BIZET: Carmen (TV-Übertragung aus der Mailänder Scala, 7. Dezember 2009)

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    • BIZET: Carmen (TV-Übertragung aus der Mailänder Scala, 7. Dezember 2009)

      Hat eigentlich niemand gestern die CARMEN aus der Scala gesehen? Ich möchte ungern dafür einen neuen Thread aufmachen, obwohl die Aufführung wohl nicht auf DVD herauskommen wird, was dieses Thema hier leicht OT macht.

      Schuld an der mangelnden Zukunftsperspektive ist hauptsächlich, aber nicht nur, das bräsige Dirigat Barenboims, der die - zwar nicht besonders gelungenen, aber immerhin interessanten (und wohl auch nicht sehr fernsehgeeigneten) - Einfälle der Regie ebenso nivellierte wie die Sänger daran hinderte, das Niveau zu liefern, das sie unter anderen Umständen vielleicht hätten bieten können. Die Micaela der Adriana Damato blieb allerdings weit unter dem Niveau, das man von einem solchen Abend erwartet, sondern verschwand in Farblosigkeit - um es milde auszudrücken. Die angekündigte "Entdeckung" des Abends, Anita Rachvelishvili, gab sich zwar redlich Mühe, verführerisch zu wirken. gelangte in meinen Ohren aber auch nicht über besseres Durchschnittsniveau hinaus. Da man über den Escamillo Erwin Schrotts auch nicht viel Besseres sagen kann, als dass er rollendeckend eitel spielte, aber auch - mit immerhin passender Stimme - ziemlich unsauber sang, gelang es einzig Jonas Kaufmann, die Hoffnungen, die ich in den Abend gesetzt hatte, zu rechtfertigen. Aber auch er war in London merklich engagierter und besser, während er hier eher mit hoher Professionalität und Erfahrung den Abend meisterte.

      Ich habe deshalb nach dem zweiten Akt erst einmal aufgegeben und kann deshalb (noch) keine Besprechung einstellen. Hat jemand das Ganze gesehen und kann/will mich anspornen, das Versäumte nachzuholen? Oder lohnt eine weitere Beschäftigung wirklich nicht?

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Lieber Rideamus,

      leider habe ich gestern zu spät -sonst programmiere ich immer vorab- die Carmen aufgenommen und habe sie so nur teilweise auf meiner Festplatte.

      Für mich war die Inszenierung z.T. sehr gewöhnungsbedürftig aber nicht vollständig mißlungen, eine direkte Aussage der Regisseurin konnte ich nicht erkennen aber das geht mir meistens so. Beim Einzug des Escamillo, den Erwin Schrott langweilig und irgendwie selbstverliebt versuchte zum Besten zu geben, störten mich außer der verschleppten Tempi der Musik auch diese eigenartigen vermummten Frauen mit Krone. Was sollte das?
      Übrigens fand ich Schrott dann in der Szene (Messerstecherei) mit Kaufmann viel besser, rein schauspielerisch. Trotzdem erwarte ich als Escamillo einen Sänger mit viel mehr sinnlicher Ausstrahlung, es muß doch überzeugend sein, daß Carmen für ihn entflammt.
      Für mich hatte die Carmen schon Stimme und Ausstrahlung, ich war positiv überrascht, so viel ich weiß ihr Debüt in dieser Rolle. Die Sängerin der Micaela wird mir nicht im Gedächtnis bleiben, aber diese unmögliche Szene, in der Don Jose mitgeteilt wird, daß seine Mutter im Sterben läge. Da hat man auf einmal die Micaela als sterbene Mutter dargestellt. Für solche Sachen fand ich das Buh des Publikums der Regisseurin gegenüber irgendwie fast verständlich.
      Nicht überrascht war ich über den großartig spielenden Jonas Kaufmann als Don Jose, allerdings ist mir nach wie vor seine Stimme zu baritonal, leider. Trotzdem ist er momentan der beste Don Jose, den ich mir vorstellen kann (in der Richtung bin ich sehr neugierig auf die Met-Übertragung im Januar mit Roberto Alagna als Don Jose).


      Viele Grüße aus München

      Kristin
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • RE: CARMEN in der Scala

      Rideamus schrieb:

      Hat eigentlicz niemand gestern die CARMEN aus der Scala gesehen?

      Klar doch, wer lässt sich schon Jonas Kaufmann als Don José entgehen?!

      Schuld daran ist hauptsächlich das bräsige Dirigat Barenboims, der die zwar nicht besonders gelungenen, aber immerhin interessanten (und wohl auch nicht sehr fernsehgeeigneten) Einfälle der Regie ebenso nivellierte wie die Sänger daran hinderte, das Niveau zu bieten, das sie unter anderen Umständen vielleicht hätten bieten können.

      War in der Tat ziemlich fade dirigiert, mit Ausnahme der Zwischenmusiken. Da hat Barenboim in Berlin ne ganz andere Camen abgeliefert. Den Regieansatz fand ich in der Tat auch sehr interessant, aber die zuckenden Darsteller und zähnebleckenden Damen aus der Truppe der Regisseurin waren nervig.
      Die Micaela der Adriana Damato blieb allerdings weit unter dem Niveau, das man von einem solchen Abend erwartet, sondern verschwand in Farblosigkeit - um es milde auszudrücken.
      Sehr milde ausgedrückt :thumbdown:
      Die angekündigte "Entdeckung" des Abends, Anita Rachvelishvili, gab sich zwar redlich Mühe, verführerisch zu wirken. gelangte in meinen Ohren aber auch nicht über besseres Durchschnittsniveau hinaus.
      Stimmlich war sich wirklich gut, auch wenn es noch etwas an der Interpretation fehlt. Darstellerisch - ne, keine Carmen!
      Da man über den Escamillo Erwin Schrotts auch nicht viel Besseres sagen kann, als dass er rollendeckend eitel spielte, aber auch - mit immerhin passender Stimme - ziemlich unsauber sang,
      Hölzern ist das richtige Wort, teilweise nahe am Sprechgesang. Und wer um alles in der Welt hat ihm den Haarschnitt verpasst :o: ????
      gelang es einzig Jonas Kaufmann, die Erwartungen, die ich in den Abend gesetzt hatte, zu rechtfertigen. Aber auch er war in London merklich engagierter und besser, während er hier eher mit hoher Professionalität und Erfahrung den Abend meisterte.
      GENAU!

      Ich habe deshalb nach dem zweiten Akt erst einmal aufgegeben und kann deshalb (noch) keine Besprechung einstellen. Hat jemand das Ganze gesehen und kann/will mich anspornen, das Versäumte nachzuholen? Oder lohnt eine weitere Beschäftigung wirklich nicht?

      Ich hab durchgehalten....Leider lohnt eine weitere Besprechung wirklich nicht. Wie nicht anders zu erwarten vom doch eher konservativen Mailänder Premierenpublikum gab es Applaus für die Sänger und Buh-Rufe für die Regisseurin,

      LG
      Rosenkavalier
      Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man auch seine Stimme auf diesen Ton aufbaut, man muss zu ihm zurückkehren können, sonst ist es aus. (Agnes Baltsa)
    • Die gestrige SCALA-"Carmen" habe ich auch nur teilweise gesehen und war alles andere als angetan. Barenboim dirigierte quasi sinfonisch, was bei dieser Oper aber Spannungslosigkeit hervorrief. Teilweise verschleppte er die Tempi viel zu sehr. Die Regie mutete mich provinziell und krampfig an, verwechselte Erotik mit recht primitivem Dorf-Sex, und optisch war das Ganze zum Abgewöhnen. Die junge Anita Rachveshvili verriet zweifellos Talent, aber zu einer guten Carmen ist es noch weit. Jonas Kaufmann blieb sauber singend trotzdem ziemlich farblos und schien mir noch nicht recht disponiert (er war ja meines Wissens noch rekonvaleszent) - er ist also entschuldigt. Erwin Schrott als Escamillo dagegen wirkte mit seinem übertrieben rollenden "r" direkt peinlich und vermochte die Rolle des Escamillo überhaupt nicht auszufüllen.
      Placido Domingo, in der Pause um seine Meinung gefragt, versuchte sichtlich, diese höflich zu verbergen.

      Natürlich soll man auf Grund eines Teilkonsums nicht generell verdammen, aber aus dem sonstigen Echo schließe ich, daß mein Abdrehen doch ziemlich gerechtfertigt war. Ruhemesblatt für die Scala ist das jedenfalls keines. Wenn man, wie ich, noch Rise Stevens und Richard Tucker frisch im Ohr hat, dann sind nostalgische Wehmutsempfindungen wohl verständlich. Aber man kann auch heute die "Carmen" zweifellos besser sehen und hören als gestern.

      Liebe Grüße
      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Waldi schrieb:


      Placido Domingo, in der Pause um seine Meinung gefragt, versuchte sichtlich, diese höflich zu verbergen.


      Nun, von der Sängerin der Carmen und Jonas Kaufmann schien er sehr angetan - zu den anderen hat er höflich geschwiegen. Und Fragen nach der Regie hat er einfach nur ignoriert... :D
      Ich weiß nicht, wie das in der Übersetzung rüber gekommen ist, aber im Original (das ich hier ja hören MUSS) kam das ziemlich deutlich rüber.

      LG
      Rosenkavalier
      Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man auch seine Stimme auf diesen Ton aufbaut, man muss zu ihm zurückkehren können, sonst ist es aus. (Agnes Baltsa)
    • Irgendwie habe ich diesen Thread übersehen oder nicht vermutet, dass hier über die gestrige Übertragung geschrieben wird :hide: Ich stehe jetzt einsam und verlassen bei der Kalenderankündigung und hab dort ein bisschen rum gemosert. Geschieht mir recht :D
      Meine Meinung unterscheidet sich aber auch nicht so besonders von Eurer und da bin ich ja ganz froh, obwohl ich gestern natürlich lieber eine ganz sensationell gute Carmen erlebt hätte. Die Theaterregisseure müssen halt doch meist Lehrgeld bezahlen (Buhs). So mal mit links, selbst wenn im eigenen Metier angesehen ist, geht eine Operninszenierung wohl doch nicht, besonders, wenn man seine eigenen Leute mit Macht (und brutaler Gewalt) gut in Szene setzen will.

      :wink: Ingrid

      Zitat
      Rideamus',
      Liebe Ingrid,

      warum kopierst Du Deinen Text nicht in Dein Posting oben? Im Kalender geht er ja wirklich bald verloren oder wird gar nicht erst wahrgenommen.

      Rideamus



      Gut, dann mache ich das jetzt einfach einmal, obwohl natürlich hier nicht mehr so recht in den Zusammenhang passend.

      Hallo,

      wundere mich ein bisschen, dass ich heute mal wieder (nach langer Zeit) ins TF ausweichen mußte, um etwas über die gestrige Carmen-Übertragung zu lesen. Hat sie hier niemand gesehen oder lohnt es sich wirklich nicht, auch nur ein Wort drüber zu verlieren? (So schreibt man halt, wenn man ein bisserl blind ist) Schätze mal, dass es so ist, denn ich war in gedanklicher Vorfreude und Umsetzung auch ziemlich schnell bei der Münchner Carmen mit Jonas Kaufmann und Elina Garanca im Mai/Juni und regte mich über diese ziemlich brutalen und scheußlichen Regieeinfälle deshalb nicht sonderlich auf (selbst weiße Unterhosen sind in vielen Inszenierungen in.... so sie überhaupt noch welche tragen dürfen) und auch nicht über den Missgriff bei der Wahl der Carmen und der Micaela, bei der wohl Daniel Barenboim die Hauptverantwortung trug. Er und Frau Dante bekamen am Schluss doch ziemlich deutlich das Missfallen des Premierenpublikums zu hören.

      Werde mir evtl. den Kampf der beiden Rivalen um die löwenmähnige Carmen noch einmal ansehen, da ich mir Micaela nicht mehr antun wollte und deshalb diesen Teil fast ganz verpasste, aber ansonsten kann man diese Aufnahme, für mein Empfinden, wirklich löschen. Jonas Kaufmann war für mich, trotz fehlender GP durch Krankheit (da sprang der echte Verlobte der Carmen (Anita Rachvelishvili) ein) trotzdem der engagierteste und beste Schauspieler und Sänger des Abends, denn Erwin Schrott kam schon bei uns in der Rolle des Escamillo nicht besonders gut zurecht und wirkte zusätzlich, obwohl nicht hässlich, in seinem Kostüm und der Präsentation, z.B. auf dem Tisch, ziemlich albern (den Friseur sollt man wirklich verklagen). Dieses, eigentlich doch zugkräftige Männer-Duo punktete also eigentlich nur in der Kampfszene, aber sonst nicht so sehr. Da lag Jonas Kaufmann weit vorne. Bin ja gespannt, wie sich Schrott in München als DG und Figaro macht (so ich überhaupt irgendwo und -wann eine Karte bekomme).

      Herzliche Grüße
      Ingrid
    • Ingrid schrieb:

      Ich stehe jetzt einsam und verlassen bei der Kalenderankündigung und hab dort ein bisschen rum gemosert.

      :wink: Ingrid
      Liebe Ingrid,

      warum kopierst Du Deinen Text nicht in Dein Posting oben? Im Kalender geht er ja wirklich bald verloren oder wird gar nicht erst wahrgenommen.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Waldi schrieb:

      Wenn man, wie ich, noch Rise Stevens und Richard Tucker frisch im Ohr hat, dann sind nostalgische Wehmutsempfindungen wohl verständlich.
      So ging es mir mit dem Escamillo, Schrott stellte eigentlich nur (Erwin) Schrott dar, wenn ich da an Ruggero Raimondi denke kann ich eigentlich nur weinen.


      Liebe Grüße

      Kristin
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Ich kann mich den Vorpostern nur anschließen: für mich war das der Flop des Jahres. Eine uninspirierte Regie, deren Einfälle meist in die Hose gingen, eine Micaela zum Weglaufen, eine höchst gewöhnungsbedürftige Carmen, von der aber auch so gar kein erotischer Funke zu den beiden Herren übersprang - noch nie habe ich Erwin Schrott (und der Mann kann eine echte Sexbombe sein 8+) !) ausgerechnet als Escamillo so lustlos und unter Niveau erlebt (der doofe Haarschnitt ist ja schon gerügt worden...) Jonas Kaufmann hat sich in der Tat noch am besten aus der Affäre gezogen, aber auch er wirkte angestrengt und blass. Überhaupt kein Vergleich zu seiner phänomenalen Leistung als Jose in der Londoner Covent-Garden-Aufführung. Nach einer auch ziemlich verunglückten "Don Carlos"-Premierenübertragung vor einiger Zeit ist das jetzt schon das zweite Scala-Debakel in Folge im Fernsehen. Was ist da eigentlich los?
    • Local Hero schrieb:

      Erwin Schrott (und der Mann kann eine echte Sexbombe sein 8+) !)
      Lieber Local Hero,

      in welcher Rolle hat er das gezeigt, was man gestern von ihm erwartete? Mir hat er bislang nur auf einer DVD als Figaro ausgesprochen gut gefallen, live habe ich ihn bis jetzt nicht erlebt. Ich wollte heuer im Januar in München in die "Carmen", u.a. wegen ihm, bekam keine Karten und bin mittlerweile nicht traurig, daß es damals nicht geklappt hat.


      Viele Grüße aus München

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • ich habe durch eine Fehlprogrammierung mir den Mitschnitt verkackt... scheine anscheinend wenig verpasst zu haben.. war das Orchester wenigstens besser als die Berliner Carmen unter Barenboim ?

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Lieber Amfortas,

      was ich so las, soll die Berliner Carmen unter seiner Leitung viel viel besser gewesen sein. Lohnt sich wohl auch deshalb nicht, diese Carmen unbedingt gesehen und gehört zu haben. Mir war schon bei seinem gelangweilten Gehabe im Orchestergraben die Lust ziemlich vergangen, aber ich wartete halt noch auf zwei bestimmte Sänger ;+)

      :wink: Ingrid
    • Musikkristin schrieb:

      Ich wollte heuer im Januar in München in die "Carmen", u.a. wegen ihm, bekam keine Karten und bin mittlerweile nicht traurig, daß es damals nicht geklappt hat.


      Viele Grüße aus München

      Kristin :wink: :wink:


      Liebe Kristin,

      wenn ich diesen Charmebolzen nicht noch am Bühnenausgang erlebt hätte, wäre es wohl so gelaufen :thumbdown: . Als stotternden Leporello fand ich ihn allerdings faszinierend und jetzt bekommt er wieder jede Chance, trotz einer Rolle oder Sprache, die ihm einfach nicht liegt.

      Der Carmen im Januar brauchst Du also wirklich nicht nach zu trauern, denn wenn ich an Berti als Don José denke, tun mir gleich wieder die Ohren weh. Damals hielt ich beide fest zu und trotzdem war mir der Bursche noch viel zu laut. Da verstand man allerdings die Carmen besser, als sie sich für Escamillo entschied, gestern nicht. Bei der kommenden Carmen und Ildebrando D'Arcangelo könnte die Geschichte wieder etwas komplizierter werden ;+)

      Herzliche Grüße
      Ingrid
    • was ich so las, soll die Berliner Carmen unter seiner Leitung viel viel besser gewesen sein.
      Orchester in Berlin hat mir bereits nicht so gefallen... beste Carmen-Mitschnitt in letzter Zeit war mit Gardiner vom 26.06.09 (France Musique).....

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Liebe Ingrid,

      Du hast wohl auch bei Marco Berti recht, das wäre auf gar keinen Fall mein Don Jose gewesen, denn ich fand 2007 seinen Calaf von Valencia unerträglich, allerdings nicht von der Stimme her sondern von Spiel und Erscheinung. Da war er für mich fürchterlich.

      Allerdings ist auch, obwohl ich seine Stimme eigentlich sehr mag, Ildebrando D'Arcangelo nicht mein Magnet, um in "Carmen" zu gehen. Ich kenne nur seinen Escamillo von der DVD von London mit Jonas Kaufmann als Don Jose. Trotz des großartigen Einritts mit echtem Pferd auf der Bühne hat er mich mit dem Torerolied damals nicht begeistert. Mir fehlt auch bei ihm die Ausstrahlung, er war auch so hölzern. Man sollte nicht immer die Allerbesten im Hinterkopf haben, das gebe ich gerne zu.
      Bei Erwin Schrott meine ich, daß ihm der Leporello sehr liegt, er singt ihn wohl auch lieber als den Don Giovanni (lt. Interview).


      Liebe Grüße

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Musikkristin schrieb:

      Allerdings ist auch, obwohl ich seine Stimme eigentlich sehr mag, Ildebrando D'Arcangelo nicht mein Magnet, um in "Carmen" zu gehen.
      Liebe Grüße
      Kristin :wink: :wink:


      Liebe Kristin,

      meiner ist natürlich auch der Don José und nach Deiner Schilderung von D'Arcangelo, könnte es dann in München auch wieder nicht so nachvollziehbar sein, dass sie den Escamillo haben will? Wenn JK auf der Bühne steht, wird es wohl jeder Gegenspieler schwer haben :D

      Wäre jetzt allerdings interessant zu wissen, ob die gestrige Carmen bei ihrem Verlobten in der GP etwas temperamentvoller getanzt hat und sich vielleicht JK gegenüber bewußt distanziert gezeigt hat, da ja der Zukünftige zugeschaut hat. Vielleicht hat sie diesen auch nicht ganz so hart auf die Bühnenbretter gedonnert. Die jungen Leute, die diese Vorstellung sahen, schienen ja ganz begeistert zu sein ?(

      Ob sich unser Nikolaus Bachler evtl. auch von dieser Idee hat inspirieren lassen, den Studenten den Vorrang beim Einlass zu den Generalproben zu geben? Die dürfen dann aber wohl ganz umsonst rein.


      Lieber Areios, leitest Du meinen Beitrag bitte auch noch um, habe irgendwie den Anschluss verpasst.
      (Gerne, schon erledigt! - Areios)

      :wink: Ingrid
    • Ich gehöre offenbar zu den Wenigen, die von Anfang bis Ende am TV ausgeharrt haben - leider !

      Ich hatte mir kürzlich wieder die DVD aus Covent Garden angesehen ( lohnt sich ! ) und angehört ( dito ) und war von der Scala - Produktion sehr enttäuscht, trotz Kaufmann, der auch hier zu überzeugen wusste. Ich könnte mille tre Soprane aufzählen, die eine bessere Micaela gesungen und dargestellt hätten als die junge Matrone dieser Aufführung. Wenn auch der Escamillo, als Lackaffe vom Dienst, sowohl schwer zu singen als auch kaum glaubhaft zu spielen ist, hat Herr Schrott hier seinem Namen alle Ehre gemacht ....Von der debütierenden Carmen dürfen wir noch einiges erwarten, denn die Stimme lässt aufhorchen.

      Mich hat am meisten der ständige Sakralkitsch gestört, womit Bizets Oper zu einem unerquicklichen Mischmasch von Cavalleria Rusticana ( die Regisseurin ist Sizilianerin ) und Don Carlos mutierte. Irgendwie nett, dass selbst zwei Ministranten die Berge und Schluchten der Pyrenäen erklimmen und durchschreiten, um der armen Micaela beizustehen !

      Dass ich das noch erleben durfte : Der Scala und Arte sei Dank !



      Ciao. Gioachino :juhu:
      miniminiDIFIDI
    • Musikkristin schrieb:

      Trotzdem ist er momentan der beste Don Jose, den ich mir vorstellen kann (in der Richtung bin ich sehr neugierig auf die Met-Übertragung im Januar mit Roberto Alagna als Don Jose).


      Liebe Kristin, Alagna war vor vielen Jahren ein ganz phantastischer Don José. In einer der Aufführungen aus Orange in Südfrankreich geradezu vorbildlich. (weiss leider das Jahr nciht mehr) Leider ist davon (fast) ncihts mehr übrig- die letzten Male die ich ihn singen hörte, waren einfach nur grauenhaft.
      Erwarte also bloss nicht zuviel!
      Kaufmann war für mich in der Londoner Aufführung DER Don José unserer Tage . Das einzige Problem das sich da stellt,ist da die Frage, warum Carmen nciht ihn nimmt sondern diesen Lackel von Escamillo. Ich glaube, jemand wie Villazon kann diesen Tenor- Loser-Typus einfach besser rüberbringen.

      Da ich fernsehlos lebe, kann ich zu der Scala-Inszenierung nichts sagen. Scheint ja wahrlich kein Verlust zu sein!

      Herr Schrott war allerdings als Leporello und Figaro überhaupt kein Schrott- seltsam, dass er hier so danebenlag. ?(

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Alagna war vor vielen Jahren ein ganz phantastischer Don José. In einer der Aufführungen aus Orange in Südfrankreich geradezu vorbildlich. (weiss leider das Jahr nciht mehr)
      Liebe Fairy,

      das muß 2004 gewesen sein, da gibt es Videos bei YouTube und das ist wirklich nicht schlecht. Da kann ich nur hoffen, daß von damals ein bißchen was übriggeblieben ist. Am 16. Januar singt übrigens Marcus Kwiecien (richtig geschrieben?) den Escamillo, das könnte toll werden aber momentan erwarte ich wenig.

      FairyQueen schrieb:

      Herr Schrott war allerdings als Leporello und Figaro überhaupt kein Schrott- seltsam, dass er hier so danebenlag.
      Irgendwie lag es bestimmt auch an der lahmen Musik, wenn ich mir da das Raimondi-Video von 1980 ansehe, da ist sind die Musik und der Escamillo absolut hinreißend.
      Eigentlich finde ich es schade, daß Erwin Schrott diese Rolle anscheinend nicht liegt, denn rein äußerlich wäre er wirklich der Typ, vielleicht hat er trotzdem, obwohl Südamerikaner, nicht das heiße ( :stumm: ) Blut für einen Torero. Aber schon beim Dresdner Opernball 2009, da sang er als Einlage das Torerolied und stolzierte eingebildet herum ohne es wirklich schwungvoll zu bringen, enttäuschte er mich. Ich stelle fest, daß ich mir schon ein paar Mal mehr von ihm erwartete als kam. Irgendwie fehlt es ihm schon an dem großen Charisma, das einen Sänger in der Weltspitze ausmacht. Ein Quäntchen fehlt und ob er das lernt oder ob man es überhaupt lernen kann steht in den Sternen.

      Liebe Grüße aus München

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Ingrid schrieb:

      meiner ist natürlich auch der Don José und nach Deiner Schilderung von D'Arcangelo, könnte es dann in München auch wieder nicht so nachvollziehbar sein, dass sie den Escamillo haben will? Wenn JK auf der Bühne steht, wird es wohl jeder Gegenspieler schwer haben
      Liebe Ingrid,

      wenn man sich so die div. Escamillos (im YouTube z.B., vor allem die aus der ferneren Vergangenheit) innerlich vorbeiziehen läßt, findet man wenige Sänger die einen wirklich attraktiven Torero darstellen und singen. Der Beste ist für mich immer noch der Raimondi von Paris 1980, da ist es wirklich nachvollziehbar, daß sich die Carmen von Don Jose-Domingo abwendet, der ja wahrlich auch nicht der Häßlichste war, grins.
      Der alte Film mit Franco Corelli (mag man zu ihm stehen wie man will, ich liebe ihn nach wie vor) ist da der Gipfel, was den unscheinbaren Escamillo und seine "Anziehungskraft" angeht. Völlig unverständlich, einen solchen Don Jose stehen zu lassen.
      Und gegen JK wird kaum jemand ankommen, wenigstens fällt mir momentan keiner ein.

      Ingrid schrieb:

      Wäre jetzt allerdings interessant zu wissen, ob die gestrige Carmen bei ihrem Verlobten in der GP etwas temperamentvoller getanzt hat und sich vielleicht JK gegenüber bewußt distanziert gezeigt hat, da ja der Zukünftige zugeschaut hat. Vielleicht hat sie diesen auch nicht ganz so hart auf die Bühnenbretter gedonnert. Die jungen Leute, die diese Vorstellung sahen, schienen ja ganz begeistert zu sein
      Sollte sich die Dame wirklich wegen ihres Verlobten zurückgehalten haben ist ihr das für die künftige Karriere nicht zu empfehlen, kicher. Da fallen mir gleich einige Sänger/innen ein, wo eifersüchtige Lebenspartner am besten gleich gar nicht ins Theater gehen sollten.


      Liebe Grüße

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)