STRAUSS: Salome – Kommentierte Diskographie

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    • STRAUSS: Salome – Kommentierte Diskographie

      Aus "Eben gehört" herüberkopiert, in dessen Meer die nachfolgenden Betrachtungen nicht untergehen sollten. Dem Grafen fällt vielleicht noch ein knuffiger Titel ein, der meinen prosaischen oben ersetzt. Ob die Diskussion sich nun auf Sir Georgs Interpretation beschränken will oder auf alternative Einspielungen oder auf das Werk selbst: Das überlasse ich dem freien Spiel der Kräfte. Ihr kriegt das schon hin.
      :wink:
      Gurnemanz


      Ich habe es schon anläßlich der Solti-Götterdämmerung geschrieben und ich schreibe es auch hier. Mit noch mehr Berechtigung:

      Diese Musik ist ich und ich bin diese Musik. Und diese Einspielung sind wir alle...



      Solti knallt und stöhnt und girrt und seufzt umher. Und diesmal, ohne eine Instrumentengruppe aufnahmetechnisch hervorgehoben zu bekommen. Das ist, so gewaltätig hier zugegriffen wird, ganz, ganz feinsinnig musiziert.

      Die Nilsson mag keine wirklich mädchenhafte Salome sein, doch ist sie eine präsente, intelligente, gefährliche und stimmlich exakte. Stolze IST Herodes. Und kein anderer. Ich bin immer enttäuscht, wenn ich andere Einspielungen oder Auffürhungen höre, Herodes kommt und es ist nicht Gerhard Stolze. Herodias ist verkommen und gemein. Narraboth ist tonschön und zu edel für die kleine Schlampe.

      Ja, und Jochanaan... Jochanaan ist genau, aber genau das, was Richard der Zweite nach eigener Aussage haben wollte: Ein Überzeugungstäter, der durch seine Reinheit Unheil in die Welt bringt.

      "Niemals, Tochter Babylons, Tochter Sodoms... NIE-MALS!!!"

      Ahhhhhhhhhhhhhhhhh...

      Alex :wink:

      (Ja, Florian, ich habe bewußt das ältere Cover genommen, einfach, um Deine Nerven zu schonen... :D )

      "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."



    • Soltis Salome, das ist auch meine eine - ich hab die mit dem knalligen Cover, und es brodelt, knallt und zischt gewaltig, aber nicht grobschlächtig, sondern fein ausgelotet:

      Graf Wetter vom Strahl:
      Das ist, so gewaltätig hier zugegriffen wird, ganz, ganz feinsinnig musiziert.


      :yes:

      Aber hier, lieber Alex, kleiner Widerspruch ;+) :

      Narraboth ist tonschön und zu edel für die kleine Schlampe.


      Nilssons Salome ist, so wie ich es höre und empfinde, gerade keine kleine Schlampe. Die will raus aus dem Sumpf, weiß aber nicht wie. Und sie ist kühler als die Salomes, die sonst meist so gegeben werden. Sie will etwas anderes als das, was ihr in ihrer Umgebung geboten wird (ist es beabsichtigt, dass der Narraboth, den Waldemar Kmentt hier singt, manchmal so klingt wie eine Parodie Stolzes? „Wie schööön ist die Prinzessin Saalomeee, heute aaabend.“ „Wie eine weiße Taaauube.“)

      Ein lüsterner, durchgeknallter Herodes (so schräg, dass fast nicht von dieser Welt und doch mittendrin), eine kalte, fiese Herodias und ein schmachtender Narraboth, der nichts versteht – verdenken kann man es Salome nicht, dass sie raus will. Und dieser komische Heilige, der dort unten sitzt und dröhnt und flucht und sentimentalisiert, ist auf seine Art genauso unbedingt wie sie. Wenn beide aufeinander prallen, denke ich immer: Die müssten sich doch eigentlich bekommen.

      Nilsson als Salome ist erst einmal vor allem neugierig, dabei ein verzogener, verwöhnter Teenie mit Isoldenstimme, wie Richard Zwo es wohl vorgeschwebt haben mag. Das Andere, Schöne, Reine, Weiße, aber auch Sinnliche, das sie will, versteht der

      Graf Wetter vom Strahl:
      Überzeugungstäter, der durch seine Reinheit Unheil in die Welt bringt


      nicht, sondern verflucht sie mit allem, was das Klischee so hergibt („Durch das Weib kam das Übel in die Welt“).

      Und Salome steigert sich in ihre Obsession genauso hinein wie Jochanaan in seine Überzeugungen. Diese Salome ist gefährlich, weil sie es nicht gewohnt ist, dass man ihr einen Wunsch abschlägt. Und weil sich Intelligenz und verzogene Berechnung mit dem Wunsch nach Schönheit, Klarheit und etwas anderem, das sie nicht artikulieren kann, mischen und bis zum Wahn steigern.

      Nilssons Salome passt nicht recht zu den Klischees, die ich früher über diese Opernfigur im Kopf hatte (und die besonders am Anfang der Oper gar nicht zu dem passen wollten, was sie zu singen hat) und ist vielleicht gerade deshalb meine eine.

      :wink: Petra
    • Puh, liebe Petra,

      Du fegst natürlich mit Deinem genau durchdachten und genau gehörten und genau erspürten Beitrag meine kümmerlichen Bemerkungen vom gestrigen Abend weg! :faint:

      Die "kleine Schlampe" (für die Wortwahl bitte ich ein wenig um Verzeihung) war auch von mir auf die gewöhnliche Rollenauffassung bezogen, nicht auf Frau Nilssons vorliegende Darstellung. Ich habe da in der Eile nicht eben sauber getrennt.

      ...ist es beabsichtigt, dass der Narraboth, den Waldemar Kmentt hier singt, manchmal so klingt wie eine Parodie Stolzes? „Wie schööön ist die Prinzessin Saalomeee, heute aaabend.“ „Wie eine weiße Taaauube"

      Toll beobachtet, wie eine Parodie der Parodie oder doch Überzeichnung mithin. Das weist schon in die Richtung, daß die scheinbar Geerdeten hier gerade die besonders Gefährdeten sein könnten.

      Über diese Salome und diesen Jochanaan sagst Du...
      Wenn beide aufeinander prallen, denke ich immer: Die müssten sich doch eigentlich bekommen.

      ...was man cum grano salis erst einmal so sehen oder hören kann. Allerdings ist ein Zusammenkommen andererseits auch umso ausgeschlossener, je intelligenter die beiden Akteure, je klarer ihre Wünsche und Sehnsüchte formuliert und herausgearbeitet sind. Das sind sie wohl, wenn auch der Anschluß an die Herausforderungen der kommunikativen Situation, in der wir sind, stark zur Debatte steht.

      Man kann Jochanaans "Überzeugungen" mit guten Gründen auch eine Art "Obsession" nennen, Salomes "Obsessionen" vielleicht dunkle, nur gefühlte "Überzeugungen", jedenfalls temporäre, ausbaufähige. Aber auch revidierbare?

      Was bliebe übrig, wollten beide sich auf den jeweils anderen mit dessen Trümmerhaufen aus unverstandnem Ich und unverstehbarem Du einlassen? Was sollen Menschen an- und ineinander finden, die selbst keine Mitte haben und beim Gegenüber auch auf keine Mitte hoffen dürfen?

      Stolzes Herodes, der prosodisch abgespacte, ist da zumindest konsequenz und fährt kein Welterläuterungsprogramm durch die Gegend. Das hat Richard II. ja auch karikieren wollen, eingestandenermaßen bei Johannes und extrapolierbarerweise bei dem früh- (in sexueller Hinsicht vielleicht "über"-) reifen Früchtchen mit dem fatalen Hang zu Höherem.

      Ich glaube kaum, daß die Nilsson groß was anderes hätte bieten können, als sie geboten hat. So mag man es als einen Glücksfall bezeichnen, daß sie und Waechter singend aufeinanderprallen.

      An der Soltiaufzeichnung gefällt mir neben dem Mut zum totalen Wumms und neben liebevollster orchestraler wie vokaler Detailzeichnung auch ganz besonders dies, daß die Charaktere zwischen anfänglich schärfster, beinahe schon typisierter Kontur und nachmaliger Auflösung derselben oszillieren.

      Natürlich ist klar, daß wenn zuviel klar ist, gar nichts klar ist. Und ob Herodes bei Solti nicht mit umso größerer Berechtigung "Man töte dieses Weib" keuchschreien kann, als daß die Nilsson-Salome durch ihre extremst ambivalente und inhaltlich rappelvoll aufgeladene Salomedarstellung eine Bedrohung für die gesamte Männerwelt wird, die sich noch heute mit abgestossener Hingabe vor das Abspielgerät kauert, das laß ich mal dahingestellt sein... :D

      Jedenfalls eine exzeptionelle, hypertrophierte, auf ihre Art moralisch ebenso ungepflegte Salome, wie es Jochanaan auf seine Weise ist, haben wir hier.

      Alex :wink:

      "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

    • Schade, dass die interessante Diskussion um diese Oper dazu bestimmt ist, im allgemeinen "Eben gehört" unauffindbar zu werden.

      Kann man sie vielleicht in einen noch zu schaffenden SALOME-Thread verschieben?

      :wink: Rideamus

      [Hiermit gern geschehen.
      :wink:
      Gurnemanz]
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Lieber Gurnemanz,

      ich finde Deine IndieTatUmsetzung von Rideamussens Vorschlag zwar sehr dankenswert und nachvollziehbar, gebe aber von meiner Seite zu bedenken, daß zumindest ich vollkommen anders geschrieben hätte, wenn ich mich in einem genuinen "Salome"-Thread gewähnt hätte.

      Wir müssen darauf achten, nicht zuviele rüberkopierte Threads zu kumulieren. Beonders nicht zu den etwas bedeutungsreicheren Werken. Das sieht dann rasch wie Flickwerk aus. Es fehlt doch immer der etwas sorgsamer geplante Startschuss (zu dem ich mich derzeit, wie ich gern einräume, auch nicht wirklich verstehen mag und den man ja noch nachreichen kann :D ).

      Wie auch immer, lieben knuffigen Dank Dir, Gurni :love: ! Einen Titel für den Fred weiß ich auch nicht... ?(

      Alex :wink:

      "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

    • Graf Wetter vom Strahl schrieb:

      Wir müssen darauf achten, nicht zuviele rüberkopierte Threads zu kumulieren. Beonders nicht zu den etwas bedeutungsreicheren Werken. Das sieht dann rasch wie Flickwerk aus.


      Schön, dass das mal geschrieben wurde, geht mir genauso. Übrigens auch die Begeisterung für das Werk, das ich aber erst in einer Aufnahme habe, mit der ich aber sehr glücklich bin (Dochnieda,WP). Petras kluge Ausführungen haben mich neugierig gemacht.

      Ahoi, Beryllo
    • Fritz Reiner Met live 1952

      Ohne die Diskographie zur kleinen Schleiereule zu überblicken, gebe ich meinen Senf zu meiner ollen Salome ab:

      Fritze Reiner läßt das Met Orchestra ordentlich flirren, das, was man angesichts der urigen Live-Aufnahme hören kann, klingt präzise und feinnervig. Hotter als Jochanaan klingt wie eine erzene Überfigur, nicht reflektiert, sondern apodiktisch-monolithisch, dabei leicht gehandicapt (Hotter eben), nie tonschön à la van Dam, aber deklamatorisch und archaisch - durchaus eine rollendeckende Interpretation. Svanholm als Herodes ist sicher nicht so expressiv wie Stolze, dafür aber rauschhaft und ambivalent, teils um seine Autorität kämpfend, in der Höhe noch mit dem gewissen Heldentenorglanz. Höngen als Herodias geht im Rumpeln etwas unter, der Star der Aufnahme ist - natürlich - die sich verzehrende Ljuba Welitsch. Manche meinen, hier bereits eine nachlassende Stimme zu hören (und vergleichen sie mit der für mich langweiligeren Version unter v. Matacic, die die Welitsch selbst auch als ihre beste Salome bezeichnet haben soll); ich höre ein Faszinosum, girrend, lockend, grausig, aber auch angewidert, verloren, taumelnd. Spannungsgeladen, knisternd, nicht plakativ erotisch, sondern eher verinnerlichtes Brennen, bis zum aberwitzigen Schlußgesang, mit dem gejubelt-triumphierenden "Jochanaan" - eine Theatersternstunde, die der Callas'schen Intensität in nichts nachsteht.

      Werk und Aufführung sind der Wahnsinn!!!

      Berauschte Grüße

      Euer Petron
      "Scheiter', Haufen!"
    • Ich rausche mit Dir, lieber Petronius : Salome, wie auch Elektra - Geniestreiche !

      Dass die Nilsson eine grandiose Salome war, zumindest sängerisch, ist unbestritten. Trotzdem bin ich froh, ihr nicht auf einer DVD zuschauen zu müssen - dann eher schon der wunderbaren Inge Borkh.

      Meine Favoritinnen ( eben auch und besonders optisch ) heißen Teresa Stratas ( Schlussmonolog auf Youtube ) und die in jeglicher Hinsicht beeindruckende Catherine Malfitano ! Die Produktion der Salzburger Festspiele von 1992 auf DVD ist für mich die Referenzeinspielung schlechthin, zumal es auch sonst keine Schwachpunkte gibt.

      Inszenierung : Luc Bondy

      Dirigent : Christoph von Dohnanyi

      Jochanaan : BrynTerfel

      Herodes : Kenneth Riegel

      Herodias : Anja Silja ( die ich vor Jahrzehnten in der Frankfurter Oper als Titelheldin erlebt habe )

      Narraboth : Robert Gambill



      Nach 109 Minuten ist man außer Atem und findet nur schwer zurück in den Alltag.



      Ciao. Gioachino :juhu:
      miniminiDIFIDI
    • Für mich ist diese Oper überhaupt nur mit und wegen Ljuba Welitsch zu ertragen.
      Ansonsten ziehe ich Oscar Wildes Theaterstück- ohne Straussens Interpretation desselben- bei weitem vor.
      Mir geht dieses Geschrei und Gekreische genauso wie bei der Elektra nicht nur fürchterlich auf die Nerven sondern es langweilt mich nach kurzer Zeit einfach nur noch und Sänger, die das vergessen machen wie die Welitsch gibt's leider selten genug.
      Hat jemand letztes Jahr die Met-Salome mit Karita Mattila gesehen?

      Es gibt übrigens eine frz. Version der Salome, ob die schon irgendwo eingespielt wurde, weiss ich aber nicht.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Geschrien und gekreischt wird meist vom Personal, das da darbietet, da macht auch die Norma keine Ausnahme. Die Aufschwünge und Exaltationen in den Jochanaan/Salome-Zwiegesprächen empfinde ich als äußerst melodisch, nur: wieviele können so etwas singen?
      Die 49er Aufnahme habe ich leider noch nicht gehört; wie ist denn da die Restbesetzung einzustufen?

      Liebe Grüße
      Petron
      "Scheiter', Haufen!"
    • Lieber Petronius, technisch ist die Aufnahme natürlich nicht so berückend, aber ich habe weitaus schlimmere Aufnahmen. Herbert Janssen singt den Jochanaan. Man hört besonders in den Verkündigungen, daß er schon über 60 Jahre auf dem Buckel hat. Er singt ziemlich abgehackt und kurzatmig, steigert sich dann aber enorm. Frederick Jagel singt den Herodes bei weitem nicht so subtil wie G. Stolze. Herodias wird gesungen von Kerstin Thorberg, die auch nicht so aus dem Rahmen fällt. Aber wegen Ljuba Welitsch lohnt sich die Anschaffung auf jeden Fall.

      Aber lieber Petronius, ich habe noch einen Mitschnitt der Schlußszene aus dem Jahre 1944 mit Lovro von Matacic ,und Ljuba Welisch wächst über sich hinaus. Die schönste Aufnahme die ich je gehört habe. :juhu: :juhu:

      Leidenschaftliche Grüße von calisto :yes:

      An dieser Stelle kamen allgemeinere Betrachtungen zu Strauss ins Spiel, die auch kulinarische wie hygienische Aspekte berücksichtigten.
      Sie sind nun hier zu finden.

      audiamus


    • Diese gut klingende Mono-Studioaufnahme von 1952 finde ich berückend gut. Die Besetzung:
      Salome: Walburga Wegner
      Jochanaan: Josef Metternich
      Herodes: László Szemere
      Herodias: Georgine von Milinkovic
      Narraboth: Waldemar Kmentt

      Wiener Philharmoniker, Rudolf Moralt

      Walburga Wegner hatte, obwohl zum Zeitpunkt der Aufnahme schon 44 Jahre alt, eine sehr bewegliche und ausgesprochen jung klingende Stimme mit einem schnellen, engen Vibrato. Ihre vokale Physiognomie erinnert etwas an 20er-Jahre-Revuesoubretten. Sie versteht es, zu gurren, zu verführen, kokett und zugleich ganz unschuldig zu klingen. Eine stimmlich nachgerade vollkommen angemessene Salome - nicht so üppig wie die Welitsch, und dadurch umso überzeugender. Überdies intoniert sie perfekt - ich habe diese Rolle nie mit so einer leichten Perfektion singen gehört. Und auch Wegners Aussprache lässt nichts zu wünschen übrig.

      Josef Metternich ist eine Klasse für sich. Viele Jochanaans begnügen sich ja mit prophetischem Dröhnen und halten das für rollendeckend. Metternichs metallener Jochanaan glüht vor Fanatismus, er wirkt beinahe ebenso verrückt und durchgeknallt wie die königlichen Herrschaften. Großartig.

      Und auch Szemere lässt keine Wünsche offen. Ein klarer, technisch perfekter Tenor. Szemere, der in Wien auch als Operettensänger erfolgreich war, mischt operettige Töne in seinen Herodes, ohne die Rolle zu denunzieren - in Stellen wie "Tauche deine kleinen Lippen hinein" entdeckt er gemeinsam mit Moralt Walzeriges, Wienerisches und kostet es genussvoll aus. Auch er singt überaus verständlich.

      Milinkovics Herodias ist etwas blass, aber okay.

      In den Nebenrollen ist Narraboth mit Waldemar Kmentt geradezu luxuriös besetzt. Die Verführungsszene zwischen Salome und ihm ist bereits ein erster Höhepunkt dieser an Höhepunkten reichen Aufnahme.

      Moralt dirigiert flüssig und klar, die Musik wirkt bei ihm weit weniger überladen und schwülstig als bei vielen anderen, teilweise fast moritatenhaft, trotzdem bringt er die Partitur an den entscheidenden Stellen ordentlich zum Glühen. Er versteht es, das Orchester immer wieder zurückzunehmen, um die Sänger zur Geltung kommen zu lassen. Gelegentlich lässt die Tontechnik allerdings das Orchester beinahe hinter den Sängern verschwinden. Ansonsten ist die Aufnahme frei von tontechnischen Mätzchen (bis auf die kurze Stelle, als Salome in Jochanaans Gruft hinuntersinkt; da wird reichlich Hall zugemischt. Ist aber zum Glück schnell vorbei).

      Meine Kopie hat allerdings einen großen Fehler, der den Genuss deutlich trübt: zwischen den einzelnen "Tracks" sind zweisekündige Pausen eingefügt. Da ich eine Kopie habe, die ein Bekannter mir brannte, bin ich mir nicht sicher, ob das auf dem Cantus-Original auch so ist. Da ich das bei einer Aufnahme dieser Plattenfirma bereits schon einmal erlebt habe, halte ich es aber nicht für ausgeschlossen.

      Grüße,
      Micha


    • Den Schluss der Caballé-Salome habe ich mir gestern nacht noch mal zum Vergleich angehört. Schlechter, als ich's in Erinnerung hatte. Vor allem störten mich (vermutlich im direkten Vergleich zu Moralt besonders auffallend) Leinsdorfs schwelgerische Tempi und das permanent unter Überdruck stehende, hochdramatische Orchesterspiel. Das ist Strauss, wie man ihn sich vorstellt - aber dass er nicht so sein muss, hört man bei Moralt.
      Caballé wirkt leider wie oft etwas matronig, wenn sie laut wird - an den wenigen leisen Stellen kann sie berückend sein. Davon gibt es aber in Salome wirklich nicht viele. Insgesamt legt sie die Rolle für meinen Geschmack viel zu hysterisch an.
      Resnik, die ich als Klytämnestra fantastisch finde, tut hier so überdämonisch, dass ihr die Herodias fast zur Karikatur gerät.
      Lewis als Herodes ist blass und farblos, seine Aussprache suboptimal.

      Grüße,
      Micha
    • Auch nach Jahrzehnten hätte ich d a s nicht vergessen! Aber vielleicht war das ein einmaliger " Ausrutscher " während der Aufführungsserie damals. Jens Lehmann hat sich ja auch bisher nur einmal hinter dem Tor erleichtert.....



      Ciao. Gioachino :mlol:
      miniminiDIFIDI
    • gioachino schrieb:

      Auch nach Jahrzehnten hätte ich d a s nicht vergessen! Aber vielleicht war das ein einmaliger " Ausrutscher " während der Aufführungsserie damals. Jens Lehmann hat sich ja auch bisher nur einmal hinter dem Tor erleichtert.....



      Ciao. Gioachino :mlol:
      Vor der Aufführung sprach sie noch mit dem Dirigenten Ferdinand Leitner, der meinte, ihm sei in der Salome schon alles passiert. Danach meinte er: "Also DAS habe ich bei einer Salome denn doch noch nicht erlebt!" Übrigens eines der anekdotenreichsten Stücke, das ich kenne. Wenn ich etwa an jene Aufführung in Teheran denke, bei der Kurt Rydl insgesamt fünf Rollen übernehmen mußte, vom zweiten Soldaten über den fünften Juden bis hin zum Henker...
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)