Zur Pluralbildung des Wortes "Requiem"

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    • Zur Pluralbildung des Wortes "Requiem"

      Mit Mozat und Verdi haben mindestens zwei Komponisten ein Requiem komponiert. Deswegen stößt man bei sprachlichen Auseinandersetzungen über Musik früher oder später auf das Problem, den Plural des Wotes requiem bilden zu müssen. In einschlägig bekannten Intenet-Foren begegnet einem hierbei meistens die Form Requien.

      requiem ist der Akkusativ Singular von requies. Naheliegend wäre es demnach, für den Plural der musikalischen Gattung Requiem den Akkusativ plural von requies zu verwenden, also (schnell ein Wörterbuch herbeigegoogelt): requietes... (was gleichzeitig der Nominativ Plural von requies ist)

      Nach dem soeben herbeigegoogelten Wöterbuch ist der Akkusativ Singular von requies in bestem Cicero-Latein jedoch nicht requiem, sondern requietem. Meine spontane Schlussfolgerung: bei requiem handelt es sich um eine frühmittelalterliche Verkürzung von requietem (kann jemand hierzu etwas beitragen?). Nach einer Analogieverküzung wäre der Akkusativ Plual von requies folglich... ebenfalls requies...

      Welche Pluralbildung von Requiem verwendet Ihr?

      Beste Grüße,
      Falstaff
    • Die Pluralbildung eines Fremdwortes braucht nichts mit den entsprechenden Formen in der Ausgangssprache zu tun zu haben. Für "Requiem" gibt der Duden die Pluralformen "Requiems" und österr. "Requien" an. In beiden Fällen wurden Pluralmorpheme des Deutschen gebraucht, um den Plural erkennbar zu machen.

      Mein Eindruck ist, dass sich die österreichische Variante durchsetzt.

      Liebe Grüße Peter


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      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Also mein Duden sagt Requien und das entspricht auch voll und ganz meinem Sprachgefühl. Schließlich geht's ja nicht nur um die grammatikalische Korrekheit sondern auch darum was die deutsche Sprache draus macht. Natürlich kann man die grammatikalisch beste Variante suchen, aber dann verwendet man halt nicht mehr den deutschen Plural des Wortes, sondern den lateinischen.

      Ein ähnliches Problem gibts ja auch wenn man fremdsprachige Ortsbezeichnungen mit einem Artikel versieht. DIE Place de la Concorde klingt in meinen Ohren einfach falsch (auch hier empfiehlt der Duden übrigens den deutschen Artikel zu verwenden).
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Hallo Falstaff!



      ich bin zwar kein so großer Lateiner mehr, schließe aber folgendes aus dem googlen und meinem persönlichen Wissen und Empfinden:



      Re·qui·em, Plural 1: Re·qui·ems, Plural 2: Re·qui·en (österr.), so steht es in allen von mir konsultierten Wörterbüchern und



      zum Akkusativ von was auch immer:



      Re|qui|em [-kviɛm n. 9, Pl. österr. auch -qui|en] 1 kath. Totenmesse 2 deren Vertonung [nach dem ersten Wort des Introitus Requiem aeternam dona eis, Domine ”Die ewige Ruhe gib ihnen, Herr“]

      Wohl Kirchenlatein eben, nicht Küchenlatein ?(


      lg Robert



      PS: ich hoffe, ich liege nicht ganz daneben :wacko:
    • Falstaff schrieb:

      Die "deutsche" Pluralbildung ist bei Requiem - Requiems üblich.
      Bei Lexikon - Lexikons ist sie das nicht... das ist vermutlich Gewöhnungssache...

      Falstaff


      Das ist ja grad das tückische (und gleichzeitig schöne) an Sprachen: es gibt keine Regeln ohne Ausnahmen. Generell finde ich bei Fremdwörtern die sture Pluralbildung mit -s unschön. Da ist RequiEN sehr viel eleganter. Ähnlich bei Kaktus --> Kakteen (im Duden stehn ja mittlerweile beide Varianten mit Kakteen als Hauptvariante).
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Nach irgendeiner, selbstverständlich neuen, deutschen Rechtschreibreform schlage ich Rägwiemme vor.
      Der Umlaut mag noch der musikalischen Gesinnungsrichtung des jeweiligen Aussprechenden anheimgestellt werden.
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Etwas Anderes, aber Verwandtes:

      Bekanntlich gibt es einige Wörter, von denen man keinen Plural bilden kann: Fleisch, Wolle,Gold, schlafen...

      Von Ruhe gibt es nach dem Online-Duden (selbstverständlich besitzeich alsSprach- und Rechtschreibanarchist keinen gebundenen Duden!) jedoch einen Plural: Ruhen. Schön und gut. Aber: Was ist die Bedeutung dieses Plurals? Ich wünsche mir Ruhe. Kann ich mir auch mehrere Ruhen wünschen?

      Falstaff
    • Der Werwolf

      Der Werwolf eines Nachts entwich
      von Weib und Kind und sich begab
      an eines Dorfschullehrers Grab
      und bat ihn:"Bitte, beuge mich!"

      Der Dorfschulmeister stieg hinauf
      auf eines Blechschilds Messingknauf
      und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
      geduldig kreuzte vor dem Toten:

      "Der Werwolf", sprach der gute Mann,
      "des Weswolfs, Genitiv sodann,
      dem Wemwolf, Dativ, wie man's nennt,
      den Wenwolf, - damit hat's ein End."

      Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
      er rollte seine Augenbälle
      "Indessen", bat er, "füge doch
      zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!"

      Der Dorfschulmeister aber mußte
      gestehn, daß er von ihr nichts wußte.
      Zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
      doch "Wer" gäb's nur im Singular.

      Der Wolf erhob soch tränenblind -
      er hatte ja doch Weib und Kind!!
      Doch da er kein Gelehrter eben,
      so schied er dankend und ergeben.

      (Christian Morgenstern)

      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Nimmt denn keiner von euch daran Anstoß, dass der elegante Plural Requien angeblich österreichisch sein soll? ?( :D Da war wohl ein Ösi-Lexikograph am Werk, der wohl meinte, die musikalische Bildung der nördlichen Brüdern und Schwestern auf eine ziemlich feinsinnig-hinterhältige Weise abqualifizieren zu müssen. :pfeif: Sind halt die besseren Lateiner, die Österreicher. ;+)

      Demnächst werden unsere südlichen Nachbarn behaupten, auch Studien, Gymnasien, Kolloquien, Museen, Alben etc. seien österreichisch, während wir barbarisch an alles, was nicht deutsch zu sein scheint, ein uniformes -s dranklatschen würden, auf Beispiele verzichte ich gerne. ;+)

      Die "deutsche" Pluralbildung ist bei Requiem - Requiems üblich.

      Äächt? Ich hab eher den Eindruck, dass Requiems eher von Leuten gebildet wird, die nur vom Hörensagen wissen, was ein Requiem ist. Übrigens ist auch die Endung -en ziemlich deutsch, sie wird allerdings nicht an den deutschen Wortstamm Requiem gehängt (also nicht *requiem-en), sondern behandelt die Wortendung -em als Deklinationssuffix, das ersetzt werden kann.


      requiem ist der Akkusativ Singular von requies. Naheliegend wäre es demnach, für den Plural der musikalischen Gattung Requiem den Akkusativ plural von requies zu verwenden, also (schnell ein Wörterbuch herbeigegoogelt): requietes... (was gleichzeitig der Nominativ Plural von requies ist)

      Hmja, wenn man's korrekt und bierernst nimmt, ist Requiem ein Nominativ Singular Neutrum, dessen Akkusativ ebenfalls Requiem lautet. Wie das im Lateinischen ist, weiß ich nicht, aber die Sitte, Texte nach dem ersten Wort zu zitieren und auf diese Weise ein neues Wort zu prägen, kommt jedenfalls aus dem lateinischen Sprachraum, man denke auch an die Zitierweise päpstlicher Enzykliken.

      Grüße,
      Jürgen
      --

      "Wo die Beziehung zu unseren heutigen Ohren, Nerven, Erfahrungen und Lebensbedingungen verlorengeht, wird Interpretation zur Flucht in die Vergangenheit."
      Alfred Brendel

      "Music is a fish defrosted with a Hair-Dryer." Maisie
    • Nocturnus schrieb:

      Demnächst werden unsere südlichen Nachbarn behaupten, auch Studien, Gymnasien, Kolloquien, Museen, Alben etc. seien österreichisch


      Hätte man eigentlich selber drauf kommen können.
      Egal, ich höre mir jetzt das Brahms-Requium an.
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Hallo zusammen,

      Die "deutsche" Pluralbildung ist bei Requiem - Requiems üblich.


      Tschulligung!

      Was soll denn daran bitte "deutsch" sein?
      Wir haben keine deutsches Plural-s, das haben nur die Briten!

      Wir hängen i.d.R. ein "e", "er" oder "en" an, um den Plural oder die Plurals oder die Plurale zu bilden! (gibt es einen Plural vom Plural?)

      Somit wäre " Requien" in meinen Ohren eine ziemlich deutsche (und natürlich auch österreichische!) Pluralbildung, zumal es sich auch anständig anhört.

      Requiems - Bäh! Das geht ja gar nicht!

      @ Eifelplatz: Eines meiner liebsten Gedichte! :thumbup:
      "Eine Semmel enthält 140 Kalorien, 700 Semmeln pro Jahr ergeben 98000 Kalorien,
      diese benötigt man, um eigenhändig 1 Elefanten 9 Zentimeter weit zu tragen. Aber wozu?"
      (Loriot)