Abgenutzt, kaputtgehört, zu Tode geliebt

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    • Sind AB und KAH Romantiker? Deren Violinkonzerte kann ich auf jeden Fall wieder und wieder hören.

      Liebe Grüße Peter

      (gemeint sind Alban Berg und Karl Amadeus Hartmann, was sollen die Namenskürzel, was zum Raten?)
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • LudwigvanGod schrieb:

      Berg, Sibelius und Bartok kann ich auch noch hören; Gott sei Dank ... Kürzel nur, wenn es absolut klar ist ...


      AD? :shake: Wenn ich nachschlage finde ich Antonin Dvorak, schönes Violinkonzert aus der zweiten Reihe, nun ja.

      Liebe Grüße Peter
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      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • nein. Das kenne ich nicht. Das gibt es auch nicht. Musik kann sich nicht abnutzen. Wer etwas als abgenutzt empfindet, das ist der Hörer selbst. Und niemand anderes.
      Ich habe auch viel, viel gehört ... alle Facetten sozusagen. Aber als "abgenutzt" könnte ich wirklich kein einziges Musikstück empfinden.

      Etwas anderes ist es für mich, wenn Musikstücke in Digitalumsetzungen als Ohrenbelästigung in Kaufhäusern und Supermärkten gespielt werden. Oder wenn Chopins Trauermarsch für Bläser auf Trauerfeiern - oder ein Etüdenteil als "In mir klingt ein Lied", gesungen von Annemieze Rotkehlchen oder so erklingt. Das empfinde ich als Gewaltanwendung an Musik.
      Aber originale Musik kann für mich nicht abgenutzt sein.
      Klemperer: "Wo ist die vierte Oboe?" 2. Oboist: "Er ist leider krank geworden." Klemperer: "Der Arme."
    • Ich wäre dankbar, wenn etwas weniger abgekürzt wäre — würde gerne etwas weniger dechiffrieren müssen.

      Solche Musik kenne ich für mich nicht. Und das, obgleich ich mich schon einige Jahrzehnte durch die Musikgeschichte höre. Aber wenn ich ein Stück gerade mal leid habe, dauert es nicht lange, und ich brauche es wieder.
      Im Gegenteil — es gibt eher viele Werke, die ich tagein tagaus rauf und wieder runter hören könnte.
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Schrecklich finde ich die Sitte, in U-Bahnhöfen Klassik zu spielen, um Obdachlose zu vertreiben(!). In München ist das an einigen Stationen der Fall. Das ist schlimmer als das Kaufhausgenudel.
      Aber nicht mal das kann mir das Werk verleiden .

      Das Thema, Klassik zum Vertreiben, hatten wir ansonsten schon an anderer Stelle.
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Das Thema oder Problem ist nun aber schon komplexer und solche Sprüche wie oben, dass sich Musik nicht abnutzen kann, helfen, so richtig sie auch prinzipiell sind, nicht weiter. Ich habe als Jugendlicher eben die erwähnten Violinkonzerte bis zum Erbrechen gehört, manchmal fünfmal am Tag; jeden Tag der Woche; über Monate. Auch die Fünfte oder Tschaikowskis 1. Klavierkonzert, Vivaldis Jahreszeiten oder Mozarts Nachtmusik. Da ist es doch normal, dass irgendwann eine Übersättigung eintritt. Manche dieser Werke habe ich später wieder neu entdeckt; man glaubt gar nicht, wie raffiniert und immer neu Mozarts bekanntestes Stück eigentlich ist. Andere aber muss ich nach wenigen Takten ausmachen, um nicht zu brechen; und dazu gehören eben Bruch, Mendelssohn-Bartholdy (wer anderes soll in diesem Zusammenhang MB sein???) oder Brahms. Ist auch gattungsabhängig, bei Klavierkonzerten trat so etwas nie ein ...
    • Von "zu Tode geliebt" kann keine Rede sein, aber ich habe vor ca. zehn Jahren Schubert und Bach-Kantaten so intensiv gehört, dass ich heute nur selten Lust verspüre, diese Musik aufzulegen. Wenn ich es tue, bin ich meistens so begeistert wie eh und je. Trotzdem entscheide ich mich dann am nächsten anderen Tag dann doch wieder für etwas anderes. Komisches Phänomen.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • LudwigvanGod schrieb:

      Da ist es doch normal, dass irgendwann eine Übersättigung eintritt. Manche dieser Werke habe ich später wieder neu entdeckt; man glaubt gar nicht, wie raffiniert und immer neu Mozarts bekanntestes Stück eigentlich ist. Andere aber muss ich nach wenigen Takten ausmachen, um nicht zu brechen; und dazu gehören eben Bruch, Mendelssohn-Bartholdy (wer anderes soll in diesem Zusammenhang MB sein???) oder Brahms.

      Raffiniert sind Mendelssohns und Brahms Konzerte auch, dafür vollkommen unterschiedlich. Außer dass die Geige eine primäre Rolle spielt, verbindet die beiden Konzerte doch paktisch nichts?! Mendelssohn und Bruch sind schon eher ein Pärchen, wobei Bruch gerade in puncto Raffinesse doch ziemlich hinterherhinkt mMn.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Dann kann man ja froh sein, wenn es sich nur um Hörer handelt.

      Als Interpret übt man diese Werke nicht nur bis zum Erbrechen, man muß sie auch immer wieder spielen, ein Leben lang.

      Nur daß dies natürlich kein Erbrechen nach sich bringt.
      Im Gegenteil ist es so gut wie immer erfrischend, immer wieder neue Details zu entdecken, oder eine völlig neue oder andere Sichtweise zu finden.

      Gute Musik ist ein "work in progress" , für alle Beteiligten.
      Auch für die meisten Hörer, das hoffe ich doch sehr.
    • Überdruss entsteht doch ziemlich häufig auch wegen fantasieloser Programmgestaltung in den Konzertsälen. Ich liebe z.B. Mendelssohns Violinkonzert sehr, aber in manchen Jahren ist es in Wien pro Saison fast 10 x an beiden großen Konzerthäusern zu hören. Das ist wirklich Overkill und erzeugt sicherlich Widerwillen bei vielen Konzertbesuchern. Bei Symphonien ist dasselbe Phänomen festzustellen. Das ist wesentlich schlimmer, als wenn man sich zeitweilig an einem Werk in der eigenen Sammlung sattgehört hat. Dann greift man nämlich ganz einfach zu einem anderen.
      Der Mainstreamwahn an den Konzerthäusern ist ziemlich bedenklich. Groteskerweise werden dann von Komponisten wie Mendelssohn (ich nenne wieder ihn, weil ich mich da ziemlich gut auskenne) ziemlich unbedeutende Jugendwerke, wie etwa die Konzerte aus der Jugendzeit, landauf, landab gespielt, anstatt mal einen Blick auf Volkmann, Albert Dietrich, Reinecke, Raff, Bargiel oder Friedrich Kiel zu werfen.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Trichomonas musicalis schrieb:

      Groteskerweise werden dann von Komponisten wie Mendelssohn (ich nenne wieder ihn, weil ich mich da ziemlich gut auskenne) ziemlich unbedeutende Jugendwerke, wie etwa die Konzerte aus der Jugendzeit
      Ich empfinde die "Jugendwerke" von Mendelssohn, also Werke, welche er vor seiner reiferen Zeit- so ab dem Alter von 17 Jahren aufwärts wohlgemerkt(!)- komponierte,als nicht unbedeutend.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Trichomonas musicalis schrieb:

      Groteskerweise werden dann von Komponisten wie Mendelssohn (ich nenne wieder ihn, weil ich mich da ziemlich gut auskenne) ziemlich unbedeutende Jugendwerke, wie etwa die Konzerte aus der Jugendzeit
      Ich empfinde die "Jugendwerke" von Mendelssohn, also Werke, welche er vor seiner reiferen Zeit- so ab dem Alter von 17 Jahren aufwärts wohlgemerkt(!)- komponierte,als nicht unbedeutend.

      Keineswegs! Aber er hat eben schon mit dreizehn und vierzehn Jahren großformatige Werke komponiert (dutzende, wenn nicht hunderte insgesamt), und die sind teilweise mMn nicht sooo toll (wenn man sie nicht in Relation zum Alter setzt), dass man sie so oft einspielen und aufführen müsste. Als Beispiele fielen mir hier das a-Moll Klavierkonzert, das d-Moll Violinkonzert, das Klavier-Violine Doppelkonzert oder die Doppelkonzerte für Klavier (As-Dur und Es-Dur) ein. Auch die erste Symphonie, die in keiner Gesamteinspielung fehlt, aber auch einzeln immer wieder aufgenommen wird (z.B. von Hengelbrock) gefällt mir ein gutes Stück weniger als so manches, das ich von anderen deutschen Romantikern kenne.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Trichomonas musicalis schrieb:

      Der Mainstreamwahn an den Konzerthäusern ist ziemlich bedenklich
      Ach was, gerade heute werden unbekanntere Werke in größerem Rahmen wieder aufgeführt, aufgenommen sowieso.
      Und zwar bis zum "Erbrechen" aufgenommen, so daß es mittlerweile für mich eine derartig inflationäre Zunahme an Aufnahmen selbst viertklassiger Werke gibt, daß ich zurückschrecke.
      Nichts gegen "Volkmann, Albert Dietrich, Reinecke, Raff, Bargiel oder Friedrich Kiel " , das waren erstklassige Komponisten aus der zweiten Reihe,
      die ich selber sehr schätze und auch durchaus liebe.

      Was Aufnahmen angeht kann man sich heute wirklich nicht beschweren.

      Und auch im Konzert wird so einiges mehr geboten als noch vor 20 Jahren.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Trichomonas musicalis schrieb:

      Der Mainstreamwahn an den Konzerthäusern ist ziemlich bedenklich
      Ach was, gerade heute werden unbekanntere Werke in größerem Rahmen wieder aufgeführt, aufgenommen sowieso.
      Und zwar bis zum "Erbrechen" aufgenommen, so daß es mittlerweile für mich eine derartig inflationäre Zunahme an Aufnahmen selbst viertklassiger Werke gibt, daß ich zurückschrecke.
      Nichts gegen "Volkmann, Albert Dietrich, Reinecke, Raff, Bargiel oder Friedrich Kiel " , das waren erstklassige Komponisten aus der zweiten Reihe,

      Aufgnommen vielleicht teilweise, aber wo hört man denn die Volkmann Symphonien im Konzert? Nur das - mich leider nicht so begeisternde - Cellokonzert, scheint ab und zu am Spielplan zu stehen. Die erste Symphonie von Volkmann finde ich jedenfalls wirklich absolut überzeugend - ein Volltreffer. Auch Dietrichs d-Moll Symphonie ist erstklassig.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Trichomonas musicalis schrieb:

      Aufgnommen vielleicht teilweise, aber wo hört man denn die Volkmann Symphonien? Nur das - mich leider nicht so begeisternde - Cellokonzert, scheint ab und zu am Speilplan zu stehen. Die erste Syphonie von Volkmann finde ich jedenfalls wirklich absolut überzeugend - ein Volltreffer. Auch Dietrichs d-Moll Symphonie ist erstklassig
      Mag sein.
      Irgendwann werden diese Werke sicherlich irgendwo aufgeführt oder sind es schon gewesen.

      Wir haben eine Sinfonie von Raff-Nr.3- aufgeführt, die 6. von VW, Tintagel von Bax, nächste Saison "The Sea" von Bridge...........natürlich sind wir nicht in Wien......

      Du darfst dreimal raten, wer diese Werke zur Diskussion gestellt hat und sich durchgesetzt hat.