumenten ist, lässt sich auf dieser hoch informativen Internetseite studieren:
      "http://www.phys.unsw.edu.au/music/"
      Mit Öffnen der Registerklappe filtert man die Grundmode des Tons heraus. Übrig bleiben die Obertöne. Wieso man aber auch ohne die Klappe (oft unfreiwillig) überblasen kann, weiss ich gerade nicht. Ich bin mir recht sicher, dass die Antwort auf obiger Internetseite zu finden ist.

      Ich selbst spiele etwas Klarinette, wenn auch leider nur noch selten. Wenn ich interessierten Gästen versuchen lasse unter meiner Anleitung einen Ton herauszubringen, dann sehen sie wie schwierig das ist. Manche schaffen es gar nicht. Es kommt auf sehr komplexe Feinheiten an. (Wo genau presse ich mit der Unterlippe wie stark? Wieviel Atemdruck? Wie tief hat man das Mundstück im Mund?, Welcher Winkel?) Auf der anderen Seite ist es dann erstaunlich, dass man, wenn man bereits sehr vertraut ist mit seiner Klarinette, das Mundstück auch irgendwie in den Mund nehmen kann, sogar auch falsch herum, also mit der Oberlippe aufs Blatt drückend, und trotzdem kriegt man irgendwie einen passablen Ton heraus. (Zumindest quietscht es nicht.) Wenn ich aber wiederum auf einer mir fremden Klarinette spiele (anderes Mundstück, anderes Blatt), dann kann es äusserst schwierig sein einen akzeptablen Klang zu erzeugen...

      Hudebux
    • Noch 'ne interessante Frage, auf die ich allerdings keine Antwort habe (Ok: OT, ich weiß. Aber wenn wir schon mal dabei sind)

      je enger die Bohrung im Verhältnis zur Rohrlänge ist, um so leichter kann man überblasen*. Warum?

      *Bei der Dreilochflöte z.B. ist die Bohrung so eng, daß man den Grundton nicht oder nur noch ganz schwach anblasen kann, unter normalen Bedingungen erhält man sofort mindestens den ersten Oberton und weitere Obertöne durch nur gerigfügig erhöhten Druck (so kann das Dingends ja überhaupt nur mit drei Löchern funktionieren).
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude
    • Das ist ja doch ein sehr komplexes Thema; jedenfalls vielen Dank für Eure Erläuterungen! :)

      bustopher schrieb:

      Auch Alkohol beeinflußt die Intonation. Je mehr Alkohol in der Ausatemluft, um so tiefer der entsprechende Ton. Naja: zumindest pysikalisch
      Sicher eine gute Anregung für unseren Weinkenner-Oboisten Bernd, uns hier seine Erfahrungen mitzuteilen: Welcher Wein wirkt sich wie auf die Intonation aus? :D

      Im Ernst: Kompliziert ist die Sache auch dadurch, daß der Mundansatz und Luftdruck je nach Höhe verändert werden muß, sonst gibt's Mißtöne (gilt vermutlich nicht nur für Anfänger wie mich). Und jedes Rohr ist anders und wird im Lauf der Zeit schwerer oder leichter, was auch die Intonation beeinflußt - das hat Bernd oben mal angesprochen.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Bustopher, vielen Dank für deine genaueren Erläuterungen!

      Nachtrag: Auch Alkohol beeinflußt die Intonation. Je mehr Alkohol in der Ausatemluft, um so tiefer der entsprechende Ton.


      Ah! Jetzt wird mir auf einmal klar, dass mir mein erster Lehrer doch nicht alle seine professionellen Tricks näher erläutert hat. Oboisten sind tendenziell immer zu hoch und Orgeln zu tief - genau deshalb ist mein Meister vor jeder Kirchenmugge in die nächstgelegene Kneipe gegangen und hat einen doppelten Mariacron gekippt! Raffiniert! :D

      ...sonst gibt's Mißtöne (gilt vermutlich nicht nur für Anfänger wie mich).


      Ganz sicher gilt das nicht nur für Anfänger, lieber Gurnemanz! In der Zeitschrift "Rohrblatt" gab es mal neben vielen uninteressanten Beiträgen einen Artikel mit dem schönen Titel "Wie vertragen sich Oboisten und Intonationskurven?". Autoren waren zwei eher auf Klarinetten spezialisierte Instrumentenbauer, die beschlossen hatten, ihre schon länger praktizierten Intonationsmessungen auch auf Oboen und sie bedienende Profimusiker(!) auszudehnen. Ich zitiere einfach mal ohne größeren Zusammenhang ein paar Zeilen: "Sollte man Oboisten und Oboenhersteller überhaupt mit derartigen Messeregebnissen konfrontieren? Oder stiften wir dadurch nur Verwirrung.....als NN die Kurve zu sehen bekam, war er recht erschrocken, hatte er doch vermeintlich gleichmäßig geblasen....Abenteuerliche Intonationskurven....zunächst einmal können wir beobachten, dass es einzelne Töne auf der Oboe gibt, die extrem instabil sind, wie zum Beispiel das a2. Hier gibt es durchaus Abweichungen von bis zu 25 ct innerhalb einer einzigen Atemphrase beim selben Bläser.....das führt uns zu unserer Ausgangsfrage zurück: Wie vertragen sich Oboisten und Intonationskurven? Bis jetzt nicht so dolle!....unser erster Einfall war, die Toleranzbereiche der Intonationskurven (welche ursprünglich auf die Klarinette mit +/- 6 ct abgestimmt waren), deutlich zu vergrößern, damit der Schock beim Anblick der Kurven nicht ganz so dramatisch ausfällt..." (Martin Schöttle und Christoph Tessmar, "Rohrblatt" 1/09 )

      Beste Grüße

      Bernd
    • Noch einmal ur Frage der Etüden für Oboe:

      arundo donax schrieb:

      Gurnemanz, der Klassiker schlechthin sind die Etüden von Hinke. Mit ihnen habe ich als Schüler und Lehrer hervorragende Erfahrungen gemacht.
      Lieber Bernd, meinst Du diese:

      ?
      Lars, Salviani (damit habe ich mich noch im Studium vergnügt) ist auf jeden Fall sehr gut für die Finger! Aber Hut ab, wenn du dich freiwillig mit so etwas beschäftigst - von meinen Schülern bringe ich auch die besten nicht dazu, derartige Übungen länger als zwei Tage mit ins Programm zu nehmen.
      Mein Lehrer hat mir vorgestern ebenfalls den Salviani empfohlen (Studi per oboe 2). Allerdings ist der anscheinend schwer zu bekommen, jedenfalls nicht über Amazon oder JPC... ?(

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
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      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Genau die meine ich, lieber Gurnemanz!

      Mein Lehrer hat mir vorgestern ebenfalls den Salviani empfohlen (Studi per oboe 2). Allerdings ist der anscheinend schwer zu bekommen, jedenfalls nicht über Amazon oder JPC...


      Da solltest du dich an den absoluten Holzbläserspezialisten wenden:

      Notenversand & Verlag
      Volker Braach
      Am Walde 11, 27612 Bexhövede, 04703 655

      Herr Braach hat alles, was zwischen San Franzisko und Peking an Holzbläsernoten zu beschaffen ist....

      Beste Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Herr Braach hat alles, was zwischen San Franzisko und Peking an Holzbläsernoten zu beschaffen ist....
      Wie erfreulich! Vielen Dank für den Hinweis!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Max Reger
    • Herr Braach hat mir - nach einem netten Telefonat (der Mann kennt sich offensichtlich prächtig aus) - das Heft mit den Salviani-Etüden schnell geliefert - scheint wirklich eine gute Adresse zu sein.

      In den letzten Tagen hatte ich ja dank Bernds freundlicher Unterstützung die Gegenheit, einige Oboen auszuprobieren, auch eine Oboe d'amore und ein Englischhorn. Letzteres zu versuchen, war eine eindrucksvolle Erfahrung: In der Tiefe ging das recht gut an, mit deutlich weniger Intonationsproblemen, als ich es von der normalen Oboe her kenne (da hat jede offensichtlich ihre eigene Problemzone, was sich dann wieder bei jedem Bläser anders zeigt). Ich probierte u. a. ein wenig die "traurige Weise" aus dem Tristan. Etwas schnoddrig gesagt: In diesem Instrument scheint der Blues gleich mit eingebaut zu sein, die Melancholie entsteht fast von selbst, und ich kann Wagners Entscheidung für das Englischhorn jetzt bestens verstehen. Nichts hätte da besser gepaßt! Schwierigkeit einzig: In der Höhe wird es problematischer, die Töne zu stemmen, da sind die Schwesterinstrumente flexibler.

      Die Oboe d'amore habe ich dagegen als etwas widerspenstig und zickig erlebt, als wolle sie sich entziehen, im Unterschied zum willigen und gutmütigen Englischhorn. Gar nicht einfach! Jedenfalls scheint hier die Intonation deutlich kritisccher zu sein.

      Angenehm finde ich, daß die Grifftechnik bei allen drei Instrumenten recht ähnlich ist: Kommt mit einem klar, geht es - mit einiger Übung - sicher auch bei den anderen.

      Irgendwann werde ich mir sicher mal ein Englischhorn anschaffen!

      So weit ein paar Eindrücke eines Oboen-Anfängers; möglicherweise können die Profis hier noch das eine oder andere ergänzen...?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Hallo Gurnemanz,

      von den drei Instrumenten ist die Oboe d´amore im Hinblick auf die Intonation tatsächlich am problematischsten. Insofern stellt sie mich beim Rohrbau auch immer wieder vor besondere Schwierigkeiten - eigentlich müsste ich d´amore-Rohre deutlich teurer verkaufen als solche für die normale Oboe.

      Aber andererseits bietet das Instrument, wenn man denn ein einigermaßen perfektes Rohr zur Verfügung hat, mehr Flexibilität in der Phrasierung und dynamischen Gestaltung. So sind z.b. Schumanns 3 Phantasiestücke op. 73, bei denen man die A-Klarinettenstimme auf der d´amore einfach abspielen kann (ich habe das Werk auf meinem Zwischenexamen mit ziemlicher Freude abgeliefert, und es existiert auch eine sehr empfehlenswerte Aufnahme mit Holliger und Brendel) deutlich leichter zu gestalten und durchzuhalten als die 3 original für die "normale" Oboe komponierten Romanzen op.94! Insofern besitzt die d´ amore dann doch wieder ihren großen Reiz. Man muss sich allerdings eine Zeit lang etwas gründlicher mit ihr auseinandersetzen (sprich wirklich regelmäßig auf ihr üben, was ich seinerzeit auch getan habe). Und man braucht ein hervorragendes Instrument - Kompromisslösungen nach dem Motto "Man benötigt sie ja nicht so oft" sind ganz klar der falsche Weg.

      Zu deinen Bemerkungen über das E-Horn melde ich mich heute abend noch mal! Jetzt geht es erst mal an die Musikschule zum Tag der offenen Tür. Vielleicht lässt sich ja doch ein neuer Schüler angeln... :pfeif:

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Zu deinen Bemerkungen über das E-Horn melde ich mich heute abend noch mal!
      Gern. Doch zunächst mal wünsche ich Dir fette Beute! ;+)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Max Reger
    • Gurnemanz, dein Wusch hat offenbar geholfen! Ich hatte ein Erlebnis, das mich immer noch mit großer Freude erfüllt und das ich jetzt unbedingt zum Besten geben muss: Eine mir flüchtig bekannte Gymnasialmusiklehrerin kam mit ihrer Tochter und erklärte, die Kleine (8 Jahre, 2. Klasse) wolle unbedingt einmal die Oboe ausprobieren. Ich hatte ein leichtes, für Kinder besonders geeignetes Oböchen dabei, drückte es dem Mädchen in die Hand, erklärte ihr die Haltung und den ersten Ton (h1), der auch sofort klar und kräftig kam, und lies sie daraufhin noch a und g spielen. Auch das funktionierte gut, die beiden gingen dann andere Instrumente begucken, aber nach einer Viertelstunde stand die Kleine wieder bei mir im Raum und wollte noch einmal probieren. Binnen kurzem hatte sie, die nach eigenem Bekunden zwar Geigenunterricht erhielt, aber noch nie Blockflöte gespielt hatte, sich eine Tonleiter zusammengesucht, wiederholte diese mehrfach, und dann ging es mit "Alle meine Entchen" los. Ich bin bald vom Stuhl gefallen - so etwas ist mir wirklich noch nie vorgekommen! Und das Beste war dann der Satz in Richtung der inzwischen hinzugetreteten Mutter: "Mama, das will ich machen! Ganz sicher!"

      Unglaublich! Es geschehen noch Zeichen und Wunder! - -

      Etwas schnoddrig gesagt: In diesem Instrument scheint der Blues gleich mit eingebaut zu sein, die Melancholie entsteht fast von selbst, und ich kann Wagners Entscheidung für das Englischhorn jetzt bestens verstehen. Nichts hätte da besser gepaßt!


      Genug andere Komponisten haben für das Instrument ja ebenfalls wunderbar "traurige Weisen" erfunden. wie Sibelius mit seinem "Schwan von Tuonela", Verdi mit dem Solo im 3. Akt Otello oder Koechlin mit "Au Loin" (wenig bekannt, aber sehr höhrenswert für E-Horn-Freaks!). Mich hat der schwermütige Klang als Jugendlicher schon so faziniert, dass ich tatsächlich zuerst mit dem Englischhorn statt der Oboe angefangen habe! Mir war damals ja gar nicht klar, dass man dieses Instrument normalerweise nicht für sich erlernt, und mein Lehrer, der alte Halunke, sagte das zunächst auch nicht klipp und klar. Als es aber in den ersten zwei Monaten fix voranging und ich etwas von Musikstudium faselte, rückte er damit heraus, dass ich dann auch Oboe spielen müsste. So waren meine armen Eltern gezwungen, mir neben dem neuerworbenen Hörnchen auch noch eine Oboe zu kaufen - und ich hatte von Anfang an beide Instrumente zur Verfügung... :angel:

      In der Tiefe ging das recht gut an, mit deutlich weniger Intonationsproblemen, als ich es von der normalen Oboe her kenne (


      Auf einem guten E-Horn gibt es im unteren Register wenig Intonationsprobleme. Als im Vergleich zu den Schwesterinstrumenten heikler empfinden ich aber die Pianissimo-Ansprache der tiefen Töne. Das auf dem tiefen Cis beginnende Solo in Otello stellt deshalb schon eine größere Herausforderung dar. Und ich erinnere mich noch gut an meine Englischhorn-Partie in Saint-Saens Orgelsinfonie (an deren Aufführung ich vor ca. einem Jahr beteiligt war). Da gab es gleich am Anfang, wo man noch nicht richtig warmgespielt ist, einen leisen Einsatz auf dem tiefen Es (oder E?), den ich als ausgesprochen fies empfunden habe. Ich musste lange an einem Röhrchen feilen, bis ich für diesen Ton bei der Aufführung ein auch nur einigermaßen sicheres Gefühl hatte....

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      "Mama, das will ich machen! Ganz sicher!"
      Na denn: Viel Freude mit der jungen Dame. Das läßt sich ja vortrefflich an! Berichte mal beizeiten, wie die Geschichte weitergeht! :)

      Und das E-Horn bleibt auf meiner Wunschliste! Aber alles zu seiner Zeit, da es doch ein bißchen teurer ist als eine Blockflöte...

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Gurnemanz schrieb:

      Noch einmal ur Frage der Etüden für Oboe:

      arundo donax schrieb:

      Gurnemanz, der Klassiker schlechthin sind die Etüden von Hinke. Mit ihnen habe ich als Schüler und Lehrer hervorragende Erfahrungen gemacht.
      Lieber Bernd, meinst Du diese:

      ?
      Lars, Salviani (damit habe ich mich noch im Studium vergnügt) ist auf jeden Fall sehr gut für die Finger! Aber Hut ab, wenn du dich freiwillig mit so etwas beschäftigst - von meinen Schülern bringe ich auch die besten nicht dazu, derartige Übungen länger als zwei Tage mit ins Programm zu nehmen.
      Mein Lehrer hat mir vorgestern ebenfalls den Salviani empfohlen (Studi per oboe 2). Allerdings ist der anscheinend schwer zu bekommen, jedenfalls nicht über Amazon oder JPC... ?(

      :wink:
      Meint ihr diese Salivani Oboen Etüden?
      Link wegen Eigenwerbung entfernt.
    • oboe1 schrieb:

      Meint ihr diese Salivani Oboen Etüden? [...]
      Ja, richtig. Ich bin seinerzeit Bernds Tip hier gefolgt:

      arundo donax schrieb:

      Da solltest du dich an den absoluten Holzbläserspezialisten wenden:

      Notenversand & Verlag
      Volker Braach
      Am Walde 11, 27612 Bexhövede, 04703 655

      Herr Braach hat alles, was zwischen San Franzisko und Peking an Holzbläsernoten zu beschaffen ist....
      ... und wurde prompt und gut bedient.

      Willkommen im Kreis der Entenjäger!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • oboe1 schrieb:

      Gurnemanz schrieb:

      Noch einmal ur Frage der Etüden für Oboe:

      arundo donax schrieb:

      Gurnemanz, der Klassiker schlechthin sind die Etüden von Hinke. Mit ihnen habe ich als Schüler und Lehrer hervorragende Erfahrungen gemacht.
      Lieber Bernd, meinst Du diese:

      ?
      Lars, Salviani (damit habe ich mich noch im Studium vergnügt) ist auf jeden Fall sehr gut für die Finger! Aber Hut ab, wenn du dich freiwillig mit so etwas beschäftigst - von meinen Schülern bringe ich auch die besten nicht dazu, derartige Übungen länger als zwei Tage mit ins Programm zu nehmen.
      Mein Lehrer hat mir vorgestern ebenfalls den Salviani empfohlen (Studi per oboe 2). Allerdings ist der anscheinend schwer zu bekommen, jedenfalls nicht über Amazon oder JPC... ?(

      :wink:
      Meint ihr diese Salivani Oboen Etüden?
      http://www.oboe-shop.de/de/search/results.html?keywords=salviani

      Die Salviani-Etüden, die ich meinte, sind auf der verlinkten Seite der zweite Band von oben (Studi per oboe 1), wenn ich mich nicht irre. Ganz sicher bin ich mir nicht, ich besitze den Band leider nicht, sondern habe seinerzeit die C-Dur-Etüden (die Stücke sind nach Tonarten sortiert), also die ersten ca. 8-10 Seiten, von meinem Lehrer als Kopie bekommen. Als Fingerübungen finde ich die sehr hilfreich, je nachdem, wie schnell man sie spielt, kann man diese Etüden auch für jeden Schwierigkeitsgrad nehmen. Manche der Nummern (etwa Nr. 8 und 9) finde ich auch musikalisch durchaus reizvoll.
      Weiß eigentlich jemand von den Oboenspezialisten hier, wer dieser Clemente Salviani eigentlich gewesen ist und in welche Zeitepoche er gehört?
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Nach einer Internetquelle (hier) ist ein Werk von ihm 1840 erschienen, mehr habe ich auf die Schnelle nicht gefunden, aber dann kann man ihn zumindest zeitlich in etwa einordnen.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Was "besser" ist, ist schwer zu sagen. Bei Salviani handelt es sich halt doch um dröge Fingerübungen nach Schema F. Als ich mich im Studium mit ihnen beschäftigt habe, fand ich sie nützlich, aber meine Schüler bringe ich nicht dazu, so etwas zu spielen.
      Hinke ist nicht ganz so trocken. Zumindestens ab der zweiten Hälfte des Bandes wollen diese Etüden mit unterschiedlichem Charakter auch ein wenig gestaltet werden.

      Vielleicht erklärst du einfach mal kurz, wo du auf der Oboe stehst und wo du hinwillst.

      Beste Grüße

      Bernd