Jazz - Live on stage

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    • Gestern zum ersten Mal wirklich quälende Langeweile in einem Jazzkonzert erlebt, ist auch recht einfach hinzubekommen.

      1. Man nehme eine Clavia Nord C2D und kombiniere sie mit einem Organisten, der in seinen Soli keine wahrnehmbare Kreativität entwickelt.
      2. Man vermeide möglichst alle Freiheiten gegenüber Tempo und Rhythmus.
      3. Man baue seine Soli möglichst immer gleich auf
      4. Die bekannten Hammond-Elemente kontrollverlustiger musikalischer Entäußerung spiele man möglichst kontrolliert (siehe auch Punkte 1-3 :D )
      5. Man ziehe sowohl das einzelne Solo wie auch das Konzert möglichst in die Länge.

      Klingt vielleicht gehässig, aber war letztlich so und nicht nur meine Empfindung, auch im restlichen Publikum schwand die Stimmung minütlich und Geld hats auch gekostet.
      Bleibt für mich die Erkenntnis, das musikalischer Schwung auch nicht allein daraus entsteht, das man alle paar Minuten mal "Yeah" schreit... :rolleyes:
      Aber ich bin selbst schuld, ging schon mit schlechtem Gefühl hin...

      Gruß
      Sascha

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz
    • Lieber Matthias,

      Hal Tsuchida wars, im A-Trane mit Torsten Goods (g) und Jesus Vega (d), Haus- und Hof-Sax Wiggins hat gepustet. Insgesamt hat die Combo natürlich nix innovatives erwarten lassen, aber mir hätte schon ein entspannter Soul & Blues-Abend gereicht. Und das bekommt Wiggins, je nach Laune und Partnern, in der Regel noch öfters gut hin. Von Tsuchida findet sich einiges auf You Tube...das ist ähnlich langweilig. Ich hätts wissen müssen. Goods ist auch nicht mein Falll, alles was über Begleitung und kurze Fill ins hinaus geht, ist meist über kurz oder lang weilig. An gleicher Stelle übrigens spontan am Dienstag Nicole Johänntgen samt französischem Klaviertrio gehört und war ganz angetan. Die haben für die 14 (!) Besucher echt Stimmung gemacht, Tsuchida und Co haben das knallvolle A-Trane Minute um Minute mehr gelangweilt. Das war leider nicht mal hausmannskost.

      Werde mal demnächst auch einigen Deiner Empfehlungen folgen...;)

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz
    • Philipp Catherine / Martin Wind

      - - -ko. FR nach Jahren mal wieder ins formidable Dortmunder "Domizil"...

      Das akt. Album der beiden ist neulich irgendwo (SWR.2 ? / "NDR.Kultur"?) als CD der Woche präsentiert worden!!

      Aimm häppieie :) :)

      :audi:
      Durchhängen iss nich !!
      (Udo Lindenberg)
    • Antracis schrieb:

      Hal Tsuchida wars, im A-Trane mit Torsten Goods (g) und Jesus Vega (d), Haus- und Hof-Sax Wiggins hat gepustet.


      Tsuchida kenne ich nicht, aber von allem, wo Torsten Goods mitmischt, lase ich die Finger. Der hat mir auch das letzte Pete York -Album bei Act verdorben.

      wes.walldorff schrieb:


      Philipp Catherine / Martin Wind

      - - -ko. FR nach Jahren mal wieder ins formidable Dortmunder "Domizil"...

      Das akt. Album der beiden ist neulich irgendwo (SWR.2 ? / "NDR.Kultur"?) als CD der Woche präsentiert worden!!


      Das hätte ich hingegen auch sicherlich gerne gehört :prost:

      Das Dortmunder "Domizil" hat nach wie vor ein überwiegend gutes Programm. Als ich noch häufiger mal an der Sozialforschungsstelle Dortmund zu tun hatte, habe ich auch dort manchen Abend verbracht.

      :wink: Matthias
    • Youn Sun Nah Duo / Andromeda Mega Express Orchestra

      Beim 3. Abend des Bonner Jazzfest hatte ich gestern endlich die Gelegenheit, im Forum der Bundeskunsthalle die koreanische Sängerin Youn Sun Nah und den schwedischen Gitarristen Ulf Wakenius live zu hören (ich hatte ihren Auftritt bei Jazz à Vienne verpasst und konnte das Kölner Konzert im November auch nicht besuchen).

      Das Repertoire besteht z. T. aus (mehr oder weniger) bekannten Liedern aus der etwas anspruchsvolleren Pop-/Rock-Ecke (Beispiel: Hurt von Nine Inch Nails), Traditionals verschiedenster Provinienz (gestern: englisch, schwedisch, koreanisch) und speziell für sie geschriebenen Stücken, dann überwiegend "Instrumentals" von Ulf Wakenius; leider gestern kein französisches Chanson. Das typische Jazz-Repertoire meidet sie. All das verwandeln sich die beiden in ihren völlig eigenen Stilen als Sänger bzw. Gitarrist sehr individuell an.

      Wakenius' Spiel ist sehr raumgreifend, mit langsamen Entwicklungen, das Ausstellen von Virtuosität über weite Strecken geradezu meidend. (Dann allerdings gibt er auch mal dem Affen Zucker, daß einem der Atem stockt!). Er spielt, soweit ich sehen konnte (ich saß gut), ausschließlich mit Plektron (obwohl das mit dem, was ich zu hören bekam, manchmal kaum erklärlich war :juhu: ). Nur selten hört man den Jazzgitarristen 'raus (Wakenius war u.a. Gitarrist in Oscar Petersons Band).

      Nah hat mit klassischer Gesangsausbildung begonnen, ist dann nach Paris gezogen, um französisches Chanson zu lernen (was sie phantastisch gut kann!) und bedient sich von da aus gehend bei den verschiedensten Stilen, mit denen sie dann ihr eigenes Ding baut. Gestern gab es eine Version des englischen Traditionals A Sailor's Life, bei dem ich zunächst das Gefühl hatte, Sandy Denny sei wiederauferstanden; dabei bleibt Youn Sun Nah dann allerdings nicht stehen ... Oder aber: die beiden pressen Ghost Riders in the Sky in eine Art Bluesschema und zerlegen es zum Ende hin in einen akustischen Klangrausch. Die Stücke, die Ulf Wakenius speziell für sie schreibt, präsentieren ihre phänomenale Virtuosität und einen Stimmumfang, den ich mal auf gut 3 Oktaven schätzen möchte. Auch bei ihr gibt's schon mal einen vokalen Stunt, wenn sie einen Ton so lange aushält, bis die Zuschauer reihenweise blau anlaufen ;+). In der Tradition von Breakfast in Baghdad (vom Album Same Girl, gestern nicht zu hören) und Momento Magico (aus Lento; das war die Nummer mit der 90-Sekunden-Note), steht das neue Stück Mistral, bei dem beide die Eindrücke eines offenbar ziemlich windigen Konzerts in Avignon letztes Jahr verarbeiten. Dabei geht Youn Sun Nah noch mehr als bei bisherigen Stücken über den reinen Gesang hinaus zu vokal erzeugten Klängen anderer Art - und schafft es dabei, während sie mit dem Atem Windgeräusche simuliert, gleichzeitig auch noch Töne zu singen :faint:

      Nicht so sehr gefällt mir der Einsatz von Technik: daß Wakenius gelegentlich einen Bass Boost zur Gitarre hinzuschaltet, finde ich angesichts fehlender Rhythmusgruppe zu verschmerzen, vor allem, da das gezielt und sehr gekonnt eingesetzt wird. Den Echo-Effekt für die Stimme beim erwähnten Wind-Stück fand ich aber überflüssig; und daß sie für einen Abschnitt von "A Sailor's Life" auf Harmonisierung mit einem Vocoder (oder wie immer sowas heutzutage heißt) zurückgreift, nimmt der Sache doch einen Gutteil der Authentizität (auch wenn es auch hier in der Sache passend war: der Harmoniegesang in enger Terzenführung gehört ja zur englisch/inselkeltischen Folklore eigentlich unbedingt dazu!).

      Die Frau ist ein Phänomen, oder, wie es der Moderator des Abends ausdrückte: "Die haut Dich aus den Latschen!" Stimmt! Ihre Platten sind übrigens sehr gut, aber weit, weit weg von dem, was sie und der ebenso phantastische Ulf Wakenius live auf die Bühne bringen! Wer aus der traditionellen "Klassik"-Ecke sich interessiert für das, was im Kunst-Gesang heutzutage möglich ist, sollte sich diese Frau gelegentlich mal anhören! Soll man das noch Jazz nennen? Wer die beiden (oder gar das Quartett) live erlebt, wird die Frage völlig uninteressant finden!




      ***


      Das gilt auch für das Andromeda Mega Express Orchestra! Die 18-köpfige Berliner Band um den Komponisten und Saxophonisten/Klarinettisten Daniel Glatzel entstammt überwiegend der HfM "Hanns Eisler" und bedient sich musikalischer Mittel aus allen möglichen Ecken und Enden, um daraus ein höchst individuelles Klangbild zu formen. Ich hatte Assoziationen zu reichlich Minimal Music à la Steve Reich, dann deutlich Stockhausen (wenn die Band in mehrere "Gruppen" aufgeteilt wird), und ganz viel Frank Zappa. Aber: das ist alles nur Material für einen unendlichen Strom eigener, skurriler Musikideen! Die endlos (hier dann doch nicht sooo endlos) wiederholten patterns der Minimal Music dienen als Hintergrund für sehr unterschiedliche Improvisationen, mal ganz im Jazz-Sinne durch einzelne Musiker, dann durch Gruppen von Musikern (à la Stockhausens "Sonntag aus Licht")... Das alles mit einem mal feinen, mal groben Witz und viel Lust an höherem Unfug präsentiert. Darüber vergißt man irgendwann, wie unerhört schwierig diese Musik ist, und was für phänomenale Musiker da spielen! Ich würde sagen, es sind solche, die beim Ensemble Modern oder der MusikFabrik nur deshalb nicht genommen werden, weil da halt schon alle Plätze vergeben sind ...

      Ach ja, die Besetzung: Streichquintett (2 Vl, 2 Va, Vcl), 5 Holzbläser (Fl, Fg, Cl, Sax in wechselnder Besetzung), 2 Trompeten, Harfe, Klavier, Kontrabaß, E-Gitarre, Schlagzeug, Vibraphon. Soweit sie nicht zwischendurch auch irgendwas anderes spielen.

      Das war der (in diesem Fall unerwartete) zweite Hammer an diesem Abend!

      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Essen Jazz Orchestra

      Heute Vormittag ging es in das Katakomben Theater nach Essen, wo das erst seit einigen Monaten bestehende "Essen Jazz Orchestra" sein zweites Konzert gab. Feine Arrangements, satte Klänge, angenehme Örtlichkeiten; uns hat das sehr gut gefallen. Nach den Sommerferien sollen es wohl monatliche Konzerte dieses Orchesters in Essen geben. Da werde ich mich häufig hin verirren.

      Uwe
      Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.
    • Bobby Mc. Ferrin & Chick Corea in HH

      Es trafen sich 2 Altmeister zu einer Tasse Tee in der prächtigen, voll besetzten Laeiszhalle zu Hamburg und schüttelten sich einige nette, mehr oder weniger gelungene Improvisationen aus dem Ärmel - wohl wissend, dass das Publikum allein schon deswegen begeistert sein wird, weil es ab- und zu mitsingen darf/soll.
      Good old Mc. Ferrin nutzte das erste Drittel des Konzertes zum Einsingen. Einigermaßen warm war er dann gegen Ende. Vielleicht war er auch erkältet.
      Coreas Klavierspiel war souverän und unaufgeregt unaufregend.
      Trotzdem war es schön, diese zwei Helden meiner Jugend mal live gesehen zu haben!
      Wenn eine Vergewaltigung unvermeidlich ist - einfach stillhalten und geniessen.
      Konfuzius
    • Bobby McFerrin / Chick Corea Hamburg

      Auch ich habe dieses Konzert besucht. Um es vorweg zu sagen: das war so ziemlich das erbärmlichste Konzert was ich je gehört habe. Ich hatte die Karte geschenkt bekommen, sonst wäre ich wegen der überzogenen Preise (Parkett Mitte 107 €!) wohl nicht hingegangen.
      Das musikalische Programm bestand aus altbekannten Standards (z.B. Teach me tonight, Autumn leaves oder dem unvermeidlichen Spain), etwas Improvisation und Kinderanimation. Anders kann man die Art und Weise wie Bobby McFerrin versuchte das Publikum mit einzubeziehen nicht bezeichnen. Alle durften mal mitsingen, was die Qualität nicht heben half. Einzig Corea konnte mit seinem routinierten Klavierspiel noch einigermaßen für sich einnehmen. McFerrin war nur noch ein Schatten seiner selbst. Gesang: totale Fehlanzeige. Die Stimme ist eindeutig im Eimer. Da war aber auch gar nichts was man einigermaßen befriedigend mit anhören konnte. Von den 3 Damen aus dem Publikum, die auf der Bühne mitsingen durften hat ihn eine namens Natalie vollkommen in den Schatten gestellt, und so unfreiwillig demonstriert, dass McFerrin's Gesang einfach nur noch grausam ist. Und seine Scat Versuche waren auch nicht besser. Da quiekte er meist schrill und störte eher das Spiel von Corea als das es eine Ergänzung gewesen wäre.
      Ein weiterer Höhepunkt der Peinlichkeiten war eine Improvisation über die Mazurka a-Moll op.17,4 von Chopin. Auch hier sollte das Publikum mitsingen, und musste immer ein zuvor gespieltes Motiv wiederholen. Dieses Elaborat war eine Beleidigung für Chopin und alle Liebhaber von dessen Musik. Da war keinerlei Entwicklung, sondern nur stereotypes abspielen mit ein paar jazzigen Einschüben. Stolz zeigte er uns zum Schluß die Noten, um wohl sagen zu wollen "seht ich kann auch Noten schreiben".
      Der Exodus einzelner Besucher setzte bereits nach der ersten halben Stunde ein. Hätten wir nicht in der Mitte gesessen wären wir garantiert auch nach Hause gegangen und hätten den lauen Abend genossen, anstatt uns über eine derart unprofessionelle Frechheit zu ärgern. Für mich ist so etwas eine vollkommene Verarschung des Publikums, welches dann auch eher verhalten reagiert hat, bis auf den Schluß (der nach ca. 90 Minuten endlich gekommen war) um noch eine Zugabe zu erhalten. Aber da sind wir dann doch schnell verschwunden ..

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Hallo Eusebius,

      ein ähliches Problem mit namhaften Jazzern 'at the philharmonics' in Deutschland hatten wir letztes Jahr mit Cassandra Wilson in München auch: dermaßen lustlos, uninspiriert, publikumsverachtend bin ich noch nie bei einem Konzert abgefertigt worden. Vera, die ein großer Fan von CW ist, hat sich noch immer nicht wieder eingekriegt über diese Unverschämtheit oder Rentensicherungsaktion, wie man es auch immer nennen will.

      CW's Mitstreiter waren immerhin sehr engagiert und routiniert, aber der Name, wegen dem mindestens 99 % des Publikums da war, hatte ein arges Motivationsproblem.

      Da lob ich mir halt jüngere Künstler, die mehr zu bieten haben ....

      LG Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • ein ähliches Problem mit namhaften Jazzern 'at the philharmonics' in Deutschland hatten wir letztes Jahr mit Cassandra Wilson in München auch: dermaßen lustlos, uninspiriert, publikumsverachtend bin ich noch nie bei einem Konzert abgefertigt worden.
      Solche "Künstler" machen es dann allen anderen "ehrlichen" Bands schwer entsprechende Auftritte zu bekommen. Wenn ich mir überlege, wie sorgsam wir mit unserer Band proben und gemeinsam an den Arrangements feilen, damit auch wirklich jedes Stück eine persönliche Note bekommt, und dann vermeintliche "Stars" einen A...voll Geld für Null Leistung verlangen und bekommen, müsste man eigentlich aufhören mit solchen Sachen.

      Ich kann nachvollziehen, wenn Musiker nicht immer "gut drauf" sind, aber man muss IMMER sein Bestes gehen. Als "No-Name-Musiker" erheblich mehr als Leute mit Namen.....
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Lieber Maurice, diese Gedanken hatte ich auch!
      Wir spielen jedes einzelne Konzert mit Herzblut und es ist uns immer wieder ein Fest, wenn der Funke überspringt. Ich finde, man hat als Künstler eine Verantwortung denjenigen gegenüber, die einem durch ihre Anwesenheit und ihre Aufmerksamkeit ein Stück ihrer kostbaren Lebenszeit widmen.
      Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, bei jedem Konzert mein Bestes zu geben. Wenn ich irgendwann merke, dass ich das aus irgendeinem Grunde nicht mehr kann, suche ich mir einen anderen Job.
      Wenn eine Vergewaltigung unvermeidlich ist - einfach stillhalten und geniessen.
      Konfuzius
    • Lieber Maurice, diese Gedanken hatte ich auch!
      Wir spielen jedes einzelne Konzert mit Herzblut und es ist uns immer wieder ein Fest, wenn der Funke überspringt. Ich finde, man hat als Künstler eine Verantwortung denjenigen gegenüber, die einem durch ihre Anwesenheit und ihre Aufmerksamkeit ein Stück ihrer kostbaren Lebenszeit widmen.
      Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, bei jedem Konzert mein Bestes zu geben.
      Es dürften noch mehr werden, aber schön, dass Du die gleiche Einstellung dazu hast wie wir/ich. Weißt Du, ich kann kein Konzert mehr im Stehen spielen (was in Jazzbands ja oftmals normal ist), habe immer einen Hocker dabei, muss mich oftmals bereits während des Konzertes mit Wadenkrämpfen herumplagen, aber gebe immer alles was verfügbar ist. Ich stehe da ganz klar in der Verantwtortung, denn die Leute haben das Recht auf so etwas, egal ob sie 5 oder 50 € Eintritt bezahlen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • <= a propos Terry Lynne!

      Eben hat music lover auf eine CD hingewiesen, auf der die wunderbare T. L. Carrington (die angeblich schon im Vorschulalter verkündet haben soll, dass sie mal drummerin wird!!)
      die Besen rührt => => Da juckt`s mich jetzt doch erheblich, auf ihren Auftritt bei der letzten Jazzwoche Burghausen hinzuweisen! Sie präsentierte dort ihre eigene Formation
      Money Jungle - mit an Bord waren noch Aaron Goldberg (p.), Tia Fuller (fl.) und N.N.!

      Nu habe ich eine Reise zu diesem Festival nie ernsthaft erwogen, da es mir i.d.R. einen Tick zu bieder daher kam...
      Aber zwei Auftritte vom letzten Silvester-special auf "BR-Alpha" (inzw. "ARD-Alpha") < mit einer Reihe von Aufzeichnungen aus verschied. Jahren Burghausen > liegen jetzt doch (vermutl. dauerhafter) auf einer meiner digitalen Festplatten / eines davon ist eben Money Jungle - worauf hiermit empfehlend hingewiesen ist :) :)

      Übr. ist mein starker Verdacht, dass gerade diese "Nischen-Sender" relativ fix zu reagieren bereit sind, wenn mal 2, 3 Dutzend Leute quasi auf Knien 8+)
      um eine bestimmte Wiederholung bitten!

      :wink:
      Durchhängen iss nich !!
      (Udo Lindenberg)
    • petros + fiedler . . .

      . . . eben das zwoteMaal completement gehört: (übr. längst auch auf yT vollständig verfügbar: youtube.com/watch?v=lT2QiGFYZM4)

      <= der gig der Petros Klampanis Group im Rahmen der diesj. Bremer jazzahead! (minus der ersten Nummer, weil sich in diese "DLF.Kultur" damals leider erst eingeblendet hatte)

      "Jazz mit Streichquartett" hatte ich bis jetzt recht resolut vermieden . . . obiger Auftritt klingelte mir aufgrund der Vorankündigung freilich gar zu hell in den Gehörknöchelchen . . . und - ja doch . . . gefällt :) :)

      :wink:
      Durchhängen iss nich !!
      (Udo Lindenberg)
    • Gestern Abend in der Düsseldorfer Jazzschmiede ausgezeichneten Jazz gehört:

      Reiner Witzel (as)
      Richie Beirach (p)
      Joscha Oetz (b)
      Christian Scheuber (dr)

      Da kann ich nichts Gutes herausheben, weil alles super war. Ein Highlight.

      Uwe
      Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.
    • GUT SO WIE ES IST

      Zu Masako Ohtas Klavierimprovisationskonzert im Einstein (Halle 4) in München, 18.1.2019, ein persönlicher Konzerteindruck

      In den letzten Monaten hat die Pianistin Masako Ohta vielfach ihr Poetry Album mit Werken von Clara Schumann (1819-1896), György Kurtag (geb. 1926), Francois Couperin (1668-1733), Johannes Brahms (1833-1897), Johann Sebastian Bach (1685-1750), Arvo Pärt (geb. 1935), Maurice Ravel (1875-1937), Toru Takemitsu (1930-1996), Ludwig van Beethoven (1770-1827) und Robert Schumann (1810-1856) vorgestellt. Nun wagt sie sich erstmals an ein ausschließliches Klavier-Improvisationskonzert.

      Wer wie der Schreiber dieser Zeilen selbst aus klassischer Musikausbildung kommt und erst nach und nach zum Improvisatorischen fand (ein lebenslanger nie endender Weg) versucht zu ermessen, welche Herausforderung das sein muss.

      Als Beobachter, Interessent könnten sich Fragen vor so einem Konzert stellen: Mit einem Konzept ins Konzert gehen? Motive, Ansätze bereits vorab im Kopf haben? Oder „völlig aus dem Nichts“ an den Flügel gehen? Wie zu diesem Nichts kommen? Vorher in der Künstlergarderobe sitzen und sich sagen „Ich vergesse jetzt mal alles“? Auf das Gelingen dessen hoffen oder es so sein lassen wie es halt kommt? Sich zwingen müssen nun etwas zu tun (zumal man vor ein Publikum zu treten hat, das Eintritt gezahlt hat) oder aus einer eigenen Freude und Neugier heraus vielleicht sogar ganz frei sein nun öffentlich künstlerisch aktiv sein zu wollen, zu dürfen, zu können? Wie viel von sich selbst preisgeben? Was über sich verraten, was „von der Welt erzählen“? Das Publikum „einsperren“, „fesseln“ oder „öffnen“? Der Konzertbesucher entschließt sich zu versuchen nicht bangend, sondern völlig unvoreingenommen und offen, in positiv gestimmter Vorfreude diesen Konzertbeginn zu erwarten.

      Immerhin an die 70 Menschen haben sich im unterirdischen durch einen langen Gang erreichbaren steinernen Kellergewölbe der Halle 4 im Einstein eingefunden. Masako Ohta hat wohl in München bereits einen guten Namen, auch mit einem derart offenen Konzept Besucherinnen und Besucher anzulocken.

      Sie begrüßt das Publikum mit dem Bonmot, sich wie ein Blatt leeres weißes Papier zu fühlen. Damit gelingt es ihr gleich, sowohl die eigene als auch die Anspannung der Zuschauerschaft herzlich zu lösen.

      Masako Ohta klopft auf den noch geschlossenen Klavierdeckel des Steinway Flügels. Sie bittet ihn quasi um Erlaubnis, diese Welt betreten zu dürfen. Nicht kokettierend, sondern schon hier wohl aus dem Klang heraushören wollend, was der Flügel dazu sagt. Dann öffnet sie buchstäblich den Raum und erkundet die Welt darin. Cluster, Klangwolken, Gedankenflüge, eine Reise ins Irgendwo, eine Suche, vielleicht ein Finden, Anhaltspunkte, wieder weiter. Keine Klassik, kein Jazz, alles irgendwo dazwischen. Und alles universell, kein „Ego-Shooting“. Offene Klangräume. Gefühlte 20 Minuten, dann hebt sie die Hände von den Tasten, erster Applaus.

      Der zweite Block beginnt. Masako Ohta begibt sich mit den Händen und Armen ins Klavier, zupfend und schlagend, teilweise rhythmisch, mehrheitlich aber ganz frei, die Klangräume auslotend die sich da öffnen lassen. Sanft wechselt sie zurück zur Tastatur, sanfte akkordische Klangräume tragen uns weiter. Erneut scheinen es etwa 20 Minuten die wir in dieser Welt bleiben, bis sie zum zweiten Mal die Hände von den Tasten nimmt. Zweiter Applaus und der Hinweis, nun folge eine Pause.

      Dem klassisch (aus)gebildeten Hörer kommt der Gedanke – das war jetzt wie ein großer langsamer Satz, und weiter gedacht dann war der erste Block der 1. Satz, und das Klopfen war die Einleitung dazu.

      Nach der Pause präpariert Masako Ohta das Klavier und bringt, sich auch dazu entsprechend bewegend, perkussive, nahezu rituelle Klänge zu Gehör, mit fernöstlichem Touch. Ganz äußerlich könnte jemand denken hier produziert sich jemand, aber wenn man „ganz drin ist“ kann man hier durchaus eine Weisheit, eine in keiner Sekunde überhebliche (das Ich in den Vordergrund stellende) Weisheit, eine Selbstverständlichkeit des Seins im Rhythmus dieser Minuten mitleben.

      Der klassisch „fixierte“ Zuhörer kommt nicht von seinen Kategorien los, das war doch jetzt das perfekte Scherzo, auch kürzer als die ersten beiden Blöcke.

      Schon spricht die sympathische Künstlerin Dankesworte, aber es fehlt doch noch das Finale, der Finalsatz? Und konventionell gedacht auch – sollte der zweite Teil nach der Pause wirklich nur so kurz geblieben sein?

      Oh doch, Masako Ohta begibt sich, begibt uns in die Zugabe. Mit Stäben an die Saiten im Gussrahmen, dann Figuren an den Tasten als flögen Messiaens Vögel wieder einmal los, diese bunte schillernde Naturwelt, Flügelschlagen, Vogelrufe, Gesänge der Natur, und alles klar, offen und weltweise, im Universum irgendwo zwischen Bach und Pärt.

      Wieder nicht zu lang. Das Publikum wird nicht festgehalten. Für den Schreiber hat sich eine improvisierte Sonate zusammengefügt.

      Das Publikum hat die Möglichkeit und Chance, bei gutem Willen nach diesem Konzert nicht erschöpft, sondern ganz offen zu sein, für Musik jeglicher Art und fürs Dasein an sich, das kein Gut und Böse kennt, das einfach nur ist und das gut ist so wie es ist.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • GROOVENDES EASY PIANO PLAYING

      Martin Tingvall stellt sein Album „Rocket“ in der BlackBox im Gasteig (München) vor, 12.2.2020, persönlicher Höreindruck

      Der Name des schwedischen Jazzpianisten Martin Tingvall fiel dem Schreiber dieser Zeilen zunächst als Rockballadenkomponist für Udo Lindenberg auf – Wenn du durchhängst, Der Astronaut muss weiter und Woody Woddy Wodka (alle veröffentlicht 2008), Das Leben (2011), Wenn du gehst und Muss da durch (2016) und Niemals dran gezweifelt (2018) hat er bereits für Udo komponiert (teilweise zusammen mit Vince Bahrdt vom Pop-Duo Orange Blue).

      Der Personalstil des Jazzpianisten Martin Tingvall zeichnet sich nun durch etwa drei bis zehn Minuten lange deutlich strukturierte Stücke mit eigenen Improvisationsabschnitten über vorgegebene Harmoniefolgen darin, durch offene, klare Melodiebögen sowie durch einen egal ob flott oder ruhig straight durchgehaltenen Groove aus. Stilistisch pendelt Tingvall zwischen Rockballadeskem, Philip Glass, Michael Nyman, George Winston und einem Schuss Vorklassik – ein publikumsfreundlicher Minimalismus also.

      So präsentiert er sich jedenfalls bei seinem auffallend gut besuchten Münchner Solokonzert am Flügel. Er hat sich also bereits einen Namen gemacht. Am Verkaufsstand findet man CDs, LPs und Notenalben.

      Martin Tingvall moderiert das Konzert mit einem Mikrofon vielfach launig und anekdotisch. Der Albumtitel „Rocket“ (Rakete) fiel ihm ein, als bei einem Strandurlaub in Florida ein Raketenstart angekündigt wurde. Er erzählt, dass er mit Joja Wendt, Sebastian Knaur und Axel Zwingenberger zusammenspielt und erklärt auch die Namen weiterer Stücke, die er spielt.

      Vor der Pause spielt er Rocket 1 und erklärt dazu, das Stück sei für drei Klavierspieler komponiert, hier fasst er es als Solo zusammen. Gleich nach der Pause bringt Tingvall das „Rocket“ eröffnende in seinem Fließen an Philip Glass gemahnende Hope.

      Den Schreiber freut natürlich, dass Tingvall auch eine der Kompositionen für Udo Lindenberg spielt, als schöne jazzige Rockballade – Der Astronaut muss weiter. (Passt auch zu „Rocket“).

      Und wenn Tingvall dann einen Blues ansagt wird auch der mehr zu einem griffigen Rock-Blues.

      In Arbeit hat er gerade ein neues Trioalbum, auch davon gibt es bereits eine Solokostprobe.

      Die erste Zugabe ist eine sehr stimmungsvolle Gutenachtballade, die zweite rockt die BlackBox.

      Akustischer Nachklang zu Hause:



      Hört man die 14 Titel der CD „Rocket“ (erschienen bei Skip Records, aufgenommen im März 2019 in Udine) noch im Nachklang des Konzerts wenig später zu Hause, überrascht, dass sie insgesamt leichter, weniger pianistisch ergiebig wirken. Sie betonen das Easy Playing und Easy Listening, vermitteln, auch durchs Notenalbum verdeutlicht, diese Klaviermusik will aktiv und passiv eine größere Masse bedienen. Die zwischen 2:12 und 5:03 Minuten kurzen Stücke, ob balladesk oder fließend flotter, plätschern eher so dahin. Man erkennt viele Stücke aus dem Konzert wieder, etwa Floating, mit dem Tingvall in der BlackBox gestartet hat.

      Kompositorisch und inspirativ ragen für mich der belebtere, ambitionierte Piano Man, die Ballade No Gravity und die elegische g-Moll Ballade Echoes from the Past heraus.

      Es bleibt aber der Eindruck, Tingvall hat bewusst den Anspruch für CD und Notenalbum etwas heruntergeschraubt. Das Konzert vermittelte pianistisch mehr Power und Vielfalt.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK