Wagner: "Das Rheingold" - Staatsoper Hannover, 14.11.2009

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    • Wagner: "Das Rheingold" - Staatsoper Hannover, 14.11.2009

      Während 1976 in Bayreuth eine veritable Rheinstaustufe mit drei Offenbach-Kokotten als Rheintöchter noch für reichlich Protest sorgten, sind 33 Jahre später in Hannover Showgirls in knappen Trikots mit Federfächern und ein „Ministrel-Clown“ (also ein schwarzgeschminkter Weisser, der sich so über Schwarze lustig macht – in der Mitte des 19. Jahrhunderts, so verrät es das Programmheft, eine beliebte Figur auf der amerikanischen Show-Bühne) mit Schläfenlocken, kein Aufreger mehr.

      Barrie Kosky, der Regisseur des neuen Hannoveraner „Ring des Nibelungen“, der nun mit dem „Rheingold“ seinen „Vorabend“ erlebte, konnte sich der ungeteilten Zustimmung des Publikums erfreuen.

      Der rote Vorhang vor der Bühne bleibt während der einleitenden Takte zum „Rheingold“ noch geschlossen. Zuerst strecken die Rheintöchter nacheinander nur ihre Köpfe aus dem Vorhang. Wenn dann der Blick auf die Bühne freigegeben wird, sieht man eben jene Showgirls mit grossen, weissen Federfächern in den Händen und ebenfalls weissen Federn auf den Köpfen. Die Rheintöchter sind drei von diesen Showmädchen.

      Das, was die Frauen hier an Synchronität ihrer Bewegungen liefern und was sie choreografisch zeigen, ist ein Wunder an Genauigkeit, das Hinschauen macht, unbahängig davon, ob man diese Szene nun letztendlich wirklich geglückt finden wird, richtig Spass.

      Unter den Mädchen eben jener „Ministrel-Clown“ mit seinem schwarzgeschminkten Gesicht, der von den Mädchen ziemlich rüde behandelt wird – es ist Alberich, der Komiker der Show.

      Allerdings steigt der Darsteller aus der Produktion aus: Alberich wischt sich das Gesicht sauber, haut die Perücke herunter, reisst sich den schwarzen Anzug und das weisse Hemd vom Leib und steht nun in einem „Iron Maiden“ T-Shirt und einer auberginefarbenen Jogginghose auf der Bühne.

      Das „Rheingold“ in dieser Inszenierung ist eine fast nackte, schlanke Frau, ganz in Gold, mit einem goldenen Kopfschmuck, die Alberich kurzerhand schultert und in eine Kiste packt, um sie wegzuschleppen.

      Das zweite und vierte Bild zeigt einen verengten Bühnenausschnitt, man sieht einige Steinbrocken herumliegen, umschlossen wird dieser Raum von blankgeputzten, schwarzen Wänden. Auf der Szene liegt in einer modernen Schwimmhose Wotan und auch die anderen Mitglieder der Wotan-Familie tragen eine Art Strandkleidung.

      Die Riesen sind siamesische Zwillinge, gross und (fast) kahlköpfig, Loge erinnert an eine Schlagertunte der 50er Jahre.

      Nibelheim bietet einiges an Schauwert. Mime trägt eine Kippa – wie schon zuvor bei Alberich, versucht der Regisseur, auf die antisemitischen Konnotationen dieser Figuren bei Wagner hinzuweisen – und ist nicht nur als Schmied, sondern auch als Schneider tätig.

      Im Raum mehrere Arbeitsplätze, links eine Art Terrarium, mit einem Wesen drin, dass atmet, überall stehen mitunter skurril anmutenden Maschinen, ganz rechts ein grosser Tresor.

      Alberich verdoppelt sich sozusagen: als er den Tarnhelm (ein schwarzer Hut) aufsetzt, kommen eine Reihe von „Ministrel-Clowns“ auf die Bühne, die Mime bedrängen. Der Chef hat übrigens das T-Shirt gewechselt: es ist jetzt eins von „Metallica“.

      Die Verwandlung des Alberich in einen Drachen zeigt diese Gruppe von Doubles übereinandergeschichtet, wie sich diese heftig schnaufend selbst befriedigen und jene in eine Kröte zeigt nur eine weiss behandschuhte Hand, die sich unter dem Tarnhelm fortbewegt und eine leichte Beute für Loge ist.

      Im letzten Bild verläuft alles nach Plan: das Gold wird herbeigeschafft, Freia damit bedeckt und Wotan will vom Ring nicht lassen. Da tritt Erda auf: es ist eine alte, nackte Frau mit langen, grauen Haaren, die sich in einer fast zärtliche Geste an Wotan schmiegt.

      Beim Streit um den Ring reissen die siamesischen Zwillinge Fasolt und Fafner auseinander, Fasolt bleibt tot zurück.

      Die Götter haben sich umgezogen, man trägt schwarz-weisse Gesellschaftskleidung, der Champagner wird geöffnet und die Torte hereingefahren – Walhall als Süsskram für die Feier.

      Nach-und-nach gehen die Götter ab, nur Loge bleibt zurück, nicht ohne dem toten Fasolt noch ein Glas Sekt in die Hand gedrückt zu haben.

      Das alles schaut sich mehr-oder-weniger hübsch an, so richtig erschliesst sich aber nicht, was der Regisseur eigentlich mitteilen will, er inszeniert zwar bewegt, aber doch konventioneller, als man das von Kosky gewohnt ist.

      Es bleibt sicher spannend, wie es nun mit den anderen Abenden dieses Hannoveraner „Ringes“ weitergehen wird.

      Musikalisch war der Abend wenig erfreulich. Das Staatsorchester Hannover wirkte nicht optimal vorbereitet, bei den Holzbläsern wollte sich kein homogener, runder Klang einstellen, das Blech kam relativ pauschal und ungenau daher, die Streicher lieferten kaum inspiriertes.

      GMD Wolfgang Bozic leitete mit viel körperlichem Einsatz diesen Abend, konnte aber kaum mehr als Koordinationsarbeit leisten, so etwas wie ein „grosser Bogen“ fehlte der Aufführung spürbar.

      Als Gast übernahm Renatus Mészár den Wotan (er sang von der Seite, während der erkrankte Haussänger Tobias Schabel die Rolle spielte) – ein grobkörnig-charakteristischer Bass mit grossem Ton, der sich mit Anstand seiner Aufgabe entledigte.

      Schwach Robert Künzli als Loge, dem an diesem Abend auch nicht so richtig etwas gelingen wollte und Stefan Adam gehört als Alberich zu jenen Sängern, die mehr gestalten, als Singen.

      Gute Leistungen von Okka von der Damerau als Erda (auf der Szene wurde sie von einer Statistin gedoubelt), ein volltönender Alt war da zu hören, der Spass macht, die weitere Entwicklung dieser Sängerin zu verfolgen und auch Khatuna Mikaberidze als Fricka konnte ihre Mezzosopranstimme effektvoll einsetzen.

      Erwähnt werden soll noch der Gast aus Stuttgart: kurzfristig sprang Torsten Hofmann als Mime ein und der machte seine Sache richtig gut.

      Viel Beifall für Sängerinnen, Sänger und das Regieteam. Deutliche Buhs für Wolfgang Bozic und das Staatsorchester Hannover.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Lieber Alviano,

      danke für diesen Bericht. Wir haben am Samstag im Auto kurz in dieses "Rheingold" reingehört und fanden die sängerischen Darbietungen, soweit man das auf Basis eines kurzen Eindrucks aus dem Autoradio einschätzen kann, durchweg sehr mäßig.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Sängerisches

      Symbol schrieb:

      Lieber Alviano,

      danke für diesen Bericht. Wir haben am Samstag im Auto kurz in dieses "Rheingold" reingehört und fanden die sängerischen Darbietungen, soweit man das auf Basis eines kurzen Eindrucks aus dem Autoradio einschätzen kann, durchweg sehr mäßig.

      LG :wink:


      Lieber Symbol,

      welche Passage habt ihr denn gehört? Am kommenden Samstag wird der Mitschnitt der Premiere noch einmal im Rundfunk zu hören sein - auf "Deutschlandradio Kultur".

      Die Rheintöchter waren schwach, Donner ebenfalls, vom Fafner gar nicht zu reden....

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • RE: Sängerisches

      Alviano schrieb:

      Symbol schrieb:

      Lieber Alviano,

      danke für diesen Bericht. Wir haben am Samstag im Auto kurz in dieses "Rheingold" reingehört und fanden die sängerischen Darbietungen, soweit man das auf Basis eines kurzen Eindrucks aus dem Autoradio einschätzen kann, durchweg sehr mäßig.

      LG :wink:


      Lieber Symbol,

      welche Passage habt ihr denn gehört? Am kommenden Samstag wird der Mitschnitt der Premiere noch einmal im Rundfunk zu hören sein - auf "Deutschlandradio Kultur".

      Die Rheintöchter waren schwach, Donner ebenfalls, vom Fafner gar nicht zu reden....

      :wink:

      Lieber Alviano,

      dies hätte ich der Redlichkeit halber natürlich erwähnen sollen: wir hörten das Ende der 1. Szene und den Beginn der 2. Die Eindrücke (wie gesagt, cum grano salis, ich bin außerdem gefahren und war ergo nur z. T. bei der Musik): die Rheintöchter wahrlich mäßig, der Alberich hatte Mühe mit seiner Partie, dem Wotan schien mir etwas Substanz und Volumen zu fehlen (das kann aber auch wirklich am Radio gelegen haben), die Fricka hatte m. E. einige Intonationsmängel. Nun ja, unsere Fahrt war nicht so lang und wir haben jemanden besucht, so daß wir ohnehin nicht weiterhören konnten.

      Danke aber für den Tipp bezügl. kommenden Samstag, da sollte ich Zeit haben, vielleicht schalte ich nochmal rein.

      Die von Dir geschilderten Regieeinfälle klingen für mich z. T. interessant, z. T. etwas platt und klischeehaft - die Inszenierung wird man aber sicherlich in toto erleben müssen, um sie gerecht einschätzen zu können. Mein erster spontaner Gedanke war "hatte der Dramaturg Urlaub?" :D

      LG :wink:
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    • Erstmal kurz und knapp: Ich hatte den Premieren-Abend besucht und fand die Wiedergabe im Großen und Ganzen schlüssig und dem Werk gemäß. Nebenbei: Als ich den Radiomitschnitt noch 1-mal mit dem aus Wien verglich, klang das Hannoverorchester wesentlich deutlicher, detailreicher als der letzten Radio-Mitschnittts aus Wien unter welser-Möst. Allederdings ist der unmittelbare Höreindruck vom 2. Rang noch eine andere Qualität. Dass "ein großer Bogen " fehlt, kann ich nicht bestätigen, allenfalls während der verhalten wiedergegeben Einleitung (Und auch der 3-Sat-Valencia-Mitschnitt unter Mehta fiel im Vergleich zu Bozic ab; und vor allem die Valencia-Regie). Das Regiekonzept erschloss sich spätestens nach dem Alberich seine "Maske" vom Gesicht gewischt hatte (ohne dass es nötig wäre, das Programheft zu lesen, was ich erst am Folgetag tat). Wobei mir die Erklärungen des Regisseurs nicht so wichtig sind, wie die Resultate auf der Bühne. Dem Hörer ist es in dieser Wiedergabe möglich, vor allem eigene Deutungen des Geschehens zu sich zu bilden, die nicht identisch, sogar entgegen den Intentionen der Regie sein können. Es war der gelungener Beginn des Hannover-Ringes, der neugierig auf die weitere Ringteile macht.

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Ich war in der vierten Vorstellung und habe andernorts schon einmal geschrieben, was mein Eindruck war.

      Faul, wie ich bin, hier einfach mal reinkopiert:

      Nachdem Barry Kosky in Hannover mit Peter Grimes die faszinierendste Inszenierung, die dieses Haus in den letzten zehn Jahren zu sehen bekam, vorgelegt hat und für „Totenhaus“ den Theaterpreis des Bühnenvereins einheimste, war die Neugier auf seinen Ring-Zyklus natürlich enorm. Das Rheingold konnte hier allerdings keine Abhilfe schaffen, denn wie so oft hat man am Ende keine klare Vorstellung davon, wo es einmal hingehen soll und kann nur hoffen, dass der Regisseur es weiß.
      Um mich nicht um die Vorfreude zu bringen, hatte ich keine Premierenfotos angeschaut, so dass ich mich tatsächlich hin und wieder von der visuellen Phantasie des Regisseurs überraschen lassen konnte. Die Premiere im Radio hatte ich allerdings gehört, und leider bestätigte sich der Eindruck vom 14. November: Das Staatsorchester klingt während des Vorspiels wie die Blaskapelle der Zwergenfeuerwehr Nibelheim. Zum Glück legt sich das während der Vorstellung im Gegensatz zum Premierenabend rasch, so dass der Gesamteindruck günstig ist. Gut ausbalanciert, nicht zu laut, schöne Einzelleistungen und stimmige Tempi. Aber der Reihe nach:
      Während des anfänglichen Es-Dur-Gewabers strecken drei kecke Rheintöchter mit Federbusch die Köpfe aus dem geschlossenen roten Vorhang. Wenn der sich öffnet, bietet sich dem hörbar raunenden Publikum ein interessantes Bild: Der Rhein ist ein Gewoge aus rhythmisch in Wellen wippenden Federbüschen. 19 Tänzerinnen, unter ihnen die Rheintöchter, tanzen die Rhein-Revue.
      Alberich (beeindruckend und wortverständlich: Frank Schneiders) tritt als Ministrel-Sänger auf, entledigt sich aber nach den Demütigungen durch die Mädchen seiner Schminke und des Kostüms und steht im Metallica- (später Iron-Maiden-) T-Shirt da. Das Rheingold, eine golden eingesprühte Frau (bislang dachte ich ja aufgrund der Erfahrungen mit James Bonds „Goldfinger“ immer, das sei tödlich), die in einen Umzugskarton verfrachtet und abtransportiert wird.
      Die Götter lungern in legerer Strandkleidung auf einer Parzelle Vulkan- oder Tufgestein herum, die nur vorsichtige Schritte zuläßt. Warum sie sich in einer kleinen, geschlossenen Kammer befindet, erschloss sich mir nicht, aber dem Kammerspiel-Charakter tut das ganz gut. Wotan, Tobias Schabel, macht stimmlich und auch als Badehosenträger eine gute Figur. Das trifft auch auf seine Gattin, Khatuna Mikaberidze, zu. Kelly God, Freia, ist in beiderlei Hinsicht darüber hinaus gewachsen.
      Die Götterkollegen Froh und Donner sind rollendeckend mit Brian Davis (schön, wie er dauernd Leuten Prügel androht) und Corby Welch besetzt. Loge (Hubert Delamboye) tritt in der Kleidung eines alternden Entertainers auf und verkörpert wie üblich den Typus des geistig beweglichen Intellektuellen.
      Nibelheim ist wie so häufig eine unterirdische Werkstatt oder ein Labor, wo alles Mögliche hergestellt wird. Alberich, immer noch in Metal-Klamotten, hat seine Sammlung an mit Gold gefüllten Kartons vermehrt. Die Verwandlung in Unsichtbaren, Drachen und Kröte wird durch die Statisterie dargestellt, die zu dreizehnt in Alberichs Ministrel-Maskerade erscheint.
      Zurück in der Oberwelt, wird Freia mit dem Gold aus den Kartons behängt, bis der Deal aufgeht. Die Riesen sind siamesische Zwillinge, die auseinanderreißen, wenn der eine den anderen tötet. Aufregend ist, wie sie sich auf dem gefährlichen Felsen bewegen, fast zu aufregend. Mich hat es jedenfalls abgelenkt. Das Monströse der beiden Gestalten ist aber auch durch die deformierten Köpfe gut visualisiert.
      Ein schönes, eindringliches Bild gelingt Kosky in der Erda-Szene. Die Stimme kommt von der Seitenbühne, während sich eine sehr alte, nackte Frau langsam und würdevoll auf Wotan zubewegt, ihn umarmt, kurz verharrt, und ruhig wieder abtritt.
      Dann ist Party angesagt. Zu Donner Heda-Hedo-Geprahle öffnet der Gott den Schampus und dann kommt endlich Walhall - in Form einer riesigen Torte, die lustigerweise fast wie das klassizistische Opernhaus aussieht. Man langt ordentlich zu, schleckt genüsslich das Messer ab und schreitet aus der sich öffnenden Kammer in einen nachtschwarzen Hintergrund. Loge springt allerdings vorne aus dem Kasten heraus und schlendert durch die Nullgasse fort.
      Wenn die schrecklich bombastischen Schlusstakte erklingen, bleibt, wie einst bei Wieland Wagner, die Bühne leer - abgesehen von einer halben Torte und einem toten Riesen.
      Starker, begeisterter Beifall für alle - nur GMD Wolfgang Bosic muss Buhrufe einstecken.
      Was bleibt? Bei mir pure Neugier. Wohin das Konzept steuert, ist noch nicht zu erahnen, und leider dringt nicht viel nach Außen. Im Mai kommt die Walküre heraus, man darf gespannt sein. Langweilig wird es jedenfalls unter Barry Kosky nicht.
      Und noch Eines sei lobend erwähnt: Man lässt Übertitel laufen, und zwar wie es sich gehört den kompletten Text. Gerade bei Wagner, Strauss und ähnlich stark instrumentierten Werken hilft das dem Verständnis ungemein. Die äußerst zahlreich anwesenden Schüler waren auch dieser Meinung.





      usschnitte gibt es wieder auf Theater TV: http://theater-tv.com/?link=staatsoper_h...heingoldhan.flv
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Alberich schrieb:

      Nachdem Barry Kosky in Hannover mit Peter Grimes die faszinierendste Inszenierung, die dieses Haus in den letzten zehn Jahren zu sehen bekam


      Da gab es schon noch andere, bemerkenswerte Produktionen: vor allem "Trovatore" von Verdi in der Inszenierung von Calixto Bieito muss da Erwähnung finden, aber auch die "Traviata" von Verdi, der "Don Giovanni" von Mozart, die "Cav/Pag"- Produktion von Leoncavallo/Mascagni, allesamt von Bieito in Szene gesetzt, aber auch "Il gran sole" von Nono in der Konwitschny-Inszenierung, da ist Kosky mit "Peter Grimes" (Britten) zwar in guter Gesellschaft, aber nicht wirklich so herausragend, wie es hier behauptet wird.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Alviano schrieb:

      Alberich schrieb:

      Nachdem Barry Kosky in Hannover mit Peter Grimes die faszinierendste Inszenierung, die dieses Haus in den letzten zehn Jahren zu sehen bekam


      Da gab es schon noch andere, bemerkenswerte Produktionen: vor allem "Trovatore" von Verdi in der Inszenierung von Calixto Bieito muss da Erwähnung finden, aber auch die "Traviata" von Verdi, der "Don Giovanni" von Mozart, die "Cav/Pag"- Produktion von Leoncavallo/Mascagni, allesamt von Bieito in Szene gesetzt, aber auch "Il gran sole" von Nono in der Konwitschny-Inszenierung, da ist Kosky mit "Peter Grimes" (Britten) zwar in guter Gesellschaft, aber nicht wirklich so herausragend, wie es hier behauptet wird.

      Ja, wobei Bieito für mich extrem berechenbar wurde. Gerade Cav/Pag war geradezu schlecht und erbärmlich langweilig; richtig herausragend fand ich nur Trovatore und Giovanni. Der Nono war ok, nicht vergessen sollte man vielleicht noch Mouchtar-Samorais Billy Budd vor längerer Zeit. Aber in dieser konsequenten Schlüssigkeit ist für mich Koskys Grimes die klare Nr.1.

      Mag letztendlich Geschmackssache sein - ich mag es halt, wenn ein Stück mal auf den Punkt gebracht wird und der Ballast verschwindet. Ob das im Ring auch der Fall sein wird, mag ich noch nicht beurteilen.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Mag letztendlich Geschmackssache sein - ich mag es halt, wenn ein Stück mal auf den Punkt gebracht wird und der Ballast verschwindet. Ob das im Ring auch der Fall sein wird, mag ich noch nicht beurteilen.
      ich denke, es spricht im Rheingold sehr viel dafür, dass dieser Ring einer der ganz großen Ringe in der BRD werden kann. Das Orchester ist von der Kritik und einigen Claqueurs - aber nicht von kompententen Musikern, die im Publikum waren - zu Unrecht geschmäht worden.... wichtig scheint, dass das Orchester den Standart, den es sich in der Premiere erspielt hat, nicht preis gibt...

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Amfortas09 schrieb:

      ich denke, es spricht im Rheingold sehr viel dafür, dass dieser Ring einer der ganz großen Ringe in der BRD werden kann.

      Ich weiß nur eins: Sollte tatsächlich Koskys verwirrter Cockerspaniel Blumi das Ross Grane spielen, DANN wird es ein ganz großer Ring. :D
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Alberich schrieb:

      Mag letztendlich Geschmackssache sein - ich mag es halt, wenn ein Stück mal auf den Punkt gebracht wird und der Ballast verschwindet. Ob das im Ring auch der Fall sein wird, mag ich noch nicht beurteilen.


      Lieber Alberich,

      bei Superlativen werde ich immer sehr vorsichtig. Betrachtet man z. B. die Arbeiten von Barrie Kosky über mehrere Jahre hinweg, dann steht neben druchaus gelungenen Inszenierungen auch einiges, was nicht richtig überzeugen kann oder nicht zu Ende gedacht wirkt.

      Sein "Tristan" in Essen z. B. wirkt ab der Mitte des zweiten Aktes weitgehend szenisch hilflos, das sieht bei seinem "Holländer" von Wagner am gleichen Ort, oder, ebenfalls in Essen, bei Weills "Mahagonny" ganz anders aus. Der "Peter Grimes" von Britten in Hannover gehört ganz klar zu den besseren Inszenierungen des australischen Regisseurs, meine Premierenbesprechung ist wahrscheinlich in diesem anderen Forum, dessen Name mir gerade nicht einfallen will, noch nachlesbar.

      Wenn wir bei Hannover bleiben: besser als das "Rheingold" von Wagner hat mir von der Inszenierung her Janaceks "Totenhaus" in der Regie von Barrie Kosky gefallen, aber auch ich bin durchaus gespannt, wie sich der "Ring" an der Staatsoper Hannover jetzt weiterentwickeln wird, da wäre es viel zu früh, schon zu einer richtigen Bewertung zu gelangen.

      Nochmal kurz zu Bieito: von den Produktionen, die Calixto Bieito in Hannover betreut hat, fand ich den Bergschen "Wozzeck" am schwächsten, das Ende mit diesen nackten Menschen streift so haarscharf den Kitsch, aber auch vorher fehlt ein wenig ein roter Faden oder eine wirklich ausgfeilte Personenführung.

      "Cav/Pag" fand ich richtig gut, auch die etwas verschobene Pause und das Bild, das direkt davor zu sehen ist, haben mir gut gefallen. "Trovatore" würde auch ich für eine der stärksten Regiearbeiten von Bieito halten - allerdings war es auch die erste Inszenierung des Katalanen, die ich überhaupt gesehen habe, das prägt sicher nochmals nachhaltiger, als wenn es schon enstprechende Vergleichsmöglichkeiten gegeben hätte.
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