Jazz - Live on stage

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    • NDR Bigband - Sendecki - Kerschek - Landgren - Kampnagel Hamburg 26.11.09

      Gestern habe ich in Hamburg ein exqusities Konzert der oben genannten Protagonisten geniesssen dürfen.

      Auf Einladung des Bundesverbandes Polnisches Forum in Deutschland e. V. konnten ca. 350 Zuschauer und -hörer ein knapp 3 stündiges Konzert auf Kampnagel erleben.

      Das Programm teilte sich in 3 Teile.
      Teil 1 wurde von Vladyslav Sendecki (Piano) und Nils Landgren (Posaune) bestritten. In drei unterschiedlichen Stücken bewiesen die Beiden eine wunderbare Kommunikation miteinander und ließen ihr technisches Können elegant aufscheinen. Wer Landgren in seinen funky-Ausflügen zu banal empfindet, der sollte sich seiner Musik in kleineren Besetzungen zuwenden, da zeigt sich, daß dieser Mann wirklich ganz vorne mitspielt.
      Gesungen hat er natürlich auch, was nicht unbedingt notwendig ist :D , aber die 6-Minuten-Fassung des Beatles-Klassikers blackbird mit sehr schönen Soli beider Musiker war schon toll. Gerne hätte ich noch mehr von den Beiden gehört, aber der zeitplan ließ dies trotz begeistertem Applaus wohl nicht zu.

      Teil 2 war die Aufführung des Kerschek-Klavierkonzertes "my polish heart" mit der NDR-Bigband. Wolf Kerschek, der an diesem Abend die Bigband leitete, hat mit diesem nur in Teilen auskomponierten Stück den Musikern eine Basis für freie Interaktionen geliefert, die von diesen auch intensiv genutzt wurde. Es zeigte sich, daß nicht nur Sendecki ein excellenter Klavierspieler ist, sondern daß auch die Musiker der NDR-Bigband in ihren Soli technisch versiert und inspiriert am Werk waren. Themen wurde teilweise ganz zart am Piano entwickelt, um dann von einzelnen Musikern bzw einzelnen Sektionen der bigband weiter entwickelt zu werden. Höchst interessant.

      Nach der Pause Teil 3 die Weltmusik-Suite "Anima Mundi" von V. Sendecki. Unter Verwendung von Gesangsfetzen aus aller Welt, die als samples Grundlagen für Theman waren oder als Rhythmus unter die Musik gelegt wurden, wurden in einem treibenden Klima (Drums !! :juhu: ) Soli und tutti expressiv entwickelt. Nach einer Stunde war dieser "Spuk" vorbei und ich hatte Mühe, wieder "Erdung" zu finden.

      Ich bin sehr lange nicht mehr im Jazz-Konzert gewesen und ich weiß jetzt ganz genau, daß dies ein großer Fehler war.
      Solltet ihr Gelegenheit haben, Stücke oder das ganze Konzert zu hören zu bekommen, solltet ihr meines Erachtens zugreifen, es lohnt sich.

      Grüße
      Achim
    • Lieber Achim,

      schön, dass du diesen überfälligen Thread ins Leben gerufen hast. Wir sind uns wohl einig, dass das Live-Erlebnis im Jazz (und eigentlich aller Musik) durch keine Konserve zu ersetzen ist.

      Mein zeitlich letztes Jazz-Konzert war eines, zu dem ich eigentlich gar nicht gehen wollte, dann aber eingeladen wurde und schlussendlich froh war, dabei gewesen zu sein:

      Mike Stern - Randy Brecker - Chris Minh Doky - Dave Weckl
      Oldenburg. 01.11.2009

      Nein, eigentlich wollte ich da gar nicht hin, obgleich das Konzert gerade einmal 200 Meter von meiner Wohnung entfernt stattfand. Wer mich gereizt hat, war Dave Weckl, ein technisch anscheinend unlimitierter Schlagzeuger, der Mitte der 80er Jahre bei Chick Corea weltbekannt wurde. Leider hatte man oft den Eindruck, dass dieses schiere Können im Gegensatz zur Musikalität Weckls stand, sprich: Der gute Mann hat alles um ihn herum kurz und klein geknüppelt. Jahre später hat er dieses Defizit wohl selbst bemerkt und hat noch einmal Unterricht bei einem Swing-Drummer alter Schule genommen. Und siehe da: Plötzlich konnte er sich zurücknehmen, auch mal darauf hören, was die Musiker um ihn herum so anstellen. Also eigentlich nix wie hin zum Konzert... Wenn da nicht Mike Stern wäre, der dauergrinsende Gitarrist, der seit fast 30 Jahren ungelogen immer das gleiche spielt. Den in New York lebenden dänischen Bassisten Chris Minh Doky kannte ich nicht wirklich und Randy Brecker ist meiner Meinung nach von der Tagesform und dem Umfeld abhängig: Mal großartig, mal ziemlich seicht.

      Aber ich war ja eingeladen. Sieht man einmal davon ab, dass Mike Stern wieder das gleiche wie immer spielte und Randy Brecker zunächst etwas lustlos in voller Montur (sprich Mütze und Jacke) die Trompete bediente, wurde es ein höchst lustvoller Abend. Was Weckl und Minh Doky dort als Fundament gelegt haben, war in jeder Sekunde interessant und bis aufs höchste Risiko ausgereizt. Nicht oft erlebt man eine Rhythmusgruppe, die einem mit ihrem Groove derart in die Knochen und Eingeweide fährt und dabei in nahezu jedem Takt sehr eigenständig und differenziert spielt. Es passiert mir selten, dass ich nasse Hände bekomme wegen der Spannung, die Musiker aufbauen können. Hier war es soweit, dank der Herren im Bühnenhintergrund, die den beiden Diven vorne an der Rampe deutlich die Show stahlen. Ein tobender Saal und lang anhaltende Standing Ovations beschlossen den Abend. Schön, dass ich meinem ersten Impuls nicht gefolgt bin und mir die 200 Meter angetan habe...

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Zum Frühlingsbeginn lockte mich die Jazzwerkstatt Berlin Brandenburg am 20.3. ins Babylon Mitte, einem noch großen, alten Kino neben der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Der Abend begann mit dem:

      Ravi Coltrane Quartet

      Ravi Coltrane (ts), Luis Perdomo (p), Drew Gress (b), J.C. Strickland (dr)

      Ravi Coltrane, den Sohn von Alice und John Coltrane, erlebte ich zuerst live anfang der 90er in der Gruppe des Drumers seines Vaters, Elvin Jones, und war gleich davon überzeugt, dass von ihm noch viel zu erwarten sein würde.

      Inzwischen gehört er längst selbst zu den Größen des modernen US-Jazz. Mit seinem sehr guten Quartett glänzte er durch sehr gut Tenor-Soli weit ab von den üblichen Phrasen. Das Quartet spielt mit großer Abgeklärtheit in vielfach vertrackten, häufig ungeraden Metren, aber dennoch sehr groovig, einen Jazz, der für die moderne US-Szene recht typisch ist, hat aber dabei seine eigene Handschrift im besten ineinander dicht verzahnten Zusammenspiel gefunden. Luis Perdomo spielte hier zumeist eher zurückhaltend, hier nur sehr gelegentlich etwas Latin-Piano einfliessen lassend, aber auch sehr schöne Soli besteuernd und ließ so viel Raum, in dem sich Ravi Coltrane als deutlicher primus inter pares ausgiebig entfalten konnte, während Drew Gress und E.J.Strickland mit einem äußerst dichten Groove antrieben. In einer Ballade lieferte dann auch Drew Gress ein wunderschönes langes, sehr gut aufgebautes Bass-Solo, von Drums und Piano sher zurückhaltend begleitet. Herausragend war dann die Schlußnummer, die zwar nicht in den Akkorden, aber vom Akkordaufbau und den Synkopierungen etwas an Monks "Well you needn't" erinnerte und in der sie sich zu einer Intensität der Mingus-Formationen steigern konnten.

      Anschließend spielte im kleinen Saal über dem Foyer die schon seit 2003 zusammenspielende Berliner Formation:

      Hyperactive Kid

      Hyperactive Kid sind drei junge Musiker aus Berlin, Philipp Gropper am Tenor-Saxophon, Ronny Graupe an der siebensaitigen E-Gitarre und Christian Lillinger am Schlagzeug. Die Musiker verzichten auf ein Bassinstrument. Mir fehlt da manchmal etwas der Puls, denn auch von der Gitarre, die hier viel eher postrockartige Akkorde zum Teil etwas Minimal Music ähnlich wiederholte, kann das nicht übernommen werden und wo Graupe eher solistisch rumfrickelte, wurde für meinen Geschmack so der Gesamtsound etwas dünn, auch wenn Gropper und der wirklich hyperaktive und enorm einfallsreiche Lillinger ganz ausgezeichnet für nahezu Dauerintensität sorgen. Lillinger halte ich gegenwärtig für einen der besten jungen Jazz-Drumer in Deutschland. Gut gelingt ihnen, mit plötzlichen Stimmungs- und Richtungswechseln immer wieder zu überraschen, was neben der hohen Intensität Groppers und Lillingers iherer Musik Spannung gibt, die jedoch Graupe mir mit seinem Gefrickel häufig etwas zu zerfasert.

      Schließlich folgte das neue Projekt des Meister-Klarinettisten Don Byron:

      Don Byron New Gospel Quintet

      Don Byron – clarinet, tenor saxophone, background vocal
      DK Dyson – vocal
      Frank Wilkins – piano, Hammond B-3 organ
      Brad Jones – e-bass, background vocal
      Pheeroan akLaff – drums

      Mit seinem neuen Projekt widmet sich Byron der Musik des Gospel-Pioniers Thomas A. Dorsey, der, wie Ma Rainey Blues mit zumeist großen Jazz-Bands verband, den Jazz in den Gospel holte, mit Rückwirkung vom Soul Jazz- Hard Bop bis zum R & B und Soul. Byron übersetzt Dorseys Musik, ob er nun Stücke von Dorsey selbst spielt oder von ihm Inspieriertes, in einen modernen Soul Jazz, der nicht nur in den Soli ganz gegenwärtig ist. Mit DK Dyson hat er dafür die richtige Sängerin, die vom vollen weiblichen Bass, wie es das wohl nur im afro-amerikanischen Gospel gibt, mühelos in höchste Höhen kommt, immer wieder fantasievoll Fremdzitate quer durch die Musikgeschichte miteinsingt, so dass der Gospel-Jazz schon mal plötzlich im indischen Krishna-Tempel landet, was die Band sofort aufnimmt, oder auch native-american-Gesang eingeflochten wird, und die dabei aktivierend mit dem Publikum kommuniziert. Warum Dyson nie groß herausgekommen ist, ist mir ein völliges Rätsel.
      Auch Byron und Jones überraschen hier als gute Sänger, von denen in diesem Gospel-Jazz auch Bachground einiges gefordert ist. Besonders Byron macht dies mit viel Humor und respektvoller Ironisierung. Ansonsten ist Byron hier, wie sonst nur ganz selten, überwiegend am Tenor-Sax zu hören und ist auch dabei sehr gut. Genial dann aber seine zwei langen Klarinettensoli, als Intro, bzw Medley den Soul/Gospel-Jazz unterbrechend, in denen plötzlich auch Bach und Strawinsky modern jazzig und hochvirtuos paraphrasiert werden. Neben Byron und Dyson bricht auch Wilkins durch plötzlich verschobene moderne Harmonisierungen und Akkordauflösungen den Gospel und klassischen Soul Jazz immer wieder modernisierend auf, um dies anschießend sofort wieder ganz wunderbar traditionsverhaftet einzufangen. Seine Soli, oft gleichzeitig am Piano und leider, wohl reisebedingt, die Original-Hammond-Orgel nur auf dem Korg simulierend, haben mir auf diese Weise auch ganz besonders gut gefallen.
      Pheeroan akLaff ist für dieses Projekt ebenfalls ideal ausgewählt. Verbindet er doch sowieso meist und meisterhaft den straighten Groove des Soul-Jazz-Drumings mit dem unabhängigen, weit mehr als Begleitung liefernden Spiel der modernen Jazz-Drumer seit Sunny Murray, Dennis Charles u.a. und trägt so wie Wilkins sehr zur dauerhaften Traditionserdung wie zum Anschluß an aktuellen modernen Jazz bei.

      :wink: Matthias
    • Alexander von Schlippenbach Trio, Jazzwerkstatt Café, Berlin, 25. 3. 2010

      Ich komme gerade zurück von einem Free Jazz Konzert, wie es besser kaum seien kann. Zwar war der immer noch völlig unerreichte, unersetzbare Evan Parker am Sax verhindert, der seit ca. 40 Jahren mit Alexander von Schlippenbach (p) und Paul Lovens (dr) dieses Langzeit-Trio bildet, aber dafür sprang der Bassklarinettist Rudi Mahall ein, der auch inzwischen schon seit vielen Jahren mit Schlippenbach und über ihn gelegentlich auch mit Paul Lovens zusammenspielt. So wurde es zwar anders, aber auch sehr gut und nach den ersten 2 Stücken war auch die Kommunikation ähnlich dicht und schon auf außergewöhnliche Weise selbstverständlich, wie man das von dem klassischen Schlippenbach:Trio gewohnt ist. So reichten meißt ganz wenige Töne aus, um vom Klavier zur Bassklarinette oder auch zum klangfarbenreichen, höchst intensiven Spiel Lovens auf seinem alten Minimal-Drum-Set zu wandern und passend fortgesetzt zu werden. Überhaupt muß ich Lovens fantastisches Spiel jetzt noch höher bewerten, saß ich doch in der intimen Atmosphäre des heute sehr gut besuchten Jazzwerkstatt-Cafés praktisch direkt vor ihm und konnte so seine häufig taktfreie, aber dennoch außerordentlich dichte und antreibende Spielweise bewundern.

      Nach der Pause war im ersten Stück mit einer sehr freien Monk-Adaption ungewöhnlicherweise von Schlippenbach auch auf der Trompete zu hören. Monk-Zitate geisterten auch immer mal wieder in den weiteren Stücken durch die freien Improvisationen; - kein Wunder, hat doch Mahall auch bei Schlippenbachs "Monk's Casino", der Gesamteinspielung sämtlicher Monk-Kompositionen mitgewirkt, die sie auch mehrmals in einer sehr langen Nacht live gegeben haben.
      Heftige Akkordkaskaden auf dem Piano zu den gewohnt fantasievollen und häufig auch etwas humoristischen Ausbrüchen Mahalls auf der Bassklarinette undd em beständig dichten Schlagzeug-Regen von Lovens wechselten mit ruhigen Momenten, in denen schon mal die Seiten des Flügels mit Paukenklöppeln angeschlagen wurden und die Basskarinette wisperte und atmete, bis einer der dreien wieder etwas schnelleres, kräftigeres vorgab, worauf die anderen sofort reagierten. Manchmal entstand spontan auch etwas, was sogar nach einem verschroben gespielten Standar klang. Zum Abschluß gab es dann als Zugabe noch eine hübsche Schlippenbach-Komposition, die ursprünglich für seine Großformation, das Global Unity Orchestra entstanden war, die aber bei diesen Trio auch so funktionierte.

      :wink: Matthias
    • Matthias Oberg schrieb:

      Überhaupt muß ich Lovens fantastisches Spiel jetzt noch höher bewerten, saß ich doch in der intimen Atmosphäre des heute sehr gut besuchten Jazzwerkstatt-Cafés praktisch direkt vor ihm und konnte so seine häufig taktfreie, aber dennoch außerordentlich dichte und antreibende Spielweise bewundern.
      Lieber Matthias,

      das freut mich aber! Ich habe Lovens 1990 beim Jazzfest Berlin im Osten der Stadt, in der Nähe des Alex (Haus der Kulturen der Welt? Gab's das? Hieß das so?) im Ensemble von Butch Morris gesehen und war völlig aus dem Häuschen. Damals war ich gerade 20 und wenig bekannt mit Free- oder Avantgarde-Jazz. Ich saß damals aber auch so, dass ich Lovens fast über die Schulter schauen konnte und traute meinen Augen (und Ohren) kaum, was der da alles fabrizierte. Schön, dass er auch 20 Jahre später selbst einen so ausgewiesenen Kenner wie dich zu begeistern vermag! Man, der muß jetzt aber auch schon einen Tacken älter sein, oder?

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Carsten schrieb:

      Man, der muß jetzt aber auch schon einen Tacken älter sein, oder?


      ....merkt man aber überhaupt nicht - keine Spur! Verrückt ist ja auch seine Sitzhaltung, sehr niedrig, über sein Minimal-Drums-Set gekauert. Nur das Drums-Set sieht äußerst antik, ramponiert und wie gerade ausgegraben aus. :D Mir kommt sein Spiel, gerade wenn er metrisch völlig frei spielt, wie ein mittelleichter, aber dichter Regen vor, der z.B. auf ein Verandadach trommelt.
      Bemerkenswert auch, wie er bei der Dichte noch zwischendurch diverse Gongs und anderes Gerät ab und an auf seine eine Stand-Tom oder seine schmale, fast resonanzlose Snare platziert, um so die Klangfarben zu erweitern.

      :wink: Matthias
    • (Haus der Kulturen der Welt? Gab's das? Hieß das so?)


      Lieber Carsten,

      Ja, das war die sogenannte "schwangere Auster" im Tiergarten, wo das Jazz-Festival lange stattfand. Zeitweilig gab es dort außerdem auch noch jedes Jahr das Jazz-Festival "Jazz across the Border" mit viel Weltmusik-Jazz, dem leider die Finanzierung gestrichen wurde, und eine regelmäßige Jazz-Konzert-Reihe in gut dafür geeigneten Räumen oder im Sommer auch draussen, auf der Terasse und viele Weltmusik und Trikont-Kulturveranstaltungen, deswegen "Haus der Kultur der Welt" - alles kaputt gemacht worden und jetzt ist es ein Empfangszentrum des Bundestags und steht fast immer praktisch leer. :cursing:

      Bei dem Butch Morris Konzert war ich damals übrigens auch :D - war schon toll!

      :wink: Matthias
    • Matthias Oberg schrieb:

      fast resonanzlose Snare...
      Ja, so habe ich das auch in Erinnerung: Lovens' Set-Klang ist staub- wenn nicht gar furztrocken. :D Ich glaube, bei solcher Musik muss er das auch fast sein, damit alle Details hörbar werden und nicht in irgendeinem Hall verschwimmen. Bei so einem Klang zählt jeder Schlag, da kann sich kein Ton hinter irgendwelchen Alibis verstecken.

      Siehe auch hier (mit Mats Gustafsson und Günter Christmann):
      "http://www.youtube.com/watch?v=HsdKDyfNpEs"

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Matthias Oberg schrieb:

      Ja, das war die sogenannte "schwangere Auster" im Tiergarten, wo das Jazz-Festival lange stattfand.
      Nee, da war das gar nicht... jetzt ist es mir wieder eingefallen (Gut, dass ich damals noch Tagebuch schrieb...): "Haus der jungen Talente" hieß das Etablissement, ca. fünf Minuten vom Alexanderplatz entfernt. Butch Morris spielte dort (mit Lovens, Henry Threadgill, Curtis Fowlkes u.a.), im Foyer gab's Blues mit Billy Branch. Am Ende spielten die Freejazzer und die Blueser eine gemeinsame Session. Das war ein unvergesslicher Abend!

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Carsten schrieb:

      "Haus der jungen Talente" hieß das Etablissement, ca. fünf Minuten vom Alexanderplatz entfernt. Butch Morris spielte dort (mit Lovens, Henry Threadgill, Curtis Fowlkes u.a.), im Foyer gab's Blues mit Billy Branch. Am Ende spielten die Freejazzer und die Blueser eine gemeinsame Session. Das war ein unvergesslicher Abend!


      Jetzt, wo du's sagst, fällt es mir auch wieder ein, hatte ich auch in der Erinnerung durcheinanderbekommen, ich habe mit der Zeit so viel hören können. Aber da wr ich schon auch. Butch Morris mit Großformation einschließlich Cecil Taylor habe ich im Haus der Kulturen der Welt bei dem FMP- Cecil Taylor Festival gehört, auf dem ausschließlich Taylor mit allen möglichen europäischen Free Jazzern zu hören war. Ist damals komplett mitgeschnitten worden. Das 12er-Box-Set wird heute zu Mondpreisen gehandelt. Hat mein Vater glücklicherweise.

      :wink:
    • Dieter Ilg-Trio und Tord Gustavsen-Quartett im Kampnagel, HH

      Hallo zusammen,

      in aller Kürze:
      Dieter Ilg zupfte und strich sich mit seinem Bass in einer Stunde durch Improvisationen über Themen aus Verdis Otello. Sehr fantasievoll, hat mich auch technisch ungemein beeindruckt. Überraschend klangsinnlich und subtil, hatte ich anders erwartet. Gut auch Rainer Böhm am Piano , heimlicher Held des Abends Patrice Heral an Schlagzeug und Percussion, weite Strecken des Abends ohne sticks spielend sondern mit Händen und allem, was sonst so greifbar war. Blieb letztlich nur der Nachgeschmack, dass mich Jazz-Improvisationen über Themen der klassischen Musik selten voll überzeugen, obwohl hier gut umgesetzt. Liegt vielleicht daran, dass Rhythmik und Harmonien selten als Material tauglich sind. Ich weiß es auch nicht...

      Dann kam Tord Gustavsen (Klavier) mit seinem Quartett Tore Brunborg (Saxofon), Mats Eilertsen (Bass), Jarle Vespestad (Schlagzeug). Er beschrieb seine Musik als Folge subtiler Schlaflieder. Naja, es war schon nach Zehn und irgendwie nahm ich das auch so wahr. Insgesamt schon alles gute Musiker (den Schlagzeuger fand ich recht schwach..), aber stilistisch in der erdrückenden Melancholie für meinen Geschmack zu eintönig und dröge. Vielleicht empfindet man das als Skandinavier in lichtlosen Wintern ja als fetzig-freudige Mucke...wer weiß. :D

      lg
      Sascha

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz
    • Re: Dieter Ilg-Trio und Tord Gustavsen-Quartett

      Hallo Sascha,

      Patrice Heral an Schlagzeug und Percussion ist immer umwerfend gut, mitreissend und fantasievoll, für mich einer der gegenwärtig Besten auf diesen Instrumenten! Auf dem letzten Berliner Jazz-Fest konnte ich ihn zuerst mit Christoph Lauer (Sax)erleben und dann, noch gesteigert, im Trio mit Bassist Arild Andersen und dem schottischen Saxophonisten Tommy Smith, bei denen er spontan eingesprungen war, weil deren eigentlich auch sehr guter italienischer Drumer kurzfristig ernsthaft erkrankt war. So wurde deren normales Programm etwas verändert, es war in dieser neuen Besetzung null geprobt und es wurde eins der besten Konzerte, die ich in den letzten Jahren erlebt habe, viel packender, als das durchaus gute normale Programm dieses Arild Andersen Trios, das ich davor auch mal gehört hatte. Auch Andersen und Smith wurden zu absoluten Bestleistungen herausgefordert.

      Heral kann selbst Solo-Konzerte mühelos abwechslungsreich gestalten.

      Ich bin auch immer skeptisch bei Jazz-Bearbeitungen klassischer Musik, aber Dieter Ilgs neue Otello-CD finde ich sehr gelungen, gerade weil die Umsetzung schon durch die Beschränkung auf das Trio und die prominente Rolle des Basses in ihm, was mir natürlich sehr zusagt, insbesondere da Ilg ein wunderbarer, ich finde, wie du, sehr fantasievoller, technisch sowieso nahezu grenzenlos guter Bassist ist, eine so große Veränderung erzwingt, dass etwas ganz Neues entsteht. Dennoch ist Ilgs Wahl des Otellos insofern naheliegend, da es ja eines der weinigen Stücke im klassischen Kernrepertoire ist, in dem den Kontrabässen auch einmal eine hrausgehobene Stelle gestattet ist. Auch Böhm ist ein guter Pianist, der auf der CD das Kunststück vollbringt, nie zu viel zu spielen und dennoch schöne Akzente zu setzen.



      Tord Gustavsen haut mich hingegen auch nie so um. Um fair zu sein, seine Stärken liegen eher darin, wenn er in etwas größeren Besetzungen interessante Klangfarben entstehen lassen kann.

      Ansonsten kann ich nur immer wieder nachdrücklich wiederholen, dass es in Skandinavien auch einen ganz anderen, für mich sehr viel interessanteren Jazz gibt, als das durch ECM und Act Music vermittelte, verbreitete deutsche Skandinavien-Jazz-Bild als typisch erscheinen läßt.

      :wink: Matthias
    • ...zwar bereits 1986

      ...spielte das Trio des Pianisten ENRICO PIERANUNZI (mit ENZO PIETROPAOLI b. / FABRIZIO SFERRA dr.) im kl. Saal der N`berger "Meistersingerhalle" (im Rahmen des seinerzeit zweijährlich stattfindenden "Jazz.Ost.West"-Festivals)

      - trotzdem drügg ichs jetzt in DIESE Schublade ... AKTUELL ist immerhin die Sendereihe "Jazz oder nie" (im Nischensender "BR-alpha" :thumbup: :thumbup: , meist am WE, immer spätnachts resp. fast schon frühmorgens), in deren Rahmen ich obiges Highlight letzte Nacht genießen konnte (means mein Seminar heute kurzfristig absagen musste :whistling: )

      SEHR eigenständig das - obwohl ich mit dem Jazzklavier (ca. von John Lewis bis Alex Schlippenbach) so unvertraut nicht bin, wüßte ich erstma nix vergleichbares...

      DICKE mstislaveske Empfehlung jedenfalls :P (werden schon noch aktiv sein die Jungs - sehr "altersweise" sahen sie mir anno 86 jednfalls nicht aus...)
      >>>>Wer Rechtschreibefehler findet, darf mich g e r n e darauf hinweisen!!<<<<

      Es ging aus heiterem Himmel um Irgendwas. Ich passte da nicht rein. Die anderen auch nicht. (Fischer-Dieskau üb. seine 1. >u. letzte!< Talk-Show) … … Hollywood ist ein Witz (Aki Kaurismäki)
    • 01.07.12 / JazzBaltica

      - - - gestern Abd. als (vermutl. leicht gekürzte) Aufzeichnung im DLF (u. z.Z. nochmal probehörend...)
      Tomasz Stanko tp. / David Vireles p. / Slawomir Kurkiewicz b. / Gerald Cleaver dr.

      - - - doch - 8+)er wachtrommler - - -

      den gaaanz langsamen Tomasz mit seiner dann meist volllll lostönenden Meeelancholiiiiie möcht ich nicht mehr (jedenfalls nicht in den Aufn. der letzten Jahre),
      aber wenn er sich den Kick gibt und loslegt, hör ich immer wieder was Neues :) :)
      bemerkenswert IMO im obigen Mitschnitt, wie bestens sich der kubanische Pianist in den doch sehr eigenen Stanko`schen Kosmos einzufügen weiss...............
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    • der saure HEINZ!

      VOILA walldorff`s Threaderweiterung zum 3. ... die Jazzgötter werdens mir nachsehen :)
      Heinz Sauer hat mit seiner "Live at DUG, Tokyo"-Scheibe (vom 15.02.71 and together with Mangelsdorff/Lenz/Hübner) für mich eine der heissesten europ. Jazz-Alben jener Jahre mit-angerührt (imo gleichrangig z.B. mit Tomasz Stankos "Music for K.") - - - da KANN folgender Hinweis nicht außen vor bleiben.....

      HEINZ SAUER LIVE
      - & "NDR-Studioband" / Hamburg, April 80
      - & George Adams & Archie Shepp / Frankfurt, September 78
      - as member of Mangelsdorff-Quart. / Frankfurt, ? 70 ("12. Dt. Jazzfestival")
      ÜBERmorgen auf hr2, 18.30Uhr bis 20.00Uhr!!

      - - - - - und darauf einen Düü-Jardin :P :P
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    • - - - weiter HIER (eine Eben-GEHÖRT-Jazz Kiste hamm`wir hier halt nicht)
      bin grade das neueste Zeug aufder Festplatte am bearbeiten...heute frühmorgens auf WDR3 (als Aufzeichng.v.verg.DO) die Europa-Premiere (!!) von RUDRESH MAHANTHAPPA`sGAMAK ...... Yepp / alternative SOvorm.Mugge :P :P ...überzeugt mich als Fusion ähnlich sehr wie vor einigen Wochen auf SWR2 (als Aufzeichng. aus Sofia) das Tigran Hamasyan Trio, auch wenn sie nicht ganz die heisse RhythmusBrühe anrühren wie unlängst im DLF (als Aufzeichng. aus B) Chevillon et Humair für ihre alten Spezl Louis et Michel :beatnik:
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    • pablo and friends !

      weiter gehts :P

      heut nacht mitgeschnitten (a.d. Theater Gütersloh) das PabloHeldTrio mit zwei Gästen (Johannes Enders, vermutl. der derzeit angesagteste Saxofonist im südbayrischen, u. das Wiener Urgestein Wolfgang Muthspiel) ... dankeDANKE - nach einer durchaus auch anstrengenden MeditationsSession in unsrer osthess. Dependance gestern Nachm. heut morgen ein supercooler Wachprügler :)

      HeHe .... gab vor Ort nen schönen Applaus, als der Moderator zwischendurch suffisant erwähnte, dass sie hier im westfälischen MAL EBEN ein neues Theater hochzuziehen in der Lage sind, während sie in einer dt. Millionenstadt jetzt schon lange Jahre dran rumwerkeln........
      >>>>Wer Rechtschreibefehler findet, darf mich g e r n e darauf hinweisen!!<<<<

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    • Gestern relativ kurzfristig ins Christmas-Special im A-Trane geraten.

      Frank Chastenier (p) Dieter Ilg (b) und Wolfgang Haffner (dr). Teils lesend, teils singend hat sich noch Thomas Quasthoff hinzugesellt.

      War eine echt unterhaltsame Session. Haffner und Ilg kannte ich und war dementsprechend von der Qualität nicht überrascht, Chastenier hatte ich dann doch vom musikalischen Temperament gnadenlos unterschätzt. :D
      Die Jungs hatten Spaß und wir auch.

      Gruß
      Sascha

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz