PUCCINI: Tosca, WSO 9. Mai 2009: Er kam, sang und siegte!

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    • PUCCINI: Tosca, WSO 9. Mai 2009: Er kam, sang und siegte!

      Puccini, WSO, Tosca, 9.5.2009: Er kam, sang und siegte!



      Unsere "Tosca" tu ich mir aus den schon oft diskutierten Gründen nur
      an, wenn mich die Besetzung reizt, und das war heute der Fall. Mit
      Jonas Kaufmann, Catherine Naglestad und Ruggero Raimondi standen drei
      Singschauspieler auf der Bühne, die mich das Rundherum rasch vergessen
      ließen. Nur im 2. Akt sehnte ich mich doch sehr nach der Züricher
      Carsen-Inszenierung mit ihrem dramatischen Impetus, denn verglichen
      damit, was dort zwischen Magee und Hampson abging, war das heute eine
      harmlose Dinnerparty, die halt überraschend letal endet.

      Catherine Naglestad feierte als Tosca ihr Staatsoperndebut, und ich
      hoffe sehr, das wir diese Sängerin in Zukunft oft bei uns begrüßen
      dürfen. Eine schöne Stimme, technisch ausgezeichnet - dass ein paarmal
      die Nerven ein bisschen flatterten, ist beim Debut verzeihlich - und
      ein sehr intensives Spiel. Sie harmonierte nicht nur von der Stimmfarbe
      her vorzüglich mit Jonas Kaufmann, auch die Chemie zwischen den beiden
      stimmte, und dass es da anständig knisterte, spürte und hörte man sehr
      deutlich. (Letzteres bestätigte mir Erni, die leider nur einen Hörplatz
      hatte und auf den optischen Eindruck der beiden verzichten musste,
      trotzdem war sie ganz begeistert, welche Emotionen beide in ihre
      Stimmen legten.)

      Ich war in der glücklichen Lage, das verliebte Pärchen auch beobachten
      zu können, und so intensiv ist in der "Tosca" bei uns noch selten
      geturtelt worden. Trotzdem spielte Kaufmann ganz hinreißend auch die
      Klemme, in der er steckt, denn einerseits will er seine Tosca küssen
      ohne Ende, andererseits muss er sie rasch los werden, weil ja Angelotti
      in seinem Versteck wartet.

      Jonas Kaufmann konnte schon als Des Grieux vorige Woche das Publikum
      von seiner Klasse überzeugen, als Cavaradossi feierte er heute einen
      Triumph. Schon nach "Recondita Harmonia", das er einfach zum
      Niederknien schön gesungen hat, mit perfekten Schwelltönen und einem
      endlosen, zarten Piano am Schluss, gab es viel Applaus und Bravos, nach
      "E lucevan le stelle" brach ein wahrer Orkan los. Gottlob kam JK den
      Dacapo-Rufen nicht nach, denn mich stört ehrlich gesagt schon der
      Applaus nach dieser Arie immer sehr, weil er meiner Meinung nach den
      musikalischen Fluss und auch die Stimmung kaputt macht. (Carignani
      dirigierte in Zürich ohne Pause weiter und konnte daher den
      Spannungsbogen halten, wofür ich ihm sehr dankbar war.) Aber natürlich
      gönne ich dem Sänger seinen verdienten Applaus, keine Frage. Seit
      Aragalls Zeiten sind an der WSO die "Dolci mani" nicht mehr so
      unendlich zärtlich besungen worden, in einem schwebenden Piano, das
      bruchlos ins Forte überging.

      Ruggero Raimondi hingegen braucht das Wiener Publikum nicht mehr
      erobern, es liebt ihn seit Jahrzehnten. Und mit Recht, denn wenige
      Sänger seiner Altersklasse können noch mit einem derart intakten
      Stimmmaterial aufwarten. Ncht nur an seinem Timbre sind die Jahre
      spurlos vorübergegangen, er führt seine Stimme immer noch ohne jedes
      Tremolo, das bei Sängern am Ende ihrer Karriere meist so nervt. Was
      Raimondi allerdings fehlt, ist die Kraft, eine Partie wie den Scarpia
      auf gleichem Level durchzuhalten, und so rettete ihn zum Schluss nur
      mehr seine große Routine. Schauspielerisch ist er nach wie vor ein
      Scarpia zum Fürchten, und dass vor ihm ganz Rom zittert, glaubt man
      aufs Wort.

      Am Schluss herrschte " il gran giubilo", aber nicht wegen der
      Niederlage der Franzosen, sondern wegen des Sieges eines großartigen
      Ensembles.

      Ich freue mich jedenfalls schon auf die zweite "Tosca" am Dienstag!!!

      lg Severina[Blockierte Grafik: http://www.edition-kuratowski.de/Forum/images/smilies/wink1.gif]




      Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare (Franz Schalk)
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)