Telemann-Projekt Capriccio

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    • Telemann-Projekt Capriccio

      Liebe Freunde der Barock-Musik, liebe Freunde Telemanns,

      seit einiger Zeit schon gehe ich mit der Idee schwanger, in Capriccio ein langfristig angelegtes Telemann-Projekt zu betreiben. Diese Idee möchte ich euch vorstellen, mit euch besprechen und natürlich für sie werben.

      Telemann, so stelle ich fest, ist im Kommen. Die Zeiten, in denen er als uninteressanter Vielschreiber abgetan wurde, sind lang vorbei. Gleichwohl dürften nur die allerwenigsten Menschen – ich schon gar nicht – von sich behaupten, einen Überblick über Telemanns Schaffen zu besitzen. Diejenigen, die sich für Telemann interessieren und sich näher mit ihm beschäftigen möchten, werden im Regen stehen gelassen. Werkeinführungen sind Mangelware. In Büchern wie z. B. dem Konzertführer Barock von Konold u. a. finden sich jeweils nur einige wenige Werke (immerhin). Empfohlen werden typischerweise die Tafelmusik, die Pariser Quartette, einige wenige Konzerte und Suiten, damit hat es sich. Der Kauf weiterer Aufnahmen über diesen Kernbereich der Empfehlungen hinaus hat, wie ich aus eigenen Erfahrungen weiß, etwas Zufälliges. Man hangelt sich gewissermaßen von CD-Empfehlung zu CD-Empfehlung und liest sich durch Booklets.

      Meine Hoffnung ist, dass wir diesem Missstand mit unseren bescheidenen Mitteln ein wenig Abhilfe verschaffen können. Was mir vorschwebt, ist eine werkorientierte Vorgehensweise. Nicht möchte ich nach euren Lieblings-CDs fragen oder meine vorstellen, nicht möchte ich fragen, welches eure drei liebsten Telemann-Werke sind. Solche Threads halte ich für langfristig unergiebig. Sondern wir nehmen uns ein Werk vor und sprechen erst einmal nur über das Werk. Wenn sich das erschöpft hat (was sicher manchmal schnell der Fall sein wird, aber hoffentlich bei weitem nicht immer), besprechen wir unsere Aufnahmen dieses Werkes. Sind wir damit durch, nehmen wir uns das nächste Werk vor. Und so weiter, und so weiter, alles schön gemächlich.

      An dieser Stelle sei klar gesagt: Ich bin ein Telemann-Liebhaber, kein Telemann-Kenner. Was ich zu schreiben weiß, wird all diejenigen, die sich in der Materie weitaus besser auskennen als ich, oftmals den Kopf schütteln lassen. Nun, das nehme ich in Kauf. Meine Hoffnung ist, dass es bei diesem Kopfschütteln nicht bleibt, sondern dass Richtigstellungen, Erklärungen, Ergänzungen kommen, aus denen ich - und mit mir andere - lernen kann. Zugleich bedeutet meine Nichtkennerschaft, dass die von mir gesuchten Mitstreiter ebenfalls keine Kenner sein müssen. Wer wie ich gern Musik von Telemann hört und Lust hat, sich über sie auszutauschen, oder wer auch nur neugierig auf Telemanns Musik geworden ist, aber nicht weiß, wo beginnen, ist herzlich eingeladen, mitzutun.

      Das Ziel dieses Projekts soll und kann es nicht sein, ein Telemann-Kompendium herzustellen, ein umfangreiches Handbuch gar mit Einführungen und Erläuterungen zu allen Werken Telemanns. Das wäre wahrlich Hybris. Vielmehr hege ich die Hoffnung, dass diejenigen, die sich an dem Projekt beteiligen, die einzelnen Werke mit offenen Ohren (wieder) hören, sich am Austausch über die Werke erfreuen und die Werke damit besser kennen lernen. Wenn wir allerdings Schritt für Schritt ein Werk nach dem anderen besprechen, wird mit der Zeit ganz von selbst eine hübsche und nutzbringende Übersicht zusammen kommen.

      In praktischer Hinsicht, denke ich mir, sollte das Telemann-Projekt Capriccio aus mehreren Threads bestehen:

      Dieser Thread soll als Organisations-Thread dienen. Hier können Fragen zum Projekt gestellt werden, soll vereinbart werden, welches Werk als nächstes besprochen wird, wer den Eröffnungsbeitrag schreibt, können Wünsche auch von Nicht-Mistreitern geäußert werden, welche Werke dran genommen werden sollten.

      Zudem wird es einen Meta-Thread geben, in dem ich die besprochenen Werke aufliste (einmal sortiert nach TWV, einmal alphabetisch nach Namen) und Verlinkungen zu den Beiträgen setze, also ein Inhaltsverzeichnis.

      Wegen der Anzahl der Werke nicht sinnvoll scheint es mir zu sein, einen Thread pro Werk zu eröffnen. Zudem dürften dabei selbst bei positivem Denken viele Threads mit nur wenigen Beiträgen entstehen. Stattdessen halte ich die Errichtung mehrerer Großthreads für zweckmäßig. Diese Großthreads könnten die Grobeinteilung des Telemann-Werkeverzeichnisses aufgreifen (s. uquebec.ca/musique/catal/telemann/telgp.html), das wären die Bereiche: geistliche Vokalmusik, weltliche Vokalmusik, Musik für Tasteninstrumente und für Laute, Kammermusik, Musik für Orchester:

      Im Unterforum Vokalmusik:
      - geistliche Vokalmusik (TWV 1-15)
      - weltliche Vokalmusik (TWV 20-25) (also inkl. Opern, die Opern extra zu nehmen, halte ich für unnötig, obgleich es die Forenstruktur nahe legt).

      Im Unterforum Ensemble- und Kammermusik:

      - Kammermusik inkl. Lautenmusik (TWV 39-45)
      - Konzerte (TWV 51-54)
      - Sinfonien, Divertimenti, Märsche, Suiten (TWV 50, 55)

      Im Unterforum Musik für Tasteninstrumente

      - Musik für Tasteninstrumente (TWV 30-37)

      Bei der oben dargestellten Vorgehens- und Darstellungsweise werden die Sammelwerke wie z. B. die Tafelmusik oder die Pariser Quartette problematisch. Soll man sie insgesamt besprechen? Ich meine, die Werke sollten einzeln besprochen werden, TWV für TWV sozusagen (die Conclusionen brauchen wir uns ja nicht vorzunehmen), die CDs hingegen sammelwerkweise, allerdings erst, nachdem die Werke besprochen wurden. Das aber sind Feinheiten, über die wir noch nicht zu sprechen brauchen.

      Abschließend nun die bange Frage: Was haltet ihr von dem Projekt? Besteht Interesse? Hat jemand Lust, mitzutun? Gibt es Verbesserungsvorschläge?

      fragt freundlich grüßend
      Thomas
    • Hallo Thomas,

      ich bin schon lange ein großer Telemann-Bewunderer und halte darüber hinaus deine Idee, hier keinen simplen Ranking-Thread zu installieren, sondern gemächlich über einzelne Werke zu sprechen, für ausgezeichnet.

      Leider hält sich mein analytisch-deskriptives Talent sehr in Grenzen (es hat seinen Grund, warum ich nicht MuWi studiert, sondern das konkrete Instrument vorgezogen habe). Aber trotzdem wäre ich willens, hier das eine oder andere Werk Telemanns in meiner eher schlamperten, *unwissenschaftlichen* Art vorzustellen.

      Natürlich kenne ich auch nur einen Bruchteil des Telemannschen Euvres, aber vieles von dem, was ich kenne, kenne ich dafür aus eigener Spielerfahrung. Von einigen Werken habe ich mir erst, nachdem ich bei ihrer Aufführung mitgewirkt hatte, eine CD-Aufnahme besorgt. Das gilt z.b. für die großartige Lukaspassion von 1744, die ich zu gegebener Zeit (nach Weihnachten :D - da habe ich dann auch wieder etwas mehr Luft ) sehr gerne zum Gegenstand einer näheren Betrachtung machen würde.

      Neulich hattest du doch in "Eben gehört" die Darmstädter Ouvertüren angeführt. Eine von ihnen in deiner Beschreibung könnte vielleicht als guter Einstieg in das geplante Projekt dienen, oder?

      Viele Grüße

      Bernd
    • Lieber Thomas,

      witzig. Ich gehe seit zwei Tagen mit dem Gedanken schwanger, einen Telemann-Thread zu eröffnen. 8+)

      Allerdings habe ich eine andere Vorstellung als du und Bernd. Mich interessiert nämlich die vergleichsweise banale Frage, welches die liebsten Telemannwerke der Forianer sind. (Nur Einzelwerke, keine Werksammlungen.)

      Knulp schrieb:

      Abschließend nun die bange Frage: Was haltet ihr von dem Projekt? Besteht Interesse? Hat jemand Lust, mitzutun? Gibt es Verbesserungsvorschläge?
      Ein sehr ehrgeiziges Projekt, für das ich dir Durchhaltevermögen wünsche! Aber als Höranreger für die nicht so Telemann-Kundigen ist das eher nichts.

      Knulp schrieb:

      Nicht möchte ich nach euren Lieblings-CDs fragen oder meine vorstellen, nicht möchte ich fragen, welches eure drei liebsten Telemann-Werke sind. Solche Threads halte ich für langfristig unergiebig.

      Hm, aber solche Threads könnten erst einmal das Interesse für deine Werkthreads wecken, finde ich. Bevor ein Werk seziert und besprochen wird, möchte ich doch erst wissen, warum sich ausgerechnet die Beschäftigung mit diesem Werk aus der Telemannschen Werkstatt lohnt und nicht mit jenem. Du würdest so auch einen Hinweis erhalten, an welchen Telemann-Werken in Capriccio am meisten Interesse besteht.


      Grüße,
      Jürgen
      --

      "Wo die Beziehung zu unseren heutigen Ohren, Nerven, Erfahrungen und Lebensbedingungen verlorengeht, wird Interpretation zur Flucht in die Vergangenheit."
      Alfred Brendel

      "Music is a fish defrosted with a Hair-Dryer." Maisie
    • Hallo Jürgen,

      Nocturnus schrieb:

      Bevor ein Werk seziert und besprochen wird, möchte ich doch erst wissen, warum sich ausgerechnet die Beschäftigung mit diesem Werk aus der Telemannschen Werkstatt lohnt und nicht mit jenem.
      die Frage, warum sich die Beschäftigung mit einem Werk lohnt, kann logischerweise nur nach der Beschäftigung beantwortet werden. Deshalb ist Dein Wunsch leider unerfüllbar.

      Viele Grüße,

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • ChKöhn schrieb:

      die Frage, warum sich die Beschäftigung mit einem Werk lohnt, kann logischerweise nur nach der Beschäftigung beantwortet werden. Deshalb ist Dein Wunsch leider unerfüllbar.


      Lieber Christian, ich unterscheide natürlich zwischen "Beschäftigung" als ästhetischen Rezeptionsakt und der Analyse des Werkes. Ich hätte auch so formulieren können: Warum sollte ich dieses Werk von Telemann hören? Im ganz simplen Fall könnte die Antwort schon lauten, "weil es megafetzig" ist. :D

      Worin besteht für dich der Wert eines Musikwerkes? Ist das etwas, was erst die Analyse enthüllen kann oder fungiert hier der Geschmack als Richter?

      Grüße,
      Jürgen
      --

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      Alfred Brendel

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    • Hallo Jürgen,

      Nocturnus schrieb:

      Lieber Christian, ich unterscheide natürlich zwischen "Beschäftigung" als ästhetischen Rezeptionsakt und der Analyse des Werkes.
      diese Unterscheidung geht an der Realität vorbei: Kein Mensch ist in der Lage, etwas zu hören, ohne über das Gehörte zu reflektieren. Was Du einen "ästhetischen Rezeptionsakt" nennst, ist eben immer auch Vergleichen mit zuvor Gehörtem, Beobachten von Entwicklungen, Unterscheidung von Erwartetem und Unerwartetem usw., ist also immer auch "Analyse". Auch Deine Begründung "weil es megafetzig ist" ist doch nur eine Umschreibung konkreter Eigenschaften der Musik, also z.B. schnelles Tempo, prägnanter Rhythmus usw.. Ein Tempo kann aber z.B. nur als "schnell" empfunden werden, wenn man andere, langsamere Tempi schon gehört hat und sich an sie erinnert. Du hast also ein Stück, welches Du "megafetzig" nennst, auch schon ein Stück weit in seinen Eigenschaften beschrieben, also analysiert.

      Nocturnus schrieb:

      Worin besteht für dich der Wert eines Musikwerkes? Ist das etwas, was erst die Analyse enthüllen kann oder fungiert hier der Geschmack als Richter?
      Siehe oben: Die Frage kann ich nicht beantworten, ohne die konkreten Eigenschaften eines Musikwerkes zu beschreiben, also ohne das Stück - im weitesten Sinn - analytisch zu hören. Auch der "Geschmack" ist insofern keine Kategorie, die der Analyse entgegensteht, sondern er kann im Gegenteil erst "als Richter fungieren", wenn er sich - im doppelten Wortsinn - gebildet hat.

      Viele Grüße,

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Lieber Christian!
      Zitat von »Nocturnus«
      Lieber Christian, ich unterscheide natürlich zwischen "Beschäftigung" als ästhetischen Rezeptionsakt und der Analyse des Werkes.

      diese Unterscheidung geht an der Realität vorbei: Kein Mensch ist in der Lage, etwas zu hören, ohne über das Gehörte zu reflektieren. Was Du einen "ästhetischen Rezeptionsakt" nennst, ist eben immer auch Vergleichen mit zuvor Gehörtem, Beobachten von Entwicklungen, Unterscheidung von Erwartetem und Unerwartetem usw., ist also immer auch "Analyse". Auch Deine Begründung "weil es megafetzig ist" ist doch nur eine Umschreibung konkreter Eigenschaften der Musik, also z.B. schnelles Tempo, prägnanter Rhythmus usw.. Ein Tempo kann aber z.B. nur als "schnell" empfunden werden, wenn man andere, langsamere Tempi schon gehört hat und sich an sie erinnert. Du hast also ein Stück, welches Du "megafetzig" nennst, auch schon ein Stück weit in seinen Eigenschaften beschrieben, also analysiert.

      Ich kann das nur unterschreiben, was du du ausführst. Genau dieses unauflösliche Ineinander der sinnlichen Aufnahme eines physikalischen Ereignisses und der Einpassung in kognitive Schemata, die aus dem Gehörten erst eine Wahrnehmung machen, verstehe ich als ästhetischen Rezeptionsakt. Ein Prozess, der nicht nur Abbildung ist, von mir aus auch eine Analyse, allerdings eine unbewusste! Das unterscheidet sie von der reflektierten Analyse, die größere musikalische Kenntnisse erfordert. Du verwechselst meines Erachtens den Begriff Reflektion mit Vermitteltheit. Der Rezeptionsakt selbst ist vermittelt - durch vergangene Hörerfahrungen, Erwartungen, Wissen über Werk und Komponist, etc. Die Reflektion über das Gehörte kann aber erst hinterher erfolgen, und zwar auf der Basis des bereits vermittelt Wahrgenommen. Wie diese Reflektion beschaffen ist, das hängt zentral von der entsprechenden Kompetenz ab.

      Und meine Kompetenz zur Reflektion ist wesentlich geringer als deine; jedenfalls ist hier der Unterschied sehr viel deutlicher als bei der beim Rezeptionsakt selbst. (Letzeres bilde ich mir als Optimist jedenfalls ein. 8+) ) Zu einer Analyse, wie sie Thomas und Bernd vorschweben, bin ich nicht in der Lage, das geht sicher den meisten Capricciosi so, weil sie dafür die nötigen Fachkenntnisse und die Spezialkenntnisse bei Telemann bräuchten. Und genau deshalb halte ich einen Thread für sinnvoll, der auch weniger professionelle Analysen - "Analyse" in deinem Sinne - ermöglicht.

      ChKöhn schrieb:

      Worin besteht für dich der Wert eines Musikwerkes? Ist das etwas, was erst die Analyse enthüllen kann oder fungiert hier der Geschmack als Richter?

      Siehe oben: Die Frage kann ich nicht beantworten, ohne die konkreten Eigenschaften eines Musikwerkes zu beschreiben, also ohne das Stück - im weitesten Sinn - analytisch zu hören. Auch der "Geschmack" ist insofern keine Kategorie, die der Analyse entgegensteht, sondern er kann im Gegenteil erst "als Richter fungieren", wenn er sich - im doppelten Wortsinn - gebildet hat.

      O.k., so wie du "Analyse" verstehst, gebe ich dir Recht. Du siehst nur einen graduellen Unterschied zwischen einem laienhaften und einem professionellen Geschmacksurteil. Das ist tröstlich. :troest:

      Nächtliche Grüße,
      Jürgen
      --

      "Wo die Beziehung zu unseren heutigen Ohren, Nerven, Erfahrungen und Lebensbedingungen verlorengeht, wird Interpretation zur Flucht in die Vergangenheit."
      Alfred Brendel

      "Music is a fish defrosted with a Hair-Dryer." Maisie
    • Lieber Thomas,

      sicher kein ganz unanspruchsvolles Projekt, aber wir sollten es versuchen. Ein paar Platten mit sehr schönen Stücken von Telemann kenne ich ich auch und wenn ich Dich richtig verstehe, ist Dein Anspruch nicht, jedes Werk mit einer wissenschaftlichen Analyse vorzustellen, was ich nicht leistenn könnte.

      Einen kleinen Änderungsvorschlag hätte ich dennoch: Vielleicht sollten wir zwischen Werkseinführen und CD-Empfehlung / Besprechung nicht so streng trennen. Wenn ich etwas über ein Werk lese, dass mich interessiert, bin ich über CD-Empfehlung immer recht dankbar mit denen ich das Werk kennenlernen kann. Wenn das mehreren so geht, kann das ja auch zu einer gößeren Beteiligung führen, bevor ein Werk umfassend diskutiert wurde (wann wäre das auch jemals der Fall).

      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • mela schrieb:

      sicher kein ganz unanspruchsvolles Projekt, aber wir sollten es versuchen. Ein paar Platten mit sehr schönen Stücken von Telemann kenne ich ich auch und wenn ich Dich richtig verstehe, ist Dein Anspruch nicht, jedes Werk mit einer wissenschaftlichen Analyse vorzustellen, was ich nicht leistenn könnte.


      Eine gute Idee Thomas! Und ansrpuchsvoll- aber man wächst ja mit seinen Herausforderungen: Wie sagte der heilige Herbert von K. einst in einer seiner wichtigsten Sentenzen? "Wer seine Ziele erreicht, hat sie sich nicht hoch genug gesteckt ... ;+)

      Scherz beiseite: Ich würde Telemann auch gerne näher kennenlernen. Irgendwie ist das eine große Lücke bei mir. Da spuckt wohl im Hinterkopf noch das alte Vorurteil, dass Telemann im Vergleich mit Allvater Bach nur ein mäßig talentierter Vielschreiber gewesen sei .... herum.

      mela schrieb:

      Vielleicht sollten wir zwischen Werkseinführen und CD-Empfehlung / Besprechung nicht so streng trennen. Wenn ich etwas über ein Werk lese, dass mich interessiert, bin ich über CD-Empfehlung immer recht dankbar


      Geht mir genauso. Da wird dat janze auch anschaulicher.

      Herzliche Grüße, :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Caesar73 schrieb:


      Scherz beiseite: Ich würde Telemann auch gerne näher kennenlernen. Irgendwie ist das eine große Lücke bei mir. Da spuckt wohl im Hinterkopf noch das alte Vorurteil, dass Telemann im Vergleich mit Allvater Bach nur ein mäßig talentierter Vielschreiber gewesen sei .... herum.


      Interessant ist es wohl, wann und wie dieses Vorurteil aufgekommen ist. Die Zeitgenossen sahen es anders:

      In einer Zeit, als J.S. Bachs Name kaum über Sachsen/Thür. hinaus bekannt war und G.F. Händel in England wirkte, zählte G. Ph. Telemann im deutschen Musikleben zu den führenden Persönlichkeiten. Angesehene Komp. bekannten sich mit Stolz als seine Schüler; G.H. Stölzel gesteht, Telemanns Werke hätten ihm am meisten nach dem Herzen gegriffen. 1733 war der Ruhm Telemanns bereits durch ganz Europa gedrungen.
      [Die Musik in Geschichte und Gegenwart: Telemann (Familie). Musik in Geschichte und Gegenwart, S. 73676
      (vgl. MGG Bd. 13, S. 191-195) (c) Bärenreiter-Verlag 1986
      digitale-bibliothek.de/band60.htm ]


      Ich werde mich (schon als lebenslanger Telemann-Liebhaber) auf die eine oder andere Weise in die Diskussion einbringen, u.a. eben zur Rezeptionsgeschichte

      Es grüßt Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      Interessant ist es wohl, wann und wie dieses Vorurteil aufgekommen ist.


      Wahrscheinlich dürfte dieses Vorurteil der deutschen Musikwissenschaft des 19. Jahrhunderts zu verdanken sein. In gewisser Weise logisch: Überhöht man Bach in extenso verliert anderes an Bedeutung. Das dürfte bei Telemann passiert sein.

      Herzliche Grüße, :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Caesar73 schrieb:

      Peter Brixius schrieb:

      Interessant ist es wohl, wann und wie dieses Vorurteil aufgekommen ist.


      Wahrscheinlich dürfte dieses Vorurteil der deutschen Musikwissenschaft des 19. Jahrhunderts zu verdanken sein. In gewisser Weise logisch: Überhöht man Bach in extenso verliert anderes an Bedeutung. Das dürfte bei Telemann passiert sein.


      Ganz so einfach ist es nicht, obwohl mit der nationalistischen Geschichtsschreibung auch verbunden ist, dass bestimmte Künstler auf ein Podest gestellt wurden. Aber schon Ende des 18. Jahrhunderts (vgl. Mozarts Rezeption) waren da Weichen gestellt. Eine der wichtigsten: die geschickte und sehr erfolgreiche Propaganda von Carl Philipp Emanuel. Ein anderer Punkt ist die andere Rolle, die die Rezeption älterer Musik in der Kirchenmusik spielte. Aber darauf möchte ich nicht so en passant eingehen.

      Es grüßt Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      Caesar73 schrieb:

      Peter Brixius schrieb:

      Interessant ist es wohl, wann und wie dieses Vorurteil aufgekommen ist.



      Ganz so einfach ist es nicht, obwohl mit der nationalistischen Geschichtsschreibung auch verbunden ist, dass bestimmte Künstler auf ein Podest gestellt wurden. Aber schon Ende des 18. Jahrhunderts (vgl. Mozarts Rezeption) waren da Weichen gestellt. Eine der wichtigsten: die geschickte und sehr erfolgreiche Propaganda von Carl Phillip Emanuel. Ein anderer ist die andere Rolle, die die Rezeption älterer Musik in der Kirchenmusik spielte. Aber darauf möchte ich nicht so en passant eingehen.





      Ich habe ja auch bewusst ein wenig vereinfacht- in der Hoffnung, Dich zu einer ausführlicheren Antwort zu motivieren. Ich konstatiere: Die Strategie ist aufgegangen :D

      Herzliche Grüße, :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Und wann gehts jetzt los mit Telemachos?
      Ich höre z.B. gerade seine "Wassermusik". Noch vor zwei Jahren wußte ich im Übrigen nicht, dass Telemann auch eine komponiert hatte.
      Ich kannte nur die besagte!



      Musica Antiqua Köln
      Ich habe keine Vergleichsaufnahme und weiß deshalb nicht, obs bessere Einspielungen gibt.
      Ich finde die MAK CD eigentlich recht ansprechend.

      LG
      Juli
      "Eine Semmel enthält 140 Kalorien, 700 Semmeln pro Jahr ergeben 98000 Kalorien,
      diese benötigt man, um eigenhändig 1 Elefanten 9 Zentimeter weit zu tragen. Aber wozu?"
      (Loriot)
    • Liebe Telemann-Freunde,

      ich stelle erfreut fest, dass das Interesse ist groß genug, um zu beginnen.

      arundo donax schrieb:

      Leider hält sich mein analytisch-deskriptives Talent sehr in Grenzen (es hat seinen Grund, warum ich nicht MuWi studiert, sondern das konkrete Instrument vorgezogen habe).


      Lieber Bernd, mit analytisch-deskriptivem Talent kann ich ebenfalls nicht dienen. Ich habe es oben bereits erwähnt: Ich bin kein Kenner. Das hält mich aber nicht davon ab, mich an Telemanns Musik zu erfreuen und über sie zu schreiben

      Aber trotzdem wäre ich willens, hier das eine oder andere Werk Telemanns in meiner eher schlamperten, *unwissenschaftlichen* Art vorzustellen.


      Klasse!

      Neulich hattest du doch in "Eben gehört" die Darmstädter Ouvertüren angeführt. Eine von ihnen in deiner Beschreibung könnte vielleicht als guter Einstieg in das geplante Projekt dienen, oder?


      Das ist eine gute Idee, die ich gern aufgreife. Ich werde als Einstieg in das Projekt einen Beitrag zur Darmstädter Ouvertüre C-Dur, TWV 55:C6 verfassen (für den ich allerdings noch einige Tage brauchen werde).

      Nocturnus schrieb:

      Lieber Thomas,

      witzig. Ich gehe seit zwei Tagen mit dem Gedanken schwanger, einen Telemann-Thread zu eröffnen. 8+)


      Lieber Jürgen, ich sag´s ja: Telemann kommt! So zufällig scheint mir unsere etwa gleichzeitige Thread-Idee allerdings nicht zu sein, da in diesem Forum immer mal wieder der Name Telemann gefallen ist.

      Allerdings habe ich eine andere Vorstellung als du und Bernd. Mich interessiert nämlich die vergleichsweise banale Frage, welches die liebsten Telemannwerke der Forianer sind. (Nur Einzelwerke, keine Werksammlungen.)


      Es spricht ja nichts dagegen, dass du einen solchen Thread beizeiten eröffnest. Meine Erfahrung mit solchen Threads ist allerdings, dass dort zwar einige Werke genannt werden, jedoch wenig über die Werke zu erfahren ist. Nun wird aber meine Neugier auf mir unbekannte Werke regelmäßig erst geweckt, wenn ich lese, warum ein Werk empfehlenswert ist, nicht schon allein dadurch, dass jemand ein bestimmtes Werk empfiehlt (es sei denn, ich kann den Geschmack des Forianers sehr gut einschätzen).

      Sicher sein kannst du, dass in diesem Projekt zunächst die 20, 30 Werke zur Sprache kommen werden, die wir regelmäßige Telemann-Hörer als besonders interessant und hörenswert ansehen. Unweigerlich wird sich also auch hier jedenfalls zunächst (die ersten drei Jahre?) ein Best of Telemann ereignen.

      mela schrieb:

      Lieber Thomas,

      sicher kein ganz unanspruchsvolles Projekt, aber wir sollten es versuchen. Ein paar Platten mit sehr schönen Stücken von Telemann kenne ich auch und wenn ich Dich richtig verstehe, ist Dein Anspruch nicht, jedes Werk mit einer wissenschaftlichen Analyse vorzustellen, was ich nicht leisten könnte.


      Liebe Melanie, du verstehst mich goldrichtig. Ich sehe unser Vorhaben als Gelegenheit für einen sehr interessanten Austausch, in dem Laien und Kenner, Musikhörer und Musiker sich über ein Werk austauschen können. Gelernt werden kann dabei, muss aber nicht. Im Mittelpunkt steht der Austausch über und die Beschäftigung mit der Musik Telemanns. Und noch einmal: Die Fähigkeit, wissenschaftliche Analysen vorzustellen, besitze ich ebenfalls nicht. Vielleicht liegt aber gerade darin, dass viele Werke hier von Laien vorgestellt werden, ein besonderer Charme unseres Projekts, der manch anderen Laien den Schritt zu Telemann hin erleichtert.

      Einen kleinen Änderungsvorschlag hätte ich dennoch: Vielleicht sollten wir zwischen Werkseinführen und CD-Empfehlung / Besprechung nicht so streng trennen. Wenn ich etwas über ein Werk lese, dass mich interessiert, bin ich über CD-Empfehlung immer recht dankbar mit denen ich das Werk kennenlernen kann. Wenn das mehreren so geht, kann das ja auch zu einer größeren Beteiligung führen, bevor ein Werk umfassend diskutiert wurde (wann wäre das auch jemals der Fall).


      Damit bin ich schnell einverstanden. Ich bin da ganz undogmatisch, obgleich ich einen Hang zum systematischen Vorgehen habe.

      Caesar73 schrieb:

      Ich würde Telemann auch gerne näher kennenlernen. Irgendwie ist das eine große Lücke bei mir. Da spukt wohl im Hinterkopf noch das alte Vorurteil, dass Telemann im Vergleich mit Allvater Bach nur ein mäßig talentierter Vielschreiber gewesen sei .... herum.


      Lieber Christian, du wirst staunen, wie vielfältig und ideenreich Telemann komponiert hat. In dem immer wieder neuen Mischen von Klangfarben z. B. ist er Bach meiner Einschätzung nach weit überlegen.

      Peter Brixius schrieb:

      Ich werde mich (schon als lebenslanger Telemann-Liebhaber) auf die eine oder andere Weise in die Diskussion einbringen, u.a. eben zur Rezeptionsgeschichte.


      Lieber Peter, ich freue mich, dich dabei zu haben. Auf dein Mitwirken hatte ich gehofft. Bevor ich diesen Thread eröffnet habe, hatte ich mich im Forum auf die Suche nach Beiträgen zu Telemann begeben (wenn es neben mir nur ein, zwei andere Telemann-Hörer gegeben hätte, hätte ich das Projekt nicht begonnen). Dein Name war immer wieder aufgetaucht.

      Juli schrieb:

      Und wann gehts jetzt los mit Telemachos?
      Ich höre z.B. gerade seine "Wassermusik". Noch vor zwei Jahren wußte ich im Übrigen nicht, dass Telemann auch eine komponiert hatte.


      Liebe Juli, bei Telemann gibt es einige Dirigenten, deren CDs man nahezu blind kaufen kann. Goebel ist einer von ihnen (Schneider und Max haben sich neben ihm besonders verdient gemacht, aber es gibt natürlich noch viele andere, die erwähnt werden müssten). Will sagen: Die Aufnahme ist vorzüglich (später sicher mehr zur Wassermusik).

      Wann es los geht? Schon bald! Beginnen wird es, das wiederhole ich gern noch einmal, mit der Darmstäder Ouvertüre C-Dur, TWV 55:C6. Einen genauen Termin kann ich allerdings nicht nennen.

      Falls jemand gleich mitmachen will, aber das Werk nicht hat, hier gleich eine CD-Empfehlung: Müller-Brühl auf Naxos: „3 Darmstäder Ouvertüren“. Diese CD ist eine Perle! Musiziert wird allerdings auf modernen Instrumenten. Wer sich davon gestört fühlt, muss woanders suchen.

      In den nächsten Tagen werde ich vorab einen Kurzbeitrag mit einigen wenigen erklärenden Worten zum TWV und mit Literaturempfehlungen einstellen.

      Viele Grüße und bis bald
      Thomas
    • Falls jemand gleich mitmachen will, aber das Werk nicht hat, hier gleich eine CD-Empfehlung: Müller-Brühl auf Naxos: „3 Darmstäder Ouvertüren“. Diese CD ist eine Perle!


      Ja, dieser Einschätzung kann ich nur vorbehaltlos zustimmen! Hier wird exemplarisch gezeigt, wie man Barockmusik auch auf dem Instrumentarium unserer Zeit alles andere als hausbacken, sondern vielmehr enorm lebendig, differenziert und gleichzeitig auch noch außerordentlich klangschön interpretieren kann. Quasi die Quadratur des Kreises und insofern für mich eine Referenzaufnahme, wie sie im Buche steht - kaufen und genießen!

      Beste Grüße

      Bernd
    • Hallo Thomas,

      Dein Telemann-Projekt klingt sehr vielversprechend und hat mein Interesse geweckt, daher möchte ihn auch gerne unterstützen. Ich höre sehr gerne Barockmusik, aber Telemann ist doch Neuland für mich, noch dazu bin ich kein “Fachmann” aber dafür großer Musikliebhaber und für Neues immer offen.

      Falls jemand gleich mitmachen will, aber das Werk nicht hat, hier gleich eine CD-Empfehlung: Müller-Brühl auf Naxos: „3 Darmstäder Ouvertüren“. Diese CD ist eine Perle!


      Dann werde ich mir mal gleich diese Perle bestellen.

      liebe Grüße
      romain
      Dieser Thread muß weitergeführt werden!!!
    • Wie angekündigt möchte ich kurz einige Hinweise geben:

      1) Literatur-Empfehlungen:



      Der Klassiker der Telemann-Literatur ist die 1970 erschienene Telemann-Biographie von Karl Grebe aus der rororo-Reihe. Sie ist, obgleich sie selbstredend seit langem nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand entspricht, immer noch uneingeschränkt lesenswert. Grebe, der sich im Vorwort als Musiker und nicht als Musikhistoriker bezeichnet, pflegt in diesem Buch einen sehr persönlichen, liebevollen Zugang zu Telemann. 2004 erschienen ist die Biographie Kleßmanns, die aber mit nur 140 Seiten leider ebenfalls nur als Kurzbiographie anzusehen ist. Empfehlen kann ich auch sie. Beigefügt ist eine CD mit drei Werken: Alles redet itzt und singet (TWV 20:10), Ouvertüre F-Dur TWV 55:F11 und die Motette „Deus iudicum tuum“ TWV 7:7.

      Hat man diese beiden Bücher gelesen, stößt man auf eine bedauerliche Lücke. Es gibt kein Buch, in dem Leben und Werk auf etwa 400 bis 600 Seiten beschrieben werden. Will man mehr erfahren, ist man gehalten, zur musikwissenschaftlichen Spezialliteratur zu greifen.

      Weitere Informationen zu Telemann findet man auf den Homepages der Telemann-Gesellschaften/Vereine:

      „http://www.telemann-hamburg.de/georg_philipp_telemann.html“] (Hamburger Telemann-Gesellschaft)
      „http://telemann.info“ (Frankfurter Telemann-Gesellschaft)
      „http://www.telemann-gesellschaft.de“

      Auf diesen Seiten finden sich jeweils Angaben zu Publikationen/Veröffentlichungen der Gesellschaften, so dass dort derjenige fündig werden kann, der über die Biographien hinaus lesen möchte.

      Bei Wikipedia gibt es ebenfalls eine Telemann-Seite, die als erster Einstieg empfehlenswert sein mag: „http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Philipp_Telemann“

      Von den allgemeinen Werkführern ist der „Konzert-Führer Barock“ von Konold und Reisinger (Hrsg.) für hiesige Zwecke besonders nutzbringend, da er auf immerhin 65 Seiten Beschreibungen (mit Notenbeispielen) von Telemanns Orchestermusik (nicht nur Konzerte) enthält.




      2) Telemann-Werkeverzeichnis

      Das Telemann-Werkeverzeichnis ist online in französischer Sprache verfügbar:

      „http://www.uquebec.ca/musique/catal/telemann/telgp.html“

      Zudem steht es bei klassika.info auszugsweise (d. h. unvollständig) in deutscher Sprache zur Verfügung:

      „http://www.klassika.info/Komponisten/Telemann/index.html“

      Wie vollständig das TVW derzeit ist, ist mir nicht bekannt. Irgendwo gelesen habe ich mal, dass die Arbeiten am TWV bzgl. der Instrumentalmusik so gut wie abgeschlossen sei, nicht jedoch bzgl. der Vokalmusik. Die Werke jedenfall, denen wir uns hier widmen werden, sind enthalten.

      Die Orientierung anhand der TWV-Nummern ist bei Telemanns Schaffen von wesentlicher Bedeutung, weil es regelmäßig diverse Werke gibt, die identisch benannt sind. Z. B. gibt es im TWV zurzeit sieben Ouvertüren C-Dur (TWV 55:C1 – C7).

      Der Aufbau des TWV ist selbsterklärend: Ausgehend von den gebildeten Großgruppen (Musique vocale sacrée, Musique vocale séculière, Musique pour instrument à clavier et luth, Musique de chamber, Musique pour orchestre) wird thematisch weiter untergliedert (siehe: „http://www.klassika.info/Komponisten/Telemann/wv_wvz1.html“). Insgesamt gibt es TWVs von 1 bis 55. Innerhalb der TWVs wird untergliedert nach Tonarten. TWV 55:C6 bedeutet demnach, dass es sich um die Orchestersuite (Ouvertüre) C-Dur Nr. 6 handelt.

      Wie allgemein in de Barockmusik gibt es keine scharfe Trennung zwischen Kammermusik und Orchestermusik. So kann ein „Konzert“ durchaus als Kammermusik im TWV erfasst sein. Entscheidend ist die genaue Bezeichnung des Werks. Wenn die Instrumente aufgezählt werden, ohne die Zusatznennung von Streichern bzw. eines Orchesters, handelt es sich um Kammermusik (gehört also in die Kategorien TWV 40-45), ansonsten handelt es sich um Orchestermusik (Vielen Dank an dieser Stelle an Thomas (salisburgensis), der mir diese Zusammenhänge anderenorts dereinst erklärt hat).

      Unglücklicherweise gibt es viele CDs, die keine Angaben zur TWV-Nr. enthalten.

      Zum Beispiel ist bei der Goebel-CD „Wassermusik“, die oben abgebildet ist, nicht angegeben, welche TWV-Nr. das Werk hat. Um mit Hilfe des online-TWVs die TWV-Nr. zu finden, ist zunächst zu fragen, in welche Untergliederung das Werk passt. Hier, bei einer Ouvertüre ist das einfach: TWV 55 (in der Übersicht steht nur Suiten, aber klickt man weiter, entdeckt man: „Suiten/Ouvertüren“ (die Ouvertüre bei Telemann orientiert sich an der französischen Musik. Sie ist keine Opernouvertüre, sondern eine Ouvertürensuite, also hauptsächlich eine Reihung von Tanzsätzen). Als Tonart angegeben ist C-Dur, so dass es sich um eines der Werke TWV 55:C handeln muss. Welches es ist, zeigt der weitere Blick auf die Anzahl und Bezeichnungen der Sätze.

      Manchmal muss man etwas suchen, zumeist aber wird man fündig. Bei diesbezüglichen Fragen, die hier im Thread gern zwischendurch gestellt werden können, bin ich gern behilflich.


      3) Noten online

      Gemeinfrei Noten sind beim International Music Score Library Project verfügbar (leider bislang erst wenige, aber es werden ständig mehr): "http://imslp.org/wiki/Category:Telemann,_Georg_Philipp"

      Viele Grüße

      Thomas